Nach Matthäus 5:1-48

5  Als Jesus die Menschenmengen sah, ging er auf einen Berg, und nachdem er sich hingesetzt hatte, kamen seine Jünger zu ihm.  Da ergriff er das Wort und fing an zu lehren:  „Glücklich sind die, denen bewusst ist, dass sie Gott brauchen,+ denn das Königreich des Himmels gehört ihnen.  Glücklich sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.+  Glücklich sind die, die ein mildes Wesen haben,+ denn sie werden die Erde erben.+  Glücklich sind die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten,+ denn ihr Verlangen wird gestillt* werden.+  Glücklich sind die Barmherzigen,+ denn sie werden barmherzig behandelt werden.  Glücklich sind die, die ein reines Herz haben,+ denn sie werden Gott sehen.+  Glücklich sind die, die den Frieden fördern,+ denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. 10  Glücklich sind die, die verfolgt werden, weil sie das Richtige tun*,+ denn das Königreich des Himmels gehört ihnen.+ 11  Glücklich seid ihr, wenn man euch meinetwegen beschimpft*,+ verfolgt+ und alle möglichen boshaften Lügen über euch erzählt.+ 12  Freut euch und seid überglücklich,+ denn eure Belohnung+ im Himmel ist groß. Schließlich wurden die Propheten vor euch genauso verfolgt.+ 13  Ihr seid das Salz+ der Erde. Doch wenn das Salz seine Kraft verliert, wie soll seine Wirkung dann wiederhergestellt werden? Man kann es zu nichts mehr gebrauchen, sondern nur noch wegwerfen,+ damit es von den Menschen zertreten wird. 14  Ihr seid das Licht der Welt.+ Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, ist nicht zu übersehen. 15  Wenn man eine Lampe anzündet, stellt man sie nicht unter ein Messgefäß, sondern auf den Lampenständer, und sie gibt allen im Haus Licht.+ 16  So lasst auch ihr euer Licht vor den Menschen leuchten,+ damit sie eure guten Taten+ sehen und euren Vater, der im Himmel ist, verherrlichen.+ 17  Denkt nicht, ich bin gekommen, um das Gesetz oder die Schriften der Propheten abzuschaffen. Ich bin nicht gekommen, um abzuschaffen, sondern um zu erfüllen.+ 18  Ich versichere euch: Eher vergehen Himmel und Erde, als dass der kleinste Buchstabe oder auch nur ein Strich eines Buchstabens aus dem Gesetz verschwindet, bevor nicht alles eingetroffen ist.+ 19  Deshalb: Wer eins dieser geringsten Gebote bricht und andere lehrt, dasselbe zu tun, der wird in Bezug auf das Königreich des Himmels als Geringster bezeichnet. Doch wer sie hält und lehrt, der wird in Bezug auf das Königreich des Himmels als groß bezeichnet. 20  Ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht übertrifft,+ kommt ihr auf keinen Fall in das Königreich des Himmels.+ 21  Ihr habt gehört, dass schon zu den Menschen in alter Zeit gesagt wurde: ‚Du sollst nicht morden.+ Wer einen Mord begeht, muss sich vor Gericht verantworten.‘+ 22  Aber ich sage euch: Jeder, der anhaltend Wut+ auf seinen Bruder hat, wird sich vor Gericht verantworten müssen. Wer ihm einen Ausdruck der Verachtung an den Kopf wirft, der kommt vor den obersten Gerichtshof. Doch wer sagt: ‚Du bist das Allerletzte!‘, den erwartet die brennende Gehẹnna.+ 23  Wenn du also deine Gabe zum Altar bringst+ und dich dort erinnerst, dass dein Bruder dir etwas übel nimmt*, 24  dann lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg. Versöhne dich zuerst mit deinem Bruder und dann komm zurück und opfere deine Gabe.+ 25  Einige dich schnell mit deinem Prozessgegner, noch während ihr auf dem Weg zum Gericht seid, damit dein Gegner dich nicht dem Richter übergibt und der Richter dich nicht dem Gerichtsdiener übergibt und du nicht ins Gefängnis geworfen wirst.+ 26  Ich versichere dir: Du kommst dort auf keinen Fall heraus, bis du deine letzte kleine Münze bezahlt hast. 27  Ihr habt gehört, dass es heißt: ‚Du sollst nicht die Ehe brechen.‘+ 28  Aber ich sage euch, dass jeder, der eine Frau ständig ansieht,+ um so leidenschaftliche Gefühle für sie zu entwickeln, in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen hat.+ 29  Wenn dich dein rechtes Auge zum Schlechten verführt, dann reiß es aus und wirf es weg.+ Besser, du verlierst einen Körperteil, als dass dein ganzer Körper in die Gehẹnna geworfen wird.+ 30  Und wenn dich deine rechte Hand zum Schlechten verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg.+ Besser, du verlierst einen Körperteil, als dass dein ganzer Körper in der Gehẹnna endet.+ 31  Außerdem heißt es: ‚Wer sich von seiner Frau scheiden lässt, soll ihr eine Scheidungsurkunde geben.‘+ 32  Aber ich sage euch: Jeder, der sich von seiner Frau scheiden lässt – außer wegen sexueller Unmoral –, setzt sie der Gefahr aus, Ehebruch zu begehen, und wer eine Geschiedene heiratet, begeht Ehebruch.+ 33  Ihr habt auch gehört, dass zu den Menschen in alter Zeit gesagt wurde: ‚Schwöre nichts, ohne dich daran zu halten,+ sondern erfülle, was du Jehova mit einem Gelübde versprochen hast.‘+ 34  Aber ich sage euch: Schwört überhaupt nicht+ – weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, 35  noch bei der Erde, denn sie ist sein Fußschemel,+ noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.+ 36  Schwöre auch nicht bei deinem Kopf, denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz werden lassen. 37  Euer Ja soll einfach ein Ja sein und euer Nein ein Nein,+ denn alles, was darüber hinausgeht, kommt vom Bösen*.+ 38  Ihr habt gehört, dass es heißt: ‚Auge für Auge, Zahn für Zahn.‘+ 39  Aber ich sage euch: Leiste einem schlechten Menschen keinen Widerstand, sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.+ 40  Und wenn dich jemand vor Gericht bringen und dein Untergewand bekommen will, dann überlass ihm auch dein Obergewand.+ 41  Und wenn dich jemand, der Autorität hat, zwangsverpflichtet, eine Meile zu gehen, dann geh zwei Meilen mit ihm. 42  Wenn dich jemand um etwas bittet, gib es ihm, und wenn jemand etwas von dir leihen will, weise ihn nicht ab.+ 43  Ihr habt gehört, dass es heißt: ‚Liebe deinen Mitmenschen+ und hasse deinen Feind.‘ 44  Aber ich sage euch: Hört nicht auf, eure Feinde zu lieben+ und für die zu beten, die euch verfolgen.+ 45  So beweist ihr, dass ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid,+ denn er lässt seine Sonne über schlechten und guten Menschen aufgehen und er lässt es auf Gerechte und Ungerechte regnen.+ 46  Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was für eine Belohnung erwartet ihr da?+ Machen das nicht auch die Steuereinnehmer? 47  Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was ist schon Besonderes daran? Machen das nicht auch die Menschen anderer Völker? 48  Ihr sollt also vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.*+

