Der erste Brief an die Korinther 10:1-33

10  Ich möchte nun, dass ihr wisst, Brüder, dass unsere Vorfahren alle unter der Wolke waren+ und alle durchs Meer gingen+  und alle durch die Wolke und das Meer in Moses getauft wurden.  Sie aßen alle dieselbe geistige Nahrung+  und tranken alle dasselbe geistige Wasser.+ Denn sie pflegten aus dem geistigen Felsen zu trinken, der ihnen folgte, und dieser Fels stand für den Christus.+  Trotzdem war Gott über die meisten von ihnen nicht erfreut, denn sie kamen in der Wildnis um.+  Diese Geschehnisse sind warnende Beispiele für uns, damit wir nicht wie sie nach Schlechtem verlangen.+  Werdet auch nicht Götzendiener wie einige von ihnen, über die in den Schriften steht: „Sie setzten sich hin und aßen und tranken. Danach standen sie auf und vergnügten sich.“+  Lasst uns auch nicht sexuelle Unmoral treiben wie einige von ihnen, sodass an einem einzigen Tag 23 000 von ihnen starben.+  Auch dürfen wir Jehova nicht auf die Probe stellen,+ wie einige von ihnen es taten, sodass sie durch die Schlangen umkamen.+ 10  Beklagt euch auch nicht,+ wie es einige von ihnen taten,+ sodass sie durch den Vernichter umkamen.+ 11  Diese Geschehnisse sind warnende Beispiele. Sie sind für uns aufgeschrieben worden,+ die wir am Ende der Systeme leben.+ 12  Wer also denkt, dass er steht, soll aufpassen, dass er nicht fällt.+ 13  Ihr seid keiner Versuchung ausgesetzt, der nicht auch andere Menschen ausgesetzt sind.+ Gott aber ist treu, und er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet,+ sondern er wird mit der Versuchung auch den Ausweg schaffen, damit ihr sie ertragen könnt.+ 14  Darum, meine Lieben, flieht vor dem Götzendienst.+ 15  Ich rede doch mit Menschen, die Unterscheidungs­vermögen haben. Beurteilt selbst, was ich sage. 16  Bedeutet der Becher der Segnung, den wir segnen, nicht Teilhaberschaft am Blut des Christus?+ Bedeutet das Brot, das wir brechen, nicht Teilhaberschaft am Körper des Christus?+ 17  Weil es ein einziges Brot ist, sind wir, obwohl wir viele sind, ein einziger Körper,+ denn wir alle haben an diesem einen Brot teil. 18  Seht euch die Israeliten* an: Sind nicht die, welche die Opfer essen, Teilhaber mit dem Altar?*+ 19  Was will ich denn damit sagen? Dass das, was einem Götzen geopfert wird, etwas ist oder dass ein Götze etwas ist?+ 20  Nein, sondern ich sage, dass die anderen Völker ihre Opfer den Dämọnen opfern und nicht Gott.+ Und ich will nicht, dass ihr Teilhaber mit den Dämọnen werdet*.+ 21  Ihr könnt nicht den Becher Jehovas und den Becher der Dämọnen trinken. Ihr könnt nicht am „Tisch Jehovas“+ und am Tisch der Dämọnen teilhaben. 22  Oder wollen wir Jehova zur Eifersucht reizen?+ Wir sind doch nicht etwa stärker als er? 23  Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist von Vorteil.+ Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.+ 24  Jeder soll stets auf den Vorteil des anderen bedacht sein, nicht auf seinen eigenen.+ 25  Esst, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, ohne wegen eures Gewissens nachzuforschen, 26  denn „Jehova gehört die Erde und alles auf ihr“.+ 27  Wenn euch ein Ungläubiger einlädt und ihr hingehen möchtet, dann esst, was euch vorgesetzt wird, ohne wegen eures Gewissens nachzuforschen. 28  Falls aber jemand zu euch sagt: „Das ist etwas Geopfertes“, dann esst nicht – wegen dem, der es euch gesagt hat, und wegen des Gewissens.+ 29  Ich meine nicht euer eigenes Gewissen, sondern das des anderen. Denn warum sollte das Gewissen eines anderen Richter über meine Freiheit sein?+ 30  Wenn ich mit Danksagung esse, warum soll wegen etwas, wofür ich Dank sage,+ abfällig über mich geredet werden? 31  Deshalb: Ob ihr esst oder trinkt oder irgendetwas anderes tut, tut alles zur Ehre Gottes.+ 32  Hütet euch stets davor, Juden wie auch Griechen und der Versammlung Gottes Anlass zum Stolpern zu geben,+ 33  so wie auch ich versuche, allen Menschen in allem zu gefallen, indem ich nicht auf meinen eigenen Vorteil bedacht bin,+ sondern auf den der vielen, damit sie gerettet werden.+

