Nach Johannes 21:1-25

21  Danach erschien* Jesus den Jüngern am See* von Tibẹrias erneut. Das geschah so:  Sịmon Petrus, Thomas (genannt „Zwilling“),+ Nathạnaël+ aus Kạna in Galilạ̈a, die Söhne von Zebedạ̈us+ und zwei andere Jünger waren zusammen.  Sịmon Petrus meinte: „Ich gehe fischen“, und die anderen sagten: „Wir kommen mit.“ Also gingen sie hinaus und stiegen ins Boot. Aber während der ganzen Nacht fingen sie nichts.+  Gerade brach der Morgen an, da stand Jesus am Strand, doch die Jünger erkannten ihn nicht.+  Jesus sagte: „Kinder, ihr habt nichts zu essen, oder?“ „Nein“, antworteten sie.  Also forderte er sie auf: „Werft das Netz auf der rechten Bootsseite aus und ihr werdet etwas fangen.“ Das taten sie, aber dann konnten sie das Netz wegen der vielen Fische nicht mehr einholen.+  Da sagte der Jünger, den Jesus besonders liebte,+ zu Petrus: „Es ist der Herr!“ Als Sịmon Petrus das hörte, zog er sein Obergewand an* – er hatte nämlich nichts an – und stürzte sich ins Wasser.  Die anderen Jünger kamen mit dem kleinen Boot nach und hatten das Netz mit den Fischen im Schlepptau. Es waren ja nur noch knapp 100 Meter bis zum Ufer.  Als sie an Land gingen, sahen sie dort ein Kohlenfeuer mit Fischen darauf und Brot. 10  Jesus sagte: „Bringt ein paar von den Fischen her, die ihr gerade gefangen habt.“ 11  Sịmon Petrus ging also an Bord und zog das Netz an Land. Obwohl es mit großen Fischen – insgesamt 153 – prall gefüllt war, riss es nicht. 12  Jesus sagte zu ihnen: „Kommt her und frühstückt.“+ Doch keiner der Jünger traute sich, ihn zu fragen: „Wer bist du?“ Sie wussten nämlich, dass es der Herr war. 13  Jesus kam, nahm das Brot und reichte es ihnen, ebenso den Fisch. 14  Das war nun das dritte Mal,+ dass Jesus den Jüngern erschien, nachdem er von den Toten auferweckt worden war. 15  Nach dem Frühstück sagte Jesus zu Sịmon Petrus: „Sịmon, Sohn von Johạnnes, liebst du mich mehr als diese?“ Er antwortete: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe*.“ Da sagte Jesus zu ihm: „Weide meine Lämmer.“+ 16  Dann fragte er ihn ein zweites Mal: „Sịmon, Sohn von Johạnnes, liebst du mich?“ Er antwortete: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe*.“ Darauf sagte Jesus: „Hüte meine Schäfchen.“+ 17  Als er ihn ein drittes Mal fragte: „Sịmon, Sohn von Johạnnes, hast du mich lieb*?“, wurde Petrus traurig, weil Jesus ihm diese Frage jetzt schon zum dritten Mal stellte. Er antwortete: „Herr, du weißt alles. Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Da sagte Jesus: „Weide meine Schäfchen.+ 18  Eins steht fest: Als du jünger warst, hast du dir deine Kleidung selbst angezogen und bist gegangen, wohin du wolltest. Aber wenn du alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich anziehen und dich an einen Ort bringen, wohin du nicht willst.“+ 19  Damit deutete er an, durch was für eine Todesart Petrus Gott verherrlichen würde. Dann sagte er noch: „Folge mir weiter nach.“+ 20  Petrus drehte sich um und sah den Jünger, den Jesus besonders liebte,+ hinterherkommen. Es war derselbe, der sich beim Abendessen an die Brust von Jesus zurückgelehnt und gefragt hatte: „Herr, wer ist es, der dich verrät?“ 21  Als Petrus ihn entdeckte, fragte er Jesus: „Und was ist mit ihm, Herr?“ 22  Jesus antwortete: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an? Du aber folge mir weiter nach.“ 23  Deshalb sprach sich unter den Brüdern herum, dieser Jünger würde nicht sterben. Dabei hatte Jesus das gar nicht gesagt, sondern: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an?“ 24  Das ist der Jünger,+ der all das bezeugt und aufgeschrieben hat, und wir wissen, dass seine Zeugenaussage wahr ist.+ 25  Tatsache ist: Jesus hat noch viel mehr getan. Wollte man das alles im Detail aufschreiben, dann wäre – so denke ich – selbst die Welt zu klein für all die Buchrollen.+

Fußnoten

Wtl. „offenbarte sich“.
Wtl. „Meer“.
Oder „wickelte er sich … um“, „gürtete … um“.
Oder „Zuneigung zu dir habe“.
Oder „Zuneigung zu dir habe“.
Oder „Zuneigung zu mir“.

