Der erste Brief an die Thessalonicher 5:1-28

5  Was nun die Zeiten und die Zeitabschnitte betrifft, Brüder, braucht euch nichts geschrieben zu werden.  Denn ihr selbst wisst sehr gut, dass Jehovas Tag+ genauso kommt wie ein Dieb in der Nacht.+  Wann immer sie sagen: „Frieden und Sicherheit!“, dann wird plötzlich Vernichtung über sie hereinbrechen+ wie Geburtswehen über eine Schwangere, und sie werden auf keinen Fall entkommen.  Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, sodass euch der Tag so überfallen würde, wie das Tageslicht Diebe überfällt.  Denn ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages.+ Wir gehören weder zur Nacht noch zur Finsternis.+  Lasst uns also nicht weiterschlafen wie die übrigen Menschen,+ sondern lasst uns wach+ und bei klarem Verstand bleiben.+  Denn wer schläft, schläft in der Nacht, und wer sich betrinkt, ist nachts betrunken.+  Wir aber, die zum Tag gehören, wollen bei klarem Verstand bleiben und den Brustpanzer des Glaubens und der Liebe tragen sowie die Hoffnung auf Rettung als Helm.+  Gott hat uns nämlich nicht dazu bestimmt, seinen Zorn zu verspüren, sondern durch unseren Herrn Jesus Christus gerettet zu werden.+ 10  Er ist für uns gestorben,+ damit wir, ob wir wach bleiben oder schlafen, mit ihm zusammen leben.+ 11  Deshalb macht euch weiter gegenseitig Mut und baut einander auf,+ so wie ihr es ja schon tut. 12  Wir bitten euch nun, Brüder, denen Respekt zu zeigen, die unter euch hart arbeiten und euch im Herrn vorstehen und euch eindringlich ermahnen, 13  und ihnen wegen ihrer Arbeit besondere Achtung entgegenzubringen und sie zu lieben.+ Haltet Frieden untereinander.+ 14  Auch bitten wir euch dringend, Brüder, die Unordentlichen zu warnen,+ die Niedergeschlagenen+ zu trösten, den Schwachen beizustehen und mit allen geduldig zu sein.+ 15  Seht zu, dass niemand Böses mit Bösem zurückzahlt,+ sondern bemüht euch immer darum, euch gegenseitig und allen anderen Gutes zu tun.+ 16  Freut euch jederzeit.+ 17  Betet ständig.+ 18  Bedankt euch für alles.+ Das ist Gottes Wille für euch in Christus Jesus. 19  Löscht das Feuer des Geistes nicht aus.+ 20  Verachtet Prophezeiungen nicht.+ 21  Prüft alles.+ Haltet am Guten fest. 22  Meidet jede Art Schlechtigkeit.+ 23  Der Gott des Friedens selbst möge euch völlig heiligen. Möge der Geist und die Seele und der Körper von euch Brüdern bei der Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus in jeder Hinsicht gesund sein und tadellos erhalten bleiben.+ 24  Derjenige, der euch beruft, ist treu, und er wird das bestimmt auch tun. 25  Brüder, betet weiter für uns.+ 26  Grüßt alle Brüder mit heiligem Kuss. 27  Ich verpflichte euch feierlich beim Herrn, diesen Brief allen Brüdern vorlesen zu lassen.+ 28  Die unverdiente Güte unseres Herrn Jesus Christus soll euch begleiten.

Fußnoten

Studienanmerkungen

Zeiten oder Zeitabschnitte: Damit werden zwei Aspekte der Zeit angesprochen. Das griechische Wort chrónos (hier ist der Plural mit Zeiten wiedergegeben) kann sich auf einen unbestimmten Zeitraum beziehen, der kurz oder lang sein kann. Das griechische Wort kairós (manchmal mit „festgelegte Zeit[en]“ übersetzt; hier ist der Plural mit Zeitabschnitte wiedergegeben) wird oft für zukünftige Zeitspannen in Gottes Zeitplan gebraucht, vor allem wenn sie mit Christi Gegenwart und seinem Königreich zu tun haben (Apg 3:19; 1Th 5:1; siehe Anm. zu Mar 1:15; Luk 21:24).

die Zeiten und die Zeitabschnitte: Siehe Anm. zu Apg 1:7.

