Nach Lukas 21:1-38

21  Als Jesus nun aufblickte, sah er, wie die Reichen ihre Gaben in die Schatzkästen einwarfen.+  Dann beobachtete er, wie eine bedürftige Witwe zwei kleine Münzen von ganz geringem Wert einwarf,+  und er sagte: „Ich versichere euch, dass diese arme Witwe mehr eingeworfen hat als alle anderen.+  Denn sie alle haben aus ihrem Überfluss heraus Gaben eingeworfen*. Sie dagegen hat aus ihrer Armut* heraus alles eingeworfen, was sie zum Leben hatte.“+  Als später einige über den Tempel sprachen, wie er mit schönen Steinen und Weihgeschenken geschmückt war,+  sagte er: „Es werden Tage kommen, da wird von dem, was ihr hier seht, kein einziger Stein auf dem anderen bleiben. Alles wird zerstört.“+  Darauf fragten sie ihn: „Lehrer, wann wird das denn passieren, und an welchem Zeichen wird man erkennen, wann es so weit ist?“+  Er antwortete: „Passt auf, dass ihr nicht getäuscht werdet.+ Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: ‚Ich bin es‘, und: ‚Die Zeit* ist nah.‘ Lauft ihnen nicht nach.+  Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, dann erschreckt nicht. Denn das alles muss zuerst passieren, aber das Ende kommt noch nicht sofort.“+ 10  Weiter sagte er zu ihnen: „Ein Volk wird sich gegen das andere erheben+ und ein Land* gegen das andere.+ 11  Es wird große Erdbeben geben und in einer Gegend nach der anderen Lebensmittel­knappheit und Seuchen.+ Auch wird es erschreckende Anblicke geben und vom Himmel aus große Zeichen. 12  Doch bevor das alles passiert, wird man gegen euch vorgehen und euch verfolgen,+ indem man euch vor Synagogen und in Gefängnisse bringt. Wegen meines Namens wird man euch vor Könige und Statthalter stellen.+ 13  Das wird dazu führen, dass ihr als Zeugen für mich auftretet. 14  Nehmt euch in eurem Herzen fest vor, nicht im Voraus einzuüben, wie ihr euch verteidigen werdet,+ 15  denn ich werde euch Worte und Weisheit geben, gegen die alle eure Gegner zusammen nicht ankommen und denen sie nicht widersprechen können.+ 16  Außerdem werdet ihr sogar von euren Eltern, Geschwistern, Verwandten und Freunden ausgeliefert* werden, und man wird einige von euch töten,+ 17  und alle Menschen werden euch wegen meines Namens hassen.+ 18  Doch euch wird nicht mal ein Haar gekrümmt.+ 19  Dadurch, dass ihr ausharrt, werdet ihr euer Leben retten.+ 20  Doch wenn ihr Jerusalem von Heeren umlagert seht,+ dann seid euch darüber im Klaren, dass die Zerstörung der Stadt nah ist.+ 21  Dann sollen die, die in Judạ̈a sind, anfangen in die Berge zu fliehen,+ die in der Stadt sollen hinausgehen und die auf dem Land sollen nicht hineingehen, 22  denn das ist eine Zeit, in der für Gerechtigkeit gesorgt wird, damit sich alles erfüllt, was in den Schriften steht. 23  Wehe den Schwangeren und den stillenden Müttern in jenen Tagen!+ Denn große Not wird über das Land* kommen und Zorn über dieses Volk. 24  Sie werden durch das Schwert umkommen und als Gefangene in alle Länder* verschleppt werden,+ und Jerusalem wird von den anderen Völkern* zertreten, bis die festgelegten Zeiten der anderen Völker abgelaufen sind.+ 25  Auch wird es Zeichen an Sonne, Mond und Sternen geben+ und auf der Erde Angst und Schrecken unter den Völkern, weil sie wegen des tosenden Meeres und seiner Brandung weder aus noch ein wissen. 26  Die Menschen werden ohnmächtig werden vor Angst und Erwartung dessen, was auf die bewohnte Erde zukommt, denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert.+ 27  Dann werden sie den Menschensohn+ mit Macht und großer Herrlichkeit in einer Wolke kommen sehen.+ 28  Doch wenn das alles anfängt, dann richtet euch auf und hebt den Kopf, denn eure Befreiung ist nah.“ 29  Anschließend brachte er einen Vergleich: „Achtet auf den Feigenbaum und alle anderen Bäume.+ 30  Wenn sie ausschlagen, seht ihr selbst und wisst, dass jetzt der Sommer nah ist. 31  So erkennt auch ihr, wenn ihr diese Dinge geschehen seht, dass Gottes Königreich nah ist. 32  Ich versichere euch: Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen, bis alles passiert.+ 33  Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden auf keinen Fall vergehen.+ 34  Passt aber auf euch auf, damit euer Herz niemals durch zu viel Essen und zu viel Trinken+ und die Sorgen des Lebens*+ schwer beladen wird und jener Tag plötzlich, in einem Augenblick, über euch kommt 35  wie eine Schlinge.+ Denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erdoberfläche wohnen. 36  Bleibt also wach+ und fleht dabei ständig,+ damit ihr es schafft, allem, was geschehen muss, zu entkommen und vor dem Menschensohn zu stehen.“+ 37  Tagsüber lehrte Jesus im Tempel*, aber nachts ging er hinaus und übernachtete auf dem sogenannten Ölberg. 38  Das ganze Volk ging immer schon frühmorgens zum Tempel, um ihn zu hören.

