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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM APRIL 2013

 IHREN GLAUBEN NACHAHMEN

Er „wandelte mit dem wahren Gott“

Er „wandelte mit dem wahren Gott“

NOAH richtete sich auf und streckte seine schmerzenden Glieder. Malen wir uns einmal aus, wie er auf einem breiten Balken saß, sich einen Moment von der Arbeit ausruhte und dabei den Blick über das Riesenprojekt — die Arche — schweifen ließ. Der intensive Geruch von Pech lag in der Luft und der Schall von Axt- und Hammerschlägen drang an sein Ohr. Von seinem Platz aus konnte Noah seine Söhne sehen, die fleißig an verschiedenen Stellen der gigantischen Holzkonstruktion zugange waren. Seine Söhne, ihre Frauen und seine eigene liebe Frau waren zusammen mit ihm bereits Jahrzehnte an diesem Projekt tätig. Sie hatten schon eine Menge geschafft, aber es lag noch ein gutes Stück Arbeit vor ihnen.

Die Menschen in der Gegend hielten Noah und seine Familie für verrückt. Je deutlicher die Arche Formen annahm, umso größer wurde das Gelächter: Eine Flut? Die ganze Erde unter Wasser? Wie absurd! Noahs Warnung schien völlig abwegig. Den Leuten war unbegreiflich, wie jemand sein Leben mit so einem Unsinn vergeuden und dann auch noch seine Familie hineinziehen konnte. Doch Jehova sah seinen Diener Noah in einem ganz anderen Licht.

Die Bibel sagt: „Noah wandelte mit dem wahren Gott“ (1. Mose 6:9). Wie ist das zu verstehen? Bedeutet es, dass Gott auf der Erde war oder Noah irgendwie in den Himmel kam? Nein. Noah war Gott so gehorsam und hing so sehr an ihm, als würde er mit Jehova als Freund an seiner Seite durchs Leben gehen. Über zwei Jahrtausende später wurde in Gottes Wort über Noah gesagt: „Durch . . . [seinen] Glauben verurteilte er die Welt“ (Hebräer 11:7). Was ist damit gemeint? Was können wir uns von diesem Glaubensmann abschauen?

ER GING SEINEN WEG IN EINER VERKOMMENEN WELT

Noah wuchs in einer Welt auf, in der alles rapide bergab ging. Schon zur Zeit seines Urgroßvaters Henoch, der ebenfalls treu zu Gott hielt, lag vieles im Argen. Henoch hatte den gottlosen Menschen damals ein Gericht angekündigt. Jetzt, in den Tagen Noahs, stand es mit der Moral noch viel schlimmer. Von Jehovas Standpunkt aus war die Erde verdorben, denn sie war voll von Gewalt (1. Mose 5:22; 6:11; Judas 14, 15). Wie konnte es so weit kommen?

Unter Gottes Geistsöhnen, den Engeln, hatte sich eine schreckliche Tragödie abgespielt. Einer der Engel hatte sich gegen Jehova gestellt. Er verleumdete Gott und verleitete Adam und Eva zum Sündigen. So wurde er zum Satan und Teufel. In den Tagen Noahs rebellierten dann auch andere Engel gegen Gottes gerechte Herrschaft. Sie verließen ihren Platz im Himmel, kamen auf die Erde, nahmen Menschengestalt an und gingen Verbindungen mit gut aussehenden Frauen ein. Diese stolzen, selbstsüchtigen Rebellen übten einen vergiftenden Einfluss auf die Menschen aus (1. Mose 3:1-5; 6:1, 2; Judas 6, 7).

Außerdem gingen aus den widernatürlichen Verbindungen zwischen Engeln in Menschengestalt und Menschenfrauen ungewöhnlich große und starke Mischwesen hervor. Die Bibel nennt sie Nephilim, was wörtlich „Fäller“ bedeutet — jemand, der andere zu Fall bringt. Diese gemeingefährlichen Schläger trieben die Welt immer mehr in Brutalität und Gottlosigkeit. Jehova sah, „dass die Schlechtigkeit des Menschen ausnehmend groß war auf der Erde und dass jede Neigung der Gedanken seines Herzens allezeit nur schlecht war“. Er beschloss, die böse  Menschenwelt nur noch 120 Jahre bestehen zu lassen (1. Mose 6:3-5).

