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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm  |  November 2015

 TITELTHEMA | IST KRIEG DIE LÖSUNG?

Krieg: Wie Gott dazu steht: Im ersten Jahrhundert

Krieg: Wie Gott dazu steht: Im ersten Jahrhundert

Ein Volk, das grausam unterdrückt wird. Genau wie ihre Vorfahren beten mit Sicherheit auch die Juden des 1. Jahrhunderts zu Gott um Hilfe — diesmal, weil sie von dem schweren Joch der Römer freikommen wollen. Dann macht die Nachricht von Jesus die Runde — er soll der angekündigte Messias sein! Kein Wunder, dass damals viele „hofften, dass dieser der sei, der dazu bestimmt ist, Israel zu befreien“ (Lukas 24:21). Aber die erhoffte Befreiung blieb aus. Stattdessen kam im Jahr 70 das römische Heer und zerstörte Jerusalem samt dem Tempel.

Was war passiert? Warum kämpfte Gott nicht für sein Volk, so wie er es in der Vergangenheit getan hatte? Oder warum beauftragte Gott sie nicht, selbst einen Befreiungskrieg zu führen? Hatte sich Gottes Standpunkt zum Thema Krieg geändert? Nein. Aber mit dem Volk hatte sich etwas ganz Entscheidendes geändert. Sie hatten Jesus, den Sohn Gottes, als Messias abgelehnt (Apostelgeschichte 2:36). Damit war das besondere Verhältnis zerstört, das sie als ganzes Volk zu Gott gehabt hatten (Matthäus 23:37, 38).

Weder das Volk noch das Land, das ihnen versprochen worden war, wurde jetzt noch speziell von Gott geschützt. Bei ihren Kriegen würden sie sich nie mehr auf Gottes Unterstützung berufen können. Wie Jesus angekündigt hatte, sollte jetzt ein anderes Volk in einem besonderen Verhältnis zu Gott stehen. Dabei handelte es sich um eine handverlesene Gruppe Menschen, ein Volk im übertragenen Sinne also, das in der Bibel später „das Israel Gottes“ genannt wurde (Galater 6:16; Matthäus 21:43). Es war eine Gruppe Christen, die mit Jesus im Himmel regieren sollte. Ihnen wurde im 1. Jahrhundert gesagt: „Jetzt aber seid ihr Gottes Volk“ (1. Petrus 2:9, 10).

Wenn nun also diese Christen Gottes Volk waren, kämpfte Gott dann für sie — zum Beispiel gegen die Römer, die ihnen das Leben schwer machten? Oder beauftragte er sie zu kämpfen? Keineswegs. Und warum nicht? Wie im vorigen Artikel gezeigt wurde, entscheidet Gott darüber, wann seine Kriege geführt werden. Im 1. Jahrhundert führte er weder selbst einen Krieg für die Christen noch gab er ihnen den Auftrag dazu. Die Zeit, zu der Gott gegen Unterdrückung und Grausamkeit vorgehen würde, war damals offensichtlich noch nicht gekommen.

Die Christen mussten also — genau wie es Gottes Volk schon früher getan hatte — warten, bis Gott aktiv werden würde. Sie hatten von Gott nicht das Recht dazu bekommen, in der Zwischenzeit selbst zu den Waffen zu greifen. Das konnte man aus den Lehren Jesu Christi klar erkennen. So brachte er seinen Nachfolgern nicht etwa bei, sich an Kriegen zu beteiligen, sondern gab ihnen die Anweisung: „Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen“ (Matthäus 5:44). Und als er über den bevorstehenden Angriff der Römer auf Jerusalem sprach, sagte er seinen Jüngern nicht, dass sie kämpfen sollten, sondern dass sie flüchten sollten — was sie dann auch taten (Lukas 21:20, 21).

Hinzu kommt, dass Paulus unter Gottes Anleitung an die Christen schrieb, sie sollten sich nicht selbst rächen, „denn es steht geschrieben: ,Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht Jehova‘ “ (Römer 12:19). Paulus zitierte hier, was Gott schon Jahrhunderte zuvor gesagt hatte und in 3. Mose 19:18 und 5. Mose 32:35 aufschreiben ließ. Wie im vorigen Artikel erklärt wurde, hatte Gott damals für sein Volk unter anderem dadurch Rache geübt, dass er ihnen bei Kriegen half. Dass Paulus Gottes Aussage aus dieser  Zeit wiederholte, zeigt: Gottes Standpunkt zum Thema Krieg hatte sich nicht geändert. Krieg war für ihn immer noch eine vertretbare Methode, um Grausamkeiten und Unterdrückung zu beenden — sozusagen ein Rächer für sein Volk zu werden. Doch es war so, wie es zu jeder Zeit gewesen war: Gott war derjenige, der entschied, wer wann einen von ihm autorisierten Krieg führen sollte.

Gott hat den frühen Christen also nicht das Recht gegeben, sich an Kriegen zu beteiligen. Doch wie sieht es heute aus? Ist heute irgendjemand von Gott dazu berechtigt, Kriege zu führen? Oder wird Gott demnächst selbst einen Befreiungskrieg für Menschen führen, die zu ihm halten? Wie steht Gott im Hier und Heute zum Thema Krieg? Antworten darauf werden im letzten Artikel dieser Serie gegeben.