Fußnoten

Wtl. „Israel nach dem Fleisch“.
Oder „Haben nicht die, welche die Opfer essen, Gemeinschaft mit Gott, dem auf dem Altar Opfer dargebracht werden?“.
Oder „ihr Gemeinschaft mit den Dämonen habt“.

Studienanmerkungen

alle unter der Wolke waren und alle durchs Meer gingen: Paulus bezieht sich hier auf ein großes Wunder, das Jehova beim Auszug der Israeliten aus Ägypten vollbrachte. Er bewirkte, dass sich die Wassermassen des Roten Meeres rechts und links von ihnen wie Wände auftürmten, sodass sie trockenen Fußes ans andere Ufer gelangen konnten (2Mo 14:21, 22, 29). Über und hinter ihnen befand sich eine Wolkensäule, die für Jehovas fürsorglichen Schutz stand (2Mo 14:19, 24; 4Mo 14:14). In diesem Sinn waren die Israeliten „unter der Wolke“, als sie durchs Meer gingen.

in Moses getauft: Oder „in Moses eingetaucht“. Paulus spricht von einer Taufe oder einem Eintauchen der Versammlung Israels im übertragenen Sinn. Das mit „taufen“ übersetzte griechische Verb baptízō bedeutet in diesem Fall, dass Jehova die Israeliten der Führung von Moses anvertraute. Jehova vollzog diese Taufe durch seinen Engel. Als die Israeliten über den Boden des Roten Meeres in Richtung O zogen, waren sie von Wasser umgeben und durch die Wolke vor ihren ägyptischen Verfolgern verborgen. Gott hob sie dann sozusagen aus dem Wasser heraus, indem er sie als freies Volk ans O-Ufer brachte (2Mo 14:19, 22, 24, 25). Um diese symbolische Taufe zu erleben, mussten sich die Israeliten Moses anschließen und ihm durch das Meer folgen. „In Moses“ getauft zu werden bedeutete also, seiner Führung zu folgen.

Du bist Petrus, und auf diesen Felsen: Das griechische Wort pétros (maskulin) bedeutet „Felsstück“ oder „Stein“ und wird hier mit dem Namen „Petrus“ wiedergegeben, der griechischen Form des Namens, den Simon von Jesus erhielt (Joh 1:42). Das griechische Wort pétra (feminin) wird dagegen mit „Felsen“ übersetzt und kann einen Felsuntergrund, eine Felsklippe oder ein Felsmassiv bezeichnen. Es kommt unter anderem in Mat 7:24, 25; 27:60, Luk 6:48; 8:6, Rö 9:33, 1Ko 10:4 und 1Pe 2:8 vor. Petrus dachte offensichtlich nicht, dass er der Felsen sei, auf den Jesus seine Versammlung bauen würde. In 1Pe 2:4-8 bezeichnete er nämlich Jesus als den lange im Voraus angekündigten „Grundeckstein“, den Gott selbst ausgewählt hat. Und der Apostel Paulus beschrieb Jesus als das „Fundament“ und als den „geistigen Felsen“ (1Ko 3:11; 10:4). Jesus gebrauchte hier offenbar ein Wortspiel. Gewissermaßen sagte er: „Du, den ich Petrus, Felsstück [pétros], genannt habe, du hast erkannt, wer wirklich der Christus ist, ‚dieser Felsen‘ [pétra], der das Fundament der Christen­versammlung bilden wird.“

steht für: Das griechische Wort estín (wtl. „ist“) hat hier den Sinn von „bedeuten“, „darstellen“, „heißen“ oder „symbolisieren“. Den Aposteln war diese Bedeutung klar, denn sie sahen sowohl Jesus mit seinem vollkommenen Körper vor sich als auch das ungesäuerte Brot, das sie gleich essen würden. Folglich konnte das Brot nicht Jesu buchstäblicher Körper sein. Interessanter­weise wird estín in Mat 12:7 in vielen Bibel­übersetzungen mit „heißt“ wiedergeben.