Jehovas Tag: In der Bibel bezieht sich der Ausdruck „Jehovas Tag“ (oder „der Tag Jehovas“) auf Zeiten, zu denen Jehova das Urteil an seinen Feinden vollstreckt und seinen großartigen Namen verherrlicht. Die Formulierung stammt aus den Hebräischen Schriften. (Beispiele: Jes 13:6; Hes 7:19; Joel 1:15; Am 5:18; Ob 15; Ze 1:14; Sach 14:1; Mal 4:5.) Der Prophet Joel spricht von „dem Kommen des großen und Ehrfurcht einflößenden Tages Jehovas“ (Joel 2:31). Diesen Vers zitierte Petrus Pfingsten 33 (Apg 2:20 und Anm.). Im 1. Jh. erfüllte sich Joels Prophezeiung, als Jehovas Tag im Jahr 70 über Jerusalem hereinbrach. Der Tag Jehovas, den Paulus hier meint, liegt in der Zukunft und entspricht der „großen Drangsal“, die Jesus ankündigte (Mat 24:21; zur Verwendung des Gottesnamens in diesem Vers siehe Anh. C3, Einleitung, 1Th 5:2).

wie ein Dieb in der Nacht: Diebe schlagen schnell und unerwartet zu, und das oft nachts (Hi 24:14; Jer 49:9; Mat 24:43). Genauso plötzlich und überraschend wird der Tag Jehovas kommen (2Pe 3:10; Off 16:15). Treue Christen halten sich an den Rat, diesen Tag ständig vor Augen zu haben (Luk 12:39; Off 3:3). Wenn er dann plötzlich anbricht, sind auch sie vielleicht überrascht, aber nicht unvorbereitet (Mat 24:42-44; Luk 12:40; 1Th 5:4).

Jehovas: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Joel 2:31. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C.)

einer schmerzlichen Zeit: Wtl. „von Wehen“. Das griechische Wort beschreibt die heftigen Schmerzen bei einer Geburt. Hier bezieht es sich auf Kummer, Schmerz und Leid allgemein. Doch der Hinweis auf Wehen könnte auch eine Anspielung darauf sein, dass die angekündigten Schwierigkeiten und Leiden in der Zeit vor der „großen Drangsal“ an Häufigkeit, Intensität und Dauer zunehmen (Mat 24:21).

wird plötzlich Vernichtung über sie hereinbrechen: Wie Paulus hier andeutet, wird zwischen dem Ausruf „Frieden und Sicherheit!“ und der Vernichtung kaum Zeit vergehen. Die Vernichtung kommt plötzlich und ist unausweichlich. Dieser Umstand wird im Griechischen durch zwei Wörter betont: „plötzlich“ und „hereinbrechen“. In Luk 21:34, wo es ebenfalls um den Tag Jehovas geht, steht eine ähnliche Formulierung.

wie Geburtswehen über eine Schwangere: Geburtswehen setzen unangekündigt ein. Haben sie erst einmal begonnen, ist die Geburt nicht mehr aufzuhalten. Mit dem Sprachbild betont Paulus, wie plötzlich und unausweichlich die bevorstehende Vernichtung kommt. (Vgl. Anm. zu Mat 24:8.)

sie werden auf keinen Fall entkommen: Wtl. „sie werden nicht nicht entkommen“. Paulus verwendet hier im Griechischen zwei Verneinungswörter und unterstreicht damit Folgendes: Für die Bösen gibt es absolut kein Entkommen, wenn „plötzlich Vernichtung über sie hereinbrechen“ wird.

euch der Tag so überfallen würde, wie das Tageslicht Diebe überfällt: In manchen Bibeln heißt es: „euch der Tag wie ein Dieb überfallen könnte“. Diese Wiedergabe stützt sich auf eine Reihe griechischer Handschriften, in denen das Wort „Dieb“ als Subjekt verwendet wird. In anderen Handschriften steht „Dieb“ im Plural und wird als Objekt verwendet. Letztere Lesart passt zum Kontext, denn Paulus schreibt: „Ihr … seid nicht in Finsternis“ und „Ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages“ (1Th 5:5). Ganz gleich, welche Lesart man bevorzugt, der Gedanke bleibt derselbe: Jehovas Tag wird für Christen keine große Überraschung sein.

wie das Tageslicht Diebe überfällt: In 1Th 5:2 vergleicht Paulus den Tag Jehovas mit einem Dieb, der plötzlich und ohne Vorwarnung auftaucht. Im vorliegenden Vers wechselt er offensichtlich die Perspektive und vergleicht Jehovas Tag mit der Morgendämmerung. Diebe oder Einbrecher stehlen meist im Schutz der Dunkelheit, weil sie bei Tageslicht eher entdeckt werden (Hi 24:14; Joh 3:20). Ein Dieb könnte jedoch so auf die Beute fixiert sein, dass er die Zeit vergisst und ihn das Tageslicht „überfällt“ bzw. überrascht. Anders als Diebe sind Christen „Söhne des Lichts“, sie „gehören weder zur Nacht noch zur Finsternis“ (1Th 5:5). Wie der Vergleich in Vers 2 betont auch dieser Vergleich, wie wichtig es für Christen ist, wachsam zu bleiben.

