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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM OKTOBER 2012

Die Bibel hat ihr Leben verändert

Die Bibel hat ihr Leben verändert

AUS einem todunglücklichen Jungen wird letztendlich ein glücklicher und guter Ehemann und Familienvater. Eine Frau mit vielen Lastern bringt ihr Leben in Ordnung. Wie es bei den beiden dazu gekommen ist? Hier ihre Geschichte.

„Ich fühlte mich wertlos“ VÍCTOR HUGO HERRERA

  • GEBURTSJAHR: 1974
  • GEBURTSLAND: CHILE
  • VORGESCHICHTE: ALKOHOLABHÄNGIG

MEINE VERGANGENHEIT:

Ich bin in Angol im schönen Süden Chiles geboren. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Als ich drei Jahre alt war, zog meine Mutter mit meinem Bruder und mir in die Hauptstadt Santiago. Ein paar Quadratmeter in einem Obdachlosenlager wurden schließlich unser Zuhause. Die Toilette war draußen, Wasser holten wir vom Hydranten.

Nach ungefähr zwei Jahren bekamen wir ein kleines Haus zugewiesen. Unsere neue Wohngegend war leider ein einziger Sumpf von Drogen, Alkohol, Kriminalität und Prostitution.

Eines Tages lernte meine Mutter einen Mann kennen und die beiden heirateten. Mein Stiefvater war ein starker Trinker; meine Mutter und ich mussten immer wieder Schläge einstecken. Ich habe oft im Stillen geheult, wünschte ich mir doch nichts sehnlicher als einen Vater, der seinen Jungen beschützt.

Obwohl unsere Mama wirklich schwer gearbeitet hat, waren wir bettelarm. Wenn uns der Magen knurrte, gab es manchmal nichts anderes als Milchpulver und Zucker. Mein Bruder und ich haben uns gern aus dem Haus geschlichen und bei einer Nachbarin durchs Fenster mit ferngesehen — das war mal eine Abwechslung. Aber eines Tages hat uns die Nachbarin erwischt. Und das wars dann!

Wenn mein Stiefvater mal keinen Alkohol intus hatte, was nicht so oft vorkam, kaufte er meinem Bruder und mir etwas zu essen. Einmal bekamen wir von ihm sogar einen kleinen Fernseher geschenkt. Das ist einer der wenigen Glücksmomente, an die ich mich erinnern kann.

Mit zwölf lernte ich lesen. Ein Jahr danach ging ich von der Schule ab und nahm einen Ganztagsjob an. Nach Feierabend bin ich mit älteren Kollegen losgezogen und habe mich mit ihnen auf Partys betrunken und auch Drogen ausprobiert. Bald kam ich nicht mehr davon los.

Als ich zwanzig war, lernte ich Cati kennen, und sie wurde meine Frau. Erst lief alles ganz gut, doch schon bald lebte ich wieder wie früher. Ich benahm mich sogar noch schlimmer. Es dämmerte mir, dass ich irgendwann entweder im Gefängnis oder unter der Erde landen würde. Und was noch viel tragischer war: Ich tat meinem kleinen Sohn Víctor jetzt das Gleiche an, was  man mir als Jungen angetan hatte. Das machte mich alles traurig, ich war wütend über mich selbst und fühlte mich wertlos.

Um 2001 herum bekamen wir Besuch von zwei Zeuginnen Jehovas. Cati ließ sich von den beiden die Bibel näher erklären. Sie erzählte mir immer davon und aus Neugier fing auch ich an, die Bibel zu studieren. 2003 wurde Cati Zeugin Jehovas.

WIE DIE BIBEL MEIN LEBEN VERÄNDERT HAT:

Einmal las ich Ruth 2:12. Jetzt verstand ich, dass Jehova Glaubensmenschen belohnt, die bei ihm Schutz und Zuflucht suchen. Mir wurde dadurch bewusst: Wenn ich Änderungen vornehme, kann Gott sich über mich freuen und mich auch belohnen. Mir fiel auf, wie oft in der Bibel Trunkenheit verurteilt wird. 2. Korinther 7:1 gab mir einen richtigen Ruck. Dort steht, dass wir uns von allem reinigen sollen, was uns beschmutzt. Also sagte ich meinen üblen Gewohnheiten den Kampf an. Dadurch wurde ich zunächst noch ungenießbarer, doch Cati hat mich in dieser Zeit nie fallen gelassen.

Weil Zigaretten und Alkohol auf der Arbeit eine gewaltige Versuchung für mich waren, kündigte ich. Das hieß zwar, eine Weile kaum Geld zu haben, dafür hatte ich aber mehr Zeit fürs Bibelstudium und machte richtig gute Fortschritte. Cati hat nie Ansprüche gestellt und mir auch nie Vorwürfe gemacht, dass ich ihr nur ein einfaches Leben bieten konnte. Ich bin froh und dankbar, diese Perle an meiner Seite zu haben.

