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DER WACHTTURM JUNI 2015

Der goldene Herbst des Lebens

Der goldene Herbst des Lebens

ALT WERDEN. Viele reagieren auf diese Aussicht mit echter Sorge oder machen sich zumindest so ihre Gedanken. Kein Wunder, verbindet man damit doch einige unangenehme Begleiterscheinungen: Das Aussehen verändert sich, der Körper macht nicht mehr so mit, das Gedächtnis lässt nach und manche Leiden werden chronisch.

Doch Älterwerden ist nicht gleich Älterwerden. Nicht wenige Senioren erfreuen sich an ihrem Lebensabend relativ guter Gesundheit — sowohl körperlich als auch mental. Andere kommen dank moderner Medizin mit chronischen Krankheiten zumindest zurecht. Das Ergebnis ist, dass in einigen Ländern immer mehr Leute länger und gesünder leben.

Altersbeschwerden oder nicht — eigentlich wünscht sich doch jeder, mit dem Altern gut umgehen zu können. Nur, wie erreicht man das? Natürlich spielt die Grundeinstellung eine wichtige Rolle. Außerdem ist es eine große Hilfe, wenn man weiß, was man in dieser neuen Lebensphase beachten sollte, und das dann auch umsetzt. Einige Tipps aus der Bibel können dabei helfen.

GRENZEN RICHTIG EINSCHÄTZEN: „Ein weiser Mensch ist bescheiden“ (Sprüche 11:2, Gute Nachricht Bibel). So ein weiser, bescheidener Mensch wäre zum Beispiel jemand, der die neuen Grenzen, die ihm das Alter steckt, anerkennt. Er akzeptiert seine Einschränkungen und lernt, damit zu leben, anstatt sie nicht wahrhaben zu wollen. Charles (93) aus Brasilien ist da ganz realistisch: „Man muss nun mal alt werden, um lange zu leben. Die Zeit kann man nicht zurückdrehen.“

Bescheidenheit heißt aber nicht, sich gleich geschlagen zu geben, nach dem Motto: „Jetzt bin ich alt. Was hab ich schon noch zu erwarten?“ So eine Einstellung könnte einem sämtliche Lebensfreude rauben. „Hast du dich entmutigt gezeigt am Tag der Bedrängnis? Deine Kraft wird karg sein“, sagt die Bibel in Sprüche 24:10. Ein bescheidener, weiser Mensch wird stattdessen das Beste aus der Situation machen.

Corrado (77) aus Italien hat dazu eine Lebensweisheit: „Wenn es bergauf geht, schaltet man eben einen Gang runter und versucht, den Motor nicht abzuwürgen.“ Wer älter wird, muss also etwas verändern. Corrado und seine Frau versuchen jetzt zum Beispiel, die Hausarbeit schrittweise zu erledigen. Dafür haben sie sich eine realistische Einteilung überlegt, bei der sie sich nicht hetzen müssen. So fühlen sie sich am  Ende des Tages nicht komplett erschöpft. Marian (81) aus Brasilien ist da auch ganz pragmatisch. Sie sagt: „Ich muss mir meine Kräfte nun mal einteilen. Wenn ich das Gefühl habe, ich bräuchte eine Pause, dann gönn ich sie mir. Ich setze oder lege mich hin und lese ein bisschen. Oder höre Musik. Ich habe gelernt, meine Grenzen zu erkennen und einzuhalten.“

Auf sich achten

AUF SICH ACHTEN: „Mit Sinn für das richtige Maß und besonnen sollen sie [die Frauen] sich kleiden“ (1. Timotheus 2:9, Das Buch). In diesen Worten schwingt schon etwas von Ausgeglichenheit und gutem Geschmack mit. Barbara (74) aus Kanada sagt: „Ich versuche, ordentlich und schick auszusehen. Ich will ja nicht rumlaufen wie eine alte Schachtel, so nach dem Motto: ,Ich bin alt, da ist alles egal.‘ “ Fern (91) aus Brasilien erzählt: „Ab und zu kauf ich mir neue Kleidung — und da fühl ich mich dann auch richtig gut drin.“ Und wie steht es mit den Herren der Schöpfung? „Ich versuch, immer tipptopp auszusehen. Dazu zieh ich frische, saubere Kleidung an“, sagt Antônio (73) aus Brasilien. Und zum Thema Körperpflege meint er: „Ich rasiere und dusche mich jeden Tag.“

Natürlich sollte man auch nicht derart um sein Aussehen besorgt sein, dass es nichts mehr mit „Sinn für das richtige Maß und besonnen“ sein zu tun hat. Bok-im (69) aus Südkorea geht das Thema Kleidung ganz ausgeglichen an. Sie sagt: „Ist ja klar, dass ich nicht mehr die gleichen Sachen anziehen kann wie als junges Mädchen. Wie sähe das denn aus!“

Positiv bleiben

POSITIV BLEIBEN: „Wer alles schwer nimmt, hat nie einen guten Tag. Wer guten Mutes ist, hat immer Festtag“ (Sprüche 15:15, Bruns). Beim Älterwerden wandern die Gedanken immer wieder mal in die Vergangenheit, wo man noch voller Saft und Kraft war und viel mehr tun konnte als heute — leider oft ein schmerzhafter Gedanke. Das ist nur allzu verständlich. Trotzdem ist es wichtig, sich gegen diese negativen Gefühle zu wehren. Wer immer nur an früher denkt, ist womöglich im Heute recht unglücklich und sieht vielleicht auch nicht mehr, was er noch alles tun kann. Joseph (79) aus Kanada sieht die Sache positiv: „Ich versuche, nicht den Dingen nachzuweinen, zu denen ich nicht mehr in der Lage bin. Stattdessen genieße ich möglichst all das, was noch geht.“