weiterschlafen: Das entsprechende griechische Verb beschreibt in der Bibel oft, dass jemand buchstäblich schläft (Mat 8:24; Mar 4:38; 1Th 5:7). Im übertragenen Sinn kann es meinen, gleichgültig oder unaufmerksam zu sein. Wer buchstäblich schläft, bekommt nicht mit, was um ihn herum passiert und wie die Zeit vergeht. Wer im übertragenen Sinn schläft, erkennt nicht, wie sich Jehovas Vorhaben entfaltet und dass sein Tag schnell näher kommt. Paulus warnt Christen davor, „wie die übrigen Menschen“ weiterzuschlafen. Es wäre verkehrt zu glauben, Gottes Tag des Gerichts liege noch weit in der Zukunft (2Pe 3:10-12).

bei klarem Verstand bleiben: Wtl. „nüchtern bleiben“. Das entsprechende griechische Verb steht auch in 1Th 5:8, 2Ti 4:5, 1Pe 1:13; 4:7 („wachsam sein“) und 5:8.

Brustpanzer des Glaubens und der Liebe: Im vorliegenden Vers gebraucht Paulus zwei Teile einer Waffenrüstung, um drei wichtige Merkmale eines Christen zu beschreiben: Glaube, Liebe und Hoffnung. (Siehe Anm. zu die Hoffnung auf Rettung als Helm in diesem Vers und Anm. zu 1Th 1:3.) Glaube und Liebe schützen das sinnbildliche Herz eines Christen, so wie ein Brustpanzer das Herz eines Soldaten schützt. Auf dem Schlachtfeld kann die Ausrüstung eines Kriegers über Leben und Tod entscheiden. Der Vergleich von Paulus zeigt also, dass Merkmale wie Glaube und Liebe lebenswichtig sind. In Eph 6:14 steht der Brustpanzer für Gerechtigkeit.

die Hoffnung auf Rettung als Helm: So wie ein Helm den Kopf schützt, schützt die Hoffnung auf Rettung das Denken eines Christen. Paulus erwähnt diesen Helm und den „Brustpanzer des Glaubens und der Liebe“ im Zusammenhang mit der Aufforderung, wachsam zu bleiben (1Th 5:6, 7). Ein Christ, der den Helm trägt, hat wie Moses „die Belohnung fest im Blick“ (Heb 11:26). Seine unerschütterliche Hoffnung lässt ihn „wach und bei klarem Verstand“ bleiben. (Siehe Anm. zu Eph 6:17.)

eure Glaubenstaten, eure liebevolle harte Arbeit und euer Ausharren wegen eurer Hoffnung: Paulus beschreibt den Einsatz der Christen in Thessalonich im Griechischen mit den Substantiven für „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“. Daher kann man die Textstelle auch so wiedergeben: „was ihr aus Glauben tut, wie ihr euch aus Liebe abmüht und wie ihr aufgrund von Hoffnung ausharrt“. Diese Einstellung motivierte die Thessalonicher, sich im Dienst für Gott mit ganzer Kraft einzusetzen und nicht nachzulassen. Der eifrige Dienst für Gott wird in der Bibel häufig mit Glauben, Liebe und Hoffnung in Verbindung gebracht (1Ko 13:13; Gal 5:5, 6; Kol 1:4, 5; 1Th 5:8; Heb 6:10-12; 10:22-24; 1Pe 1:21, 22).

Helm der Rettung: Römische Soldaten schützten ihren Kopf, ihr Gesicht und ihren Nacken mit einem Helm. Wie Paulus zeigt, ist die Hoffnung, von Gott gerettet zu werden, mit einem solchen Helm vergleichbar (1Th 5:8). Wie ein Helm den Kopf schützt, so ist die christliche Hoffnung ein Schutz für die Gedanken. Satan versucht unterschwellig, das Denken von Christen zu vergiften, z. B. durch Egoismus, Hass und Illoyalität. Gegen solche schlechten Einflüsse kann sich ein Christ wehren, wenn er seine Hoffnung wie einen Helm trägt, d. h. sich darauf konzentriert (Mar 7:20-22; 2Ko 4:4; Off 12:9). Der Teufel steckt auch hinter offener Verfolgung. Doch selbst dann hilft die Hoffnung auf Rettung einem Christen, nicht die Freude zu verlieren (Jes 12:2; Mat 5:11, 12). In den Hebräischen Schriften heißt es über Jehova, dass er den „Helm der Rettung“ oder „des Sieges“ trägt (Jes 59:17, Fn.). Er behält sein Ziel, zu siegen und sein Volk zu retten, immer im Blick (Jer 29:11).

