Apostel­geschichte 1:1-26

1  In meinem ersten Bericht, lieber Theọphilus, habe ich alles aufgeschrieben, was Jesus tat und lehrte – von Anfang an+  bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde.+ Zuvor hatte er noch den Aposteln, die er ausgewählt hatte, durch heiligen Geist Anweisungen gegeben.+  Nachdem er gelitten hatte, zeigte er ihnen durch viele überzeugende Beweise, dass er lebte.+ Sie sahen ihn 40 Tage lang immer wieder und er sprach über das Königreich Gottes.+  Als er einmal mit ihnen zusammen war, wies er sie an: „Geht nicht aus Jerusalem weg,+ sondern wartet weiter auf das, was der Vater versprochen hat+ und worüber ihr von mir gehört habt.  Denn Johạnnes taufte mit Wasser, aber ihr werdet in wenigen Tagen mit heiligem Geist getauft werden.“+  Als sie nun zusammengekommen waren, fragten sie ihn: „Herr, stellst du jetzt* das Königreich für Israel wieder her?“+  Er antwortete: „Ihr braucht die Zeiten oder Zeitabschnitte nicht zu kennen, die nur der Vater berechtigt ist festzulegen.+  Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch kommt,+ und ihr werdet Zeugen von mir sein+ – in Jerusalem,+ in ganz Judạ̈a und Samạria+ und bis zum entferntesten Teil der Erde.“+  Nachdem er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, sodass sie ihn nicht mehr sehen konnten.+ 10  Als sie noch gespannt zum Himmel sahen, während er auffuhr, standen plötzlich zwei Männer in weißen* Gewändern+ neben ihnen 11  und sagten: „Männer von Galilạ̈a, warum steht ihr da und schaut zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird auf die gleiche Weise kommen, wie ihr ihn in den Himmel habt gehen sehen.“ 12  Dann kehrten sie von einem Berg, der Ölberg genannt wird, nach Jerusalem zurück.+ Der Berg liegt nur eine Sabbat-Tagereise von Jerusalem entfernt. 13  Dort angekommen, gingen sie in den Raum im Obergeschoss, wo sie sich gewöhnlich aufhielten. Es waren Petrus sowie Johạnnes und Jakobus und Andreas, Philịppus und Thomas, Bartholomạ̈us und Matthạ̈us, Jakobus, der Sohn von Alphạ̈us, Sịmon, der Eiferer, und Judas, der Sohn von Jakobus.+ 14  Sie alle verharrten vereint* im Gebet, zusammen mit einigen Frauen+ und Maria, der Mutter von Jesus, sowie seinen Brüdern.+ 15  In diesen Tagen stand Petrus mitten unter den Brüdern auf (es war eine Gruppe von insgesamt etwa 120 Personen) und sagte: 16  „Männer, Brüder, es war notwendig, dass sich die Schriftstelle erfüllt, in der sich der heilige Geist durch David prophetisch über Judas äußerte,+ der diejenigen führte, die Jesus festnahmen.+ 17  Denn er war zu uns gezählt worden+ und durfte an diesem Dienst Anteil haben. 18  – Dieser Mann kaufte sich mit dem Lohn für Ungerechtigkeit ein Feld.+ Nachdem er kopfüber gestürzt war*, platzte sein Körper auf* und alle seine Eingeweide kamen heraus.+ 19  Das wurde unter allen Einwohnern Jerusalems bekannt, sodass dieses Feld in ihrer Sprache Akeldạma genannt wurde, das heißt Blutfeld. – 20  Im Buch der Psalmen steht nämlich: ‚Sein Wohnort soll verlassen sein und niemand soll darin wohnen‘,+ und: ‚Sein Aufsichtsamt übernehme ein anderer.‘+ 21  Es ist deshalb notwendig, dass einer von den Männern, die uns während der ganzen Zeit begleiteten, als der Herr Jesus unter uns tätig war – 22  angefangen von seiner Taufe durch Johạnnes+ bis zu dem Tag, an dem er von uns weg in den Himmel aufgenommen wurde+ –, mit uns seine Auferstehung bezeugt.“+ 23  Da schlugen sie zwei vor, und zwar Joseph, der auch Barsạbbas genannt wurde und den Beinamen Jụstus hatte, sowie Matthias. 24  Dann beteten sie und sagten: „O Jehova, du kennst die Herzen aller.+ Zeig uns, welchen von diesen beiden Männern du ausgewählt hast. 25  Dann kann er in diesem Dienst und Apostelamt den Platz einnehmen, den Judas verlassen hat, um an seinen eigenen Ort zu gehen.“+ 26  Sie ließen das Los zwischen ihnen entscheiden,+ und es fiel auf Matthias, der dann zu den elf Aposteln hinzugezählt wurde.

Fußnoten

Wtl. „in dieser Zeit“.
Oder „leuchtenden“, „glänzenden“.
Oder „einmütig“.
Evtl. auch „er angeschwollen war“.
Oder „platzte er in der Mitte auf“.

Studienanmerkungen

ersten Bericht: Lukas bezieht sich hier auf sein Evangelium, in dem er „alles aufgeschrieben [hat], was Jesus tat und lehrte“. In der Apostel­geschichte setzt Lukas diesen ersten Bericht fort und schildert, was Jesu Nachfolger erlebten. Beide Berichte ähneln sich in Stil und Wortwahl, und beide sind an einen gewissen Theophilus gerichtet, wobei nicht ganz klar wird, ob Theophilus ein Jünger Christi war. (Siehe Anm. zu Luk 1:3.) Lukas greift am Anfang der Apostel­geschichte noch einmal Ereignisse auf, von denen er am Ende seines Evangeliums berichtet hat, wenn er auch etwas andere Formulierungen verwendet und zusätzliche Details anführt. (Vgl. Luk 24:49 mit Apg 1:1-12.) Das zeigt ganz deutlich, dass es sich bei diesem zweiten Bericht um eine Fortsetzung handelt.

Schlüssel des Königreiches des Himmels: Jemandem Schlüssel zu übergeben, ob buchstäblich oder im übertragenen Sinn, bedeutet in der Bibel, ihm ein gewisses Maß an Autorität zu verleihen (1Ch 9:26, 27; Jes 22:20-22). Der Ausdruck „Schlüssel“ wurde somit zu einem Symbol für Autorität und Verantwortung. Petrus benutzte die ihm anvertrauten Schlüssel, um den Juden (Apg 2:22-41), den Samaritern (Apg 8:14-17) und den Nichtjuden (Apg 10:34-38) die Möglichkeit zu eröffnen, Gottes Geist zu erhalten und damit die Aussicht, in das himmlische Königreich zu gelangen.

