Nach Johannes 19:1-42

19  Pilạtus ließ Jesus dann abführen und auspeitschen.+  Die Soldaten flochten eine Dornenkrone, setzten sie ihm auf den Kopf und zogen ihm ein purpurrotes langes Gewand an.+  Immer wieder traten sie vor ihn und sagten: „Sei gegrüßt, du König der Juden!“, und schlugen ihm ins Gesicht.+  Pilạtus ging nun wieder hinaus und sagte: „Seht! Ich bringe ihn zu euch hinaus, damit ihr wisst, dass ich keine Schuld an ihm finde.“+  Als Jesus mit der Dornenkrone und dem purpurroten langen Gewand herauskam, sagte Pilạtus: „Seht! Der Mensch!“  Doch als ihn die Oberpriester und die Beamten sahen, schrien sie: „An den Pfahl mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“*+ Da sagte Pilạtus: „Nehmt ihn und richtet ihn selbst hin*. Ich finde keine Schuld an ihm.“+  Die Juden erwiderten: „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben,+ denn er hat sich selbst zum Sohn Gottes gemacht.“+  Als Pilạtus das hörte, bekam er noch mehr Angst.  Er ging wieder ins Prätorium und fragte Jesus: „Woher kommst du?“ Doch Jesus schwieg.+ 10  Pilạtus sagte: „Weigerst du dich etwa, mit mir zu reden? Weißt du nicht, dass ich die Macht dazu habe, dich freizulassen oder dich hinzurichten*?“ 11  Jesus antwortete: „Du hättest gar keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gewährt worden wäre.+ Deshalb hat der, der mich dir ausgeliefert hat, größere Schuld*.“ 12  Aus diesem Grund bemühte sich Pilạtus weiter, ihn freizulassen, aber die Juden schrien: „Wenn du diesen Mann freilässt, bist du kein Freund Cäsars. Jeder, der sich selbst zum König macht, stellt sich* gegen Cäsar.“+ 13  Auf diese Worte hin brachte Pilạtus Jesus heraus und setzte sich auf einen Richterstuhl auf dem Platz, den man „Das Steinpflaster“ nannte (hebräisch Gạbbatha). 14  Es war um die 6. Stunde am Vorbereitungstag+ des Passahs, als Pilạtus zu den Juden sagte: „Seht! Euer König!“ 15  Sie aber schrien: „Weg mit ihm! Weg mit ihm! An den Pfahl mit ihm!*“ Da fragte Pilạtus: „Euren König soll ich hinrichten?“, worauf die Oberpriester antworteten: „Wir haben keinen König außer Cäsar.“ 16  Er überließ ihnen Jesus dann zur Hinrichtung am Pfahl.+ Daraufhin führte man Jesus ab. 17  Er trug den Marterpfahl selbst, als er zur sogenannten Schädelstätte (hebräisch Gọlgotha)+ hinausging.+ 18  Dort nagelte man ihn an den Pfahl+ und mit ihm noch zwei andere Männer – auf jeder Seite einen, Jesus in der Mitte.+ 19  Pilạtus schrieb außerdem einen Titel auf ein Schild und brachte es am Marterpfahl an. Darauf stand: „Jesus, der Nazarẹner, der König der Juden“.+ 20  Viele Juden lasen das, weil die Stelle, wo Jesus an den Pfahl genagelt wurde, in der Nähe der Stadt lag und der Titel auf Hebräisch, Lateinisch und Griechisch geschrieben war. 21  Die jüdischen Oberpriester sagten jedoch zu Pilạtus: „Schreib nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern dass er behauptet hat: ‚Ich bin König der Juden.‘“ 22  Pilạtus erwiderte: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“ 23  Nachdem die Soldaten Jesus an den Pfahl genagelt hatten, nahmen sie seine Obergewänder* und teilten sie in vier Stücke, für jeden Soldaten eins. Auch das Untergewand nahmen sie an sich. Doch da es keine Naht hatte, sondern von oben bis unten durchgewebt war, 24  beschlossen sie: „Wir wollen es nicht zerreißen, sondern durch das Los entscheiden, wer es bekommt.“+ Dadurch sollte sich die Schriftstelle erfüllen: „Sie verteilten meine Gewänder unter sich und verlosten meine Kleidung.“+ Die Soldaten machten das tatsächlich. 25  Beim Marterpfahl standen die Mutter+ von Jesus und ihre Schwester sowie Maria, die Frau von Klọpas, und Maria Magdalẹne.+ 26  Als Jesus seine Mutter und den Jünger, den er besonders liebte,+ dort stehen sah, sagte er zu seiner Mutter: „Frau, das ist jetzt dein Sohn!“ 27  Und zu dem Jünger sagte er: „Das ist jetzt deine Mutter!“ Der Jünger nahm sie mit zu sich nach Hause und sie wohnte von da an bei ihm. 28  Jesus wusste, dass jetzt alles vollbracht war, und sagte schließlich: „Ich habe Durst“, damit sich erfüllte, was in den Schriften steht.+ 29  In der Nähe stand ein Krug voll saurem Wein. Man tränkte einen Schwamm damit, steckte ihn an einen Ysopstängel und hielt ihn an seine Lippen.+ 30  Nachdem Jesus den sauren Wein erhalten hatte, sagte er: „Es ist vollbracht!“+ Er ließ den Kopf sinken und starb.+ 31  Die Juden baten nun Pilạtus, den Männern die Beine zu brechen und die Leichname abzunehmen. Es war nämlich Vorbereitungstag+ und die Körper sollten nicht am Sabbat (es war ein großer Sabbat)+ an den Marterpfählen bleiben.+ 32  Also kamen die Soldaten und brachen dem ersten Mann die Beine und dann auch dem anderen, der neben ihm am Pfahl hing. 33  Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, brachen sie ihm die Beine nicht. 34  Ein Soldat stieß ihm jedoch mit einem Speer in die Seite+ und es floss sofort Blut und Wasser heraus. 35  Diese Zeugenaussage stammt von dem, der das gesehen hat, und seine Aussage ist wahr. Er weiß, dass er die Wahrheit redet, und sagt das, damit auch ihr glauben könnt.+ 36  Das alles geschah, damit sich die Schriftstelle erfüllte: „Kein Knochen wird ihm gebrochen.“+ 37  Und noch eine andere Schriftstelle lautet: „Sie werden den anschauen, den sie durchstochen haben.“+ 38  Joseph von Arimathịa, der ein Jünger Jesu war – aus Angst vor den Juden aber nur ein heimlicher Jünger –,+ bat nun Pilạtus, den Leichnam von Jesus abnehmen zu dürfen. Pilạtus gab ihm die Erlaubnis und so kam er und holte den Leichnam.+ 39  Auch Nikodẹmus,+ der Mann, der Jesus am Anfang einmal bei Nacht aufgesucht hatte, kam und brachte eine Mischung aus Myrrhe und Ạloe – ungefähr 100 Pfund.+ 40  Da nahmen sie den Leichnam von Jesus und wickelten ihn zusammen mit den aromatischen Substanzen in Leinentücher,+ wie es bei den Juden Bestattungsbrauch ist.+ 41  In der Nähe des Hinrichtungsortes* befand sich ein Garten mit einem neuen Grab,+ in das noch nie jemand gelegt worden war. 42  Da es der Vorbereitungstag der Juden war+ und das Grab nicht weit weg lag, legte man Jesus dort hinein.

