Nach Matthäus 6:1-34

6  Passt auf, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor anderen zur Schau stellt, um von ihnen gesehen zu werden,+ sonst werdet ihr von eurem Vater im Himmel keine Belohnung erhalten.  Wenn du den Armen etwas gibst,+ dann posaune das nicht hinaus, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen tun, damit sie von den Menschen geehrt werden.+ Ich versichere euch: Sie haben ihre volle Belohnung schon bekommen.  Du aber, wenn du den Armen etwas gibst, dann lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut,  damit deine barmherzigen Taten* verborgen bleiben. Dann wird dich dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dafür belohnen.+  Und wenn ihr betet, dann macht es nicht wie die Heuchler,+ die sich gern in den Synagogen und an den Ecken der Hauptstraßen hinstellen, um beim Beten gesehen zu werden.+ Ich versichere euch: Sie haben ihre volle Belohnung schon bekommen.  Du aber, wenn du betest, geh in dein Privatzimmer, schließ die Tür, und bete dann zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.+ Dann wird dich dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dafür belohnen.  Sagt beim Beten nicht immer und immer wieder dasselbe, wie es Menschen anderer Völker tun. Sie meinen nämlich, dass sie erhört werden, wenn sie viele Worte machen.  Seid also nicht wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr braucht,+ noch bevor ihr ihn überhaupt darum bittet.  Betet deshalb so:+ ‚Unser Vater im Himmel, dein Name+ soll geheiligt werden.+ 10  Lass dein Königreich+ kommen. Lass deinen Willen+ geschehen, wie im Himmel, so auch auf der Erde.+ 11  Gib uns heute unser Brot für diesen Tag.+ 12  Und vergib uns unsere Schuld, so wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben.+ 13  Bring uns nicht in Versuchung,+ sondern befreie* uns von dem Bösen.‘+ 14  Wenn ihr die Verfehlungen anderer vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.+ 15  Wenn ihr aber die Verfehlungen anderer nicht vergebt, wird euer Vater auch eure Verfehlungen nicht vergeben.+ 16  Hört auf, beim Fasten+ ein trauriges Gesicht zu machen wie die Heuchler, die ihr Gesicht verunstalten, damit man ihnen ansieht, dass sie fasten.+ Ich versichere euch: Sie haben ihre volle Belohnung schon bekommen. 17  Du aber, pflege beim Fasten dein Haar* mit Öl und wasch dein Gesicht, 18  damit andere nicht sehen, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist. Dann wird dich dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dafür belohnen. 19  Hört auf, euch Schätze auf der Erde anzusammeln,+ wo sie von Motten und Rost zerfressen werden und wo Diebe einbrechen und sie stehlen. 20  Sammelt stattdessen Schätze im Himmel an,+ wo nichts von Motten oder Rost zerfressen wird+ und wo keine Diebe einbrechen und etwas stehlen. 21  Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein. 22  Das Auge ist die Lampe des Körpers.+ Wenn also dein Auge fokussiert ist, dann ist dein ganzer Körper voller Licht*.+ 23  Doch wenn dein Auge neidisch ist,+ dann ist dein ganzer Körper finster. Wenn das Licht in dir in Wirklichkeit Finsternis ist, wie groß ist diese Finsternis dann! 24  Niemand kann zwei Herren dienen. Den einen würde er hassen und den anderen lieben+ – zu dem einen würde er halten und den anderen würde er verachten. Ihr könnt nicht Gott und dem Reichtum dienen.+ 25  Deswegen sage ich euch: Hört auf, euch über euer Leben Sorgen zu machen,+ also was ihr essen oder trinken sollt, oder über euren Körper, also was ihr anziehen sollt.+ Ist nicht das Leben wichtiger als das Essen und der Körper wichtiger als die Kleidung?+ 26  Beobachtet genau die Vögel am Himmel.+ Sie säen nicht, ernten nicht und sammeln auch nichts in Vorratshäusern. Trotzdem ernährt sie euer himmlischer Vater. Seid ihr nicht mehr wert als sie? 27  Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, seine Lebensdauer auch nur ein kleines bisschen verlängern?+ 28  Und warum macht ihr euch Sorgen um Kleidung? Lernt von den Lilien, wie sie auf den Feldern wachsen. Sie mühen sich nicht ab und spinnen kein Garn. 29  Aber ich sage euch: Nicht mal Sạlomo+ in all seiner Pracht war so schön gekleidet wie eine von ihnen. 30  Wenn Gott schon die Pflanzen, die heute auf den Feldern stehen und morgen in den Ofen geworfen werden, so kleidet, wird er dann nicht erst recht euch kleiden? Habt ihr so wenig Glauben? 31  Macht euch also nie Sorgen+ und sagt: ‚Was sollen wir essen?‘, oder: ‚Was sollen wir trinken?‘, oder: ‚Was sollen wir anziehen?‘+ 32  Denn all dem laufen die anderen Völker hinterher. Euer himmlischer Vater weiß doch, dass ihr das alles braucht. 33  Setzt also das Königreich und Gottes gerechte Maßstäbe weiter an die erste Stelle und ihr werdet all das andere noch dazubekommen.+ 34  Macht euch deshalb niemals Sorgen um den nächsten Tag,+ denn der nächste Tag hat seine eigenen Sorgen. Jeder Tag bringt genug eigene Probleme mit sich.

