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Der Wachtturm (Studienausgabe)  |  Mai 2017

Lass deine Liebe nicht erkalten

Lass deine Liebe nicht erkalten

„Wegen der zunehmenden Gesetzlosigkeit wird die Liebe der meisten erkalten“ (MAT. 24:12)

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1, 2. (a) Auf wen trafen Jesu Worte aus Matthäus 24:12 zunächst zu? (b) Wie geht aus der Apostelgeschichte hervor, dass die meisten frühen Christen ihre Liebe stark erhielten? (Siehe Anfangsbild.)

ALS Jesus das Zeichen des „Abschlusses des Systems der Dinge“ beschrieb, erwähnte er unter anderem, dass „die Liebe der meisten erkalten“ würde (Mat. 24:3, 12). So war es bei den Juden im 1. Jahrhundert, die behaupteten, Gottes Volk zu sein, in ihrer Liebe zu ihm aber erkaltet waren.

2 Christen hingegen waren zu dieser Zeit im Allgemeinen damit beschäftigt, „die gute Botschaft über den Christus . . . zu verkündigen“. Bei ihnen konnte man Liebe beobachten — Liebe zu Gott, zu ihren Brüdern und zu Ungläubigen (Apg. 2:44-47; 5:42). Es gab damals aber auch Christen, die zuließen, dass ihre Liebe erkaltete.

3. Warum könnte die Liebe einiger Christen erkaltet sein?

3 Zu der Versammlung in Ephesus sagte der auferstandene Jesus Christus: „[Ich] halte . . . dir entgegen, dass du die Liebe, die du zuerst hattest, verlassen hast“ (Offb. 2:4). Was könnte ein Grund dafür gewesen sein? Vielleicht ließen sich diese Nachfolger Christi von dem fleischlichen Denken der Welt beeinflussen (Eph. 2:2, 3). Wie in vielen Städten heute war in Ephesus Ausschweifung gang und gäbe. Die Stadt war unglaublich reich und die Menschen legten viel Wert auf Luxus, Freizeit und ein komfortables Leben. Offensichtlich wurde die selbstlose Liebe vom Wunsch nach Vergnügen verdrängt. Außerdem waren dreistes Verhalten und extreme Perversion weit verbreitet.

4. (a) Warum ist die Liebe heute erkaltet? (b) Was werden wir jetzt besprechen?

4 Jesu Prophezeiung über die schwindende Liebe erfüllt sich auch heute. Die Liebe zu Gott lässt immer mehr nach. Millionen Menschen haben sich von Gott abgewendet und hoffen, dass irdische Organisationen die großen Probleme unserer Zeit lösen. Daher kühlt die Liebe in der Welt immer mehr ab. Doch auch wahre Christen könnten selbstgefällig werden und wie im alten Ephesus in ihrer Liebe nachlassen. Gehen wir nun im Einzelnen darauf ein, wie unsere Liebe 1. zu Jehova, 2. zur biblischen Wahrheit und 3. zu unseren Brüdern stark bleiben kann.

LIEBE ZU JEHOVA

5. Warum ist die Liebe zu Gott so wichtig?

5 Kurz bevor Jesus davor warnte, dass die Liebe nachlassen wird, betonte er, wen wir vor allem lieben sollten: „ ,Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Sinn.‘ Dies ist das größte und erste Gebot“ (Mat. 22:37, 38). Wenn wir Jehova also innig lieben, fällt es uns leichter, seine Gebote zu befolgen, auszuharren und das Böse zu hassen. (Lies Psalm 97:10.) Satan und seine Welt wollen unsere Liebe zu Gott allerdings untergraben.

6. Was ist die Folge, wenn Menschen Gott nicht mehr lieben?

6 Die Welt um uns herum hat eine verdrehte Ansicht über Liebe. Statt den Schöpfer zu lieben, sind Menschen „eigenliebig“ (2. Tim. 3:2). Die von Satan beherrschte Welt fördert „die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und die auffällige Zurschaustellung der Mittel, die jemand zum Leben hat“ (1. Joh. 2:16). Der Apostel Paulus warnte Mitchristen davor, dem Fleisch nachzugeben, und sagte: „Das Sinnen des Fleisches bedeutet Tod, . . . weil das Sinnen des Fleisches Feindschaft mit Gott bedeutet“ (Röm. 8:6, 7). Wer sein Leben nach materiellen Dingen oder sexuellen Begierden ausrichtet, wird am Ende enttäuscht und tief verletzt sein (1. Kor. 6:18; 1. Tim. 6:9, 10).

7. In welcher Gefahr stehen Christi Nachfolger heute?

7 In einigen Ländern vertreten überzeugte Atheisten, Agnostiker oder Evolutionisten Ansichten, die nicht nur die Liebe zu Gott, sondern auch den Glauben an ihn erschüttern sollen. Sie erwecken den Eindruck, an einen Schöpfer zu glauben wäre naiv oder nicht sehr intelligent. Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit auf Wissenschaftler gelenkt, wodurch sie bewundert werden statt der Schöpfer (Röm. 1:25). Solchen Ansichten Gehör zu schenken könnte uns allmählich von Jehova entfernen und unsere Liebe erkalten lassen (Heb. 3:12).

