Nach Lukas 19:1-48

19  Dann kam er nach Jẹricho und ging durch die Stadt.  Es gab dort einen reichen Obersteuereinnehmer namens Zachạ̈us.  Er wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus war. Doch wegen der vielen Leute gelang ihm das nicht, er war nämlich klein.  Deshalb lief er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen, denn Jesus sollte dort vorbeikommen.  Als Jesus die Stelle erreichte, schaute er zu ihm hoch und sagte: „Zachạ̈us, komm schnell herunter, denn ich werde heute Gast in deinem Haus sein.“  Sofort kletterte Zachạ̈us hinunter und nahm ihn voller Freude als Gast auf.  Alle, die das beobachteten, beschwerten sich*: „Er ist im Haus eines Sünders zu Gast!“+  Doch Zachạ̈us stand auf und sagte zum Herrn: „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und alles, was ich von irgendjemandem erpresst habe, erstatte ich vierfach.“+  Da sagte Jesus: „Heute ist Rettung über dieses Haus gekommen, weil auch er ein Sohn Abrahams ist. 10  Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren war.“+ 11  Da sich Jesus in der Nähe von Jerusalem befand und sie dachten, Gottes Königreich würde sich augenblicklich zeigen,+ brachte er einen weiteren Vergleich: 12  „Ein Mann von vornehmer Herkunft reiste in ein fernes Land,+ um sich die Königsmacht zu sichern und dann zurückzukehren. 13  Er rief zehn seiner Sklaven, gab ihnen 10 Minen und beauftragte sie: ‚Macht damit Geschäfte, bis ich komme.‘+ 14  Die Bürger seines Landes hassten ihn jedoch und schickten eine Abordnung hinter ihm her, die sagen sollte: ‚Wir wollen diesen Mann nicht als unseren König haben!‘ 15  Als er sich die Königsmacht gesichert hatte und schließlich zurückkehrte, rief er die Sklaven, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich, um herauszufinden, was sie erwirtschaftet hatten.+ 16  Der erste trat vor und sagte: ‚Herr, deine Mine hat 10 Minen eingebracht.‘+ 17  Der Herr lobte ihn: ‚Gut gemacht, du guter Sklave! Du hast dich in einer sehr kleinen Sache als treu erwiesen, deshalb sollst du Herr über zehn Städte sein.‘+ 18  Dann kam der zweite und berichtete: ‚Herr, deine Mine hat 5 Minen eingebracht.‘+ 19  Auch ihm sicherte er zu: ‚Du sollst Herr über fünf Städte sein.‘ 20  Doch dann kam ein anderer und sagte: ‚Herr, hier ist deine Mine. Ich habe sie in einem Tuch versteckt gehalten. 21  Denn ich hatte Angst vor dir, weil du so ein strenger Mensch bist. Du nimmst dir, was du nicht hinterlegt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.‘+ 22  Der Herr erwiderte: ‚Du böser Sklave, ich verurteile dich aufgrund deiner eigenen Worte! Du wusstest also, dass ich ein strenger Mensch bin und nehme, was ich nicht hinterlegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe?+ 23  Warum hast du mein Geld dann nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es, als ich kam, mit Zinsen abgehoben.‘ 24  Darauf sagte er zu denen, die dabeistanden: ‚Nehmt ihm die Mine weg, und gebt sie dem, der die 10 Minen hat.‘+ 25  Sie entgegneten: ‚Herr, er hat doch schon 10 Minen!‘ – 26  ‚Ich sage euch: Jeder, der hat, wird mehr bekommen. Aber wer nicht hat, dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden.+ 27  Und jetzt bringt meine Feinde her, die mich nicht als König haben wollten, und richtet sie vor meinen Augen hin.‘“ 28  Nachdem er das gesagt hatte, setzte er seinen Weg nach Jerusalem hinauf fort. 29  Und als er in die Nähe von Bethphạge und Bethạnien am sogenannten Ölberg+ kam, beauftragte er zwei Jünger:+ 30  „Geht in das Dorf, das man von hier aus sieht. Sobald ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie jemand gesessen hat. Bindet ihn los und bringt ihn her. 31  Wenn aber jemand fragt, warum ihr ihn losbindet, dann sagt: ‚Der Herr braucht ihn.‘“ 32  Die Beauftragten machten sich auf den Weg und fanden alles so vor, wie er es ihnen gesagt hatte.+ 33  Doch als sie gerade dabei waren, das Tier loszubinden, fragten die Besitzer: „Warum bindet ihr den jungen Esel los?“ 34  Sie antworteten: „Der Herr braucht ihn.“ 35  Dann führten sie den Esel zu Jesus, warfen ihre Obergewänder auf das Tier und ließen Jesus aufsteigen.+ 36  Während er die Straße entlangritt, breiteten die Leute ihre Obergewänder vor ihm auf dem Boden aus.+ 37  Als er sich der Straße näherte, die den Ölberg hinabführt, brach unter den zahllosen Jüngern Freude aus und sie priesen Gott mit lauter Stimme wegen all der mächtigen Taten, die sie gesehen hatten. 38  Sie riefen: „Gesegnet ist der, der als König im Namen Jehovas kommt! Frieden im Himmel und Herrlichkeit oben in den Höhen*!“+ 39  Doch einige Pharisäer aus der Menge protestierten: „Lehrer, weise deine Jünger in ihre Schranken!“+ 40  Er aber erwiderte: „Ich sage euch: Wenn sie stumm blieben, würden die Steine schreien.“ 41  Als er sich der Stadt näherte und sie sah, weinte er über sie+ 42  und sagte: „Wenn du, ja du, an diesem Tag das erkannt hättest, was mit Frieden zu tun hat+ ... aber jetzt ist es vor deinen Augen verborgen worden.+ 43  Denn es werden Tage über dich kommen, da werden deine Feinde einen Belagerungsring aus Spitzpfählen um dich herum ziehen, dich umzingeln und von allen Seiten einschließen*.+ 44  Sie werden dich und die Kinder in deiner Mitte zu Boden schmettern+ und keinen Stein auf dem anderen lassen,+ weil du die Zeit deiner Begutachtung nicht erkannt hast.“ 45  Dann ging er in den Tempel und fing an, die Händler zu vertreiben.+ 46  Er sagte: „In den Schriften steht: ‚Mein Haus wird ein Gebetshaus sein‘,+ aber ihr habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.“+ 47  Er lehrte weiter täglich im Tempel. Doch die Oberpriester und die Schriftgelehrten und die führenden Männer des Volkes suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen,+ 48  fanden aber keine Mittel und Wege dazu, weil das ganze Volk ständig an seinen Lippen hing.+