Apostel­geschichte: Den griechischen Titel Práxeis Apostólōn (wtl. „Taten der Apostel“) findet man bereits in einigen Manuskripten aus dem 2. Jh. u. Z., auch wenn es keine Belege dafür gibt, dass dieses Bibelbuch von Anfang an einen Titel hatte. Die Apostel­geschichte ist eine Fortsetzung des Lukasevangeliums. (Siehe Anm. zu Apg 1:1.) Sie dreht sich in erster Linie um die Taten von Petrus und Paulus, weniger um die der anderen Apostel. Dieses Buch enthält einen umfassenden, zuverlässigen Geschichts­bericht über den spektakulären Anfang der Christen­versammlung und die schnelle Verbreitung des christlichen Glaubens – erst unter den Juden, dann unter den Samaritern und schließlich unter den anderen Völkern. (Siehe Anm. zu Mat 16:19.) Außerdem liefert die Apostel­geschichte den geschichtlichen Hintergrund für die inspirierten Briefe der Christlichen Griechischen Schriften.

hochverehrter: Das griechische Wort für „hochverehrter“ (krátistos) war eine offizielle Anrede für hochrangige Personen (Apg 23:26; 24:3; 26:25). Daher vermuten einige Bibel­wissenschaftler, dass Theophilus eine hohe Position innehatte, bevor er ein Christ wurde. Andere sind der Meinung, krátistos sei einfach nur eine höfliche Anrede oder ein Ausdruck der Hochachtung gewesen. Offenbar war Theophilus ein Christ, denn laut Luk 1:4 hatte man ihn über Jesus Christus und seine Tätigkeit „mündlich gelehrt“. Der Bericht von Lukas sollte ihn nun in seiner Überzeugung bestärken, dass diese mündlichen Informationen den Tatsachen entsprachen. Es gibt aber auch noch die Ansicht, dass Theophilus an der christlichen Lehre interessiert war und erst später zum Christentum konvertierte. Eine weitere Ansicht besagt, dass der Name Theophilus (was „Von Gott geliebt“ oder „Freund Gottes“ bedeutet) für alle Christen stand. Zu Beginn der Apostel­geschichte spricht Lukas Theophilus nicht mit „hochverehrter“ an (Apg 1:1).

hochverehrter: Das griechische Wort für „hochverehrter“ (krátistos) war eine offizielle Anrede für hochrangige Personen (Apg 23:26; 24:3; 26:25). Daher vermuten einige Bibel­wissenschaftler, dass Theophilus eine hohe Position innehatte, bevor er ein Christ wurde. Andere sind der Meinung, krátistos sei einfach nur eine höfliche Anrede oder ein Ausdruck der Hochachtung gewesen. Offenbar war Theophilus ein Christ, denn laut Luk 1:4 hatte man ihn über Jesus Christus und seine Tätigkeit „mündlich gelehrt“. Der Bericht von Lukas sollte ihn nun in seiner Überzeugung bestärken, dass diese mündlichen Informationen den Tatsachen entsprachen. Es gibt aber auch noch die Ansicht, dass Theophilus an der christlichen Lehre interessiert war und erst später zum Christentum konvertierte. Eine weitere Ansicht besagt, dass der Name Theophilus (was „Von Gott geliebt“ oder „Freund Gottes“ bedeutet) für alle Christen stand. Zu Beginn der Apostel­geschichte spricht Lukas Theophilus nicht mit „hochverehrter“ an (Apg 1:1).

ersten Bericht: Lukas bezieht sich hier auf sein Evangelium, in dem er „alles aufgeschrieben [hat], was Jesus tat und lehrte“. In der Apostel­geschichte setzt Lukas diesen ersten Bericht fort und schildert, was Jesu Nachfolger erlebten. Beide Berichte ähneln sich in Stil und Wortwahl, und beide sind an einen gewissen Theophilus gerichtet, wobei nicht ganz klar wird, ob Theophilus ein Jünger Christi war. (Siehe Anm. zu Luk 1:3.) Lukas greift am Anfang der Apostel­geschichte noch einmal Ereignisse auf, von denen er am Ende seines Evangeliums berichtet hat, wenn er auch etwas andere Formulierungen verwendet und zusätzliche Details anführt. (Vgl. Luk 24:49 mit Apg 1:1-12.) Das zeigt ganz deutlich, dass es sich bei diesem zweiten Bericht um eine Fortsetzung handelt.

Theophilus: Lukas hat an diesen Mann sowohl sein Evangelium als auch die Apostel­geschichte gerichtet. In Luk 1:3 spricht er ihn mit „hochverehrter Theophilus“ an. (Mehr Informationen zu dieser Anrede und zu der Identität von Theophilus enthält die Anm. zu Luk 1:3.)

das Königreich Gottes: Jehovas Königreich ist das übergeordnete Thema der gesamten Bibel und auch das beherrschende Thema der Apostel­geschichte (Apg 8:12; 14:22; 19:8; 20:25; 28:31). Dieses Bibelbuch stellt heraus, dass die Apostel ein „gründliches Zeugnis“ für das Königreich ablegten und ihren Dienst gewissenhaft durchführten (Apg 2:40; 5:42; 8:25; 10:42; 20:21, 24; 23:11; 26:22; 28:23).

Die Zeit ist gekommen: Oder „Die festgelegte Zeit ist erfüllt“. Das griechische Wort kairós („[festgelegte] Zeit“) bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die in den heiligen Schriften vorausgesagte Zeit, zu der Jesus seinen Dienst beginnen würde. Jetzt hatten die Menschen Gelegenheit, an die gute Botschaft zu glauben. kairós bezeichnet in der Bibel auch die Zeit der Begutachtung, die mit Jesu Dienst verbunden war (Luk 12:56; 19:44), sowie die für seinen Tod „festgelegte Zeit“ (Mat 26:18, Fn.).

festgelegten Zeiten der anderen Völker: Oder „Zeiten der Heiden“, „bestimmten Zeiten der Nationen“. Das griechische Wort kairós (hier wird der Plural mit „festgelegte Zeiten“ wiedergegeben) kann sich auf einen Zeitpunkt, auf eine festgelegte oder konkrete Zeitspanne oder auf eine Saison, z. B. eine Erntezeit, beziehen (Mat 13:30; 21:34; Mar 11:13). kairós bezeichnet „die festgelegte Zeit“, zu der Jesu Dienst begann (Mar 1:15, Anm.), sowie „die festgelegte Zeit“ seines Todes (Mat 26:18, Fn.). Das Wort wird außerdem für zukünftige Zeiten oder Zeitabschnitte in Gottes Zeitplan gebraucht, vor allem wenn sie mit Christi Gegenwart und seinem Königreich zu tun haben (Apg 1:7; 3:19; 1Th 5:1). Berücksichtigt man, wie kairós in der Bibel verwendet wird, bezieht es sich hier offensichtlich nicht auf eine vage oder unbestimmte Zeit, sondern auf eine bestimmte Zeitspanne mit einem Anfang und einem Ende. Die Begriffe „Völker“, „Heiden“ und „Nationen“ geben den Plural des griechischen Wortes éthnos wieder. Die Bibelschreiber gebrauchten es oft speziell für die nicht jüdischen Völker.