Fußnoten

Oder „zu den Gaben beigesteuert“.
Wtl. „Mangel“.
Oder „festgelegte Zeit“.
Wtl. „Königreich“.
Oder „verraten“.
Wtl. „Erde“.
Wtl. „Völker“, „Nationen“.
Oder „den Nationen“, „den Heiden“.
Oder „die Sorgen um den Lebensunterhalt“, „die alltäglichen Sorgen“.
Gemeint ist das Tempelgelände.

Studienanmerkungen

Schatzkästen: Wie aus alten jüdischen Quellen hervorgeht, wurden diese Spendenkästen oder Sammelbehälter auch „Posaunen“ genannt, was auf ihre Form anspielt. Offensichtlich hatten sie oben eine kleine Öffnung, in die man die Beiträge für die verschiedenen Opfergaben warf, und wurden nach unten hin breiter. Das hier verwendete griechische Wort bezeichnet in Joh 8:20 den Ort, wo die Spendenkästen standen. Damit war offenbar ein Bereich im Vorhof der Frauen gemeint. (Siehe Anm. zu Mat 27:6 und Anh. B11.) Laut rabbinischen Quellen standen dort entlang der Mauer 13 Schatzkästen. Wie man annimmt, gab es im Tempel zusätzlich eine Hauptschatzkammer, in die das Geld aus den Schatzkästen gebracht wurde.

Schatzkästen: Siehe Anm. zu Mar 12:41.

bedürftige: Oder „arme“. Das griechische Wort penichrós kann eine Person bezeichnen, der es an dem Lebens­notwendigen fehlt oder für die das Leben ein einziger Kampf ist. Es kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur hier vor.

zwei kleine Münzen von ganz geringem Wert: Wtl. „2 Lepta“. Hier steht die Pluralform des griechischen Wortes leptón, das etwas Kleines, Dünnes bezeichnet. Ein Lepton entsprach 1/128 eines Denars und war die kleinste Kupfer- oder Bronzemünze, die in Israel in Umlauf war. (Siehe Worterklärungen zu „Lepton“ und Anh. B14.)

zwei kleine Münzen von ganz geringem Wert: Wtl. „2 Lepta“. Hier steht die Pluralform des griechischen Wortes leptón, das etwas Kleines, Dünnes bezeichnet. Ein Lepton entsprach 1/128 eines Denars und war die kleinste Kupfer- oder Bronzemünze, die in Israel in Umlauf war. (Siehe Worterklärungen zu „Lepton“ und Anh. B14.)

alles …, was sie zum Leben hatte: Wie die Anm. zu Luk 21:2 erklärt, warf die Witwe 2 Lepta in den Schatzkasten. 2 Lepta entsprachen 1/64 eines Tagelohns (oder dem Lohn für knapp 12 Minuten Arbeit). Das Lepton war die kleinste Münze, die damals in Israel in Umlauf war. Gemäß Mat 10:29 konnte man für ein Assarion – oder 8 Lepta – zwei Spatzen kaufen. Spatzen waren die billigsten Vögel, die zum Verzehr verkauft wurden. Die Witwe besaß somit lediglich die Hälfte von dem, was ein Spatz kostete – kaum genug für eine einzige Mahlzeit.