Noah und seine Frau mussten ihre Kinder vor üblen Einflüssen schützen

In so einem Umfeld Kinder großzuziehen, muss ein Albtraum gewesen sein. Doch Noah nahm die Herausforderung an. Er fand eine gute Frau, und nachdem er 500 Jahre alt geworden war, bekamen die beiden drei Söhne: Sem, Ham und Japhet. * Noah und seine Frau mussten ihre Kinder vor den üblen Einflüssen schützen, die auf sie einströmten. Kleine Jungs bewundern ja gern Helden oder starke Männer, und genau das waren die Nephilim. Die Bibel nennt sie „die Starken“, „Männer von Ruhm“. Noah und seine Frau konnten ihre Kinder wohl kaum gegen alles abschirmen, was über die „Heldentaten“ dieser Giganten berichtet wurde. Aber: Sie konnten ihnen viel Schönes über Jehova Gott erzählen, der alles Böse hasst. Sie mussten ihren Söhnen klarmachen, dass die Gewalt und der Ungehorsam auf der Erde Jehova wehtaten (1. Mose 6:6).

Eltern heute können wahrscheinlich nachempfinden, in welcher Lage Noah und seine Frau waren. Unsere Welt ist ebenfalls vergiftet — von Gewalt und Aufsässigkeit durchsetzt. Sogar das Unterhaltungsangebot für Kinder ist voll davon. Da ist es nur klug, wenn Eltern solchen Einflüssen mit aller Kraft gegensteuern und ihren Kindern Jehova näherbringen, den Gott des Friedens, der eines Tages keine Gewalt mehr dulden wird (Psalm 11:5; 37:10, 11). Man steht da nicht auf verlorenem Posten! Noah und seine Frau haben es geschafft. Ihre Söhne entwickelten einen guten Charakter und heirateten Frauen, die ebenfalls bereit waren, den wahren Gott in ihrem Leben allem voranzustellen.

„MACHE DIR EINE ARCHE“

Eines Tages gab es in Noahs Leben eine markante Wende. Jehova ließ seinen Diener, den er sehr liebte, wissen, dass er die damalige Welt auslöschen wollte. Er sagte zu ihm: „Mache dir eine Arche aus dem Holz eines harzigen Baumes“ (1. Mose 6:14).

Diese Arche war kein Schiff, wie manche meinen. Sie hatte weder Bug noch Heck, weder Kiel noch Steuerruder. Es war eigentlich nur ein riesiger Kasten, ohne jegliche Rundung. Jehova nannte die genauen Abmessungen, gab einige Hinweise zur Konstruktion und wies Noah an, die Arche innen und außen mit Teer abzudichten. Er erklärte Noah auch den Grund: „Siehe, ich bringe die Sintflut der Wasser über die Erde . . . Alles, was sich auf der Erde befindet, wird verscheiden.“ Dann gab er Noah die Anweisung: „Du sollst in die Arche hineingehen, du und deine Söhne und deine Frau und die Frauen deiner Söhne mit dir.“ Außerdem sollte er Tiere von allen Arten mit in die Arche nehmen. Nur wer in der Arche war, konnte die bevorstehende Flut überleben (1. Mose 6:17-20).

Noah stand vor einer gigantischen Aufgabe. Die Arche sollte riesig werden — gut 133 Meter lang, 22 Meter breit und 13 Meter hoch. Sie war viel größer als selbst die größten seetüchtigen Holzschiffe in moderner Zeit. Hat sich Noah vor der Aufgabe gedrückt? Hat er sich beschwert, wie schwierig alles sein würde? Hat er die Vorgaben abgeändert, um es leichter zu haben? Die Bibel sagt: „Noah ging daran,  gemäß allem zu tun, was Gott ihm geboten hatte. Geradeso tat er“ (1. Mose 6:22).

