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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm  |  Juni 2014

„Das Brot, das Leben schenkt“: Auch mir?

„Das Brot, das Leben schenkt“: Auch mir?

DAS macht hungrig — so eine Tour durch die historische Altstadt von Bethlehem. Die Reisegruppe hat jetzt Lust, etwas Landestypisches zu probieren. Einer von ihnen entdeckt ein Restaurant, in dem es Falafeln gibt, also würzige Kichererbsenbällchen. Sie werden mit Zwiebeln, Tomaten, anderem Gemüse und Pitabrot serviert. Nach diesem leckeren Imbiss haben alle aufgetankt und es kann weitergehen.

Was den Touristen vielleicht nicht bewusst ist: Das Essen des einfachen Pitabrotes hat sie an diesem Tag wahrscheinlich mehr mit der Vergangenheit verbunden als alles andere, was sie in Bethlehem erlebt haben. Bethlehem bedeutet nämlich „Haus des Brotes“. In dieser Gegend wird tatsächlich schon seit Tausenden von Jahren Brot gebacken (Ruth 1:22; 2:14). Pitabrot gibt es in Bethlehem heute an jeder Straßenecke.

Gehen wir in der Geschichte nun fast 4 000 Jahre zurück: Nur ein bisschen weiter südlich von Bethlehem machte Abrahams Frau Sara für drei Männer, die überraschend zu Besuch kamen, frisches Brot (1. Mose 18:5, 6). Dafür nahm sie „Feinmehl“, möglicherweise aus Gerste oder Emmer, einer Weizenart. Sara musste das Brot schnell zubereiten und backte es deshalb wohl auf heißen Steinen (1. Könige 19:6).

Der Bibelbericht lässt darauf schließen, dass es damals zum Leben der Familie Abrahams einfach dazugehörte, selbst Brot zu backen. Als Nomaden hatten Sara und ihre Bediensteten wahrscheinlich nicht so einen Ofen, wie es in Saras Heimatstadt Ur üblich war. Für das Mehl nahmen sie Getreide, das in der Gegend wuchs. Um es fein zu mahlen, benutzte man eine transportable Handmühle und möglicherweise auch Mörser und Stößel. Das war richtig harte Arbeit.

Vierhundert Jahre später wurde im Gesetz Mose festgelegt, dass eine Handmühle nicht als Pfand genommen werden durfte, da sie den „Lebensunterhalt“ sicherte (5. Mose 24:6, Fußnote). Gott stufte eine Handmühle also als lebenswichtig ein, denn ohne sie konnte eine Familie nicht das Brot für den Tag haben. (Siehe „ Mehl mahlen und Brot backen in biblischer Zeit“.)

BROT ERHÄLT AM LEBEN

In der Bibel kommt das Wort „Brot“ über 350 Mal vor und die Bibelschreiber gebrauchten dieses Wort oft auch als Synonym für Nahrung schlechthin. Jesus lehrte, dass alle, die Gott dienen, vertrauensvoll beten können: „Gib uns heute unser Brot für diesen Tag“ (Matthäus 6:11). Auch an dieser Stelle ist mit „Brot“ Nahrung im Allgemeinen gemeint. Jesus vermittelte damit also: Wir können fest darauf bauen, dass Gott uns jeden Tag mit dem versorgen wird, was wir brauchen (Psalm 37:25).

Es gibt allerdings etwas, was viel wichtiger ist als Brot oder Nahrung. Jesus sagte: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jeder Äußerung, die durch den Mund Jehovas ausgeht“ (Matthäus 4:4). Er zitierte hier Worte, die aus der Zeit stammen, als das Überleben der Israeliten völlig von dem abhing, was Gott ihnen gab. Das war kurz nach ihrem Auszug aus Ägypten. Nach ungefähr einem Monat in der Wüste Sinai gingen ihre Vorräte langsam zur Neige. Aus Panik, nun in dieser kargen Wildnis verhungern zu müssen, beschwerten sie sich lautstark. In Ägypten hätten sie immerhin „Brot bis zur Sättigung“ gehabt (2. Mose 16:1-3).

