Nach Matthäus 8:1-34

8  Anschließend ging er den Berg hinunter und große Menschenmengen folgten ihm.  Da kam ein Aussätziger, verbeugte sich vor ihm und bat ihn: „Herr, wenn du nur willst, kannst du mich gesund* machen!“+  Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: „Das will ich! Du sollst gesund* werden.“+ Im selben Augenblick war der Aussatz weg.+  Jesus fügte noch hinzu: „Sieh zu, dass du das niemandem erzählst,+ sondern geh, zeig dich dem Priester+ und opfere die von Moses vorgeschriebene Gabe+ – als Beweis deiner Heilung*.“+  Als er in Kapẹrnaum eintraf, kam ein Offizier zu ihm und flehte ihn an:+  „Herr, mein Diener liegt gelähmt im Haus und leidet schrecklich*.“  Er erwiderte: „Sobald ich dort bin, mache ich ihn gesund.“  Da erwiderte der Offizier: „Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach kommst – aber ein Wort von dir genügt und mein Diener ist gesund.  Denn auch ich unterstehe höherem Befehl und habe Soldaten unter mir, und wenn ich zu einem von ihnen sage: ‚Geh!‘, dann geht er. Und befehle ich einem anderen: ‚Komm!‘, dann kommt er. Und wenn ich meinem Sklaven sage: ‚Tu das!‘, dann tut er es.“ 10  Als Jesus das hörte, staunte er und sagte zu denen, die ihm folgten: „Ich sage euch die Wahrheit: Bei niemandem in Israel habe ich so einen starken Glauben entdeckt.+ 11  Ich sage euch: Es werden viele aus Ost und West kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Königreich des Himmels zu Tisch liegen,+ 12  während die Söhne des Königreiches hinaus in die Dunkelheit geworfen werden. Dort werden sie weinen und mit den Zähnen knirschen.“+ 13  Dann sagte Jesus zu dem Offizier: „Du kannst ruhig gehen. So, wie du geglaubt hast, soll es werden.“+ Und im selben Moment wurde der Diener gesund.+ 14  Als Jesus zu Petrus nach Hause kam, sah er dessen Schwiegermutter+ mit Fieber im Bett liegen.+ 15  Er berührte ihre Hand+ und das Fieber verschwand. Da stand sie auf und fing an, ihn zu bedienen. 16  Nachdem es Abend geworden war, brachte man dann viele von Dämọnen Besessene zu ihm. Mit einem Wort trieb er die Geister aus, und er heilte alle Leidenden, 17  damit sich erfüllte, was durch den Propheten Jesaja angekündigt worden war: „Er hat unsere Krankheiten auf sich genommen und unsere Leiden getragen.“+ 18  Als Jesus die Menschenmenge um sich herum sah, gab er die Anweisung, ans andere Seeufer zu fahren.+ 19  Ein Schriftgelehrter kam zu ihm und sagte: „Lehrer, ich folge dir, wohin du auch gehst.“+ 20  Doch Jesus erwiderte: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel des Himmels ihr Nest, aber der Menschensohn hat kein eigenes Zuhause.“+ 21  Und ein anderer Jünger sagte zu ihm: „Herr, erlaube mir, dass ich zuerst gehe und meinen Vater begrabe.“+ 22  Jesus forderte ihn jedoch auf: „Folge mir ständig und lass die Toten ihre Toten begraben.“+ 23  Als er in ein Boot stieg, folgten ihm seine Jünger.+ 24  Plötzlich kam auf dem See* ein heftiger Sturm auf und die Wellen überfluteten beinahe das Boot, er aber schlief.+ 25  Da gingen sie zu ihm, weckten ihn und riefen: „Herr, rette uns, wir sterben!“ 26  Doch er sagte: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr so wenig Glauben?“+ Dann stand er auf, sprach ein Machtwort zu dem Wind und dem See – und alles war ganz still.+ 27  Die Männer waren fassungslos und fragten sich: „Was ist das für ein Mensch? Sogar der Wind und der See hören auf ihn.“ 28  Sobald er die andere Seite erreichte und in die Gegend der Gadarẹner kam, begegneten ihm zwei von Dämọnen Besessene, die gerade von den Gräbern her kamen*.+ Sie waren außergewöhnlich bösartig, sodass sich niemand traute, den Weg dort zu nehmen. 29  Mit einem Mal fingen sie an zu schreien: „Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes?+ Bist du hier, um uns zu quälen,+ bevor die Zeit* gekommen ist?“+ 30  In einiger Entfernung weidete eine große Schweineherde.+ 31  Deshalb flehten die Dämọnen ihn an: „Wenn du uns schon austreibst, dann schick uns wenigstens in die Schweineherde!“+ 32  Er sagte zu ihnen: „Geht!“ Sofort kamen sie heraus und fuhren in die Schweine. Da stürmte die ganze Herde über den Steilhang* in den See* und kam im Wasser um. 33  Die Schweinehirten ergriffen die Flucht, liefen in die Stadt und erzählten, was passiert war – auch die Sache mit den Besessenen. 34  Da machte sich die ganze Stadt auf den Weg zu Jesus, und als sie ihn sahen, drängten sie ihn, ihre Gegend zu verlassen.+