Felsen: Das entsprechende griechische Wort pétra (feminin) kann einen Felsuntergrund, eine Felsklippe oder einen Felsblock bezeichnen. Es kommt unter anderem in Mat 7:24, 25; 16:18; 27:60, Luk 6:48; 8:6, Rö 9:33 und 1Pe 2:8 vor. (Siehe Anm. zu Mat 16:18.) In mindestens zwei Fällen und an zwei verschiedenen Orten wurden die Israeliten durch ein Wunder mit Wasser aus einem Felsen versorgt (2Mo 17:5-7; 4Mo 20:1-11). Somit folgte ihnen der Fels sozusagen als Wasserquelle. Der Fels war kein buchstäblicher Felsen, sondern stellte den Christus dar, der zu den Juden sagte: „Wer Durst hat, soll zu mir kommen und trinken“ (Joh 7:37).

stand für: Oder „war“. Das griechische Verb für „sein“ hat hier den Sinn von „bedeuten“, „stehen für“. (Vgl. Anm. zu Mat 26:26.)

warnende Beispiele: Das griechische Wort týpos steht im Plural und könnte in diesem Kontext auch mit „Warnungen“ oder „Lehren“ wiedergegeben werden. In diesem und in den folgenden Versen führt Paulus verschiedene Geschehnisse aus der Geschichte von Gottes Volk an, die Christen als abschreckende Beispiele dienen können.

nicht … nach Schlechtem verlangen: Die Israeliten entwickelten unter anderem deshalb ein Verlangen nach „Schlechtem“ – oder „Bösem“, wie es manche Bibeln ausdrücken –, weil sie das Gute, das Jehova ihnen gab, nicht zu schätzen wussten. Zum Beispiel zeigte sich wiederholt an ihren Reaktionen, dass sie für das Manna, das sie durch ein Wunder bekamen, nur Verachtung übrig hatten (4Mo 11:4-6; 21:5). Ihre undankbare Einstellung wurde besonders deutlich, als Jehova ihnen eine große Menge Wachteln zu essen gab und sie darauf mit schamloser Gier reagierten. Die Wachteln an sich waren nichts Schlechtes, genauso wenig wie der Lauch, die Zwiebeln und die Gurken, nach denen sich die Israeliten sehnten (4Mo 11:19, 20, 31-34). Es waren die Gier und das egoistische Verlangen der Israeliten, die diese Dinge zu etwas „Schlechtem“ oder „Bösem“ machten, wie Paulus es ausdrückt.

Werdet auch nicht Götzendiener wie einige von ihnen: Paulus spricht hier von der Begebenheit, als die Israeliten am Fuß des Sinai ein goldenes Kalb anbeteten (2Mo 32:1-6). Sie setzten sich damit direkt über ein Gebot Jehovas hinweg, dem sie erst ein paar Wochen vorher zugestimmt hatten (2Mo 20:4-6; 24:3). Allem Anschein nach hatten sie nicht die Absicht, Jehova als ihren Gott abzulehnen; Aaron bezeichnete ihre götzen­dienerische Feier sogar als „Fest für Jehova“. Ihr Fehler bestand darin, dass sie versuchten, die Anbetung Jehovas mit der von Götzen zu vermischen.

sexueller Unmoral … Unmoral: Das griechische Wort pornéia, das in diesem Vers zweimal vorkommt, ist ein Oberbegriff für alle Arten von sexueller Betätigung, die laut der Bibel nicht erlaubt sind. Dazu gehören Ehebruch, Prostitution, sexuelle Handlungen zwischen Personen, die das gleiche Geschlecht haben oder die nicht miteinander verheiratet sind, und Sodomie. (Siehe Worterklärungen.)