Die Arbeit dauerte Jahrzehnte, vielleicht zwischen 40 und 50 Jahre. Bäume mussten gefällt, Stämme zum Bauplatz geschafft, Balken behauen, angepasst und zusammengefügt werden. Die Arche sollte drei Stockwerke oder Decks haben, eine Anzahl Abteile und eine Tür an der Seite. Oben entlang waren offensichtlich Fenster, und das Dach war von der Mitte her wahrscheinlich leicht abgeschrägt, damit das Wasser ablaufen konnte (1. Mose 6:14-16).

Wie froh muss Noah gewesen sein, dass ihn seine Familie all die Jahre bei der Arbeit unterstützte. Außer dem Bau der Arche gab es noch etwas anderes zu tun, was vielleicht noch schwieriger war. Noah wird in der Bibel „Prediger der Gerechtigkeit“ genannt (2. Petrus 2:5). Er ging also tapfer voran, als es hieß, die Menschen in der damaligen bösen und gottlosen Welt vor der Vernichtung zu warnen, die unaufhaltsam auf sie zukam. Wie war die Reaktion? Jesus Christus bezog sich später auf diese Zeit und sagte: „Sie nahmen keine Kenntnis davon.“ Wie er erklärte, waren die Leute derart von Alltagsbeschäftigungen wie essen, trinken oder heiraten in Beschlag genommen, dass sie Noahs Warnung in den Wind schlugen (Matthäus 24:37-39). Bestimmt haben viele über Noah und seine Familie gespottet; manche haben ihm vielleicht gedroht und erbitterten Widerstand geleistet.

Obwohl Noah ganz offensichtlich Gottes Segen hatte, verspottete man ihn und schlug seine Botschaft in den Wind

Noah und seine Familie gaben jedoch nie auf. Sie behielten ihr Hauptziel — den Bau der Arche — fest im Sinn, obwohl das in den Augen der Welt um sie herum unwichtig, sinnlos und lächerlich erschien. Christliche Familien von heute können vom Glauben Noahs und seiner Familie viel für sich übernehmen. Schließlich leben wir in „den letzten Tagen“ des gegenwärtigen Weltsystems, wie die Bibel es ausdrückt (2. Timotheus 3:1). Jesus sagte, in dieser Zeit würde es genauso sein wie damals, als Noah die Arche baute. Wenn die Welt auf die Botschaft von Gottes Königreich mit Gleichgültigkeit, Spott oder sogar Verfolgung reagiert, denkt man am besten an Noah. Ihm ging es auch schon so.

„GEH IN DIE ARCHE“

Jahrzehnte zogen ins Land und die Arbeit an der Arche näherte sich allmählich dem Ende. Als Noah auf die 600 Jahre zuging, verlor er seinen Vater Lamech. * Fünf Jahre danach starb auch sein Großvater Methusalah, der Vater von Lamech. Er wurde 969 Jahre alt und lebte somit länger als jeder andere Mensch, von dem die Bibel berichtet (1. Mose 5:27). Methusalah und Lamech waren beide Zeitgenossen des ersten Menschen, Adam, gewesen.

In seinem 600. Lebensjahr bekam der Patriarch Noah eine neue Anweisung von Jehova Gott: „Geh in die Arche, du und alle deine Hausgenossen.“ Er sollte auch Tiere von allen Arten in die Arche bringen — von den reinen Tieren, die für Opferzwecke geeignet waren, jeweils sieben, von den übrigen je zwei (1. Mose 7:1-3).

Das muss ein Schauspiel gewesen sein! Aus allen Himmelsrichtungen kamen sie zu Hunderten gelaufen, geflattert, gekrochen, gewatschelt und getrottet — in einer unglaublichen Vielfalt an Größen, Körperformen und Temperamenten. Wir brauchen jetzt nicht zu denken, dass der arme Noah mit Händen und Füßen und allen möglichen Tricks versuchte, die ganzen Wildtiere in die Arche hineinzuzwängen. Der Bericht sagt einfach, dass sie zu Noah in die Arche hineingingen (1. Mose 7:9).

Skeptiker wenden hier vielleicht ein: Das ist doch unrealistisch! Und außerdem hätten sich die vielen Tiere auf so engem Raum ja gar nicht vertragen!  Aber überlegen wir einmal: Hat der Schöpfer des Universums wirklich nicht die Macht, die Tiere wenn nötig auch zahm und gefügig zu machen? Schließlich hat er das Rote Meer geteilt und die Sonne stillstehen lassen. Kann er da nicht auch alles so gelenkt haben, wie es in dem Bericht über Noah geschildert wird? Ganz bestimmt!