Fußnoten

Oder „sie werden gesättigt“.
Oder „die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden“.
Oder „beleidigt“.
Wtl. „etwas gegen dich hat“.
Oder „von dem, der böse ist“. Evtl. auch „von dem, was böse ist“.
Oder „Folgt also dem perfekten Beispiel eures himmlischen Vaters“.

Studienanmerkungen

auf einen Berg: Offensichtlich ein Berg in der Nähe von Kapernaum und dem See von Galiläa. Jesus stieg anscheinend zu einem höher gelegenen Punkt auf dem Berg und begann die Menschenmenge zu lehren, die sich vor ihm auf einer ebenen Stelle versammelt hatte (Luk 6:17, 20).

hingesetzt: Unter jüdischen Lehrern war es Brauch, sich beim Lehren hinzusetzen, besonders wenn sie in einem offiziellen Rahmen lehrten.

seine Jünger: Hier ist die erste Stelle, an der das griechische Substantiv mathētḗs erscheint, das oft mit „Jünger“ wiedergegeben wird. Es bezieht sich auf einen Lernenden oder Schüler und vermittelt den Gedanken einer persönlichen Bindung zum Lehrer, durch die das gesamte Leben des Schülers geprägt wird. Bei der Bergpredigt waren zwar viele Menschen anwesend, doch anscheinend richtete Jesus seine Worte in erster Linie an seine Jünger, die direkt bei ihm saßen (Mat 7:28, 29; Luk 6:20).

ergriff er das Wort: Wtl. „öffnete er seinen Mund“; eine aus dem Semitischen stammende Wendung, die anzeigt, dass Jesus mit seiner Predigt begann (Hi 33:2; Da 10:16). In Apg 8:35 und 10:34 steht im Griechischen dieselbe Wendung.

die ihr arm seid: Das mit „arm“ wiedergegebene griechische Wort bezeichnet jemanden, der bedürftig oder mittellos ist, einen Bettler. Die erste Glücklichpreisung bei Lukas unterscheidet sich etwas von der bei Matthäus (Mat 5:3). Matthäus fügt zu dem Wort für „arm“ noch das Wort für „Geist“ hinzu, was sich wörtlich wie folgt übersetzen lässt: „die Armen im Geist“ oder „die Bettler um den Geist“. (Siehe Anm. zu Mat 5:3; Luk 16:20.) Es geht um Menschen, denen schmerzlich bewusst ist, dass ihr Leben ohne Gott arm ist und sie ihn unbedingt brauchen. Lukas spricht nur von denen, die „arm“ sind. Das deckt sich mit dem Bericht von Matthäus, denn Arme und Unterdrückte sind sich oft eher bewusst, dass sie Anleitung von Gott benötigen und von ihm abhängig sind. Wie Jesus selbst sagte, kam er als Messias unter anderem, „um den Armen eine gute Botschaft zu bringen“ (Luk 4:18). Die meisten von denen, die Jesus nachfolgten und die Aussicht hatten, die Segnungen des Königreiches Gottes zu erleben, gehörten zu den armen oder einfachen Menschen (1Ko 1:26-29; Jak 2:5). Die Formulierung in Matthäus macht jedoch deutlich, dass jemand nicht automatisch Gottes Gunst hat, nur weil er arm ist. Die einleitenden Worte der Bergpredigt im Matthäus- und im Lukasevangelium ergänzen sich also.

Glücklich: Das griechische Wort makários bezeichnet mehr als lediglich das Gefühl von Fröhlichkeit oder Unbeschwertheit, das man hat, wenn man etwas Schönes erlebt. Bei Menschen beschreibt es das Gefühl, von Gott gesegnet zu sein und seine Anerkennung zu haben. Derselbe Ausdruck wird auch für Gott sowie für Jesus in seiner himmlischen Herrlichkeit gebraucht (1Ti 1:11; 6:15).

denen bewusst ist, dass sie Gott brauchen: Oder „die Bettler um den Geist sind“, „die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind“. Der griechische Ausdruck für „denen bewusst ist“ (wtl. „die Armen“, „die Bedürftigen“, „die Notleidenden“, „die Bettler“) beschreibt in diesem Kontext Menschen, die sich völlig im Klaren darüber sind, dass sie etwas Bestimmtes brauchen. Dasselbe Wort wird in Luk 16:20, 22 für den „Bettler“ Lazarus verwendet. In manchen Bibelübersetzungen wird die gesamte griechische Wendung mit „die Armen im Geist“ wiedergegeben; sie vermittelt den Gedanken von Menschen, denen schmerzlich bewusst ist, dass ihr Leben ohne Gott arm ist und sie ihn unbedingt brauchen. (Siehe Anm. zu Luk 6:20.)

ihnen: Gemeint sind Jesu Jünger, da er seine Worte in erster Linie an sie richtete (Mat 5:1, 2).

