Nach Markus 15:1-47

15  Sofort bei Tagesanbruch berieten sich die Oberpriester, die Ältesten und die Schriftgelehrten, ja der ganze Sanhedrịn miteinander.+ Dann führte man Jesus gefesselt ab und übergab ihn Pilạtus.+  Als Pilạtus ihn fragte: „Bist du der König der Juden?“, antwortete+ er: „Du hast es selbst gesagt.“+  Doch die Oberpriester brachten viele Anklagen gegen ihn vor.+  Da befragte ihn Pilạtus noch einmal: „Hast du keine Antwort vorzubringen?+ Du siehst doch, was sie dir alles vorwerfen.“+  Jesus gab jedoch keine weitere Antwort, was Pilạtus sehr wunderte.+  Beim Fest ließ er jeweils* einen Gefangenen frei, den das Volk bestimmen durfte.+  Damals saß ein gewisser Bạrabbas zusammen mit Aufrührern im Gefängnis, die bei ihrem Aufstand einen Mord begangen hatten.  Die Leute kamen nun und baten darum, dass Pilạtus wie üblich vorging.  Er erwiderte: „Wollt ihr, dass ich den König der Juden freilasse?“+ 10  Pilạtus war nämlich klar, dass die Oberpriester ihn aus Neid ausgeliefert hatten.+ 11  Doch die Oberpriester hetzten die Menge auf, lieber die Freilassung von Bạrabbas zu verlangen.+ 12  Wieder wandte sich Pilạtus an das Volk: „Und was soll ich mit dem machen, den ihr König der Juden nennt?“+ 13  Und wieder schrien sie: „An den Pfahl mit ihm!“*+ 14  „Warum? Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?“, fragte Pilạtus weiter. Doch sie schrien nur noch lauter: „An den Pfahl mit ihm!“*+ 15  Pilạtus ließ Bạrabbas also frei, um die Menge zufriedenzustellen, und gab den Befehl, Jesus auszupeitschen+ und zur Hinrichtung am Pfahl abzuführen.+ 16  Die Soldaten brachten Jesus nun in den Hof des Prätoriums und riefen die ganze Truppeneinheit zusammen.+ 17  Sie kleideten ihn in Purpur, flochten eine Dornenkrone, setzten sie ihm auf+ 18  und fingen an, ihm zuzurufen: „Sei gegrüßt, du König der Juden!“ 19  Auch schlugen sie ihm mit einem Schilfrohr auf den Kopf, spuckten ihn an, fielen auf die Knie und verbeugten sich vor ihm. 20  Nachdem sie sich über ihn lustig gemacht hatten, nahmen sie ihm das purpurrote Gewand ab, zogen ihm seine Obergewänder wieder an und führten ihn hinaus, um ihn an den Pfahl zu nageln.+ 21  Ein gewisser Sịmon aus Kyrẹne, der Vater von Alexander und Rụfus, der von den Feldern kam und gerade vorbeiging, wurde zwangsverpflichtet, den Marterpfahl zu tragen*.+ 22  Sie brachten Jesus an die Stelle, die Gọlgotha genannt wird, was übersetzt „Schädelstätte“ bedeutet.+ 23  Hier versuchten sie, ihm Wein mit Myrrhe als betäubendem Zusatz zu geben,+ doch er nahm ihn nicht. 24  Sie nagelten ihn an den Pfahl und verteilten seine Obergewänder, indem sie Lose warfen, um zu entscheiden, wer was bekommen sollte.+ 25  Es war die 3. Stunde, als sie ihn an den Pfahl brachten. 26  Auf einem Schild stand der Anklagegrund. Die Aufschrift lautete: „Der König der Juden.“+ 27  Außerdem schlugen sie zwei Räuber neben ihm an den Pfahl, einen rechts und einen links von ihm.+ 28  –– 29  Die Leute, die vorbeigingen, redeten abfällig über Jesus, schüttelten den Kopf+ und sagten: „Ha! Du wolltest doch den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen!+ 30  Dann rette dich selbst und komm vom Marterpfahl herunter!“ 31  Genauso machten sich die Oberpriester und die Schriftgelehrten untereinander über ihn lustig und sagten: „Andere hat er gerettet, aber sich selbst kann er nicht retten!+ 32  Der Christus, der König von Israel, soll jetzt vom Marterpfahl herunterkommen, damit wir es sehen und glauben können!“+ Auch die Männer, die neben ihm am Pfahl hingen, beleidigten ihn.+ 33  Als die 6. Stunde kam, brach über das ganze Land* eine Finsternis herein, die bis zur 9. Stunde anhielt.+ 34  Zur 9. Stunde rief Jesus laut: „Ẹli, Ẹli, lamá sabachtháni?“, was übersetzt bedeutet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“+ 35  Einige, die dabeistanden und das hörten, sagten: „Seht mal! Er ruft Elịa.“ 36  Dann rannte einer los, tauchte einen Schwamm in sauren Wein, steckte ihn an ein Schilfrohr, hielt ihn Jesus zum Trinken hin+ und sagte: „Lasst! Wir wollen sehen, ob Elịa kommt und ihn herunterholt.“ 37  Doch Jesus stieß einen lauten Schrei aus und starb.+ 38  Und der Vorhang des Heiligtums+ wurde von oben bis unten entzweigerissen.+ 39  Als nun der Offizier, der Jesus gegenüberstand, sah, unter welchen Umständen er starb, sagte er: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn*.“+ 40  Auch sahen einige Frauen von Weitem zu, darunter Maria Magdalẹne und Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleineren und von Jọses, sowie Sạlome.+ 41  Sie hatten Jesus in Galilạ̈a begleitet und für ihn gesorgt*.+ Es waren auch noch viele andere Frauen da, die mit ihm zusammen nach Jerusalem gekommen waren. 42  Da es nun schon später Nachmittag war und außerdem Vorbereitungstag – das ist der Tag vor dem Sabbat –, 43  nahm Joseph von Arimathịa, ein angesehenes Mitglied des Hohen Rates, der ebenfalls auf Gottes Königreich wartete, seinen Mut zusammen, ging zu Pilạtus und bat ihn um den Leichnam von Jesus.+ 44  Pilạtus wunderte sich allerdings, wie Jesus schon tot sein konnte. Also rief er den Offizier und fragte ihn, ob das stimmte. 45  Als der Offizier es ihm bestätigte, überließ er Joseph den Leichnam. 46  Joseph kaufte feines Leinen, nahm den Leichnam herunter, wickelte ihn in den Stoff ein und legte ihn in ein Grab,+ das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Grabeingang.+ 47  Maria Magdalẹne und Maria, die Mutter von Jọses, schauten weiter auf die Stelle, wo der Leichnam hingelegt worden war.+