Fußnoten

Oder „Richte ihn am Pfahl hin! Richte ihn am Pfahl hin!“
Oder „richtet ihn selbst am Pfahl hin“.
Oder „am Pfahl hinzurichten“.
Wtl. „Sünde“.
Oder „redet“.
Oder „Richte ihn am Pfahl hin!“.
Oder „Oberbekleidung“.
Oder „des Ortes, wo man ihn am Pfahl hingerichtet hatte“.

Studienanmerkungen

auspeitschen: Wtl. „geißeln“. Vor der Hinrichtung am Pfahl wurde der Verurteilte gewöhnlich ausgepeitscht. Nachdem Pilatus dem Drängen der Juden, Jesus hinzurichten und Barabbas freizulassen, nachgegeben hatte, ließ er Jesus abführen und auspeitschen (Mat 20:19; 27:26). Das grausamste Instrument zum Auspeitschen war das Flagellum. Es bestand aus einem Griff, an dem mehrere Stricke oder Lederriemen befestigt waren. In die Riemen waren spitze Knochen oder Metallstückchen eingearbeitet, um die Schläge noch schmerzhafter zu machen.

Dornenkrone: Die Soldaten verspotteten Jesus, indem sie ihn außer mit einem purpurroten Gewand auch noch mit anderen „Insignien“ eines Königs ausstatteten: mit einem Dornenkranz als Krone und einem Schilfrohr als Zepter (Mat 27:29).

Sie kleideten ihn in Purpur: Das taten die Soldaten, um Jesus lächerlich zu machen und über sein Königtum zu spotten. Laut dem Matthäusevangelium (27:28) hängten sie Jesus einen „scharlachroten Mantel“ um. Solche Kleidungsstücke wurden normalerweise von Königen, Magistraten und Offizieren getragen. Markus und Johannes beschreiben das Kleidungsstück nicht als scharlachrot, sondern als purpurfarben (Joh 19:2). Allerdings wurden im Altertum mit Purpur alle Farbtöne beschrieben, die eine Mischung aus Rot und Blau waren. Außerdem könnten Blickwinkel, Lichtreflexionen und Hintergrund die Wahrnehmung des Betrachters beeinflusst haben. Die Tatsache, dass die Evangelisten unterschiedliche Farbnuancen erwähnten, zeigt, dass sie nicht einfach voneinander abschrieben.

Dornenkrone: Siehe Anm. zu Mar 15:17.

zogen ihm ein purpurrotes langes Gewand an: Siehe Anm. zu Mar 15:17.

Sei gegrüßt, du König der Juden!: Oder „Es lebe der König der Juden!“. Wtl. „Freu dich, König der Juden!“. Die Soldaten grüßten Jesus so, wie sie den römischen Kaiser gegrüßt hätten. Sie machten sich offensichtlich über seine Behauptung lustig, ein König zu sein.

Sei gegrüßt: Siehe Anm. zu Mat 27:29.

Seht! Der Mensch!: Trotz seiner Schmerzen und Wunden strahlte Jesus eine stille Würde und Ruhe aus, was selbst Pilatus anerkennen musste. In seinen Worten scheinen Respekt und Mitleid für diesen Menschen mitzuschwingen. Die Vulgata-Wiedergabe dieser Worte, „ecce homo“, haben viele Künstler als Thema für ihre Werke gewählt. Pilatus’ Ausruf könnte Anwesende, die sich in den Hebräischen Schriften auskannten, an die prophetischen Worte über den Messias in Sach 6:12 erinnert haben: „Hier ist [oder „Seht!“] der Mann, dessen Name ‚Spross‘ ist.“

Wir haben ein Gesetz: Als die Juden Pilatus nicht davon überzeugen konnten, dass Jesus aufgrund einer politischen Anklage den Tod verdiente, brachten sie einen religiösen Anklagepunkt vor: Gotteslästerung. Dieses Verbrechen hatten sie Jesus schon einige Stunden zuvor im Sanhedrin zur Last gelegt. Für Pilatus war das aber eine neue Anklage, mit der er sich auseinandersetzen musste.

ins Prätorium: D. h. in die Residenz des Statthalters.

wiedergeboren: Jesus sagte zu Nikodemus, dass ein Mensch ein zweites Mal geboren werden muss, um Gottes Königreich zu sehen. Die Antwort von Nikodemus in Vers 4 zeigt, dass er das wörtlich verstand, so als ob man noch einmal als Mensch geboren werden müsse. Doch Jesus erklärte ihm, dass es bei der zweiten Geburt darum geht, „aus ... Geist geboren“ zu werden (Joh 3:5). Alle, die „Kinder Gottes ... werden“ sollten, würden „nicht durch Menschen noch durch menschliches Wollen noch durch den Willen eines Mannes geboren [werden], sondern durch Gott“ (Joh 1:12, 13). Petrus gebraucht in 1Pe 1:3, 23 einen synonymen Ausdruck, wenn er davon spricht, dass gesalbte Christen eine „neue Geburt“ erfahren. In den meisten Bibeln steht im vorliegenden Vers „wiedergeboren“, doch es gibt auch einige, die „von oben geboren“ oder Ähnliches schreiben. Diese Wiedergabe ist ebenfalls möglich, denn das mit „wieder“ übersetzte griechische Wort ánōthen bedeutet normalerweise „von oben“ (Joh 3:31; 19:11; Jak 1:17; 3:15, 17). Beide Wiedergaben stützen den Gedanken, dass diejenigen, die ins Königreich kommen, eine neue Geburt erleben, die „durch Gott“ und somit von oben bewirkt wird (1Jo 3:9). Berücksichtigt man allerdings die Erwiderung von Nikodemus, kann ánōthen auch im Sinn von „wieder“ oder „erneut“ verstanden werden.

von oben: Oder „vom Himmel“. Das griechische Wort ánōthen wurde hier und in Jak 1:17; 3:15, 17 mit „von oben“ übersetzt. In Joh 3:3, 7 kann es auch im Sinn von „wieder“ oder „erneut“ verstanden werden. (Siehe Anm. zu Joh 3:3.)

der, der mich ausgeliefert hat: Jesus dachte wahrscheinlich nicht speziell an Judas Iskariot oder eine andere Einzelperson, sondern an alle, die sich an seinem Tod mitschuldig machten. Das schloss neben Judas, „den Oberpriestern und dem ganzen Sanhedrin“ auch „die Menge“ ein, die dazu angestiftet wurde, die Freilassung von Barabbas zu fordern (Mat 26:59-65; 27:1, 2, 20-22; Joh 18:30, 35).

Cäsar: Oder „dem Kaiser“. Während Jesu Dienst auf der Erde war Tiberius der römische Kaiser. Mit dem Ausdruck „Cäsar“ war jedoch nicht nur der gerade regierende Kaiser gemeint. Er konnte auch für die staatliche Autorität Roms oder den römischen Staat mit seinen rechtmäßig eingesetzten Repräsentanten stehen. Paulus spricht von dem Staat und seinen Repräsentanten als von den „übergeordneten Autoritäten“ und Petrus bezeichnet sie als „König“ und „Statthalter“ (Rö 13:1-7; 1Pe 2:13-17; Tit 3:1; siehe Worterklärungen).