die Trauernden: Oder „die Traurigen“. Der griechische Ausdruck für „trauern“ oder „traurig sein“ (penthéō) kann sich sowohl auf tiefe Traurigkeit im allgemeinen Sinn beziehen als auch auf große Niedergeschlagenheit wegen begangener Sünden. Hier sind mit den „Trauernden“ Menschen gemeint, die die gleiche Einstellung haben wie die in Mat 5:3 erwähnten Personen, „denen bewusst ist, dass sie Gott brauchen“. Sie sind traurig, weil ihr Leben ohne Gott arm ist, weil sie sündig sind oder weil ihnen die schrecklichen, durch die menschliche Sündhaftigkeit verursachten Zustände zu schaffen machen. Paulus gebrauchte penthéō, als er die Christen in Korinth zurechtwies, weil sie ein schwerer Fall von Unmoral in ihrer Mitte nicht traurig machte (1Ko 5:2). In 2Ko 12:21 verwendete er das Wort, als er die Befürchtung äußerte, wegen einiger in der Versammlung in Korinth trauern zu müssen, weil sie sündigten und nicht bereuten. Und der Jünger Jakobus gebrauchte das Wort in der Aufforderung: „Säubert eure Hände, ihr Sünder, und reinigt euer Herz, ihr Unentschlossenen. Gebt euch eurem Kummer hin, trauert und weint“ (Jak 4:8-10). Diejenigen, die wegen ihres sündigen Zustands von Herzen traurig sind, werden getröstet, wenn sie erfahren, dass ihre Sünden vergeben werden können. Dazu müssen sie an Jesu Loskaufsopfer glauben und zeigen, dass sie ihre Sünden aufrichtig bereuen, indem sie nach dem Willen Jehovas leben (Joh 3:16; 2Ko 7:9, 10).

erbt: Das entsprechende griechische Verb vermittelt den Grundgedanken, dass ein Erbe etwas rechtmäßig bekommt, in der Regel aufgrund eines besonderen Verhältnisses (z. B. erbt ein Sohn etwas von seinem Vater) (Gal 4:30). Doch hier und an den meisten anderen Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften hat das Wort eine breitere Bedeutung. Es geht darum, etwas von Gott als Belohnung zu bekommen (Mat 19:29; 1Ko 6:9).

die ein mildes Wesen haben: Oder „die sich durch Milde auszeichnen“, „die Mildgesinnten“. Milde beschreibt die innere Haltung von Menschen, die sich bereitwillig dem Willen und der Anleitung Gottes unterordnen und andere nicht dominieren wollen. Das griechische Wort hat nichts mit Schwäche oder Feigheit zu tun. In der Septuaginta wurde es als Entsprechung für ein hebräisches Wort gebraucht, das mit „sanft“ oder „demütig“ übersetzt werden kann. Es wurde als Beschreibung für Moses verwendet (4Mo 12:3), für Menschen, die lernbereit sind (Ps 25:9), für diejenigen, die die Erde besitzen werden (Ps 37:11), und für den Messias (Sach 9:9; Mat 21:5). Jesus sagte von sich selbst, dass er ein mildes oder sanftes Wesen hat (Mat 11:29).

die Erde erben: Jesus bezieht sich hier wahrscheinlich auf Ps 37:11, wo es von „Menschen mit einem sanften Wesen“ heißt, sie würden „die Erde besitzen“. Sowohl das hebräische Wort für „Erde“ (ʼérez) als auch das griechische Wort (gē) kann ein bestimmtes Gebiet oder Land (z. B. das Land der Verheißung) bezeichnen, aber auch den ganzen Planeten. Wie die Bibel zeigt, ist Jesus das herausragendste Beispiel für jemand mit einem milden Wesen (Mat 11:29). Verschiedene Textstellen belegen, dass er als König die Autorität über die gesamte Erde erben würde, nicht nur über einen Teilbereich (Ps 2:8; Off 11:15), und seine geistgesalbten Nachfolger würden an seinem Erbe teilhaben (Off 5:10). Diejenigen seiner sanftmütigen Nachfolger, die eines Tages seine irdischen Untertanen wären, würden die Erde ebenfalls „erben“: nicht in dem Sinn, dass ihnen die Erde dann tatsächlich gehört, sondern dass sie im Paradies – dem irdischen Herrschaftsbereich des Königreichs – leben dürfen. (Siehe Anm. zu Mat 25:34.)

die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten: Gemeint sind Menschen, die sich danach sehnen, dass alles Schlechte und Ungerechte endet und Gottes Maßstäbe für Richtig und Falsch gelten. Sie tun alles, um nach Gottes Maßstäben zu leben.

barmherzig: Oder „mitfühlend“. Die in der Bibel mit „barmherzig“ und „Barmherzigkeit“ wiedergegebenen Wörter werden nicht nur im Sinne von Vergebung oder Strafmilderung gebraucht. In den allermeisten Fällen drücken sie Mitgefühl oder Mitleid aus, das jemanden die Initiative ergreifen lässt, anderen zu helfen.

ein reines Herz haben: Bedeutet innerlich rein zu sein. Es hat mit Reinheit auf dem Gebiet der Moral und der Anbetung zu tun und schließt die Wünsche, Beweggründe und Interessen einer Person ein.

Gott sehen: Jesu Worte sind nicht unbedingt wörtlich zu verstehen, denn „kein Mensch kann ... [Gott] sehen und am Leben bleiben“ (2Mo 33:20). Das hier verwendete griechische Wort kann auch „erkennen“, „begreifen“ oder „wissen“ bedeuten. Gottes Diener auf der Erde können Gott also „sehen“, wenn sie Einblick in seine Persönlichkeit bekommen. Das ist möglich, wenn sie ihren Glauben an ihn durch ein Studium seines Wortes vertiefen und wahrnehmen, was er für sie tut (Eph 1:18; Heb 11:27). Gesalbte Christen werden, wenn sie als Geistwesen auferweckt werden, Jehova tatsächlich „so sehen, wie er ist“ (1Jo 3:2).

die, die den Frieden fördern: Oder „die Friedlichen“. Das griechische Wort eirēnopoiós bedeutet wtl. „Friedensstifter“ und ist von einem Verb abgeleitet, das „Frieden schaffen“ bedeutet. Es bezieht sich auf Menschen, die nicht nur den Frieden bewahren, sondern auch den Frieden herstellen, wo es keinen gibt.