Fußnoten

Oder „Bei jedem Fest ließ er“.
Oder „Richte ihn am Pfahl hin!“.
Oder „Richte ihn am Pfahl hin!“.
Oder „hochzuheben“.
Wtl. „Erde“.
Evtl. auch „ein Sohn Gottes“, „der Sohn eines Gottes“.
Wtl. „und ihm gedient“.

Studienanmerkungen

Sanhedrin: Gemeint ist hier der Hohe Rat der Juden in Jerusalem. Das mit „Sanhedrin“ wiedergegebene griechische Substantiv synédrion bedeutet wtl. „Zusammensitzen“. synédrion war an sich ein allgemeiner Begriff für eine Versammlung oder eine Zusammenkunft, konnte sich in Israel aber auch auf ein religiöses Gericht beziehen. (Siehe Anm. zu Mat 5:22 und Worterklärungen; siehe auch Anh. B12 zur möglichen Lage des Saals des Sanhedrins.)

Sanhedrin: Siehe Anm. zu Mat 26:59.

Pilatus: Pontius Pilatus wurde 26 u. Z. von Kaiser Tiberius zum Statthalter (Präfekten) von Judäa ernannt und blieb etwa zehn Jahre im Amt. Pilatus wird auch in außerbiblischen Quellen erwähnt. So schrieb z. B. der römische Geschichtsschreiber Tacitus, dass Pilatus während der Regierungszeit des Tiberius die Hinrichtung von Christus anordnete. Und in Cäsarea (Israel) hat man in einem Theater aus der Römerzeit folgende lateinische Inschrift gefunden: „Pontius Pilatus, Präfekt von Judäa“. (Zum Herrschaftsbereich von Pontius Pilatus siehe Anh. B10.)

Bist du der König der Juden?: Im Römischen Reich konnte ein König nur mit Zustimmung des römischen Kaisers regieren. Wie es scheint, konzentrierte sich Pilatus deshalb bei dem Verhör auf die Frage, ob Jesus ein König ist.

Du hast es selbst gesagt: Durch diese Antwort bejahte Jesus offensichtlich die Frage von Pilatus. (Vgl. Anm. zu Mat 26:25, 64.) Er bestätigte, wirklich ein König zu sein, allerdings in einem anderen Sinn, als Pilatus dachte: Jesu Königreich ist „kein Teil dieser Welt“ und damit war es auch keine Bedrohung für Rom (Joh 18:33-37).

Bist du der König der Juden?: Siehe Anm. zu Mat 27:11.

Du hast es selbst gesagt: Siehe Anm. zu Mat 27:11.

Beim Fest ließ er jeweils einen Gefangenen frei: Dieser Brauch wird von allen vier Evangelisten erwähnt (Mat 27:15-23; Luk 23:16-25; Joh 18:39, 40). In den Hebräischen Schriften gibt es keinen Hinweis auf einen solchen Brauch. Doch wie es scheint, hatte er sich bis zur Zeit Jesu bei den Juden eingebürgert. Für die Römer dürfte dieser Brauch nichts Ungewöhnliches gewesen sein, denn es gibt Belege dafür, dass sie Gefangene freiließen, um sich beim Volk beliebt zu machen.

Und wieder: Wie aus Luk 23:18-23 hervorgeht, forderten die Leute Pilatus mindestens drei Mal lautstark auf, Jesus hinzurichten. Und gemäß dem Bericht von Markus stellte Pilatus dem Volk drei Mal eine Frage, die Jesus betraf (Mar 15:9, 12, 14).

auszupeitschen: Die Römer verwendeten zum Auspeitschen ein Folterinstrument, das auf Lateinisch flagellum hieß. Von diesem Wort ist das hier verwendete griechische Verb phragellóō („auspeitschen“) abgeleitet. Die Peitsche hatte einen Griff, an dem mehrere Stricke oder geflochtene Lederriemen befestigt waren. In die Riemen waren manchmal spitze Knochen oder Metallstückchen eingearbeitet, um die Schläge noch schmerzhafter zu machen. Das Auspeitschen verursachte starke Quetschungen, zerfetzte das Fleisch und konnte sogar zum Tod führen.

auszupeitschen: Siehe Anm. zu Mat 27:26.