Freund Cäsars: Im Römischen Reich war das ein Ehrentitel, der häufig Provinzstatthaltern verliehen wurde. In diesem Fall jedoch gebrauchten ihn die Führer der Juden offenbar eher allgemein, als sie andeuteten, Pilatus würde sich der Gefahr aussetzen, wegen Hochverrat angeklagt zu werden. Der damalige Cäsar, Kaiser Tiberius, war dafür berüchtigt, mit allen, die er für illoyal hielt, kurzen Prozess zu machen, und wenn sie eine noch so hohe Position hatten. Ein Beispiel dafür ist Lucius Aelius Seianus (deutsch auch Sejan genannt), der Kommandant der Prätorianergarde, der offiziell als „Freund Cäsars“ bezeichnet wurde. Er konnte nach Tiberius als zweitmächtigster Mann im Reich betrachtet werden. Pilatus war einer seiner Günstlinge. Solange Sejan an der Macht war, wurde Pilatus von ihm geschützt und gefördert. Im Jahr 31 wendete sich das Blatt. Tiberius beschuldigte Sejan des Verrats und befahl, dass sowohl er als auch viele seiner Unterstützer hingerichtet wurden. Als Jesus von Pilatus vernommen wurde, lag das Ganze noch nicht lange zurück. Pilatus wäre in Lebensgefahr geraten, wenn die Sadduzäer beim Kaiser Beschwerde eingelegt hätten, besonders mit dem Vorwurf, er sei „kein Freund Cäsars“. Da Pilatus die Juden bereits gegen sich aufgebracht hatte, wollte er keine weiteren Spannungen provozieren und sich noch weniger dem Vorwurf der Illoyalität aussetzen. Es kann also gut sein, dass sich Pilatus von seiner Angst vor dem argwöhnischen Tiberius beeinflussen ließ, als er Jesus zum Tod verurteilte – einen Mann, von dem er wusste, dass er unschuldig war.

Cäsar: Siehe Anm. zu Mat 22:17.

Richterstuhl: Normalerweise eine erhöhte Plattform im Freien, auf der Amtsträger Platz nahmen, um zum Volk zu sprechen oder Urteilssprüche zu verkünden.

Hebräisch: In den Christlichen Griechischen Schriften bezeichnen die inspirierten Bibelschreiber mit „Hebräisch“ die Sprache der Juden (Joh 19:13, 17, 20; Apg 21:40; 22:2; Off 9:11; 16:16) sowie die Sprache, in der der auferstandene und verherrlichte Jesus mit Saulus von Tarsus redete (Apg 26:14, 15). In Apg 6:1 wird ein Unterschied gemacht zwischen „Hebräisch sprechenden Juden“ und „Griechisch sprechenden Juden“. Einige Bibelwissenschaftler sind der Ansicht, dass an allen diesen Stellen statt „Hebräisch“ „Aramäisch“ stehen sollte. Es spricht jedoch einiges dafür, dass tatsächlich die hebräische Sprache gemeint ist. Wenn es z. B. in Apg 21:40; 22:2 heißt, dass sich Paulus „auf Hebräisch“ an das Volk in Jerusalem wandte, hatte er Personen vor sich, die viel Zeit darauf verwandten, das mosaische Gesetz in Hebräisch zu studieren. Hebräisch wurde auch im Alltag gesprochen. Das bestätigen die Schriftrollen vom Toten Meer: Ein Großteil der biblischen und nicht biblischen Fragmente und Handschriften ist in Hebräisch verfasst. Es gibt aber auch eine kleinere Anzahl an aramäischen Fragmenten, was zeigt, dass beide Sprachen in Gebrauch waren. Daher ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Bibelschreiber mit dem griechischen Wort für „Hebräisch“ die aramäische bzw. syrische Sprache meinten. Interessanterweise unterscheiden die Hebräischen Schriften in 2Kö 18:26 zwischen „Aramäisch“ (oder Syrisch) und „der Sprache der Juden“. Und als der jüdische Historiker Josephus im 1. Jh. dieselben Ereignisse schilderte, schrieb er ebenfalls sowohl von der „syrischen [aramäischen] Sprache“ als auch von der „hebräischen Sprache“ (Jüdische Altertümer, 10. Buch, Kap. 1, Abs. 2). In beiden Sprachen gibt es zwar einige Ausdrücke, die sich stark ähneln, und das Hebräische hat möglicherweise auch Wörter aus dem Aramäischen übernommen. Dennoch scheint es keine vernünftige Grundlage für die Annahme zu geben, die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften hätten Aramäisch gemeint, wenn sie „Hebräisch“ schrieben.

Richterstuhl: Siehe Anm. zu Mat 27:19.

„Das Steinpflaster“: Auf Hebräisch hieß dieser Platz Gabbatha – ein Wort ungewissen Ursprungs, das möglicherweise „Hügel“, „Anhöhe“ oder „freier Platz“ bedeutet. Der griechische Name Lithóstrōton („Das Steinpflaster“) kann sowohl auf ein einfaches als auch auf ein verziertes Steinpflaster hindeuten; einige Forscher sind der Meinung, es könnte ein Mosaikpflaster gewesen sein. Die genaue Lage des Platzes lässt sich nicht bestimmen. Womöglich handelte es sich um eine freie Fläche vor dem Palast von Herodes dem Großen, es gibt aber auch andere Vermutungen.

hebräisch: Siehe Anm. zu Joh 5:2.

die 3. Stunde: D. h. gegen 9 Uhr morgens. Einige sehen in dieser Zeitangabe einen Widerspruch zu Joh 19:14-16. Dort heißt es, der römische Statthalter Pontius Pilatus habe Jesus „um die 6. Stunde“ zur Hinrichtung abführen lassen. Aus der Bibel geht nicht eindeutig hervor, warum es diesen Unterschied gibt. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Zeitangaben der verschiedenen Ereignisse an Jesu letztem Tag in allen vier Evangelien übereinstimmen. In jedem der Berichte wird erwähnt, dass sich die Priester und Ältesten nach Tagesanbruch trafen und Jesus anschließend zu Pilatus bringen ließen (Mat 27:1, 2; Mar 15:1; Luk 22:66 bis 23:1; Joh 18:28). Sowohl Matthäus als auch Markus und Lukas berichten, dass Jesus bereits am Pfahl hing, als „um die 6. Stunde“ über das ganze Land eine Finsternis hereinbrach, die „bis zur 9. Stunde anhielt“ (Mat 27:45, 46; Mar 15:33, 34; Luk 23:44). Bei der Frage, wann Jesu Hinrichtung begann, könnte Folgendes eine Rolle gespielt haben: Von einigen wurde schon das Auspeitschen als Teil der Hinrichtung betrachtet. Manchmal starben die Verurteilten sogar dabei. Bei Jesus war diese Folter so brutal, dass er seinen Marterpfahl nicht den gesamten Weg zum Hinrichtungsort tragen konnte; ein anderer Mann musste den Pfahl die restliche Strecke tragen (Luk 23:26; Joh 19:17). Wenn man das Auspeitschen als den Beginn der Hinrichtung ansieht, hätte sie schon einige Zeit angedauert, ehe Jesus tatsächlich an den Pfahl genagelt wurde. Gestützt wird diese Ansicht sowohl durch Mat 27:26 als auch durch Mar 15:15, wo das Auspeitschen zusammen mit der Hinrichtung am Pfahl erwähnt wird. Man konnte also unterschiedliche Zeitpunkte für die Hinrichtung angeben, je nachdem, was man als den Beginn des Hinrichtungsprozesses ansah. Interessanterweise war der römische Statthalter Pontius Pilatus erstaunt, dass Jesus nach so kurzer Zeit schon tot war (Mar 15:44). Aus seiner Sicht hatte die Hinrichtung womöglich erst mit dem Anbringen an den Pfahl begonnen. Ein weiterer Faktor ist die Zeiteinteilung. Damals war es üblich, Tag und Nacht in vier Abschnitte von jeweils drei Stunden zu unterteilen. Deswegen sprachen die Bibelschreiber oft von der 3., 6. und 9. Stunde des Tages, wobei sie vom Sonnenaufgang um etwa 6 Uhr morgens an rechneten (Mat 20:1-5; Joh 4:6; Apg 2:15; 3:1; 10:3, 9, 30). Hinzu kommt, dass die Menschen im Allgemeinen keine genauen Zeitmesser hatten. Wenn man also Zeitangaben machte, gebrauchte man häufig relativierende Wörter wie „um“; so auch in Joh 19:14 (Mat 27:46; Luk 23:44; Joh 4:6; Apg 10:3, 9). Zusammenfassend lässt sich sagen: Markus könnte zur Hinrichtung nicht nur das Anbringen am Pfahl, sondern auch das Auspeitschen gezählt haben, während sich Johannes nur auf das Anbringen am Pfahl bezog. Außerdem könnten beide Schreiber die Tageszeit auf den nächstliegenden Drei-Stunden-Abschnitt auf- bzw. abgerundet haben; dabei schränkte Johannes seine Zeitangabe durch ein „um“ ein. Diese Faktoren würden erklären, warum in den Berichten unterschiedliche Zeitangaben gemacht wurden. Und letztlich zeigt diese scheinbare Abweichung: Johannes, der seinen Bericht viele Jahre nach Markus verfasste, hat nicht von diesem abgeschrieben.

