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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm  |  Oktober 2013

Nach der Scheidung nach vorne schauen

Nach der Scheidung nach vorne schauen

„Mir kam es vor, als wäre ich in ein tiefes Loch gefallen. Erst läuft dein Leben prima und dann stehst du plötzlich vor dem Nichts“ (MARK, * ein Jahr geschieden).

„Mein Mann hatte sich mit einer Frau eingelassen, die unsere Tochter hätte sein können. Nach der Scheidung war ich zwar froh, dass ich nicht mehr unter seinen Launen zu leiden hatte, gleichzeitig fühlte ich mich aber wertlos und gedemütigt“ (EMMELINE, 17 Jahre geschieden).

Manche lassen sich scheiden, weil sie sich davon ein besseres Leben versprechen. Andere dagegen würden ihre Ehe gern retten, können ihren Partner aber nicht halten. Fast alle, die sich letztlich scheiden lassen, stellen jedoch fest, dass sich das Leben hinterher schwieriger gestaltet als erwartet. Viele frisch Geschiedene finden, dass sie sich kaum etwas Belastenderes vorstellen können als eine Scheidung. Die Bibel hat für die Herausforderungen, die mit so einem Schritt verbunden sind, gute Tipps parat. Sehen wir uns einige davon an.

HERAUSFORDERUNG 1: NEGATIVE GEFÜHLE

Geldsorgen, Erziehungsfragen und Einsamkeit bringen Belastungen mit sich, die einen schier erdrücken können, und die damit verbundenen Gefühle halten meist auch eine Zeit lang an. Die inzwischen verstorbene Psychologin Judith Wallerstein stellte fest, dass sich manche noch Jahre nach der Scheidung hintergangen und alleingelassen vorkommen; sie finden das Leben ungerecht und enttäuschend und fühlen sich einsam.

 WAS MAN TUN KANN

  • Trauer über den Verlust zulassen. Liebt man den Ehepartner noch, wird man ihn wahrscheinlich vermissen. Und selbst nach einer unglücklichen Beziehung trauert man vielleicht seinem Traumbild von der Ehe nach (Sprüche 5:18). Es ist keine Schande, sich „Zeit zum Weinen“ zu nehmen (Prediger 3:1, 4).

  • Sich nicht zurückziehen. Auch wenn man in seiner Trauer immer mal wieder allein sein möchte, ist es nicht klug, sich über längere Zeit abzusondern (Sprüche 18:1). Im Gespräch mit Freunden sollte man positiv bleiben, denn durch ständige Klagen über den Expartner — selbst wenn berechtigt — könnte man andere vergraulen. Stehen schon bald nach der Scheidung wichtige Entscheidungen an, lässt man sich am besten von jemandem helfen, dem man vertraut und der die Sache objektiv sieht.

  • Auf die Gesundheit achten. Scheidungsstress hat oft gesundheitliche Folgen wie zum Beispiel hohen Blutdruck oder Migräne. Deshalb ist es wichtig, auf die Ernährung zu achten und sich genügend Bewegung und Schlaf zu gönnen (Epheser 5:29).

  • Alles wegtun, was die Wut auf den Expartner aufflammen lässt oder was man nicht mehr braucht — ausgenommen wichtige Dokumente. Hochzeitsbilder oder andere Sachen, die schmerzliche Erinnerungen hervorrufen, könnte man in Kartons packen und für die Kinder aufheben.

  • Negative Gedanken bekämpfen. Olga, die sich nach dem Ehebruch ihres Mannes scheiden ließ, sagte: „Ich hab mich dauernd gefragt: ‚Was hat sie, was ich nicht habe?‘ “ Hinterher merkte sie allerdings, dass ständiges negatives Denken leicht zu einem „niedergeschlagenen Geist“ führt (Sprüche 18:14).

    Viele schreiben ihre Gedanken auf, um sie zu sortieren und besser in den Griff zu bekommen. Dabei sollte man versuchen, das Negative, das man bekämpfen will, durch etwas Neues, Positives zu ersetzen (Epheser 4:23). Hier zwei Möglichkeiten.

    Vorher: Es ist meine Schuld, dass mich mein Partner betrogen hat.

    Nachher: Ich hab meine Fehler, aber deswegen hat mein Partner nicht das Recht, mich zu betrügen.

    Vorher: Ich hab meine besten Jahre mit dem falschen Partner vergeudet.

    Nachher: Mein Leben wird glücklicher, wenn ich nach vorn schaue und nicht zurück.

  • Verletzende Kommentare nicht an sich heranlassen. Freunde und Verwandte machen vielleicht in guter Absicht Bemerkungen, die wehtun oder im eigenen Fall sogar falsch sind. Zum Beispiel „Die war sowieso nichts für dich“ oder „Gott hasst Scheidung“. * Aus gutem Grund rät die Bibel: „Gib nicht dein Herz all den Worten hin, die die Menschen reden mögen“ (Prediger 7:21). Martina, die seit zwei Jahren geschieden ist, sagt: „Ich grüble nicht über verletzende Worte nach, sondern versuche die Sache aus Gottes Sicht zu sehen. Seine Gedanken sind höher als unsere“ (Jesaja 55:8, 9).

  • Beten. Gott bietet uns an, alle unsere Sorgen auf ihn zu werfen, besonders wenn wir schwer zu kämpfen haben (1. Petrus 5:7).

