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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM NOVEMBER 2015

 TITELTHEMA | IST KRIEG DIE LÖSUNG?

Krieg: Wie Gott dazu steht: In der vorchristlichen Ära

Krieg: Wie Gott dazu steht: In der vorchristlichen Ära

Ein Volk, das grausam unterdrückt wird. Immer wieder bitten sie Gott, ihnen zu helfen. Doch nichts passiert — vorerst. Es geht um das Volk Israel, das in biblischen Zeiten von Gott als sein Volk ausgewählt wurde. Der Unterdrücker? Das Großreich Ägypten (2. Mose 1:13, 14). Über Jahre hinweg sehnten sich die Israeliten danach, von Gott aus den Klauen der ägyptischen Herrschaft befreit zu werden. Dann endlich war die Zeit gekommen (2. Mose 3:7-10). Die Bibel berichtet, dass Gott persönlich Krieg gegen Ägypten führte: Das Land bekam eine verheerende Plage nach der anderen zu spüren. Und schließlich gingen Ägyptens Krieger und ihr Pharao im Roten Meer unter (Psalm 136:15). Um sein Volk zu befreien, zeigte Gott, was für ein mächtiger Krieger er war (2. Mose 15:3, 4).

Für Gott ist somit nicht pauschal jeder Krieg schlecht; er führte selbst Krieg. Und es gab auch Situationen, in denen er seinem Volk Israel das Recht gab, zu den Waffen zu greifen. So sollten sie zum Beispiel gegen die abartig grausamen Bewohner Kanaans kämpfen (5. Mose 9:5; 20:17, 18). Und König David sollte Befreiungskriege gegen die Philister führen. Dafür lieferte Gott einmal sogar eine Kampfstrategie mit Erfolgsgarantie (2. Samuel 5:17-25).

Diese Aufzeichnungen in der Bibel zeigen: Wenn es um Unterdrückung und Grausamkeiten ging, die Gottes Volk bedrohten, berechtigte Gott sie, Krieg zu führen. So konnte sich das Volk schützen und Gott konnte weiter auf die bestmögliche Weise von Menschen verehrt werden. Aber: Für die von Gott autorisierten Kriege galten stets drei Grundregeln:

  1. GOTT WAR DERJENIGE, DER ENTSCHIED, WER KRIEG FÜHRTE. Als die Israeliten einmal von einer feindlichen Macht bedroht wurden, sagte Gott zu ihnen: „Ihr werdet hierbei nicht zu kämpfen haben.“ Warum nicht? Gott würde die Sache selbst in die Hand nehmen (2. Chronika 20:17; 32:7, 8). Und das tat er oft, wie zum Beispiel am Roten Meer. Bei anderen Gelegenheiten hielt Gott es für angebracht, sein Volk mit Kriegen zu beauftragen. Das war, wenn es darum ging, das ihnen zugesprochene Land zu erobern und auch zu verteidigen (5. Mose 7:1, 2; Josua 10:40).

  2. GOTT WAR DERJENIGE, DER ENTSCHIED, WANN DIESE KRIEGE GEFÜHRT WURDEN. Alle, die an Gott glaubten, mussten geduldig auf den Zeitpunkt warten, zu dem Gott es für richtig hielt, gegen Unterdrückung  und Grausamkeiten vorzugehen. Sie hatten kein Recht, eigenmächtig schon vorher einen Krieg anzufangen. Wenn sie es doch taten, verloren sie Gott als ihren Unterstützer. In der Bibel finden sich mehrere Berichte darüber, wie verheerend es sich auswirkte, wenn Gottes Volk eigenmächtig zu den Waffen griff. *

  3. Gott führte zwar Krieg gegen die Kanaaniter, aber Einzelne — wie Rahab und ihre Familie — wurden dabei verschont

    GOTT GEFÄLLT ES NICHT, WENN MENSCHEN STERBEN — AUCH NICHT, WENN ES SCHLECHTE MENSCHEN SIND. Jehova ist als Schöpfer des Menschen derjenige, von dem alles Leben kommt (Psalm 36:9). Da ist es nur logisch, dass er niemandem den Tod wünscht. Doch traurigerweise gibt es grausame Menschen, Unterdrücker, die über Leichen gehen (Psalm 37:12, 14). Um solchem Treiben Einhalt zu gebieten, hat Gott bei verschiedenen Gelegenheiten Kriege angeordnet. Doch in all den Jahren, in denen das Volk Israel diese Kriege kämpfte, war Gott „langsam zum Zorn“, wie es die Bibel sagt, und barmherzig mit den Gegnern seines Volkes (Psalm 86:15). Zum Beispiel sollten die Israeliten feindliche Städte vor irgendwelchen Kampfhandlungen zuerst zur friedlichen Übergabe auffordern, damit die Einwohner ihr Verhalten ändern und den Krieg so abwenden konnten (5. Mose 20:10-13). * Gott zeigte also, dass es ihm keine Freude macht, wenn jemand wegen seines verkehrten Verhaltens stirbt. Nein, er wünscht sich, dass sich Menschen ändern und am Leben bleiben (Hesekiel 33:11, 14-16).

Das alles zeigt: Wenn in der vorchristlichen Ära Menschen andere unterdrückten, sich grausam oder abartig verhielten, war Krieg für Gott eine legitime Methode, um dagegen vorzugehen. Aber wer wann kämpfen sollte, das entschieden nicht Menschen, sondern Gott. War Gott dabei ein grausamer Schlächter, dem gar nicht genug Blut fließen konnte? Im Gegenteil: Er hasst Gewalt (Psalm 11:5). Wie war es dann, als Jesus Christus auf die Erde kam? Änderte Gott im 1. Jahrhundert seinen Standpunkt zum Thema Krieg?

^ Abs. 7 Einmal beispielsweise kämpften die Israeliten gegen die Amalekiter und die Kanaaniter, obwohl Gott ihnen gesagt hatte, sie sollten es nicht tun. Das Ergebnis war eine vernichtende Niederlage (4. Mose 14:41-45). Jahrhunderte später zog der an sich gute König Josia gegen Pharao Necho in den Krieg, ohne dafür Gottes Zustimmung zu haben. Diese überstürzte Aktion bezahlte er mit seinem Leben (2. Chronika 35:20-24).

^ Abs. 8 Mit den Kanaanitern führten die Israeliten keine Friedensverhandlungen. Der Grund? Die Kanaaniter hatten 400 Jahre lang Zeit bekommen, ihr schreckliches Verhalten zu ändern. Als die Israeliten dann gegen sie kämpften, war ihre Zivilisation unverbesserlich von Abartigkeit durchdrungen (1. Mose 15:13-16). Deshalb sollten sie ausgelöscht werden. Doch es gab Kanaaniter, die bereit waren, sich zu ändern. Sie wurden verschont (Josua 6:25; 9:3-27).

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