Nach Lukas 5:1-39

5  Einmal, als Jesus am See Genẹzareth+ stand, drängte sich eine Menschenmenge um ihn und hörte sich das Wort Gottes an.  Am Ufer sah er zwei Boote liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.+  Jesus stieg in eins der Boote, und zwar in das von Sịmon, und bat ihn, ein kleines Stück hinauszufahren. Dann setzte er sich und lehrte die Menschen vom Boot aus.  Als er seine Rede beendet hatte, forderte er Sịmon auf: „Fahr an eine Stelle, wo es tief ist, und wirf die Netze zum Fang aus.“  Sịmon entgegnete: „Lehrer,* wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen,+ aber weil du es sagst, werfe ich die Netze aus.“  Als sie das taten, fingen sie so viele Fische, dass ihre Netze zu zerreißen begannen.+  Da winkten sie die Fischer* in dem anderen Boot herbei, damit sie ihnen halfen. Sie kamen, und gemeinsam füllte man beide Boote, sodass sie zu sinken drohten.  Als Sịmon Petrus das sah, fiel er zu den Knien von Jesus nieder und sagte: „Geh weg von mir, Herr*, ich bin ein sündiger Mensch!“  Denn er und die Männer bei ihm waren überwältigt von dem Fang. 10  Genauso ging es Jakobus und Johạnnes, den Söhnen von Zebedạ̈us,+ die Sịmons Geschäftspartner waren. Doch Jesus sagte zu Sịmon: „Hab keine Angst mehr. Von nun an wirst du Menschen lebendig fischen.“+ 11  Da brachten sie die Boote wieder an Land, ließen alles zurück und folgten ihm.+ 12  Bei einer anderen Gelegenheit, als er sich in einer der Städte aufhielt, war da auf einmal ein Mann voller Aussatz! Sobald er Jesus entdeckte, warf er sich auf den Boden und flehte ihn an: „Herr, wenn du nur willst, kannst du mich gesund* machen!“+ 13  Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: „Das will ich! Du sollst gesund* werden.“ Im selben Augenblick verschwand der Aussatz.+ 14  Anschließend befahl er dem Mann, niemandem etwas zu erzählen,+ und sagte: „Geh aber und zeig dich dem Priester und bring ein Opfer für deine Reinigung dar, wie es Moses vorgeschrieben hat+ – als Beweis deiner Heilung*.“+ 15  Trotzdem verbreitete sich die Nachricht über ihn, und viele Menschen strömten zusammen, um zuzuhören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.+ 16  Er zog sich jedoch oft in einsame Gegenden zurück, um zu beten. 17  Eines Tages, als er wieder lehrte, saßen Pharisäer und Gesetzeslehrer bei ihm, die aus allen Dörfern Galilạ̈as und Judạ̈as und aus Jerusalem gekommen waren. Und Jehova gab ihm die Macht, zu heilen.+ 18  Auf einmal brachten Männer einen Gelähmten, der auf einer Trage lag. Sie wollten ihn zu Jesus hineinbringen und vor ihn legen.+ 19  Doch da sie wegen der Menschenmenge nicht durchkamen, stiegen sie aufs Dach, entfernten einige Ziegel und ließen den Gelähmten auf der Trage nach unten – mitten in die Menge vor Jesus. 20  Als er sah, was für einen Glauben sie hatten, sagte er: „Freund,* deine Sünden sind vergeben.“+ 21  Da fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an zu überlegen: „Was bildet der sich ein, solche Gotteslästerungen von sich zu geben? Wer außer Gott kann Sünden vergeben?“+ 22  Jesus erkannte jedoch ihre Überlegungen und erwiderte: „Was überlegt ihr da im Herzen? 23  Was ist leichter zu sagen: ‚Deine Sünden sind vergeben‘, oder: ‚Steh auf und geh umher‘? 24  Aber damit ihr wisst, dass der Menschensohn dazu berechtigt ist, auf der Erde Sünden zu vergeben ...“ Und so forderte er den Gelähmten auf: „Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Trage und geh nach Hause.“+ 25  Sofort stand er vor ihren Augen auf, nahm die Trage, auf der er gelegen hatte, ging nach Hause und verherrlichte dabei Gott. 26  Da waren alle außer sich vor Begeisterung+ und fingen an, Gott zu verherrlichen. Voller Ehrfurcht sagten sie: „Wir haben heute etwas Wunderbares gesehen!“ 27  Danach ging Jesus weiter, sah einen Steuereinnehmer namens Lẹvi im Steuerbüro sitzen und forderte ihn auf: „Folge mir nach!“,+ 28  worauf Lẹvi alles zurückließ, aufstand und ihm folgte.+ 29  Später gab Lẹvi in seinem Haus ein großes Festessen für Jesus, und eine ganze Menge Steuereinnehmer und andere aßen mit ihnen.+ 30  Da beklagten sich* die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten bei seinen Jüngern: „Warum esst und trinkt ihr mit Steuereinnehmern und Sündern?“+ 31  Jesus erwiderte: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.+ 32  Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zur Reue aufzurufen, sondern Sünder.“+ 33  Sie sagten zu ihm: „Die Jünger von Johạnnes fasten oft und flehen und ebenso die der Pharisäer, aber deine Jünger essen und trinken.“+ 34  Jesus entgegnete: „Könnt ihr etwa die Freunde des Bräutigams dazu bringen zu fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? 35  Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam+ tatsächlich weggenommen – dann, in jenen Tagen, werden sie fasten.“+ 36  Er brachte auch noch einen Vergleich*: „Niemand schneidet aus einem neuen Obergewand ein Stück Stoff heraus und näht es auf ein altes Gewand. Sonst reißt der neue Flicken ab, und das neue Stück Stoff passt auch nicht zu dem alten Gewand.+ 37  Es gießt ja auch niemand neuen Wein in alte Weinschläuche. Sonst bringt der neue Wein die Weinschläuche zum Platzen und läuft aus, und die Weinschläuche sind unbrauchbar. 38  Neuer Wein gehört in neue Weinschläuche. 39  Niemand, der alten Wein getrunken hat, will neuen, denn er sagt: ‚Der alte Wein ist gut.‘“