ist nicht gestorben, sondern schläft: In der Bibel wird der Tod oft mit dem Schlaf verglichen (Ps 13:3; Joh 11:11-14; Apg 7:60; 1Ko 7:39, Fn.; 15:51; 1Th 4:13). Jesus war gerade im Begriff, das Mädchen wieder zum Leben zu bringen, und wollte mit seiner Aussage vielleicht zeigen, dass Menschen genauso aus dem Tod geweckt werden können wie aus einem tiefen Schlaf. Die Macht, das Mädchen aufzuerwecken, erhielt Jesus von seinem Vater, „der die Toten lebendig macht und das nicht Vorhandene ruft, als wäre es vorhanden“ (Rö 4:17).

schlafen: Oder „im Tod schlafen“. Das entsprechende griechische Verb kann im übertragenen Sinn meinen, dass jemand gestorben ist (Mat 9:24; Mar 5:39 und Anm.; Luk 8:52). Paulus gebraucht die Wörter für „wach bleiben“ und „schlafen“ hier anscheinend im Sinn von „leben“ und „tot sein“.

ermutigt: Oder „ermahnt“. Das griechische Wort parakaléō (wtl. „jemanden an seine Seite rufen“) hat ein breites Bedeutungsspektrum. Es kann „ermutigen“, „Mut machen“ (Apg 11:23; 14:22; 15:32; 1Th 5:11; Heb 10:25) und „trösten“ bedeuten (2Ko 1:4; 2:7; 7:6; 2Th 2:17), in manchen Zusammenhängen auch „ermahnen“ oder „dringend bitten“ (Apg 2:40; Rö 15:30; 1Ko 1:10; Php 4:2; 1Th 5:14; 2Ti 4:2; Tit 1:9, Fn.). Da dasselbe Wort sowohl „ermahnen“ als auch „trösten“ bedeuten kann, liegt es nahe, dass ein Christ beim Ermahnen nie schroff oder unfreundlich sein sollte.

macht euch weiter gegenseitig Mut: Oder „tröstet einander weiter“. In 1Th 4:18 kommt dieselbe griechische Formulierung vor. (Siehe Anm. zu Rö 12:8.)

euch … vorstehen: Oder „euch … anleiten“, „unter euch … die Führung übernehmen“. Das griechische Wort proístēmi (sprich: prohístēmi) bedeutet wtl. „vor [jemandem] stehen“ im Sinn von „jemanden führen (leiten, lenken)“, „sich für andere interessieren“ oder „sich um andere kümmern“.

eindringlich ermahnen: Das entsprechende griechische Verb nouthetéō setzt sich aus den Wörtern nous („Verstand“, „Sinn“) und títhēmi („setzen“, „stellen“, „legen“) zusammen. Es vermittelt das Bild, bestimmte Gedanken in jemanden „hineinzulegen“. Je nach Zusammenhang kann es auch „warnen“ bedeuten (1Th 5:14).

ihnen … besondere Achtung entgegenzubringen: Bei dem mit „besondere“ übersetzten griechischen Wort handelt es sich laut einem Wörterbuch um die „denkbar höchste Steigerungsform“. Es könnte auch mit „ganz über alle Maßen“ übersetzt werden. Die gesamte Formulierung zeigt, wie sehr Christen diejenigen, die unter ihnen „hart arbeiten“, lieben und schätzen sollten (1Th 5:12).

die Unordentlichen: Mit dem griechischen Wort für „unordentlich“ wurden oft Soldaten bezeichnet, die undiszipliniert waren oder „nicht in Reih und Glied“ standen. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus aus dem 1. Jh. beschrieb damit ein Heer, das „ohne alle Ordnung“ anrückte. In der Alltagssprache bezeichnete das Wort Leute, die faul waren oder sich nicht an gesellschaftliche Normen hielten. Paulus meint hier im weitesten Sinn Personen in der Versammlung, die sich nichts sagen ließen und stark von christlichen Werten abwichen (1Th 4:11; 2Th 3:6).

warnen: Oder „ermahnen“. (Siehe Anm. zu 1Th 5:12.)

die Niedergeschlagenen: Oder „die Entmutigten“. Wtl. „die mit kleiner Seele“. Mit dem gegenteiligen Wort („die mit großer Seele“) beschrieben griechische Autoren des Altertums selbstbewusste Menschen. Folglich könnte das hier gebrauchte Wort (oligópsychos) Personen mit einem geringen Selbstwertgefühl meinen. Mit demselben Begriff werden in der Septuaginta die hebräischen Wörter für „ängstlich“ und „tieftraurig“ wiedergegeben (Jes 35:4; 54:6). Manche Christen in Thessalonich waren vielleicht entmutigt, weil sie verfolgt wurden oder um einen verstorbenen Mitchristen trauerten (1Th 2:14; 4:13-18). Paulus schreibt nicht, dass man Niedergeschlagene warnen bzw. ermahnen sollte. Stattdessen fordert er dazu auf, sie zu trösten. (Siehe Anm. zu trösten in diesem Vers.)