Salz: Ein Mineral, das zum Würzen und Konservieren verwendet wird. Jesus kam es hier offensichtlich auf die konservierende Eigenschaft von Salz an: Seine Jünger könnten anderen helfen, sich vor moralischem Verfall und religiöser Verdorbenheit zu schützen.

seine Kraft verliert: Zur Zeit Jesu verwendete man oft Salz aus der Gegend vom Toten Meer, das mit anderen Mineralien verunreinigt war. Wenn der Salzanteil aus der Verbindung gelöst wurde, blieb ein geschmackloser, unbrauchbarer Rest zurück.

Eine Stadt, die auf einem Berg liegt: Jesus sprach von keiner bestimmten Stadt. Damals lagen viele Städte auf einem Berg, wodurch sie vor Angriffen besser geschützt waren. Durch ihre hohen Stadtmauern waren sie selbst aus großer Entfernung nicht zu übersehen. Das traf sogar auf kleine Dörfer mit den typischen weiß gestrichenen Häusern zu.

Lampe: In biblischer Zeit nutzte man zur Beleuchtung von Räumen in der Regel kleine, mit Olivenöl gefüllte Tongefäße.

Messgefäß: Griechisch módios. Dabei handelte es sich um ein Gefäß zum Abmessen trockener Stoffe wie Getreide; es hatte ein Fassungsvermögen von etwa 9 l.

Vater: Die erste von über 160 Stellen in den Evangelien, wo Jesus Jehova als „Vater“ bezeichnet. Jesus sprach ganz selbstverständlich vom Vater, was zeigt, dass seine Zuhörer mit dieser Bezeichnung für Gott vertraut waren, denn bereits in den Hebräischen Schriften wurde Gott als „Vater“ bezeichnet (5Mo 32:6; Ps 89:26; Jes 63:16). Frühere Diener Gottes gebrauchten viele erhabene Titel bzw. Bezeichnungen als Anrede oder Beschreibung für Jehova, z. B. „der Allmächtige“, „der Höchste“ und „großer Schöpfer“; doch Jesus verwendete häufig die einfache, alltägliche Bezeichnung „Vater“ und betonte dadurch die Vertrautheit zwischen Gott und seinen Dienern (1Mo 28:3; 5Mo 32:8; Pr 12:1).

das Gesetz ... die Schriften der Propheten: Mit dem „Gesetz“ sind die fünf Bücher Mose gemeint. „Die Schriften der Propheten“ oder „die Propheten“ bezieht sich auf die prophetischen Bücher der Hebräischen Schriften. Wird beides zusammen erwähnt, können auch die gesamten Hebräischen Schriften gemeint sein (Mat 7:12; 22:40; Luk 16:16).

Eins steht fest: Wtl. „Amen, amen, ich sage euch“. Das griechische Wort amḗn ist eine Transliteration des hebräischen ʼamén, was „so soll es sein“ oder „gewiss“ bedeutet. Jesus leitete damit oft eine Aussage, ein Versprechen oder eine Prophezeiung ein, um zu betonen, dass seine Worte absolut wahr und vertrauenswürdig sind. Laut Experten wird das Wort „amen“ in keiner religiösen Schrift so verwendet, wie es Jesus tat (Mat 5:18; Mar 3:28; Luk 4:24). Nur im Johannesevangelium, und zwar an allen 25 Stellen, wird das Wort direkt zwei Mal hintereinander genannt (griechisch amḗn amḗn), was in dieser Übersetzung durchweg mit „Eins steht fest“ wiedergegeben wird. Alternativ könnte man auch „Ich garantiere euch“ oder „Ich sage euch die Wahrheit“ schreiben.

Ich versichere euch: Wtl. „Amen, ich sage euch“. Das griechische Wort amḗn ist eine Transliteration des hebräischen ʼamén, was „so soll es sein“ oder „gewiss“ bedeutet. Jesus leitete damit oft eine Aussage, ein Versprechen oder eine Prophezeiung ein, um zu betonen, dass seine Worte absolut wahr und vertrauenswürdig sind. Laut Experten wird das Wort „amen“ in keiner religiösen Schrift so verwendet, wie es Jesus tat. Manchmal wiederholte Jesus das Wort (amḗn amḗn), um seiner Aussage zusätzliches Gewicht zu verleihen; diese Verdopplung erscheint durchweg im Johannesevangelium und wurde mit „eins steht fest“ übersetzt. (Siehe Anm. zu Joh 1:51.)

Eher vergehen Himmel und Erde: Eine Hyperbel, die so viel bedeutet wie „nie“. Wie aus der Bibel hervorgeht, werden der buchstäbliche Himmel und die buchstäbliche Erde für immer bestehen bleiben (Ps 78:69; 119:90).

kleinste Buchstabe: In dem damals gebräuchlichen hebräischen Alphabet war der kleinste Buchstabe das jod (י).

ein Strich eines Buchstabens: Manche hebräische Buchstaben unterschieden sich voneinander nur durch einen winzigen Strich. Jesus hob durch diese Hyperbel hervor, dass sich Gottes Wort bis ins kleinste Detail erfüllt.

Gerechtigkeit: Siehe Worterklärungen.

Ihr habt gehört, dass ... gesagt wurde: Oder „Ihr habt gehört, dass es heißt“. Diese Formulierung kann sich sowohl auf Aussagen in den inspirierten Hebräischen Schriften beziehen als auch auf überlieferte jüdische Lehren (Mat 5:27, 33, 38, 43).

muss sich vor Gericht verantworten: Gemeint sind Ortsgerichte, die es in ganz Israel gab (Mat 10:17; Mar 13:9). Diese Gerichte hatten die Befugnis, in Mordfällen ein Urteil zu sprechen (5Mo 16:18; 19:12; 21:1, 2).

anhaltend Wut ... hat: Jesus bringt diese negative Haltung mit Hass in Verbindung, und Hass kann sogar zu tatsächlichem Mord führen (1Jo 3:15). Gott könnte jemanden, der eine solche Wut in sich trägt, letztendlich als Mörder einstufen.