Zeiten oder Zeitabschnitte: Damit werden zwei Aspekte der Zeit angesprochen. Das griechische Wort chrónos (hier ist der Plural mit Zeiten wiedergegeben) kann sich auf einen unbestimmten Zeitraum beziehen, der kurz oder lang sein kann. Das griechische Wort kairós (manchmal mit „festgelegte Zeit[en]“ übersetzt; hier ist der Plural mit Zeitabschnitte wiedergegeben) wird oft für zukünftige Zeitspannen in Gottes Zeitplan gebraucht, vor allem wenn sie mit Christi Gegenwart und seinem Königreich zu tun haben (Apg 3:19; 1Th 5:1; siehe Anm. zu Mar 1:15; Luk 21:24).

die nur der Vater berechtigt ist festzulegen: Oder „die festzulegen dem Vater vorbehalten ist“. Diese Formulierung macht deutlich, dass Jehova sich das Recht vorbehalten hat, in Verbindung mit seinem Vorhaben die „Zeiten oder Zeitabschnitte“ selbst festzulegen. Jehova ist der Herr über die Zeit. Als Jesus auf der Erde lebte, kannte nicht einmal er „den Tag und die Stunde“, wann das Ende kommt – das wusste „nur der Vater“ (Mat 24:36; Mar 13:32).

trieb ihn der Geist: Oder „veranlasste ihn die aktive Kraft, … zu gehen“. Das griechische Wort pneuma bezieht sich hier auf Gottes Geist. Er kann als treibende Kraft in einem Menschen wirken und ihn dazu bewegen, etwas in Übereinstimmung mit Gottes Willen zu tun (Luk 4:1; siehe Worterklärungen zu „Geist“).

als Zeuge: Oder „zu einem Zeugnis“. Das griechische Substantiv martyría („Zeugnis“) kommt im Johannes­evangelium mehr als doppelt so oft vor wie in den anderen drei Evangelien zusammengenommen. Das entsprechende Verb martyréō, hier mit „als Zeuge auftreten“ übersetzt, kommt bei Johannes 39 Mal vor, in den anderen Evangelien nur 2 Mal (Mat 23:31; Luk 4:22). martyréō wird so häufig in Verbindung mit Johannes dem Täufer verwendet, dass manche sagen, man könnte ihn genauso gut „Johannes den Zeugen“ nennen (Joh 1:8, 15, 32, 34; 3:26; 5:33; siehe Anm. zu Joh 1:19). Im Johannes­evangelium wird das Verb auch immer wieder in Verbindung mit Jesus und seinem Dienst gebraucht (Joh 8:14, 17, 18). In diesem Zusammenhang sticht besonders hervor, was Jesus zu Pontius Pilatus sagte: „Dazu wurde ich geboren und dazu kam ich in die Welt: um die Wahrheit zu bezeugen“ (Joh 18:37). In der Offenbarung an Johannes wird Jesus als der „Treue Zeuge“ und der „treue und wahrhaftige Zeuge“ bezeichnet (Off 1:5; 3:14).

bezeugen: Die Wörter, die mit „bezeugen“, „Zeugnis ablegen“ (martyréō), „Zeuge“ (mártys) und „Zeugnis“, „Zeugenaussage“ (martyría) übersetzt sind, haben in den Christlichen Griechischen Schriften eine breite Bedeutung. Alle diese Wörter haben grundsätzlich damit zu tun, dass jemand über etwas eine Aussage macht, wovon er aus erster Hand erfahren hat oder wovon er selbst weiß. Sie können aber auch den Gedanken von „bekannt machen“, „bestätigen“, „gut sprechen von“ enthalten. Zum einen bezeugte und verkündete Jesus die Wahrheiten, von denen er überzeugt war. Zum anderen bewies er durch sein Leben, dass die Prophezeiungen und Versprechen seines Vaters mit der Wahrheit übereinstimmen (2Ko 1:20). Gott hatte bereits im Detail vorausgesagt, was er in Bezug auf das Königreich und dessen Regenten, den Messias, vorhatte. Durch Jesu Leben auf der Erde, das in seinem Opfertod gipfelte, erfüllten sich alle Prophezeiungen über ihn, darunter auch die im Gesetzesbund enthaltenen „Schatten“ oder prophetischen Vorlagen (Kol 2:16, 17; Heb 10:1). Man kann also sagen, dass Jesus die Wahrheit in Wort und Tat bezeugte.

noch größere Taten: Jesus wollte damit nicht sagen, seine Nachfolger würden größere Wunder vollbringen als er. Vielmehr erkannte er demütig an, dass sie beim Predigen und Lehren mehr erreichen würden: Sie würden ein größeres Gebiet bearbeiten, mehr Menschen erreichen und über längere Zeit predigen als er. Daraus ist eindeutig zu erkennen, dass seine Nachfolger sein Werk fortsetzen sollten.

ganzen bewohnten Erde … alle Völker: Oder „ganzen bewohnten Erde … alle Nationen“. Beide Ausdrücke beschreiben den Umfang des Predigtwerks. Das griechische Wort für „bewohnte Erde“ (oikouménē) bezieht sich im erweiterten Sinn auf die Erde als Wohnort der Menschen (Luk 4:5; Apg 17:31; Rö 10:18; Off 12:9; 16:14). Im 1. Jh. verstand man darunter auch das riesige Römische Reich, in dem die Juden verstreut lebten (Luk 2:1; Apg 24:5). Das griechische Wort für „Volk“ (éthnos) beschreibt allgemein eine Gruppe von Menschen, die eine gemeinsame Sprache und im Wesentlichen dieselbe Abstammung haben. Solche Völker sind oft in einem bestimmten Gebiet ansässig, weshalb man auch von „Nationen“ sprechen kann.

auf der ganzen Welt … bekannt gemacht wird: Ähnlich wie in der Prophezeiung, die in Mat 24:14 zu finden ist, sagte Jesus hier voraus, dass die gute Botschaft auf der ganzen Welt bekannt gemacht werden würde – auch das, was diese Frau aus Liebe und Wertschätzung getan hat. Gott hat ihre Tat von drei Evangelisten aufschreiben lassen (Mar 14:8, 9; Joh 12:7; siehe Anm. zu Mat 24:14).