Fußnoten

Wtl. „rein“.
Wtl. „rein“.
Wtl. „als Zeugnis für sie“.
Oder „macht schreckliche Qualen durch“.
Wtl. „Meer“.
Oder „aus den Gräbern kamen“.
Oder „festgelegte Zeit“.
Oder „Böschung“.
Wtl. „Meer“.

Studienanmerkungen

unsere Ehrerbietung zu erweisen: Oder „ihm zu huldigen“, „uns vor ihm zu verbeugen“. Wenn sich das griechische Verb proskynéō auf die Verehrung eines Gottes oder einer Gottheit bezieht, wird es mit „anbeten“ übersetzt. In diesem Kontext fragten die Astrologen jedoch nach dem „König der Juden, der geboren worden ist“. Hier ging es also darum, einem menschlichen König – nicht einem Gott – Ehre zu erweisen. In Mar 15:18, 19 wird das griechische Wort ähnlich verwendet; dort wird es für die Soldaten gebraucht, die sich spöttisch vor Jesus „verbeugten“ und ihn „König der Juden“ nannten. (Siehe Anm. zu Mat 18:26.)

Aussätziger: Oder „Leprakranker“. Aussatz ist eine schwere Hautkrankheit. In der Bibel bezeichnet „Aussatz“ jedoch noch mehr als die heute unter diesem Namen bekannte Krankheit. Wer damals die Diagnose Aussatz bekam, musste außerhalb der Gemeinschaft leben, bis er geheilt war (3Mo 13:2, Fn., 45, 46; siehe Worterklärungen zu „Aussatz; Aussätziger“).

verbeugte sich vor ihm: Oder „huldigte ihm“, „ehrte ihn“. Auch in den Hebräischen Schriften werden Personen erwähnt, die sich vor Propheten, Königen oder anderen Repräsentanten Gottes verbeugten (1Sa 25:23, 24; 2Sa 14:4-7; 1Kö 1:16; 2Kö 4:36, 37). Der Aussätzige erkannte offensichtlich, dass er es mit einem Repräsentanten Gottes zu tun hatte, der über die Macht verfügte, Menschen zu heilen. Deshalb war es angebracht, dass er sich verbeugte, um dem von Jehova designierten König Respekt zu erweisen (Mat 9:18; Informationen zu dem griechischen Wort enthält die Anm. zu Mat 2:2).

berührte ihn: Unter dem mosaischen Gesetz wurden Aussätzige unter Quarantäne gestellt, damit sich andere nicht infizierten (3Mo 13:45, 46; 4Mo 5:1-4). Doch die jüdischen Geistlichen bürdeten dem Volk zusätzliche Regeln auf. Beispielsweise durfte niemand einem Aussätzigen näher als 4 Ellen (knapp 2 m) kommen, und bei Wind musste man sogar 100 Ellen (rund 45 m) Abstand halten. Solche Regeln führten zu einem herzlosen Umgang mit Aussätzigen. Alte jüdische Schriften äußern sich lobend über einen Rabbi, der sich vor Aussätzigen versteckte, und über einen anderen, der sie mit Steinen bewarf, um sie auf Abstand zu halten. Jesus dagegen ging die missliche Lage des Aussätzigen so sehr zu Herzen, dass er etwas für andere Juden Unvorstellbares tat: Er berührte den Mann, und das obwohl schon ein einziges Wort gereicht hätte, um ihn zu heilen (Mat 8:5-13).

