Worauf richtest du deinen Blick?

Worauf richtest du deinen Blick?

„Zu dir habe ich meine Augen erhoben, o DU, der du in den Himmeln wohnst“ (PS. 123:1)

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1, 2. Wie können wir unseren Blick auf Jehova richten?

WIR leben in „kritischen Zeiten . . ., mit denen man schwer fertig wird“. Bis Jehovas neue Welt wahren Frieden bringt, müssen wir damit rechnen, dass es täglich schlimmer wird (2. Tim. 3:1). Es ist also ratsam, sich zu fragen: „Bei wem suche ich Hilfe?“ Spontan sagst du vielleicht: „Bei Jehova!“, und das ist die beste Antwort.

2 Was bedeutet es aber, bei Jehova Hilfe zu suchen? Und wie können wir unseren Blick auf Jehova gerichtet halten, wenn wir mit komplexen Problemen zu kämpfen haben? Vor Hunderten von Jahren ermunterte ein Psalmenschreiber dazu, die Augen zu Jehova zu erheben, wenn wir Hilfe brauchen. (Lies Psalm 123:1-4.) Er verglich unseren Blick auf Jehova mit dem Blick eines Dieners auf seinen Herrn. Was meinte der Psalmist damit? Ein Diener erhofft sich von seinem Herrn nicht nur Nahrung und Schutz. Er muss auch ständig darauf achten, was sein Herr wünscht, und entsprechend reagieren. Bei uns ist es ähnlich. Wir müssen uns täglich in Gottes Wort vergewissern, was Jehova von uns wünscht, und entsprechend handeln. Nur dann wird Jehova uns in schweren Zeiten zur Seite stehen (Eph. 5:17).

3. Wie kann es dazu kommen, dass wir unseren Blick von Jehova abwenden?

3 Wir wissen natürlich, wie wichtig es ist, unseren Blick auf Jehova gerichtet zu halten. Trotzdem kann uns manchmal etwas ablenken. So war es bei Martha, die mit Jesus eng befreundet war. Sie „ließ sich durch viele Dienstleistungen ablenken“ (Luk. 10:40-42). Wenn das schon einer treuen Frau wie ihr so erging, als Jesus buchstäblich anwesend war, wie viel leichter könnte es dann uns passieren! Wie könnte das Verhalten anderer dazu führen, dass wir unseren Fokus verlieren? Und wie können wir unseren Blick auf Jehova gerichtet halten?

EIN TREUER MANN VERLIERT EIN VORRECHT

4. Warum sind wir vielleicht darüber erstaunt, was Moses widerfuhr?

4 Moses war jemand, der sich von Jehova leiten ließ. Von ihm heißt es: „Er blieb standhaft, als sähe er den Unsichtbaren.“ (Lies Hebräer 11:24-27.) Die Bibel berichtet sogar, dass es in Israel nie wieder einen Propheten gab „wie Moses, den Jehova von Angesicht zu Angesicht kannte“ (5. Mo. 34:10). Doch trotz seines sehr engen Verhältnisses zu Jehova durfte er das verheißene Land nicht betreten (4. Mo. 20:12). Wie kam es dazu?

5-7. Welches Problem entstand kurz nach dem Auszug aus Ägypten, und wie verhielt sich Moses?

5 Weniger als zwei Monate nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten — sie waren noch nicht einmal am Berg Sinai angekommen — gab es ein ernstes Problem: Das Volk hatte kein Wasser und wetterte gegen Moses. Die Lage spitzte sich so weit zu, dass er zu Jehova schrie: „Was soll ich mit diesem Volk tun? Ein wenig noch, und sie werden mich steinigen!“ (2. Mo. 17:4). Jehova gab ihm daraufhin klare Anweisungen: Er sollte mit seinem Stab auf einen Felsen im Horeb schlagen. Dann würde Wasser heraussprudeln. „Darauf tat Moses so vor den Augen der älteren Männer Israels“, und die Israeliten hatten Wasser im Überfluss. Das Problem war gelöst (2. Mo. 17:5, 6).

6 In dem inspirierten Bericht wird von Moses gesagt: „Somit gab er dem Ort den Namen Massa und Meriba, weil die Söhne Israels gehadert und weil sie Jehova auf die Probe gestellt hatten, indem sie sprachen: ,Ist Jehova in unserer Mitte oder nicht?‘ “ (2. Mo. 17:7). Die Namen Massa und Meriba waren sehr passend. Sie bedeuten „Erprobung“ und „Hader, Streit“.

7 Wie dachte Jehova über das, was bei Meriba geschehen war? Für ihn war es nicht nur eine Rebellion gegen Moses. Es war eine Auflehnung gegen ihn als ihren Gott und Souverän. (Lies Psalm 95:8, 9.) Die Israeliten waren eindeutig im Irrtum. Aber Moses reagierte genau richtig. Er wandte sich an Jehova und folgte sorgfältig seinen Anweisungen.