trösten: Das entsprechende griechische Verb (paramythéomai) kommt auch in Joh 11:19, 31 vor. Dort ist die Rede davon, dass Martha und Maria nach dem Tod ihres Bruders Lazarus von anderen getröstet wurden. Es handelt sich um ein besonders gefühlvolles und sanftes Wort. (Siehe Anm. zu 1Ko 14:3, wo ein verwandtes Substantiv steht.)

mit allen geduldig zu sein: Die griechischen Wörter für „Geduld“ oder „geduldig sein“ drücken aus, dass jemand etwas mit Ruhe erträgt und nicht schnell wütend wird. Jehova und Jesus gehen mit Menschen immer geduldig um (Rö 2:4; 9:22; 1Ti 1:16; 1Pe 3:20; 2Pe 3:9, 15; siehe Anm. zu Gal 5:22). Christen nehmen sich an ihnen ein Beispiel und bemühen sich, ebenfalls geduldig zu sein (1Ko 11:1; Eph 5:1). Das griechische Verb für „geduldig sein“ kommt zwei Mal in einer Erzählung von Jesus vor, in der es um zwei Sklaven geht. Beide sagten: „Hab Geduld mit mir“ (Mat 18:26, 29). Der unbarmherzige „böse Sklave“ hatte keine Geduld und war nicht zum Vergeben bereit – ganz im Gegensatz zu seinem Herrn, der in Jesu Erzählung für Jehova steht (Mat 18:30-35). Diese Geschichte und die Verwendung desselben griechischen Verbs in 2Pe 3:9 machen deutlich: Geduld zu haben schließt ein, anderen zu vergeben und barmherzig zu sein.

eindringlich ermahnen: Das entsprechende griechische Verb nouthetéō setzt sich aus den Wörtern nous („Verstand“, „Sinn“) und títhēmi („setzen“, „stellen“, „legen“) zusammen. Es vermittelt das Bild, bestimmte Gedanken in jemanden „hineinzulegen“. Je nach Zusammenhang kann es auch „warnen“ bedeuten (1Th 5:14).

ermutigt und tröstet: Die griechischen Substantive paráklēsis (übersetzt mit „ermutigt“) und paramythía (übersetzt mit „tröstet“) haben beide mit Ermutigung zu tun, wobei paramythía noch mehr in Richtung Zuspruch und Trost geht. Das verwandte Verb paramythéomai kommt in Joh 11:19, 31 vor, wo von Juden berichtet wird, die Maria und Martha nach dem Tod ihres Bruders Lazarus trösteten (siehe auch 1Th 5:14).

Geduld: Wtl. „Langmut“. Das entsprechende griechische Wort vermittelt das Bild von jemandem, der einen „langen Atem“ hat. Gemeint ist ein ruhiges, nachsichtiges Ertragen oder Abwarten, ohne die Fassung zu verlieren. Jehova ist das beste Beispiel für Geduld (Rö 2:4; 9:22; 1Ti 1:16; 1Pe 3:20; 2Pe 3:9, 15). Paulus zählt Geduld zu den Hauptmerkmalen der christlichen Liebe (1Ko 13:4; siehe Anh. A2).

Betet ständig: Paulus meinte nicht, dass die Thessalonicher pausenlos beten sollten. Vielmehr ging es um ihre Einstellung: Sie sollten sich bewusst machen, dass sie in allen Lebenslagen auf Jehova angewiesen waren, und sollten immer wieder seine Anleitung suchen (Spr 3:6). Eine ähnliche Aufforderung findet man auch in anderen Paulusbriefen (Rö 12:12; Eph 6:18; Php 4:6; Kol 4:2).

Löscht das Feuer des Geistes nicht aus: Wtl. „Löscht den Geist nicht aus“. Das griechische Verb für „auslöschen“ kommt auch in Mar 9:48 und Heb 11:34 vor, sowohl in Verbindung mit sinnbildlichem als auch mit buchstäblichem Feuer. Im vorliegenden Vers verwendet Paulus das Verb mit Bezug auf Gottes Geist (Gottes aktive Kraft). Der heilige Geist kann in Christen wie ein Feuer brennen: Wenn sie „glühend im Geist“ sind – von dieser Kraft durchdrungen –, können sie das sagen und tun, was Jehova von ihnen möchte. (Siehe Rö 12:11 und Anm.; siehe auch Anm. zu Apg 18:25.) Würde sich ein Christ im Denken und Handeln von seiner sündigen Natur leiten lassen statt von Gottes Geist, würde er den Geist in seinem Herzen sozusagen auslöschen (Gal 5:17; 1Th 4:8).