Das will ich: Jesus ging nicht einfach nur auf die Bitte ein, sondern brachte zum Ausdruck, wie sehr er sich wünschte, den Mann zu heilen. Er handelte also nicht lediglich aus einem Pflichtgefühl heraus.

niemandem irgendetwas erzählst: Wahrscheinlich gab Jesus diese Anweisung, weil er weder sich selbst in den Vordergrund stellen wollte noch sonst etwas tun wollte, was von Jehova und der Königreichsbotschaft abgelenkt hätte. So erfüllten sich die prophetischen Worte aus Jes 42:1, 2, wo über Jehovas Diener vorausgesagt wurde: „Auf der Straße wird er seine Stimme nicht hören lassen“; d. h., er würde nicht auf irgendeine sensationelle Weise auf sich aufmerksam machen (Mat 12:15-19). Jesu Demut war erfrischend anders als die Heuchelei derer, die sich an den Ecken der Hauptstraßen hinstellten, „um beim Beten gesehen zu werden“ (Mat 6:5). Die Menschen sollten offensichtlich durch stichhaltige Beweise zu der Überzeugung gelangen, dass er der Christus ist, nicht durch sensationelle Berichte über seine Wunder.

niemandem erzählst: Siehe Anm. zu Mar 1:44.

zeig dich dem Priester: Wenn jemand vom Aussatz geheilt war, musste er das nach dem mosaischen Gesetz von einem Priester bestätigen lassen. Dann musste er zum Tempel reisen und dort zwei lebende reine Vögel, Zedernholz, karmesinrotes Garn und Ysop als Opfer oder Gabe darbringen (3Mo 14:2-32).

Kapernaum: Von einem hebräischen Namen, der „Dorf Nahums“ oder „Dorf des Tröstens“ bedeutet (Nah 1:1, Fn.). Die Stadt am NW-Ufer des Sees von Galiläa spielte in Jesu Dienst eine wichtige Rolle; in Mat 9:1 wird sie als „seine Stadt“ bezeichnet.

Kapernaum: Siehe Anm. zu Mat 4:13.

Offizier: Oder „Zenturio“, ein Befehlshaber im römischen Heer, der etwa 100 Soldaten unter sich hatte.

Herr: Hier ist „Herr“ einfach eine Höflichkeitsanrede.

mein Diener: Der mit „Diener“ übersetzte griechische Begriff bedeutet wtl. „Kind“, „Jugendlicher“. Ein Herr konnte den Begriff auch für einen Sklaven verwenden, den er mochte, z. B. für einen persönlichen Diener.

Herr: Hier ist „Herr“ einfach eine Höflichkeitsanrede.

viele aus Ost und West: Ein Hinweis, dass auch Nichtjuden am Königreich teilhaben würden.

zu Tisch liegen: Oder „essen“. In biblischer Zeit war es bei Festessen und bei Einladungen im größeren Stil üblich, auf Speisesofas zu liegen, die um einen Tisch gruppiert waren. Dabei war der Kopf dem Tisch zugewandt. Den linken Ellbogen stützte man meistens auf ein Kissen, gegessen wurde mit der rechten Hand. Mit jemandem zu Tisch zu liegen war ein Zeichen, dass man mit ihm in engerem Kontakt stand. Zur damaligen Zeit hätten sich Juden normalerweise niemals mit Nichtjuden zu Tisch gelegt.

Söhne des Königreiches: D. h. die, für die das Königreich gedacht war.

mit den Zähnen knirschen: Oder „die Zähne zusammenbeißen“. Diese Wendung kann den Gedanken von Qual, Verzweiflung und Wut beinhalten, evtl. begleitet von verbalen Attacken und Handgreiflichkeiten.

Schwiegermutter Simons: Gemeint ist die Schwiegermutter von Petrus, der auch noch Kephas genannt wurde (Joh 1:42). Das deckt sich mit der Aussage von Paulus in 1Ko 9:5, nach der Kephas verheiratet war. Offensichtlich lebte seine Schwiegermutter mit bei ihm im Haus, wo außerdem sein Bruder Andreas wohnte (Mar 1:29-31; siehe Anm. zu Mat 10:2, wo die verschiedenen Namen des Apostels erklärt werden).

hatte hohes Fieber: Matthäus und Markus schreiben, dass die Schwiegermutter von Petrus „mit Fieber“ im Bett lag (Mat 8:14; Mar 1:30). Nur Lukas erwähnt, wie ernst ihr Zustand war; er spricht von „hohem Fieber“. Das könnte daran liegen, dass er Arzt war. (Siehe „Einführung in Lukas“.)

dessen Schwiegermutter: Siehe Anm. zu Luk 4:38.

