Apostel­geschichte 10:1-48

10  In Cäsarẹa nun gab es einen Mann mit Namen Kornẹlius, einen Offizier der sogenannten Italischen Einheit.  Er war ein tiefgläubiger Mensch, der mit seiner ganzen Haus­gemeinschaft Ehrfurcht vor Gott hatte. Er gab oft etwas für die Armen und flehte immer wieder zu Gott.  Um die 9. Stunde+ des Tages sah er in einer Vision ganz deutlich, wie ein Engel Gottes zu ihm hereinkam und sagte: „Kornẹlius!“  Kornẹlius starrte ihn erschrocken an und fragte: „Was ist, Herr?“ Er sagte: „Deine Gebete sind zu Gott aufgestiegen und er hat deine Gaben für die Armen bemerkt und er behält sie in Erinnerung.+  Schick nun Männer nach Jọppe, und lass einen Mann namens Sịmon holen, der auch Petrus genannt wird.  Er ist zu Gast bei Sịmon, einem Gerber, der ein Haus am Meer hat.“  Sobald der Engel, der mit ihm geredet hatte, weg war, rief er zwei seiner Diener und einen tiefgläubigen Soldaten aus den Reihen seiner Bediensteten.  Er erzählte ihnen alles und schickte sie nach Jọppe.  Während sie am nächsten Tag ihre Reise fortsetzten und sich der Stadt näherten, stieg Petrus um die 6. Stunde auf das Dach des Hauses, um zu beten. 10  Doch er bekam großen Hunger und wollte etwas essen. Während man das Essen zubereitete, fiel er in Trance.+ 11  Er sah den Himmel geöffnet und etwas* wie ein großes Leinentuch herunterkommen. Es wurde an seinen vier Zipfeln auf die Erde heruntergelassen. 12  Darin waren alle möglichen vierfüßigen Tiere und Reptilien* der Erde und Vögel des Himmels. 13  Dann sagte eine Stimme zu ihm: „Steh auf, Petrus, schlachte* und iss!“ 14  Petrus aber erwiderte: „Auf keinen Fall, Herr! Ich habe noch nie etwas Verunreinigtes oder Unreines gegessen.“+ 15  Die Stimme sprach ein zweites Mal zu ihm und sagte: „Hör auf, das als verunreinigt zu bezeichnen, was Gott gereinigt hat.“ 16  Dies geschah noch ein drittes Mal und gleich darauf wurde das Ganze* in den Himmel hinaufgenommen. 17  Als Petrus noch rätselte, was die Vision, die er gehabt hatte, wohl bedeutete, erkundigten sich auch schon die Männer, die Kornẹlius geschickt hatte, nach Sịmons Haus und standen dort am Tor.+ 18  Sie riefen und fragten, ob Sịmon, der auch Petrus genannt wird, dort zu Gast sei. 19  Während Petrus noch über die Vision nachdachte, sagte der Geist:+ „Schau! Da sind drei Männer, die dich suchen. 20  Also steh auf, geh hinunter und mach dich mit ihnen auf den Weg. Du brauchst überhaupt keine Bedenken zu haben, denn ich habe sie geschickt.“ 21  Da ging Petrus zu den Männern hinunter und sagte: „Ich bin der Mann, den ihr sucht! Warum seid ihr hier?“ 22  Sie antworteten: „Kornẹlius,+ ein Offizier, ein gerechter, gottesfürchtiger Mann, über den im ganzen Volk der Juden gut gesprochen wird, bekam von Gott durch einen heiligen Engel die Anweisung, dich in sein Haus holen zu lassen und sich anzuhören, was du zu sagen hast.“ 23  Da bat er sie herein und nahm sie als Gäste auf. Am nächsten Tag stand er auf und machte sich mit ihnen auf den Weg. Einige von den Brüdern aus Jọppe begleiteten ihn. 24  Tags darauf traf er in Cäsarẹa ein. Kornẹlius erwartete sie natürlich schon und hatte seine Verwandten und engen Freunde zusammengerufen. 25  Als Petrus eintrat, kam ihm Kornẹlius entgegen, fiel ihm zu Füßen und erwies ihm seine Ehrerbietung. 