Menschen aus allen Völkern: Im Urtext steht hier nur „alle Völker“, doch durch den Kontext wird deutlich, dass sich der Ausdruck auf Einzelpersonen aus allen Völkern beziehen muss. Das Pronomen „sie“ in tauft sie ist im Griechischen maskulin und kann daher nicht für „Völker“ stehen, denn dieses Wort ist im Griechischen ein Neutrum. Das Gebot, zu „Menschen aus allen Völkern“ zu gehen, war etwas völlig Neues. Vor Jesu Dienst durften Nichtjuden, wie die Schriften andeuteten, nach Israel kommen und sich den Israeliten im Dienst für Jehova anschließen (1Kö 8:41-43). Doch durch dieses neue Gebot bekamen Jesu Jünger den Auftrag, zu Nichtjuden hinzugehen und so das von ihm begonnene Predigtwerk auszuweiten. Dadurch betonte er den globalen Umfang des Jüngermachens (Mat 10:1, 5-7; Off 7:9; siehe Anm. zu Mat 24:14).

der heilige Geist: Oder „die heilige aktive Kraft“. In der Apostel­geschichte kommt der Ausdruck „heiliger Geist“ über 40 Mal vor, und es gibt mindestens 15 andere Stellen, an denen sich das Wort „Geist“ (griechisch pneuma) auf Gottes heiligen Geist bezieht. (Beispiele: Apg 2:4, 17, 18; 5:9; 11:28; 21:4; siehe auch Worterklärungen zu „Geist“.) So stellt dieses Bibelbuch immer wieder heraus, dass es Jesu Nachfolger einzig und allein mit der Hilfe von Gottes aktiver Kraft schafften, über Ländergrenzen hinweg zu predigen und zu lehren. (Vgl. Anm. zu Mar 1:12.)

Zeugen von mir: Als gläubige Juden waren Jesu erste Jünger bereits Zeugen von Jehova; sie bezeugten, dass er der einzig wahre Gott ist (Jes 43:10-12; 44:8). Doch von nun an sollten sie nicht nur Zeugen von Jehova sein, sondern auch von Jesus. Sie sollten einen neuen Aspekt von Gottes Vorhaben bekannt machen: Jesu zentrale Rolle bei der Heiligung des Namens Jehovas durch das messianische Königreich. Die Apostel­geschichte ist nach dem Johannes­evangelium das Bibelbuch, das am häufigsten die griechischen Wörter mártys („Zeuge“), martyréō („bezeugen“, „Zeugnis ablegen“), diamartýromai („gründlich bezeugen“, „ein gründliches Zeugnis ablegen“) sowie verwandte Wörter gebraucht. (Siehe Anm. zu Joh 1:7.) Der Gedanke, ein Zeuge zu sein und als solcher für Gott auszusagen – also anderen mitzuteilen, was Gott vorhat, was sein Königreich ist und welche wichtige Rolle Jesus darin spielt –, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Apostel­geschichte (Apg 2:32, 40; 3:15; 4:33; 5:32; 8:25; 10:39; 13:31; 18:5; 20:21, 24; 22:20; 23:11; 26:16; 28:23). Einige der ersten Christen konnten die historischen Fakten über Jesu Leben, Tod und Auferstehung bezeugen oder bestätigen, weil sie vieles selbst miterlebt hatten (Apg 1:21, 22; 10:40, 41). Diejenigen, die später zum Glauben an Jesus kamen, fungierten als Zeugen, indem sie die Bedeutung von Jesu Leben, Tod und Auferstehung bekannt machten (Apg 22:15; siehe Anm. zu Joh 18:37).

bis zum entferntesten Teil der Erde: Oder „bis an die (äußersten) Enden der Erde“. Der entsprechende griechische Ausdruck kommt auch in Apg 13:47 vor, wo eine Prophezeiung aus Jes 49:6 zitiert wird. In der Septuaginta erscheint dort derselbe griechische Ausdruck. Auf diese Prophezeiung könnten Jesu Worte in Apg 1:8 anspielen. Laut Jesaja würde Jehovas Diener ein „Licht für die Völker“ sein, damit die Rettung „bis an die Enden der Erde“ reicht. Das deckt sich mit der früheren Aussage von Jesus, dass seine Nachfolger „noch größere Taten“ vollbringen würden als er. (Siehe Anm. zu Joh 14:12.) Und es passt auch zu Jesu Ankündigung, dass die christliche Botschaft auf der ganzen Welt verbreitet werden würde. (Siehe Anm. zu Mat 24:14; 26:13; 28:19.)

Männer in weißen Gewändern: Gemeint sind Engel. (Vgl. Luk 24:4, 23.) In der Apostel­geschichte kommt das griechische Wort für „Engel“ (ággelos, sprich: ángelos) 21 Mal vor, das erste Mal in Apg 5:19.

auf spektakuläre, für alle zu erkennende Art und Weise: Der entsprechende griechische Ausdruck kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur ein einziges Mal vor. Er ist von einem Verb abgeleitet, das „genau beobachten“ bedeutet. Einigen Bibelexperten zufolge gebrauchten Verfasser von medizinischen Texten den Ausdruck für das Beobachten von Krankheits­symptomen. Die Art und Weise, wie das Wort hier verwendet wird, vermittelt offenbar den Gedanken, dass es nicht jeder merkt, wenn Gottes Königreich kommt.