Menschen, die sexuell unmoralisch handeln: Im Griechischen steht hierfür das Substantiv pórnos, das mit dem Substantiv pornéia („sexuelle Unmoral“, 1Ko 5:1) und dem Verb porneuō („sexuelle Unmoral treiben“, 1Ko 6:18) verwandt ist. (Siehe Worterklärungen zu „Sexuelle Unmoral“.) Korinth war schon seit langer Zeit für seine moralische Verdorbenheit und für den Kult der Aphrodite bekannt – ein Kult, der zügellose Sinnlichkeit und Unmoral förderte. (Vgl. Anm. zu 1Ko 7:2.) Wie Paulus erwähnt, hatten einige Christen in Korinth früher ein unmoralisches Leben geführt. Doch sie hatten sich geändert und waren nun guter Umgang (1Ko 6:11).

sexuelle Unmoral treiben: Kurz bevor die Israeliten ins verheißene Land einziehen sollten, ließen sich Tausende von ihnen in Schittim, in den Wüstenebenen Moabs, von Moabiterinnen dazu verführen, sexuelle Unmoral zu begehen und sich an der unreinen Anbetung des Baal von Peor zu beteiligen (4Mo 25:1-3, 9; siehe Anm. zu 1Ko 5:1).

an einem einzigen Tag 23 000: Paulus bezieht sich offenbar auf die Begebenheit in 4Mo 25:9, um Christen eindringlich vor sexueller Unmoral zu warnen. (Siehe Anm. zu 1Ko 5:9.) In 4Mo 25:9 heißt es: „An der Plage starben 24 000.“ Einige sehen darin einen Widerspruch zu der Zahl, die Paulus angibt. Allerdings sagt Paulus ausdrücklich, dass die 23 000, die er anführt, „an einem einzigen Tag“ starben. Damit meint er wahrscheinlich diejenigen, die direkt durch die Plage getötet wurden. Die „Anführer“ dieser Leute wurden nach Beginn der eigentlichen Plage von den Richtern getötet (4Mo 25:4, 5). In der Zahl in 4. Mose könnten alle Getöteten eingeschlossen sein: diejenigen, die durch die Plage umkamen, und die Anführer, die Gott für die Sünden des Volkes zur Verantwortung zog.

Auch dürfen wir Jehova nicht auf die Probe stellen: Paulus dachte anscheinend an verschiedene Begebenheiten, bei denen die Israeliten Jehova in der Wildnis auf die Probe stellten (Beispiele: 2Mo 16:2, 3; 17:2, 3, 7; 4Mo 14:22). Wenn er im zweiten Teil des Verses sagt: „wie einige von ihnen es taten, sodass sie durch die Schlangen umkamen“, spielt er auf die Geschehnisse an, die in 4Mo 21:5, 6 geschildert werden. Dort steht, dass die Israeliten sich ständig über Gott und Moses beklagten, woraufhin Jehova giftige Schlangen unter das Volk schickte. Paulus könnte auch die Worte in Ps 78:18 im Sinn gehabt haben, wo es über die Israeliten heißt: „Sie forderten Gott in ihrem Herzen heraus“ (wtl. „Sie stellten Gott in ihrem Herzen auf die Probe“). (Siehe Anh. C3, Einleitung, 1Ko 10:9.)

Beklagt euch auch nicht, wie es einige von ihnen taten: Oder „Murrt …“. Die Israeliten beklagten sich mehrere Male über Jehova. Zum Beispiel kritisierten sie Moses und Aaron scharf, als 10 der 12 Männer, die das Land Kanaan ausgekundschaftet hatten, mit einem negativen Bericht zurückkamen. Sie schlugen sogar vor, Moses als Führer zu ersetzen und nach Ägypten zurückzukehren (4Mo 14:1-4). Später fing die ganze Gemeinde an, sich über die Hinrichtung der Rebellen Korah, Dathan und Abiram und ihrer Anhänger zu beklagen. Sie fanden die Strafe offensichtlich ungerecht und steckten viele mit ihrer kritischen Einstellung an. Jehova bestrafte sie mit einer Plage, durch die 14 700 Israeliten ihr Leben verloren (4Mo 16:41, 49). Das Murren, das sich gegen seine Vertreter richtete, nahm er persönlich (4Mo 17:5).