8. Welches Problem entstand gegen Ende der 40-jährigen Wanderung durch die Wildnis?

8 Rund 40 Jahre später gab es gegen Ende ihrer Wanderung eine ähnliche Situation. Die Israeliten waren an einem Ort, der auch den Namen Meriba bekam. Er lag in der Nähe von Kadesch, an der Grenze zum verheißenen Land. * Wieder beschwerten sich die Israeliten über Wassermangel (4. Mo. 20:1-5). Aber für Moses sollte es diesmal anders ausgehen.

9. Wozu wurde Moses aufgefordert, und wie reagierte er? (Siehe Anfangsbild.)

9 Moses wandte sich erneut an Jehova und bat um Anleitung. Jehova sagte ihm, er solle seinen Stab nehmen und das Volk vor dem Felsen versammeln. Diesmal sollte er nicht auf den Felsen schlagen, sondern zu ihm reden (4. Mo. 20:6-8). Das tat Moses aber nicht. Stattdessen machte er seinem Ärger lautstark Luft: „Hört nun, ihr Widerspenstigen! Sollen wir euch aus diesem zerklüfteten Felsen Wasser hervorbringen?“ Dann schlug er auf den Felsen — nicht ein Mal, sondern gleich zwei Mal (4. Mo. 20:10, 11).

10. Wie reagierte Jehova auf Moses’ Verhalten?

10 Jehova wurde sehr zornig auf Moses (5. Mo. 1:37; 3:26). Warum? Dafür mag es verschiedene Gründe gegeben haben. Ein Grund könnte gewesen sein, dass Moses die geänderten Anweisungen Jehovas missachtet hatte.

11. Wie könnte Moses die Ehre Jehovas geschmälert haben?

11 Vielleicht spielte aber auch etwas anderes eine Rolle. Die Felsen in der Gegend des ersten Meriba sind aus hartem Granit. Ganz gleich wie fest man darauf schlägt: Niemand würde erwarten, dass Wasser herauskommt. Doch die Felsen in der Gegend um das zweite Meriba bestehen hauptsächlich aus porösem Kalkstein. Deswegen gibt es in dieser Gegend oft unterirdische Wasservorkommen, die angezapft werden können. Könnte sich Moses, als er zwei Mal auf den porösen Felsen schlug, dem Vorwurf ausgesetzt haben, das Wasser fließe aus natürlichen Gründen heraus und nicht, weil Jehova es veranlasst hatte? Hat er dadurch, dass er nicht zu dem Felsen redete, sondern auf ihn schlug, dem Wunder das Übernatürliche genommen? *

MOSES WIRD ZUM REBELLEN

12. Aus welchem weiteren Grund war Jehova vielleicht zornig auf Moses und Aaron?

12 Es gibt eine weitere einleuchtende Erklärung für Jehovas Zorn auf Moses und Aaron. Moses hatte gesagt: „Sollen wir euch aus diesem zerklüfteten Felsen Wasser hervorbringen?“ Mit „wir“ meinte er wahrscheinlich sich und Aaron. Das war Jehova gegenüber sehr respektlos, denn schließlich wirkte er das Wunder. Psalm 106:32, 33 scheint diese Überlegung zu bestätigen: „Ferner erregten sie Zorn an den Wassern von Meriba, sodass es Moses ihretwegen schlecht erging. Denn sie erbitterten seinen Geist, und er begann, mit seinen Lippen übereilt zu reden“ (4. Mo. 27:14). * Wie dem auch sei, Moses’ Vorgehen führte dazu, dass Jehova nicht die Ehre erhielt, die ihm zustand. Jehova sagte zu Moses und Aaron: „Ihr [habt] gegen meinen Befehl . . . rebelliert“ (4. Mo. 20:24). Eine schwerwiegende Sünde.

13. Warum war Jehovas Urteil über Moses gerecht?

13 Jehova erwartete von Moses und Aaron als Führern des Volkes mehr als von anderen (Luk. 12:48). Zuvor hatte Jehova einer ganzen Generation rebellischer Israeliten den Zutritt zum Land der Verheißung verweigert (4. Mo. 14:26-30, 34). Zu Recht machte Jehova bei Moses keine Ausnahme. Wie die anderen Rebellen durfte auch er das verheißene Land nicht betreten.

DAS EIGENTLICHE PROBLEM

14, 15. Warum rebellierte Moses?

14 Wie konnte es so weit kommen, dass Moses gegen Jehova rebellierte? Werfen wir noch einmal einen Blick auf Psalm 106:32, 33: „Ferner erregten sie Zorn an den Wassern von Meriba, sodass es Moses ihretwegen schlecht erging. Denn sie erbitterten seinen Geist, und er begann, mit seinen Lippen übereilt zu reden.“ Obwohl die Israeliten eigentlich Jehova provozierten, war es Moses, der wütend wurde. Er verlor die Beherrschung und redete, ohne über die Folgen nachzudenken.