Himmel: Das griechische Wort ouranós, das in diesem Vers drei Mal erscheint, kann sich entweder auf den buchstäblichen, sichtbaren Himmel beziehen oder auf den Bereich, in dem sich Jehova befindet.

wird auf die gleiche Weise kommen: Das griechische Wort für „kommen“ (érchomai) findet man in der Bibel in verschiedenen Kontexten. Manchmal bezieht es sich auf das Kommen Jesu als Richter, wenn er in der großen Drangsal das Urteil verkündet und vollstreckt (Mat 24:30; Mar 13:26; Luk 21:27). Es wird in Verbindung mit Jesus allerdings auch in anderen Situationen gebraucht (Mat 16:28 bis 17:2; Mat 21:5, 9; 23:39; Luk 19:38). Deshalb muss man im vorliegenden Vers den Kontext berücksichtigen, um zu verstehen, was mit „kommen“ gemeint ist. Die Engel sagten, dass Jesus auf die gleiche „Weise“ (griechisch trópos) „kommen“ oder zurückkehren würde, wie er die Erde verließ, und nicht in der gleichen Form oder Gestalt. Wie der Zusammenhang zeigt, bemerkte die Welt im Allgemeinen nichts von seinem Weggang. Nur die Apostel bekamen mit, dass er das Umfeld der Erde verließ und in den Himmel zu seinem Vater zurückkehrte. Jesus hatte angedeutet, dass es mit seiner Rückkehr als König von „Gottes Königreich“ ähnlich wäre: Er würde so wiederkommen, dass es nur seine Jünger bemerken würden, nicht die Welt im Allgemeinen (Luk 17:20; siehe Anm.). In Off 1:7 ist ebenfalls von einem „Kommen“ Jesu die Rede. Aber dort heißt es, dass „jedes Auge … ihn sehen [wird]“. Mit dem Ausdruck „kommen“ in Apg 1:11 ist daher offensichtlich Jesu unsichtbares Kommen als regierender König zu Beginn seiner Gegenwart gemeint (Mat 24:3).

eine Sabbat-Tagereise: Gemeint ist die Wegstrecke, die ein Israelit am Sabbat zurücklegen durfte. Hier wird eine Sabbat-Tagereise mit der Entfernung zwischen dem Ölberg und Jerusalem gleichgesetzt. Das Gesetz untersagte es, am Sabbat längere Strecken zurückzulegen, machte aber keine genaueren Angaben dazu (2Mo 16:29). In rabbinischen Schriften wurde mit der Zeit festgelegt, dass man um die 2000 Ellen (890 m) zurücklegen durfte. Diese Auslegung stützte sich auf 4Mo 35:5, wo steht: „Ihr sollt außerhalb der Stadt 2000 Ellen … messen“, sowie auf Jos 3:3, 4, wo die Israeliten angewiesen wurden, zur Bundeslade einen Abstand von ungefähr 2000 Ellen einzuhalten. Die Rabbiner schlussfolgerten, dass ein Israelit am Sabbat mindestens diese Strecke zurücklegen durfte, damit er an der Stiftshütte Gott anbeten konnte (4Mo 28:9, 10). Josephus gibt die Entfernung zwischen Jerusalem und dem Ölberg einmal mit 5 Stadien (925 m) und einmal mit 6 Stadien (1110 m) an, wahrscheinlich von verschiedenen Ausgangspunkten aus gerechnet. Das entspricht im Großen und Ganzen der Wegstrecke, die die Rabbiner festgelegt hatten, und stimmt mit der Aussage von Lukas in diesem Vers überein.

der Eiferer: Ein Beiname, durch den der Apostel Simon von dem Apostel Simon Petrus unterschieden wurde (Luk 6:14, 15). Das griechische Wort zēlōtḗs, das hier und in Luk 6:15 vorkommt, bedeutet „Zelot“, „Eiferer“ oder „Begeisterter“. In Mat 10:4 und Mar 3:18 wird das Wort „Kananäer“ gebraucht, das vermutlich aus dem Hebräischen oder Aramäischen kommt und dasselbe wie zēlōtḗs bedeutet. Es ist nicht auszuschließen, dass Simon einmal der jüdischen Partei der Zeloten angehört hatte, die sich gegen Rom stellte. Vielleicht war er aber auch ein sehr eifriger und begeisterungs­fähiger Mensch und bekam deshalb diesen Beinamen.

Brüder: Das griechische Wort adelphós kann in der Bibel zwar einen Glaubensbruder bezeichnen, doch hier sind die anderen Söhne von Joseph und Maria und damit Jesu jüngere Halbbrüder gemeint. Manche, die glauben, Maria sei nach der Geburt von Jesus jungfräulich geblieben, behaupten, adelphós beziehe sich auf Cousins. Doch die Christlichen Griechischen Schriften verwenden für „Cousin“ das Wort anepsiós (Kol 4:10). Auch andere Beispiele machen deutlich, dass in den Christlichen Griechischen Schriften Verwandtschafts­verhältnisse präzise angegeben werden. Beispielsweise wird vom „Sohn der Schwester von Paulus“ gesprochen (Apg 23:16). Und in Luk 21:16 werden die griechischen Pluralformen von adelphós und syggenḗs (sprich: syngenḗs) nebeneinandergestellt, was mit „Geschwister“ (wtl. „Brüder“) und „Verwandte“ wiedergegeben wurde.

seinen Brüdern: Gemeint sind Jesu Halbbrüder. In den vier Evangelien, der Apostel­geschichte und in zwei Briefen von Paulus wird auf „die Brüder des Herrn“, „den Bruder des Herrn“, „seine Brüder“ und „seine Schwestern“ Bezug genommen; vier seiner Brüder werden mit Namen genannt: Jakobus, Joseph, Simon und Judas (1Ko 9:5; Gal 1:19; Mat 12:46; 13:55, 56; Mar 3:31; Luk 8:19; Joh 2:12). Sie kamen alle nach Jesus zur Welt. Die meisten Bibel­wissenschaftler schließen aus diesen Hinweisen, dass Jesus mindestens vier Brüder und zwei Schwestern hatte und dass alle – im Gegensatz zu Jesus – ganz natürlich als leibliche Kinder von Joseph und Maria geboren wurden. (Siehe Anm. zu Mat 13:55.)