Fußnoten

Oder „murrten“.
Oder „Herrlichkeit in den höchsten Höhen“.
Oder „bedrängen“, „einengen“.

Studienanmerkungen

Zachäus: Der Name kommt aus dem Hebräischen, möglicherweise von einer Wortwurzel, die „rein“ oder „sauber“ bedeutet. Als Obersteuereinnehmer hatte Zachäus offenbar andere Steuereinnehmer in und um Jericho unter sich. Die Gegend um Jericho war sehr fruchtbar und brachte beträchtliche Steuern ein. Zachäus war ein reicher Mann, der nach eigenen Worten zumindest einen Teil seines Vermögens mit fragwürdigen Methoden erworben hatte (Luk 19:8).

klagt niemand falsch an: Das griechische Verb für „falsch anklagen“ (sykophantéō) wird in Luk 19:8 mit „erpressen“ bzw. „durch falsche Anklage erpressen“ wiedergegeben. (Siehe Anm. zu Luk 19:8.) Gräzisten zufolge bedeutet sykophantéō wtl. „durch Feigenanzeigen nehmen“. Für den Ursprung des Wortes gibt es verschiedene Erklärungen. Eine ist, dass es im antiken Athen verboten war, aus der Provinz Feigen auszuführen. Wenn jemand einen anderen denunzierte und beschuldigte, Feigen exportieren zu wollen, wurde er als „Feigenanzeiger“ bezeichnet. Die Bezeichnung kam dann für Erpresser in Gebrauch sowie für Personen, die Falschanklagen gegen andere vorbrachten, um sich selbst zu bereichern.

erpresst: Oder „durch falsche Anklage erpresst“. (Siehe Anm. zu Luk 3:14.)

vierfach: Zachäus konnte wahrscheinlich anhand seiner Steueraufzeichnungen ermitteln, wie viele Steuern er von den einzelnen Juden erhalten hatte. Er schwor, den Geschädigten das Vierfache zurückzuzahlen, also viel mehr, als in Gottes Gesetz vorgeschrieben war. Nach dem Gesetz musste ein Betrüger, der bereute und seine Schuld zugab, den vollen Betrag zurückerstatten und „noch ein Fünftel des Wertes [d. h. 20 %] dazugeben“. Doch Zachäus wollte den vierfachen Betrag zurückerstatten. Er bewies seine Reue, indem er den Armen Liebe zeigte und die Unterdrückten fair behandelte (3Mo 6:2-5; 4Mo 5:7).