Prätorium: Der griechische Ausdruck praitṓrion (von dem lateinischen praetorium) bezeichnete die offizielle Residenz der römischen Statthalter. In Jerusalem diente wahrscheinlich der von Herodes dem Großen erbaute Palast als Residenz. Er lag an der NW-Ecke der Oberstadt im südlichen Teil von Jerusalem. (Zur Lage des Prätoriums siehe Anh. B12.) Pilatus hielt sich in Jerusalem nur zu besonderen Anlässen wie Festen auf, weil es in der Stadt leicht zu Unruhen kommen konnte. Die meiste Zeit residierte er in Cäsarea.

Prätoriums: Siehe Anm. zu Mat 27:27.

Sie kleideten ihn in Purpur: Das taten die Soldaten, um Jesus lächerlich zu machen und über sein Königtum zu spotten. Laut dem Matthäusevangelium (27:28) hängten sie Jesus einen „scharlachroten Mantel“ um. Solche Kleidungsstücke wurden normalerweise von Königen, Magistraten und Offizieren getragen. Markus und Johannes beschreiben das Kleidungsstück nicht als scharlachrot, sondern als purpurfarben (Joh 19:2). Allerdings wurden im Altertum mit Purpur alle Farbtöne beschrieben, die eine Mischung aus Rot und Blau waren. Außerdem könnten Blickwinkel, Lichtreflexionen und Hintergrund die Wahrnehmung des Betrachters beeinflusst haben. Die Tatsache, dass die Evangelisten unterschiedliche Farbnuancen erwähnten, zeigt, dass sie nicht einfach voneinander abschrieben.

Dornenkrone: Die Soldaten verspotteten Jesus, indem sie ihn außer mit einem purpurroten Gewand auch noch mit anderen „Insignien“ eines Königs ausstatteten: mit einem Dornenkranz als Krone und einem Schilfrohr als Zepter (Mat 27:29).

Sei gegrüßt, du König der Juden!: Oder „Es lebe der König der Juden!“. Wtl. „Freu dich, König der Juden!“. Die Soldaten grüßten Jesus so, wie sie den römischen Kaiser gegrüßt hätten. Sie machten sich offensichtlich über seine Behauptung lustig, ein König zu sein.

Sei gegrüßt: Siehe Anm. zu Mat 27:29.

anspucken: Jemanden anzuspucken oder ihm sogar ins Gesicht zu spucken galt als Zeichen von tiefster Verachtung, Feindseligkeit oder Wut und sollte den Betreffenden demütigen (4Mo 12:14; 5Mo 25:9). Wie Jesus hier erklärte, würde er selbst angespuckt werden. Dadurch erfüllte sich folgende Prophezeiung über den Messias: „Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Demütigungen und Speichel“ (Jes 50:6). Jesus wurde angespuckt, als er vor dem Sanhedrin stand (Mar 14:65), und nach seiner Verhandlung bei Pilatus spuckten ihn römische Soldaten an (Mar 15:19).

unsere Ehrerbietung zu erweisen: Oder „ihm zu huldigen“, „uns vor ihm zu verbeugen“. Wenn sich das griechische Verb proskynéō auf die Verehrung eines Gottes oder einer Gottheit bezieht, wird es mit „anbeten“ übersetzt. In diesem Kontext fragten die Astrologen jedoch nach dem „König der Juden, der geboren worden ist“. Hier ging es also darum, einem menschlichen König – nicht einem Gott – Ehre zu erweisen. In Mar 15:18, 19 wird das griechische Wort ähnlich verwendet; dort wird es für die Soldaten gebraucht, die sich spöttisch vor Jesus „verbeugten“ und ihn „König der Juden“ nannten. (Siehe Anm. zu Mat 18:26.)

spuckten ihn an: Durch diese verächtliche Behandlung erfüllte sich sowohl Jesu eigene Voraussage (Mar 10:34) als auch die Prophezeiung über den Messias aus Jes 50:6. (Siehe Anm. zu Mar 10:34.)

verbeugten sich vor ihm: Oder „huldigten ihm“, „erwiesen ihm ihre Ehrerbietung“. Hier ist im Urtext mit dem griechischen Verb proskynéō gemeint, dass sich die Soldaten spöttisch vor Jesus verbeugten; dabei nannten sie ihn „König der Juden“ (Mar 15:18; siehe Anm. zu Mat 2:2).

an einem Pfahl hingerichtet wird: Oder „an einem Pfahl (Stamm) befestigt wird“. Das ist die erste von über 40 Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften, wo das Verb stauróō vorkommt. Das entsprechende griechische Substantiv staurós wird mit „Marterpfahl“ wiedergegeben. (Siehe Anm. zu Mat 10:38; 16:24; 27:32 und Worterklärungen zu „Marterpfahl“, „Pfahl; Stamm“.) Die Septuaginta verwendet das Verb stauróō in Est 7:9 in Verbindung mit dem Befehl, Haman an einen mehr als 20 m hohen Stamm zu hängen. Im klassischen Griechisch bedeutet stauróō „Pfähle einschlagen“, „mit Pfählen einzäunen“, „ein Pfahlwerk (eine Palisade) errichten“.

an den Pfahl zu nageln: Oder „an einem Pfahl (Stamm) zu befestigen“. (Siehe Anm. zu Mat 20:19 und Worterklärungen zu „Pfahl; Stamm“; „Marterpfahl“.)