Fußnoten

Oder „Unterweiser“.
Wtl. „Teilhaber“.
Oder „Gebieter“.
Wtl. „rein“.
Wtl. „rein“.
Wtl. „als Zeugnis für sie“.
Wtl. „Mensch“.
Oder „murrten“.
Oder „Gleichnis“.

Studienanmerkungen

Genezareth: Eine kleine Ebene am NW-Rand des Sees von Galiläa. Ihre Längsseite am Ufer des Sees ist ca. 5 km lang; ihre breiteste Stelle misst rund 2,5 km. In Luk 5:1 wird der See auch „See Genezareth“ genannt.

See Genezareth: Ein anderer Name für den See von Galiläa (Mat 4:18). Dieser Süßwassersee in Nordisrael wird auch See Kinnereth (4Mo 34:11) und See von Tiberias genannt. (Siehe Anm. zu Joh 6:1.) Er liegt etwa 210 m unter dem Meeresspiegel, ist 21 km lang (von N nach S), 12 km breit (von O nach W) und maximal 48 m tief. Genezareth heißt auch eine kleine Ebene am NW-Rand des Sees. Einigen Bibelwissenschaftlern zufolge könnte der Name Genezareth die griechische Form des ursprünglichen hebräischen Namens Kinnereth sein. (Siehe Anm. zu Mat 14:34 und Anh. A7, Karte 3B, „Jesus am See von Galiläa“.)

am Ufer: Am See von Galiläa gibt es in der Nähe von Kapernaum eine Stelle, die eine Art natürliches Amphitheater bildet. Wenn Jesus dort von einem Boot aus gesprochen hätte, wäre es durch die gute Akustik selbst einer großen Menschenmenge möglich gewesen, ihn deutlich zu verstehen.

lehrte die Menschen vom Boot aus: Siehe Anm. zu Mat 13:2.

fingen: Wtl. „umschlossen“, und zwar mit einem Netz.

hatte hohes Fieber: Matthäus und Markus schreiben, dass die Schwiegermutter von Petrus „mit Fieber“ im Bett lag (Mat 8:14; Mar 1:30). Nur Lukas erwähnt, wie ernst ihr Zustand war; er spricht von „hohem Fieber“. Das könnte daran liegen, dass er Arzt war. (Siehe „Einführung in Lukas“.)