Hier wird kein einziger Stein auf dem anderen bleiben: Jesu Prophezeiung erfüllte sich im Jahr 70 u. Z. auf bemerkenswerte Weise, als die Römer Jerusalem mitsamt dem Tempel zerstörten. Bis auf einige wenige Abschnitte der Mauer wurde ganz Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht.

kein einziger Stein auf dem anderen bleiben: Siehe Anm. zu Mat 24:2.

Ich bin es: D. h. der Christus oder Messias. (Vgl. den Paralleltext Mat 24:5.)

Ich bin es: Siehe Anm. zu Mar 13:6.

das Ende: Oder „das vollständige Ende“. Hier steht das griechische Wort télos im Unterschied zu syntéleia („Abschluss“), das in Mat 24:3 verwendet wird. (Siehe Anm. zu Mat 24:3 und Worterklärungen zu „Abschluss des Weltsystems“.)

Unruhen: Oder „Aufständen“. Das griechische Wort akatastasía vermittelt den Grundgedanken von Widerspenstigkeit oder Unkontrollierbarkeit. Es kann aber auch Widerstand gegen die bestehende Ordnung, Aufruhr oder politisch motivierte Krawalle bezeichnen. In 2Ko 6:5, wo es ebenfalls mit „Unruhen“ wiedergegeben wird, beschreibt es gewaltbereite Menschenmengen, denen sich Paulus gegenübersah.

das Ende: Oder „das vollständige Ende“, „das endgültige Ende“. (Siehe Anm. zu Mat 24:6.)

Volk: Das griechische Wort éthnos hat ein breites Bedeutungsspektrum. Es kann sich auf Menschen beziehen, die innerhalb bestimmter politischer oder geografischer Grenzen leben, z. B. in einem Land. Es können aber auch Angehörige einer ethnischen Gruppe gemeint sein. (Siehe Anm. zu Mat 24:14.)

sich … erheben: Oder „aufgewiegelt werden“, „sich … auflehnen“. Das griechische Wort vermittelt hier den Gedanken „gegen jemand in feindlicher Absicht vorrücken“ und könnte auch mit „zu den Waffen greifen“ oder „in den Krieg ziehen“ übersetzt werden.

Volk: Siehe Anm. zu Mat 24:7.

sich … erheben: Siehe Anm. zu Mat 24:7.

Seuchen: Oder „weitverbreitete Krankheiten“, „Epidemien“. Jesu umfassende Prophezeiung über die Zeit des Endes wurde von drei Evangelisten festgehalten, doch nur Lukas erwähnt, dass Seuchen ein Bestandteil des kombinierten Zeichens sind (Luk 21:7; Mat 24:3, 7; Mar 13:4, 8). Die drei Berichte ergänzen sich. Das griechische Wort für „Seuche“ kommt sonst nur noch in Apg 24:5 vor, wo es bildlich gebraucht wird. Dort wird eine Person als „eine Plage“ bezeichnet, also als jemand, der Unruhe stiftet, Probleme macht oder eine Bedrohung für die Öffentlichkeit darstellt.

erschreckende Anblicke: Das entsprechende griechische Wort ist von dem Verb phobéō („sich fürchten“) abgeleitet. In den Christlichen Griechischen Schriften erscheint es nur in diesem Vers. Es beschreibt offensichtlich Furcht einflößende Ereignisse.

Worte: Oder „eine kraftvolle Sprache“. Wtl. „Mund“. Das griechische Wort stóma wird synonym für die Sprache oder die Fähigkeit zu sprechen verwendet.

sogar die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt: Der Mensch hat im Schnitt 100 000 Haare auf dem Kopf. Dass Jehova selbst solche winzigen Details genau kennt, zeigt, was für ein starkes Interesse er an jedem Nachfolger seines Sohnes hat.

euch wird nicht mal ein Haar gekrümmt: Durch diese Hyperbel garantierte Jesus seinen Nachfolgern, dass sie beschützt würden, auch wenn „alle Menschen … [sie] hassen“ (Luk 21:17). Wie aus dem Kontext hervorgeht, sprach Jesus hier nicht so sehr von Schutz vor physischem Schaden (Luk 21:16). Vielmehr würden seine Nachfolger davor bewahrt werden, ihren Glauben und ihre Aussicht auf ewiges Leben zu verlieren. Sie erwarten daher nicht, dass sie durch ein Wunder vor Misshandlungen oder dem Tod beschützt werden. Sie können jedoch voll und ganz darauf vertrauen, dass Jehova sie wieder auferwecken kann (Mat 10:39). Im Griechischen ist hier das Verb doppelt verneint. Damit wird angezeigt, dass Jesu Versprechen absolut verlässlich ist. Eine ähnliche Bedeutung haben Jesu Worte: „Sogar die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt“ (Luk 12:7). Auch diese Formulierung drückt Gottes großes Interesse an Jesu Nachfolgern aus. (Siehe Anm. zu Mat 10:30.)