8. (a) Unter welchen entmutigenden Situationen leiden viele im Volk Jehovas? (b) Welche Zusicherung finden wir in Psalm 136?

8 Auch anhaltende Entmutigung kann den Glauben schwächen und die Liebe zu Gott erkalten lassen. In dem von Satan beherrschten bösen System setzen uns allen hin und wieder belastende Umstände zu (1. Joh. 5:19). Vielleicht macht uns das Alter, Krankheit oder wirtschaftlicher Druck zu schaffen. Oder wir müssen mit Gefühlen der Wertlosigkeit, unerfüllten Erwartungen oder eigenen Schwächen fertigwerden. Lassen wir uns durch solche Umstände oder Gefühle niemals zu dem Gedanken verleiten, Jehova habe uns verlassen! Denken wir stattdessen darüber nach, wie uns Jehova seine nie endende Liebe zusichert. Ein Beispiel dafür ist Psalm 136:23: „Der während unseres niedrigen Zustandes unser gedachte: Denn seine liebende Güte währt auf unabsehbare Zeit.“ Wir können sicher sein: Jehovas loyale Liebe gegenüber seinen Dienern ist beständig. Er hört unsere „flehentlichen Bitten“ und geht darauf ein (Ps. 116:1; 136:24-26).

9. Was gab Paulus die Kraft, seine Liebe zu Gott zu bewahren?

9 Wie den Psalmisten, so stärkte es auch Paulus, darüber nachzudenken, dass Jehova uns immer beisteht. Paulus schrieb: „Jehova ist mein Helfer; ich will mich nicht fürchten. Was kann mir ein Mensch antun?“ (Heb. 13:6). Völlig auf Jehovas liebevolle Fürsorge zu vertrauen half Paulus, die Probleme des Lebens anzugehen, statt sich davon lähmen zu lassen. Sogar als Gefangener schrieb er mehrere ermunternde Briefe (Eph. 4:1; Phil. 1:7; Philem. 1). Wie gelang es ihm, selbst unter starkem Druck an seiner Liebe zu Gott festzuhalten? Er stützte sich auf den „Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Drangsal“ (2. Kor. 1:3, 4). Wie können wir wie Paulus unsere Liebe zu Jehova stark erhalten?

Wie zeigt sich, dass du Jehova liebst? (Siehe Absatz 10)

10. Wie können wir an unserer Liebe zu Jehova festhalten?

10 Paulus selbst erwähnte, was wichtig ist, damit unsere Liebe zu Jehova stark bleibt. Er forderte seine Glaubensbrüder auf: „Betet unablässig.“ Später schrieb er: „Verharrt im Gebet“ (1. Thes. 5:17; Röm. 12:12). Gebete sind die Grundlage für ein enges Verhältnis zu Gott (Ps. 86:3). Nehmen wir uns genügend Zeit, Jehova unsere innersten Gedanken und Gefühle mitzuteilen. So kommen wir unserem himmlischen Vater, dem „Hörer des Gebets“, immer näher (Ps. 65:2). Wenn wir dann merken, wie Jehova unsere Gebete erhört, wächst unsere Liebe zu ihm. Uns wird eines noch viel mehr bewusst: „Jehova ist nahe allen, die ihn anrufen“ (Ps. 145:18). Zu wissen, dass Jehova uns liebt und unterstützt, hilft uns bei weiteren Glaubensprüfungen.

LIEBE ZUR BIBLISCHEN WAHRHEIT

11, 12. Wie kann unsere Liebe zur biblischen Wahrheit wachsen?

11 Als Christen schätzen wir die Wahrheit. Sie bestimmt unser Denken und Handeln. Jesus nannte die Quelle der Wahrheit und sagte in einem Gebet zu seinem Vater: „Dein Wort ist Wahrheit“ (Joh. 17:17). Mit einer genauen Erkenntnis des Wortes Gottes beginnt die Liebe zur Wahrheit also zu wachsen (Kol. 1:10). Doch es geht um mehr als nur um Kopfwissen. Was uns hilft, die biblische Wahrheit zu lieben, erwähnt der von Gott inspirierte Schreiber des 119. Psalms. (Lies Psalm 119:97-100.) Nehmen wir uns im Laufe des Tages die Zeit, uns mit Bibelpassagen zu befassen, sie also zu durchdenken? Sich bewusst zu machen, wie gut es sich auswirkt, nach der biblischen Wahrheit zu leben, steigert die Wertschätzung dafür noch mehr.

12 Der Psalmist fügte noch hinzu: „Wie lind sind meinem Gaumen deine Reden gewesen, ja mehr als Honig meinem Mund!“ (Ps. 119:103). Auch wir kommen in den Genuss von schmackhafter geistiger Speise, die Gottes Organisation für uns zubereitet. Lassen wir sie am Gaumen verweilen. Dann können wir uns leichter an die „gefälligen Worte“ der Wahrheit erinnern und anderen damit helfen (Pred. 12:10).