Durch Lesen und Dazulernen erweitert man seinen Horizont — auch das hilft, sich gut zu fühlen. Deshalb ist es bestimmt eine gute Idee, viel zu lesen und zu lernen. Ernesto (74) von den Philippinen sucht gerne in der Bücherei nach interessantem Lesestoff. „Ich verlasse immer noch gerne meine vier Wände und begebe mich auf die Entdeckungsreise, die zwischen den Seiten eines Buches auf mich wartet.“ Lennart (75) aus Schweden hat sich sogar an eine neue Sprache herangewagt.

Großzügig sein

GROSSZÜGIG SEIN: „Übt euch im Geben, und man wird euch geben“ (Lukas 6:38). Wer sich angewöhnt, etwas von dem abzugeben, was er hat — auch von seiner Zeit —, bewirkt damit nicht nur Gutes, sondern hat  auch das schöne Gefühl, etwas Sinnvolles gemacht zu haben. Hosa (85) aus Brasilien hilft anderen trotz ihrer körperlichen Einschränkungen gerne. Sie sagt: „Wenn es Freunden von mir nicht gut geht, ruf ich sie an oder schreibe ihnen einen Brief. Manchmal schick ich auch ein kleines Geschenk. Oder ich mache etwas zu essen für einen Kranken — und wenns nur ein Nachtisch ist.“

Großzügig sein ist ansteckend. „Wer anderen zeigt, dass er sie lieb hat, wird auch zurückgeliebt“, sagt Jan (66) aus Schweden. Eindeutig: Mit Großzügigkeit wird eine warme, angenehme Atmosphäre voll Dankbarkeit geschaffen, in der sich jeder wohlfühlt.

KEIN EINZELGÄNGER SEIN: „Wer sich absondert, folgt seinen eigenen Wünschen, er widersetzt sich aller Klugheit“ (Sprüche 18:1, Zürcher Bibel). Jeder hat ab und zu das Bedürfnis, allein zu sein. Aber sich zurückzuziehen oder sogar zu isolieren ist nicht gut. Innocent (72) aus Nigeria genießt es, Zeit mit anderen zu verbringen. Er meint: „Ich bin liebend gern mit Leuten zusammen — egal wie alt sie sind.“ Börje (85) aus Schweden sagt über sich: „Ich halte mich ans Jungvolk. Ihre Lebensfreude springt auf mich über. So fühl ich mich zumindest innerlich wieder jung.“ Warum nicht mal ein paar nette Leute einladen? Han-sik (72) aus Südkorea erzählt: „Meine Frau und ich laden besonders gerne jüngere und ältere Leute zusammen ein — zum Essen oder einfach nur so.“

Kein Einzelgänger sein

Wer es mag, Leute um sich zu haben, redet oft auch gerne. Aber Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Wenn man wirklich für andere da sein will, gibt es etwas Wichtiges zu beachten: Ein guter Freund will auch wissen, was in dem anderen vorgeht. Helena (71) aus Mosambik berichtet: „Ich bin nett zu anderen und behandle sie mit Würde. Ich hör ihnen gut zu, damit ich herausfinde, was sie denken und was sie mögen.“ José (73) aus Brasilien meint: „Jeder ist gern mit einem guten Zuhörer zusammen — mit jemand, der sich für ihn interessiert und mit ihm mitfühlt, der ihn im richtigen Moment lobt und mit dem man auch lachen kann.“

Sagt man etwas, ist es natürlich gut, wenn man es freundlich und angenehm verpackt (Kolosser 4:6). Warum sich nicht etwas überlegen, was dem anderen wirklich guttut?

DANKBAR SEIN: „Erweist euch als dankbar“ (Kolosser 3:15). Wenn einem geholfen wird, ist es schön, wenn man sich dafür auch bedankt. Es tut dem Miteinander einfach gut, wenn man Aufmerksamkeit von anderen mit Aufmerksamkeiten erwidert. „Als mein Mann und ich neulich von einem Haus in eine Wohnung umgezogen sind, haben uns zig Freunde geholfen. Wir konnten ihnen gar nicht genug danken! Also haben wir persönliche Dankeskarten geschrieben und auch schon ein paar der Helfer zum Essen eingeladen“, erzählt Marie-Paule (74) aus Kanada. Jae-won (76) aus Südkorea ist ganz glücklich, weil sie immer zum Königreichssaal mitgenommen wird. Sie sagt: „Für diesen Service bin ich so dankbar, dass ich es mir nicht nehmen lasse, Fahrgeld anzubieten. Manchmal mache ich auch kleine Geschenke und schreib ein paar liebe Zeilen.“

Dankbar sein sollte man natürlich vor allem für das Leben an sich. Weil, wie schon der weise König Salomo sagte, „ein lebender Hund besser daran ist als ein toter Löwe“ (Prediger 9:4). Fazit: Wer die richtige Grundhaltung hat und bereit ist, sich auf neue Umstände einzustellen, der kann den goldenen Herbst des Lebens auch genießen.

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