Fieber: Siehe Anm. zu Luk 4:38.

Nachdem es Abend geworden war: D. h., nachdem der Sabbat vorbei war, wie die Parallelberichte in Mar 1:21-32 und Luk 4:31-40 zeigen.

damit sich erfüllte, was Jehova durch seinen Propheten angekündigt hatte: Diese und ähnliche Formulierungen kommen im Matthäusevangelium oft vor, offensichtlich um den jüdischen Lesern vor Augen zu führen, dass Jesus der angekündigte Messias ist (Mat 2:15, 23; 4:14; 8:17; 12:17; 13:35; 21:4; 26:56; 27:9).

damit sich erfüllte, was durch den Propheten Jesaja angekündigt worden war: Siehe Anm. zu Mat 1:22.

getragen: Oder „weggetragen“, „beseitigt“. Matthäus wendet hier unter Inspiration Jes 53:4 auf die Wunderheilungen an, die Jesus vollbrachte. Im Größeren wird sich die Prophezeiung erfüllen, wenn Jesus die Sünde vollständig wegträgt oder beseitigt – so wie der Ziegenbock „für Asasel“ die Sünden der Israeliten am Sühnetag in die Wildnis wegtrug (3Mo 16:10, 20-22). Durch das „Wegtragen“ der Sünde wird Jesus zugunsten aller, die an den Wert seines Opfers glauben, die eigentliche Ursache sämtlicher Krankheiten beseitigen.

ans andere Seeufer: Gemeint ist das O-Ufer des Sees von Galiläa.

Menschensohn: Oder „Sohn eines Menschen“. Dieser Ausdruck kommt in den Evangelien rund 80-mal vor. Jesus bezeichnete sich selbst als Menschensohn, wodurch er offensichtlich Folgendes herausstellen wollte: Er war wirklich ein von einer Frau geborener Mensch und er war die passende menschliche Entsprechung zu Adam. In dieser Funktion hatte er die Macht, die Menschheit von Sünde und Tod zu erlösen (Rö 5:12, 14, 15). Die Bezeichnung „Menschensohn“ machte Jesus außerdem als den Messias oder Christus kenntlich (Da 7:13, 14; siehe Worterklärungen).

kein eigenes Zuhause: Wtl. „nichts, wo er seinen Kopf hinlegen kann“.

meinen Vater begrabe: Diese Aussage bedeutet allem Anschein nach nicht, dass der Mann seinen Vater gerade verloren hatte und lediglich darum bat, ihn noch beerdigen zu dürfen. Wäre das der Fall gewesen, hätte er sich zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht mit Jesus unterhalten, denn früher beerdigte man im Vorderen Orient Verstorbene sehr schnell, normalerweise noch am Todestag. Der Vater war also wahrscheinlich nicht tot, sondern gebrechlich oder alt. Da Jesus den Mann mit Sicherheit nicht dazu aufgefordert hätte, seinen hilfsbedürftigen Vater allein zu lassen, muss es noch andere Familienangehörige gegeben haben, die sich um ihn kümmern konnten (Mar 7:9-13). Im Grunde genommen sagte der Mann: „Ich werde dir folgen, aber nicht, solange mein Vater noch lebt. Warte, bis mein Vater gestorben ist und ich ihn begraben habe.“ Aus Jesu Sicht verschenkte er dadurch jedoch eine Gelegenheit, Gottes Königreich allem voranzustellen (Luk 9:60, 62).

meinen Vater begrabe: Siehe Anm. zu Luk 9:59.

Lass die Toten ihre Toten begraben: Wie die Anm. zu Luk 9:59 zeigt, war der Vater des Mannes wahrscheinlich nicht tot, sondern gebrechlich oder alt. Im Grunde sagte Jesus: „Lass die, die aus Gottes Sicht tot sind, ihre Toten begraben.“ Der Mann sollte also seine Entscheidung, Jesus nachzufolgen, nicht aufschieben, denn offensichtlich gab es noch andere Angehörige, die sich um den Vater kümmern konnten, bis er starb. Durch die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, würde der Mann den Weg zum ewigen Leben einschlagen. Er würde dann nicht mehr zu denen gehören, die in Gottes Augen tot waren. Durch seine Antwort zeigte Jesus, was nötig ist, um aus Gottes Sicht am Leben zu bleiben: Man muss das Königreich Gottes an die erste Stelle in seinem Leben setzen und es weit und breit bekannt machen.

lass die Toten ihre Toten begraben: Siehe Anm. zu Luk 9:60.

heftiger Sturm: Auf dem See von Galiläa, der etwa 210 m unter dem Meeresspiegel liegt, sind solche Stürme nicht ungewöhnlich, denn es ist dort wärmer als auf den umliegenden Hochebenen und Bergen. Dadurch kommt es zu atmosphärischen Störungen und starken Winden, die innerhalb kurzer Zeit hohe Wellen erzeugen können.

