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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM NOVEMBER 2012

 Schlüssel zum Familienglück

Schulden: Was nun?

Schulden: Was nun?

Giannis *: „Wegen der griechischen Finanzkrise ist mein Geschäft pleitegegangen. Wir konnten die Hypothek für unser Haus und unsere Kreditkartenrechnungen nicht mehr bezahlen. Ich habe nachts kein Auge mehr zugetan.“

Katerina: „Wir hatten so viel Liebe in unser Haus gesteckt. Der Gedanke, es zu verlieren, war für mich unerträglich. Giannis und ich haben uns oft darüber gestritten, wie wir aus der Misere herauskommen sollen.“

SCHULDEN können Ehe und Familie vor eine Zerreißprobe stellen. Wie Jeffrey Dew bei Untersuchungen feststellte, verbringen verschuldete Paare weniger Zeit miteinander, streiten häufiger und sind nicht so glücklich. Meinungsverschiedenheiten über finanzielle Fragen dauern vergleichsweise länger, es wird mit härteren Bandagen gekämpft und der Streit greift eher auf andere Themen über. Es überrascht daher nicht, dass in den Vereinigten Staaten Geldstreitigkeiten die Hauptursache für Scheidungen sind.

Hohe Schulden können einem auch gesundheitlich zusetzen, zum Beispiel in Form von Schlafstörungen, Kopf- und Magenschmerzen, Herzinfarkt und Depressionen. Marta erzählt von ihrem Mann: „Luís hatte wegen unserer Schulden solche Depressionen, dass er fast den ganzen Tag schlief. Früher war mir mein Mann immer eine Stütze gewesen, jetzt war er völlig hilflos.“ Manche brechen unter dem Druck zusammen. Die BBC berichtete zum Beispiel, dass eine Frau in Südostindien Selbstmord beging, weil sie mit dem Zurückzahlen ihrer Schulden (umgerechnet rund 660 Euro) im Rückstand lag. Sie hatte sich das Geld für die medizinische Behandlung ihrer Kinder geliehen.

Was kann man tun, wenn Schulden die Ehe belasten? Sehen wir uns einmal einige häufig  auftretende Probleme an. Welche Hilfe bietet die Bibel dabei?

PROBLEM 1: Man schiebt sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe.

„Ich habe meiner Frau vorgeworfen, dass sie das Geld mit vollen Händen ausgibt“, erzählt Lukasz, „und sie hat ständig gejammert, wir bräuchten nicht so zu knapsen, wenn ich einen Job hätte, der das ganze Jahr Geld einbringt.“ Was kann man tun, damit Schulden keinen Keil in die Ehe treiben?

Was hilft: Gemeinsam den Schuldenberg angehen.

Selbst wenn man die Schulden nicht mit verursacht hat, nützt es nichts, seine Wut am Partner auszulassen. Wahrscheinlich gilt der biblische Rat aus Epheser 4:31 jetzt mehr denn je: „Möge alle boshafte Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und lästerliches Reden samt aller Schlechtigkeit von euch entfernt werden.“

Also: Nicht einander, sondern den Schulden den Kampf ansagen. Stephanos und seine Frau haben die Schulden als ihren „gemeinsamen Feind“ betrachtet, wie er es ausdrückt. Damit liegen sie mit der Bibel auf einer Linie, denn in Sprüche 13:10 steht: „Bei denen, die sich miteinander beraten, ist Weisheit.“ Statt das Schuldenproblem im Alleingang regeln zu wollen, sollte man offen und ehrlich über die Sache reden und sie dann gemeinsam angehen.

Die Kinder können da auch mitmachen. Edgardo aus Argentinien berichtet, wie er und seine Frau vorgegangen sind, als ihr Junior ein neues Fahrrad haben wollte: „Wir erklärten ihm, warum wir uns das nicht leisten konnten. Als Ersatz bekam er dann ein Fahrrad, das seinem Opa gehört hatte. Damit hatte er richtig Spaß. Mir ist dadurch klar geworden, wie gut es ist, wenn alle an einem Strang ziehen.“

TIPP: Miteinander ausmachen, wann man offen und in aller Ruhe über das Schuldenproblem sprechen könnte. Sich vergangene Fehler eingestehen. Statt jedoch nur nach hinten zu schauen, lieber gemeinsam festlegen, nach welchen Grundsätzen man zukünftig in Geldangelegenheiten entscheiden möchte (Psalm 37:21; Lukas 12:15).

