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DER WACHTTURM APRIL 2014

Thomas Emlyn: Gotteslästerer oder Verfechter der Wahrheit?

Thomas Emlyn: Gotteslästerer oder Verfechter der Wahrheit?

WER war Thomas Emlyn und unter welchen Umständen trat er für die Wahrheit ein? Was können wir von diesem Mann lernen?

Um das zu beantworten, müssen wir uns ins England und Irland des ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhunderts zurückversetzen. Die Kirche von England besaß damals beträchtliche Macht. Mit ihr in Konflikt lagen verschiedene protestantische Gruppen und Einzelpersonen.

WER WAR EMLYN?

Thomas Emlyn wurde am 27. Mai 1663 in Stamford in der englischen Grafschaft Lincolnshire geboren. Mit 19 hielt er seine erste Predigt. Später bekam er eine Stelle als Kaplan bei einer Gräfin, die ein Haus in London hatte. Bald darauf zog er nach Belfast (Irland).

Dort hielt er in einer Gemeindekirche Gottesdienste ab, und im Lauf der Zeit predigte er auch an verschiedenen anderen Orten, unter anderem in Dublin.

WARUM WURDE ER DER GOTTESLÄSTERUNG ANGEKLAGT?

Emlyn befasste sich eingehend mit der Bibel. Dadurch kamen ihm Zweifel an der Dreieinigkeit, an die er bis dahin geglaubt hatte. Seine neu gewonnenen Erkenntnisse fand er durch das Studium der Evangelien bestätigt.

Emlyn behielt seine Ansichten zunächst für sich. Doch in seiner Kirche in Dublin blieb nicht unbemerkt, dass er in seinen Predigten nicht mehr auf die Dreieinigkeit einging. In dem Bewusstsein, mit seinem Standpunkt auf Ablehnung zu stoßen, schrieb er: „Ich kann nicht hoffen, weiter in meiner gegenwärtigen Stelle zu bleiben, wenn ich einst [meine Ansichten] bekannt habe.“ Im Juni 1702 wurde er zur Rede gestellt, warum er das Thema Dreieinigkeit vermied. Emlyn gestand, dass er nicht mehr daran glaube, und bot an, auf sein Amt zu verzichten.

In dieser Schrift begründete Emlyn mit der Bibel, warum Jesus nicht der höchste Gott sein kann

Wenige Tage später verließ er Irland und reiste nach England. Zehn Wochen danach kam er nach Dublin zurück, um vor seiner endgültigen Abreise nach London noch einiges zu regeln. Während dieser Zeit veröffentlichte er zur Verteidigung seiner Ansichten die Schrift An Humble Inquiry Into the Scripture-Account of Jesus Christ. Darin führte er klare biblische Gründe an, warum Jesus nicht der höchste Gott sein konnte. Das löste in Emlyns ehemaliger Gemeinde in Dublin großen Unmut aus und man erhob Klage gegen ihn.

Emlyn wurde eingesperrt und am 14. Juni 1703 in Dublin vor Gericht gestellt (Queen’s Bench Court). In seiner Schilderung des Prozesses (A True Narrative of the Proceedings) erklärte er, man habe ihm vorgeworfen, ein Buch geschrieben und veröffentlicht zu haben, in dem er „gotteslästerlich und böswillig“ behaupte, dass „Jesus Christus nicht Gott, dem Vater, gleich sei“. Der Prozess erwies sich als Farce. Außer den Richtern saßen noch sieben Bischöfe der Kirche von Irland über ihn zu Gericht.  Emlyn wurde verwehrt, etwas zu seiner Verteidigung vorzubringen. Richard Levins, ein namhafter Anwalt, drohte ihm, man würde ihn wie einen Wolf gnadenlos jagen und zur Strecke bringen. Am Ende des Prozesses sagte der irische Lordoberrichter Richard Pyne noch zu den Geschworenen, wenn sie Emlyn nicht schuldig sprächen, wären ja seine „Herren, die Bischöfe, da“ — möglicherweise wollte er die Jury dadurch einschüchtern.