Habt ihr so wenig Glauben?: Oder „Habt ihr so wenig Vertrauen?“. Wtl. „Ihr Kleingläubigen“. Jesus richtete diese Worte an seine Jünger. Er meinte damit nicht, dass sie überhaupt keinen Glauben hatten, sondern dass ihr Glaube und ihr Vertrauen nicht stark genug waren (Mat 8:26; 14:31; 16:8; Luk 12:28).

Habt ihr so wenig Glauben?: Oder „Habt ihr so wenig Vertrauen?“. Jesus meinte damit nicht, dass sie überhaupt keinen Glauben hatten, sondern dass ihr Glaube nicht stark genug war (Mat 14:31; 16:8; Luk 12:28; siehe Anm. zu Mat 6:30).

Gegend der Gerasener: Eine Gegend am anderen Seeufer, d. h. auf der O-Seite des Sees von Galiläa. Die Gegend lässt sich heute nicht mehr genau lokalisieren und auch ihr Grenzverlauf ist nicht bekannt. Einige bringen die „Gegend der Gerasener“ mit der Umgebung von Kursi in Verbindung, einer Stadt, die in der Nähe der Steilhänge am O-Ufer des Sees liegt. Andere dagegen vermuten, dass es sich um den weiteren Umkreis von Gerasa (oder Dscharasch) handelte, einer Stadt 55 km südsüdöstlich des Sees. In Mat 8:28 wird die Bezeichnung „Gegend der Gadarener“ gebraucht. (Siehe Anm. zu Gerasener in diesem Vers und Anm. zu Mat 8:28.) Die verschiedenen Gegenden lagen im Großen und Ganzen in demselben Gebiet an der O-Küste des Sees von Galiläa und könnten sich teilweise überschnitten haben. Die Parallelberichte widersprechen sich also nicht. (Siehe auch Anh. A7, Karte 3B, „Jesus am See von Galiläa“ und Anh. B10.)

ein Mann: Der Evangelist Matthäus (8:28) erwähnt zwei Männer, Markus und Lukas (8:27) dagegen sprechen nur von einem Mann. Womöglich konzentrierten sie sich nur auf einen der beiden Besessenen, weil Jesus mit diesem Mann sprach und sein Fall noch bemerkenswerter war als der des anderen. Vielleicht war er noch brutaler als der andere oder er befand sich schon länger in der Hand der Dämonen. Möglicherweise wollte auch nur dieser Mann Jesus begleiten (Mar 5:18-20).

Gegend der Gadarener: Eine Gegend auf der anderen Seite, also auf der O-Seite, des Sees von Galiläa. Es könnte ein Gebiet gewesen sein, das sich vom See bis nach Gadara erstreckte, einer Stadt, die etwa 10 km vom See entfernt lag. Münzen aus Gadara, auf denen ein Schiff abgebildet ist, stützen diese Annahme. Markus und Lukas bezeichnen das Gebiet, das Jesus besuchte, als „Gegend der Gerasener“. (Siehe Anm. zu Mar 5:1.) Die Gegenden könnten sich teilweise überschnitten haben. (Siehe Anh. A7, Karte 3B, „Jesus am See von Galiläa“ und Anh. B10.)

zwei: Im Bericht von Markus (5:2) und von Lukas (8:27) wird nur ein Besessener erwähnt. (Siehe Anm. zu Mar 5:2.)

Gräbern: Oder „Gedenkgräbern“. (Siehe Worterklärungen zu „Gedenkgrab“.) Offensichtlich Höhlen oder in den Fels gehauene Grabkammern, die sich in der Regel außerhalb von Städten befanden. Die Juden mieden solche Grabstätten, um sich nicht rituell zu verunreinigen. Dadurch waren die Gräber ideale Schlupfwinkel für psychisch kranke oder von Dämonen besessene Menschen.