Fußnoten

Oder „Gaben der Barmherzigkeit“.
Oder „rette“.
Wtl. „Kopf“.
Oder „hell“.

Studienanmerkungen

Gerechtigkeit: Siehe Worterklärungen.

Ich versichere euch: Wtl. „Amen, ich sage euch“. Das griechische Wort amḗn ist eine Transliteration des hebräischen ʼamén, was „so soll es sein“ oder „gewiss“ bedeutet. Jesus leitete damit oft eine Aussage, ein Versprechen oder eine Prophezeiung ein, um zu betonen, dass seine Worte absolut wahr und vertrauenswürdig sind. Laut Experten wird das Wort „amen“ in keiner religiösen Schrift so verwendet, wie es Jesus tat. Manchmal wiederholte Jesus das Wort (amḗn amḗn), um seiner Aussage zusätzliches Gewicht zu verleihen; diese Verdopplung erscheint durchweg im Johannesevangelium und wurde mit „eins steht fest“ übersetzt. (Siehe Anm. zu Joh 1:51.)

den Armen etwas gibst: Oder „Gaben der Barmherzigkeit gibst“. Das griechische Wort eleēmosýnē wird in vielen Bibeln mit „Almosen“ wiedergegeben. Es ist mit den griechischen Wörtern für „Barmherzigkeit“ und „Barmherzigkeit zeigen“ oder „Barmherzigkeit erweisen“ verwandt. eleēmosýnē bezieht sich auf Geld oder Nahrungsmittel, die man Armen schenkt, um ihre Not zu lindern.

posaune ... nicht hinaus: Wtl. „trompete nicht“. Damit ist offensichtlich gemeint, dass man nicht überall herumerzählen oder damit prahlen soll, wie großzügig man ist und was man alles für andere tut.

Heuchler: Das griechische Wort hypokritḗs bezeichnete ursprünglich griechische und später römische Schauspieler, die auf der Bühne zur Stimmverstärkung große Masken trugen. Mit der Zeit wurde dieser Ausdruck im übertragenen Sinn für jemand gebraucht, der seine wirklichen Absichten durch falsches Spiel verschleiert oder seine wahre Persönlichkeit durch Verstellung verbirgt. Jesus nennt hier die jüdischen Geistlichen „Heuchler“ (Mat 6:5, 16).

Ich versichere euch: Siehe Anm. zu Mat 5:18.

Sie haben ihre volle Belohnung schon bekommen: Der griechische Ausdruck apéchō bedeutet „empfangen haben“. Im Geschäftsleben erschien er oft auf Quittungen im Sinn von „vollständig bezahlt“. Die Heuchler hatten ihre volle Belohnung schon empfangen, weil sie für ihre Wohltätigkeit gegenüber den Armen das bekamen, was sie sich dafür erhofft hatten: die Anerkennung von Menschen. Von Gott konnten sie keine Belohnung mehr erwarten.

lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut: Ein sprachliches Bild, durch das der Gedanke von größter Diskretion und Verschwiegenheit vermittelt wird. Jesu Nachfolger sollen keinem von ihren guten Taten erzählen – nicht einmal jemandem, der ihnen so nahe ist wie die linke Hand der rechten, also nicht einmal ihrem besten Freund.