Sicher, das Brot in Ägypten muss gut geschmeckt haben. Damals boten Berufsbäcker den Ägyptern viele verschiedene Sorten Brot und Gebäck an. Doch Jehova hatte nicht vor, sein Volk in der Wildnis  verhungern zu lassen. Er versprach: „Ich lasse euch Brot von den Himmeln regnen.“ Und tatsächlich, jeden Morgen gab es Brot vom Himmel, „etwas Feines, Flockiges“, das aussah wie Tau oder Reif. Als die Israeliten es das erste Mal sahen, fragten sie: „Was ist das?“ Moses erklärte es ihnen: „Es ist das Brot, das Jehova euch als Speise gegeben hat.“ Sie nannten es „Manna“ *. Und dieses Brot erhielt sie die nächsten 40 Jahre am Leben (2. Mose 16:4, 13-15, 31).

Zunächst waren die Israeliten von dieser übernatürlichen Versorgung wohl ganz begeistert. Das Manna schmeckte wie „Flachkuchen mit Honig“ und es gab für jeden mehr als genug (2. Mose 16:18). Doch mit der Zeit trauerten sie dem vielfältigen Nahrungsangebot nach, das sie in Ägypten gehabt hatten. Sie nörgelten: „Gar nichts haben wir vor unseren Augen als nur das Manna“ (4. Mose 11:6). Später schnaubten sie dann vor Wut: „Das verächtliche Brot widert unsere Seele allmählich an“ (4. Mose 21:5). Das ging schließlich sogar so weit, dass sie das „Brot vom Himmel“ nicht mehr sehen konnten — es ekelte sie an (Psalm 105:40).

„DAS BROT, DAS LEBEN SCHENKT“

Brot ist für uns heute, wie viele andere Dinge auch, oft etwas ganz Selbstverständliches. Die Bibel spricht aber von einem Brot, das wie kein anderes ist und für jeden etwas überaus Besonderes sein sollte. Jesus verglich es mit dem Manna, das von den Israeliten ja so verachtet wurde. Von diesem Brot hängt unsere Zukunft ab, sogar unsere ewige Zukunft.

Zu seinen Zuhörern sagte Jesus einmal: „Ich bin das Brot, das Leben schenkt. Eure Vorfahren aßen das Manna in der Wüste und sind trotzdem gestorben. Hier aber ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, damit, wer davon isst, nicht stirbt. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Leib. Ich gebe ihn hin, damit die Menschen zum Leben gelangen können“ (Johannes 6:48-51, Gute Nachricht Bibel).

 Viele verstanden nicht, dass Jesus hier nicht von buchstäblichem „Brot“ und „Fleisch“ sprach. Doch er traf mit diesem Vergleich genau den Punkt. Buchstäbliches Brot erhielt die Juden Tag für Tag am Leben und das Manna hatte die Israeliten 40 Jahre lang in der Wildnis ernährt. Das Manna war zwar ein Geschenk Gottes, doch ewiges Leben brachte es niemandem. Das Opfer Jesu dagegen eröffnet jedem, der an ihn glaubt, die Möglichkeit, ewig zu leben. Ganz eindeutig: Jesus ist „das Brot, das Leben schenkt“.

Hat man Hunger, greift man vielleicht gern zu einem Stück Brot und dankt Gott auch dafür, dass er uns „unser täglich Brot“ gibt (Matthäus 6:11, Lutherbibel, 1912). Natürlich schätzen wir es, gutes Brot auf dem Tisch zu haben. Doch bestimmt sind wir für „das Brot, das Leben schenkt“, Jesus Christus, noch viel dankbarer!

Woran ist zu erkennen, dass man dieses unendlich kostbare Brot nicht für selbstverständlich nimmt und sich anders verhält als die undankbaren Israeliten zur Zeit Mose? Jesus sagte: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Johannes 14:15). Jedem, der auf Jesus hört, steht eine ewige Zukunft bevor, eine Zeit, die man wirklich genießen kann — auch mit köstlichem Brot (5. Mose 12:7).

^ Abs. 10 Auf Hebräisch lautet die Frage „Was ist das?“ „man huʼ?“. Daher wohl die Bezeichnung „Manna“.