26  Petrus aber zog ihn hoch und sagte: „Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch.“+ 27  Während er sich mit ihm unterhielt, ging er hinein und fand dort viele Leute vor, die sich versammelt hatten. 28  Er sagte zu ihnen: „Ihr wisst ja, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, mit einem Menschen von einem anderen Volk Umgang zu haben oder zu ihm zu gehen.+ Doch Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen verunreinigt oder unrein nennen soll.+ 29  Also bin ich ganz ohne Widerrede gekommen, als man mich geholt hat. Und jetzt möchte ich gern wissen, warum ich herkommen sollte.“ 30  Darauf berichtete Kornẹlius: „Als ich vor vier Tagen genau zur gleichen Stunde – zur 9. Stunde – betete, stand auf einmal ein Mann in einem glänzenden Gewand vor mir 31  und sagte: ‚Kornẹlius, dein Gebet ist erhört worden und Gott hat deine Gaben für die Armen in Erinnerung behalten.+ 32  Schick also jemand nach Jọppe und lass Sịmon holen, der auch Petrus genannt wird. Er ist bei Sịmon, einem Gerber, zu Gast, dessen Haus am Meer liegt.‘+ 33  Da habe ich gleich jemand zu dir geschickt, und du warst so freundlich hierherzukommen. Jetzt sind wir alle vor Gott anwesend, um zu hören, was du uns im Auftrag Jehovas alles sagen sollst.“ 34  Darauf begann Petrus zu reden. Er sagte: „Jetzt verstehe ich wirklich, dass Gott nicht parteiisch ist,+ 35  sondern dass er in jedem Volk* den Menschen annimmt, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was richtig ist.+ 36  Er hat sein Wort an die Söhne Israels gesandt, um ihnen die gute Botschaft des Friedens+ durch Jesus Christus zu verkünden – dieser ist der Herr von allen.+ 37  Ihr wisst, wovon nach der Taufe, die Johạnnes predigte,+ zuerst in Galilạ̈a+ und dann in ganz Judạ̈a die Rede war: 38  von Jesus aus Nạzareth, wie Gott ihn mit heiligem Geist+ und Kraft salbte und wie er durchs Land zog, Gutes tat und alle, die unter dem Teufel litten, gesund machte,+ weil Gott ihm zur Seite stand.+ 39  Und wir sind Zeugen von all dem, was er im Land der Juden und auch in Jerusalem getan hat. Aber sie brachten ihn um, indem sie ihn an einen Stamm hängten.+ 40  Gott hat ihn jedoch am dritten Tag auferweckt+ und ihn offenbar* werden lassen – 41  nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott zuvor bestimmten Zeugen. Wir haben mit ihm gegessen und getrunken, nachdem er von den Toten auferstanden war.+ 42  Auch gab er uns den Auftrag, dem Volk zu predigen und gründlich zu bezeugen,+ dass er der ist, den Gott zum Richter der Lebenden und der Toten bestimmt hat.+ 43  Was ihn betrifft, bezeugen alle Propheten,+ dass jedem, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Sünden vergeben werden.“+ 44  Während Petrus noch über diese Dinge redete, kam der heilige Geist auf alle, die das Wort Gottes hörten.+ 45  Die beschnittenen Gläubigen, die mit Petrus gekommen waren, staunten, weil das Geschenk* des heiligen Geistes auch auf Leute aus anderen Völkern ausgegossen wurde. 46  Sie hörten sie nämlich in fremden Sprachen reden und Gott verherrlichen.+ Darauf sagte Petrus: 47  „Kann jemand diesen Menschen, die den heiligen Geist ebenso empfangen haben wie wir, das Wasser für die Taufe verweigern?“+ 48  Und er ordnete an, sie im Namen von Jesus Christus zu taufen.+ Dann baten sie ihn, einige Tage dazubleiben.

