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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM NOVEMBER 2011

Wie schafft man es, einen guten Draht zum Sohn zu behalten?

Wie schafft man es, einen guten Draht zum Sohn zu behalten?

 Wie schafft man es, einen guten Draht zum Sohn zu behalten?

„WOHER weißt du das alles, Papa?“, fragt der kleine Bub bewundernd. Schlägt in solchen Momenten nicht jedes Vaterherz höher? Und wenn ein Sohn dann auch noch umsetzt, was ihm sein Vater alles mit auf den Weg gibt, und gut dabei fährt, leuchten die Augen doch förmlich vor Vaterstolz (Sprüche 23:15, 24). *

Bleibt man als Papa aber immer der Größte, oder scheint sich das mit der Zeit eher zu verlieren? Wie schafft man es, seinen Sohn auf dem Weg vom Jungen zum Mann zu begleiten, ohne den guten Draht zu ihm zu verlieren? Schließlich wird einem das nicht immer leicht gemacht. Hier einige Herausforderungen, vor denen man als Vater mitunter steht:

Drei typische Herausforderungen

1. DER ZEITFAKTOR: In vielen Ländern ist der Vater der Haupternährer der Familie. Oft ist er deshalb zwangsläufig den größten Teil des Tages weg. Es ist frappierend, wie wenig Zeit manche Väter mit ihren Kindern verbringen. Nach einer neueren Umfrage in Frankreich zum Beispiel haben Väter dort gerade einmal 12 Minuten am Tag Zeit für ihre Kinder.

WIE SIEHT ES BEI MIR AUS? Wie viel Zeit verbringe ich mit meinem Sohn? Ich könnte in den nächsten Wochen ja einmal aufschreiben, wie viel Zeit ich mir jeden Tag für ihn nehme. Vielleicht ist es weniger, als ich denke.

2. DAS FEHLENDE VORBILD: Manche haben von ihrem eigenen Vater nicht viel gehabt. „Ich hatte selten etwas mit meinem Vater zu tun“, erzählt Jean-Marie aus Frankreich. Die Folge? „Ich hätte nie gedacht, was für Probleme mir das später bereiten würde“, meint er. „Zum Beispiel tue ich mich schwer, mit meinen Söhnen ein vernünftiges Gespräch anzufangen.“ Andere kennen ihren Vater zwar ziemlich gut, haben aber trotzdem kein gutes Verhältnis zu ihm. Philippe (43) sagt: „Meinem Vater fiel es schwer, mir zu zeigen, dass er mich lieb hat. Ich muss mich darum heute bewusst anstrengen, es bei meinem Sohn anders zu machen.“

WIE SIEHT ES BEI MIR AUS? Spielt das Verhältnis zu meinem eigenen Vater mit hinein, wie ich meinen Sohn behandle? Mach ich es in manchen Punkten (ob gut oder schlecht) genauso wie mein Vater? Was konkret?

3. EIN MANKO AN VERNÜNFTIGEN ORIENTIERUNGSHILFEN: In einigen Kulturen wird die Rolle des Vaters in der Kindererziehung nicht besonders hoch bewertet. „Da, wo ich aufgewachsen bin“, erzählt Luca, der aus einem westeuropäischen Land stammt, „waren Kinder Frauensache.“  In anderen Kulturen soll der Vater seine Familie einfach nur mit strenger Hand führen, sonst nichts. Das erzählt zum Beispiel George, der in einem afrikanischen Land groß geworden ist: „Bei uns spielt ein Vater nicht mit seinen Kindern, aus Angst, das würde seine Autorität untergraben. Deshalb bringe ich es nie so recht fertig, meinen Sohn einfach mal nur zu genießen.“

WIE SIEHT ES BEI MIR AUS? Welches Rollenbild hat man in meiner Kultur vom Vater? Wird Männern vermittelt, die Kindererziehung sei die Domäne der Frauen? Werden Väter ermutigt, ihren Söhnen Liebe und Zuneigung zu geben, oder erntet man da in meinem kulturellen Umfeld nur Stirnrunzeln?