Studienanmerkungen

Kinder: Oder „Kinderchen“. Das griechische Wort paidíon (das Diminutiv von pais, „Kind“) wird hier als liebevolle Anrede gebraucht und kann väterliche Gefühle ausdrücken. In diesem Kontext ist es ein Ausdruck enger Freundschaft.

nichts zu essen: Oder „keine Fische“. Das griechische Wort prosphágion kommt in den Christlichen Griechischen Schriften nur ein Mal vor. In nicht biblischen Texten bezeichnete es etwas, das man zusammen mit Brot aß. Da Jesus die Frage hier an eine Gruppe von Fischern richtete, sprach er offensichtlich von Fischen.

den Jesus besonders liebte: Das ist die erste von fünf Stellen, wo von einem bestimmten Jünger die Rede ist, „den Jesus besonders [oder „sehr“] liebte“ (Joh 19:26; 20:2; 21:7, 20). Allgemein geht man davon aus, dass es sich dabei um den Apostel Johannes handelte, den Sohn von Zebedäus und den Bruder von Jakobus (Mat 4:21; Mar 1:19; Luk 5:10). Ein Grund für diese Annahme ist, dass der Apostel Johannes in diesem Evangelium nie namentlich genannt wird. Er wird nur indirekt in Joh 21:2 erwähnt, wo von den „Söhnen des Zebedäus“ die Rede ist. Einen weiteren Grund findet man in Joh 21:20-24, wo die Formulierung „der Jünger, den Jesus besonders liebte“ auf den Schreiber des Evangeliums bezogen wird. Und noch einen Hinweis liefert das, was Jesus über diesen Apostel zu Petrus sagte: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an?“ Das legt nahe, dass besagter Apostel wesentlich länger leben würde als alle anderen Apostel – eine Beschreibung, die auf Johannes passt. (Siehe Anm. zu Joh „Titel“ und Joh 1:6; 21:20.)

den Jünger, den Jesus besonders liebte: Das ist die letzte von fünf Stellen, wo von einem bestimmten Jünger die Rede ist, „den Jesus besonders [oder „sehr“] liebte“ (Joh 13:23; 19:26; 20:2; 21:7, 20). Allgemein nimmt man an, dass es sich dabei um den Apostel Johannes handelte, den Sohn von Zebedäus und den Bruder von Jakobus (Mat 4:21; Mar 1:19; Luk 5:10; Joh 21:2). Wie Joh 21:20-24 zeigt, war „der Jünger, den Jesus besonders liebte“, derselbe, „der all das … aufgeschrieben hat“, also der Schreiber des Johannes­evangeliums. (Siehe Anm. zu Joh „Titel“; 1:6; 13:23.)

hatte nichts anzuziehen: Wtl. „war nackt“. Das griechische Wort gymnós kann „dürftig gekleidet“ oder „nur mit einem Untergewand bekleidet“ bedeuten (Jak 2:15, Fn.).

der Jünger, den Jesus besonders liebte: Das ist die vierte von fünf Stellen, wo von einem bestimmten Jünger die Rede ist, „den Jesus besonders [oder „sehr“] liebte“ (Joh 13:23; 19:26; 20:2; 21:7, 20). Allgemein nimmt man an, dass es sich dabei um den Apostel Johannes handelte, den Sohn von Zebedäus und den Bruder von Jakobus (Mat 4:21; Mar 1:19; Luk 5:10; Joh 21:2; weitere Informationen enthalten die Anm. zu Joh 13:23 und 21:20).

hatte … nichts an: Oder „hatte … kaum etwas an“. Wtl. „war … nackt“. Das griechische Wort gymnós kann „dürftig gekleidet“ oder „nur mit einem Untergewand bekleidet“ bedeuten (Jak 2:15, Fn.; siehe Anm. zu Mat 25:36).

knapp 100 Meter: Wtl. „etwa 200 Ellen“. Das griechische Wort pḗchys („Elle“) bezeichnet ein Längenmaß, das ungefähr dem Abstand zwischen dem Ellbogen und der Spitze des Mittelfingers entspricht. (Vgl. Mat 6:27, Fn.; Luk 12:25, Fn.; Off 21:17.) Die Elle, die bei den Israeliten üblicherweise in Gebrauch war, betrug etwa 44,5 cm. (Siehe Worterklärungen zu „Elle“ und Anh. B14.)