Fußnoten

Wtl. „irgendeinen Gegenstand“, „irgendein Gefäß“.
Oder „Kriechtiere“.
Oder „opfere“.
Wtl. „Gegenstand“, „Gefäß“.
Oder „Nation“.
Oder „sichtbar“.
Oder „freie Gabe“.

Studienanmerkungen

Legionen: Die Legion war die größte römische Heereseinheit. Im 1. Jh. bestand sie aus etwa 6000 Soldaten. Mit „zwölf Legionen“ ist hier offensichtlich einfach eine unbestimmte große Menge gemeint. Jesus wollte praktisch sagen, er brauche seinen Vater nur darum zu bitten und dieser würde ihm zum Schutz mehr als genug Engel schicken.

Offizier: Oder „Zenturio“. Ein Befehlshaber im römischen Heer, der etwa 100 Soldaten unter sich hatte.

sogenannten Italischen Einheit: Die Italische Einheit war eine Kohorte, die vermutlich so genannt wurde, um sie von den regulären römischen Legionen zu unterscheiden. Eine komplette Kohorte bestand aus ca. 600 Mann und machte damit etwa ein Zehntel einer Legion aus. (Siehe Anm. zu Mat 26:53.) Nachweislich befand sich 69 u. Z. die 2. Italische Kohorte freiwilliger römischer Bürger (Cohors II Italica voluntariorum civium Romanorum) in Syrien. Einige vermuten, dass es sich dabei um die hier erwähnte Italische Einheit handelte.

etwas für die Armen: Oder „Gaben der Barmherzigkeit“. (Siehe Worterklärungen.)

um die 3. Stunde: D. h. gegen 9 Uhr. Im 1. Jh. u. Z. teilten die Juden den Tag in 12 Stunden ein und begannen bei Sonnenaufgang, also ab ca. 6 Uhr, zu zählen (Joh 11:9). Damit wäre die 3. Stunde gegen 9 Uhr gewesen, die 6. Stunde gegen Mittag und die 9. Stunde um etwa 15 Uhr. Da die Menschen damals keine exakten Zeitmesser hatten, konnten sie in der Regel nur ungefähre Zeitangaben machen (Joh 1:39; 4:6; 19:14; Apg 10:3, 9).

Um die 9. Stunde des Tages: D. h. gegen 15 Uhr. (Siehe Anm. zu Mat 20:3.)

Gaben für die Armen: Oder „Gaben der Barmherzigkeit“. (Siehe Worterklärungen.)

Simon, einem Gerber: Gerber verarbeiteten Tierhäute zu Leder. Mithilfe einer Kalklösung entfernten sie zunächst das Fell sowie sämtliche Fleisch- und Fettreste von der Haut und behandelten sie anschließend mit einer Gerbflüssigkeit. Dann konnte man die Häute für die Herstellung von Lederartikeln verwenden. Der Gerbprozess war sehr geruchsbelästigend und erforderte eine große Menge Wasser, was erklären könnte, warum Simon am Meer wohnte, vermutlich am Stadtrand von Joppe. Nach dem mosaischen Gesetz war jemand, der bei seiner Arbeit mit Tierkadavern zu tun hatte, rituell unrein (3Mo 5:2; 11:39). Deswegen blickten viele Juden auf Gerber herab und hätten auch nur ungern bei einem von ihnen übernachtet. Im später verfassten Talmud wurden Gerber sogar noch niedriger eingestuft als Dungsammler. Petrus ließ sich jedoch durch solche Vorurteile nicht davon abhalten, bei Simon als Gast zu wohnen. Seine Unvoreingenommen­heit in dieser Situation war eine gute Voraussetzung für seine nächste Aufgabe: einen unbeschnittenen Nichtjuden zu Hause zu besuchen. Manche Bibel­wissenschaftler vermuten, das griechische Wort für „Gerber“ (byrseus) sei ein Beiname von Simon gewesen.