Vorbereitungstag: Da Markus wahrscheinlich in erster Linie für Nichtjuden schrieb, erklärte er, worum es sich bei dem Vorbereitungstag handelte, nämlich um den Tag vor dem Sabbat. Eine solche Erklärung findet man in keinem anderen Evangelium (Mat 27:62; Luk 23:54; Joh 19:31). An diesem Tag bereiteten die Juden alles für den Sabbat vor. Sie schlossen sämtliche Arbeiten ab, die nicht bis nach dem Sabbat warten konnten, und bereiteten zusätzliche Mahlzeiten vor. In jener Woche fiel der Vorbereitungstag auf den 14. Nisan. (Siehe Worterklärungen.)

es war ein großer Sabbat: Der 15. Nisan, der Tag nach dem Passah, war immer ein Sabbat, ganz gleich auf welchen Wochentag er fiel (3Mo 23:5-7). Wenn dieser besondere Sabbat mit dem regulären Sabbat zusammenfiel (dem siebten Tag der jüdischen Woche, der vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Sonnenuntergang am Samstag dauerte), sprach man von einem „großen Sabbat“. Ein solcher Sabbat folgte auf den Tag, an dem Jesus starb – demnach ein Freitag. In der Zeit von 31 bis 33 u. Z. war 33 das einzige Jahr, in dem der 14. Nisan auf einen Freitag fiel. Das führt zu der Schlussfolgerung, dass Jesus am 14. Nisan 33 starb.

um die 6. Stunde: D. h. gegen Mittag. (Eine Erklärung zu den unterschiedlichen Zeitangaben im Bericht von Johannes und Markus enthält die Anm. zu Mar 15:25.)

Vorbereitungstag: So nannte man den Tag vor dem wöchentlichen Sabbat, an dem die Juden alles für den Sabbat vorbereiteten. (Siehe Anm. zu Mar 15:42.) An dieser Stelle fügt Johannes jedoch noch die Worte „des Passahs“ hinzu. Die hier beschriebenen Ereignisse fanden am Vormittag des 14. Nisan statt, des Tages, an dem Jesus verurteilt und hingerichtet wurde. Der Passahtag hatte am Abend zuvor begonnen. Wie aus den anderen Evangelien hervorgeht, hatten Jesus und die Apostel an diesem Abend das Passahmahl gegessen (Mat 26:18-20; Mar 14:14-17; Luk 22:15). Christus hielt sich immer genau an das Gesetz, auch an die Vorschrift, das Passah am 14. Nisan zu feiern (2Mo 12:6; 3Mo 23:5). Am 14. Nisan bereitete man sich zusätzlich auf das siebentägige Fest der ungesäuerten Brote vor, das am 15. Nisan begann. Da beide Feste aufgrund ihrer zeitlichen Abfolge manchmal einfach zusammen als „Passah“ bezeichnet wurden (Luk 22:1), konnte der 14. Nisan auch als Vorbereitungstag des Passahs verstanden werden. Der Tag nach dem 14. Nisan war immer ein Sabbat, unabhängig vom Wochentag (3Mo 23:5-7). Im Jahr 33 u. Z. fiel der 15. Nisan auf einen regulären Sabbat, was ihn zu einem „großen [oder doppelten] Sabbat“ machte. (Siehe Anm. zu Joh 19:31.)

Marterpfahl: Oder „Hinrichtungspfahl“. (Siehe Worterklärungen zu „Marterpfahl“, „Pfahl; Stamm“; siehe auch Anm. zu Mat 10:38 und 16:24, wo der Ausdruck übertragen gebraucht wird.)

Hebräisch: In den Christlichen Griechischen Schriften bezeichnen die inspirierten Bibelschreiber mit „Hebräisch“ die Sprache der Juden (Joh 19:13, 17, 20; Apg 21:40; 22:2; Off 9:11; 16:16) sowie die Sprache, in der der auferstandene und verherrlichte Jesus mit Saulus von Tarsus redete (Apg 26:14, 15). In Apg 6:1 wird ein Unterschied gemacht zwischen „Hebräisch sprechenden Juden“ und „Griechisch sprechenden Juden“. Einige Bibelwissenschaftler sind der Ansicht, dass an allen diesen Stellen statt „Hebräisch“ „Aramäisch“ stehen sollte. Es spricht jedoch einiges dafür, dass tatsächlich die hebräische Sprache gemeint ist. Wenn es z. B. in Apg 21:40; 22:2 heißt, dass sich Paulus „auf Hebräisch“ an das Volk in Jerusalem wandte, hatte er Personen vor sich, die viel Zeit darauf verwandten, das mosaische Gesetz in Hebräisch zu studieren. Hebräisch wurde auch im Alltag gesprochen. Das bestätigen die Schriftrollen vom Toten Meer: Ein Großteil der biblischen und nicht biblischen Fragmente und Handschriften ist in Hebräisch verfasst. Es gibt aber auch eine kleinere Anzahl an aramäischen Fragmenten, was zeigt, dass beide Sprachen in Gebrauch waren. Daher ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Bibelschreiber mit dem griechischen Wort für „Hebräisch“ die aramäische bzw. syrische Sprache meinten. Interessanterweise unterscheiden die Hebräischen Schriften in 2Kö 18:26 zwischen „Aramäisch“ (oder Syrisch) und „der Sprache der Juden“. Und als der jüdische Historiker Josephus im 1. Jh. dieselben Ereignisse schilderte, schrieb er ebenfalls sowohl von der „syrischen [aramäischen] Sprache“ als auch von der „hebräischen Sprache“ (Jüdische Altertümer, 10. Buch, Kap. 1, Abs. 2). In beiden Sprachen gibt es zwar einige Ausdrücke, die sich stark ähneln, und das Hebräische hat möglicherweise auch Wörter aus dem Aramäischen übernommen. Dennoch scheint es keine vernünftige Grundlage für die Annahme zu geben, die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften hätten Aramäisch gemeint, wenn sie „Hebräisch“ schrieben.