Sohn von Jona: Oder „Bar-Jona“. Viele hebräische Personennamen hatten noch einen Zusatz: das hebräische Wort ben oder das aramäische Wort bar (was beides „Sohn“ bedeutet), gefolgt von dem Namen des Vaters. Außerdem war das aramäische Lehnwort bar Teil von etlichen Vornamen (z. B. Bartholomäus, Bartimäus oder Bar-Jesus), was zeigt, dass die hebräische Sprache zur Zeit Jesu vom Aramäischen beeinflusst war.

sagte Jesus zu Simon Petrus: Jesus führte dieses Gespräch mit Petrus, nicht lange nachdem dieser ihn drei Mal verleugnet hatte. Jesus fragte ihn drei Mal hintereinander, ob er ihn wirklich liebt, was Petrus traurig machte (Joh 21:17). In dem Bericht in Joh 21:15-17 werden zwei unterschiedliche griechische Verben verwendet: agapáō, das mit „lieben“, und philéō, das mit „lieb haben“ übersetzt wurde. Jesus fragte Petrus zwei Mal: „Liebst du mich?“, und beide Male beteuerte Petrus, dass er ihn „lieb hat“. Dann fragte Jesus: „Hast du mich lieb?“, was Petrus wieder bestätigte. Bei jeder Bestätigung von Petrus betonte Jesus, diese Liebe solle ihn dazu motivieren, Jesu Lämmer oder Schäfchen zu weiden und zu hüten – also für Jesu Jünger wie ein Hirte zu sorgen (Joh 21:16, 17; 1Pe 5:1-3). Jesus gab Petrus drei Mal die Gelegenheit, ihm zu versichern, dass er ihn liebt – also so oft, wie dieser ihn verleugnet hatte –, und vertraute ihm dann seine Schafe an. So ließ er keinen Zweifel daran, dass er Petrus vergeben hatte.

Johannes: Laut einigen alten Handschriften hieß der Vater des Apostels Petrus Johannes. In anderen wird er Jona genannt. Laut Mat 16:17 sprach Jesus Petrus mit „Simon, Sohn von Jona“ an. (Siehe Anm. zu Mat 16:17.) Einige Bibel­wissenschaftler vermuten, dass die griechischen Formen von Johannes und Jona lediglich zwei verschiedene Varianten desselben hebräischen Namens sind.

liebst du mich mehr als diese?: Aus grammatischer Sicht kann man die Formulierung „mehr als diese“ unterschiedlich verstehen. Viele Textforscher bevorzugen die Bedeutungsvarianten: „Liebst du mich mehr, als du die anderen Jünger liebst?“ oder „Liebst du mich mehr, als die anderen Jünger mich lieben?“ Wahrscheinlich ist jedoch gemeint: „Liebst du mich mehr als all dies hier?“, d. h. die gefangenen Fische oder alles, was mit der Fischerei zu tun hat. Wie es scheint, fragte Jesus im Prinzip: „Liebst du mich mehr als materielle Dinge oder deine Arbeit? Wenn ja, weide meine Lämmer.“ Diese Frage ist nachvollziehbar, wenn man an die Vergangenheit von Petrus denkt. Er war einer der ersten Jünger von Jesus (Joh 1:35-42). Er entschied sich aber nicht gleich dafür, Jesus dauerhaft zu begleiten, sondern nahm seine Arbeit als Fischer wieder auf. Ein paar Monate später forderte Jesus ihn auf, sein Fischereiunternehmen zu verlassen, um ein „Menschenfischer“ zu werden (Mat 4:18-20; Luk 5:1-11). Kurz nach Jesu Tod ging Petrus jedoch wieder fischen und andere Apostel schlossen sich ihm an (Joh 21:2, 3). Nun wollte Jesus Petrus wahrscheinlich vor Augen führen, dass er sich entscheiden musste: Was würde in seinem Leben Priorität haben? Wollte er seine Arbeit als Fischer an die erste Stelle setzen, dargestellt durch den Berg Fische? Oder wäre es ihm wichtiger, sich um Jesu Lämmer oder Nachfolger zu kümmern? (Joh 21:4-8).

