Einstellung der Bedienungshilfe

Search

Sprache auswählen

Zurück zum Untermenü

Zum Inhaltsverzeichnis springen

Zurück zum Inhalt

Jehovas Zeugen

Deutsch

DER WACHTTURM FEBRUAR 2011

  Schlüssel zum Familienglück

Den Kindern moralische Werte mit auf den Weg geben

Den Kindern moralische Werte mit auf den Weg geben

Loida *, eine Mutter aus Mexiko, erzählt: „In der Schule verteilen sie Kondome, und dann denken die Kinder, Sex ist okay — solange man sich schützt.“

Nobuko, eine Mutter aus Japan, sagt: „Ich hab meinen Sohn mal gefragt, was er tun würde, wenn er mit seiner Freundin allein wäre. Da hat er gesagt: ,Keine Ahnung.‘ “

SIND die Kinder noch klein, unternehmen Eltern alles Mögliche, um die Wohnung kindersicher zu machen. Sie decken Steckdosen ab, packen gefährliche Gegenstände weg, bringen Gitter an den Treppen an — damit den Kleinen nur nichts passiert.

Wenn das doch bei Teenagern genauso einfach wäre! Aber wie heißt es so schön: „Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen.“ Man fragt sich: Schaut sich mein Sohn Pornografie an? Wie ist das bei meiner Tochter mit dem Sexting, verschickt sie auch erotische Bilder von sich übers Handy? Und dann die Frage aller Fragen: Läuft da schon was mit Sex?

Totalkontrolle ist nicht die Lösung

Manche Eltern versuchen, ihre Kinder rund um die Uhr auf Schritt und Tritt zu überwachen. Oft stellen sie allerdings fest, dass die Kinder dann einfach abtauchen und sich allerhand einfallen lassen, um heimlich das zu tun, was die Eltern eigentlich verhindern wollten.

Kontrolle ist also nicht die Lösung. Jehova Gott, der sich von uns Gehorsam wünscht, geht auch nicht so vor (5. Mose 30:19). Wie kann man den Kindern aber dann helfen, auf moralischem Gebiet gute oder „weise“ Entscheidungen zu treffen? (Sprüche 27:11).

Ganz grundsätzlich ist da wichtig, dass man viel mit den Kindern redet, und das schon, wenn sie noch klein sind (Sprüche 22:6). * Kommen sie ins Teenageralter, darf die Kommunikation nicht abreißen. Wenn sie dann eine sichere Informationsquelle suchen, sollten die Eltern Anlaufstelle Nummer 1 für sie sein. Alicia aus Großbritannien meint: „Viele Leute denken, wir würden über Sex am liebsten mit unseren Freunden reden,  aber das stimmt gar nicht. Es ist schön, wenn solche Infos von unseren Eltern kommen. Sie meinen es schließlich gut mit uns.“

Gute Werte sind wichtig

Werden Kinder erwachsen, müssen sie mehr über Sex wissen als nur die biologische Seite. Wie die Bibel sagt, sollten sie auch „ihr Wahrnehmungsvermögen“ üben, damit sie „zwischen Recht und Unrecht“ unterscheiden können (Hebräer 5:14). Kurz gesagt, sie brauchen Werte, einen Moralkodex mit festen Vorstellungen zum Thema Sexualität, an den sie sich dann auch halten. Wie kann man ihnen gesunde Werte vermitteln?

Erst einmal sollte man sich über die eigenen Wertmaßstäbe Gedanken machen: zum Beispiel was Sex zwischen Unverheirateten angeht — die Bibel spricht hier von „Hurerei“ (1. Thessalonicher 4:3). Viele Eltern sind überzeugt, dass Sex außerhalb der Ehe verkehrt ist. Ihre Kinder kennen wahrscheinlich diesen Standpunkt und wissen eventuell sogar Bibeltexte dazu. Wenn man sie direkt fragt, kommt spontan die Antwort, dass Sex vor der Ehe nicht in Ordnung ist.

Das allein reicht allerdings nicht. In dem Buch Sex Smart wird festgestellt, dass manche Jugendliche nach außen hin vielleicht mit den Ansichten der Eltern über Sex einiggehen, aber „sie fühlen sich zu unsicher, sich eigene Meinungen zu bilden. Wenn sie dann in eine unerwartete Situation geraten und auf einmal vor der Frage stehen: ,Wie weit will ich gehen?‘, kommen sie ins Schleudern und haben echte Schwierigkeiten.“ Gerade deswegen sind gute Werte so entscheidend. Wie kann man Kindern dazu verhelfen?

Die eigenen Werte klarmachen.

Eltern, die denken, Sex sei nur etwas für die Ehe, sollten das ihren Kindern auch sagen: deutlich und immer wieder. Laut dem Buch Beyond the Big Talk hat man herausgefunden, dass „Jugendliche eher mit Sex warten, wenn ihnen die Eltern klar gesagt haben, dass sie Sex in dem Alter nicht akzeptieren“.

Wie schon erwähnt, ist das allein natürlich keine Garantie, dass sich die Kinder bewusst für die Werte der Eltern entscheiden. Ein solides Wertesystem in der Familie ist jedoch eine gute Grundlage, auf der die Kinder ihre eigenen Werte aufbauen können. Und was sich noch herausgestellt hat: Viele Jugendliche übernehmen die Wertvorstellungen ihrer Eltern irgendwann doch, auch wenn es erst mal gar nicht so aussieht.

TIPP: Meldungen aus den Medien bieten sich als Aufhänger an, um Werte zu vermitteln. Wird beispielsweise über ein Sexualverbrechen berichtet, könnte man sagen: „Ist es nicht furchtbar, dass sich manche Männer so an Frauen vergreifen? Was denkst du, wie kommen die eigentlich darauf, so was zu tun?“

Kein schiefes Bild vermitteln.