ein Mann voller Aussatz: Aussatz (Lepra) ist eine schwere Hautkrankheit. In der Bibel bezeichnet „Aussatz“ jedoch noch mehr als die heute unter diesem Namen bekannte Krankheit. Wer damals die Diagnose Aussatz bekam, musste außerhalb der Gemeinschaft leben, bis er geheilt war (3Mo 13:2, Fn., 45, 46; siehe Worterklärungen zu „Aussatz; Aussätziger“). Die Evangelisten Matthäus und Markus berichten von der gleichen Begebenheit, bezeichnen den Mann aber nur als „Aussätzigen“ (Mat 8:2; Mar 1:40). Als Arzt wusste Lukas, dass es unterschiedliche Schweregrade der Krankheit gibt (Kol 4:14). Er beschreibt diesen Mann als jemand, der „voller Aussatz“ war. Offensichtlich war in seinem Fall die Krankheit schon weit fortgeschritten. (Siehe Anm. zu Luk 4:38, wo Lukas den Schweregrad einer anderen Krankheit angibt.)

berührte ihn: Unter dem mosaischen Gesetz wurden Aussätzige unter Quarantäne gestellt, damit sich andere nicht infizierten (3Mo 13:45, 46; 4Mo 5:1-4). Doch die jüdischen Geistlichen bürdeten dem Volk zusätzliche Regeln auf. Beispielsweise durfte niemand einem Aussätzigen näher als 4 Ellen (knapp 2 m) kommen, und bei Wind musste man sogar 100 Ellen (rund 45 m) Abstand halten. Solche Regeln führten zu einem herzlosen Umgang mit Aussätzigen. Alte jüdische Schriften äußern sich lobend über einen Rabbi, der sich vor Aussätzigen versteckte, und über einen anderen, der sie mit Steinen bewarf, um sie auf Abstand zu halten. Jesus dagegen ging die missliche Lage des Aussätzigen so sehr zu Herzen, dass er etwas für andere Juden Unvorstellbares tat: Er berührte den Mann, und das obwohl schon ein einziges Wort gereicht hätte, um ihn zu heilen (Mat 8:5-13).

Das will ich: Jesus ging nicht einfach nur auf die Bitte ein, sondern brachte zum Ausdruck, wie sehr er sich wünschte, den Mann zu heilen. Er handelte also nicht lediglich aus einem Pflichtgefühl heraus.

berührte ihn: Siehe Anm. zu Mat 8:3.

Das will ich: Siehe Anm. zu Mat 8:3.

zeig dich dem Priester: Wenn jemand vom Aussatz geheilt war, musste er das laut mosaischem Gesetz von einem Priester bestätigen lassen. Er musste zum Tempel gehen und dort bestimmte Opfer, die Moses vorgeschrieben hatte, darbringen (3Mo 14:2-32).

zeig dich dem Priester: Siehe Anm. zu Mar 1:44.

Während er betete: Lukas stellt in seinem Evangelium das Gebet besonders heraus. Über eine Reihe von Situationen, bei denen Jesus betete, berichtet nur er. Hier erwähnt er als einziger Evangelist, dass Jesus bei seiner Taufe betete. Später schrieb Paulus offensichtlich einige der wichtigsten Gedanken aus diesem Gebet auf (Heb 10:5-9). Weitere Beispiele sind in Luk 5:16; 6:12; 9:18, 28; 11:1; 23:46 zu finden.

um zu beten: Nur Lukas hat diese Einzelheit im Zusammenhang mit der Verwandlung Jesu festgehalten. Im nächsten Vers heißt es dann, dass Jesus betete (Luk 9:29). Andere Textstellen, wo nur Lukas erwähnt, dass Jesus betete, sind Luk 3:21; 5:16; 6:12; 9:18; 11:1; 23:46.