Ausdruck der Verachtung: Diese Wendung gibt das griechische Wort rhaká (evtl. aus dem Hebräischen oder Aramäischen) wieder, was „hohl“ oder „hohlköpfig“ bedeutet. Wer so etwas Verächtliches zu seinem Glaubensbruder sagt, hegt nicht nur Hass im Herzen, sondern lässt dem Hass durch entsprechende Worte auch noch freien Lauf.

obersten Gerichtshof: Gemeint ist der Sanhedrin, ein Richtergremium in Jerusalem, dem der Hohe Priester sowie insgesamt 70 Älteste und Schriftgelehrte angehörten. Die Juden betrachteten die Entscheidungen des Sanhedrins als bindend. (Siehe Worterklärungen zu „Sanhedrin“.)

Du bist das Allerletzte: Das zugrunde liegende griechische Wort klingt wie ein hebräischer Ausdruck, der „rebellisch“ oder „aufrührerisch“ bedeutet. Es bezeichnet jemand, der keine Moral hat oder abtrünnig ist. Einen Mitmenschen auf diese Weise zu beschimpfen war gleichbedeutend damit, ihm die Strafe zu wünschen, die auf Rebellion gegen Gott steht: ewige Vernichtung.

Gehenna: Der Ausdruck geht auf die hebräischen Wörter gē hinnóm zurück, was „Hinnomtal“ bedeutet. Dieses Tal erstreckte sich südlich und südwestlich des alten Jerusalem. (Siehe Anh. B12, Karte „Jerusalem und Umgebung“.) Zur Zeit Jesu wurde dort Müll verbrannt, weshalb das Wort „Gehenna“ passenderweise für völlige Vernichtung steht. (Siehe Worterklärungen.)

deine Gabe zum Altar bringst: Jesus nannte hier weder ein bestimmtes Opfer noch den Grund, warum es dargebracht werden sollte. Mit „Gabe“ konnten alle möglichen Opfergaben gemeint sein, die gemäß dem mosaischen Gesetz in Jehovas Tempel dargebracht wurden. Bei dem „Altar“ handelte es sich um den Brandopferaltar im Vorhof der Priester. Da nur Priester diesen Vorhof betreten durften, musste ein Israelit seine Opfergabe am Eingang einem Priester übergeben.

dein Bruder: In manchen Kontexten bezeichnet das griechische Wort adelphós („Bruder“) ein buchstäbliches Verwandtschaftsverhältnis. Da es hier jedoch um die Anbetung in Jehovas Tempel geht, hat das Wort an dieser Stelle mit der Verwandtschaft im Glauben zu tun und beschreibt einen Mitgläubigen. Das Wort kann aber auch je nach Zusammenhang allgemein für einen Mitmenschen gebraucht werden.

lass deine Gabe dort ... und geh weg: Jesus beschreibt hier einen Anbeter, der sein Opfer gerade einem Priester übergeben möchte. Aber damit seine Gabe Jehova gefällt, muss er zuerst noch eine Unstimmigkeit mit einem Bruder beilegen. Dazu muss er sich auf die Suche nach dem Gekränkten machen, der wahrscheinlich irgendwo unter den Hunderttausenden von Pilgern ist, die zu einem der jahreszeitlichen Feste nach Jerusalem gekommen sind. Diese Feste waren die üblichen Anlässe, bei denen man Opfergaben zum Tempel brachte (5Mo 16:16).

Versöhne dich: Der griechische Ausdruck wurde wie folgt definiert: „aus Feindschaft Freundschaft werden lassen“, „sich versöhnen“, „ein normales Verhältnis oder die Harmonie wiederherstellen“. Ziel ist es also, eine Änderung herbeizuführen, indem man wenn möglich den Groll des Gekränkten abbaut (Rö 12:18). Jesus wollte sagen: Wer ein gutes Verhältnis zu Gott haben möchte, muss ein gutes Verhältnis zu anderen haben.

deine letzte kleine Münze: Wtl. „den letzten Quadrans“. Das ist der 64. Teil eines Denars. Ein Denar entsprach dem Tagelohn eines Arbeiters. (Siehe Anh. B14.)

Ihr habt gehört, dass ... gesagt wurde: Oder „Ihr habt gehört, dass es heißt“. Diese Formulierung kann sich sowohl auf Aussagen in den inspirierten Hebräischen Schriften beziehen als auch auf überlieferte jüdische Lehren (Mat 5:27, 33, 38, 43).

sexueller Unmoral: Das griechische Wort pornéia ist ein Oberbegriff für alle sexuellen Handlungen, die in der Bibel verboten werden. Dazu gehören Ehebruch, Prostitution, sexuelle Beziehungen zwischen Unverheirateten, Homosexualität und Sodomie. (Siehe Worterklärungen.)

Ihr habt gehört, dass es heißt: Siehe Anm. zu Mat 5:21.

die Ehe brechen: In diesem Zitat aus 2Mo 20:14 bzw. 5Mo 5:18 wird für das hebräische Verb naʼáph das griechische Verb moicheuō gebraucht. In der Bibel bezieht sich Ehebruch auf freiwillige sexuelle Handlungen einer verheirateten Person mit jemandem, der nicht ihr Ehepartner ist. (Vgl. die Anm. zu Mat 5:32, wo der Ausdruck „sexuelle Unmoral“, griechisch pornéia, behandelt wird.) Unter dem mosaischen Gesetz galt es als Ehebruch, wenn es zwischen einem Mann und der Verlobten oder der Ehefrau eines anderen zu freiwilligen sexuellen Beziehungen kam.

Sie nahmen ... Anstoß an ihm: Oder „Sie begannen ... seinetwegen zu stolpern“. In diesem Kontext ist das griechische Wort skandalízō („stolpern“) übertragen im Sinne von „Anstoß nehmen“ zu verstehen. Die Stelle könnte auch so übersetzt werden: „Sie weigerten sich ..., an ihn zu glauben.“ In anderen Kontexten vermittelt skandalízō den Gedanken, durch eine Sünde zu Fall zu kommen oder jemand anders dazu zu bringen, durch eine Sünde zu Fall zu kommen. (Siehe Anm. zu Mat 5:29.)