Vergleiche: Oder „Gleichnisse“. Das griechische Wort parabolḗ bedeutet wtl. „ein Nebeneinander- oder Zusammenstellen“. Damit kann ein Gleichnis, eine Veranschaulichung, ein Sprichwort oder ein Vergleich gemeint sein. Bei seinen Erklärungen stellte Jesus oft Dinge oder Sachverhalte nebeneinander, indem er sie miteinander verglich und Ähnlichkeiten hervorhob (Mar 4:30). Seine Gleichnisse waren kurze und meist erfundene Erzählungen, aus denen man eine moralische oder religiöse Lehre ziehen konnte.

Vergleich: Siehe Anm. zu Mat 13:3.

Königreich: Hier erscheint zum ersten Mal das griechische Wort basiléia. Es steht sowohl für Königsherrschaft als auch für das Herrschaftsgebiet und die Menschen, die von einem König regiert werden. Dieses griechische Wort kommt 162-mal im Urtext der Christlichen Griechischen Schriften vor, davon allein 55-mal im Matthäusevangelium, wo es sich meistens auf Gottes Regierung im Himmel bezieht. Da Matthäus diesen Ausdruck so oft benutzt, könnte man sein Evangelium auch als „Königreichsevangelium“ bezeichnen. (Siehe Worterklärungen zu „Gottes Königreich“.)

das Königreich: In der Bibel hat das Wort „Königreich“ je nach Kontext verschiedene Bedeutungen. Es kann z. B. für das Herrschaftsgebiet eines Königs stehen oder für königliche Gewalt. Es kann auch bedeuten, von einem König regiert zu werden. Hier bezieht es sich offensichtlich darauf, unter Gottes Königsherrschaft bzw. im Herrschaftsgebiet von Gott zu leben und die damit verbundenen positiven Auswirkungen zu verspüren.

sich die Königsmacht zu sichern: Oder „sich ein Königreich zu sichern“. Das griechische Wort basiléia, das meistens mit „Königreich“ übersetzt wird, hat eine breite Bedeutung. Häufig bezieht es sich auf eine Regierung mit einem König an der Spitze sowie auf das Herrschaftsgebiet und die Untertanen eines Königs. (Siehe Anm. zu Mat 3:2; 25:34.) basiléia kann auch das Amt oder die Stellung eines Königs mit der dazugehörigen Würde, Macht und Autorität bezeichnen. Im Römischen Reich war es nicht unüblich, dass Adlige zum Kaiser nach Rom reisten, um Königsmacht zu bekommen. Jesu Vergleich erinnerte seine Zuhörer möglicherweise an Archelaus, einen Sohn von Herodes dem Großen. Vor seinem Tod hatte Herodes bestimmt, dass Archelaus die Herrschaft über Judäa und weitere Gebiete erhalten sollte. Doch um seinen Herrschaftsanspruch zu sichern, brauchte Archelaus die Zustimmung von Kaiser Augustus. Deshalb machte er sich auf die lange Reise nach Rom.

Minen: Eine griechische Mine war keine Münz-, sondern eine Gewichtseinheit von rund 340 g. Laut griechischen Autoren der Antike wurde der Geldwert einer Mine Silber mit 100 Drachmen berechnet. Da eine Drachme fast so viel wert war wie ein Denar, handelte es sich bei einer Mine um einen beachtlichen Wert. (Siehe Worterklärungen zu „Denar“.) Die griechische Mine ist nicht mit der hebräischen Mine zu verwechseln. (Siehe Worterklärungen zu „Mine“ und Anh. B14.)