TIPP: Bibelverse aufschreiben, die einem weiterhelfen, und sie an einem Ort platzieren, wo man sie oft sieht. Außer den schon angeführten Texten fanden viele Geschiedene auch diese gut: Psalm 27:10; 34:18, Jesaja 41:10 und Römer 8:38, 39.

Gottes Wort ist in Schwierigkeiten eine gute Stütze

HERAUSFORDERUNG 2: DAS VERHÄLTNIS ZUM FRÜHEREN PARTNER

Juliana, die 11 Jahre verheiratet war, erzählt: „Ich hab meinen Mann angefleht zu bleiben. Als er dann weg war, hatte ich eine ziemliche Wut auf ihn und  die Frau, mit der er zusammengezogen ist.“ Bei vielen Geschiedenen flaut diese Wut über Jahre nicht ab. Dabei sind sie in manchen Fällen gezwungen, regelmäßig mit dem früheren Partner Kontakt zu haben, besonders wenn Kinder da sind.

WAS MAN TUN KANN

  • Im Umgang mit dem Expartner höflich bleiben. Man sollte sich auf das konzentrieren, was ansteht, sich kurz fassen und nicht abschweifen. Das trägt erfahrungsgemäß zum Frieden bei (Römer 12:18).

  • Kein Öl aufs Feuer gießen. Besonders wenn man sich angegriffen fühlt, ist es gut, an den Rat der Bibel zu denken: „Wer seine Reden zurückhält, besitzt Erkenntnis“ (Sprüche 17:27). Ist das Gespräch entgleist und nicht mehr in vernünftige Bahnen zu lenken, könnte man sagen: „Können wir das später besprechen? Darüber muss ich erst nachdenken.“

  • Gemeinsam verwaltete Angelegenheiten so weit wie möglich trennen, zum Beispiel was rechtliche, finanzielle und medizinische Bereiche betrifft.

TIPP: Beim nächsten Gespräch darauf achten, ob man selbst oder der andere in Abwehrhaltung geht beziehungsweise auf stur schaltet. Notfalls das Gespräch vertagen oder mit gegenseitigem Einverständnis die Sache per E-Mail weiter besprechen (Sprüche 17:14).

HERAUSFORDERUNG 3: DEN KINDERN BEI DER ANPASSUNG HELFEN

Maria sagt über die Zeit kurz nach ihrer Scheidung: „Meine Kleine hat nur noch geweint und wieder ins Bett gemacht. Die Große hat zwar versucht, sich nichts anmerken zu lassen, aber ich hab gesehen, was los war.“ Leider fühlen sich viele gerade dann, wenn die Kinder sie am dringendsten brauchen, zeitlich und emotional überfordert.

WAS MAN TUN KANN

  • Die Kinder anregen, sich zu öffnen, selbst wenn dabei scheinbar „unsinniges Gerede“ herauskommt (Hiob 6:2, 3).

  • Rollengrenzen einhalten. Auch wenn man sich nach emotionalem Beistand sehnt und es so aussieht, als würde das Kind einem diesen geben wollen, wäre es unfair und für das Kind gesundheitsschädlich, es in die Probleme Erwachsener einzubeziehen (1. Korinther 13:11). Es ist nicht gut, wenn Kinder zu Vertrauenspersonen gemacht oder als Vermittler beziehungsweise Boten zwischen den Eltern benutzt werden.

  • Dafür sorgen, dass das Leben der Kinder weiter in geordneten Bahnen verläuft. Es ist für sie leichter, wenn man die Wohnung und den gewohnten Zeitplan beibehält. Noch wichtiger ist jedoch, zusammen mit den Kindern durch Bibellesen, Bibelstudium und dergleichen kontinuierlich an einem guten Verhältnis zu Gott zu arbeiten (5. Mose 6:6-9).

TIPP: Den Kindern möglichst noch diese Woche sagen, dass man sie lieb hat und sie nicht an der Scheidung schuld sind. Beim Beantworten ihrer Fragen den Expartner nicht schlechtmachen.

Nach der Scheidung geht das Leben weiter. Melissa, die 16 Jahre verheiratet war, berichtet: „Als wir uns scheiden ließen, dachte ich: ‚So hab ich mir mein Leben nicht vorgestellt.‘ “ Inzwischen ist sie trotz ihrer Lage jedoch zufrieden. Sie sagt: „Sobald ich mich damit abgefunden hatte, dass an der Vergangenheit nichts zu ändern ist, fühlte ich mich viel besser.“

^ Abs. 2 Einige Namen in diesem Artikel wurden geändert.

^ Abs. 18 Gott hasst es, wenn jemand berechnend und hinterhältig auf eine Scheidung hinwirkt. Begeht ein Ehepartner jedoch Hurerei, hat der unschuldige Partner laut der Bibel das Recht, sich scheiden zu lassen (Maleachi 2:16; Matthäus 19:9). Siehe dazu den Artikel „Was sagt die Bibel? Welche Art von Ehescheidung hasst Gott?“ im Erwachet! vom 8. Februar 1994 (herausgegeben von Jehovas Zeugen).

ZUM NACHDENKEN

  • Habe ich mir nach der Scheidung wirklich Zeit zum Trauern genommen?

  • Was kann ich tun, um die Wut auf meinen früheren Partner loszuwerden?