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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM JULI 2014

Kindererziehung: Wie macht man es richtig?

Kindererziehung: Wie macht man es richtig?

„Ich wurde ganz unruhig. Bei jedem Autogeräusch dachte ich, das ist Jordan. Jetzt hielt er sich schon zum dritten Mal nicht an die Abmachung! ‚Wo bleibt er bloß? Ist ihm was passiert? Er weiß doch, dass wir uns Sorgen machen. Aber das scheint ihn ja nicht zu interessieren!‘ Als er dann endlich kam, war ich kurz davor, zu explodieren“ (GEORGE).

„Auf einmal schrie meine Tochter aus voller Kehle. Ich hab die Panik gekriegt! Ich drehte mich um und sah, wie sie ihren Kopf festhielt und weinte. Ihr 4-jähriger Bruder hatte sie gerade geschlagen“ (NICOLE).

„ ‚Hab den Ring nicht geklaut, ich hab ihn gefunden!‘, sagte unsere 6-jährige Natalie mit ihren unschuldigen blauen Kulleraugen. Wir wussten, dass sie lügt. Doch sie blieb dabei. Das hat uns so getroffen, dass wir beide weinen mussten“ (STEPHEN).

ELTERN verstehen ganz genau, was in solchen Momenten in einem vorgeht. Sie wissen manchmal gar nicht, ob sie in so einer Situation erzieherisch eingreifen sollen oder nicht. Und wenn ja, wie?

WAS IST MIT ERZIEHERISCHEM EINGREIFEN EIGENTLICH GEMEINT?

Die Bibel gebraucht das Wort „Zucht“; es ist nicht einfach nur ein Synonym für Bestrafung. Damit ist in erster Linie Anleitung, Bildung und Korrigieren gemeint, niemals Misshandlung oder brutales Verhalten (Sprüche 4:1, 2).

Ein passender Vergleich wäre die Pflanzenzucht. Ein Gärtner bearbeitet den Boden, bewässert und nährt die Pflanze und hält Ungeziefer und Unkraut davon fern. In der Wachstumsphase muss er die Pflanze hin und wieder auch zurechtstutzen, damit sie weiter in die gewünschte Richtung wächst. Der Gärtner weiß aber, dass es auf die richtige Mischung ankommt: welche Methode er wann bei der Pflanze einsetzt, damit sie gedeiht. So ähnlich ist es bei der Kindererziehung. Manchmal gehört es zu den vielen Aufgaben der Eltern, ihre Kinder „zurechtzustutzen“. Das heißt, sie versuchen dem Kind von Anfang an zu helfen, ein negatives Verhaltensmuster in den Griff zu bekommen und es so in die richtige Bahn zu lenken. Doch genau wie bei einer Pflanze erfordert ein solches „Zurechtstutzen“ Fingerspitzengefühl, sonst kann ein dauerhafter Schaden entstehen. Fürsorge und Liebe sind bei der Erziehung das A und O.

Der Autor der Bibel, Jehova Gott, macht es Eltern vor, wie man seiner Rolle als Erzieher gerecht wird. Und das mit Erfolg: Wer auf Gott hört, empfindet seine Anleitung als so wohltuend und praktisch, dass er sich gern von ihm etwas sagen lässt — er liebt es förmlich (Sprüche 12:1). Er bleibt auch bei dem, was er lernt, und vergisst es nicht mehr (Sprüche 4:13). Wenn Eltern wie Gott vorgehen, machen sie  es ihrem Kind leichter, auf ihre Erziehungsmaßnahmen positiv zu reagieren. Wie würde das aussehen? Ihre Erziehung wäre 1. liebevoll, 2. vernünftig, 3. konsequent.

LIEBEVOLL

Lenkt Gott jemand in die richtige Bahn, macht er das immer aus Liebe und mit Liebe. Dazu die Bibel: „Wen Jehova liebt, den weist er zurecht, ja wie ein Vater einen Sohn, an dem er Gefallen findet“ (Sprüche 3:12). Jehova ist auch „ein Gott voll Liebe und Erbarmen“, der viel „Geduld“ hat (2. Mose 34:6, Gute Nachricht Bibel). Deshalb behandelt er niemand schlecht, ist nie brutal. Niemals ist er grob, er lässt keine beißenden, sarkastischen Bemerkungen fallen und kritisiert nicht ständig — denn er weiß: Mit Worten kann man jemand verletzen „wie mit Schwertstichen“ (Sprüche 12:18).

ZUHÖREN

Selbstverständlich können sich Eltern nicht so perfekt im Griff haben wie Gott. Manchmal strapazieren Kinder die Geduld bis zum Äußersten. Doch gerade dann ist es wichtig, daran zu denken: Wer sein Kind aus Wut heraus bestraft, spielt meistens nur seinen Machtvorteil aus, reagiert zu heftig und erreicht nur das Gegenteil. Und übrigens: Frust und Wut haben nichts mit Erziehung zu tun, sondern sind schlichtweg ein Kontrollverlust.

Geht man dagegen liebevoll und beherrscht vor, sind die Chancen auf Erfolg ungleich höher. Das können George und Nicole nur bestätigen.