warnende Beispiele: Das griechische Wort týpos steht im Plural und könnte in diesem Kontext auch mit „Warnungen“ oder „Lehren“ wiedergegeben werden. In diesem und in den folgenden Versen führt Paulus verschiedene Geschehnisse aus der Geschichte von Gottes Volk an, die Christen als abschreckende Beispiele dienen können.

warnende Beispiele: Siehe Anm. zu 1Ko 10:6.

die wir am Ende der Systeme leben: Paulus hat zuvor eine Reihe von Ereignissen aus der Geschichte Israels angesprochen (1Ko 10:1-10), die zum Ende der Systeme, d. h. der bestehenden Ordnungen seiner Zeit, führten. (Siehe Worterklärungen zu „Weltsystem; Systeme“.) Diese „Systeme“ hingen eng mit dem Gesetzesbund zusammen und schlossen unter anderem Folgendes ein: eine Priesterschaft, ein System von Opfer- und Speise­vorschriften, ein System für die Anbetung in der Stiftshütte und im Tempel einschließlich der Feste und Sabbate sowie ein nationales System, zu dem irgendwann auch menschliche Könige gehörten. Viele charakteristische Elemente der israelitischen oder jüdischen Ära fanden erst im Jahr 70 u. Z. ihr vollständiges Ende. Damals wurde Jerusalem mitsamt dem Tempel zerstört, was der jüdischen Priesterschaft, dem Opfersystem und der vom Gesetz vorgeschriebenen Anbetung im Tempel ein Ende setzte. Auch wurde das jüdische Volk, einst Gottes auserwählte Nation, unter die Völker zerstreut, wodurch sich erfüllte, was Jesus laut Luk 21:24 vorausgesagt hatte und was Paulus hier über das „Ende der [jüdischen] Systeme“ sagte.

die anderen Völker ihre Opfer den Dämonen opfern: Paulus bringt im Vers davor zum Ausdruck, dass ein Götze an sich nichts ist. Die eigentliche Gefahr des Götzenkults ist die Macht, die dahintersteht. Offensichtlich zitiert Paulus hier aus 5Mo 32:17 oder nimmt indirekt darauf Bezug. Ein ähnlicher Gedanke ist in Ps 106:36, 37 zu finden. Jesus sagte, dass die Macht hinter dem Götzenkult Satan ist, der „Herrscher der Dämonen“ (Mat 12:24-26). Wenn Menschen aus anderen Völkern ihren Götzen oder Gottheiten Opfer darbrachten, beteten sie also in Wirklichkeit Dämonen an. Auch aßen sie im Rahmen solcher Zeremonien oft etwas von dem Opferfleisch. Im Grunde genommen saßen die Opfernden mit ihren Göttern an einem Tisch und hatten dadurch Gemeinschaft mit den Dämonen.

Becher Jehovas: Fünf Verse zuvor spricht Paulus über den Becher Wein, der beim Abendmahl des Herrn für das Blut Christi steht (1Ko 10:16). Er bezeichnet ihn dort als „Becher der Segnung, den wir segnen“. Als Jesus die Abendmahlsfeier einführte, sprach er einen Segen bzw. ein Gebet, bevor er seinen Jüngern den Becher reichte (Mat 26:27, 28; Luk 22:19, 20). Nach diesem Muster wird auch heute ein Gebet gesprochen, bevor der Wein herumgereicht wird. Vom „Becher Jehovas“ zu sprechen ist deshalb angebracht, weil Jehova derjenige war, der Christen das Loskaufsopfer und alles andere zur Verfügung gestellt hat, weil ihm der Wert von Jesu Opfer dargebracht wurde, weil er entschied, wie dieses Opfer genutzt werden sollte und weil er den neuen Bund ankündigte und ins Leben rief (Jer 31:31-34). (Siehe Anh. C3, Einleitung, 1Ko 10:21a.)