um die 3. Stunde: D. h. gegen 9 Uhr. Im 1. Jh. u. Z. teilten die Juden den Tag in 12 Stunden ein und begannen bei Sonnenaufgang, also ab ca. 6 Uhr, zu zählen (Joh 11:9). Damit wäre die 3. Stunde gegen 9 Uhr gewesen, die 6. Stunde gegen Mittag und die 9. Stunde um etwa 15 Uhr. Da die Menschen damals keine exakten Zeitmesser hatten, konnten sie in der Regel nur ungefähre Zeitangaben machen (Joh 1:39; 4:6; 19:14; Apg 10:3, 9).

auf dem Dach: Die Hausdächer waren flach und wurden für alles Mögliche genutzt, z. B. als Lagerfläche (Jos 2:6), zum Ausruhen (2Sa 11:2), zum Schlafen (1Sa 9:26) und für religiöse Feste (Ne 8:16-18). Deshalb war auch ein Geländer notwendig (5Mo 22:8). Normalerweise konnte man das Dach über eine Außentreppe oder eine Leiter verlassen, ohne ins Haus zu müssen. Jesus unterstrich mit seiner Aussage also, dass es wichtig wäre, so schnell wie möglich zu fliehen.

um die 6. Stunde: D. h. gegen Mittag. (Siehe Anm. zu Mat 20:3.)

Dach: Die Dächer der Häuser waren flach und wurden vielseitig genutzt, z. B. als Lagerfläche (Jos 2:6), zum Ausruhen (2Sa 11:2), zum Schlafen (1Sa 9:26), für religiöse Feste (Ne 8:16-18) und als Rückzugsort zum Beten. Als Petrus auf dem Hausdach betete, machte er es nicht so wie die Heuchler, die dafür sorgten, dass man sie beim Beten sah (Mat 6:5). Wahrscheinlich wurde er von einer Brüstung verdeckt (5Mo 22:8). Auf den Flachdächern konnte man sich gut entspannen und dem abendlichen Lärm auf den Straßen entkommen. (Siehe Anm. zu Mat 24:17.)

fiel ich in Trance: Nähere Informationen zu dem griechischen Wort ékstasis, hier mit „Trance“ übersetzt, enthält die Anm. zu Apg 10:10. Es gibt Übersetzungen der Christlichen Griechischen Schriften ins Hebräische (in Anh. C4 unter J14, 17, 22 aufgeführt), die hier die Lesart „war Jehovas Hand über mir“ enthalten; in einer anderen Übersetzung (unter J18 aufgeführt) heißt es: „kleidete mich Jehovas Geist“.

Trance: Wtl. „Außer-sich-Stehen“. Das griechische Wort ékstasis setzt sich aus ek („aus“) und stásis („Stehen“, „Stand“) zusammen. Es beschreibt den Zustand einer Person, die sich aufgrund von Verwunderung, Erstaunen oder einer göttlichen Vision nicht in ihrer üblichen Geistes- oder Gemütsverfassung befindet – sie ist sozusagen „außer sich“. Das griechische Wort wird in Mar 5:42 mit „Freude“ wiedergegeben, in Mar 16:8 mit „völlig aufgewühlt“ und in Luk 5:26 mit „Begeisterung“. In der Apostel­geschichte wird es mit göttlichem Handeln in Verbindung gebracht. Offensichtlich wirkte manchmal der heilige Geist auf den Sinn einer Person ein und ließ sie ein Bild oder eine Vision von Gottes Vorhaben sehen, während sie sich in einem höchst konzentrierten oder in einem schlafähnlichen Zustand befand. Im Trancezustand nahm man nichts von seiner Umgebung wahr und war für eine Vision aufnahmebereit. (Siehe Anm. zu Apg 22:17.)