Stolpersteine: Die ursprüngliche Bedeutung des griechischen Wortes skándalon, hier mit „Stolperstein“ wiedergegeben, soll mit einer Falle zu tun haben. Einige vermuten, dass es sich auf das Stück Holz in einer Falle bezog, an dem der Köder befestigt war. Mit der Zeit erweiterte sich die Bedeutung auf irgendein Hindernis, das einen zum Stolpern oder Fallen bringen kann. Im übertragenen Sinn beschreibt es eine Handlung oder einen Umstand, der jemanden dazu bringt, einen verkehrten Weg einzuschlagen, in moralischer Hinsicht zu stolpern bzw. zu fallen oder zu sündigen. Das entsprechende Verb skandalízō wird in Mat 18:8, 9 mit „zum Schlechten verführen“ wiedergegeben; es ließe sich auch mit „zum Stolpern bringen“, „zu einer Falle werden“ oder „zur Sünde verführen“ übersetzen.

Gehenna: Der Ausdruck geht auf die hebräischen Wörter gē hinnóm zurück, was „Hinnomtal“ bedeutet. Dieses Tal erstreckte sich südlich und südwestlich des alten Jerusalem. (Siehe Anh. B12, Karte „Jerusalem und Umgebung“.) Zur Zeit Jesu wurde dort Müll verbrannt, weshalb das Wort „Gehenna“ passenderweise für völlige Vernichtung steht. (Siehe Worterklärungen.)

zum Schlechten verführt: Oder „zum Stolpern (Straucheln) bringt“. In den Christlichen Griechischen Schriften wird skandalízō für das Stolpern im übertragenen Sinn gebraucht: Es kann bedeuten, durch eine Sünde zu Fall zu kommen oder jemand anders dazu zu bringen, dass er durch eine Sünde zu Fall kommt. In diesem Vers kann man das Wort auch mit „zur Sünde verführen“, „zu einer Falle werden“ übersetzen. Wie die Verwendung des Wortes in der Bibel zeigt, kann die Sünde einschließen, gegen eines von Gottes Moralgesetzen zu verstoßen, den Glauben zu verlieren oder falsche Lehren zu akzeptieren. skandalízō kann außerdem im Sinn von „Anstoß nehmen“ verstanden werden. (Siehe Anm. zu Mat 13:57; 18:7.)

Gehenna: Siehe Anm. zu Mat 5:22 und Worterklärungen.

Scheidungsurkunde: Scheidungen wurden im mosaischen Gesetz nicht gefördert. Für eine Scheidung war eine spezielle Urkunde nötig, wodurch übereilte Scheidungen verhindert und Frauen geschützt werden sollten (5Mo 24:1). Wollte ein Ehemann so eine Urkunde ausstellen, musste er sich wahrscheinlich an entsprechend bevollmächtigte Männer wenden; sie konnten das Paar dazu ermuntern, sich wieder zu versöhnen.

wenn eine Frau, nachdem sie sich von ihrem Mann hat scheiden lassen: Durch diese Worte erkannte Jesus der Frau das Recht zu, sich von ihrem untreuen Mann scheiden zu lassen – etwas, das zur damaligen Zeit bei den Juden offenbar nicht akzeptabel war. Doch bei Christen sollte laut Aussage von Jesus für Mann und Frau derselbe Maßstab gelten.

wenn eine Frau, nachdem sie sich von ihrem Mann hat scheiden lassen: Durch diese Worte erkannte Jesus der Frau das Recht zu, sich von ihrem untreuen Mann scheiden zu lassen – etwas, das zur damaligen Zeit bei den Juden offenbar nicht akzeptabel war. Doch bei Christen sollte laut Aussage von Jesus für Mann und Frau derselbe Maßstab gelten.

Jeder, der sich von seiner Frau scheiden lässt: Siehe Anm. zu Mar 10:12.

sexueller Unmoral: Das griechische Wort pornéia ist ein Oberbegriff für alle sexuellen Handlungen, die in der Bibel verboten werden. Dazu gehören Ehebruch, Prostitution, sexuelle Beziehungen zwischen Unverheirateten, Homosexualität und Sodomie. (Siehe Worterklärungen.)

setzt sie der Gefahr aus, Ehebruch zu begehen: Eine Frau wird durch eine Scheidung nicht automatisch zur Ehebrecherin. Doch wenn sich ihr Mann von ihr scheiden lässt, ohne dass sexuelle Unmoral (griechisch pornéia) vorliegt, wird sie der Gefahr ausgesetzt, durch sexuelle Beziehungen mit jemand anders zur Ehebrecherin zu werden. Nach den Maßstäben der Bibel ist sie nicht frei, wieder zu heiraten, solange sich die Umstände ihres geschiedenen Mannes nicht ändern. Sie ist erst frei, wenn er stirbt oder ihr durch sexuelle Unmoral untreu wird. Für Christen gilt dasselbe Prinzip, wenn sich eine Frau von ihrem Mann scheiden lässt.

eine Geschiedene: D. h. eine Frau, deren Scheidung nicht aufgrund von sexueller Unmoral (griechisch pornéia; siehe Anm. zu sexueller Unmoral in diesem Vers) erfolgt ist. Wie Jesu Worte in Mar 10:12 zeigen (siehe Anm.), gilt für Ehemänner und Ehefrauen der gleiche Maßstab, unabhängig davon, wer von beiden die Scheidung veranlasst. Jesu Aussage ist eindeutig: Erfolgt eine Scheidung nicht aufgrund von sexueller Unmoral und einer der beiden Geschiedenen heiratet wieder, begeht er Ehebruch. Und auch ein Unverheirateter, der eine solche Person heiratet, macht sich des Ehebruchs schuldig (Mat 19:9; Luk 16:18; Rö 7:2, 3).

Ihr habt gehört, dass ... gesagt wurde: Oder „Ihr habt gehört, dass es heißt“. Diese Formulierung kann sich sowohl auf Aussagen in den inspirierten Hebräischen Schriften beziehen als auch auf überlieferte jüdische Lehren (Mat 5:27, 33, 38, 43).

Ihr habt auch gehört, dass ... gesagt wurde: Siehe Anm. zu Mat 5:21.