Sagt ... nicht immer und immer wieder dasselbe: Oder „Plappert nicht“, „Wiederholt keine leeren Worte“. Jesus meinte damit nicht, man dürfe keine Bitten wiederholen (Mat 26:36-45). Es wäre allerdings falsch, wie die Menschen anderer Völker (d. h. Heiden oder Nichtjuden) „immer und immer wieder“ formelhafte, auswendig gelernte Gebete herunterzuleiern. Jesus wollte seinen Nachfolgern klarmachen, dass es wichtig ist, beim Beten mit den Gedanken dabei zu sein.

euer Vater: In manchen alten Handschriften findet sich die Lesart „Gott, euer Vater“, doch die kürzere Lesart „euer Vater“ ist besser belegt.

Vater: Die erste von über 160 Stellen in den Evangelien, wo Jesus Jehova als „Vater“ bezeichnet. Jesus sprach ganz selbstverständlich vom Vater, was zeigt, dass seine Zuhörer mit dieser Bezeichnung für Gott vertraut waren, denn bereits in den Hebräischen Schriften wurde Gott als „Vater“ bezeichnet (5Mo 32:6; Ps 89:26; Jes 63:16). Frühere Diener Gottes gebrauchten viele erhabene Titel bzw. Bezeichnungen als Anrede oder Beschreibung für Jehova, z. B. „der Allmächtige“, „der Höchste“ und „großer Schöpfer“; doch Jesus verwendete häufig die einfache, alltägliche Bezeichnung „Vater“ und betonte dadurch die Vertrautheit zwischen Gott und seinen Dienern (1Mo 28:3; 5Mo 32:8; Pr 12:1).

Betet deshalb: Jesus sprach hier seine Zuhörer an, die sich von den zuvor erwähnten Heuchlern unterscheiden sollten (Mat 6:5).

so: Oder „auf folgende Weise“. Damit meinte Jesus, man solle anders beten als diejenigen, die beim Beten „immer und immer wieder dasselbe“ sagen (Mat 6:7).

Unser Vater: Durch das Pronomen „unser“ erkennt der Betende an, dass auch andere eine enge Bindung zu Gott haben und zu Gottes Familie von Anbetern gehören. (Siehe Anm. zu Mat 5:16.)

Name: Der Eigenname Gottes wird in Hebräisch mit den vier Konsonanten יהוה (JHWH) geschrieben. Die Wiedergabe „Jehova“ hat im Deutschen eine lange Tradition. In der Neuen-Welt-Übersetzung erscheint der Name an 6 979 Stellen in den Hebräischen Schriften und an 237 Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften. (Nähere Informationen zum Gebrauch des Gottesnamens in den Christlichen Griechischen Schriften sind im Anh. A5 und Anh. C zu finden.) In der Bibel steht der Ausdruck „Name“ manchmal auch für eine Person an sich, für ihren Ruf und für alles, was sie über sich selbst offenbart. (Vgl. 2Mo 34:5, 6; Off 3:4, Fn.)

soll geheiligt werden: Oder „soll heiliggehalten werden“, „soll als heilig behandelt werden“. Hierbei handelt es sich um die Bitte, dass alle Geschöpfe – auf der Erde und im geistigen Bereich – Gottes Namen heilighalten. Die Bitte schließt ein, dass Gott Schritte unternehmen möge, um sich selbst zu heiligen – und zwar indem er seinen Namen von aller Schande befreit, die seit der Rebellion der ersten Menschen in Eden über ihn gebracht worden ist.

Lass dein Königreich kommen: Oder „Lass dein Reich [oder „deine Regierung“] kommen“. Dieses Königreich ist eine Ausdrucksform von Gottes Oberherrschaft über die Erde. Durch diese Bitte drückt man seinen Wunsch aus, Jehova möge endgültige Schritte unternehmen, damit sein Königreich unter dem messianischen König und dessen Mitregenten zur einzigen Regierung über die ganze Erde wird. Wie durch Jesu Gleichnis in Luk 19:11-27 bestätigt wird, „kommt“ Gottes Königreich in dem Sinne, dass es Gericht hält, alle Feinde vernichtet und diejenigen belohnt, die das Königreich sehnsüchtig erwarten. (Siehe Mat 24:42, 44.) Das Königreich wird das gegenwärtige böse Weltsystem einschließlich aller Regierungen beseitigen und ein gerechtes neues Weltsystem herbeiführen (Da 2:44; 2Pe 3:13; Off 16:14-16; 19:11-21).