ausharrt: Oder „durchhaltet“. Im Griechischen steht hier das Substantiv hypomonḗ. In der Bibel bezeichnet es mutiges, standhaftes oder geduldiges Ausharren, ohne angesichts von Hindernissen, Verfolgungen, Prüfungen oder Versuchungen die Hoffnung zu verlieren. Das verwandte Verb hypoménō („ausharren“) bedeutet wtl. „unter etwas bleiben“. Oft wird es im Sinn von „bleiben statt fliehen“, „standhalten“, „durchhalten“ oder „standhaft bleiben“ gebraucht (Mat 10:22; Rö 12:12; Heb 10:32; Jak 5:11).

euer Leben retten: Oder „euer Leben (eure Seele) erwerben (gewinnen)“. Die Bedeutung des griechischen Wortes psychḗ, traditionell mit „Seele“ wiedergegeben, lässt sich aus dem jeweiligen Zusammenhang erschließen. (Siehe Worterklärungen zu „Seele“.) Oft bezieht es sich auf das gegenwärtige oder zukünftige Leben eines Menschen. Diese Textstelle lässt sich auch mit „euer zukünftiges Leben“ oder „euer wirkliches Leben“ übersetzen.

Judäa: Gemeint ist die römische Provinz Judäa.

in die Berge: Laut dem Geschichts­schreiber Eusebius (4. Jh. u. Z.) flohen Christen aus Jerusalem und aus Judäa über den Jordan nach Pella, einer Stadt in einer bergigen Gegend im Gebiet der Dekapolis. (Siehe Anh. B10.)

das ist eine Zeit, in der für Gerechtigkeit gesorgt wird: Oder „das sind Tage der Rache“, d. h. der göttlichen Rache oder des göttlichen Strafgerichts. In der Synagoge von Nazareth hatte Jesus einmal eine Passage aus der Prophezeiung Jesajas zitiert (Jes 61:1, 2) und auf sich angewandt. Der Bibelbericht sagt jedoch nichts darüber, dass er auch den Teil mit dem „Tag der Rache unseres Gottes“ vorlas (Luk 4:16-21). Doch jetzt kündigte er „Tage der Rache“ an: Jerusalem würde von Heeren umlagert werden. Dass Gott Rache üben würde, stand schon in den Hebräischen Schriften. Das griechische Wort, das hier mit „für Gerechtigkeit sorgen“ bzw. „Rache“ übersetzt wurde, erscheint in der Septuaginta als Übersetzung für die hebräischen Wörter für „Rache“ und „Abrechnung“ (5Mo 32:35; Jer 46:10 [26:10, LXX]; Hos 9:7).

Die Zeit ist gekommen: Oder „Die festgelegte Zeit ist erfüllt“. Das griechische Wort kairós („[festgelegte] Zeit“) bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die in den heiligen Schriften vorausgesagte Zeit, zu der Jesus seinen Dienst beginnen würde. Jetzt hatten die Menschen Gelegenheit, an die gute Botschaft zu glauben. kairós bezeichnet in der Bibel auch die Zeit der Begutachtung, die mit Jesu Dienst verbunden war (Luk 12:56; 19:44), sowie die für seinen Tod „festgelegte Zeit“ (Mat 26:18, Fn.).