Er trug den Marterpfahl selbst: Laut Johannes trug Jesus den Marterpfahl selbst, während die anderen Evangelisten berichten, dass man Simon aus Kyrene zwangsverpflichtete, den Pfahl bis zum Hinrichtungsort zu tragen (Mat 27:32; Mar 15:21; Luk 23:26). Johannes hat seinen Bericht manchmal etwas gerafft und oft Informationen weggelassen, die bereits in den anderen Evangelien standen – so auch das Detail, dass Simon den Pfahl trug.

Marterpfahl: Siehe Anm. zu Mat 27:32.

Schädelstätte: Griechisch Kraníou Tópon; gibt den hebräischen Namen Golgotha wieder. (Siehe Anm. zu Golgotha in diesem Vers. Wie das Wort „hebräisch“ in den Christlichen Griechischen Schriften verwendet wird, erklärt die Anm. zu Joh 5:2.) In Luk 23:33 wird in der Vulgata das Wort calvaria gebraucht, lateinisch für „Schädel“. Davon ist der Begriff „Kalvarienberg“ abgeleitet.

Golgotha: Eine Ableitung von dem hebräischen Wort gulgóleth, das „Schädel“ bedeutet. (Vergleiche Ri 9:53, 2Kö 9:35, 1Ch 10:10, wo im hebräischen Urtext gulgóleth steht.) Zur Zeit Jesu befand sich Golgotha außerhalb der Stadtmauern von Jerusalem. Die genaue Lage ist zwar nicht bekannt, aber einige halten es für wahrscheinlich, dass sich Golgotha im Umkreis der überlieferten Stelle befand, auf der heute die Grabeskirche steht. (Siehe Anh. B12.) Es gibt die Vorstellung, Golgotha habe auf einem Hügel gelegen, doch die Bibel sagt nichts darüber. Es heißt lediglich, dass etliche Personen der Hinrichtung aus einiger Entfernung zusahen (Mar 15:40; Luk 23:49).

Marterpfahl: Oder „Hinrichtungspfahl“. (Siehe Worterklärungen zu „Pfahl; Stamm“; „Marterpfahl“.)

Hebräisch: In den Christlichen Griechischen Schriften bezeichnen die inspirierten Bibelschreiber mit „Hebräisch“ die Sprache der Juden (Joh 19:13, 17, 20; Apg 21:40; 22:2; Off 9:11; 16:16) sowie die Sprache, in der der auferstandene und verherrlichte Jesus mit Saulus von Tarsus redete (Apg 26:14, 15). In Apg 6:1 wird ein Unterschied gemacht zwischen „Hebräisch sprechenden Juden“ und „Griechisch sprechenden Juden“. Einige Bibelwissenschaftler sind der Ansicht, dass an allen diesen Stellen statt „Hebräisch“ „Aramäisch“ stehen sollte. Es spricht jedoch einiges dafür, dass tatsächlich die hebräische Sprache gemeint ist. Wenn es z. B. in Apg 21:40; 22:2 heißt, dass sich Paulus „auf Hebräisch“ an das Volk in Jerusalem wandte, hatte er Personen vor sich, die viel Zeit darauf verwandten, das mosaische Gesetz in Hebräisch zu studieren. Hebräisch wurde auch im Alltag gesprochen. Das bestätigen die Schriftrollen vom Toten Meer: Ein Großteil der biblischen und nicht biblischen Fragmente und Handschriften ist in Hebräisch verfasst. Es gibt aber auch eine kleinere Anzahl an aramäischen Fragmenten, was zeigt, dass beide Sprachen in Gebrauch waren. Daher ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Bibelschreiber mit dem griechischen Wort für „Hebräisch“ die aramäische bzw. syrische Sprache meinten. Interessanterweise unterscheiden die Hebräischen Schriften in 2Kö 18:26 zwischen „Aramäisch“ (oder Syrisch) und „der Sprache der Juden“. Und als der jüdische Historiker Josephus im 1. Jh. dieselben Ereignisse schilderte, schrieb er ebenfalls sowohl von der „syrischen [aramäischen] Sprache“ als auch von der „hebräischen Sprache“ (Jüdische Altertümer, 10. Buch, Kap. 1, Abs. 2). In beiden Sprachen gibt es zwar einige Ausdrücke, die sich stark ähneln, und das Hebräische hat möglicherweise auch Wörter aus dem Aramäischen übernommen. Dennoch scheint es keine vernünftige Grundlage für die Annahme zu geben, die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften hätten Aramäisch gemeint, wenn sie „Hebräisch“ schrieben.

Hebräisch: Siehe Anm. zu Joh 5:2.

Lateinisch: Das ist die einzige direkte Erwähnung der lateinischen Sprache im inspirierten Text der Bibel. Latein war die Sprache der Römer, die Israel zur Zeit Jesu besetzt hielten, und wurde für offizielle Inschriften verwendet. Die Leute benutzten es aber nicht in ihrem Alltag. In Israel wurden damals verschiedene Sprachen gesprochen, was erklären könnte, warum Pilatus das Schild mit dem Grund für Jesu Hinrichtung in offiziellem Lateinisch, in Hebräisch und in Koine-Griechisch am Pfahl anbringen ließ (Joh 19:19). In den Christlichen Griechischen Schriften gibt es etliche Ausdrücke, die aus dem Lateinischen stammen. (Siehe Worterklärungen zu „Latein“; „Einführung in Markus“.)

verteilten seine Obergewänder: In Joh 19:23, 24 werden zusätzlich Details erwähnt, die in Matthäus, Markus und Lukas nicht zu finden sind. Zusammengenommen ergeben die vier Evangelienberichte folgendes Bild: Die römischen Soldaten verlosten offensichtlich sowohl Jesu Obergewänder als auch sein Untergewand; sie teilten die Obergewänder „in vier Stücke, für jeden Soldaten eins“; sie wollten das Untergewand nicht zerreißen, weshalb sie es als Ganzes verlosten; dadurch erfüllte sich Ps 22:18, wo vorausgesagt worden war, dass die Kleidung des Messias durch das Los verteilt würde. Bei Hinrichtungen war es offenbar üblich, dass die Soldaten die Kleidung des Verurteilten behielten. Deshalb zogen sie ihm vorher die Kleidung aus und nahmen ihm alles weg, was er besaß. Das machte die Hinrichtung noch demütigender.

nahmen sie seine Obergewänder und teilten sie: Siehe Anm. zu Mat 27:35.

Salome: Der Name ist wahrscheinlich von einem hebräischen Wort abgeleitet, das „Frieden“ bedeutet. Salome war eine Jüngerin von Jesus. Wie ein Vergleich von Mat 27:56 mit Mar 3:17 und 15:40 zeigt, könnte sie die Mutter der Apostel Jakobus und Johannes gewesen sein, denn Matthäus spricht von der „Mutter der Söhne von Zebedäus“ und Markus von „Salome“. Und vergleicht man Mar 15:40 mit Joh 19:25, lässt sich schlussfolgern, dass Salome die Schwester von Maria, der Mutter Jesu, war. In diesem Fall wären Jakobus und Johannes Cousins von Jesus gewesen. Außerdem deuten Mat 27:55, 56, Mar 15:41 und Luk 8:3 darauf hin, dass Salome zu den Frauen gehörte, die Jesus begleiteten und mit dem unterstützten, was sie besaßen.

ihre Schwester: Siehe Anm. zu Mar 15:40.