Lass deinen Willen geschehen: Bei dieser Bitte geht es nicht so sehr darum, dass Menschen den Willen Gottes ausführen, sondern dass Gott Schritte unternimmt, seinen Willen bezüglich der Erde und ihrer Bewohner durchzusetzen. Es ist der Wunsch, Gott möge seine Macht einsetzen, um sein erklärtes Vorhaben zu realisieren. Dadurch zeigt der Betende, dass er selbst hinter dem Willen Gottes steht und sich ihm unterordnet. (Vgl. Mat 26:39.) In diesem Kontext gibt es zwei Möglichkeiten, die Formulierung wie im Himmel, so auch auf der Erde zu verstehen: 1. Gottes Wille möge auf der Erde geschehen, wie er bereits im Himmel geschieht; 2. Gottes Wille möge sowohl im Himmel als auch auf der Erde in vollem Umfang geschehen.

unser Brot für diesen Tag: In verschiedenen Kontexten kann mit dem hebräischen und auch dem griechischen Wort für „Brot“ Nahrung generell gemeint sein (1Mo 3:19, Fn.). Jesus weist somit darauf hin, dass Jehovas Diener ihren Gott voller Vertrauen um Nahrung bitten dürfen – allerdings nur um so viel, wie sie für den Tag brauchen, nicht um Überfluss. Die Bitte erinnert daran, dass die Israeliten von dem Manna, das Gott ihnen gab, nur so viel aufsammeln sollten, wie sie „für den jeweiligen Tag“ brauchten (2Mo 16:4).

vergib: Der griechische Begriff bedeutet wtl. „fortlassen“ oder „loslassen“. Er kann aber auch die Bedeutung von „Schulden erlassen“ haben, so z. B. in Mat 18:27, 32.

Schuld: Oder „Schulden“; gemeint sind Sünden. Wer gegen jemand anders sündigt, macht bei ihm sozusagen Schulden oder steht bei ihm in der Schuld und muss ihn um Vergebung bitten. Möchte jemand seine Schuld von Gott vergeben bekommen, muss er zuerst seinen eigenen Schuldnern vergeben, also denen, die gegen ihn gesündigt haben (Mat 6:14, 15; 18:35; Luk 11:4).

Bring uns nicht in Versuchung: Oder „Lass nicht zu, dass wir der Versuchung nachgeben“. In der Bibel heißt es von Gott hin und wieder, er würde bestimmte Dinge tun, obwohl er sie nur zulässt (Ru 1:20, 21). Daher bedeutet Jesu Aussage nicht, Gott würde Menschen zum Sündigen verleiten (Jak 1:13). Vielmehr ermuntert Jesus seine Nachfolger, Gott um Hilfe zu bitten, damit sie einer Versuchung nicht erliegen oder gar nicht erst in eine Versuchung geraten (1Ko 10:13).

Verfehlungen: Der griechische Begriff für „Verfehlung“ lässt sich auch mit „Fehltritt“ übersetzen (Gal 6:1). Im Gegensatz dazu steht der Gedanke, seinen Weg in Übereinstimmung mit Gottes gerechten Maßstäben aufrecht und mit sicherem Schritt zu gehen.

Fasten: Fasten bedeutet, für eine gewisse Zeit nichts zu essen. (Siehe Worterklärungen.) Jesus wies seine Nachfolger nie an zu fasten, er untersagte es ihnen aber auch nicht. Unter dem mosaischen Gesetz fasteten aufrichtige Israeliten, wenn sie Jehova um Hilfe baten oder ihm ihre Reue über begangene Sünden zeigen wollten (1Sa 7:6; 2Ch 20:3).

ihr Gesicht verunstalten: Oder „ihr Aussehen vernachlässigen“. Womöglich wuschen und pflegten sich manche beim Fasten nicht und streuten sich Asche auf den Kopf.

pflege beim Fasten dein Haar mit Öl und wasch dein Gesicht: Beim Fasten war es üblich, sein Erscheinungsbild zu vernachlässigen. Jesus sagte den Jüngern jedoch, dass sie ihren Verzicht nicht zur Schau tragen sollen.