Was haben wir mit dir zu tun ...?: Oder „Was haben wir mit dir gemeinsam ...?“. Wörtlich übersetzt lautet diese rhetorische Frage: „Was uns und dir?“ Dabei handelt es sich um eine idiomatische Wendung aus dem Semitischen. Sie kommt sowohl in den Hebräischen Schriften vor (Jos 22:24; Ri 11:12; 2Sa 16:10; 19:22; 1Kö 17:18; 2Kö 3:13; 2Ch 35:21; Hos 14:8) als auch in entsprechender griechischer Form in den Christlichen Griechischen Schriften (Mat 8:29; Mar 1:24; 5:7; Luk 4:34; 8:28; Joh 2:4). Die genaue Bedeutung hängt vom Kontext ab. In Mat 8:29 drückt die Redewendung Feindseligkeit und Abwehr aus, weshalb einige Übersetzer die Wiedergabe „Stör uns nicht!“ oder „Lass uns in Ruhe!“ befürworten. An anderen Stellen wird sie gebraucht, um eine andere Meinung auszudrücken oder um anzuzeigen, dass man sich nicht zu etwas drängen lässt, wobei aber keine Verachtung, Arroganz oder Feindseligkeit mitschwingt. (Siehe Anm. zu Joh 2:4.)

uns zu quälen: Ein verwandter griechischer Begriff wird in Mat 18:34 für „Gefängniswärter“ gebraucht. Daher ist mit „quälen“ hier anscheinend gemeint, dass die Dämonen im „Abgrund“ festgehalten oder eingesperrt werden, wie der Parallelvers Luk 8:31 zeigt.

Schweineherde: Schweine waren laut mosaischem Gesetz unrein, wurden aber dennoch in dieser Gegend gehalten. Es ist nicht bekannt, ob die Schweinehirten Juden waren, die gegen das Gesetz verstießen (Mat 8:33). Jedenfalls gab es in der Dekapolis viele Abnehmer für Schweinefleisch, da es bei den Griechen und Römern als Delikatesse galt.

Medien

Römischer Offizier (Zenturio) in Kampfuniform
Römischer Offizier (Zenturio) in Kampfuniform

Der Rang des Zenturios war der höchste Dienstgrad, den ein einfacher Soldat im römischen Heer erreichen konnte. Der Zenturio drillte die Soldaten, inspizierte ihre Waffen, verwaltete die Ausrüstung und die Lebensmittelvorräte und sorgte für Disziplin und Ordnung. In der Regel waren die Zenturionen die erfahrensten und wertvollsten Männer im Heer. Die Einsatzbereitschaft und Schlagkraft des römischen Heeres hingen im Wesentlichen von ihnen ab. Das macht die Demut und den Glauben des Offiziers, der Jesus um Hilfe bat, umso bemerkenswerter.

Fuchsbau und Vogelnest
Fuchsbau und Vogelnest

Jesus sagte einmal, dass er kein festes Zuhause hat. Dabei verglich er seine Situation mit der von Füchsen und Vögeln, die im Gegensatz zu ihm ein Zuhause hatten. Die hier abgebildete Fuchsart (Vulpes vulpes) ist nicht nur im Nahen Osten heimisch, sondern auch in Afrika, Asien, Europa, Nordamerika und mittlerweile auch in Australien. Füchse wohnen manchmal in einer Felsspalte oder in einem verlassenen Bau. Mitunter vertreiben sie auch Tiere aus deren Bau oder graben sich selbst eine Erdhöhle. Außerdem können in Israel im Laufe des Jahres schätzungsweise 470 Vogelarten beobachtet werden. Dazu gehört der hier abgebildete Seidensänger (Cettia cetti). Vogelnester finden sich an den verschiedensten Orten, z. B. auf Bäumen, in hohlen Baumstämmen und an Klippen. Sie werden aus Zweigen, Blättern, Seegras, Wolle, Stroh, Moos, Federn und anderen Materialien gebaut. Israel bietet durch seine Vielfalt an Landschaften ideale Lebensräume für Standvögel und auch für Zugvögel. Auf diesem Fleckchen Erde am südöstlichen Mittelmeer gibt es fast alles: von kalten Berggipfeln bis zu tief gelegenen, glühend heißen Schluchten, von trockenen Wüsten bis zu fruchtbaren Küstenstreifen.

Steilhang am Ostufer des Sees von Galiläa
Steilhang am Ostufer des Sees von Galiläa

Die Begebenheit, als Jesus aus zwei Männern Dämonen austrieb und sie in eine Schweineherde schickte, ereignete sich am O-Ufer des Sees von Galiläa.