Kyrene: Eine Stadt an der nordafrikanischen Küste südwestlich der Insel Kreta. (Siehe Anh. B13.)

dich jemand ... zwangsverpflichtet: Ein Hinweis darauf, dass man im Römischen Reich zu bestimmten Arbeiten gezwungen werden konnte. Die Römer konnten z. B. Menschen und Tiere zu bestimmten Diensten heranziehen oder etwas beschlagnahmen, was ihnen nützlich erschien, um staatliche Aufträge und Aufgaben schneller zu erledigen. Simon von Kyrene beispielsweise wurde von römischen Soldaten „zwangsverpflichtet“, Jesu Marterpfahl zu tragen (Mat 27:32).

Marterpfahl: Oder „Hinrichtungspfahl“. (Siehe Worterklärungen zu „Marterpfahl“, „Pfahl; Stamm“; siehe auch Anm. zu Mat 10:38 und 16:24, wo der Ausdruck übertragen gebraucht wird.)

Kyrene: Siehe Anm. zu Mat 27:32.

der Vater von Alexander und Rufus: Diese Information über Simon aus Kyrene steht nur bei Markus.

zwangsverpflichtet: Im Römischen Reich konnte man zu bestimmten Arbeiten gezwungen werden. Die Römer konnten z. B. Menschen und Tiere zu bestimmten Diensten heranziehen oder etwas beschlagnahmen, was ihnen nützlich erschien, um staatliche Aufträge schneller zu erledigen. (Siehe Anm. zu Mat 5:41.)

Marterpfahl: Siehe Anm. zu Mat 27:32.

Golgotha: Von dem hebräischen Wort gulgóleth, das „Schädel“ bedeutet. (Siehe Joh 19:17; vgl. Ri 9:53, wo im hebräischen Urtext gulgóleth steht.) Zur Zeit Jesu befand sich Golgotha außerhalb der Stadtmauern von Jerusalem, die genaue Lage ist allerdings unbekannt. (Siehe Anh. B12.) Es gibt die Vorstellung, Golgotha habe auf einem Hügel gelegen, doch die Bibel sagt darüber nichts. Es heißt lediglich, dass etliche Personen der Hinrichtung aus einiger Entfernung zusahen (Mar 15:40; Luk 23:49).

Golgotha: Siehe Anm. zu Mat 27:33.

Schädelstätte: Mit dem griechischen Ausdruck Kraníou Tópos wird das hebräischstämmige Wort Golgotha wiedergegeben. (Siehe Joh 19:17 und Anm. zu Golgotha in diesem Vers.) Im Deutschen kennt man auch die Bezeichnung „Kalvarienberg“. Sie ist von calvaria abgeleitet, dem lateinischen Wort für „Schädel“, das in der Vulgata an dieser Stelle steht.

Galle: Das griechische Wort cholḗ bezieht sich hier auf eine aus Pflanzen gewonnene bittere Flüssigkeit oder allgemein auf etwas Bitteres. Um zu zeigen, dass sich durch diese Geschehnisse eine Prophezeiung erfüllte, zitierte Matthäus Ps 69:21, wo in der Septuaginta das Wort cholḗ für das hebräische Wort für „Gift“ steht. Anscheinend hatten Frauen aus Jerusalem den Wein mit dem bitteren Zusatz vermischt. Er sollte den zum Tod Verurteilten verabreicht werden, um ihre Schmerzen zu betäuben, und die Römer hatten offensichtlich nichts dagegen. Im Paralleltext Mar 15:23 heißt es, der Wein sei mit Myrrhe versetzt gewesen. Der Wein enthielt also neben dem bitteren Zusatz offensichtlich auch noch Myrrhe.

Wein mit Myrrhe als betäubendem Zusatz: In dem Paralleltext Mat 27:34 heißt es, dass es sich um „mit Galle vermischten Wein“ handelte. Anscheinend enthielt der Wein sowohl Myrrhe als auch bittere Galle und sollte die Schmerzen erträglicher machen. (Siehe Anm. zu er nahm ihn nicht in diesem Vers und Anm. zu Mat 27:34.)

er nahm ihn nicht: Offensichtlich wollte Jesus während dieser Prüfung seines Glaubens bei vollem Bewusstsein bleiben.

verteilten seine Obergewänder: In Joh 19:23, 24 werden zusätzlich Details erwähnt, die in Matthäus, Markus und Lukas nicht zu finden sind. Zusammengenommen ergeben die vier Evangelienberichte folgendes Bild: Die römischen Soldaten verlosten offensichtlich sowohl Jesu Obergewänder als auch sein Untergewand; sie teilten die Obergewänder „in vier Stücke, für jeden Soldaten eins“; sie wollten das Untergewand nicht zerreißen, weshalb sie es als Ganzes verlosten; dadurch erfüllte sich Ps 22:18, wo vorausgesagt worden war, dass die Kleidung des Messias durch das Los verteilt würde. Bei Hinrichtungen war es offenbar üblich, dass die Soldaten die Kleidung des Verurteilten behielten. Deshalb zogen sie ihm vorher die Kleidung aus und nahmen ihm alles weg, was er besaß. Das machte die Hinrichtung noch demütigender.

verteilten seine Obergewänder: Siehe Anm. zu Mat 27:35.