zog sich ... oft in einsame Gegenden zurück, um zu beten: Das ist eine von mehreren Anmerkungen über Jesu Gebetsleben, die nur im Lukasevangelium zu finden sind. (Siehe Anm. zu Luk 3:21; 9:28.) Die Form der griechischen Verben in diesem Vers zeigt, dass es für Jesus eine Gewohnheit war zu beten. Das griechische Wort für „einsame Gegenden“ (érēmos) bezieht sich oft auf eine Wüste oder Wildnis, kann aber auch ganz allgemein einen „einsamen Ort“ bezeichnen (Mat 14:13; Mar 1:45; 6:31; Luk 4:42; 8:29). Jesus war kein Einsiedler; er war gern mit anderen zusammen (Mat 9:35, 36; Luk 8:1; 19:7-10; Joh 11:5). Doch häufig suchte er die Einsamkeit, weil er noch lieber mit seinem Vater Gemeinschaft pflegte. Er wollte mit Jehova allein sein, um ganz offen mit ihm im Gebet sprechen zu können (Mat 14:23; Mar 1:35).

Jehova gab ihm die Macht: Auch wenn hier in griechischen Handschriften das Wort kýrios („Herr“) steht, gibt es stichhaltige Gründe dafür, an dieser Stelle den Gottesnamen zu verwenden. Wie der Kontext deutlich zeigt, bezieht sich kýrios hier auf Gott. Das mit „Macht“ übersetzte griechische Wort dýnamis erscheint in der Septuaginta an Stellen, wo es im hebräischen Text um die Macht oder Stärke Jehovas geht und im Kontext das Tetragramm vorkommt (Ps 21:1, 13; 93:1; 118:15; siehe Anh. C3, Einleitung, Luk 5:17).

deckten ... das Dach ab, ... eine Öffnung gegraben: Im 1. Jh. hatten viele Häuser in Israel ein Flachdach, das über eine Treppe oder eine Außenleiter zu erreichen war. Aus dem Bericht von Markus geht nicht genau hervor, was für ein Dach das Haus hatte, in dem sich Jesus aufhielt. Damals bestanden Dächer jedoch häufig aus Holzbalken, auf denen eine Schicht aus Zweigen und Schilfgeflecht lag und eine weitere aus festgedrücktem Lehm. Einige Häuser hatten auch Ziegel. Gemäß dem Lukasevangelium entfernten die Freunde des Gelähmten einige Ziegel, bevor sie ihn hinunterließen. (Siehe Anm. zu Luk 5:19.) Es dürfte für sie relativ einfach gewesen sein, eine Öffnung in das Dach zu machen, durch die sie die Trage in den überfüllten Raum hinunterlassen konnten.

entfernten einige Ziegel und ließen den Gelähmten ... nach unten: Sowohl Matthäus (9:1-8) als auch Markus (2:1-12) und Lukas berichten über die Heilung dieses Mannes, wobei sich ihre Schilderungen ergänzen. Während Matthäus nichts darüber sagt, dass der Mann durch das Dach hinuntergelassen wurde, berichtet Markus, dass die Freunde des Mannes das Dach abdeckten, eine Öffnung gruben und ihn auf einer Trage hinunterließen. Laut Lukas entfernten die Männer vorher noch einige Ziegel. (Siehe Anm. zu Mar 2:4.) Das griechische Wort für „Ziegel“ (kéramos) kann auch „Ton“ bedeuten (das Material, aus dem die Ziegel hergestellt wurden). Doch da kéramos hier im Plural steht, bezieht es sich anscheinend auf Dachziegel. Es ist nachgewiesen, dass es im alten Israel Dächer mit Ziegeln gab. Um welche Art Dach es sich in diesem Fall handelte, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Die einzelnen Ziegel könnten auf der Lehmschicht, die das Dach bildete, gelegen haben oder darin eingebettet gewesen sein. Unabhängig davon machen die Berichte deutlich, dass die Freunde des Gelähmten große Anstrengungen unternahmen, um ihn zu Jesus zu bringen. Sie bewiesen großen Glauben. In allen drei Berichten wird gesagt, dass Jesus „sah, was für einen Glauben sie hatten“ (Luk 5:20).

sah, was für einen Glauben sie hatten: Das Pronomen „sie“ zeigt, dass Jesus nicht nur den Glauben des Gelähmten bemerkte, sondern auch den Glauben der Begleiter.

sah, was für einen Glauben sie hatten: Siehe Anm. zu Mat 9:2.