13. Was half Jeremia, die Wahrheit aus Gottes Wort zu lieben, und wie wirkte sich das auf ihn aus?

13 Der Prophet Jeremia liebte die Wahrheit aus den Schriften. Wie wirkten Gottes Worte auf ihn? „Deine Worte fanden sich, und ich aß sie dann; und dein Wort wird mir zum Frohlocken und zur Freude meines Herzens; denn dein Name ist über mir genannt worden, o Jehova, Gott der Heerscharen“ (Jer. 15:16). Bildlich gesprochen aß und verdaute Jeremia die kostbaren Worte Gottes; er dachte also darüber nach. Dadurch entstand bei ihm eine tiefe Wertschätzung dafür, mit Gottes Namen in Verbindung gebracht zu werden. Wenn wir die biblische Wahrheit lieben, wird uns bewusst, was für eine Ehre es ist, Gottes Namen zu tragen und in der Zeit des Endes sein Königreich zu verkündigen.

Wie zeigt sich deine Liebe zur biblischen Wahrheit? (Siehe Absatz 14)

14. Wie können wir unsere Liebe zur biblischen Wahrheit vertiefen?

14 Was können wir außer dem Lesen der Bibel und unserer Publikationen noch tun, um die Liebe zur biblischen Wahrheit zu vertiefen? Besuchen wir regelmäßig die Zusammenkünfte. Der wichtigste Teil der Belehrung ist das wöchentliche Bibelstudium anhand des Wachtturms. Damit wir die Bedeutung des jeweiligen Themas erfassen können, müssen wir uns auf jeden Studienartikel gut vorbereiten. Eine Möglichkeit ist, jeden angeführten Bibeltext nachzuschlagen. Mittlerweile kann Der Wachtturm in vielen Sprachen von jw.org heruntergeladen oder in der JW Library-App geöffnet werden. Einige elektronische Formate ermöglichen es, die angeführten Bibeltexte schnell aufzurufen. Doch ganz gleich wie wir vorgehen: Unsere Liebe zur biblischen Wahrheit wird gestärkt, wenn wir diese Bibeltexte aufmerksam lesen und darüber nachdenken. (Lies Psalm 1:2.)

LIEBE ZU UNSEREN BRÜDERN

15, 16. (a) Wozu sind wir gemäß Johannes 13:34, 35 verpflichtet? (b) Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Liebe zu unseren Brüdern und der Liebe zu Gott und zur Bibel?

15 In der letzten Nacht vor seinem Tod sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe, dass auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt“ (Joh. 13:34, 35).

16 Die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern hängt eng mit unserer Liebe zu Jehova zusammen; tatsächlich geht das eine nicht ohne das andere. Der Apostel Johannes schrieb: „Wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann Gott nicht lieben, den er nicht gesehen hat“ (1. Joh. 4:20). Die Liebe zu Jehova und zu unseren Glaubensbrüdern hat auch etwas mit der Liebe zur Bibel zu tun. Warum? Weil uns Liebe zur biblischen Wahrheit dazu bewegt, gern das biblische Gebot zu befolgen, Gott und unsere Brüder zu lieben (1. Pet. 1:22; 1. Joh. 4:21).

Woran ist deine Liebe zu deinen Brüdern und Schwestern zu erkennen? (Siehe Absatz 17)

17. Was sind einige Möglichkeiten, anderen Liebe zu erweisen?

17 Lies 1. Thessalonicher 4:9, 10. Wie könnten wir Brüdern in unserer Versammlung auf praktische Weise helfen? Ältere müssen vielleicht zu den Zusammenkünften abgeholt werden. Eine Witwe mag bei Reparaturen Hilfe benötigen (Jak. 1:27). Und jeder, ob jung oder alt, braucht Aufmerksamkeit, Ermunterung und Trost, wenn er entmutigt oder niedergeschlagen ist oder mit Schwierigkeiten kämpft (Spr. 12:25; Kol. 4:11). An unseren Worten und Taten ist unser aufrichtiges Interesse und unsere echte Liebe denen gegenüber zu erkennen, „die uns im Glauben verwandt sind“ (Gal. 6:10).

18. Was wird uns helfen, kleinere Differenzen mit Glaubensbrüdern beizulegen?

18 Wie vorausgesagt, wären die „letzten Tage“ des gegenwärtigen Systems der Dinge von Selbstsucht und Gier gekennzeichnet (2. Tim. 3:1, 2). Als Christen müssen wir uns deshalb sehr anstrengen, unsere Liebe zu Gott, zur biblischen Wahrheit und zueinander zu stärken. Manchmal kann es zwischen Glaubensbrüdern zu kleineren Differenzen kommen. Doch wenn wir sie in Liebe beilegen, wirkt es sich auf alle in der Versammlung gut aus (Eph. 4:32; Kol. 3:14). Lassen wir unsere Liebe also niemals erkalten. Halten wir stattdessen an unserer innigen Liebe zu Jehova, seinem Wort und unseren Brüdern fest!