„Ich leide für das, was ich für seine [Gottes] Wahrheit und Herrlichkeit halte“ (Thomas Emlyn)

Als Emlyn für schuldig befunden wurde, legte ihm der Kronanwalt nahe, zu widerrufen. Emlyn lehnte das ab. Man verurteilte ihn zu einer Geldstrafe und einer einjährigen Haft. Da er die Summe nicht zahlen konnte, blieb er zwei Jahre inhaftiert, bis ein Freund erreichte, dass der Betrag herabgesetzt wurde. Am 21. Juli 1705 wurde er entlassen. Die Schande und Schmach, die er zu ertragen hatte, bewog ihn zu dem Ausspruch: „Ich leide für das, was ich für seine [Gottes] Wahrheit und Herrlichkeit halte.“

Emlyn ging nach London, wo er mit William Whiston in Kontakt stand, einem Bibelgelehrten, der sein Verständnis der biblischen Wahrheit ebenfalls öffentlich gemacht hatte und dafür gesellschaftlich geächtet worden war. Whiston hatte große Achtung vor Emlyn. Er nannte ihn „ ‚den ersten und größten Bekenner‘ des ‚Altchristentums‘ “.

WARUM LEHNTE ER DIE DREIEINIGKEIT AB?

Wie William Whiston und der geachtete Wissenschaftler Isaac Newton war auch Emlyn der Meinung, die Bibel würde die Dreieinigkeitslehre, wie sie im Athanasianischen Glaubensbekenntnis zum Ausdruck kommt, nicht stützen. Er erklärte: „Nach viel reiflicher Überlegung und Studium der heiligen Schriften . . . hielt ich es für wohlbegründet, mein Urteil hinsichtlich vormals anerkannter Meinungen über die Dreieinigkeit . . . zu ändern.“ Er kam zu dem Schluss, dass „der Gott und Vater Jesu Christi allein das höchste Wesen ist“.

Wie gelangte Emlyn zu dieser Erkenntnis? Er fand viele Textstellen, die auf Unterschiede zwischen Jesus und seinem Vater hinwiesen. Hier nur einige wenige Beispiele (Emlyns Kommentare dazu stehen in Kursivschrift):

  •  Johannes 17:3: „Von Christus wird nie gesagt, er sei dieser eine Gott oder so sehr Gott, dass er der einzige Gott ist.“ Nur der Vater wird „allein wahrer Gott“ genannt.

  •  Johannes 5:30: „Der Sohn tut nicht seinen eigenen Willen, sondern den Willen seines Vaters.“

  •  Johannes 5:26: „Sein Leben wurde ihm vom Vater gegeben.“

  •  Epheser 1:3: „Während Jesus Christus gemeinhin als der Sohn Gottes bezeichnet wird, finden wir den Vater nie als den Vater Gottes benannt, wiewohl er oft Vater unseres Herrn Jesus genannt wird.“

Angesichts der ihm vorliegenden Beweise erklärte Emlyn mit Nachdruck: „Es gibt keine einzige Passage in der Heiligen Schrift, die auch nur im entferntesten die Behauptung zulässt, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist ausdrücklich als ein und dasselbe Wesen bezeichnet werden.“

DIE LEHRE FÜR UNS?

Viele wären heute nicht bereit, für die Lehren der Bibel einzutreten. Doch Emlyn tat es. Er stellte einmal die Frage: „Wenn sich ein Mensch nicht zu den wichtigsten Wahrheiten bekennen darf, die er klar und deutlich in der Heiligen Schrift erkennt, wozu sollte er sie dann lesen und erforschen?“ Für ihn stand fest: Was Wahrheit ist, soll Wahrheit bleiben.

Wenn man liest, was Emlyn und andere erlebt haben, könnte man sich fragen: Würde ich für die biblische Wahrheit einstehen, auch wenn ich dafür verachtet werde? Was ist mir wichtiger: bei anderen gut dazustehen oder die Wahrheit aus Gottes Wort hochzuhalten?