Klopas: Dieser Name kommt in der Bibel nur hier vor. Viele Bibelwissenschaftler vermuten, dass Klopas die gleiche Person war wie Alphäus, der in Mat 10:3, Mar 3:18, Luk 6:15 und Apg 1:13 erwähnt wird. Wie verschiedene Beispiele in der Bibel zeigen, war es nichts Ungewöhnliches, dass jemand unter zwei Namen bekannt war. (Vgl. Mat 9:9; 10:2, 3; Mar 2:14.)

den Jesus besonders liebte: Das ist die erste von fünf Stellen, wo von einem bestimmten Jünger die Rede ist, „den Jesus besonders [oder „sehr“] liebte“ (Joh 19:26; 20:2; 21:7, 20). Allgemein geht man davon aus, dass es sich dabei um den Apostel Johannes handelte, den Sohn von Zebedäus und den Bruder von Jakobus (Mat 4:21; Mar 1:19; Luk 5:10). Ein Grund für diese Annahme ist, dass der Apostel Johannes in diesem Evangelium nie namentlich genannt wird. Er wird nur indirekt in Joh 21:2 erwähnt, wo von den „Söhnen des Zebedäus“ die Rede ist. Einen weiteren Grund findet man in Joh 21:20-24, wo die Formulierung „der Jünger, den Jesus besonders liebte“ auf den Schreiber des Evangeliums bezogen wird. Und noch einen Hinweis liefert das, was Jesus über diesen Apostel zu Petrus sagte: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an?“ Das legt nahe, dass besagter Apostel wesentlich länger leben würde als alle anderen Apostel – eine Beschreibung, die auf Johannes passt. (Siehe Anm. zu Joh „Titel“ und Joh 1:6; 21:20.)

den Jünger, den er besonders liebte: Das ist die zweite von fünf Stellen, wo von einem bestimmten Jünger die Rede ist, „den Jesus besonders [oder „sehr“] liebte“ (Joh 13:23; 20:2; 21:7, 20). Allgemein geht man davon aus, dass es sich dabei um den Apostel Johannes handelte. (Siehe Anm. zu Joh 13:23.)

Frau: Die Anrede „Frau“ ist nicht respektlos gemeint.

den Jesus besonders liebte: Das ist die erste von fünf Stellen, wo von einem bestimmten Jünger die Rede ist, „den Jesus besonders [oder „sehr“] liebte“ (Joh 19:26; 20:2; 21:7, 20). Allgemein geht man davon aus, dass es sich dabei um den Apostel Johannes handelte, den Sohn von Zebedäus und den Bruder von Jakobus (Mat 4:21; Mar 1:19; Luk 5:10). Ein Grund für diese Annahme ist, dass der Apostel Johannes in diesem Evangelium nie namentlich genannt wird. Er wird nur indirekt in Joh 21:2 erwähnt, wo von den „Söhnen des Zebedäus“ die Rede ist. Einen weiteren Grund findet man in Joh 21:20-24, wo die Formulierung „der Jünger, den Jesus besonders liebte“ auf den Schreiber des Evangeliums bezogen wird. Und noch einen Hinweis liefert das, was Jesus über diesen Apostel zu Petrus sagte: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an?“ Das legt nahe, dass besagter Apostel wesentlich länger leben würde als alle anderen Apostel – eine Beschreibung, die auf Johannes passt. (Siehe Anm. zu Joh „Titel“ und Joh 1:6; 21:20.)

zu dem Jünger sagte er: „Das ist jetzt deine Mutter!“: Aus Liebe und Fürsorglichkeit vertraute Jesus seine Mutter Maria, die anscheinend schon verwitwet war, dem Apostel Johannes an, der ihm besonders nahestand. (Siehe Anm. zu Joh 13:23.) Jesus hatte dabei nicht nur Marias physische und materielle Bedürfnisse im Sinn. Vor allem ging es ihm darum, dass ihr Glaube stark blieb. Es ist unklar, ob Jesu leibliche Brüder damals schon an ihn glaubten; Johannes dagegen hatte seinen Glauben bereits unter Beweis gestellt (Mat 12:46-50; Joh 7:5).

sauren Wein: Oder „Weinessig“ (griechisch óxos). Wahrscheinlich handelte es sich um einen dünnen herben oder sauren Wein. Er war billig und wurde gewöhnlich von armen Leuten, einschließlich der römischen Soldaten, gegen den Durst getrunken. Auf Latein wurde er acetum („Essig“) genannt oder posca, wenn er mit Wasser verdünnt war. In der Septuaginta steht das griechische Wort óxos in Ps 69:21, wo vorausgesagt worden war, dass man dem Messias „Essig“ anbieten würde.

saurem Wein: Siehe Anm. zu Mat 27:48.

Ysopstängel: In den Christlichen Griechischen Schriften erscheint das griechische Wort hýssōpos, traditionell mit „Ysop“ wiedergegeben, nur hier und in Heb 9:19. Man ist sich nicht ganz einig, um welche Pflanze es sich in Joh 19:29 handelte. Einige denken, dass es die gleiche Pflanze war, die in den Hebräischen Schriften als „Ysop“ bezeichnet wird und die viele für Majoran (Origanum maru; Origanum syriacum) halten (3Mo 14:2-7; 4Mo 19:6, 18; Ps 51:7). Diesen „Ysop“ benutzten die Israeliten in Ägypten, um das Blut des Passahopfers an ihren Haustürrahmen zu spritzen (2Mo 12:21, 22). Wenn man voraussetzt, dass diese Pflanze auch weiterhin beim Passahfest verwendet wurde, könnte man sie, wie einige argumentieren, bei Jesu Hinrichtung zur Hand gehabt haben. Andere wenden ein, dass ein Majoranstängel nicht stabil genug gewesen wäre, um einen vollgesogenen Schwamm zu halten, oder zu kurz, um damit Jesu Mund zu erreichen. Es gibt auch die These, dass mit dem Ysop ein Majoranbüschel gemeint ist, das man an einem Schilfrohr befestigte und an Jesu Mund hielt. Das würde sich mit den Paralleltexten Mat 27:48 und Mar 15:36 decken, wonach der mit saurem Wein getränkte Schwamm „an ein Schilfrohr“ gesteckt wurde.

starb: Oder „verschied“, „hörte auf zu atmen“. Wtl. „gab den Geist auf“. Der Ausdruck „Geist“ (griechisch pneuma) kann hier im Sinn von „Atem“ oder „Lebenskraft“ verstanden werden. Das wird durch den Gebrauch des Verbs ekpnéō (wtl. „aushauchen“, „ausatmen“) in den Paralleltexten Mar 15:37 und Luk 23:46 gestützt (in den Anm. findet sich für ekpnéō zusätzlich die Wiedergabe „den letzten Atem aushauchen“). Das von Johannes verwendete griechische Verb (wtl. „aufgeben“) ist nach Ansicht einiger ein Hinweis darauf, dass Jesus seinen Todeskampf bewusst aufgab, weil nun alles vollbracht war. Sicher ist, dass er aus freien Stücken „sein Leben ausschüttete bis hin zum Tod“ (Jes 53:12; Joh 10:11).

die Beine zu brechen: Im Lateinischen wurde diese Praxis als crurifragium bezeichnet. Normalerweise war sie eine grausame Form der Bestrafung, doch in diesem Fall wollte man dadurch wahrscheinlich den Tod der Sterbenden beschleunigen. Wer am Pfahl hing, hatte Schwierigkeiten zu atmen. Wurden ihm dann noch die Beine gebrochen, konnte er sich nicht mehr aufrichten, um den Druck auf die Lunge zu verringern, und erstickte schließlich.