festgelegten Zeiten der anderen Völker: Oder „Zeiten der Heiden“, „bestimmten Zeiten der Nationen“. Das griechische Wort kairós (hier wird der Plural mit „festgelegte Zeiten“ wiedergegeben) kann sich auf einen Zeitpunkt, auf eine festgelegte oder konkrete Zeitspanne oder auf eine Saison, z. B. eine Erntezeit, beziehen (Mat 13:30; 21:34; Mar 11:13). kairós bezeichnet „die festgelegte Zeit“, zu der Jesu Dienst begann (Mar 1:15, Anm.), sowie „die festgelegte Zeit“ seines Todes (Mat 26:18, Fn.). Das Wort wird außerdem für zukünftige Zeiten oder Zeitabschnitte in Gottes Zeitplan gebraucht, vor allem wenn sie mit Christi Gegenwart und seinem Königreich zu tun haben (Apg 1:7; 3:19; 1Th 5:1). Berücksichtigt man, wie kairós in der Bibel verwendet wird, bezieht es sich hier offensichtlich nicht auf eine vage oder unbestimmte Zeit, sondern auf eine bestimmte Zeitspanne mit einem Anfang und einem Ende. Die Begriffe „Völker“, „Heiden“ und „Nationen“ geben den Plural des griechischen Wortes éthnos wieder. Die Bibelschreiber gebrauchten es oft speziell für die nicht jüdischen Völker.

bewohnte Erde: Das entsprechende griechische Wort oikouménē bezieht sich im erweiterten Sinn auf die Erde als Wohnort der Menschen (Luk 4:5; Apg 17:31; Rö 10:18; Off 12:9; 16:14).

Menschensohn: Oder „Sohn eines Menschen“. Dieser Ausdruck kommt in den Evangelien rund 80-mal vor. Jesus bezeichnete sich selbst als Menschensohn, wodurch er offensichtlich Folgendes herausstellen wollte: Er war wirklich ein von einer Frau geborener Mensch und er war die passende menschliche Entsprechung zu Adam. In dieser Funktion hatte er die Macht, die Menschheit von Sünde und Tod zu erlösen (Rö 5:12, 14, 15). Die Bezeichnung „Menschensohn“ machte Jesus außerdem als den Messias oder Christus kenntlich (Da 7:13, 14; siehe Worterklärungen).

Wolken des Himmels: Normalerweise versperren Wolken die Sicht, statt sie freizugeben, doch Glaube und Unterscheidungs­vermögen machen es möglich, die Bedeutung bestimmter Ereignisse zu „sehen“ (Apg 1:9).

sehen: Das mit „sehen“ wiedergegebene griechische Verb kann im buchstäblichen Sinn etwas „sehen“, „ansehen“ oder „erblicken“ bedeuten. Im übertragenen Sinn kann es die Bedeutung von „wahrnehmen“, „erkennen“ oder „begreifen“ haben (Eph 1:18).

Menschensohn: Siehe Anm. zu Mat 8:20.

in einer Wolke: Siehe Anm. zu Mat 24:30.

sehen: Siehe Anm. zu Mat 24:30.

Vergleiche: Oder „Gleichnisse“. Das griechische Wort parabolḗ bedeutet wtl. „ein Nebeneinander- oder Zusammenstellen“. Damit kann ein Gleichnis, eine Veranschaulichung, ein Sprichwort oder ein Vergleich gemeint sein. Bei seinen Erklärungen stellte Jesus oft Dinge oder Sachverhalte nebeneinander, indem er sie miteinander verglich und Ähnlichkeiten hervorhob (Mar 4:30). Seine Gleichnisse waren kurze und meist erfundene Erzählungen, aus denen man eine moralische oder religiöse Lehre ziehen konnte.

Vergleich: Oder „Lektion“. (Siehe Anm. zu Mat 13:3.)

Himmel und Erde werden vergehen: Aus anderen Bibeltexten geht hervor, dass Himmel und Erde für immer bestehen bleiben (1Mo 9:16; Ps 104:5; Pr 1:4). Darum kann Jesu Aussage als Hyperbel aufgefasst werden: Selbst wenn das Unmögliche eintrifft und Himmel und Erde tatsächlich vergehen, Jesu Worte werden sich auf jeden Fall erfüllen. (Vgl. Mat 5:18.) Jesus könnte aber auch von dem sinnbildlichen Himmel und der sinnbildlichen Erde gesprochen haben, die in Off 21:1 als „der frühere Himmel und die frühere Erde“ bezeichnet werden.

meine Worte werden auf keinen Fall vergehen: Wtl. „meine Worte werden nicht nicht vergehen“. Im Griechischen wird hier das Verb doppelt verneint. Solche Konstruktionen zeigen an, dass ein Gedanke entschieden abgelehnt wird. In diesem Fall wird dadurch hervorgehoben, dass sich Jesu Worte garantiert erfüllen werden.