Lose warfen: Siehe Worterklärungen zu „Los“.

die 3. Stunde: D. h. gegen 9 Uhr morgens. Einige sehen in dieser Zeitangabe einen Widerspruch zu Joh 19:14-16. Dort heißt es, der römische Statthalter Pontius Pilatus habe Jesus „um die 6. Stunde“ zur Hinrichtung abführen lassen. Aus der Bibel geht nicht eindeutig hervor, warum es diesen Unterschied gibt. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Zeitangaben der verschiedenen Ereignisse an Jesu letztem Tag in allen vier Evangelien übereinstimmen. In jedem der Berichte wird erwähnt, dass sich die Priester und Ältesten nach Tagesanbruch trafen und Jesus anschließend zu Pilatus bringen ließen (Mat 27:1, 2; Mar 15:1; Luk 22:66 bis 23:1; Joh 18:28). Sowohl Matthäus als auch Markus und Lukas berichten, dass Jesus bereits am Pfahl hing, als „um die 6. Stunde“ über das ganze Land eine Finsternis hereinbrach, die „bis zur 9. Stunde anhielt“ (Mat 27:45, 46; Mar 15:33, 34; Luk 23:44). Bei der Frage, wann Jesu Hinrichtung begann, könnte Folgendes eine Rolle gespielt haben: Von einigen wurde schon das Auspeitschen als Teil der Hinrichtung betrachtet. Manchmal starben die Verurteilten sogar dabei. Bei Jesus war diese Folter so brutal, dass er seinen Marterpfahl nicht den gesamten Weg zum Hinrichtungsort tragen konnte; ein anderer Mann musste den Pfahl die restliche Strecke tragen (Luk 23:26; Joh 19:17). Wenn man das Auspeitschen als den Beginn der Hinrichtung ansieht, hätte sie schon einige Zeit angedauert, ehe Jesus tatsächlich an den Pfahl genagelt wurde. Gestützt wird diese Ansicht sowohl durch Mat 27:26 als auch durch Mar 15:15, wo das Auspeitschen zusammen mit der Hinrichtung am Pfahl erwähnt wird. Man konnte also unterschiedliche Zeitpunkte für die Hinrichtung angeben, je nachdem, was man als den Beginn des Hinrichtungsprozesses ansah. Interessanterweise war der römische Statthalter Pontius Pilatus erstaunt, dass Jesus nach so kurzer Zeit schon tot war (Mar 15:44). Aus seiner Sicht hatte die Hinrichtung womöglich erst mit dem Anbringen an den Pfahl begonnen. Ein weiterer Faktor ist die Zeiteinteilung. Damals war es üblich, Tag und Nacht in vier Abschnitte von jeweils drei Stunden zu unterteilen. Deswegen sprachen die Bibelschreiber oft von der 3., 6. und 9. Stunde des Tages, wobei sie vom Sonnenaufgang um etwa 6 Uhr morgens an rechneten (Mat 20:1-5; Joh 4:6; Apg 2:15; 3:1; 10:3, 9, 30). Hinzu kommt, dass die Menschen im Allgemeinen keine genauen Zeitmesser hatten. Wenn man also Zeitangaben machte, gebrauchte man häufig relativierende Wörter wie „um“; so auch in Joh 19:14 (Mat 27:46; Luk 23:44; Joh 4:6; Apg 10:3, 9). Zusammenfassend lässt sich sagen: Markus könnte zur Hinrichtung nicht nur das Anbringen am Pfahl, sondern auch das Auspeitschen gezählt haben, während sich Johannes nur auf das Anbringen am Pfahl bezog. Außerdem könnten beide Schreiber die Tageszeit auf den nächstliegenden Drei-Stunden-Abschnitt auf- bzw. abgerundet haben; dabei schränkte Johannes seine Zeitangabe durch ein „um“ ein. Diese Faktoren würden erklären, warum in den Berichten unterschiedliche Zeitangaben gemacht wurden. Und letztlich zeigt diese scheinbare Abweichung: Johannes, der seinen Bericht viele Jahre nach Markus verfasste, hat nicht von diesem abgeschrieben.

Räuber: Oder „Banditen“. Das griechische Wort lēstḗs kann sich auf gewalttätige Räuber und mitunter auch auf Revolutionäre beziehen. Derselbe Ausdruck wird für Barabbas gebraucht (Joh 18:40), der laut Luk 23:19 „wegen eines Aufstands“ und „wegen Mord“ im Gefängnis saß. In den Paralleltexten Luk 23:32, 33, 39 werden die Männer als „Verbrecher“ bezeichnet. Im griechischen Urtext steht dort kakoúrgos, was eine Person bezeichnet, die etwas Schlechtes oder Böses treibt.

Räuber: Siehe Anm. zu Mat 27:38.