Jehova: Es handelt sich hier zwar um kein direktes Zitat aus den Hebräischen Schriften, doch die zwei Gebote, die Jesus anführt, werden z. B. in 3Mo 19:12, 4Mo 30:2 und 5Mo 23:21 erwähnt. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C.)

Schwört überhaupt nicht: Jesus verbot hier das Schwören nicht grundsätzlich. Das mosaische Gesetz, das immer noch in Kraft war, erlaubte es, bei bestimmten ernsten Angelegenheiten einen Eid oder ein Gelübde abzulegen (4Mo 30:2; Gal 4:4). Vielmehr verurteilte Jesus es, leichtfertig und bei allem Möglichen zu schwören, weil dadurch mit dem Schwören Missbrauch getrieben wurde.

weder beim Himmel: Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, schworen viele „beim Himmel“, „bei der Erde“, „bei Jerusalem“ und sogar bei ihrem eigenen „Kopf“ oder Leben (Mat 5:35, 36). Die Juden waren sich allerdings uneinig, ob solche Schwüre – die bei etwas Erschaffenem geleistet wurden – so bindend waren wie Schwüre, die man beim Namen Gottes leistete. Einige gingen offenbar davon aus, sie könnten solche Schwüre ohne irgendwelche Konsequenzen zurücknehmen.

des großen Königs: D. h. Jehova Gott (Mal 1:14).

was darüber hinausgeht, kommt vom Bösen: Wer denkt, ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ reiche nicht und er müsse ständig beschwören, was er sagt, macht sich im Grunde selbst unglaubwürdig. So jemand offenbart den Geist des Teufels, „des Vaters der Lüge“ (Joh 8:44).

Ihr habt gehört, dass ... gesagt wurde: Oder „Ihr habt gehört, dass es heißt“. Diese Formulierung kann sich sowohl auf Aussagen in den inspirierten Hebräischen Schriften beziehen als auch auf überlieferte jüdische Lehren (Mat 5:27, 33, 38, 43).

Ihr habt gehört, dass es heißt: Siehe Anm. zu Mat 5:21.

Auge für Auge, Zahn für Zahn: Zur Zeit Jesu missbrauchten viele dieses Gesetz (2Mo 21:24; 3Mo 24:20), um persönliche Racheakte zu rechtfertigen. Allerdings durfte es tatsächlich nur dann angewandt werden, wenn ein Fall vor Gericht verhandelt worden war und die Richter eine entsprechende Strafe verhängt hatten (5Mo 19:15-21).

dich jemand auf die rechte Wange schlägt: Das griechische Verb rhapízō (wtl. „mit der flachen Hand schlagen“) bedeutet in diesem Kontext „ohrfeigen“. Dabei will der Schlagende vermutlich nicht wirklich verletzen, sondern eher provozieren oder beleidigen. Jesus macht seinen Nachfolgern also klar, dass sie bereit sein sollten, Beleidigungen in Kauf zu nehmen, ohne sich zu rächen.

überlass ihm auch dein Obergewand: Jüdische Männer trugen oft zwei Kleidungsstücke. Das Untergewand (griechisch chitṓn) war eine hemdähnliche Tunika mit kurzen oder langen Ärmeln, die bis zu den Knien oder den Knöcheln ging und direkt auf der Haut getragen wurde. Bei dem Obergewand (griechisch himátion) handelte es sich um einen Überwurf oder ein loses Gewand oder einfach nur um ein rechteckiges Stück Stoff. Kleidungsstücke konnten als Pfand für eine ausstehende Zahlung dienen (Hi 22:6). Jesus machte Folgendes deutlich: Seinen Nachfolgern sollte der Frieden so wichtig sein, dass sie bereit wären, dafür nicht nur ihr Untergewand herzugeben, sondern auch ihr wertvolleres Obergewand.

dich jemand ... zwangsverpflichtet: Ein Hinweis darauf, dass man im Römischen Reich zu bestimmten Arbeiten gezwungen werden konnte. Die Römer konnten z. B. Menschen und Tiere zu bestimmten Diensten heranziehen oder etwas beschlagnahmen, was ihnen nützlich erschien, um staatliche Aufträge und Aufgaben schneller zu erledigen. Simon von Kyrene beispielsweise wurde von römischen Soldaten „zwangsverpflichtet“, Jesu Marterpfahl zu tragen (Mat 27:32).

Meile: Wahrscheinlich ist die römische Meile gemeint, die 1 479,5 m entspricht. (Siehe Worterklärungen und Anh. B14.)

leihen: D. h. zinslos leihen. Das mosaische Gesetz untersagte es den Israeliten, von einem mittellosen Israeliten für ein Darlehen Zinsen zu verlangen (2Mo 22:25), und es spornte sie zur Großzügigkeit an, wenn sie Bedürftigen etwas liehen (5Mo 15:7, 8).

Ihr habt gehört, dass ... gesagt wurde: Oder „Ihr habt gehört, dass es heißt“. Diese Formulierung kann sich sowohl auf Aussagen in den inspirierten Hebräischen Schriften beziehen als auch auf überlieferte jüdische Lehren (Mat 5:27, 33, 38, 43).

Ihr habt gehört, dass es heißt: Siehe Anm. zu Mat 5:21.

Liebe deinen Mitmenschen: Wtl. „Liebe deinen Nächsten“. Im mosaischen Gesetz wurden Israeliten aufgefordert, ihre Mitmenschen zu lieben (3Mo 19:18). Mit „Nächster“ oder „Mitmensch“ war einfach nur ein anderer Mensch gemeint. Doch einige Juden schränkten diesen Begriff ein. Sie betrachteten ausschließlich Juden – vor allem diejenigen, die sich an die mündlich überlieferten Traditionen hielten – als ihre Mitmenschen. Alle anderen waren für sie Feinde.

hasse deinen Feind: Das mosaische Gesetz enthielt kein solches Gebot. Manche jüdische Rabbis glaubten, das Gebot, seine Mitmenschen zu lieben, würde im Umkehrschluss bedeuten, man solle seine Feinde hassen.

Hört nicht auf, eure Feinde zu lieben: Jesu Rat stimmt mit dem Geist der Hebräischen Schriften überein (2Mo 23:4, 5; Hi 31:29; Spr 24:17, 18; 25:21).