sich die Königsmacht zu sichern: Oder „sich ein Königreich zu sichern“. Das griechische Wort basiléia, das meistens mit „Königreich“ übersetzt wird, hat eine breite Bedeutung. Häufig bezieht es sich auf eine Regierung mit einem König an der Spitze sowie auf das Herrschaftsgebiet und die Untertanen eines Königs. (Siehe Anm. zu Mat 3:2; 25:34.) basiléia kann auch das Amt oder die Stellung eines Königs mit der dazugehörigen Würde, Macht und Autorität bezeichnen. Im Römischen Reich war es nicht unüblich, dass Adlige zum Kaiser nach Rom reisten, um Königsmacht zu bekommen. Jesu Vergleich erinnerte seine Zuhörer möglicherweise an Archelaus, einen Sohn von Herodes dem Großen. Vor seinem Tod hatte Herodes bestimmt, dass Archelaus die Herrschaft über Judäa und weitere Gebiete erhalten sollte. Doch um seinen Herrschaftsanspruch zu sichern, brauchte Archelaus die Zustimmung von Kaiser Augustus. Deshalb machte er sich auf die lange Reise nach Rom.

Geld: Wtl. „Silber“. Gemeint ist Silber, das als Geld verwendet wurde.

Königsmacht: Oder „Regierung“, „Königreich“. (Siehe Anm. zu Luk 19:12.)

Geld: Siehe Anm. zu Mat 25:18.

Geld: Wtl. „Silber“. Gemeint ist Silber, das als Geld verwendet wurde.

Geld: Siehe Anm. zu Mat 25:18.

Bank: In dem Gleichnis von den Minen (Luk 19:12-27) sowie in dem von den Talenten (Mat 25:14-30) sprach Jesus von einer Bank und von Bankleuten, die Zinsen für Geldeinlagen zahlen. Das hier mit „Bank“ übersetzte griechische Wort trápeza bedeutet wörtlich einfach nur „Tisch“ (Mat 15:27). In Verbindung mit Finanzgeschäften wie dem Wechseln von Geld bezieht es sich auf den Tisch oder Tresen, auf dem die Münzen lagen (Mat 21:12; Mar 11:15; Joh 2:15). Im 1. Jh. u. Z. gab es in Israel und den Nachbarländern viele Geldverleiher bzw. Bankleute.

Zinsen: Das mosaische Gesetz untersagte es, von bedürftigen Israeliten Zinsen zu verlangen (2Mo 22:25). Aber es war ausdrücklich erlaubt, von Ausländern Zinsen für Darlehen zu nehmen – insbesondere wenn es um geschäftliche Unternehmungen ging (5Mo 23:20). Zur Zeit Jesu war es offenbar üblich, für Geld, das man bei Geldverleihern hinterlegt hatte, Zinsen zu bekommen.

–: Der Gedankenstrich zeigt einen Sprecherwechsel an, der aus dem griechischen Text nicht eindeutig hervorgeht. In Vers 26 kommt der Herr der Sklaven zu Wort.

Bethphage: Der Name Bethphage kommt aus dem Hebräischen und bedeutet wahrscheinlich „Haus der Frühfeigen“. Laut Überlieferung lag das Dorf zwischen Bethanien und Jerusalem am SO-Hang des Ölbergs, nicht weit von dessen höchstem Punkt. Jerusalem war rund 1 km entfernt (Mar 11:1; Luk 19:29; siehe Anh. A7, Karte 6).

Bethanien: Ein Dorf am SO-Hang des Ölbergs etwa 3 km von Jerusalem entfernt (Joh 11:18). In Bethanien wohnten Martha, Maria und Lazarus. Anscheinend nutzte Jesus ihr Zuhause als Stützpunkt, wenn er sich in Judäa aufhielt (Joh 11:1). Heute gibt es dort noch immer eine kleine Ortschaft, deren arabischer Name „Ort des Lazarus“ bedeutet.

Bethphage: Siehe Anm. zu Mat 21:1.

Bethanien: Siehe Anm. zu Mat 21:17.

eine angebundene Eselin mit ihrem Jungen: Von der Eselin wird nur im Matthäusevangelium berichtet (Mar 11:2-7; Luk 19:30-35; Joh 12:14, 15). In den Evangelien von Markus, Lukas und Johannes wird sie offensichtlich deshalb nicht erwähnt, weil Jesus nur auf ihrem Jungen ritt. (Siehe Anm. zu Mat 21:5.)

jungen Esel: Markus, Lukas (19:33) und Johannes (12:14, 15) berichten nur von dem jungen Esel. Matthäus erwähnt außerdem noch die Mutter des Jungtiers (21:2-7). (Siehe Anm. zu Mat 21:2, 5.)

jungen Esel: Siehe Anm. zu Mat 21:2; Mar 11:2.