Ein paar spätere Handschriften enthalten an dieser Stelle den Satz: „Und die Schrift wurde erfüllt, die sagt: ‚Und er wurde unter die Gesetzlosen gerechnet.‘“ Hierbei handelt es sich um ein Zitat aus Jes 53:12. Der Satz erscheint jedoch nicht in den ältesten und zuverlässigsten Handschriften und gehört offensichtlich nicht zum Originaltext von Markus. Eine ähnliche Formulierung findet man im inspirierten Text in Luk 22:37. Einige vertreten die Ansicht, dass ein Abschreiber den Text aus Lukas in den Bericht von Markus einfügt hat. (Siehe Anh. A3.)

schüttelten den Kopf: Diese Geste, normalerweise in Verbindung mit spöttischen Bemerkungen, war ein Ausdruck von Hohn und Verachtung. Die Passanten erfüllten dadurch unbewusst die Prophezeiung aus Ps 22:7.

schüttelten den Kopf: Siehe Anm. zu Mat 27:39.

Marterpfahl: Oder „Hinrichtungspfahl“. (Siehe Worterklärungen zu „Marterpfahl“, „Pfahl; Stamm“; siehe auch Anm. zu Mat 10:38 und 16:24, wo der Ausdruck übertragen gebraucht wird.)

Marterpfahl: Siehe Anm. zu Mat 27:32.

Marterpfahl: Oder „Hinrichtungspfahl“. (Siehe Worterklärungen zu „Marterpfahl“, „Pfahl; Stamm“; siehe auch Anm. zu Mat 10:38 und 16:24, wo der Ausdruck übertragen gebraucht wird.)

Marterpfahl: Siehe Anm. zu Mat 27:32.

um die 3. Stunde: D. h. gegen 9 Uhr. Im 1. Jh. u. Z. teilten die Juden den Tag in 12 Stunden ein und begannen bei Sonnenaufgang, also ab ca. 6 Uhr, zu zählen (Joh 11:9). Damit wäre die 3. Stunde gegen 9 Uhr gewesen, die 6. Stunde gegen Mittag und die 9. Stunde um etwa 15 Uhr. Da die Menschen damals keine exakten Zeitmesser hatten, konnten sie in der Regel nur ungefähre Zeitangaben machen (Joh 1:39; 4:6; 19:14; Apg 10:3, 9).

um die 3. Stunde: D. h. gegen 9 Uhr. Im 1. Jh. u. Z. teilten die Juden den Tag in 12 Stunden ein und begannen bei Sonnenaufgang, also ab ca. 6 Uhr, zu zählen (Joh 11:9). Damit wäre die 3. Stunde gegen 9 Uhr gewesen, die 6. Stunde gegen Mittag und die 9. Stunde um etwa 15 Uhr. Da die Menschen damals keine exakten Zeitmesser hatten, konnten sie in der Regel nur ungefähre Zeitangaben machen (Joh 1:39; 4:6; 19:14; Apg 10:3, 9).

die 6. Stunde: D. h. gegen Mittag. (Siehe Anm. zu Mat 20:3.)

Finsternis: Der Paralleltext in Lukas enthält noch die Information, dass „das Sonnenlicht weg war“ (Luk 23:44, 45). Diese Finsternis war ein Wunder und wurde von Gott verursacht. Es kann sich nicht um eine Sonnenfinsternis gehandelt haben, da zur Passahzeit Vollmond ist und dieses Phänomen nur bei Neumond auftritt. Außerdem dauerte die Finsternis drei Stunden, die längstmögliche Sonnenfinsternis dagegen dauert weniger als acht Minuten.

bis zur 9. Stunde: D. h. bis gegen 15 Uhr. (Siehe Anm. zu Mat 20:3.)

Eli, Eli, lama sabachthani?: Es gibt Vermutungen, dass Jesus diese Worte auf Aramäisch sagte. Wahrscheinlicher ist aber, dass er sie in dem damals üblichen Hebräisch sprach, das leicht vom Aramäischen beeinflusst war. Die griechische Transliteration im Matthäus- und Markusevangelium lässt nicht erkennen, in welcher Sprache Jesus diese Worte äußerte.

Mein Gott, mein Gott: Durch diesen Ausruf, den Jesus an seinen himmlischen Vater richtete, erkannte er ihn als seinen Gott an und erfüllte Ps 22:1. Als die Umstehenden seinen qualvollen Ausruf hörten, wurden sie vielleicht auch an die vielen anderen Voraussagen über den Messias in Ps 22 erinnert: Man würde sich über ihn lustig machen und ihn verspotten, ihn an Händen und Füßen angreifen und seine Kleidung verlosen (Ps 22:6-8, 16, 18).

Eli, Eli, lama sabachthani?: Siehe Anm. zu Mat 27:46.

Mein Gott, mein Gott: Siehe Anm. zu Mat 27:46.

Elia: Dieser hebräische Name bedeutet „Mein Gott ist Jehova“.

sauren Wein: Oder „Weinessig“ (griechisch óxos). Wahrscheinlich handelte es sich um einen dünnen herben oder sauren Wein. Er war billig und wurde gewöhnlich von armen Leuten, einschließlich der römischen Soldaten, gegen den Durst getrunken. Auf Latein wurde er acetum („Essig“) genannt oder posca, wenn er mit Wasser verdünnt war. In der Septuaginta steht das griechische Wort óxos in Ps 69:21, wo vorausgesagt worden war, dass man dem Messias „Essig“ anbieten würde.