sagte Jesus zu Simon Petrus: Jesus führte dieses Gespräch mit Petrus, nicht lange nachdem dieser ihn drei Mal verleugnet hatte. Jesus fragte ihn drei Mal hintereinander, ob er ihn wirklich liebt, was Petrus traurig machte (Joh 21:17). In dem Bericht in Joh 21:15-17 werden zwei unterschiedliche griechische Verben verwendet: agapáō, das mit „lieben“, und philéō, das mit „lieb haben“ übersetzt wurde. Jesus fragte Petrus zwei Mal: „Liebst du mich?“, und beide Male beteuerte Petrus, dass er ihn „lieb hat“. Dann fragte Jesus: „Hast du mich lieb?“, was Petrus wieder bestätigte. Bei jeder Bestätigung von Petrus betonte Jesus, diese Liebe solle ihn dazu motivieren, Jesu Lämmer oder Schäfchen zu weiden und zu hüten – also für Jesu Jünger wie ein Hirte zu sorgen (Joh 21:16, 17; 1Pe 5:1-3). Jesus gab Petrus drei Mal die Gelegenheit, ihm zu versichern, dass er ihn liebt – also so oft, wie dieser ihn verleugnet hatte –, und vertraute ihm dann seine Schafe an. So ließ er keinen Zweifel daran, dass er Petrus vergeben hatte.

liebst … lieb habe: Siehe Anm. zu Joh 21:15.

Schäfchen: Das griechische Wort probátion, das hier und in Vers 17 mit „Schäfchen“ wiedergegeben wird, ist die Verkleinerungs­form von próbaton („Schaf“). In den Christlichen Griechischen Schriften wird durch das Diminutiv häufig Zuneigung und Vertrautheit ausgedrückt. (Siehe Worterklärungen zu „Diminutiv“.)

ein drittes Mal: Petrus hatte seinen Herrn drei Mal verleugnet; Jesus gab ihm nun die Gelegenheit, ihm drei Mal seine Liebe zu versichern. Als Petrus das tat, forderte Jesus ihn auf, seine Liebe dadurch zu zeigen, dass er den Dienst für Gott allem voranstellte. Petrus würde gemeinsam mit anderen Brüdern in verantwortlicher Stellung die Herde Christi – Jesu treue Nachfolger – weiden, stärken und hüten. Auch wenn Jesu Nachfolger mit heiligem Geist gesalbt würden, müssten sie trotzdem mit geistiger Nahrung versorgt werden (Luk 22:32).

Johannes: Johannes ist die lateinisch-deutsche Entsprechung des hebräischen Namens Jehohanan (kurz Johanan) und bedeutet „Jehova hat Gunst erwiesen“, „Jehova ist gnädig (gütig) gewesen“. Der Schreiber dieses Evangeliums gibt sich nicht namentlich zu erkennen. Doch im 2. und 3. Jh. galt der Apostel Johannes in weiten Kreisen als der Schreiber des Bibelbuches. An allen Stellen im Evangelium, wo der Name Johannes vorkommt, bezieht er sich auf Johannes den Täufer, mit Ausnahme von Joh 1:42 und 21:15-17, wo der Vater von Petrus gemeint ist. (Siehe Anm. zu Joh 1:42 und 21:15.) Der Apostel Johannes wird in dem Evangelium nirgendwo mit Namen erwähnt. Man findet jedoch die Bezeichnung „die Söhne von Zebedäus“, was sich auf ihn und seinen Bruder Jakobus bezieht (Joh 21:2; Mat 4:21; Mar 1:19; Luk 5:10; siehe Anm. zu Joh 1:6). In den Schlussversen des Evangeliums bezeichnet sich der Schreiber als „der Jünger, den Jesus besonders liebte“ (Joh 21:20-24), und es gibt gute Gründe anzunehmen, dass damit der Apostel Johannes gemeint ist. (Siehe Anm. zu Joh 13:23.)