PROBLEM 2: Der Schuldenberg scheint unüberwindbar.

„Ich hatte mich mit meinem Geschäft voll übernommen und die argentinische Finanzkrise machte alles noch schlimmer“, erzählt Enrique. „Dann musste auch noch meine Frau operiert werden. Ich steckte bis über beide Ohren in Schulden und sah keinen Ausweg.“ Roberto aus Brasilien brachte sich durch ein waghalsiges Geschäft um seine ganzen Ersparnisse. Er war bei 12 Banken verschuldet. „Ich hab mich fast nicht mehr getraut, meinen Freunden unter die Augen zu treten“, sagt er. „Ich kam mir vor wie ein Versager.“

Was kann man tun, wenn man wegen seiner Schulden total fertig ist, ein schlechtes Gewissen hat und sich schämt?

Was hilft: Nicht über seine Verhältnisse leben.

 *

1. Einen Haushaltsplan aufstellen. Zwei Wochen oder, wenn es sinnvoller ist, einen ganzen Monat über alles, was man einnimmt und ausgibt, Buch führen. Dabei auch für unregelmäßig auftretende Posten wie Steuern, Versicherungsbeiträge und Ausgaben für Kleidung einen monatlichen Durchschnittsbetrag veranschlagen.

2. Zusätzliche Einnahmequellen suchen. Vielleicht könnte man Extraschichten auf der Arbeit übernehmen. Andere Möglichkeiten wären Saisonarbeit, Nachhilfe, Recycling oder ein Hobby zu Geld machen. Aber Vorsicht: Die Arbeit nicht mit wichtigeren Dingen wie religiösen Aktivitäten in Konflikt kommen lassen.

Nach Möglichkeiten suchen, wie man als Familie Geld sparen kann

3. Ausgaben einschränken. Etwas nicht einfach kaufen, weil es im Angebot ist, sondern nur, wenn man es benötigt (Sprüche 21:5). „Besser nicht gleich zugreifen“, meint Enrique, der bereits erwähnt wurde, „dann kann man überlegen, ob man die Sache wirklich braucht oder nur haben will.“ Hier noch weitere Tipps.

  • Wohnung: Wenn möglich in eine billigere Wohnung ziehen. Nebenkosten reduzieren, indem man Strom, Wasser und Heizung spart.
  •   Essen: Mittagessen oder Imbiss einpacken, statt regelmäßig essen zu gehen. Beim Einkaufen auf Rabatte und Sonderangebote achten. Joelma aus Brasilien hat den Tipp: „Ich kaufe Obst und Gemüse kurz vor Marktschluss. Da wird manches reduziert.“
  • Verkehrsmittel: Fahrzeuge, auf die man verzichten kann, verkaufen. Das Fahrzeug, das man benutzt, in Schuss halten, statt es vorschnell für ein neueres Modell in Zahlung zu geben. Möglichst auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder zu Fuß gehen.

Nachdem man seine Ausgaben reduziert hat, ist zu überlegen, wie man das vorhandene Geld am besten einsetzt.

4. Schulden analysieren und entsprechende Schritte unternehmen. Zuerst wäre zu klären: Wie hoch sind die Zinsen und Gebühren für jeden Kredit? Was passiert, wenn eine Zahlung zu spät erfolgt oder vergessen wird? Vertragstexte sollte man unbedingt genau unter die Lupe nehmen, weil manche Kreditgeber mit Tricks arbeiten. Ein Kreditanbieter in den Vereinigten Staaten zum Beispiel bot einen Kurzzeitkredit zu einem Zinssatz von 24 Prozent an, de facto waren es dann aber über 400 Prozent.

Als Nächstes ist zu überlegen, in welcher Reihenfolge die Schulden abgebaut werden sollen. Man könnte entweder mit dem zinsintensivsten Kredit anfangen oder sich dadurch motivieren, dass man erst einmal kleinere Außenstände begleicht, damit man nicht mehr so viele verschiedene Kredite abzuzahlen hat. Kredite mit hohem Zinssatz können vielleicht durch zinsgünstigere Alternativen abgelöst werden.