Glühend im Geist: Das mit „glühend“ übersetzte griechische Wort bedeutet wtl. „kochen“. Hier wird es übertragen gebraucht und vermittelt das Bild, vor Eifer und Begeisterung förmlich überzusprudeln. Das Wort für Geist (pneuma) bezieht sich an dieser Stelle wahrscheinlich auf Gottes heiligen Geist, der als treibende Kraft in einem Menschen wirken und ihn dazu bewegen kann, etwas in Übereinstimmung mit Jehovas Willen zu tun. (Siehe Anm. zu Mar 1:12.) Der Begriff „Geist“ könnte aber auch die Triebkraft meinen, die vom Herzen, also vom Innern eines Menschen ausgeht und ihn veranlasst, auf eine bestimmte Weise zu handeln. Möglicherweise spielen im vorliegenden Vers beide Konzepte zusammen und beschreiben eine Person, die Eifer und Begeisterung für das Richtige zeigt und sich dabei von Gottes Geist leiten lässt. Einige Textforscher sind wiederum der Meinung, dass es sich hier lediglich um ein Idiom handelt, das großen Eifer und Begeisterung ausdrückt. Das wäre eine Erklärung dafür, warum Apollos als „glühend im Geist“ bezeichnet wird, obwohl er nichts über die Taufe im Namen Jesu wusste. Unabhängig davon, welche Deutung zutrifft – Apollos musste in jedem Fall von Gottes Geist geleitet werden, damit seine Begeisterung in die richtigen Bahnen gelenkt wurde und er die Bereitschaft aufbrachte, dazuzulernen. (Siehe Worterklärungen zu „Geist“.)

Seid glühend im Geist: Das mit „glühend“ übersetzte griechische Wort bedeutet wtl. „kochen“. Hier wird es übertragen gebraucht und vermittelt das Bild, vor Eifer und Begeisterung förmlich überzusprudeln. Einige Textforscher sind der Meinung, dass es sich bei der Wendung „glühend im Geist sein“ lediglich um eine Redewendung handelt. Es spricht jedoch einiges dafür, dass hier mit dem Geist (pneuma) Gottes heiliger Geist gemeint ist. Dieser Geist, Gottes aktive Kraft, kann jemanden motivieren und ihm Kraft geben, das zu tun, was Jehova möchte. (Siehe Anm. zu Mar 1:12.) Im heiligen Geist „glühend“ zu sein, würde sich auch auf die innere Triebkraft eines Menschen auswirken und ihn mit Eifer und Begeisterung für das Richtige erfüllen. (Siehe auch Anh. A1, wo einige Prinzipien für die Übersetzung der Bibel erläutert werden.)

Prophezeiungen: D. h. Botschaften von Gott. (Siehe Worterklärungen zu „Prophezeiung“.) Jemand verachtet Botschaften von Gott, wenn er sie ignoriert, ablehnt oder keinen Wert darin sieht.

Prüft: Das entsprechende griechische Verb bedeutet, etwas auf Echtheit zu prüfen. Es wurde in Zusammenhang mit der Prüfung von Edelmetallen verwendet. Paulus gebraucht es auch in Rö 12:2 (siehe Anm.), wo es mit „durch Prüfung feststellen“ übersetzt ist.

Prüft alles: Christen müssen sicherstellen, dass alles, was sie glauben, mit dem Willen Gottes übereinstimmt. (Vgl. Apg 17:11.) Im vorigen Vers spricht Paulus ausdrücklich von Prophezeiungen. Die Thessalonicher sollten überprüfen, ob die Prophezeiungen, denen sie Glauben schenkten, wirklich von Gott stammten. Im 1. Jh. hatten einige Christen die Gabe des Prophezeiens (Rö 12:6; 1Ko 14:1-3). Wie Jesus voraussagte, würden jedoch auch falsche Propheten auftreten (Mat 24:11, 24; Mar 13:22). Christen mussten sich fragen, wer ihnen die jeweilige Prophezeiung übermittelte (Mat 7:16-20) und ob sie zum Rest der Schriften passte. Als Paulus den Thessalonichern schrieb (um 50 u. Z.), gab es von den Christlichen Griechischen Schriften wahrscheinlich nur das Matthäusevangelium. Um erkennen zu können, ob eine Lehre oder Prophezeiung wirklich von Gott stammte, mussten sie also sorgfältig die Hebräischen Schriften studieren.