Johannes: Gemeint ist Johannes der Täufer. Der Apostel Johannes, der Verfasser dieses Evangeliums, erwähnt Johannes den Täufer 19 Mal, aber anders als die anderen Evangelisten gebraucht er nie den Zusatz „der Täufer“. (Siehe Anm. zu Mat 3:1; Mar 1:4.) Interessant ist, dass er bei den drei verschiedenen Marias, von denen er schreibt, eine Unterscheidung macht (Joh 11:1, 2; 19:25; 20:1). Bei Johannes dem Täufer braucht er das nicht zu machen, da er sich selbst nicht mit Namen nennt und damit klar ist, wen er mit „Johannes“ meint. Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Apostel Johannes der Schreiber dieses Evangeliums ist. (Siehe „Einführung in Johannes“ und Anm. zu Joh „Titel“.)

den Jesus besonders liebte: Das ist die erste von fünf Stellen, wo von einem bestimmten Jünger die Rede ist, „den Jesus besonders [oder „sehr“] liebte“ (Joh 19:26; 20:2; 21:7, 20). Allgemein geht man davon aus, dass es sich dabei um den Apostel Johannes handelte, den Sohn von Zebedäus und den Bruder von Jakobus (Mat 4:21; Mar 1:19; Luk 5:10). Ein Grund für diese Annahme ist, dass der Apostel Johannes in diesem Evangelium nie namentlich genannt wird. Er wird nur indirekt in Joh 21:2 erwähnt, wo von den „Söhnen des Zebedäus“ die Rede ist. Einen weiteren Grund findet man in Joh 21:20-24, wo die Formulierung „der Jünger, den Jesus besonders liebte“ auf den Schreiber des Evangeliums bezogen wird. Und noch einen Hinweis liefert das, was Jesus über diesen Apostel zu Petrus sagte: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an?“ Das legt nahe, dass besagter Apostel wesentlich länger leben würde als alle anderen Apostel – eine Beschreibung, die auf Johannes passt. (Siehe Anm. zu Joh „Titel“ und Joh 1:6; 21:20.)

dicht neben: Wtl. „am Busen von“. Das bezieht sich auf die Art und Weise, wie man zur Zeit Jesu zu Tisch lag, und zwar auf der linken Seite, den Arm auf ein Polster gestützt. So konnte man sich an die Brust eines Freundes zurücklehnen und etwas Vertrauliches mit ihm besprechen (Joh 13:25). Wenn es also hieß, dass jemand „dicht neben“ oder „am Busen von“ jemand anders lag, zeigte das eine besondere Vertrautheit und Wertschätzung an. Das ist offensichtlich der Hintergrund für diese und ähnliche Formulierungen bei Lukas und Johannes. (Siehe Anm. zu Luk 16:22, 23; Joh 1:18.)

den Jünger, den Jesus besonders liebte: Das ist die letzte von fünf Stellen, wo von einem bestimmten Jünger die Rede ist, „den Jesus besonders [oder „sehr“] liebte“ (Joh 13:23; 19:26; 20:2; 21:7, 20). Allgemein nimmt man an, dass es sich dabei um den Apostel Johannes handelte, den Sohn von Zebedäus und den Bruder von Jakobus (Mat 4:21; Mar 1:19; Luk 5:10; Joh 21:2). Wie Joh 21:20-24 zeigt, war „der Jünger, den Jesus besonders liebte“, derselbe, „der all das … aufgeschrieben hat“, also der Schreiber des Johannes­evangeliums. (Siehe Anm. zu Joh „Titel“; 1:6; 13:23.)

der sich … an die Brust von Jesus zurückgelehnt … hatte: Siehe Anm. zu Joh 13:23.

beim Abendessen: D. h. beim Passahmahl.

bis ich komme: Diese Worte könnten die anderen Apostel so verstanden haben, dass der Apostel Johannes sie überleben würde. Und tatsächlich führte er seinen Dienst noch fast 70 Jahre treu durch; wahrscheinlich starb er als letzter von den Aposteln. Die Formulierung „bis ich komme“ könnte die Jünger auch an Jesu Aussage erinnert haben, der Menschensohn werde in seinem Königreich kommen (Mat 16:28). Und in gewisser Weise „blieb“ Johannes auch, bis Jesus kam. Als er gegen Ende seines Lebens auf der Insel Patmos in der Verbannung war, empfing er eine Offenbarung. In faszinierenden Visionen erhielt er eine beeindruckende Vorausschau auf Ereignisse, die den „Tag des Herrn“ und damit das Kommen Jesu in Königsmacht kennzeichnen würden. Er war davon so tief bewegt, dass er als Reaktion auf Jesu Worte „Ja, ich komme schnell“ begeistert ausrief: „Amen! Komm, Herr Jesus“ (Off 1:1, 9, 10; 22:20).