Becher der Dämonen … Tisch der Dämonen: Das Abendmahl des Herrn ist ein Gemeinschaftsmahl, das verschiedene Parallelen zu den Gemeinschafts­opfern im alten Israel aufweist (3Mo 3:1-16; 7:28-36; 1Ko 10:16). Hätte ein Christ zusammen mit Götzendienern ein Opfermahl eingenommen, hätte er im Grunde gemeinsam mit Dämonen gegessen. Er konnte nicht gleichzeitig am Abendmahl des Herrn und an den Mahlzeiten zu Ehren falscher Götter teilnehmen.

Tisch Jehovas: Man geht davon aus, dass Paulus hier aus Mal 1:7, 12 zitiert oder darauf Bezug nimmt. Dort wird der Altar in Jehovas Tempel als „Tisch Jehovas“ bezeichnet. Er wird so genannt, weil die Opfer, die darauf dargebracht wurden, mit „Nahrung“ (wtl. „Brot“) verglichen werden (Mal 1:7; Fn.; Hes 41:22). Der Altar stand stellvertretend für Gott. Wenn die Israeliten von den Gemeinschafts­opfern aßen, hatten sie also Gemeinschaft mit Gott, so als würden sie mit ihm gemeinsam essen. (Siehe Anm. zu Becher Jehovas in diesem Vers und Anh. C3, Einleitung, 1Ko 10:21b.)

Oder wollen wir Jehova zur Eifersucht reizen?: Paulus warnt Christen davor, Jehova durch irgendeine Form von Götzendienst eifersüchtig oder zornig zu machen. Er spielt hier auf 5Mo 32:21 an, wo es heißt: „Sie haben mich mit etwas, was kein Gott ist, zum Zorn [oder „Eifersucht“, Fn.] gereizt.“ Der Kontext (5Mo 32:19-21) macht deutlich, dass hier Jehova selbst spricht. (Zum Gebrauch des Gottesnamens in diesem Vers siehe Anh. C3, Einleitung, 1Ko 10:22.)

erlaubt: Paulus meinte hier offensichtlich nicht, dass es erlaubt ist, etwas zu tun, was Gott verurteilt (Apg 15:28, 29). Vielmehr war ihm bewusst, dass Christen – die ja nicht an die zahlreichen Bestimmungen des mosaischen Gesetzes gebunden waren – mit vielen Situationen konfrontiert würden, die nicht durch die Schriften geregelt waren. In solchen Fällen mussten sie nicht nur ihr eigenes Gewissen berücksichtigen, sondern auch das von anderen. Als Beispiel führte er das Essen an (1Ko 6:13). Einige mit einem sensibleren Gewissen waren dagegen, bestimmte Sachen zu essen (1Ko 10:23, 25-33). Die fraglichen Nahrungsmittel waren für Christen jedoch nicht verboten. Trotzdem hätte Paulus nicht darauf bestanden, sie zu essen, wenn er dadurch andere zum Stolpern gebracht oder ihr Gewissen belastet hätte (1Ko 8:12, 13).

erlaubt: Siehe Anm. zu 1Ko 6:12.

Nun zu Nahrungsmitteln, die Götzen geopfert wurden: Im 1. Jh. u. Z. brachten die Griechen und Römer ihren Göttern Tieropfer dar. Verschiedene Teile des Tieres wurden auf den Altar gelegt. Einen Anteil erhielten die Priester, einen anderen bekamen die Opfernden, die ihn für eine Mahlzeit oder ein Festessen verwendeten. Übrig gebliebenes Fleisch wurde oft auf dem Fleischmarkt verkauft (1Ko 10:25). Die Christen in Korinth hatten Paulus in einem Brief gefragt, ob etwas dagegen spricht, solches Fleisch zu essen (1Ko 7:1a). Unter Einwirkung des heiligen Geistes half Paulus ihnen zu verstehen, dass für reife Christen „ein Götze … nichts ist“ (1Ko 8:4). Trotzdem riet er Christen davon ab, zu einem Götzentempel zu gehen, um Fleisch zu essen. Das hätte bei denen, die keinen starken Glauben hatten, den Eindruck erwecken können, man würde Götzen anbeten. Vielleicht hätte das manche zum Stolpern gebracht oder sie sogar dazu verleitet, bei religiösen Zeremonien zu Ehren falscher Götter Fleisch zu essen (1Ko 5:9, 10; 8:9, 10). Und das wäre ein Verstoß gegen die in Apg 15:28, 29 festgehaltene Anordnung der leitenden Körperschaft gewesen. (Siehe Anm. zu 1Ko 8:4; 10:25.)