Himmel und Erde werden vergehen: Siehe Anm. zu Mat 24:35.

meine Worte werden auf keinen Fall vergehen: Siehe Anm. zu Mat 24:35.

vor … stehen: In der Bibel ist mit diesem Ausdruck manchmal gemeint, dass eine Einzelperson oder eine Gruppe die Gunst oder Anerkennung eines Höhergestellten genießt (Ps 1:5, Fn.; 5:5; Spr 22:29; Luk 1:19). In der Offenbarung heißt es beispielsweise von einer großen Volksmenge: „[Sie] standen … vor dem Thron und vor dem Lamm“ (Off 7:9, 15). Das zeigt an, dass sie vor Gott und Jesus in einer begünstigten Stellung stehen.

übernachtete auf dem sogenannten Ölberg: In den letzten vier Tagen vor seinem Tod hielt sich Jesus tagsüber in Jerusalem auf. Abends verließ er mit seinen Jüngern die Stadt und ging nach Bethanien, einem Dorf am O-Hang des Ölbergs. Dort übernachteten sie zweifellos bei Martha, Maria und Lazarus (Mat 21:17; Mar 11:11).

Medien

Die Schatzkästen und die Witwe
Die Schatzkästen und die Witwe

Laut rabbinischen Quellen gab es in dem von Herodes gebauten Tempel 13 Schatzkästen, die man auf Hebräisch schopharóth nannte. Das Wort schōphár bedeutet „Widderhorn“. Möglicherweise waren die Kästen mindestens zum Teil wie ein Horn oder eine Posaune geformt. Bei einer Gelegenheit verurteilte Jesus Personen, die ihre wohltätigen Taten hinausposaunten. Dieses Sprachbild könnte seine Zuhörer an das Geräusch erinnert haben, das zu hören war, wenn Münzen in die posaunenförmigen Schatzkästen geworfen wurden (Mat 6:2). Die zwei kleinen Münzen der Witwe dagegen machten beim Einwerfen wahrscheinlich kaum Geräusche. Doch Jesus zeigte, dass die Witwe und auch ihre Spende für Jehova wertvoll waren.

Steine vom Tempelberg
Steine vom Tempelberg

Diese Steine wurden am südlichen Abschnitt der Westmauer gefunden. Wie man annimmt, stammen sie von Bauten, die im 1. Jh. u. Z. zum Tempelberg gehörten. Sie wurden hier liegen gelassen, um als Zeuge der schrecklichen Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Römer zu dienen.

Judaea-Capta-Münze
Judaea-Capta-Münze

Als Jesus voraussagte, was mit Jerusalem und dem Tempel geschehen würde, sprach er davon, dass die Bewohner von Judäa „als Gefangene in alle Länder verschleppt werden“ würden (Luk 21:21, 24). Die Münze auf dem Bild beweist eindrucksvoll, dass alles so kam, wie er es prophezeit hatte. Münzen wie diese wurden anlässlich der Eroberung Judäas geprägt, die ersten davon 71 u. Z. Bei der abgebildeten Münze sieht man auf der einen Seite Titus, den Sohn von Kaiser Vespasian. Titus hatte den Eroberungsfeldzug gegen Judäa, den Vespasian begonnen hatte, zu Ende geführt. Die andere Seite der Münze zeigt in der Mitte eine Palme. Links davon steht ein gefangener Jude mit auf dem Rücken gefesselten Händen, rechts davon sitzt eine trauernde Jüdin. Die Inschrift „IVDAEA CAPTA“ bedeutet „Judäa erobert“.

Römisches Schwert
Römisches Schwert

Jesus sagte voraus, dass die Bewohner von Jerusalem und Judäa „durch das Schwert umkommen“ würden (Luk 21:24). Das hier abgebildete Schwert ist 2000 Jahre alt und gehörte wahrscheinlich einem römischen Soldaten. Er könnte der Infanterie angehört haben, die in Jerusalem stationiert war, als 66 u. Z. der Aufstand der Juden gegen die Römer begann. An der rund 60 cm langen Waffe befinden sich noch Reste der Lederscheide. Archäologen entdeckten das Schwert, als sie in Jerusalem einen Abflusskanal zwischen der Davidsstadt und dem archäologischen Park nahe der Westmauer (Klagemauer) freilegten (über den Fund wurde 2011 berichtet). In dem Kanal versteckten sich offensichtlich Einwohner von Jerusalem während der turbulenten Zeit, die der Zerstörung der Stadt im Jahr 70 vorausging.