Vorbereitungstag: Der Tag vor dem wöchentlichen Sabbat, an dem die Juden alles für den Sabbat vorbereiteten. Sie schlossen sämtliche Arbeiten ab, die nicht bis nach dem Sabbat warten konnten, und bereiteten zusätzliche Mahlzeiten vor. In jener Woche fiel der Vorbereitungstag auf den 14. Nisan (Mar 15:42; siehe Worterklärungen zu „Vorbereitungstag“). Nach dem mosaischen Gesetz durfte ein toter Körper „nicht über Nacht am Stamm bleiben“, sondern musste „am selben Tag“ beigesetzt werden (5Mo 21:22, 23; vgl. Jos 8:29; 10:26, 27).

es war ein großer Sabbat: Der 15. Nisan, der Tag nach dem Passah, war immer ein Sabbat, ganz gleich auf welchen Wochentag er fiel (3Mo 23:5-7). Wenn dieser besondere Sabbat mit dem regulären Sabbat zusammenfiel (dem siebten Tag der jüdischen Woche, der vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Sonnenuntergang am Samstag dauerte), sprach man von einem „großen Sabbat“. Ein solcher Sabbat folgte auf den Tag, an dem Jesus starb – demnach ein Freitag. In der Zeit von 31 bis 33 u. Z. war 33 das einzige Jahr, in dem der 14. Nisan auf einen Freitag fiel. Das führt zu der Schlussfolgerung, dass Jesus am 14. Nisan 33 starb.

das Lamm Gottes: Nach seiner Taufe und den Versuchungen durch den Teufel wurde Jesus von Johannes dem Täufer als „das Lamm Gottes“ vorgestellt. Diese Bezeichnung kommt nur hier und in Joh 1:36 vor. (Siehe Anh. A7.) Der Vergleich mit einem Lamm ist treffend. In der Bibel ist immer wieder davon zu lesen, dass man Schafe opferte, um Reue über seine Sünden zu zeigen und um sich Gott zu nähern. Das war eine Vorschau auf das Opfer Jesu, der sein vollkommenes menschliches Leben für die Menschen geben würde. Die Bezeichnung „Lamm Gottes“ erinnert auch an andere Passagen in der Bibel. Da Johannes der Täufer mit den Hebräischen Schriften vertraut war, könnte er auf Verschiedenes angespielt haben: auf den Schafbock, den Abraham anstelle seines Sohnes Isaak opferte (1Mo 22:13), auf das Passahlamm, das die Israeliten in Ägypten für ihre Befreiung aus der Sklaverei schlachten mussten (2Mo 12:1-13), oder auf den jungen Schafbock, der morgens und abends auf dem Altar Gottes in Jerusalem geopfert wurde (2Mo 29:38-42). Vielleicht hatte Johannes auch die Prophezeiung Jesajas im Sinn, in der es über Jehovas „Diener“ heißt, er würde „wie ein Schaf zum Schlachten geführt“ (Jes 52:13; 53:5, 7, 11). Der Apostel Paulus bezeichnet Jesus in seinem ersten Brief an die Korinther als „unser Passahlamm“ (1Ko 5:7). Und der Apostel Petrus vergleicht das „kostbare Blut“ von Christus mit dem eines „makellosen, unbefleckten Lammes“ (1Pe 1:19). In der Offenbarung wird der verherrlichte Jesus über 25 Mal als „das Lamm“ bezeichnet (Beispiele: Off 5:8; 6:1; 7:9; 12:11; 13:8; 14:1; 15:3; 17:14; 19:7; 21:9; 22:1).

die Beine zu brechen: Im Lateinischen wurde diese Praxis als crurifragium bezeichnet. Normalerweise war sie eine grausame Form der Bestrafung, doch in diesem Fall wollte man dadurch wahrscheinlich den Tod der Sterbenden beschleunigen. Wer am Pfahl hing, hatte Schwierigkeiten zu atmen. Wurden ihm dann noch die Beine gebrochen, konnte er sich nicht mehr aufrichten, um den Druck auf die Lunge zu verringern, und erstickte schließlich.

Kein Knochen wird ihm gebrochen: Oder „Kein Knochen wird ihm zermalmt“. Dieses Zitat stammt aus Ps 34:20. Bei der Einführung des Passahs gab Jehova in Bezug auf das Opferlamm (Schaf oder Ziege) die Anweisung: „Ihr dürft keinen seiner Knochen zerbrechen“ (2Mo 12:46; 4Mo 9:12). Paulus bezeichnete Jesus als „unser Passahlamm“ (1Ko 5:7; siehe Anm. zu Joh 1:29). Und so wie es beim Passahlamm üblich war und wie es Ps 34:20 vorausgesagt hatte, wurde Jesus kein einziger Knochen gebrochen. Alles geschah wie prophezeit, und das, obwohl es bei den Römern offenbar Usus war, den am Pfahl Sterbenden die Beine zu brechen, wahrscheinlich um ihren Tod zu beschleunigen. (Siehe Anm. zu Joh 19:31.) Den beiden Verbrechern neben Jesus brachen die Soldaten die Beine. Weil Jesus aber schon tot war, taten sie es bei ihm nicht. Stattdessen stieß ihm ein Soldat mit einem Speer in die Seite (Joh 19:33, 34).

Joseph: Die Individualität der Evangelisten wird an den Einzelheiten deutlich, die sie über Joseph erwähnen. Der Steuereinnehmer Matthäus bezeichnet ihn als reichen Mann. Markus, der für eine römische Leserschaft schrieb, erwähnt, dass Joseph „ein angesehenes Mitglied des Hohen Rates“ war und „auf Gottes Königreich wartete“. Der mitfühlende Arzt Lukas charakterisiert Joseph als „guten und gerechten Mann“, der nicht für die Pläne des Hohen Rates gegen Jesus gestimmt hatte. Johannes berichtet als Einziger, dass Joseph „aus Angst vor den Juden ... nur ein heimlicher Jünger“ Jesu war (Mat 27:57-60; Mar 15:43-46; Luk 23:50-53; Joh 19:38-42).

Arimathia: Der Name dieser Stadt kommt von einem hebräischen Wort, das „Höhe“ oder „Anhöhe“ bedeutet. In Luk 23:51 wird sie als eine „Stadt der Judäer“ bezeichnet. (Siehe Anh. B10.)

die Juden: Im Johannesevangelium hat dieser Ausdruck je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen. Er kann sich auf das jüdische Volk allgemein beziehen, auf die Bewohner von Judäa oder auf die Einwohner von Jerusalem und Umgebung. Darüber hinaus kann er etwas spezieller Juden bezeichnen, die sich streng an menschengemachte religiöse Traditionen hielten, welche aber oft dem Geist des mosaischen Gesetzes widersprachen (Mat 15:3-6). Tonangebend unter diesen Juden war die jüdische Führungsriege bzw. die Religionsführer; sie standen Jesus feindlich gegenüber. In diesem und einigen anderen Versen in Johannes, Kapitel 7 zeigt der Zusammenhang, dass es sich dort um die letztgenannte Gruppe handelte (Joh 7:13, 15, 35a). (Siehe Worterklärungen zu „Jude“.)

Joseph: Siehe Anm. zu Mar 15:43.

Arimathia: Siehe Anm. zu Mat 27:57.

Juden: Bezieht sich anscheinend auf die Führungsschicht bzw. die Religionsführer der Juden. (Siehe Anm. zu Joh 7:1.)

