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Jehovas Zeugen

Deutsch

Der Wachtturm  |  Oktober 2012

 Gespräch von Mensch zu Mensch:

Werden Menschen in der Hölle gequält?

Werden Menschen in der Hölle gequält?

JEHOVAS ZEUGEN unterhalten sich gern mit anderen über biblische Themen. Gibt es etwas, was Sie schon lange einmal über die Bibel wissen wollten? Würde es Sie interessieren, was Jehovas Zeugen glauben oder wie sie organisiert sind? Sprechen Sie den nächsten Zeugen Jehovas doch einfach darauf an. Er wird Ihnen gern Auskunft geben.

Schalten wir uns einmal in eine typische Unterhaltung ein. Ein Zeuge Jehovas, den wir Marco B. nennen wollen, beginnt gerade mit Herrn L. ein Gespräch.

Wird Gott böse Menschen bestrafen?

Marco B.: Guten Tag. Schön, dass ich Sie wieder antreffe.

Antonio L.: Guten Tag.

Marco B.: Sie haben neulich etwas erwähnt, worüber ich noch mal nachgedacht habe.

Antonio L.: So?

Marco B.: Sie haben gesagt, Sie hätten sich gewundert, dass Jehovas Zeugen nicht an die Höllenlehre glauben.

Antonio L.: Das stimmt. Und ehrlich gesagt: Es geht mir nicht in den Kopf, dass Sie diese Lehre ablehnen.

Marco B.: Nett, dass Sie das so offen sagen. Mich interessiert sehr, was andere denken. Über die Hölle gibt es ja viele verschiedene Ansichten. Deswegen würde ich Sie gern fragen, was Sie sich darunter vorstellen.

Antonio L.: Ich habe immer geglaubt, dass durch und durch schlechte Menschen nach dem Tod in die Hölle kommen und dort ewig gequält werden.

Marco B.: Die Ansicht ist sehr verbreitet. Herr L., darf ich Sie fragen: Haben Sie schon einmal etwas ganz Schlimmes erlebt?

Antonio L.: Ja. Meine Schwester ist vor fünf Jahren ermordet worden.

Marco B.: Das ist ja schrecklich! Bestimmt fehlt sie Ihnen sehr.

Antonio L.: Das kann man wohl sagen. Ich denke jeden Tag an sie.

Marco B.: Ich habe gemerkt, dass viele über die Höllenlehre eine so entschiedene Meinung haben, weil ihnen etwas sehr Schlimmes passiert ist. Als unschuldige Opfer finden sie es nur gerecht, wenn Übeltäter für ihre Taten bestraft werden.

Antonio L.: Klar! Ich möchte, dass der Mann, der meine Schwester umgebracht hat, für das bezahlt, was er unserer Familie angetan hat.

Marco B.: Das ist eine ganz natürliche Reaktion. Wie die Bibel lehrt, ist auch Gott zornig, wenn unschuldigen Menschen Böses angetan wird. Und er hat versprochen, dass er die Täter zur Rechenschaft zieht. Sehen Sie einmal, was  hier in Jesaja 3:11 steht: „Wehe dem Bösen! — Unglück; denn die mit seinen eigenen Händen erstattete Behandlung wird ihm erstattet werden!“ Wir können also absolut sicher sein, dass Gott die Bösen bestrafen wird.

Antonio L.: Und wie soll das gehen? Sie behaupten doch, dass es keine Hölle gibt, wo Menschen im Feuer gequält werden.

Marco B.: Gute Frage. In einem Satz gesagt: Gott bestraft böse Menschen, indem er sie für immer vernichtet. In 2. Thessalonicher 1:9 wird dazu eine interessante Aussage gemacht. Möchten Sie den Vers mal selbst lesen?