Natürlich hätte Gott die Tierwelt genauso gut anders retten können. Aber er wählte in seiner Weisheit einen Weg, der uns daran erinnert, dass er alle Lebewesen auf der Erde ursprünglich der Obhut des Menschen anvertraute (1. Mose 1:28). Viele Eltern verwenden die Geschichte über Noah gern, um ihren Kindern zu zeigen, dass für Jehova die Menschen und die Tiere, die er erschaffen hat, wertvoll sind.

Jehova sagte zu Noah, dass in einer Woche die Sintflut kommen würde. Die Zeit bis dahin muss für die Familie ziemlich hektisch gewesen sein. Stellen wir uns vor, wie viel Arbeit es wohl war, die Tiere samt Futter sowie ihre eigenen Habseligkeiten in die Arche zu schaffen und alles ordentlich zu verstauen. Noahs Frau und die Frauen von Sem, Ham und Japhet haben sich vielleicht besonders darum gekümmert, einen Bereich in der Arche für die Familie wohnlich herzurichten.

Und was machten die Menschen um sie herum? Sie nahmen immer noch „keine Kenntnis davon“ — trotz der vielen Beweise, dass Jehova Noah und alles, was er tat, segnete. Den Leuten kann unmöglich entgangen sein, wie die Tiere in die Arche strömten. Doch ihre Gleichgültigkeit braucht uns nicht zu überraschen. Heute ist es ähnlich. Man interessiert sich allgemein nicht für die Beweise, dass wir in den letzten Tagen des gegenwärtigen Weltsystems leben, obwohl sie nicht zu übersehen sind. Und wie Petrus voraussagte, sind Spötter da, die sich über Menschen lustig machen, die Gottes Warnung ernst nehmen (2. Petrus 3:3-6). Das ist sicher auch Noah und seiner Familie passiert.

Wann hörte der Spott auf? Nachdem Noah seine Familie und die Tiere in die Arche gebracht hatte, „schloss Jehova die Tür hinter ihm zu“, so erzählt die Bibel. Falls irgendwelche Spötter in der Nähe waren, ist ihnen das Spotten jetzt bestimmt vergangen. Spätestens jedoch, als der Regen kam. Und wie das regnete! Es wollte gar nicht mehr aufhören. Die Erde wurde überflutet — genau wie Jehova es angekündigt hatte (1. Mose 7:16-21).

Hat sich Jehova über den Tod der Bösen gefreut? Nein, im Gegenteil! (Hesekiel 33:11). Er hatte ihnen so viele Gelegenheiten gegeben, sich zu ändern. Hätten sie das gekonnt? Wenn man sich ansieht, wie Noah lebte, wie er mit Jehova wandelte und ihm in allem gehorchte, wird klar, dass ein Überleben möglich war. In diesem Sinn verurteilte Noah durch seinen Glauben die damalige Welt; die Bosheit seiner Zeitgenossen kam deutlich ans Licht. Durch Glauben rettete Noah sich und seine Familie. Auch wir können uns und denen, die wir lieben, keinen größeren Gefallen tun, als uns an Noahs Glauben zu orientieren. Wie er können wir Jehova Gott als Freund haben und unseren Weg mit ihm gehen. Und diese Freundschaft kann ewig bestehen!

^ Abs. 10 Zu jener Zeit lebten die Menschen viel länger als heute. Das lag offensichtlich daran, dass sie noch nicht so weit von der Vitalität und Vollkommenheit entfernt waren, die Adam und Eva ursprünglich besaßen, dann aber einbüßten.

^ Abs. 20 Lamech hatte seinen Sohn Noah genannt, was wahrscheinlich „Ruhe“ oder „Trost“ bedeutet. Er hatte vorausgesagt, Noah würde diesem Namen gerecht werden, indem er den Menschen Ruhe bringen würde von ihrer harten Arbeit auf dem von Gott verfluchten Erdboden (1. Mose 5:28, 29). Lamech erlebte die Erfüllung dieser Prophezeiung nicht mehr.