Jehovas: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Ps 118:26. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C.)

würden die Steine schreien: Wie der Kontext zeigt, bezog sich Jesus auf den Ausruf seiner Jünger, über den sich die Pharisäer beschwerten (Luk 19:37-39). Die Jünger gebrauchten die Worte aus Ps 118:26. Dieser prophetische Psalm musste sich auf jeden Fall bei dieser Gelegenheit erfüllen, denn Jehovas Worte kehren „nicht ergebnislos“ zu ihm zurück (Jes 55:11). Hätte man die Jünger gezwungen zu schweigen, hätten die buchstäblichen Steine geschrien, damit sich die Prophezeiung erfüllte.

weinte: Das griechische Wort bezeichnet oft hörbares Weinen.

Belagerungsring aus Spitzpfählen: Oder „Palisade“. Das griechische Wort chárax kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur hier vor. Es wird definiert als „spitzer Pfosten zum Umzäunen eines Gebiets“ oder „Pfahl“ sowie als „Befestigungsanlage aus Pfählen“ oder „Palisade“. Jesu Voraussage erfüllte sich im Jahr 70 u. Z., als die Römer unter dem Befehl von Titus um Jerusalem herum einen Belagerungswall oder eine Palisade errichteten. Titus verfolgte damit ein dreifaches Ziel: die Juden an der Flucht zu hindern, sie zum Aufgeben zu bewegen und sie auszuhungern. Um den Belagerungsring bauen zu können, holzten die römischen Soldaten das Umland von Jerusalem ab.

Hier wird kein einziger Stein auf dem anderen bleiben: Jesu Prophezeiung erfüllte sich im Jahr 70 u. Z. auf bemerkenswerte Weise, als die Römer Jerusalem mitsamt dem Tempel zerstörten. Bis auf einige wenige Abschnitte der Mauer wurde ganz Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht.

keinen Stein auf dem anderen lassen: Siehe Anm. zu Mat 24:2.

Zeit deiner Begutachtung: Oder „bestimmte Zeit deiner Besichtigung“. Das griechische Wort episkopḗ („Besichtigung“, „Aufsicht“) ist verwandt mit epískopos („Aufseher“, „Beobachter“) und episkopéō („prüfen, wie etwas ist“, „auf etwas achten“, „beobachten“). Es kann sowohl im positiven als auch im negativen Sinn gebraucht werden. Juden, die nicht an Jesus glaubten und nicht erkannten, dass sein Dienst auf der Erde mit ihrer Begutachtung verbunden war, mussten damit rechnen, von Gott verurteilt zu werden. Wer aber die besondere Zeit erkannte und die Gelegenheit nutzte, zu bereuen, und Glauben und Vertrauen gegenüber Gott bewies, konnte sich der Anerkennung Gottes sicher sein. episkopḗ wird in der Septuaginta in Jes 10:3 und Jer 10:15 verwendet, um den hebräischen Ausdruck für „Tag der Abrechnung (Bestrafung)“ wiederzugeben.

Tempel: Bezieht sich wahrscheinlich auf den Teil des Tempelgeländes, der als Vorhof der Nichtjuden bezeichnet wurde. (Siehe Anh. B11.)

Tempel: Siehe Anm. zu Mat 21:12.

die Händler zu vertreiben: Am 10. Nisan 33 u. Z. reinigte Jesus den Tempel zum zweiten Mal. Diese Begebenheit wird von Matthäus (21:12-17), Markus (11:15-18) und Lukas geschildert. Das erste Mal reinigte Jesus den Tempel im Jahr 30 u. Z. um die Zeit des Passahfestes. Das wird in Joh 2:13-17 beschrieben.

Räuberhöhle: Jesus spielte hier auf Jer 7:11 an. Wahrscheinlich brachte er die Händler und Geldwechsler deswegen mit Räubern in Verbindung, weil sie die Leute beim Verkauf von Opfertieren übervorteilten und für den Umtausch von Geld völlig überhöhte Gebühren verlangten. Außerdem war Jesus aufgebracht, weil Jehovas Gebetshaus – der Ort, wo Jehova angebetet wurde – zu einem Handelszentrum verkommen war.