Wenn alle Stricke reißen, könnte man noch versuchen, mit den Gläubigern neue Ratenvereinbarungen auszuhandeln. Manche sind sogar bereit, einen Nachlass zu gewähren, wenn man ihnen den restlichen Kreditbetrag als Einmalzahlung anbietet. Beim Offenlegen der eigenen finanziellen Situation sollte man ehrlich und freundlich sein (Kolosser 4:6; Hebräer 13:18). Vereinbarungen hält man am besten immer schriftlich fest. Wenn der erste Einigungsversuch nicht glückt, muss man nicht davor zurückschrecken, nötigenfalls weitere Vorstöße zu machen (Sprüche 6:1-5).

Beim Thema Geld gilt es natürlich, realistisch zu bleiben. Da man nicht auf alle Faktoren Einfluss hat, kann auch der beste Plan scheitern. Wie die Bibel sagt, macht sich das Geld oft „Flügel gleich denen eines Adlers und entfliegt den Himmeln zu“ (Sprüche 23:4, 5).

TIPP: Nachdem man einen vorläufigen Haushaltsplan aufgestellt hat, könnte man besprechen, wie jeder sparen oder etwas dazuverdienen kann. Wenn alle tapfer mithelfen, aus den Schulden herauszukommen, kann das die Familie zusammenschweißen.

  PROBLEM 3: Die Schulden beherrschen unser Denken.

Der Kampf gegen die Schulden kann wichtigere Dinge im Leben an die Seite drängen. Georgios hat das erlebt. Er sagt: „Das größte Problem war, dass sich bei uns alles um die Schulden drehte und Wichtigeres dadurch zu kurz kam.“

Was hilft: Geld nicht überbewerten.

Auch wenn man sich noch so ins Zeug legt, kommt man vielleicht jahrelang nicht aus den Schulden heraus. In der Zwischenzeit hat man es selbst in der Hand, wie man mit der Situation umgeht. Statt sich gedanklich von Geld oder Schulden vereinnahmen zu lassen, nimmt man sich besser den Rat der Bibel zu Herzen: „Wenn wir . . . Lebensunterhalt und Bedeckung haben, werden wir mit diesen Dingen zufrieden sein“ (1. Timotheus 6:8).

Zufriedenheit bringt Freuden, die man mit Geld nicht kaufen kann

Wer in seiner Situation zufrieden ist, hat den Kopf frei für die „wichtigeren Dinge“ (Philipper 1:10). Dazu gehört die Freundschaft mit Gott und der Zusammenhalt in der Familie. Georgios meint hierzu: „Wir haben unsere Schulden zwar noch nicht komplett abbezahlt, aber sie bestimmen nicht länger unser Leben. Meine Frau und ich sind jetzt glücklicher, weil wir mehr Zeit zusammen und mit unseren Kindern verbringen und uns als Familie mehr für unseren Glauben einsetzen.“

TIPP: Auflisten, was man persönlich für wertvoll hält, was aber nicht mit Geld zu kaufen ist. Dann überlegen, wie man mehr Zeit und Kraft dafür verwenden kann.

Schulden erzeugen Stress. Um sie in den Griff zu bekommen, muss man Opfer bringen, doch die Mühe lohnt sich. Andrzej aus Polen erzählt: „Meine Frau hat einmal einer Kollegin einen Batzen Geld geliehen und die ist dann sang- und klanglos verschwunden. Als ich das erfuhr, hing bei uns gelinde gesagt der Haussegen schief.“ Rückblickend findet er jedoch: „Eigentlich sind wir uns durch die Sache nähergekommen — aber nicht durch das Problem an sich, sondern weil wir es gemeinsam gelöst haben.“

^ Abs. 3 Einige Namen wurden geändert.

^ Abs. 17 Weitere Vorschläge sind im Erwachet! vom September 2011 unter dem Thema „Mit Geld gut umgehen“ zu finden (herausgegeben von Jehovas Zeugen).

ZUM NACHDENKEN

  • Was kann ich tun, damit wir aus den Schulden herauskommen?
  • Wie können wir es schaffen, dass Schulden unsere Ehe nicht beherrschen oder uns gar auseinanderbringen?

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