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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM JUNI 2010

„Was ist denn daran unehrlich?“

„Was ist denn daran unehrlich?“

  „Was ist denn daran unehrlich?“

„Ein paar kleine Korrekturen im Unfallbericht, und die Sache geht klar“

„Das Finanzamt muss doch nicht alles wissen“

„Hauptsache, man lässt sich nicht erwischen“

„Warum bezahlen, wenn man es auch umsonst bekommen kann“

SOLCHE Aussagen hört man nicht selten, wenn Geld im Spiel ist. Manche Leute haben für alles eine clevere „Lösung“ parat. Die Frage ist nur: Sind diese Lösungen moralisch vertretbar?

Unehrlichkeit ist heute so weit verbreitet, dass Lügen, Betrügen oder Stehlen von vielen für annehmbar gehalten wird, wenn man dadurch einer Strafe entgeht, an Geld kommt oder beruflichen Erfolg hat. Prominente geben oft ein denkbar schlechtes Beispiel, was die Ehrlichkeit betrifft. In einem europäischen Land stiegen die Betrugs- und Unterschlagungsfälle allein von 2005 bis 2006 um über 85 Prozent — sogenannte Kavaliersdelikte noch nicht einmal eingerechnet. Wahrscheinlich war man dort auch nicht allzu überrascht, als ans Licht kam, dass führende Geschäftsleute und Politiker ihrer Karriere mit gefälschten Diplomen nachgeholfen hatten.

Der grassierenden Unehrlichkeit zum Trotz möchten viele Menschen das Rechte tun. Aus Liebe zu Gott wollen sie so handeln, wie es in seinen Augen richtig ist (1. Johannes 5:3). Wahrscheinlich empfinden sie genauso wie der Apostel Paulus, der schrieb: „Wir hegen das Vertrauen, ein ehrliches Gewissen zu haben, da wir uns in allen Dingen ehrlich zu benehmen wünschen“ (Hebräer 13:18). Trotzdem kann der Wunsch, „in allen Dingen ehrlich“ zu bleiben, auf eine harte Probe gestellt werden. Nachfolgend werden einige konkrete Beispiele genannt sowie biblische Grundsätze, die in solchen Fällen Orientierung bieten.

Wer muss für einen Unfallschaden zahlen?

Eine junge Frau namens Lisa * beschädigt mit ihrem Auto ein anderes Fahrzeug. Personen kommen dabei nicht zu Schaden. In ihrem Land müssen Fahranfänger hohe Versicherungsprämien zahlen; nach einem Unfall werden diese noch drastisch angehoben. Ein Freund empfiehlt, dass ihr älterer Cousin Gregor, der mit im Wagen saß, den Schaden auf sich nehmen und seiner Versicherung melden soll. So käme Lisa um die höhere Beitragszahlung herum. Eine clevere Lösung, wie es scheint. Soll sie sich darauf einlassen?

Eine Versicherung reguliert die Schadensfälle mit den Beiträgen aller Versicherungsnehmer. Angenommen, Lisa folgt dem Vorschlag ihres Freundes: Dann würde sie indirekt andere Versicherte zwingen, über höhere Beiträge  für ihren Unfall zu zahlen. Lisa und ihr Cousin würden also nicht nur die Unwahrheit sagen, sondern andere gewissermaßen bestehlen. Dasselbe gilt, wenn man falsche Angaben macht, um von der Versicherung mehr Geld zu bekommen.

Gesetzlich angedrohte Strafen können zwar von solchen Betrügereien abschrecken. Ein gewichtigerer Grund, ehrlich zu sein, wird allerdings in Gottes Wort genannt, denn eines der Zehn Gebote lautet: „Du sollst nicht stehlen“ (2. Mose 20:15). Der Apostel Paulus griff dieses Gebot in einem Brief an Christen wieder auf. Er schrieb: „Wer stiehlt, stehle nicht mehr“ (Epheser 4:28). Wer das umsetzt, was Gottes Wort sagt, wird selbst in Versicherungsfällen nichts tun, was Gott verurteilt. Er beweist auch, dass er nicht nur Gottes Gesetz liebt und achtet, sondern auch seinen Nächsten (Psalm 119:97).

„Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört“

Herr Petersen ist selbstständig. Sein Buchhalter empfiehlt ihm, den „Kauf“ einer teuren Computeranlage von der Steuer abzusetzen. Solch eine Anschaffung wäre für einen Betrieb, wie Herr Petersen ihn hat, ganz normal. Auch wenn er in Wirklichkeit gar nichts gekauft hat, würde das Finanzamt diese Angabe kaum überprüfen. Durch die steuerliche Absetzung könnte seine Firma eine Menge Geld sparen. Was soll er tun? Woran kann er sich bei seiner Entscheidung orientieren?

Der Apostel Paulus gab den Christen seiner Tage folgenden Hinweis: „Jede Seele sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan . . . Erstattet allen, was ihnen gebührt: dem, der die Steuer verlangt, die Steuer; dem, der den Tribut  verlangt, den Tribut“ (Römer 13:1, 7). Wer Gott gefallen möchte, zahlt alle Steuern, die von ihm verlangt werden. Gewährt der Staat bestimmten Personengruppen oder Betrieben Steuernachlässe, ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, diese in Anspruch zu nehmen, sofern man dazu berechtigt ist.

