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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM SEPTEMBER 2015

 LEBENSBERICHT

Etwas Besseres, als ein Star zu sein

Etwas Besseres, als ein Star zu sein

Über Nacht änderte sich für mich alles. Mit nicht einmal zwanzig wurde ich 1984 zur Miss Hongkong gekürt. Mein Bild war auf den Titelseiten von Zeitungen und Magazinen zu sehen. Ich trat als Tänzerin und Sängerin auf, hielt Reden, war Gastgeberin von Fernsehshows, sah immer gut aus und trat in der Öffentlichkeit mit wichtigen Persönlichkeiten auf, wie dem Gouverneur von Hongkong.

Im darauffolgenden Jahr wurde ich Schauspielerin und bekam in verschiedenen Filmen die Hauptrolle. Reporter wollten meine Story, Fotografen wollten Bilder von mir und ich sollte der Stargast auf Premieren, Eröffnungsfeiern und Diners sein. Es drehte sich immer alles um mich.

In einem Actionfilm

Nach einer Weile merkte ich allerdings, dass das alles gar nicht so toll war, wie es aussah. Ich hatte hauptsächlich Rollen in Actionfilmen und das war nicht ganz ungefährlich. Anders als in Hollywood war es bei uns in Hongkong weniger üblich, mit Doubles zu arbeiten. Also musste ich viele Stunts selbst machen — dazu gehörte auch der Sprung mit dem Motorrad über ein Auto. In vielen Filmen, in denen ich mitspielte, ging es ziemlich unmoralisch und brutal zu. Andere handelten von Magie und Okkultismus.

Im Jahr 1995 heiratete ich einen Filmproduzenten. Scheinbar hatte ich alles, was man sich nur wünschen kann — ich war berühmt, hatte Geld und einen lieben Mann —, aber trotzdem war ich traurig und unglücklich. Ich entschied mich, aus dem Filmgeschäft auszusteigen.

KINDHEITSERINNERUNGEN

Ich hatte als Kind einen Glauben gehabt, an den ich mich jetzt erinnerte. Und das waren schöne Erinnerungen. Damals hatten meine Schwester und ich jeden Samstag Familie McGrath besucht, die Zeugen Jehovas waren. Der Vater, den wir Onkel Joe nannten, hatte mit uns und seinen drei Töchtern jedes Mal etwas aus der Bibel besprochen. Die McGraths waren eine ganz herzliche, liebe Familie und Onkel Joe behandelte seine Frau und seine Töchter wirklich gut. Ich war gerne mit zu ihren religiösen Treffen gegangen und manchmal hatten sie uns auch zu größeren Kongressen mitgenommen. Was waren das doch für schöne Zeiten gewesen! Bei den Zeugen hatte ich mich richtig gut aufgehoben gefühlt.

 Ganz anders zu Hause. Dort war ich grauenhaft behandelt worden. Mein Vater machte meiner Mutter unendlich viel Kummer und sie wurde richtig depressiv. Als ich ungefähr zehn war, brach Mutter alle Kontakte, die sie zu Zeugen Jehovas gehabt hatte, ab. Ich blieb mehr oder weniger dabei und ließ mich mit 17 taufen. Kurz darauf hatte ich mich allerdings nicht mehr wie eine Christin verhalten und war von da an keine Zeugin Jehovas mehr.

MEIN WEG ZURÜCK

Nicht lange nach meiner Hochzeit besuchten mich zwei Älteste (Seelsorger) von Jehovas Zeugen aus der Nähe. Sie zeigten mir, wie ich wieder eine Freundschaft zu Gott aufbauen könnte, und baten Cindy, eine Missionarin, mir dabei zu helfen. Damals hatte ich so gut wie keinen Glauben mehr. Also wollte ich von Cindy erst einmal ein paar Gründe dafür geliefert bekommen, warum man sagen kann, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Daraufhin zeigte sie mir einige Voraussagen aus der Bibel, die sich schon erfüllt hatten. Im Lauf der Zeit wurde sie eine richtig gute Freundin für mich und sie bot mir an, mit mir die Grundlehren der Bibel durchzugehen. Ich sagte Ja. Damals ging mir das erste Mal auf, dass Jehova ein Gott der Liebe ist, der mich wirklich glücklich sehen möchte.

Ich ging auch wieder zu den Zusammenkünften von Jehovas Zeugen und fühlte mich da viel wohler als bei meinen alten Bekannten aus der Filmbranche. Aber das, was ich als Kind erlebt hatte, hatte seine Spuren hinterlassen. Ich traute niemandem und mochte mich selbst nicht. Eine Glaubensschwester zeigte mir gute Tipps aus der Bibel zum Thema emotionale Probleme. Mit der Zeit schaffte ich es, schöne Freundschaften zu schließen.

ETWAS BESSERES, ALS EIN STAR ZU SEIN

Mein Mann und ich zogen 1997 nach Hollywood. Ich konzentrierte mich immer mehr darauf, anderen die Kostbarkeiten aus Gottes Wort zu zeigen. Das macht viel zufriedener und glücklicher, als ein gefeierter Filmstar zu sein. Ein Beispiel: 2002 traf ich Cheri, die ich aus Hongkong kannte. Wir hatten eine ähnliche Vorgeschichte. Auch sie war Miss Hongkong gewesen, und zwar ein Jahr vor mir. Sie hatte mich damals gekrönt. Und sie war ebenfalls zum Film gegangen, erst als Schauspielerin, dann als Produzentin. Dabei arbeitete sie mit bekannten Regisseuren zusammen. Jetzt wohnte sie wie ich in Hollywood.