Brüder: Das griechische Wort adelphós kann in der Bibel zwar einen Glaubensbruder bezeichnen, doch hier sind die anderen Söhne von Joseph und Maria und damit Jesu jüngere Halbbrüder gemeint. Manche, die glauben, Maria sei nach der Geburt von Jesus jungfräulich geblieben, behaupten, adelphós beziehe sich auf Cousins. Doch die Christlichen Griechischen Schriften verwenden für „Cousin“ das Wort anepsiós (Kol 4:10). Auch andere Beispiele machen deutlich, dass in den Christlichen Griechischen Schriften Verwandtschafts­verhältnisse präzise angegeben werden. Beispielsweise wird vom „Sohn der Schwester von Paulus“ gesprochen (Apg 23:16). Und in Luk 21:16 werden die griechischen Pluralformen von adelphós und syggenḗs (sprich: syngenḗs) nebeneinandergestellt, was mit „Geschwister“ (wtl. „Brüder“) und „Verwandte“ wiedergegeben wurde.

seinen Brüdern: Gemeint sind Jesu Halbbrüder. In den vier Evangelien, der Apostel­geschichte und in zwei Briefen von Paulus wird auf „die Brüder des Herrn“, „den Bruder des Herrn“, „seine Brüder“ und „seine Schwestern“ Bezug genommen; vier seiner Brüder werden mit Namen genannt: Jakobus, Joseph, Simon und Judas (1Ko 9:5; Gal 1:19; Mat 12:46; 13:55, 56; Mar 3:31; Luk 8:19; Joh 2:12). Sie kamen alle nach Jesus zur Welt. Die meisten Bibel­wissenschaftler schließen aus diesen Hinweisen, dass Jesus mindestens vier Brüder und zwei Schwestern hatte und dass alle – im Gegensatz zu Jesus – ganz natürlich als leibliche Kinder von Joseph und Maria geboren wurden. (Siehe Anm. zu Mat 13:55.)

Brüdern: An manchen Stellen in der Bibel werden Christen als „Brüder“ und Christinnen als „Schwestern“ bezeichnet (1Ko 7:14, 15). An anderen Stellen, wie hier, bezieht sich der Plural des griechischen Wortes adelphós („Brüder“) sowohl auf Männer als auch auf Frauen (Apg 1:13, 14). Man gebrauchte ihn allgemein als Anrede für gemischte Gruppen und nicht nur für Männer (Rö 1:13; 1Th 1:4). In diesem Sinn wird der Ausdruck in den meisten inspirierten christlichen Briefen verwendet. In dem vorhergehenden Vers (Apg 1:14) bezeichnet er Jesu Halbbrüder, die jüngeren Söhne von Joseph und Maria. (Siehe Anm. zu Mat 13:55; Apg 1:14.)

eine Gruppe von … Personen: Wtl. „eine Menge von … Namen“. Hier bezieht sich das griechische Wort ónoma („Name“) auf eine Person. So wird es auch in Off 3:4 verwendet (siehe Fn.).

Männer, Brüder: Anders als im Vers 15 erscheint hier das griechische Wort für „Brüder“ zusammen mit dem Wort für „Männer“ (Plural von anḗr). Im Kontext geht es darum, wer Judas Iskariot als Apostel ersetzen sollte. Die Kombination der beiden Wörter könnte darauf hindeuten, dass bei dieser Frage nur die anwesenden Männer angesprochen waren.

Nachdem er kopfüber gestürzt war, platzte sein Körper auf: Im Matthäus­evangelium wird gesagt, dass Judas sich erhängte, was zeigt, auf welche Art und Weise er Selbstmord beging (Mat 27:5). Lukas geht hier darauf ein, was weiter passierte. Ein Vergleich von beiden Berichten ergibt, dass sich Judas offenbar an einem Baum erhängte, der in der Nähe eines Abhangs stand. Irgendwann riss das Seil oder der Ast brach ab, sodass Judas auf darunterliegende Felsen stürzte und sein Körper aufplatzte. Das steile, felsige Gelände rund um Jerusalem lässt so eine Schlussfolgerung ohne Weiteres zu.

Aufsehern: Das griechische Wort für „Aufseher“, epískopos, ist mit dem Verb episkopéō verwandt, das „gut aufpassen“ bedeutet (Heb 12:15), sowie mit dem Substantiv episkopḗ, das mit „Begutachtung“ (Luk 19:44), „Besichtigung“ (1Pe 2:12), „Aufseher werden“ (1Ti 3:1) und „Aufsichtsamt“ (Apg 1:20) übersetzt worden ist. Ein Aufseher war also jemand, der die Einzelnen in einer Versammlung besuchte, nach ihnen sah und ihnen Anleitung gab. In dem griechischen Wort steckt der Gedanke von schützender Fürsorge. Aufseher in der Versammlung haben die Aufgabe, ihren Mitgläubigen zu helfen, einen starken Glauben zu haben. Wenn Paulus hier von „Aufsehern“ sprach, meinte er die „Ältesten“ in der Versammlung in Ephesus (Apg 20:17). Als er in seinem Brief an Titus die Erfordernisse für einen „Ältesten“ (presbýteros) beschrieb, gebrauchte er auch den Ausdruck „Aufseher“ (epískopos) (Tit 1:5, 7). Beide Begriffe beziehen sich also auf dasselbe Amt, wobei „Ältester“ eher auf die Reife des Betreffenden hindeutet, während „Aufseher“ die damit verbundenen Aufgaben betont. Wie der Bericht zeigt, gab es in der Versammlung in Ephesus nicht nur einen, sondern mehrere Älteste. Es war nicht festgelegt, wie viele Aufseher es in einer Versammlung geben sollte; ihre Zahl hing davon ab, wie viele Brüder die Erfordernisse dafür erfüllten. Auch in seinem Brief an die Christen in Philippi wandte sich Paulus an „die Aufseher“ dort (Php 1:1), was zeigt, dass sie sich als Gruppe um die Angelegenheiten der Versammlung kümmerten. (Siehe Anm. zu Apg 1:20.)

Sein Aufsichtsamt: Oder „Seine Aufgabe als Aufseher“. Das hier verwendete griechische Wort episkopḗ ist mit dem Substantiv epískopos („Aufseher“) und dem Verb episkopéō verwandt, das in Heb 12:15 mit „gut aufpassen“ übersetzt wurde. Petrus zitierte als Begründung für seinen Vorschlag, den Platz des untreu gewordenen Apostels Judas neu zu besetzen, aus Ps 109:8. Dort steht im hebräischen Text das Wort pequddáh, das mit Ausdrücken wie „Aufsichtsamt“, „Aufsicht“ und „Aufseher“ wiedergegeben werden kann (4Mo 4:16; Jes 60:17). Dieses Wort wird in der Septuaginta (Ps 108:8, LXX) mit dem gleichen griechischen Wort übersetzt, das Lukas hier in Apg 1:20 gebraucht. Die inspirierte Aussage von Petrus macht deutlich, dass die Apostel ein Aufsichtsamt oder eine Aufgabe als Aufseher übertragen bekommen hatten. Sie waren direkt von Jesus ernannt worden (Mar 3:14). Somit hatte die Christen­versammlung bei ihrer Gründung am Pfingsttag 33 u. Z. zwölf Aufseher. An diesem Tag stieg die Anzahl ihrer Mitglieder von rund 120 auf etwa 3000 (Apg 1:15; 2:41). Um für die wachsende Versammlung sorgen zu können, wurden später noch mehr Aufseher ernannt. Das Aufsichtsamt der Apostel hatte jedoch weiterhin eine Sonderstellung, denn es war offensichtlich Jehovas Wille, dass die zwölf Apostel die „zwölf Grundsteine“ des Neuen Jerusalem bilden sollten (Off 21:14; siehe Anm. zu Apg 20:28).