durch Prüfung feststellen: Der hier verwendete griechische Begriff dokimázō bedeutet etwas zu prüfen, wobei das Geprüfte normalerweise die Prüfung besteht. In 1Ko 11:28 ist das Wort mit „prüfen, ob man würdig ist“ übersetzt und in Rö 2:18 mit „gutheißen“. Manche Bibeln geben es mit „beurteilen“ wieder. Paulus rät also weder zu blindem Glauben noch zu Misstrauen. Vielmehr ermutigt er Christen, Gottes Anforderungen mit dem Ziel zu prüfen, sie zu verstehen, anzuwenden und zu erleben, wie gut sie sind. Wer das tut, stellt fest, dass es gut und vollkommen ist, nach Gottes Willen zu leben.

mit dem Geist, den ihr zeigt: Wtl. „mit eurem Geist“. Das Wort „Geist“ bezeichnet hier die innere Triebkraft oder Grundhaltung, die einen Menschen veranlasst, etwas Bestimmtes zu sagen oder zu tun. Die Bibel spricht z. B. von einem „stillen und sanften Geist“ (1Pe 3:4) und einem „Geist der Milde“ (Gal 6:1). In 2Ti 1:7 ist von einem „Geist … der Kraft, der Liebe und der Vernünftigkeit“ die Rede, der im Gegensatz zum „Geist der Feigheit“ steht. Paulus beendet seinen zweiten Brief an Timotheus mit den Worten: „Der Herr sei mit dem Geist, den du zeigst“ (2Ti 4:22). Nicht nur eine Einzelperson, auch eine ganze Gruppe kann einen bestimmten Geist haben. Mit seinen Schlussworten im Galater- und im Philipperbrief bringt Paulus den Wunsch zum Ausdruck, dass alle in diesen Versammlungen einen Geist zeigen, der mit Gottes Willen übereinstimmt und sich am Beispiel Christi orientiert (Php 4:23).

der Geist und die Seele und der Körper von euch Brüdern: In Vers 23 und 24 richtet Paulus eine von Herzen kommende Bitte für die Thessalonicher an Gott. Darin spiegelt sich seine Sorge um die gesamte Christenversammlung im 1. Jh. wider. Mit den drei aufgezählten Begriffen scheint Folgendes gemeint zu sein: Geist, die Grundhaltung der Versammlung (siehe Anm. zu 1Ko 5:5; Gal 6:18 und Worterklärungen zu „Geist“); Seele, das Leben bzw. die Existenz der Versammlung (siehe Worterklärungen zu „Seele“); Körper, die Gesamtheit der gesalbten Christen, aus denen die Versammlung zusammengesetzt ist. (Vgl. 1Ko 12:12, 13.) Die an Gott gerichtete Bitte von Paulus, die Versammlung „völlig“ zu heiligen und „in jeder Hinsicht“ gesund zu erhalten, zeigt, wie viel ihm an ihr lag.

Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus: Siehe Anm. zu 1Th 2:19.

übergebt einen solchen Menschen … dem Satan: Hierbei handelte es sich um die Anweisung, einen Mann aus der Versammlung auszuschließen (1Ko 5:13; 1Ti 1:20). Der Mann würde dann ein Teil der Welt werden, deren Gott und Herrscher Satan ist (1Jo 5:19). Durch den Gemeinschaftsentzug würde für die Beseitigung des sündigen Einflusses in der Versammlung gesorgt werden und der positive Geist der Versammlung bliebe bewahrt (2Ti 4:22).

Gegenwart: Die erste von sechs Stellen in den Thessalonicherbriefen, wo Paulus von der Gegenwart Christi spricht. (Siehe Worterklärungen zu „Gegenwart“; siehe auch „Einführung in 1. Thessalonicher“.) Paulus freute sich auf die Gegenwart des Herrn Jesus und darauf, dass seine geliebten Glaubensbrüder dann ihren Lohn erhalten würden. Wie er später in seinem Brief schreibt, betete er darum, dass „sie tadellos und heilig sind vor unserem Gott und Vater bei der Gegenwart unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen“ (1Th 3:13; siehe Anm. zu 1Ko 15:23).

mit heiligem Kuss: In vier seiner Briefe (hier und in 1Ko 16:20; 2Ko 13:12; 1Th 5:26) ermuntert Paulus seine Glaubensbrüder dazu, einander „mit heiligem Kuss“ zu grüßen. Der Apostel Petrus verwendet einen ähnlichen Ausdruck: „Grüßt einander mit einem Kuss der Liebe“ (1Pe 5:14). In biblischer Zeit galt der Kuss als Zeichen der Zuneigung, des Respekts oder des Friedens. Man küsste sich gewöhnlich zur Begrüßung oder auch zur Verabschiedung (Ru 1:14; Luk 7:45). Dieser Brauch war nicht nur zwischen männlichen und weiblichen Verwandten üblich (1Mo 29:11; 31:28), sondern auch zwischen männlichen Verwandten und zwischen engen Freunden (1Mo 27:26, 27; 45:15; 2Mo 18:7; 1Sa 20:41, 42; 2Sa 14:33; 19:39; siehe Anm. zu Apg 20:37). Bei den Christen machte diese Geste die Einheit und Verbundenheit deutlich, die unter ihnen herrschte und die auf der wahren Anbetung beruhte. So ein Kuss war kein bloßes Ritual und hatte auch nichts mit romantischen oder erotischen Gefühlen zu tun (Joh 13:34, 35).