15 Moses ließ sich so sehr von dem Verhalten anderer ablenken, dass er seinen Blick von Jehova abwandte. Als das Volk das erste Mal über Wassermangel klagte, handelte Moses richtig (2. Mo. 7:6). Aber könnte es sein, dass Moses nach Jahrzehnten mit den widerspenstigen Israeliten müde und frustriert war? Konzentrierte er sich jetzt vor allem auf seine eigenen Gefühle statt darauf, wie er Jehova ehren könnte?

16. Welche Warnung enthält das, was Moses widerfuhr?

16 Wenn schon so ein treuer Prophet wie Moses aus der Bahn geworfen werden konnte, dann kann das auch uns passieren. Auch wir stehen an der Schwelle zu einem „verheißenen Land“, der neuen Welt (2. Pet. 3:13). Wir alle möchten dieses besondere Ziel erreichen. Dafür müssen wir unseren Blick fest auf Jehova gerichtet halten und uns immer fragen, was er sich von uns wünscht (1. Joh. 2:17). Was lernen wir aus Moses’ Fehler für unseren Alltag?

GIB NICHT ZU VIEL AUF DAS VERHALTEN ANDERER

17. Was hilft gegen Frustration?

17 Lass dich nicht zermürben. Selbst wenn uns immer wieder die gleichen Probleme zu schaffen machen, hören wir nicht auf, „das zu tun, was vortrefflich ist, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten“ (Gal. 6:9; 2. Thes. 3:13). Wie reagieren wir, wenn uns etwas frustriert oder wir uns wiederholt an anderen stoßen? Haben wir uns und unsere Zunge dann im Griff? (Spr. 10:19; 17:27; Mat. 5:22). Wenn wir uns provoziert fühlen, ist es wichtig, „dem Zorn Raum“ zu geben. Wessen Zorn? Dem Zorn Jehovas. (Lies Römer 12:17-21.) Blicken wir weiter auf Jehova. Warten wir geduldig, bis er sich, falls nötig, der Sache annimmt. Sich selbst zu rächen würde mangelnden Respekt vor Jehova verraten.

18. Wie sollten wir auf Anweisungen reagieren?

18 Halten wir uns gewissenhaft an aktuelle Anweisungen. Wie sollten wir auf veränderte Anweisungen Jehovas reagieren? Zögern wir erst einmal? Denken wir: „Wir haben das aber immer so gemacht!“? Nein, wir setzen Anweisungen, die Jehova uns durch seine Organisation gibt, so schnell wie möglich um (Heb. 13:17). Dabei denken wir auch an den Grundsatz: „Geht nicht über das hinaus, was geschrieben steht“ (1. Kor. 4:6). So halten wir unseren Blick auf Jehova gerichtet.

Was lernen wir daraus, wie Moses auf Fehler anderer reagierte? (Siehe Absatz 19)

19. Wie bleibt unsere Freundschaft zu Jehova trotz der Fehler anderer eng?

19 Lassen wir unsere Freundschaft zu Jehova nicht durch die Fehler anderer schwächen. Wenn wir unseren Blick auf Jehova gerichtet halten, lassen wir uns durch das Verhalten anderer nicht verbittern. Besonders wichtig ist das für Brüder, die wie Moses Verantwortung in Jehovas Organisation haben. Natürlich muss jeder auf seine eigene Rettung „mit Furcht und Zittern“ hinarbeiten (Phil. 2:12). Jehova legt aber kein starres Regelwerk als Maßstab an. Je größer unsere Verantwortung ist, desto mehr erwartet er von uns (Luk. 12:48). Wenn wir Jehova wirklich lieben, wird uns das Verhalten anderer nicht zu Fall bringen oder uns von seiner Liebe trennen (Ps. 119:165; Röm. 8:37-39).

20. Was sollten wir uns fest vornehmen?

20 Blicken wir also in den heutigen schweren Zeiten stets auf den, der „in den Himmeln wohnt“. Fragen wir uns, was sich Jehova von uns wünscht. Das Beispiel von Moses enthält wichtige Lehren für uns: Lassen wir unsere Freundschaft mit Jehova nie durch das Verhalten anderer schwächen. Nehmen wir uns ihre Unvollkommenheiten nicht zu sehr zu Herzen. Halten wir „unsere Augen auf Jehova, unseren Gott, gerichtet, bis er uns Gunst erweist“ (Ps. 123:1, 2).

^ Abs. 8 Das zuvor erwähnte Meriba wurde auch Massa genannt und lag bei Rephidim. Beide Orte wurden „Meriba“ genannt, weil sich das Volk dort jeweils gegen Moses auflehnte. Siehe Karte in Teil 7 der Broschüre Studienhilfe zur Bibel.

^ Abs. 11 Professor John A. Beck sagt über diesen Bericht: „Gemäß einer jüdischen Überlieferung kritisierten die Rebellen Moses mit den Worten: ‚Moses kennt die Beschaffenheit dieses Felsens! Wenn er uns seine Wunderkräfte beweisen will, soll er uns Wasser aus diesem anderen Felsen hervorbringen.‘ “ Das ist natürlich nur eine Überlieferung.

^ Abs. 12 Siehe „Fragen von Lesern“ im Wachtturm vom 15. Oktober 1987.