Wer als Vater vor solchen Herausforderungen steht, fragt sich vielleicht, wie er sie meistern kann. Dazu jetzt ein paar Ideen:

Die Zeit von klein auf nutzen

Anscheinend ist Söhnen der Wunsch in die Wiege gelegt, es dem Papa nachzumachen — eine goldene Gelegenheit für den Vater. Doch wie kann er diese Chance von klein auf nutzen? Und wie findet man Zeit für seinen Sohn?

Man könnte ihn sooft wie möglich bei den täglichen Arbeiten mit einschließen, ihn zum Beispiel mithelfen lassen, wenn es rund ums Haus etwas zu tun gibt. Ein kleiner Handfeger oder ein Kinderspaten — und schon wird der kleine Mann mit strahlendem Gesicht seinem Helden und großen Vorbild — seinem Papa! — zur Hand gehen. Wahrscheinlich braucht man dann zwar für alles etwas länger, aber es schafft Nähe, und der Sohn lernt gleichzeitig noch etwas in Sachen Arbeitsmoral. Schon vor langer Zeit wurden Väter in der Bibel dazu ermutigt, ihre Kinder in ihren Alltag mit einzubeziehen und solche Momente zu nutzen, sich mit ihnen zu unterhalten und ihnen vieles beizubringen (5. Mose 6:6-9). Ein guter Rat, der immer noch aktuell ist.

Außerdem ist es sehr wertvoll, sich die Zeit zu nehmen, mit seinem Jungen zu spielen. Dabei kommt nicht nur der Spaßfaktor zum Tragen. Wie Forschungen ergeben haben, lernen Kinder auf diese Weise auch, sich mehr zuzutrauen und mutiger zu werden.

Und das gemeinsame Spielen hat sogar eine noch wichtigere Funktion: „Durch das Spiel kann ein Junge mit seinem Vater am besten kommunizieren“, erklärt der Soziologe Michel Fize. Beim Spiel kann der Vater seinem Sohn mit Worten und Taten zeigen, dass er ihn liebt. Auf diese Weise lernt auch der Sohn, Liebe zurückzuschenken. Dazu erzählt André aus Deutschland: „Als Manuel noch klein war, haben wir häufig zusammen gespielt. Ich habe ihn oft geknuddelt, und er hat dadurch gelernt, mir auch seine Liebe zu zeigen.“

Gut für eine enge Bindung ist nicht zuletzt auch, wenn man seinem Sprössling vor dem Schlafengehen regelmäßig etwas vorliest. Oft erzählt er einem dann, was er an dem Tag alles toll fand. Oder man hört von seinen kleinen und großen Sorgen. Dadurch macht es ein Vater seinem Sohn leichter, auch später weiter mit ihm im Gespräch zu bleiben.

Immer wieder nach gemeinsamen Interessen suchen

Bei so manchem Sohn hat man in der Pubertät vielleicht das Empfinden, dass man nicht mehr an ihn herankommt. Doch nur weil er Fragen aus dem Weg geht, heißt das nicht, dass er komplett zugemacht hat. Vielleicht braucht man ja bloß etwas an der Art zu ändern, wie man mit ihm kommuniziert.

Das probierte Jacques aus Frankreich. Er hatte ebenfalls Mühe, seinen Jérôme aus der Reserve zu locken. Aber statt ihm ein Gespräch aufzudrücken, ist er die Sache anders angegangen: Er hat mit ihm Fußball gespielt. „Hatten wir uns ausgetobt, haben wir uns auf den Rasen gesetzt und ausgeruht. Oft hat mein Sohn dann angefangen zu reden. Zwischen uns entstand etwas ganz Besonderes, und ich denke, das lag einfach daran, dass wir zwei beieinander waren und er mich in solchen Momenten ganz für sich hatte.“

Aber was, wenn der Junior gar nicht so sportinteressiert ist? André erinnert sich nur zu gern an die Stunden zurück, in denen er und sein Sohn gemeinsam Sterne beobachtet haben. „Wir   haben uns Liegestühle geholt, uns dick eingemummelt und dann mit einer Tasse Tee in der Hand in der kalten Nachtluft den Sternenhimmel angeschaut. Wir haben darüber geredet, wer das alles geschaffen hat, über persönliche Sachen . . . Im Prinzip über alles“ (Jesaja 40:25, 26).