Steuereinnehmer: Viele Juden trieben für den römischen Staat Steuern ein. Ihre Landsleute hatten eine starke Abneigung gegen sie, nicht nur weil sie mit einer verhassten fremden Macht zusammenarbeiteten, sondern auch weil sie überhöhte Steuern erpressten. Die Juden wollten mit Steuereinnehmern generell nichts zu tun haben und stellten sie mit Sündern und Prostituierten auf eine Stufe (Mat 11:19; 21:32).

Brüder: Gemeint ist das ganze Volk Israel. Die Israeliten waren alle Brüder, denn sie hatten einen gemeinsamen Vater: Jakob. Und sie beteten alle denselben Gott an: Jehova (2Mo 2:11; Ps 133:1).

grüßt: Jemanden zu grüßen bedeutete, ihm alles Gute und Wohlstand zu wünschen.

Menschen anderer Völker: D. h. Nichtjuden, die keine Diener Jehovas waren. Die Juden betrachteten solche Menschen als gottlos und unrein und wollten nichts mit ihnen zu tun haben.

vollkommen: Das hier verwendete griechische Wort kann „ganz“, „vollständig“ oder „voll entwickelt“ bedeuten. In Verbindung mit Maßstäben und Normen kann es auch mit „fehlerfrei“ oder „einwandfrei“ wiedergegeben werden. Nur Jehova ist absolut vollkommen. Wird das Wort auf Menschen angewandt, drückt es daher immer nur relative Vollkommenheit aus. In diesem Kontext bezieht sich „vollkommen“ auf die Vollständigkeit der Liebe, die Christen Jehova und ihren Mitmenschen gegenüber zeigen sollen. Das ist selbst sündigen Menschen möglich.

Medien

Nordufer des Sees von Galiläa (Blick nach Nordwesten)
Nordufer des Sees von Galiläa (Blick nach Nordwesten)

1. Ebene Genezareth. Das fruchtbare Stück Land in Form eines Dreiecks ist am Seeufer etwa 5 km lang, die breiteste Stelle misst rund 2,5 km. In dieser Gegend irgendwo am Strand lud Jesus die Fischer Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes ein, ihn bei seinem Dienst zu begleiten (Mat 4:18-22).

2. Laut Überlieferung hielt Jesus an dieser Stelle die Bergpredigt (Mat 5:1; Luk 6:17, 20).

3. Kapernaum. In dieser Stadt hatte Jesus seinen Wohnsitz. Dort oder in der näheren Umgebung lernte er auch Matthäus kennen (Mat 4:13; 9:1, 9).

Salz am Ufer des Toten Meeres
Salz am Ufer des Toten Meeres

Der Salzgehalt im Toten Meer (Salzmeer) ist heute etwa neunmal so hoch wie in den Weltmeeren (1Mo 14:3). Wenn Wasser vom Toten Meer verdunstet, bleibt Salz zurück. Dadurch hatten schon die Israeliten immer genug Salz zur Verfügung – wenn auch von minderwertiger Qualität, da es mit anderen Mineralien verunreinigt war. Möglicherweise bezogen die Israeliten auch Salz von den Phöniziern. Man nimmt an, dass diese es durch Verdunstung von Wasser aus dem Mittelmeer gewannen. In der Bibel wird Salz als Würzmittel erwähnt (Hi 6:6). Und Jesus verwendete es in seinen Veranschaulichungen. Er war ein Meister darin, durch alltägliche Dinge wichtige Lehren zu vermitteln. In der Bergpredigt sagte er z. B. zu seinen Jüngern: „Ihr seid das Salz der Erde.“ So machte er deutlich, dass sie einen lebenserhaltenden Einfluss auf andere haben könnten: Sie könnten ihnen helfen, sich vor moralischem Verfall und religiöser Verdorbenheit zu schützen.

Öllampe im 1. Jahrhundert
Öllampe im 1. Jahrhundert

Die üblichen zur Innenbeleuchtung verwendeten Tonlampen waren mit Olivenöl gefüllt. Die Flamme wurde über einen Docht mit dem Öl gespeist. Um einen Raum auszuleuchten, stellte man Lampen oft auf Ständer aus Ton, Holz oder Metall. Sie wurden auch in Wandnischen oder auf Regale platziert oder mit einer Schnur an die Decke gehängt.

Lampenständer
Lampenständer

Diese künstlerische Darstellung eines Lampenständers (1) basiert auf Fundstücken aus Ephesus (Türkei) und Italien, die aus dem 1. Jh. stammen. Diese Art Lampenständer gab es wahrscheinlich eher in wohlhabenden Häusern. In ärmeren Häusern stellte man Lampen auf Ton- oder Holzständer und in Wandnischen (2) oder befestigte sie mit einer Schnur an der Decke.

Hinnomtal (Gehenna)
Hinnomtal (Gehenna)

Das Hinnomtal war ein tiefes, enges Tal im S und SW des alten Jerusalem. Im Griechischen wurde es „Gehenna“ genannt. Da dort zur Zeit Jesu Abfall verbrannt wurde, ist der Ort ein passendes Symbol für völlige Vernichtung.

Das Hinnomtal heute
Das Hinnomtal heute

Das Hinnomtal (1) wird in den Christlichen Griechischen Schriften „Gehenna“ genannt. Auf dem Tempelberg (2) befand sich im 1. Jh. der jüdische Tempel. Heute ist das markanteste Bauwerk dort der Felsendom, ein islamisches Heiligtum. (Siehe Karte in Anh. B12.)

Scheidungs­urkunde
Scheidungs­urkunde

Diese in Aramäisch verfasste Scheidungsurkunde stammt aus dem Jahr 71 oder 72 u. Z. Sie wurde in einer Höhle an der Nordflanke des Wadis Murabbaat gefunden, eines ausgetrockneten Flussbetts in der Judäischen Wüste. Die Urkunde belegt, dass sich Joseph, Sohn von Naqsan, im sechsten Jahr des jüdischen Aufstands von Miriam, Tochter von Jonathan und wohnhaft in Masada, scheiden ließ.