Antonio L.: Da steht: „Gerade diese werden die richterliche Strafe ewiger Vernichtung erleiden, hinweg von dem Angesicht des Herrn.“

Marco B.: Wie Sie hier sehen, haben böse Menschen keinerlei Aussicht auf Leben mehr. Gottes Strafe für sie ist, dass sie für immer tot sein werden.

Antonio L.: Okay, das steht da so, aber fair finde ich das nicht. Schließlich muss jeder sterben. Müssten Menschen, die richtig böse sind, nicht härter bestraft werden?

Was verlangt die Gerechtigkeit?

Marco B.: Ich sehe schon, Herr L., Ihnen liegen Recht und Gerechtigkeit sehr am Herzen.

Antonio L.: Ja, sicher.

Marco B.: Das ist schön. Genau genommen haben wir Menschen einen Sinn für Gut und Böse, weil Gott uns so erschaffen hat. Ihm liegt ebenfalls sehr viel an Recht und Gerechtigkeit. Wenn die Kirchen nun aber lehren, dass Gott Menschen in der Hölle quält, dann stellen sie ihn eigentlich als sehr ungerecht hin.

Antonio L.: Wieso denn das?

Marco B.: Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel. Sie kennen doch sicher den Bericht in der Bibel über Adam und Eva.

Antonio L.: Ja. Die durften doch von einem bestimmten Baum nicht essen und haben sich nicht daran gehalten.

Marco B.: Exakt. Sehen wir uns das mal in der Bibel an. Es steht gleich hier in 1. Mose 2:16, 17: „Jehova Gott erlegte dem Menschen auch dieses Gebot auf: ‚Von jedem Baum des Gartens darfst du bis zur Sättigung essen. Was aber den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse betrifft, davon sollst du nicht essen, denn an dem Tag, an dem du davon isst, wirst du ganz bestimmt sterben.‘ “ Was sollte also mit Adam passieren, wenn er von der verbotenen Frucht essen würde?

Antonio L.: Er würde sterben.

Marco B.: Stimmt. Jetzt überlegen wir mal: Weil Adam gesündigt hat, werden alle Menschen als Sünder geboren. * Das war doch ein schweres Vergehen. Hat Gott aber etwas von einer Bestrafung in der Hölle gesagt?

Antonio L.: Nein.

Marco B.: Nehmen wir einmal an, Adam und Eva hätten als Strafe tatsächlich ewige Qualen gedroht. Wäre es da nicht fair und ein Zeichen von Liebe gewesen, wenn Gott sie davor gewarnt hätte?

Antonio L.: Ja, da haben Sie recht.

Marco B.: Wichtig ist auch, was Gott zu Adam und Eva nach dem Sündenfall gesagt hat. Möchten Sie das mal in 1. Mose 3:19 lesen?

Antonio L.: Okay. „Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn aus ihm wurdest du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren.“

Marco B.: Danke schön. Wo würde Adam nach dem, was hier steht, hinkommen, wenn er stirbt?

Antonio L.: Er würde zum Staub zurückkehren.

Marco B.: Haargenau. Meinen Sie nicht auch, dass man nur an einen Ort zurückkehren kann, an dem man vorher gewesen ist?

Antonio L.: Klar.

Marco B.: Wo war Adam, bevor Gott ihn erschaffen hat?

Antonio L.: Nirgends. Den gab’s gar nicht.

Marco B.: Stimmt. Und wie man in der Bibel lesen kann, hat Gott bei der Ankündigung der Strafe kein Höllenfeuer erwähnt. Wäre es fair  von ihm gewesen, zu Adam zu sagen, dass er wieder zu Staub wird, ihn dann aber in der Hölle zu quälen?

Antonio L.: Nein.

Führt der Teufel Gottes Willen aus?

Marco B.: Bei der Höllenlehre gibt es noch einen Knackpunkt.

Antonio L.: Und der wäre?

Marco B.: Na ja, wer ist denn nach der allgemeinen Vorstellung der Herr über die Hölle? Wer straft da die Menschen?