Sie erzählte mir, dass ihr Verlobter ganz plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben war. Sie tat mir so leid! Ihr Glaube als Buddhistin gab ihr keinen Trost. Und obwohl sie, genauso wie ich, ein Leben hatte, um das sie viele beneideten, war sie unglücklich und traute niemandem. Ich zeigte ihr, was ich aus der Bibel gelernt hatte. Aber als Buddhistin konnte sie zunächst nicht so viel damit anfangen.

Meine Freundin Cheri, hier am Set

2003 war Cheri für einen ihrer Filme in Vancouver (Kanada). Eines Tages rief sie mich ganz aufgeregt an. Sie war mit dem Auto unterwegs gewesen, hatte die Landschaft bewundert und einfach laut drauflos gebetet: „Sag mir: Wer ist der wahre Gott? Wie heißt du?“ In diesem Moment fuhr sie an einem Königreichssaal vorbei und sah dort den Namen Jehova. Das war für sie die Antwort von Gott und sie wollte sich so schnell wie möglich mit Zeugen Jehovas treffen. Ich arrangierte alles und nur ein paar Tage später ging sie in einen  Königreichssaal in Vancouver, in dem die Zusammenkünfte auf Chinesisch stattfanden.

Später erzählte sie mir: „Weißt du, diesen Leuten liegt wirklich etwas an mir. Ich kann ihnen sagen, wie es tief in mir aussieht.“ Da war ich glücklich, weil sich Cheri beim Film nie mit irgendjemand angefreundet hatte. Sie ging weiter zu den Zusammenkünften. 2005 unterschrieb sie allerdings einen Vertrag für zwei Monumentalfilme in China und musste zurück nach Hongkong. Ich hab mich richtig gefreut, als sich Cheri 2006 entschied, für Gott zu leben, und sich auf einem Kongress von Jehovas Zeugen in Hongkong taufen ließ. Sie wollte mehr für Gott tun, aber ihre Arbeit beim Film erschwerte das Ganze und sie war deswegen sehr traurig.

WAS WIRKLICH GLÜCKLICH MACHT

Cheris Leben änderte sich dann 2009. Sie zog sich aus dem Filmgeschäft zurück und konnte endlich mehr für ihren Gott Jehova tun. Sie wuchs immer enger mit den Glaubensbrüdern und -schwestern ihrer Gemeinde zusammen und wurde eine Vollzeitpredigerin. Sie genießt es richtig, anderen zu zeigen, wie gut die Bibel für das Leben ist (Matthäus 24:14).

Irgendwann fing Cheri an, Nepali zu lernen, um die wachsende Nepali-Gruppe von Jehovas Zeugen in Hongkong zu unterstützen. Dazu muss ich sagen, dass Nepalesen in Hongkong oft ignoriert und sogar ziemlich schlecht behandelt werden, weil sie weder gut Englisch noch Chinesisch können und eine ganz andere Kultur haben. Cheri erzählte mir immer wieder davon, wie viel Schönes sie erlebte. Einmal zum Beispiel, als sie von Haus zu Haus unterwegs war, unterhielt sie sich mit einer Frau, die ein bisschen über Jesus wusste, aber nichts über Gott. Cheri zeigte ihr aus der Bibel, dass Jesus zu seinem Vater im Himmel gebetet hatte. Als der Frau aufging, dass auch sie zu dem wahren Gott Jehova beten kann, wollte sie unbedingt mehr wissen. Bald wollten auch ihr Mann und ihre Tochter die Bibel kennenlernen (Psalm 83:18; Lukas 22:41, 42).

Cheri heute

Als ich so beobachtete, wie gern Cheri Vollzeitpredigerin war, dachte ich mir: „Das könnte ich doch eigentlich auch. Worauf warte ich noch?“ Damals wohnte auch ich wieder in Hongkong. Ich nahm ein paar Änderungen in meinem Leben vor und habe jetzt mehr Zeit für meine Tätigkeit als Bibellehrerin. Für die Menschen da zu sein, ihnen zuzuhören und ihnen die Bibel zu erklären, das macht mich wirklich glücklich.

Ich finde, dass es am glücklichsten macht, anderen Gottes Wort näherzubringen

Zum Beispiel konnte ich einer vietnamesischen Frau helfen, die immer sehr traurig war und oft Tränen in den Augen hatte. Dank ihrem Bibelkurs hat sie jetzt echte Lebensfreude und genießt die Gemeinschaft mit Jehovas Zeugen.

Cheri und ich haben beide etwas viel Besseres gefunden als Glanz und Glamour. Beim Film war es aufregend und wir sind berühmt geworden, aber es ist viel schöner, anderen zu zeigen, was für ein genialer Gott Jehova ist und ihn ins Rampenlicht zu rücken. Was Jesus gesagt hat, stimmt absolut: „Beglückender ist Geben als Empfangen“ (Apostelgeschichte 20:35).

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