Schilfrohr: Oder „Stab“, „Stock“. In dem Bericht von Johannes ist von einem Ysopstängel die Rede (Joh 19:29; siehe Worterklärungen zu „Ysop“).

sauren Wein: Siehe Anm. zu Mat 27:48.

Schilfrohr: Siehe Anm. zu Mat 27:48.

starb: Oder „hauchte seinen letzten Atem aus“.

Vorhang: Dieser schön verzierte, schwere Vorhang trennte im Tempel das Allerheiligste vom Heiligen. Gemäß jüdischer Überlieferung war er ca. 18 m hoch, 9 m breit und 7,4 cm dick. Durch das Entzweireißen des Vorhangs brachte Jehova nicht nur seinen Zorn über die Mörder seines Sohnes zum Ausdruck, sondern machte zugleich deutlich, dass von nun an der Weg in den Himmel offenstand (Heb 10:19, 20; siehe Worterklärungen).

des Heiligtums: Das griechische Wort naós bezieht sich hier auf das zentrale Gebäude im Tempelkomplex, in dem sich das Heilige und das Allerheiligste befanden.

Vorhang: Siehe Anm. zu Mat 27:51.

des Heiligtums: Siehe Anm. zu Mat 27:51.

Leibwächter: Der hier verwendete griechische Ausdruck spekoulatṓr ist von dem lateinischen Wort speculator abgeleitet. Es kann einen Leibwächter, einen Boten oder manchmal auch einen Henker bezeichnen. In den Christlichen Griechischen Schriften, vor allem im Markus- und Matthäusevangelium, finden sich aus den Bereichen Militär, Recht, Finanzen und Haushalt etwa 30 Lehnwörter aus dem Lateinischen. Markus verwendet mehr solche Lehnwörter als alle anderen Bibelschreiber. Das stützt die Ansicht, dass er sein Evangelium in Rom geschrieben hat, und zwar für eine nichtjüdische Leserschaft, insbesondere für Römer. (Siehe Anm. zu Joh 19:20.)

Offizier: Oder „Zenturio“, d. h. ein Befehlshaber im römischen Heer, der etwa 100 Soldaten unter sich hatte. Dieser hochrangige Offizier hatte möglicherweise Jesu Verhör vor Pilatus mitverfolgt und die Juden sagen hören, Jesus würde sich als Gottes Sohn bezeichnen (Mar 15:16; Joh 19:7). Markus verwendet hier und auch in Mar 15:44, 45 das griechische Wort kentyríōn, ein Lehnwort aus dem Lateinischen. (Siehe „Einführung in Markus“ und Anm. zu Mar 6:27; Joh 19:20.)

Maria Magdalene: Marias Beiname Magdalene bedeutet „aus Magdala“ oder „Magdalenerin“. Er hat vermutlich mit dem Ort Magdala zu tun, der auf halbem Weg zwischen Kapernaum und Tiberias am W-Ufer des Sees von Galiläa lag. Möglicherweise stammte Maria aus Magdala oder wohnte dort. (Siehe Anm. zu Mat 15:39; Luk 8:2.)

Maria Magdalene: Siehe Anm. zu Mat 27:56.

Jakobus dem Kleineren: Oder „Jakobus dem Geringeren“. Einer der Apostel Jesu und der Sohn von Alphäus (Mat 10:2, 3; Mar 3:18; Luk 6:15; Apg 1:13). Der Zusatz „der Kleinere“ könnte darauf hindeuten, dass er entweder jünger oder kleiner war als der andere Apostel Jakobus, dessen Vater Zebedäus hieß.

Joses: Eine Kurzform des hebräischen Namens Josiphja, der „Möge Jah hinzufügen (vermehren)“ oder „Jah hat hinzugefügt (vermehrt)“ bedeutet. Einige wenige Manuskripte sagen hier zwar „Joseph“, doch in den meisten alten Handschriften steht „Joses“. (Vgl. den Parallelvers Mat 27:56.)

Salome: Der Name ist wahrscheinlich von einem hebräischen Wort abgeleitet, das „Frieden“ bedeutet. Salome war eine Jüngerin von Jesus. Wie ein Vergleich von Mat 27:56 mit Mar 3:17 und 15:40 zeigt, könnte sie die Mutter der Apostel Jakobus und Johannes gewesen sein, denn Matthäus spricht von der „Mutter der Söhne von Zebedäus“ und Markus von „Salome“. Und vergleicht man Mar 15:40 mit Joh 19:25, lässt sich schlussfolgern, dass Salome die Schwester von Maria, der Mutter Jesu, war. In diesem Fall wären Jakobus und Johannes Cousins von Jesus gewesen. Außerdem deuten Mat 27:55, 56, Mar 15:41 und Luk 8:3 darauf hin, dass Salome zu den Frauen gehörte, die Jesus begleiteten und mit dem unterstützten, was sie besaßen.

Vorbereitungstag: Da Markus wahrscheinlich in erster Linie für Nichtjuden schrieb, erklärte er, worum es sich bei dem Vorbereitungstag handelte, nämlich um den Tag vor dem Sabbat. Eine solche Erklärung findet man in keinem anderen Evangelium (Mat 27:62; Luk 23:54; Joh 19:31). An diesem Tag bereiteten die Juden alles für den Sabbat vor. Sie schlossen sämtliche Arbeiten ab, die nicht bis nach dem Sabbat warten konnten, und bereiteten zusätzliche Mahlzeiten vor. In jener Woche fiel der Vorbereitungstag auf den 14. Nisan. (Siehe Worterklärungen.)