Nach und nach suchte ich mehr den Kontakt zu den Zeugen. Sie machten mir bewusst, dass ich mich wegen meiner schlechten Schulbildung nicht zu verstecken brauchte. Für Gott zählt mein Herzenswunsch, ihm zu dienen. Die liebevolle Atmosphäre und der Zusammenhalt in der Versammlung hatten einen starken Effekt auf unser Familienleben. Nirgendwo sonst hatten wir so einen Frieden gespürt. Im Dezember 2004 ließ auch ich mich taufen.

WIE DIE BIBEL MEIN LEBEN BEREICHERT HAT:

Was in Jesaja 48:17 steht, stimmt wirklich: „Ich, Jehova, bin dein Gott, der dir zum Nutzen dich lehrt.“ Meine Mutter und mein Bruder konnten nicht fassen, wie sehr ich mich geändert hatte. Jetzt studieren sie selbst die Bibel. Auch meine Nachbarn freuen sich darüber, dass ich mich so positiv verändert habe und aus uns eine glückliche Familie geworden ist.

In Cati habe ich eine Frau gefunden, die Gott liebt und mich als einen Freund und Partner sieht, auf den sie sich verlassen kann. Ich habe meinen richtigen Vater zwar nie kennengelernt, doch die Bibel hat mir gezeigt, wie ich meinen drei Söhnen ein guter Vater sein kann. Ich werde von ihnen respektiert. Und vor allem: Jehova ist für sie etwas Reales, jemand, den sie lieben gelernt haben.

„Ich habe meinen richtigen Vater zwar nie kennengelernt, doch die Bibel hat mir gezeigt, wie ich meinen drei Söhnen ein guter Vater sein kann“

In meinem Fall ist also aus einem todunglücklichen Jungen ein glücklicher Mann geworden. Dafür bin ich Jehova dankbar.

 „Ich war reizbar und explosiv“ NABICHA LASAROWA

  • GEBURTSJAHR: 1974
  • GEBURTSLAND: BULGARIEN
  • VORGESCHICHTE: HANDELTE MIT DROGEN

MEINE VERGANGENHEIT:

Ich wurde in Sofia geboren und wuchs in einer gutbürgerlichen Familie auf. Als ich sechs war, ließ mein Vater uns im Stich. Das war wie ein Keulenschlag und ich litt ganz entsetzlich darunter. Ich fühlte mich abgelehnt, verstoßen und ungeliebt. Mit der Zeit kam ich damit überhaupt nicht mehr klar und ging auf Konfrontationskurs. Ich war reizbar und explosiv.

Mit 14 bin ich zum ersten Mal von zu Hause weggelaufen. Oft habe ich meiner Mutter und meinen Großeltern Geld gestohlen. In der Schule handelte ich mir wegen meiner Art ständig Ärger ein, sodass ich innerhalb von wenigen Jahren fünf Mal die Schule wechseln musste. Drei Jahre vor dem Abschluss brach ich die Schule ab. Ich führte ein richtiges Lotterleben. Mit der Zeit kam ich von Zigaretten und Marihuana nicht mehr los. Ich zog von einer Party zur nächsten, trank viel zu viel und ließ mich darauf ein, mit Drogen zu handeln. Es war alles so sinnlos in dieser hoffnungslosen Welt, wo ich Menschen leiden und sterben sah. Also lebte ich nur noch, um Spaß zu haben.

1998 wurde ich am Flughafen von São Paulo (Brasilien) festgenommen. Man hatte mich beim Drogenhandel erwischt. Ich wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Damals war ich 24.

WIE DIE BIBEL MEIN LEBEN VERÄNDERT HAT:

Ab dem Jahr 2000 wurde das Gefängnis, in dem ich einsaß, einmal die Woche von Zeugen Jehovas besucht. Eine von ihnen war Marines. Sie war unglaublich lieb zu mir. Sie schaffte es, mich für die Bibel zu interessieren. Ich hatte vorher noch nie von Jehovas Zeugen gehört; darum fragte ich die anderen, was sie über sie wussten. Verblüffenderweise reagierten die meisten negativ. Eine meinte sogar: „Du kannst alles werden, nur kein Zeuge Jehovas!“ Das machte mich bloß noch neugieriger. Ich fragte mich, wieso diese Leute so verhasst waren. Das konnte wohl nur daran liegen, dass sie die wahre Religion hatten. Denn schließlich steht ja in der Bibel, dass jeder, der wirklich wie Jesus leben möchte, auch verfolgt wird (2. Timotheus 3:12).