Menschensohn: Oder „Sohn eines Menschen“. Dieser Ausdruck kommt in den Evangelien rund 80-mal vor. Jesus bezeichnete sich selbst als Menschensohn, wodurch er offensichtlich Folgendes herausstellen wollte: Er war wirklich ein von einer Frau geborener Mensch und er war die passende menschliche Entsprechung zu Adam. In dieser Funktion hatte er die Macht, die Menschheit von Sünde und Tod zu erlösen (Rö 5:12, 14, 15). Die Bezeichnung „Menschensohn“ machte Jesus außerdem als den Messias oder Christus kenntlich (Da 7:13, 14; siehe Worterklärungen).

Sünden zu vergeben ...: Die Auslassungspunkte zeigen an, dass Jesus den Satz nicht zu Ende sprach. Stattdessen bewies er vor aller Augen auf beeindruckende Weise, dass er die Wahrheit sagte, indem er den Mann heilte.

Menschensohn: Siehe Anm. zu Mat 8:20.

Sünden zu vergeben ...: Siehe Anm. zu Mat 9:6.

Levi: In der Parallelstelle Mat 9:9 wird dieser Jünger Matthäus genannt. Markus und Lukas verwenden den Namen Levi, wenn von ihm als ehemaligem Steuereinnehmer die Rede ist (Luk 5:27, 29). Geht es um ihn in seiner Rolle als Apostel, nennen sie ihn Matthäus (Mar 3:18; Luk 6:15; Apg 1:13). Aus der Bibel geht nicht hervor, ob Levi den Namen Matthäus schon hatte, bevor er ein Jünger Jesu wurde. Markus erwähnt als einziger Evangelist, dass Matthäus Levi der Sohn eines gewissen Alphäus war. (Siehe Anm. zu Mar 3:18.)

Steuerbüro: Oder „Zollhäuschen“. Das konnte ein kleines Haus oder einfach nur eine Hütte sein, in der der Steuereinnehmer saß und von den Händlern Steuern auf Einfuhr-, Ausfuhr- und Transitgüter einzog. Das Steuerbüro, in dem Levi (auch als Matthäus bekannt) arbeitete, befand sich in oder bei Kapernaum.

Folge mir nach!: Das hier verwendete griechische Verb hat die Grundbedeutung von „hinterhergehen“, „(nach)folgen“. In diesem Zusammenhang bedeutet es, „jemandem als Jünger nachfolgen“.

Levi: In der Parallelstelle Mat 9:9 wird dieser Jünger Matthäus genannt. Markus und Lukas verwenden den Namen Levi, wenn von ihm als ehemaligem Steuereinnehmer die Rede ist (Mar 2:14). Geht es um ihn in seiner Rolle als Apostel, nennen sie ihn Matthäus (Mar 3:18; Luk 6:15; Apg 1:13). Aus der Bibel geht nicht hervor, ob Levi den Namen Matthäus schon hatte, bevor er ein Jünger Jesu wurde. (Siehe Anm. zu Mar 2:14.)

Steuerbüro: Siehe Anm. zu Mar 2:14.

Folge mir nach!: Siehe Anm. zu Mar 2:14.

Steuereinnehmer: Viele Juden trieben für den römischen Staat Steuern ein. Ihre Landsleute hatten eine starke Abneigung gegen sie, nicht nur weil sie mit einer verhassten fremden Macht zusammenarbeiteten, sondern auch weil sie überhöhte Steuern erpressten. Die Juden wollten mit Steuereinnehmern generell nichts zu tun haben und stellten sie mit Sündern und Prostituierten auf eine Stufe (Mat 11:19; 21:32).

aßen zusammen: Oder „lagen zusammen zu Tisch“. Zusammen zu Tisch zu liegen war ein Zeichen von Vertrautheit. Zur damaligen Zeit hätten sich Juden normalerweise niemals zusammen mit Juden, auf die sie herabblickten, oder mit Nichtjuden zu Tisch gelegt.

Steuereinnehmer: Siehe Anm. zu Mat 5:46.

aßen mit ihnen: Siehe Anm. zu Mar 2:15.

Jüngern: D. h. Schülern, Anhängern.