BETEN

„Als Jordan dann endlich mal nach Hause kam, kochten wir beide schon vor Wut. Wir blieben aber ruhig und hörten ihm erst mal zu. Da es sehr spät war, vertagten wir das Ganze auf den nächsten Morgen. Wir drei beteten noch zusammen und gingen schlafen. Am nächsten Tag konnten wir schon wesentlich entspannter darüber reden und viel besser zu unserem Jungen durchdringen. Er sah seinen Fehler ein und nahm die Einschränkungen ohne Wenn und Aber hin. Wie gut, dass wir unserem Ärger nicht gleich Luft gemacht haben! Wir hätten nur das Gegenteil erreicht. Zuerst zuzuhören war immer die bessere Alternative!“ (George).

REDEN

„Ich hätte an die Decke gehen können, als ich sah, dass der Kleine seiner Schwester grundlos so wehgetan hatte. Anstatt gleich mit einer Strafe herauszuplatzen, schickte ich ihn aufs Zimmer. So sauer, wie ich war, hätte ich gar nicht richtig reagieren können. Später, als ich mich gesammelt hatte, redete ich ihm ins Gewissen und erklärte ihm, dass ich so ein Verhalten absolut nicht dulde. Ich zeigte ihm, was er angerichtet hat, wie sehr er seiner Schwester wehgetan hat. Ihn so anzupacken, funktionierte. Er  entschuldigte sich bei seiner Schwester und umarmte sie“ (Nicole).

Wie macht man es also richtig? Man lässt sich bei Erziehungsmaßnahmen, auch bei Bestrafungen, immer von Liebe motivieren.

VERNÜNFTIG

Wenn Jehova erzieherisch eingreift, ist das immer „in rechtem Maße“, also genau angebracht (Jeremia 30:11; 46:28). Er sieht nicht nur eine Momentaufnahme, sondern das Gesamtbild. Wie können Eltern das machen? Stephen erklärt: „Natalie gab die Sache mit dem Ring einfach nicht zu. Trotz unserer Enttäuschung fragten wir uns: ‚Erwarten wir vielleicht zu viel Reife von einer Sechsjährigen?!‘ “

Auch Robert (Nicoles Ehemann) versucht das Gesamtbild im Auge zu behalten. Jedes Mal wenn sich die Kinder danebenbenehmen, fragt er sich: „Ist das eine einmalige Sache oder verfestigt sich da ein negativer Charakterzug? Ist das Kind einfach nur müde oder geht es ihm nicht gut? Steckt vielleicht ein ganz anderes Problem dahinter?

Umsichtige Eltern vergessen auch nicht: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ein Bibelschreiber stellte ganz nüchtern fest: „Als ich noch ein Kind war, redete ich, wie Kinder reden, dachte, wie Kinder denken“ (1. Korinther 13:11, Neue Genfer Übersetzung). Dazu Robert: „Um alles richtig einzuordnen und nicht überzureagieren, hilft es mir, mich an meine eigene Kindheit zu erinnern.“

Wichtig ist also einerseits, realistische Erwartungen zu haben, andererseits nicht alles durchgehen zu lassen. Berücksichtigen Eltern die Gesamtsituation, also auch die Fähigkeiten und Grenzen ihres Kindes, werden sie es sicherlich passend und vernünftig erziehen.

KONSEQUENT

„Ich bin Jehova; ich habe mich nicht geändert“, steht in Maleachi 3:6. Darauf vertrauen zu können, dass Gott sich nicht ändert, gibt einem Sicherheit. Was gibt Kindern Sicherheit? Eltern, die konsequent sind. Ändern Eltern die Spielregeln je nach Laune, verwirrt und frustriert es die Kinder nur.

Jesus sagte: „Euer Wort Ja bedeute einfach Ja, euer Nein Nein“ (Matthäus 5:37). Das gilt auch für das Thema Erziehung. Eltern sollten nie etwas ankündigen, was sie gar nicht umsetzen wollen. Haben sie eine Strafe angekündigt, dann bleiben sie auch bei ihrem Wort.

Erziehung ohne eine gute Absprache zwischen Vater und Mutter funktioniert nicht. Robert macht das so: „Wenn ich meinen Kindern etwas erlaube, ohne zu wissen, dass meine Frau es ihnen eigentlich verboten hatte, ändere ich meine Entscheidung wieder ab, um meiner Frau nicht in den Rücken zu fallen.“ Sind sich Eltern über eine bestimmte Vorgehensweise nicht einig, ist es das Beste, die Sache unter vier Augen zu besprechen, damit sie an einem Strang ziehen können.

NICHTSTUN GEHT NICHT

Sind Eltern bei der Erziehung so liebevoll, vernünftig und konsequent wie Jehova, dann ist es ihren Kindern nur zum Vorteil. So können sie sich zu verantwortungsbewussten, ausgeglichenen erwachsenen Menschen entwickeln. Oder wie die Bibel es ausdrückt: „Erziehe dein Kind schon in jungen Jahren — es wird die Erziehung nicht vergessen, auch wenn es älter wird“ (Sprüche 22:6, Hoffnung für alle).

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