mit heiligem Kuss: Siehe Anm. zu Rö 16:16.

beim Herrn: Mit „Herr“ kann hier entweder Jehova Gott oder Jesus Christus gemeint sein. Um den Text nicht zu interpretieren, entschied sich das Übersetzungskomitee der Neuen-Welt-Übersetzung dafür, die Wiedergabe „Herr“ dann beizubehalten, wenn eine Formulierung nicht den Hebräischen Schriften entlehnt ist und aus dem Kontext nicht eindeutig hervorgeht, dass Gott gemeint ist. (Siehe Anh. C1.) Einige Übersetzungen der Christlichen Griechischen Schriften ins Hebräische und in andere Sprachen verwenden hier den Gottesnamen. Vom Zusammenhang her könnte sich „Herr“ aber ebenso gut auf Jesus Christus beziehen (1Th 5:28).

euch begleiten: In einigen Handschriften steht hier am Ende noch das Wort „amen“. Es gibt zwar Briefe von Paulus, die so enden (Rö 16:27; Gal 6:18), doch die Lesart ohne „amen“ ist besser belegt.

Medien

Brustpanzer
Brustpanzer

Römische Soldaten im 1. Jh. schützten Brust und Rücken mit verschiedenen Arten von Brustpanzern. Hochrangige Offiziere trugen einen sogenannten Muskelpanzer (1), der ihrem Körper angepasst war. Vorder- und Rückenteil waren auf einer Seite mit Scharnieren verbunden und wurden auf der anderen Seite mit Schnallen oder Schnüren zusammengehalten. Viele Soldaten hatten einen Schuppenpanzer (2), einen Brustpanzer aus Metallplättchen, die aus Eisen oder einer Kupferlegierung bestanden und auf einer Unterlage aus Leder oder Leinen angebracht waren. Andere trugen über einem ledernen Untergewand einen Kettenpanzer (3). Dieser bestand aus Tausenden von Eisenringen, die in Reihen angeordnet und miteinander verwoben waren. Solch ein Panzer bot guten Schutz und war vergleichsweise leicht. Paulus veranschaulicht an dem Brustpanzer, wie Gerechtigkeit, Glaube und Liebe einen Christen schützen (Eph 6:14; 1Th 5:8).

Römische Helme
Römische Helme

Das Bild zeigt zwei Arten von Helmen, die römische Soldaten im 1. Jh. trugen. Die Helme waren aus Bronze oder Eisen. Hinten befand sich ein Nackenschutz und an den Seiten waren Wangenklappen angebracht. Die meisten Helme hatten einen Stirnbügel, an dem Schläge abgleiten sollten. Damit man sie stundenlang tragen konnte, waren sie innen gefüttert und meist auch gepolstert. Soldaten mussten sich ihre Ausrüstung (inklusive Helm) offensichtlich selbst kaufen. Paulus veranschaulicht an dem Helm etwas, was ein Christ unbedingt braucht: die „Hoffnung auf Rettung“. Wie ein Helm den Kopf eines Soldaten vor tödlichen Schlägen schützte, so schützt die Hoffnung das Denken eines Christen und seine Aussicht auf ewiges Leben (1Th 5:8, 9; Tit 1:2).

Das Schreiben von Briefen
Das Schreiben von Briefen

Hier sieht man Schreibutensilien, die im 1. Jh. verwendet wurden. Als Stift nutzte man z. B. zugeschnittenes Schilfrohr, wie es auch am Nil wuchs. Die schwarze Tinte war günstig und wurde in einem Tintenfass aufbewahrt. Man schrieb unter anderem auf Holztafeln, Tonscherben, Pergament oder Papyrus. Für längere Briefe konnte man eine Papyrusrolle benutzen. War sie zu lang, schnitt man den Rest ab und hob ihn für später auf. Für kürzere Briefe kaufte man einzelne Blätter, die der Verkäufer von einer Rolle abschnitt. In der Regel fasste man sich kurz. Ein Beispiel für einen durchschnittlich langen Brief ist der von Paulus an Philemon. Die meisten Bücher in den Christlichen Griechischen Schriften sind Briefe von Jesu Jüngern, die sie unter der Leitung des Geistes verfassten.