durch göttliche Vorsehung … genannt: In den meisten Bibel­übersetzungen steht einfach nur, dass die Jünger Christen genannt wurden; es ist von keiner göttlichen Einflussnahme die Rede. Allerdings erscheint hier im Griechischen keines der Wörter, die man üblicherweise mit „nennen“ übersetzt (Mat 1:16; 2:23; Mar 11:17; Luk 1:32, 60; Apg 1:12, 19), sondern das Verb chrēmatízō. An fast allen der neun Stellen, an denen es in den Christlichen Griechischen Schriften vorkommt, hat es eindeutig mit etwas zu tun, das göttlichen Ursprungs ist (Mat 2:12, 22; Luk 2:26; Apg 10:22; 11:26; Rö 7:3; Heb 8:5; 11:7; 12:25). In Apg 10:22 wird es z. B. zusammen mit der Formulierung „durch einen heiligen Engel“ verwendet. Und in Mat 2:12, 22 kommt es in Verbindung mit Träumen vor, die Gott eingab. In Rö 11:4 erscheint das verwandte Substantiv chrēmatismós. In den meisten Wörterbüchern und Bibel­übersetzungen findet man dafür Wiedergaben wie „göttlicher Ausspruch“, „göttliche Antwort“, „göttliche Weisung“, „Gottesspruch“. Es ist denkbar, dass Saulus und Barnabas von Jehova angewiesen wurden, den Namen „Christen“ zu verwenden. Manche vermuten, die heidnische Bevölkerung in Antiochia hätte die Nachfolger von Jesus aus Spaß oder Spott als „Christen“ tituliert. Doch die Tatsache, dass hier im Griechischen chrēmatízō steht, macht deutlich, dass Gott hinter dieser Namensgebung stand. Es wäre auch sehr unwahrscheinlich gewesen, dass die Juden Jesu Nachfolger als „Christen“ (griechisch) oder „Messianisten“ (hebräisch) bezeichnet hätten. Sie hatten Jesus als den Messias oder Christus abgelehnt. Hätten sie seine Nachfolger als „Christen“ bezeichnet, hätten sie ihn stillschweigend als Christus oder Gesalbten anerkannt, und davon ist nicht auszugehen.

gerechter: Siehe Worterklärungen.

bekam von Gott … die Anweisung: Für diese Wendung steht im Griechischen das Verb chrēmatízō. Es kommt in den Christlichen Griechischen Schriften neun Mal vor (Mat 2:12, 22; Luk 2:26; Apg 10:22; 11:26; Rö 7:3; Heb 8:5; 11:7; 12:25). An den meisten Stellen hat es mit etwas zu tun, das göttlichen Ursprungs ist. Hier wird es z. B. zusammen mit der Formulierung „durch einen heiligen Engel“ verwendet. In Mat 2:12, 22 kommt es in Verbindung mit Träumen vor, die Gott eingab. Das verwandte Substantiv chrēmatismós erscheint in Rö 11:4. In den meisten Wörterbüchern und Übersetzungen findet man dafür Wiedergaben wie „göttlicher Ausspruch“, „göttliche Antwort“, „göttliche Weisung“, „Gottesspruch“. Eine hebräische Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften (in Anh. C4 unter J18 aufgeführt) enthält im vorliegenden Vers die Wiedergabe: „wurde von Jehova … angewiesen“. (Siehe Anm. zu Apg 11:26.)

erwies ihm seine Ehrerbietung: Oder „huldigte ihm“, „verbeugte sich vor ihm“. Als Jesus auf der Erde war, verbeugten sich verschiedene Leute vor ihm, und er hatte nichts dagegen einzuwenden (Luk 5:12; Joh 9:38). Als Erbe von Davids Thron wurde er zu Recht als ein König geehrt (Mat 21:9; Joh 12:13-15). Auch in den Hebräischen Schriften ist davon die Rede, dass man sich vor Propheten, Königen und anderen Repräsentanten Gottes verbeugte und dass sie diese Ehrerbietung annahmen (1Sa 25:23, 24; 2Sa 14:4-7; 1Kö 1:16; 2Kö 4:36, 37). Als sich jedoch Kornelius vor Petrus verbeugte und ihm seine Ehrerbietung erwies, lehnte dieser das ab und sagte: „Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch“ (Apg 10:26). Die Lehren von Christus führten offensichtlich dazu, dass sich unter Gottes Dienern die Verhaltensnormen änderten. Jesus hatte zu seinen Jüngern gesagt: „Nur einer ist euer Lehrer und ihr seid alle Brüder. … nur einer ist euer Führer, der Christus“ (Mat 23:8-12).