Arimathia: Der Name dieser Stadt kommt von einem hebräischen Wort, das „Höhe“ oder „Anhöhe“ bedeutet. In Luk 23:51 wird sie als eine „Stadt der Judäer“ bezeichnet. (Siehe Anh. B10.)

Sanhedrin: Gemeint ist hier der Hohe Rat der Juden in Jerusalem. Das mit „Sanhedrin“ wiedergegebene griechische Substantiv synédrion bedeutet wtl. „Zusammensitzen“. synédrion war an sich ein allgemeiner Begriff für eine Versammlung oder eine Zusammenkunft, konnte sich in Israel aber auch auf ein religiöses Gericht beziehen. (Siehe Anm. zu Mat 5:22 und Worterklärungen; siehe auch Anh. B12 zur möglichen Lage des Saals des Sanhedrins.)

Joseph: Die Individualität der Evangelisten wird an den Einzelheiten deutlich, die sie über Joseph erwähnen. Der Steuereinnehmer Matthäus bezeichnet ihn als reichen Mann. Markus, der für eine römische Leserschaft schrieb, erwähnt, dass Joseph „ein angesehenes Mitglied des Hohen Rates“ war und „auf Gottes Königreich wartete“. Der mitfühlende Arzt Lukas charakterisiert Joseph als „guten und gerechten Mann“, der nicht für die Pläne des Hohen Rates gegen Jesus gestimmt hatte. Johannes berichtet als Einziger, dass Joseph „aus Angst vor den Juden ... nur ein heimlicher Jünger“ Jesu war (Mat 27:57-60; Mar 15:43-46; Luk 23:50-53; Joh 19:38-42).

Arimathia: Siehe Anm. zu Mat 27:57.

Mitglied des Hohen Rates: Oder „Ratsmitglied“, d. h. ein Mitglied des Sanhedrins, des Hohen Rates der Juden in Jerusalem. (Siehe Anm. zu Mat 26:59 und Worterklärungen zu „Sanhedrin“.)

Grab: Oder „Gedenkgrab“. Es handelte sich wohl um eine Gruft oder Grabkammer, die in den weichen Kalkstein gehauen war, und nicht um eine natürliche Höhle. In solchen Gräbern gab es oft in den Stein gehauene Bänke oder Nischen, wohin man den Leichnam legte. (Siehe Worterklärungen zu „Gedenkgrab“.)

Grab: Siehe Anm. zu Mat 27:60.

Stein: Der Stein war offensichtlich rund, denn in diesem Vers heißt es, dass er vor den Grabeingang gewälzt wurde, und laut Mar 16:4 wurde er bei Jesu Auferstehung weggewälzt. Er könnte mehr als eine Tonne gewogen haben. Matthäus spricht von einem „großen Stein“ (Mat 27:60).

Medien

Der Sanhedrin
Der Sanhedrin

Der jüdische Hohe Rat oder Große Sanhedrin setzte sich aus 71 Mitgliedern zusammen und hatte seinen Sitz in Jerusalem. (Siehe Worterklärungen zu „Sanhedrin“.) Gemäß der Mischna waren die Plätze in drei Reihen halbkreisförmig angeordnet. Die Beschlüsse des Rates wurden von zwei Schreibern festgehalten. Die Abbildung stützt sich zum Teil auf die Überreste eines Gebäudes, die man in Jerusalem entdeckt hat. Manche nehmen an, in dem Gebäude habe sich im 1. Jh. der Saal des Hohen Rates befunden. (Siehe Anh. B12, Karte „Jerusalem und Umgebung“.)

(1) Hoher Priester

(2) Mitglieder des Sanhedrins

(3) Angeklagter

(4) Gerichtsschreiber

Nagel in einem Fersenbein
Nagel in einem Fersenbein

Dieses Foto zeigt die Nachbildung eines menschlichen Fersenbeins, das von einem 11,5 cm langen Nagel durchbohrt ist. Das Original wurde 1968 bei Ausgrabungen im N von Jerusalem entdeckt und wird in die Zeit der Römer datiert. Es liefert einen archäologischen Hinweis darauf, dass bei Hinrichtungen am Holzpfahl Nägel benutzt wurden. Jesus Christus wurde von den römischen Soldaten wahrscheinlich mit Nägeln wie diesem an den Pfahl geschlagen. Das Fersenbein wurde in einem Ossarium gefunden, einem Steinkasten, in den man die Gebeine eines Verstorbenen nach der Verwesung legte. Demnach konnten am Pfahl hingerichtete Personen ein Begräbnis erhalten.

Grabkammer
Grabkammer

Die Juden beerdigten ihre Toten normalerweise in natürlichen Höhlen oder in Grabkammern, die in Fels gehauen wurden. Mit Ausnahme der Königsgräber befanden sich die Grabstätten gewöhnlich außerhalb der Städte. Auffallend ist die Schlichtheit der jüdischen Gräber, die man entdeckt hat. Das hängt offensichtlich mit der jüdischen Religion zusammen: Sie verbot die Verehrung der Toten und förderte nicht die Vorstellung, dass es nach dem Tod ein Weiterleben in einer Geisterwelt gibt.