Nikodemus: Ein Pharisäer und ein Vorsteher der Juden, d. h. ein Mitglied des Sanhedrins. Der Name Nikodemus („Besieger des Volkes“) war in der griechischen Welt verbreitet, und es gab auch Juden, die so hießen. Nikodemus wird nur im Johannesevangelium erwähnt (Joh 3:4, 9; 7:50; 19:39). Jesus nennt ihn in Joh 3:10 einen „Lehrer Israels“. (Siehe Anm. zu Joh 19:39.)

Nikodemus: Nur Johannes erwähnt, dass Nikodemus Joseph von Arimathia bei den Vorbereitungen für Jesu Beisetzung half. (Siehe Anm. zu Joh 3:1.)

Mischung: In einigen Manuskripten ist von einer „Rolle“ die Rede, doch die vorliegende Lesart ist durch frühe maßgebliche Manuskripte besser belegt.

Myrrhe: Siehe Worterklärungen.

Aloe: Als Aloe bezeichnete man eine Baumart, die eine aromatische Substanz enthält; in biblischer Zeit benutzte man diese als Parfüm (Ps 45:8; Spr 7:17; Hoh 4:14). Mit der in den Hebräischen Schriften erwähnten Aloe und der Aloe von Nikodemus ist wahrscheinlich das Gleiche gemeint: ein Erzeugnis aus Aloeholz. Wenn man einen Leichnam für die Beisetzung vorbereitete, benutzte man Aloeholz in Form von Pulver zusammen mit Myrrhe, möglicherweise um den Verwesungsgeruch zu überdecken. Die meisten Kommentatoren halten die biblische Aloe für den Adlerholzbaum (Aquilaria agallocha), der heute hauptsächlich in Indien und benachbarten Ländern zu finden ist. Der Baum wird bis zu 30 m hoch. Im Innern des Stammes und der Äste bilden sich Harz und ein duftendes Öl. Daraus wird ein sehr wertvolles Parfüm gewonnen. Da das Holz beim Vermodern offenbar das größte Aroma entwickelt, vergräbt man es manchmal im Boden, um den Fäulnisprozess zu beschleunigen. Früher zerrieb man es zu feinem Pulver und verkaufte es unter der Bezeichnung „Aloe“. Mit „Aloe“ könnte im vorliegenden Vers einigen Bibelwissenschaftlern zufolge aber auch ein Liliengewächs gemeint sein, das man heute als Aloe vera kennt. Diese Pflanze wird nicht wegen ihres Aromas verwendet, sondern wegen ihrer medizinischen Wirkung.

Pfund: Die griechische Maßeinheit lítra wird gewöhnlich mit dem römischen Pfund (lateinisch libra) gleichgesetzt und entspricht etwa 327 g. Die hier erwähnte Mischung wog also ca. 33 kg. (Siehe Anh. B14.)

Grab: Oder „Gedenkgrab“. Es handelte sich wohl um eine Gruft oder Grabkammer, die in den weichen Kalkstein gehauen war, und nicht um eine natürliche Höhle. In solchen Gräbern gab es oft in den Stein gehauene Bänke oder Nischen, wohin man den Leichnam legte. (Siehe Worterklärungen zu „Gedenkgrab“.)

Grab: Siehe Anm. zu Mat 27:60.

Medien

Nagel in einem Fersenbein
Nagel in einem Fersenbein

Dieses Foto zeigt die Nachbildung eines menschlichen Fersenbeins, das von einem 11,5 cm langen Nagel durchbohrt ist. Das Original wurde 1968 bei Ausgrabungen im N von Jerusalem entdeckt und wird in die Zeit der Römer datiert. Es liefert einen archäologischen Hinweis darauf, dass bei Hinrichtungen am Holzpfahl Nägel benutzt wurden. Jesus Christus wurde von den römischen Soldaten wahrscheinlich mit Nägeln wie diesem an den Pfahl geschlagen. Das Fersenbein wurde in einem Ossarium gefunden, einem Steinkasten, in den man die Gebeine eines Verstorbenen nach der Verwesung legte. Demnach konnten am Pfahl hingerichtete Personen ein Begräbnis erhalten.

Der Ysop in der Bibel
Der Ysop in der Bibel

Der hebräische und der griechische Begriff, der in vielen Bibelübersetzungen mit „Ysop“ wiedergegeben wird (hebräisch ʼesṓv, griechisch hýssōpos), kann eine Reihe von Pflanzenarten bezeichnen. Nach Ansicht vieler Bibelwissenschaftler bezeichnet das hebräische Wort den Majoran (Origanum maru; Origanum syriacum; siehe Abb.). Diese Pflanze aus der Familie der Lippenblütler ist im Nahen Osten weitverbreitet. Unter günstigen Bedingungen kann sie 50 bis 90 cm hoch werden. In den Hebräischen Schriften wird Ysop oft mit Reinheit in Verbindung gebracht (2Mo 12:21, 22; 3Mo 14:2-7; 4Mo 19:6, 9, 18; Ps 51:7). In den Christlichen Griechischen Schriften ist von „Ysop“ nur an zwei Stellen die Rede. In Heb 9:19, wo es um die Einführungszeremonie des alten Bundes geht, bezieht es sich offensichtlich auf die in den Hebräischen Schriften erwähnte Pflanze. In Joh 19:29 heißt es, dass man einen mit saurem Wein getränkten Schwamm „an einen Ysopstängel“ steckte und ihn Jesus an die Lippen hielt. Die Meinungen gehen auseinander, welche Pflanze hier mit hýssōpos gemeint ist. Einige argumentieren, dass ein Majoranstängel nicht lang genug gewesen wäre, um damit Jesu Mund zu erreichen. Daher müsse sich das Wort auf eine Pflanze mit einem längeren Stängel beziehen, wie z. B. Durra, eine Hirseart (Sorghum vulgare). Andere meinen, dass es sich trotzdem um Majoran gehandelt haben könnte. Da Matthäus und Markus von einem „Schilfrohr“ sprechen, wäre es denkbar, dass man ein Majoranbüschel an einem Schilfrohr befestigte (Mat 27:48; Mar 15:36).

Römische Speere
Römische Speere

Zur Standardausrüstung römischer Soldaten gehörten Wurfspieße und Stichwaffen mit langem Schaft. Das pilum (1) war so konstruiert, dass es sein Ziel durchdringen konnte. Wegen seines Gewichts konnte man das pilum zwar nicht so weit werfen, dafür konnte man damit aber einen Schild oder eine Rüstung durchbohren. Das pilum war in der Regel eine Waffe der römischen Legionäre. Es gab auch einfachere Speere mit einem hölzernen Schaft und einer schmiedeeisernen Spitze (2). Fußsoldaten der Hilfstruppen trugen manchmal einen oder mehrere solcher Speere bei sich. Es lässt sich nicht genau sagen, welche Art Speer man Jesus in die Seite stieß.

Grabkammer
Grabkammer

Die Juden beerdigten ihre Toten normalerweise in natürlichen Höhlen oder in Grabkammern, die in Fels gehauen wurden. Mit Ausnahme der Königsgräber befanden sich die Grabstätten gewöhnlich außerhalb der Städte. Auffallend ist die Schlichtheit der jüdischen Gräber, die man entdeckt hat. Das hängt offensichtlich mit der jüdischen Religion zusammen: Sie verbot die Verehrung der Toten und förderte nicht die Vorstellung, dass es nach dem Tod ein Weiterleben in einer Geisterwelt gibt.