Warnungen sind wichtig (1. Korinther 6:18; Jakobus 1:14, 15). Aber die Bibel beschreibt Sexualität in erster Linie als ein Geschenk von Gott und nicht als eine Falle des Teufels (Sprüche 5:18, 19; Hohes Lied 1:2). Warnt man die Kinder immer nur vor den Gefahren, riskiert man, dass sie ein schiefes Bild bekommen, das nicht mit der Bibel zusammenstimmt. Corinne, eine junge Frau aus Frankreich, sagt: „Bei meinen Eltern stand immer die Unmoral im Vordergrund, wenn es um das Thema ging, deswegen habe ich eine negative Einstellung zu Intimbeziehungen entwickelt.“

Man darf den Kindern nicht nur die halbe Wahrheit erzählen. Nadia, eine Mutter aus Mexiko, hat es so gemacht: „Ich habe immer versucht rüberzubringen, dass Sex etwas Schönes und Natürliches ist, das uns Jehova gegeben hat, damit wir uns dran freuen können — aber eben nur in der Ehe. Sex kann glücklich oder unglücklich machen, je nachdem wie man damit umgeht.“

TIPP: Das nächste Gespräch über Sex mit einem positiven Gedanken abschließen. Man kann sich ruhig trauen, Sexualität als ein schönes Geschenk von Gott zu beschreiben, das die Kinder später als Verheiratete „auspacken“ können. Auch sollte man ihnen das Gefühl geben, dass sie es schaffen können, sich bis dahin an Gottes Maßstäbe zu halten.

 Die Konsequenzen ausloten helfen.

Bei Entscheidungsprozessen — egal in welchem Lebensbereich — müssen Teenager Alternativen erkennen und dann das Für und Wider abwägen können. Nur zu wissen, was richtig und falsch ist, reicht definitiv nicht. Emma, eine Christin aus Australien, meint: „Wenn ich darüber nachdenke, was ich in meiner Jugend verkehrt gemacht habe, muss ich sagen: Auch wenn man weiß, was Gott von einem erwartet, ist man damit noch nicht unbedingt einverstanden. Man muss verstehen, warum Gottes Maßstäbe gut sind, und wozu es führt, wenn man sich darüber hinwegsetzt.“

Die Bibel ist da eine gute Hilfe, denn sie erwähnt oft gleich mit, welche Folgen ein falsches Verhalten hat. In Sprüche 5:8, 9 zum Beispiel werden junge Männer vor sexueller Unmoral gewarnt. Der Grund: „Damit du nicht anderen deine Würde gibst.“ Sex vor der Ehe geht demnach auf Kosten der Persönlichkeit, der Selbstachtung und des Dienstes für Gott. Und das macht jemanden für einen potenziellen Ehepartner, der auf dem Gebiet konsequent ist, viel uninteressanter. Gottes Gesetze in den Wind zu schlagen, bringt körperliche und emotionale Gefahren mit sich und belastet das Verhältnis zu ihm. Jugendliche, die sich das bewusst machen, sind wahrscheinlich eher bereit, sich daran zu halten. *

TIPP: Mit Vergleichen kann man Kindern gut zeigen, wie vernünftig Gottes Maßstäbe sind. Man könnte beispielsweise sagen: „Ein Lagerfeuer ist etwas Schönes, aber ein Waldbrand richtet Schaden an. Was ist da der Unterschied und wie kann man das jetzt auf das übertragen, was Gott uns über Sex sagen möchte?“ Dazu passt Sprüche 5:3-14, wo beschrieben wird, wie schlimm es ausgeht, wenn man auf dem Gebiet nicht aufpasst.

Takao (18) aus Japan sagt: „Ich weiß, was richtig ist und was ich tun müsste, aber man hat innerlich ständig gegen sich zu kämpfen.“ Jugendliche, denen dieses Gefühl bekannt vorkommt, können sich trösten: Sie sind nicht allein. Sogar der Apostel Paulus, ein gestandener Christ, gab zu: „Wenn ich das Rechte zu tun wünsche, [ist] das Schlechte bei mir vorhanden“ (Römer 7:21).

Teenager sollten sich bewusst machen, dass so ein Kampf nicht unbedingt schlecht ist. Er kann ihnen helfen, darüber nachzudenken, was für ein Mensch sie sein wollen und wie sie zu der Frage stehen: Will ich mein Leben selbst in die Hand nehmen und als charakterstark und geradlinig bekannt sein oder als Mitläufer, der sich einfach treiben lässt und jedem inneren Drang nachgibt? Jugendliche mit gesunden Moralvorstellungen werden mit dieser Frage keine großen Probleme haben.

^ Abs. 3 Einige Namen wurden geändert.

^ Abs. 10 Der Wachtturm vom 1. November 2010, Seite 12—14 enthält Vorschläge, wie Eltern das Thema Sex anschneiden und ihren Kindern altersgerechte Informationen geben können.

^ Abs. 22 Mehr dazu in dem Artikel „Junge Leute fragen sich: Bringt Sex etwas für unsere Freundschaft?“ in der Erwachet!-Ausgabe von April 2010 (herausgegeben von Jehovas Zeugen).

ZUM NACHDENKEN

  • Woran kann ich erkennen, dass mein Kind feste moralische Wertvorstellungen hat?
  • Wenn ich mit meinem Kind rede, stelle ich Sex dann in erster Linie als Geschenk von Gott dar oder als Falle des Teufels?

Mehr dazu

Sein Kind erziehen

Erziehen schließt ein, seinem Kind die Gründe für eine Regel zu erklären, und es nicht einfach zu bestrafen