Was nun das Essen von Nahrungsmitteln betrifft, die Götzen geopfert wurden: Das griechische Wort, das hier mit „Nahrungsmittel …, die Götzen geopfert wurden“ wiedergegeben wird, kommt auch in Apg 15:29 vor, wo es mit „was Götzen geopfert wurde“ übersetzt ist. Es kann Fleisch einschließen, das bei einer religiösen Zeremonie verwendet wurde, sowie Fleisch, das bei einer solchen Opferhandlung übrig blieb. Hier spricht Paulus von übrig gebliebenem Fleisch, das auf einem Markt öffentlich verkauft wurde (1Ko 10:25). Mit dem, was er in 1. Korinther 8 und 10 und Römer 14 sagte, erteilte er Christen keineswegs die Erlaubnis, sich an Ritualen oder Feierlichkeiten zu Ehren eines Götzen zu beteiligen. Vielmehr machte er ihnen unter Inspiration das Zugeständnis, solches öffentlich verkaufte Fleisch als normale Mahlzeit zu essen. Die Tatsache, dass dieses Fleisch aus einem Götzentempel stammte, machte es nicht unrein. (Siehe Anm. zu 1Ko 8:1; 10:25.)

Esst, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird: Auf dem „Fleischmarkt“ (griechisch mákellon) wurden neben Fleisch und Fisch auch andere Nahrungsmittel zum Kauf angeboten. Manchmal verkauften Tempel ihr überschüssiges Fleisch an Händler, die es dann auf dem Markt weiterverkauften. Solches Fleisch hatte keine besondere Bedeutung mehr in dem Sinn, dass es in irgendeiner Form „heilig“ war. Es war genauso gut wie jedes andere Fleisch. Christen brauchten solches Fleisch an sich also nicht als schlecht oder als verunreinigt anzusehen. Wenn es richtig ausgeblutet war, konnten sie es durchaus kaufen. (Siehe Anm. zu 1Ko 8:1, 4.)

Jehova: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Ps 24:1. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C1 und C2.)

Jehova: Es handelt sich hier um ein Zitat aus Ps 24:1. Dort erscheint der Gottesname im hebräischen Urtext in Form der vier hebräischen Konsonanten יהוה (JHWH). (Siehe Anh. C1 und C2.)

wegen des Gewissens: Einige spätere griechische Handschriften sowie frühe Übersetzungen in andere Sprachen enthalten den Zusatz: „Denn dem Herrn gehört die Erde und das, was sie erfüllt [oder „ihre Fülle“].“ Diese Lesart spiegelt sich auch in manchen neueren Übersetzungen wider. Doch in vielen frühen zuverlässigen Handschriften ist dieser Satz in Vers 28 nicht enthalten, was darauf hindeutet, dass er nicht Teil des ursprünglichen Textes war. Eine ähnliche Aussage erscheint in 1Ko 10:26; bei diesem Vers gibt es keinen Zweifel bezüglich des griechischen Textes. (Siehe Anh. A3; Anm. zu 1Ko 10:26.)

Versammlung Gottes: Das griechische Wort ekklēsía, das gewöhnlich mit „Versammlung“ oder „Gemeinde“ wiedergegeben wird, kann in den Christlichen Griechischen Schriften unterschiedliche Bedeutungen haben. (Siehe Worterklärungen zu „Gemeinde; Versammlung“.) Manchmal bezeichnet es die gesamte Gruppe der gesalbten Christen (Mat 16:18; Heb 2:12; 12:23). Im vorliegenden Kontext ist der Begriff jedoch enger gefasst. Wenn Paulus die Christen davor warnt, „der Versammlung Gottes Anlass zum Stolpern zu geben“, meint er mit „Versammlung Gottes“ die Brüder und Schwestern, die zur damaligen Zeit lebten und auf die sich ihr Verhalten ausgewirkt hätte.

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