unter uns tätig war: Wtl. „bei uns ein und aus ging“. Die entsprechende griechische Formulierung bildet eine semitische Wendung ab, die ausdrückt, dass jemand seinen alltäglichen Aktivitäten in Gesellschaft von anderen nachgeht. Man könnte sie hier auch mit „unter uns lebte“ übersetzen. (Vgl. 5Mo 28:6, 19; Ps 121:8, Fn.)

Matthias: Der griechische Name Maththías ist vermutlich eine Kurzform von Mattathías, was von dem hebräischen Namen Mattithja („Geschenk Jehovas“) abgeleitet ist (1Ch 15:18). Laut Petrus war Matthias die gesamten dreieinhalb Jahre von Jesu Dienst dessen Nachfolger (Apg 1:21, 22). Er hatte eine enge Verbindung zu den Aposteln, und höchst­wahrscheinlich gehörte er zu den 70 Jüngern, die Jesus zum Predigen aussandte (Luk 10:1). Als die Wahl auf ihn fiel, wurde er „zu den elf Aposteln hinzugezählt“ (Apg 1:26). Wenn die Apostel­geschichte von da an von „den Aposteln“ oder von „den Zwölf“ spricht, ist Matthias mit eingeschlossen (Apg 2:37, 43; 4:33, 36; 5:12, 29; 6:2, 6; 8:1, 14).

Jehova: In den vorhandenen griechischen Manuskripten steht hier kýrios („Herr“). In Anh. C wird jedoch erklärt, dass es oft stichhaltige Gründe zu der Annahme gibt, dass im ursprünglichen Text der Gottesname stand und später durch die Bezeichnung „Herr“ ersetzt wurde. Das ist auch hier der Fall. Deswegen wird im Haupttext der Neuen-Welt-Übersetzung der Name Jehova verwendet.

du kennst die Herzen aller: In den Hebräischen Schriften wird Jehova Gott oft als derjenige bezeichnet, der ins Herz sehen kann (5Mo 8:2; 1Sa 16:7; 1Kö 8:39; 1Ch 28:9; Ps 44:21; Jer 11:20; 17:10). Für hebräischsprachige Juden wäre es demnach in dieser Situation nur natürlich gewesen, Gott im Gebet mit seinem Namen anzusprechen. Das griechische Wort kardiognṓstēs (wtl. „Herzenskenner“) erscheint nur hier und in Apg 15:8, wo steht: „Gott, der das Herz kennt“. (Siehe Anh. C3, Einleitung, Apg 1:24.)

verteilten seine Obergewänder: In Joh 19:23, 24 werden zusätzlich Details erwähnt, die in Matthäus, Markus und Lukas nicht zu finden sind. Zusammengenommen ergeben die vier Evangelien­berichte folgendes Bild: Die römischen Soldaten verlosten offensichtlich sowohl Jesu Obergewänder als auch sein Untergewand; sie teilten die Obergewänder „in vier Stücke, für jeden Soldaten eins“; sie wollten das Untergewand nicht zerreißen, weshalb sie es als Ganzes verlosten; dadurch erfüllte sich Ps 22:18, wo vorausgesagt worden war, dass die Kleidung des Messias durch das Los verteilt würde. Bei Hinrichtungen war es offenbar üblich, dass die Soldaten die Kleidung des Verurteilten behielten. Deshalb zogen sie ihm vorher die Kleidung aus und nahmen ihm alles weg, was er besaß. Das machte die Hinrichtung noch demütigender.

das Los: In vorchristlicher Zeit verwendeten Gottes Diener in den verschiedensten Situationen Lose, um seinen Willen herauszufinden (3Mo 16:8; 4Mo 33:54; 1Ch 25:8; Spr 16:33; 18:18; siehe Worterklärungen zu „Los“). In den Christlichen Griechischen Schriften wird nur hier davon gesprochen, dass Jesu Nachfolger das Los entscheiden ließen. Es ging um die Frage, welcher von den beiden vorgeschlagenen Männern Judas Iskariot ersetzen sollte. Den Jüngern war klar, dass sie bei dieser Entscheidung Jehovas Anleitung brauchten. Jeden Einzelnen der zwölf Apostel hatte Jesus persönlich ernannt, nachdem er eine Nacht lang zu seinem Vater gebetet hatte (Luk 6:12, 13). In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Jünger, bevor sie das Los entscheiden ließen, die Schriften zu Rate zogen und Jehova baten, ihnen seine Wahl zu zeigen (Apg 1:20, 23, 24). Es deutet in der Bibel jedoch nichts darauf hin, dass sie nach Pfingsten 33 u. Z. bei der Auswahl von Aufsehern und ihren Gehilfen oder bei wichtigen Entscheidungen das Los verwendet hätten. Das war auch nicht mehr nötig, da in der Christen­versammlung der heilige Geist aktiv war (Apg 6:2-6; 13:2; 20:28; 2Ti 3:16, 17). Die Männer, die zu Aufsehern ernannt wurden, ermittelte man nicht durch das Los. Entscheidend war, dass man in ihrem Leben die Frucht erkennen konnte, die der heilige Geist hervorbringt (1Ti 3:1-13; Tit 1:5-9). Übrigens waren die Israeliten nicht die Einzigen, die Lose verwendeten (Est 3:7; Joel 3:3; Ob 11). Bei Jesu Hinrichtung verlosten beispielsweise die römischen Soldaten seine Kleidung, wie in Ps 22:18 vorausgesagt. Dabei ging es ihnen aber offensichtlich nicht darum, eine Prophezeiung zu erfüllen, sondern um ihren persönlichen Vorteil (Joh 19:24; siehe Anm. zu Mat 27:35).

hinzugezählt: D. h., Matthias wurde so betrachtet wie die anderen elf Apostel. Als dann Pfingsten kam, gab es zwölf Apostel, die die Grundlage des geistigen Israel bildeten. Damit dürfte Matthias einer von „den Zwölf“ gewesen sein, die sich später um das Problem kümmerten, das in Verbindung mit den Griechisch sprechenden Jüngern entstand (Apg 6:1, 2).