Fasten: Fasten bedeutet, für eine gewisse Zeit nichts zu essen. (Siehe Worterklärungen.) Jesus wies seine Nachfolger nie an zu fasten, er untersagte es ihnen aber auch nicht. Unter dem mosaischen Gesetz fasteten aufrichtige Israeliten, wenn sie Jehova um Hilfe baten oder ihm ihre Reue über begangene Sünden zeigen wollten (1Sa 7:6; 2Ch 20:3).

fasten: Siehe Anm. zu Mat 6:16.

Freunde des Bräutigams: Wtl. „Söhne der Brautkammer“. Ein idiomatischer Ausdruck, der die Hochzeitsgäste beschreibt, insbesondere die Freunde des Bräutigams.

Freunde des Bräutigams: Siehe Anm. zu Mat 9:15.

Wein in ... Weinschläuche: In biblischer Zeit lagerte man Wein üblicherweise in Lederbeuteln (1Sa 16:20). Diese wurden aus der vollständigen Haut von Schafen, Ziegen oder anderen domestizierten Tieren gefertigt. Alte lederne Weinschläuche wurden mit der Zeit steif und spröde. Neue Weinschläuche waren dagegen elastisch und konnten dem Druck standhalten, der entsteht, wenn neuer Wein weiter gärt. (Siehe Worterklärungen zu „Weinschlauch“.)

Wein in ... Weinschläuche: Siehe Anm. zu Mat 9:17.

gut: Evtl. auch „besser“ (gemäß einigen Bibelhandschriften).

Medien

Überreste eines galiläischen Fischerbootes
Überreste eines galiläischen Fischerbootes

Als durch eine Dürre in den Jahren 1985/86 der Wasserspiegel des Sees von Galiläa sank, kamen im Schlamm Teile eines antiken Bootsrumpfes zum Vorschein. Der Rumpf ist 8,2 m lang, 2,3 m breit und hat eine maximale Tiefe von 1,3 m. Archäologen zufolge wurde das Boot irgendwann im 1. Jh. v. u. Z. oder 1. Jh. u. Z. gebaut. Es ist heute in einem Museum in Israel ausgestellt. In dem Video wird gezeigt, wie das Boot ausgesehen haben könnte, als es vor 2 000 Jahren über den See von Galiläa fuhr.

Fische im See von Galiläa
Fische im See von Galiläa

In der Bibel wird in Verbindung mit dem See von Galiläa oft auf Fische, das Fischen und den Beruf des Fischers Bezug genommen. In dem See sind etwa 20 verschiedene Fischarten heimisch, von denen rund die Hälfte für die Fischerei wirtschaftlich bedeutend ist. Diese lassen sich in drei Gruppen unterteilen. 1. Die Barbe, auch bini genannt. Die drei Barbenarten im See haben an den Winkeln ihres Mauls Barteln, daher auch der semitische Name bini, der „Haar“ bedeutet. Sie ernähren sich von Weichtieren und kleinen Fischen. Die Langköpfige Barbe (Barbus longiceps) (1) misst bis zu 75 cm und kann über 7 kg schwer werden. 2. Der Galiläische Buntbarsch (Tilapia galilaea) (2). Auf Arabisch heißt er muscht („Kamm“), denn die fünf Unterarten dieses Barsches haben eine Rückenflosse, die wie ein Kamm aussieht. Eine Unterart wird bis zu 45 cm lang und kann rund 2 kg wiegen. 3. Die Kinneret-Sardine (Acanthobrama terrae sanctae) (3). Sie ähnelt einem kleinen Hering und wurde schon in alter Zeit mit Salz haltbar gemacht.

Fischerboot im 1. Jahrhundert
Fischerboot im 1. Jahrhundert

Diese Abbildung stützt sich auf zwei Fundstücke aus dem 1. Jh.: auf das Wrack eines Fischerbootes, das im Uferschlamm des Sees von Galiläa gefunden wurde, sowie auf ein Mosaik, das man in einem Haus in der am See gelegenen Stadt Migdal entdeckt hat. Boote dieser Art hatten vermutlich einen Mast und mindestens ein Segel. Die Besatzung könnte aus vier Ruderern und einem Steuermann bestanden haben, der auf einer kleinen Plattform hinten am Heck stand. Das gefundene Boot war ungefähr 8 m lang, in der Mitte etwa 2,5 m breit und 1,25 m tief. Offensichtlich hatten darin 13 Personen oder sogar noch mehr Platz.