Das Auge ist die Lampe des Körpers: Ein buchstäbliches Auge, das voll funktionsfähig ist, „erleuchtet“ den gesamten Körper, also den gesamten Menschen – wie eine Lampe einen dunklen Ort. Jesus gebraucht hier das Auge im übertragenen Sinn (Eph 1:18).

fokussiert: Oder „klar“, „gesund“. Die Grundbedeutung des griechischen Wortes haploús ist „einfach“ (im Gegensatz zu „mehrfach“) oder „schlicht“. Es kann den Gedanken vermitteln, dass man sein Denken oder seine Ergebenheit auf ein einziges Ziel richtet. Damit ein buchstäbliches Auge seine Aufgabe erfüllen kann, muss es in der Lage sein, sich auf eine einzelne Sache zu fokussieren. Wer im übertragenen Sinn sein Auge auf das einzig Richtige fokussiert (Mat 6:33), wird feststellen, wie positiv sich das auf seine ganze Persönlichkeit auswirkt.

fokussiert: Oder „klar“, „gesund“. Die Grundbedeutung des griechischen Wortes haploús ist „einfach“ (im Gegensatz zu „mehrfach“) oder „schlicht“. Es kann den Gedanken vermitteln, dass man sein Denken oder seine Ergebenheit auf ein einziges Ziel richtet. Damit ein buchstäbliches Auge seine Aufgabe erfüllen kann, muss es in der Lage sein, sich auf eine einzelne Sache zu fokussieren. Wer im übertragenen Sinn sein Auge auf das einzig Richtige fokussiert (Mat 6:33), wird feststellen, wie positiv sich das auf seine ganze Persönlichkeit auswirkt.

neidisch: Wtl. „schlecht“, „böse“. Buchstäblich schlechte Augen können nicht klar sehen. Bei einem neidischen Auge ist es ähnlich: Es kann das wirklich Wichtige nicht fokussieren (Mat 6:33). Es ist unzufrieden und gierig und der Blick schweift unaufmerksam und unstet umher. Mit so einem Auge schätzt man Dinge falsch ein und richtet sein Leben auf selbstsüchtige Ziele aus. (Siehe Anm. zu Mat 6:22.)

dienen: Das griechische Verb bedeutet „ein Sklave sein“, und ein Sklave gehörte in der Regel nur einem einzigen Herrn. Jesus wollte sagen: Ein Christ kann nicht Gott die ausschließliche Ergebenheit schenken, die er verdient, und sich gleichzeitig dem Anhäufen von materiellen Dingen verschreiben.

Reichtum: Der griechische Ausdruck mamōnás stammt aus dem Semitischen und wird häufig mit „Mammon“ übersetzt, kann aber auch mit „Geld“ wiedergegeben werden. Der Reichtum wird hier als Herr oder eine Art falsche Gottheit personifiziert. Es ist allerdings nicht sicher, ob der Ausdruck je als Name für eine bestimmte Gottheit verwendet wurde.

Hört auf, euch ... Sorgen zu machen: Oder „Seid nicht mehr beunruhigt“. Die griechische Zeitform dieser Aufforderung vermittelt den Gedanken, mit einer bereits begonnenen Handlung aufzuhören. Der griechische Ausdruck für „sich Sorgen machen“ kann sich auf Ängste und Sorgen beziehen, die dazu führen, dass jemand gedanklich zweigeteilt und abgelenkt ist und dadurch seine Freude verliert. Derselbe Ausdruck kommt in Mat 6:27, 28, 31, 34 vor.

euer Leben ... das Leben: Das griechische Wort psychḗ, in früheren Ausgaben der Neuen-Welt-Übersetzung durchweg mit „Seele“ wiedergegeben, bezieht sich hier auf das Leben. Die Kombination von Leben (Seele) und Körper steht in diesem Kontext für den gesamten Menschen.

seine Lebensdauer auch nur ein kleines bisschen verlängern: Das griechische Wort, das an dieser Stelle mit „ein kleines bisschen“ wiedergegeben wird, bedeutet wtl. „eine Elle“, „ein Unterarm“. Es bezieht sich auf ein kurzes Längenmaß von etwa 44,5 cm. (Siehe Worterklärungen zu „Elle“ und Anh. B14.) Jesus vergleicht hier das Leben offensichtlich mit einer Reise. Sein Punkt: Wer sich Sorgen macht, kann dadurch seine Lebenszeit auch nicht ein klein wenig verlängern.