Welt: Das griechische Wort kósmos wird in der klassischen griechischen Literatur und vor allem in der Bibel eng mit der Menschheit in Verbindung gebracht. (Siehe Anm. zu Joh 1:10.) Manchmal bezieht es sich in der griechischen Literatur aber auch auf das Weltall und die Schöpfung im Allgemeinen. Es ist gut möglich, dass Paulus, der im Gespräch mit den Athenern Gemeinsamkeiten herausarbeiten wollte, kósmos hier in diesem Sinn gebrauchte.

noch viel mehr getan: Johannes benutzt eine Hyperbel, wenn er schreibt, dass selbst die Welt nicht genug Platz für all die Buchrollen (die damals übliche Buchform) hätte, die man bräuchte, um darin jedes Detail aus Jesu Leben und Dienst festzuhalten. Das griechische Wort für „Welt“ (kósmos) kann dabei weit gefasst verstanden werden und die gesamte menschliche Gesellschaft (mit ihren damals vorhandenen Bibliotheken) bezeichnen; manchmal bezieht es sich in der klassischen griechischen Literatur aber auch auf das gesamte Weltall – den größten Raum, den man sich vorstellen kann. (Vgl. Anm. zu Apg 17:24.) Johannes will damit sagen, dass man noch viel mehr hätte aufschreiben können; doch was in seiner „Buchrolle“ und den anderen inspirierten Schriften steht, reiche aus, um zweifelsfrei zu beweisen, dass „Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes“ (Joh 20:30, 31). Der relativ kurze Bericht von Johannes zeichnet ein wunderschönes Bild von Gottes Sohn.

Medien

Fischerboot im 1. Jahrhundert
Fischerboot im 1. Jahrhundert

Diese Abbildung stützt sich auf zwei Fundstücke aus dem 1. Jh.: auf das Wrack eines Fischerbootes, das im Uferschlamm des Sees von Galiläa gefunden wurde, sowie auf ein Mosaik, das man in einem Haus in der am See gelegenen Stadt Migdal entdeckt hat. Boote dieser Art hatten vermutlich einen Mast und mindestens ein Segel. Die Besatzung könnte aus vier Ruderern und einem Steuermann bestanden haben, der auf einer kleinen Plattform hinten am Heck stand. Das gefundene Boot war ungefähr 8 m lang, in der Mitte etwa 2,5 m breit und 1,25 m tief. Offensichtlich hatten darin 13 Personen oder sogar noch mehr Platz.

Überreste eines galiläischen Fischerbootes
Überreste eines galiläischen Fischerbootes

Als durch eine Dürre in den Jahren 1985/86 der Wasserspiegel des Sees von Galiläa sank, kamen im Schlamm Teile eines antiken Bootsrumpfes zum Vorschein. Der Rumpf ist 8,2 m lang, 2,3 m breit und hat eine maximale Tiefe von 1,3 m. Archäologen zufolge wurde das Boot irgendwann im 1. Jh. v. u. Z. oder 1. Jh. u. Z. gebaut. Es ist heute in einem Museum in Israel ausgestellt. In dem Video wird gezeigt, wie das Boot ausgesehen haben könnte, als es vor 2000 Jahren über den See von Galiläa fuhr.

Fische im See von Galiläa
Fische im See von Galiläa

In der Bibel wird in Verbindung mit dem See von Galiläa oft auf Fische, das Fischen und den Beruf des Fischers Bezug genommen. In dem See sind etwa 20 verschiedene Fischarten heimisch, von denen rund die Hälfte für die Fischerei wirtschaftlich bedeutend ist. Diese lassen sich in drei Gruppen unterteilen. 1. Die Barbe, auch bini genannt. Die drei Barbenarten im See haben an den Winkeln ihres Mauls Barteln, daher auch der semitische Name bini, der „Haar“ bedeutet. Sie ernähren sich von Weichtieren und kleinen Fischen. Die Langköpfige Barbe (Barbus longiceps) (1) misst bis zu 75 cm und kann über 7 kg schwer werden. 2. Der Galiläische Buntbarsch (Tilapia galilaea) (2). Auf Arabisch heißt er muscht („Kamm“), denn die fünf Unterarten dieses Barsches haben eine Rückenflosse, die wie ein Kamm aussieht. Eine Unterart wird bis zu 45 cm lang und kann rund 2 kg wiegen. 3. Die Kinneret-Sardine (Acanthobrama terrae sanctae) (3). Sie ähnelt einem kleinen Hering und wurde schon in alter Zeit mit Salz haltbar gemacht.