einem Juden nicht erlaubt: Die jüdischen Religionsführer zur Zeit von Petrus lehrten, dass sich ein Jude rituell verunreinigte, wenn er das Haus eines Nichtjuden betrat (Joh 18:28). Im mosaischen Gesetz gab es für solche Fälle jedoch keine spezielle Anweisung. Außerdem war die „Zwischenwand“ zwischen Juden und Nichtjuden beseitigt worden, als Jesus sein Leben als Lösegeld gab und der neue Bund eingeführt wurde. Auf diese Weise hatte Jesus „die zwei Gruppen zu einer“ gemacht (Eph 2:11-16). Doch selbst nach Pfingsten 33 u. Z. hatten seine Jünger noch Schwierigkeiten, die Tragweite von dem zu erkennen, was Jesus getan hatte. Tatsächlich dauerte es noch viele Jahre, bis sich die Judenchristen von den Denkmustern befreiten, die ihre ehemaligen religiösen Führer propagierten und die in ihrer Kultur tief verwurzelt waren.

um die 3. Stunde: D. h. gegen 9 Uhr. Im 1. Jh. u. Z. teilten die Juden den Tag in 12 Stunden ein und begannen bei Sonnenaufgang, also ab ca. 6 Uhr, zu zählen (Joh 11:9). Damit wäre die 3. Stunde gegen 9 Uhr gewesen, die 6. Stunde gegen Mittag und die 9. Stunde um etwa 15 Uhr. Da die Menschen damals keine exakten Zeitmesser hatten, konnten sie in der Regel nur ungefähre Zeitangaben machen (Joh 1:39; 4:6; 19:14; Apg 10:3, 9).

zur 9. Stunde: D. h. gegen 15 Uhr. (Siehe Anm. zu Mat 20:3.)

Jehovas: In den meisten griechischen Manuskripten steht hier tou kyríou („des Herrn“). Wie jedoch in Anh. C erklärt wird, gibt es verschiedene Gründe für die Annahme, dass in diesem Vers ursprünglich der Name Gottes stand und später durch „Herr“ ersetzt wurde. Deswegen wird hier im Haupttext der Name Jehova verwendet. (Siehe Anh. C3, Einleitung, Apg 10:33.)

nicht parteiisch: Den entsprechenden griechischen Ausdruck könnte man wörtlich übersetzen mit „niemand, der das Gesicht annimmt“ oder etwas freier „kein nach dem Gesicht Urteilender“. Gott beurteilt einen Menschen nicht nach seinem Äußeren und bevorzugt auch niemand aufgrund seiner Hautfarbe, Nationalität, gesellschaftlichen Stellung oder irgendwelcher äußerer Faktoren. Wer wie Gott unparteiisch sein möchte, beurteilt andere ebenfalls nicht nach irgendwelchen Äußerlichkeiten, sondern achtet auf ihren Charakter und ihre Eigenschaften – besonders auf die Eigenschaften, die auch den Schöpfer auszeichnen.

Söhne Israels: Oder „Volk Israel“, „Israeliten“. (Siehe Worterklärungen zu „Israel“.)