Antonio L.: Der Teufel.

Marco B.: Der Teufel ist aber Gottes ärgster Feind. Wenn Gott Menschen in die Hölle verdammt, damit sie dort vom Teufel gequält werden, würde das nicht bedeuten, dass die beiden zu einem gewissen Grad Hand in Hand arbeiten?

Antonio L.: Hm. So habe ich das noch nie gesehen.

Marco B.: Nehmen wir mal noch einen anderen Vergleich. Sie haben doch Kinder, nicht?

Antonio L.: Ja, einen Sohn. Der ist gerade 15 geworden.

Marco B.: Stellen Sie sich mal vor, Ihr Sohn geht voll auf Konfrontation zu Ihnen. Er gerät auf die schiefe Bahn und enttäuscht Sie sehr. Was würden Sie tun?

Antonio L.: Ich würde versuchen, ihn zur Vernunft zu bringen.

Marco B.: Und das würden Sie sicher nicht nur einmal versuchen.

Antonio L.: Bestimmt nicht.

Marco B.: Aber angenommen, nichts hilft. Er hört einfach nicht auf Sie. Da kommt doch irgendwann der Punkt, wo Sie keine andere Wahl haben, als ihn irgendwie zu bestrafen.

Antonio L.: Ja.

Marco B.: Was wäre jetzt, wenn Sie mitbekämen, dass ein ganz übler Mensch Ihren Sohn beeinflusst und gegen Sie aufgehetzt hat und Ihr Kind deswegen auf Abwege geraten ist?

Antonio L.: Na, auf den wär ich ganz schön wütend!

Marco B.: Herr L., jetzt sagen Sie mal: Würden Sie ausgerechnet so jemand beauftragen, Ihr eigenes Kind zu bestrafen?

Antonio L.: Das würde mir im Traum nicht einfallen!

Marco B.: Finden Sie es da logisch, dass Gott den Teufel beauftragt haben soll, Übeltäter zu bestrafen — wo der sie doch erst dazu gebracht hat, Böses zu tun?

Antonio L.: Wohl eher nicht.

Marco B.: Und übrigens: Wenn Gott böse Menschen in der Hölle quälen wollte, wieso sollte sich der Teufel, der ja Gottes Erzfeind ist, dazu gebrauchen lassen?

Antonio L.: Von der Seite habe ich das noch nie gesehen.

Jehova wird allem Bösen ein Ende setzen

Marco B.: Das bedeutet jetzt aber nicht, dass Gott gegen unverbesserlich böse Menschen nichts unternehmen wird. Vielleicht kann ich Ihnen dazu noch einen letzten Text zeigen: Psalm 37:9. Würden Sie den wieder vorlesen?

Antonio L.: Gut. „Die Übeltäter, sie werden weggetilgt, die aber auf Jehova hoffen, sind es, die die Erde besitzen werden.“

Marco B.: Vielen Dank. Ist Ihnen aufgefallen, was Gott mit den Übeltätern tun wird?

Antonio L.: Da steht: „Sie werden weggetilgt.“

Marco B.: Richtig. Mit anderen Worten: Sie werden für immer ausgelöscht. Aber die Guten, die „auf Jehova hoffen“, wie es hier heißt, werden ewig auf der Erde leben dürfen. Da stellen sich jetzt natürlich neue Fragen. Zum Beispiel: Wieso lässt Gott die Bösen so schalten und walten? Und wenn er wirklich vorhat, sie zu bestrafen, wieso hat er es noch nicht gemacht?

Antonio L.: Stimmt eigentlich.

Marco B.: Vielleicht kann ich Ihnen diese Fragen das nächste Mal mit der Bibel beantworten. *

Antonio L.: Gern.

^ Abs. 79 Mehr zu diesem Thema steht in dem Buch Was lehrt die Bibel wirklich?, Kapitel 11 (herausgegeben von Jehovas Zeugen).

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