Lernt von: Oder „Lernt eine Lektion von“. Die griechische Verbform lässt auch folgende Übersetzung zu: „Lernt genau (gründlich) von“.

Lilien, wie sie auf den Feldern wachsen: Nach Ansicht einiger ist hier die Anemone gemeint. Das Griechische könnte sich jedoch auch auf verschiedene lilienartige Blumen beziehen, z. B. auf Tulpen, Hyazinthen, Schwertlilien oder Gladiolen. Andere vermuten, dass Jesus einfach von den vielen Wildblumen sprach, die dort in der Gegend wachsen. Deswegen findet man in manchen Bibeln die Übersetzung „Blumen auf den Feldern“. Diese Formulierung ist ebenfalls schlüssig, da sie zu der Formulierung „Pflanzen, die ... auf den Feldern stehen“ zwei Verse weiter passt (Mat 6:30; Luk 12:27, 28).

Pflanzen ... Ofen: In Israel können Blumen und Gräser in den heißen Sommermonaten innerhalb von zwei Tagen verdorren. Früher sammelte man die vertrockneten Pflanzen und verwendete sie als Brennmaterial für Backöfen.

Habt ihr so wenig Glauben?: Oder „Habt ihr so wenig Vertrauen?“. Wtl. „Ihr Kleingläubigen“. Jesus richtete diese Worte an seine Jünger. Er meinte damit nicht, dass sie überhaupt keinen Glauben hatten, sondern dass ihr Glaube und ihr Vertrauen nicht stark genug waren (Mat 8:26; 14:31; 16:8; Luk 12:28).

Setzt ... weiter an die erste Stelle: Wtl. „Sucht weiterhin“. Die griechische Verbform zeigt eine fortlaufende Handlung an, weswegen man auch „Setzt ständig“ sagen könnte. Ein echter Nachfolger Jesu konzentriert sich nicht nur eine Zeit lang auf das Königreich und wendet sich dann etwas anderem zu. Im Gegenteil, er räumt dem Königreich immer den ersten Platz in seinem Leben ein.

das Königreich: In einigen frühen griechischen Manuskripten steht hier „Gottes Königreich“.

Gottes gerechte Maßstäbe: Wtl. „seine Gerechtigkeit“. Im Griechischen bezieht sich das Pronomen „seine“ auf den in Mat 6:32 erwähnten „himmlischen Vater“, also auf Gott. Wer Gottes gerechte Maßstäbe an die erste Stelle setzt, richtet sein Leben gern nach dem Willen Gottes aus und hält sich an die göttlichen Normen für Richtig und Falsch. Diese Lehre stand in krassem Gegensatz zu dem, was die Pharisäer propagierten, die eigene Maßstäbe für Gerechtigkeit festlegen wollten (Mat 5:20).

Macht euch ... niemals Sorgen um den nächsten Tag: Die Bibel ermuntert dazu, gut vorauszuplanen (Spr 21:5). Wer sich aber zu große Sorgen darüber macht, was in der Zukunft alles passieren könnte, vertraut womöglich mehr auf sich selbst als auf Gottes Weisheit – und das kann sich negativ auf seine Beziehung zu Gott auswirken (Spr 3:5, 6).

Medien

Synagoge im 1. Jahrhundert
Synagoge im 1. Jahrhundert

Diese Abbildung orientiert sich an einer Synagoge aus dem 1. Jh., die man in Gamla entdeckt hat, etwa 10 km nordöstlich des Sees von Galiläa. So könnte eine Synagoge damals ausgesehen haben.

Lilien auf den Feldern
Lilien auf den Feldern

Jesus forderte seine Jünger auf, darauf zu achten, „wie die Lilien wachsen“, und von ihnen zu lernen. Das Wort in der Ursprache, das in vielen Bibelübersetzungen mit „Lilien“ wiedergegeben wird, kann sich auf verschiedene Blumenarten beziehen, z. B. auf Tulpen, Anemonen, Hyazinthen, Schwertlilien und Gladiolen. Einige Bibelwissenschaftler vertreten die Ansicht, Jesus habe von der Anemone gesprochen. Vielleicht dachte Jesus aber auch allgemein an lilienartige Blumen. Auf dem Bild sind scharlachrote Kronen-Anemonen (Anemone coronaria) zu sehen. Diese Blumenart, die es auch in Blau, Rosa, Violett und Weiß gibt, ist in Israel verbreitet.