Stamm: Oder „Baum“. Hier wird das griechische Wort xýlon (wtl. „Holz“) als Synonym für staurós (mit „Marterpfahl“ übersetzt) verwendet. Es beschreibt das Hinrichtungsinstrument, an dem Jesus starb. Lukas, Paulus und Petrus gebrauchen xýlon insgesamt fünf Mal in diesem Sinn (Apg 5:30; 10:39; 13:29; Gal 3:13; 1Pe 2:24). In der Septuaginta erscheint xýlon in 5Mo 21:22, 23 als Entsprechung für das hebräische Wort ʽez („Baum“, „Holz“, „Holzstück“) in dem Satzteil „du hast ihn an einen Stamm gehängt“. Paulus zitiert diese Schriftstelle in Gal 3:13 und verwendet dort ebenfalls das Wort xýlon, wenn er schreibt: „Verflucht ist jeder, der an einem Stamm hängt.“ xýlon ist in der Septuaginta außerdem in Esr 6:11 zu finden, wo es das aramäische Wort ʼaʽ wiedergibt, das wiederum dem hebräischen ʽez entspricht. Dort geht es darum, wie jemand bestraft werden soll, der gegen eine bestimmte Anordnung des persischen Königs verstößt: „Er wird hochgehoben und an einem Balken, der aus seinem Haus gerissen wurde, befestigt werden.“ Die Tatsache, dass Bibelschreiber xýlon als Synonym für staurós verwenden, ist ein Indiz dafür, dass Jesus an einem aufrecht stehenden Stamm ohne Querbalken hingerichtet wurde – denn das ist hier die Bedeutung von xýlon.

Stamm: Siehe Anm. zu Apg 5:30.

Schlüssel des Königreiches des Himmels: Jemandem Schlüssel zu übergeben, ob buchstäblich oder im übertragenen Sinn, bedeutet in der Bibel, ihm ein gewisses Maß an Autorität zu verleihen (1Ch 9:26, 27; Jes 22:20-22). Der Ausdruck „Schlüssel“ wurde somit zu einem Symbol für Autorität und Verantwortung. Petrus benutzte die ihm anvertrauten Schlüssel, um den Juden (Apg 2:22-41), den Samaritern (Apg 8:14-17) und den Nichtjuden (Apg 10:34-38) die Möglichkeit zu eröffnen, Gottes Geist zu erhalten und damit die Aussicht, in das himmlische Königreich zu gelangen.

kam der heilige Geist auf alle, die das Wort Gottes hörten: Das ist der einzige in der Bibel erwähnte Fall, wo Gläubige schon vor ihrer Taufe den heiligen Geist erhielten. Petrus trug hier wesentlich zur Bekehrung von Kornelius und dessen Familie bei, die alle keine Juden waren, und gebrauchte so den dritten „Schlüssel des Königreiches des Himmels“. Dadurch dehnte er das Predigtwerk auf die gewaltige Menge an Nichtjuden aus – also auf alle, die keine Juden oder jüdischen Proselyten und auch keine Samariter waren – und eröffnete ihnen so die Aussicht, in Gottes Königreich zu gelangen. Mit dem ersten Schlüssel hatte Petrus diese Aussicht den Juden und den jüdischen Proselyten eröffnet, mit dem zweiten Schlüssel den Samaritern (Apg 2:22-41; 8:14-17; siehe Anm. zu Mat 16:19).

beschnittenen Gläubigen: Oder „beschnittenen Treuen“. Damit sind Judenchristen gemeint (Apg 10:23).

Sprachen: Oder „Zungen“. In der Bibel kann sich das griechische Wort glṓssa auf die Zunge als Sprechorgan beziehen (Mar 7:33; Luk 1:64; 16:24). Es kann aber auch übertragen eine Sprache meinen oder ein Volk, das eine bestimmte Sprache spricht (Off 5:9, Fn.; 7:9, Fn.; 13:7, Fn.). glṓssa steht auch in Apg 2:3, wo beschrieben wird, dass „Zungen wie aus Feuer“ sichtbar wurden und sich auf den einzelnen Jüngern niederließen. Durch das Erscheinen der Zungen und dadurch, dass die Jünger in verschiedenen Zungen oder Sprachen sprechen konnten, wurde deutlich, dass der heilige Geist ausgegossen worden war.

in fremden Sprachen: Wtl. „in Zungen“. Dieses Wunder war ein klar erkennbares Zeichen dafür, dass Gott nun auch Nichtjuden zu Leben im Himmel berief. Genau wie zu Pfingsten 33 zeigte Jehova durch seinen heiligen Geist unmissverständlich, dass er hinter der Neuerung stand. Dieses Zeichen war sowohl sichtbar als auch hörbar. (Siehe Anm. zu Apg 2:4.)

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