Medien

Einführung in das Bibelbuch Apostel­geschichte (Video)
Einführung in das Bibelbuch Apostel­geschichte (Video)
Apostel­geschichte: Wichtige Ereignisse
Apostel­geschichte: Wichtige Ereignisse

Die Ereignisse sind in chronologischer Reihenfolge angegeben

(1) Auf dem Ölberg nahe Bethanien sagt Jesus zu den Jüngern, dass sie „bis zum entferntesten Teil der Erde“ Zeugen von ihm sein werden (Apg 1:8)

(2) Pfingsten 33 wird heiliger Geist auf die Jünger ausgegossen und sie beginnen, in verschiedenen Sprachen die gute Botschaft zu verkünden (Apg 2:1-6)

(3) Am Schönen Tor des Tempels heilt Petrus einen Gelähmten (Apg 3:1-8)

(4) Die Apostel erklären vor dem Sanhedrin: „Wir müssen Gott als Herrscher gehorchen statt Menschen“ (Apg 5:27-29)

(5) Stephanus wird vor den Toren Jerusalems gesteinigt (Apg 7:54-60)

(6) Als die Jünger zerstreut werden, geht Philippus nach Samaria und predigt dort; die Apostel schicken Petrus und Johannes dorthin, damit die Getauften heiligen Geist empfangen können (Apg 8:4, 5, 14, 17)

(7) Philippus predigt auf der Straße von Jerusalem nach Gasa einem Eunuchen und tauft ihn (siehe Karte „Aktivitäten des Evangeliums­verkündigers Philippus“) (Apg 8:26-31, 36-38)

(8) Jesus erscheint Saulus auf der Straße nach Damaskus (Apg 9:1-6)

(9) Jesus weist Ananias an, in die Straße zu gehen, die man die Gerade nennt, um Saulus zu helfen; Saulus lässt sich taufen (Apg 9:10, 11, 17, 18)

(10) In Joppe stirbt Dorkas; die Jünger bitten Petrus, der in Lydda ist, zu kommen; Petrus auferweckt Dorkas (Apg 9:36-41)

(11) Bei seinem Aufenthalt in Joppe sieht Petrus in einer Vision Tiere, die Gott für rein erklärt hat (Apg 9:43; 10:9-16)

(12) Petrus geht nach Cäsarea und predigt dort Kornelius und anderen unbeschnittenen Nichtjuden; sie werden gläubig, empfangen heiligen Geist und lassen sich taufen (Apg 10:23, 24, 34-48)

(13) In Antiochia (Syrien) werden die Jünger erstmals Christen genannt (Apg 11:26)

(14) Herodes lässt Jakobus hinrichten und Petrus einsperren; Petrus wird von einem Engel befreit (Apg 12:2-4, 6-10)

(15) Paulus bricht mit Barnabas und Johannes Markus zu seiner ersten Missionsreise auf (siehe Karte „1. Missionsreise von Paulus“) (Apg 12:25; 13:4, 5)

(16) Als es in Antiochia zu Meinungs­verschiedenheiten wegen der Beschneidung kommt, legen Paulus und Barnabas die Angelegenheit den Aposteln und Ältesten in Jerusalem vor; dann kehren sie nach Antiochia zurück (Apg 15:1-4, 6, 22-31)

(17) Paulus bricht zu seiner zweiten Missionsreise auf (siehe Karte „2. Missionsreise von Paulus“)

(18) Paulus bricht zu seiner dritten Missionsreise auf (siehe Karte „3. Missionsreise von Paulus“)

(19) In Jerusalem kommt es wegen Paulus zu einem Aufruhr im Tempel; er wird festgenommen; auf der Treppe der Burg Antonia spricht er zum Volk (Apg 21:27-40)

(20) Als ein Mordkomplott gegen Paulus aufgedeckt wird, bringen ihn Soldaten zuerst nach Antipatris und dann nach Cäsarea (Apg 23:12-17, 23, 24, 31-35)

(21) Paulus vor Festus; er legt bei Cäsar Berufung ein (Apg 25:8-12)

(22) Erster Abschnitt von Paulus’ Reise nach Rom (siehe Karte „Die Reise von Paulus nach Rom“)

Bethphage, Ölberg und Jerusalem
Bethphage, Ölberg und Jerusalem

Das Video zeigt einen Weg, der sich Jerusalem von O her nähert. Der Kameraflug startet in dem Dorf At-Tur (vermutlich das biblische Bethphage) und endet an einer höher gelegenen Stelle des Ölbergs. Am O-Hang des Ölbergs östlich von Bethphage befindet sich Bethanien, das heutige Al-Asarije (arabisch für „Ort des Lazarus“). Gewöhnlich übernachteten Jesus und seine Jünger in diesem Dorf, wenn sie Jerusalem besuchten. Dort kamen sie zweifellos im Haus von Martha, Maria und Lazarus unter (Mat 21:17; Mar 11:11; Luk 21:37; Joh 11:1). Jesus nahm nach Jerusalem möglicherweise einen ähnlichen Weg wie den im Video gezeigten. Als er am 9. Nisan 33 auf einem jungen Esel über den Ölberg nach Jerusalem ritt, startete er wahrscheinlich in Bethphage und folgte der Straße, die in die Stadt führte.

(1) Weg von Bethanien nach Bethphage

(2) Bethphage

(3) Ölberg

(4) Kidrontal

(5) Tempelberg

Raum im Obergeschoss
Raum im Obergeschoss

Einige Häuser in Israel hatten ein Obergeschoss. Es war entweder über eine Leiter oder Holztreppe im Inneren des Hauses oder über eine Steintreppe oder Leiter außen am Haus zu erreichen. In einem Obergeschoss befand sich auch der große Raum, in dem Jesus mit seinen Jüngern sein letztes Passah feierte und wo er die Abendmahlsfeier einführte (Luk 22:12, 19, 20). Der Raum könnte ähnlich ausgesehen haben wie hier abgebildet. Pfingsten 33 waren etwa 120 Jünger offensichtlich ebenfalls im Obergeschoss eines Hauses in Jerusalem versammelt, als auf sie Gottes Geist ausgegossen wurde (Apg 1:13, 15; 2:1-4).