Und wenn man nicht immer die gleichen Interessen hat? Was dann? Da heißt es für einen Vater wahrscheinlich, eigene Vorlieben hintenanzustellen (Philipper 2:4). „Ich war viel sportbegeisterter als mein Sohn Vaughan“, erzählt Ian aus Südafrika. „Er war mehr für Flugzeuge und Computer. Also habe ich mich auch dafür interessiert. Ich habe ihn öfter zur Flugschau mitgenommen und am PC mit ihm Flugsimulator gespielt. Wir haben viel zusammen unternommen, und ich denke, Vaughan ist deshalb bei mir mehr aus sich herausgegangen.“

Sein Selbstvertrauen stärken

„Papa, guck mal! Schnell!“ Wie oft hat man das von seinem kleinen Jungen gehört, wenn er gerade etwas Neues hinbekommen hatte! Im Teenageralter fordert er das positive Feedback seines Vaters wahrscheinlich nicht mehr so direkt ein. Trotzdem braucht er es — um eine gesunde Persönlichkeit zu entwickeln.

Wie kann man ihm das geben? Das hat niemand anders als Jehova Gott persönlich bei einem seiner Söhne schön vorgemacht. Als im Leben Jesu auf der Erde eine neue, besondere Phase begann, ließ sein Vater alle Welt wissen, wie sehr er ihn liebte: „Dies ist mein geliebter Sohn, der meine ganze Freude ist“ (Matthäus 3:17, Hoffnung für alle; 5:48). Natürlich gehört es zu den Vaterpflichten, seinem Sohn Werte zu vermitteln und ihm Grenzen aufzuzeigen (Epheser 6:4). Aber hält man auch die Augen auf, wofür man ihn alles loben kann?

Manche Männer müssen sich überwinden, um ihre Zuneigung zu zeigen und anerkennende Worte zu finden. Womöglich sind sie in einer Familie groß geworden, wo man sich eher auf Fehler konzentrierte als auf das, was man gut gemacht hat. Wer so aufgewachsen ist, kommt wahrscheinlich nicht darum herum, bewusst daran zu arbeiten, das Selbstvertrauen seines Sohnes zu stärken. Wie? Einen guten Tipp gibt Luca. Wenn er mit seinem 15-jährigen Manuel im Haus irgendwelche Arbeiten erledigt, sagt er ihm manchmal: „ ‚Versuch es ruhig erst einmal allein, und wenn du nicht klarkommst, helfe ich dir.‘ Meist bekommt er es allein hin. Das gibt ihm ein gutes Gefühl und seinem Selbstvertrauen einen richtigen Schub. Schafft er es, lobe ich ihn, gelingt es ihm nicht so, wie er gehofft hat, lasse ich ihn trotzdem spüren, dass ich mich über seinen Versuch freue.“

Das Selbstvertrauen wird auch sehr gefördert, wenn man seinem Jungen hilft, Ziele im Leben zu erreichen. Was aber, wenn das langsamer geht, als man es gern hätte? Oder wenn seine Ziele nicht die sind, die man sich für ihn vorgestellt hat (auch wenn sie an und für sich nicht schlecht sind)? Dann wäre es gut, seine eigene Erwartungshaltung zu überdenken. Jacques sagt: „Ich versuche meinem Sohn zu helfen, sich realistische Ziele zu stecken. Aber ich versuche auch sicherzugehen, dass es wirklich seine sind, nicht meine — und mich dann zurückzunehmen und mir zu sagen, dass er seine Ziele auch in seinem Tempo ansteuern muss.“ Um solche Ziele zu erreichen, braucht ein Sohn also einen Vater, der seine Meinung ernst nimmt, der ihn in dem bestärkt, was gut ist, und ihm Mut macht, wenn es nicht so läuft und er noch an sich arbeiten muss.

Natürlich muss man realistisch sein: Eine Vater-Sohn-Beziehung hat ihre Höhen und Tiefen. Aber die Mühe wird sich wohl auszahlen: Der Sohn wird immer wieder die Nähe zum Vater suchen — und kein Wunder! Denn schließlich hat er einen Vater an seiner Seite, der ihn im Leben wirklich weiterbringt.

[Fußnote]

^ Abs. 2 In diesem Artikel geht es zwar um die besondere Vater-Sohn-Beziehung, doch vom Grundsatz her lassen sich die Gedanken auch auf das Vater-Tochter-Verhältnis übertragen.