Zu der Zeit sollte ich in der Gefängnisverwaltung mithelfen. Dabei fand ich eines Tages in einem Abstellraum diverse Kartons mit älteren Ausgaben von Wachtturm und Erwachet!. * Ich nahm sie mit in meine Zelle und fing an darin zu lesen. Je mehr ich mich vertiefte, desto mehr merkte ich, dass ich mich eigentlich wie jemand fühlte, der in der heißen Wüste gerade auf einen Brunnen mit kühlem Wasser gestoßen ist. Da ich ja jede Menge Zeit hatte, beschäftigte ich mich jeden Tag etliche Stunden mit der Bibel.

Eines Tages wurde ich ins Büro gerufen. Da ich damit rechnete, aus der Haft entlassen zu werden, packte ich schnell meine Siebensachen zusammen, verabschiedete mich von den anderen  Häftlingen und rannte zum Büro. Dort teilte man mir allerdings mit, dass inzwischen eine weitere Anklage gegen mich vorlag: Besitz gefälschter Papiere. Ich bekam noch zwei weitere Jahre Gefängnis.

Erst war ich völlig am Boden. Nach ein paar Tagen ging mir jedoch auf, dass mir gar nichts Besseres hätte passieren können. Obwohl ich schon so viel aus der Bibel gelernt hatte, war es nämlich immer noch mein Wunsch, nach der Entlassung mein Leben wie früher weiterzuleben. Ich brauchte also Zeit, um mich zu ändern.

Manchmal glaubte ich, Gott könne jemand wie mich unmöglich akzeptieren. Aber dann dachte ich ausgiebig über Textpassagen wie 1. Korinther 6:9-11 nach. Diese Verse zeigen, dass unter den Christen im 1. Jahrhundert ehemalige Diebe, Trinker und Erpresser waren. Dank Jehovas Hilfe hatten sie es jedoch geschafft, sich zu ändern. Das hat mir großen Mut gemacht.

Mit einigen meiner schlechten Gewohnheiten konnte ich leicht brechen. Von den Drogen kam ich zum Beispiel ohne große Probleme los. Aber das Rauchen! Über ein Jahr lang habe ich furchtbar gekämpft, bis ich es mir endlich abgewöhnt hatte. Eine gute Hilfe war, mich darüber zu informieren, was Rauchen im Körper alles anrichtet. Doch was mir mit Abstand am meisten geholfen hat, war das unablässige Beten zu Jehova.

„Ich hatte den besten Vater überhaupt gefunden — einen, der mich nie im Stich lassen würde!“

Ich kam Gott immer näher und überwand langsam das Gefühl, abgelehnt zu werden, das mein Vater bei mir als Kind ausgelöst hatte. Ganz tief berührte mich, was in Psalm 27:10 steht: „Falls mein eigener Vater und meine eigene Mutter mich verließen, würde ja Jehova selbst mich aufnehmen.“ Ich merkte, dass ich den besten Vater überhaupt gefunden hatte — einen, der mich nie im Stich lassen würde! Damit bekam mein Leben Sinn und Zweck. Im April 2004, ein halbes Jahr nach meiner Entlassung, ließ ich mich taufen.

WIE DIE BIBEL MEIN LEBEN BEREICHERT HAT:

Ich bin glücklich. Jetzt, wo ich mir durch meine Gewohnheiten nicht mehr selbst Schaden zufüge, geht es mir körperlich und emotional viel besser als früher. Ich führe eine glückliche Ehe, und Jehova, mein Vater im Himmel, ist mir ein echter Freund geworden. Unter meinen Glaubensbrüdern habe ich viele Väter, Mütter, Brüder und Schwestern gefunden (Markus 10:29, 30). Sie sahen den guten Kern in mir, als er mir selbst noch gar nicht bewusst war. Dafür bin ich sehr dankbar.

Mitunter werde ich noch von Schuldgefühlen überwältigt. Doch dann tröste ich mich damit, dass es in der neuen Welt, die Gott uns verspricht, keine quälenden Erinnerungen mehr geben wird — sie „werden nicht in den Sinn gerufen werden“ (Jesaja 65:17). Mittlerweile kommt mir meine Vergangenheit sogar zugute, denn ich kann mich dadurch besser in Menschen hineinversetzen, die gerade Ähnliches erleben. Zum Beispiel fällt es mir recht leicht, unvoreingenommen auf Drogenabhängige, Alkoholiker oder Kriminelle zuzugehen und mit ihnen über die Bibel zu sprechen. Eins weiß ich sicher: Wenn ich mich für Jehova ändern konnte, dann kann das jeder!

^ Abs. 29 Herausgegeben von Jehovas Zeugen.