Räuberhöhle: Siehe Anm. zu Mat 21:13.

Medien

Maulbeerfeigen­baum
Maulbeerfeigen­baum

Der Maulbeerfeigenbaum (Ficus sycomorus), auch Sykomore genannt, wird in den Christlichen Griechischen Schriften nur ein Mal erwähnt, und zwar in Zusammenhang mit Jesu Besuch in Jericho im Frühjahr 33 u. Z. (Luk 19:1-10). Er gehört zur gleichen Familie wie der Feigenbaum und der Maulbeerbaum. Seine Früchte erinnern an Feigen. Der Baum wird 10 bis 15 m hoch, ist widerstandsfähig und kann mehrere Hundert Jahre alt werden. Maulbeerfeigen wuchsen im Jordantal und, wie die Hebräischen Schriften zeigen, auch in großen Mengen in der Schephela zwischen den Küstenebenen und dem Bergland von Juda (1Kö 10:27; 2Ch 1:15; 9:27). Der immergrüne Baum hat ein dichtes, weit ausladendes Blätterdach, das reichlich Schatten spendet. Deswegen pflanzte man ihn auch gern an Wegränder. Der kurze, dicke Stamm teilt sich schon weit unten in Äste, die fast den Boden berühren. So dürfte es für einen Mann wie Zachäus, der nicht so groß war, ein Leichtes gewesen sein, auf den Baum zu klettern.

Bethphage, Ölberg und Jerusalem
Bethphage, Ölberg und Jerusalem

Das Video zeigt einen Weg, der sich Jerusalem von O her nähert. Der Kameraflug startet in dem Dorf At-Tur (vermutlich das biblische Bethphage) und endet an einer höher gelegenen Stelle des Ölbergs. Am O-Hang des Ölbergs östlich von Bethphage befindet sich Bethanien, das heutige Al-Asarije (arabisch für „Ort des Lazarus“). Gewöhnlich übernachteten Jesus und seine Jünger in diesem Dorf, wenn sie Jerusalem besuchten. Dort kamen sie zweifellos im Haus von Martha, Maria und Lazarus unter (Mat 21:17; Mar 11:11; Luk 21:37; Joh 11:1). Jesus nahm nach Jerusalem möglicherweise einen ähnlichen Weg wie den im Video gezeigten. Als er am 9. Nisan 33 auf einem jungen Esel über den Ölberg nach Jerusalem ritt, startete er wahrscheinlich in Bethphage und folgte der Straße, die in die Stadt führte.

(1) Weg von Bethanien nach Bethphage

(2) Bethphage

(3) Ölberg

(4) Kidrontal

(5) Tempelberg

Junger Esel
Junger Esel

Der Esel ist ein Huftier und gehört zur Familie der Pferde. Er ist kleiner als das Pferd, hat eine kürzere Mähne und längere Ohren sowie einen kürzeren Schwanz mit einer Quaste am Ende. Seine Dummheit und Störrigkeit sind zwar sprichwörtlich, aber in Wirklichkeit soll er intelligenter sein als das Pferd, und normalerweise ist er auch geduldig. Zur Zeit der Bibel ritten sowohl Männer als auch Frauen auf Eseln, und sogar vornehme Leute benutzten sie als Reittier (Jos 15:18; Ri 5:10; 10:3, 4; 12:14; 1Sa 25:42). Salomo, der Sohn von David, ritt zu seiner Salbung auf der Maultierstute seines Vaters (ein Maultier ist die Kreuzung aus einem Eselhengst und einer Pferdestute) (1Kö 1:33-40, Fn.). Es war daher sehr passend, dass Jesus, der größere Salomo, die Prophezeiung aus Sach 9:9 erfüllte, indem er nicht auf einem Pferd ritt, sondern auf einem jungen Esel.

Steine vom Tempelberg
Steine vom Tempelberg

Diese Steine wurden am südlichen Abschnitt der Westmauer gefunden. Wie man annimmt, stammen sie von Bauten, die im 1. Jh. u. Z. zum Tempelberg gehörten. Sie wurden hier liegen gelassen, um als Zeuge der schrecklichen Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Römer zu dienen.