Eine andere Situation, bei der es um das Steuerzahlen geht: David arbeitet als Schreiner in einem Betrieb am Ort. Freunde und Nachbarn bitten ihn, nach Feierabend Möbel für sie herzustellen. Sie bieten ihm dafür mehr Geld an, als er mit seiner regulären Arbeit verdient, erwarten von ihm jedoch, alles unter der Hand zu machen. Es gäbe also keinen Nachweis, welche Arbeit geleistet wurde, und niemand würde dafür Steuern zahlen. Für viele Leute ist das völlig in Ordnung, weil alle Beteiligten davon profitieren. David möchte jedoch auch Gott gefallen. Was müsste er bei solchen „Freundschaftsdiensten“ beachten?

Es stimmt, viele arbeiten an der Steuer vorbei und werden niemals erwischt — aber sie bringen den Staat um Einnahmen, auf die dieser ein Anrecht hat. Jesus gebot: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (Matthäus 22:17-21, Einheitsübersetzung). Das sagte Jesus, um die Einstellung seiner Zuhörer zum Steuerzahlen zu korrigieren. Der Staat, den Jesus mit dem Begriff „Kaiser“ meinte, hat das Recht, Steuern zu verlangen. Deshalb betrachten Nachfolger Christi es als biblische Verpflichtung, alle Steuern zu zahlen.

Mogeln bei Klassenarbeiten

Laura steht kurz vor dem Schulabschluss. Weil sie für einen vernünftigen Ausbildungsplatz ein gutes Abschlusszeugnis braucht, paukt sie stundenlang für jede Klassenarbeit. Einige ihrer Mitschüler bereiten sich ebenfalls vor, allerdings ganz anders. Sie rüsten sich mit vorprogrammierten Taschenrechnern und Handys aus, um bessere Noten zu ermogeln. Macht Laura, was „alle“ machen, um sich unbedingt gute Zensuren zu sichern?

Weil das Mogeln so verbreitet ist, meinen viele, es sei nichts dabei. „Hauptsache, man lässt sich nicht erwischen“, denken sie. Für wahre Christen kommt es trotzdem nicht infrage. Auch wenn der Lehrer nicht merkt, wer mogelt — einer merkt es auf jeden Fall: Jehova Gott. Er weiß, was wir tun, und wir müssen uns vor ihm dafür verantworten. Paulus schrieb: „Es gibt keine Schöpfung, die vor seinen Augen nicht offenbar ist, sondern alle Dinge sind nackt und bloßgelegt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben“ (Hebräer 4:13). Zu wissen, dass Gott uns beobachtet und sich darüber freut, wenn wir das Rechte tun, ist die stärkste Motivation, bei einer Klassenarbeit nicht zu mogeln.

Wie würde ich handeln?

Lisa, Gregor, Herrn Petersen, David und Laura war bewusst, was auf dem Spiel stand. Sie entschieden sich, ehrlich zu sein; so bewahrten sie ein gutes Gewissen und zeigten Rückgrat.  Bleibt die Frage: Was würde ich unter vergleichbaren Umständen tun?

Manche Kollegen, Mitschüler oder Nachbarn haben kaum Skrupel, zu lügen, zu betrügen oder zu stehlen. Womöglich machen sie Menschen, die anders handeln, sogar lächerlich. Wie gelingt es einem, trotz solchem Druck ehrlich zu bleiben und richtig zu entscheiden?

Wie gesagt: Wer so handelt, wie Gott es wünscht, kann ein reines Gewissen bewahren und Gott gefallen. König David schrieb: „O Jehova, wer wird Gast sein in deinem Zelt? Wer wird weilen auf deinem heiligen Berg? Wer untadelig wandelt und Gerechtigkeit übt und die Wahrheit redet in seinem Herzen. . . . Wer diese Dinge tut, wird niemals zum Wanken gebracht werden“ (Psalm 15:1-5). Ein gutes Gewissen und die Freundschaft mit dem Gott des Himmels sind mehr wert als alle materiellen Vorteile, die man durch Unehrlichkeit erlangt.

[Fußnote]

^ Abs. 10 Einige Namen wurden geändert.

[Herausgestellter Text auf Seite 12]

„Wer stiehlt, stehle nicht mehr“

Wer Gottes Gesetz und seinen Nächsten liebt und achtet, ist in Versicherungsfällen ehrlich

[Herausgestellter Text auf Seite 12]

„Erstattet allen, was ihnen gebührt: dem, der die Steuer verlangt, die Steuer“

Wer Gott gefallen möchte, zahlt alle Steuern, die von ihm verlangt werden

[Herausgestellter Text auf Seite 13]

„Alle Dinge sind . . . bloßgelegt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben“

Selbst wenn der Lehrer vom Mogeln nichts mitbekommt: Was zählt, ist Gott gegenüber ehrlich zu sein

[Kasten/Bilder auf Seite 14]

Versteckter Diebstahl

Dein Freund hat sich ein brandneues Computerprogramm gekauft, auf das du auch scharf bist. Er sagt, du bräuchtest kein Geld dafür ausgeben, und bietet dir an, die Software einfach zu kopieren. Wäre das unreell?

Wer Computersoftware erwirbt, muss sich beim Installieren einverstanden erklären, die Lizenzvereinbarungen für das Programm zu beachten. Diese gestatten dem Besitzer vielleicht, es nur auf e i n e m Computer zu installieren und zu verwenden. Die Software für jemand anders zu kopieren würde in diesem Fall gegen den Lizenzvertrag verstoßen und wäre damit illegal (Römer 13:4). Außerdem wäre es Diebstahl, das Programm zu kopieren, denn man enthält dem Inhaber des Urheberrechts Geld vor, auf das er ein Anrecht hat (Epheser 4:28).

Vielleicht kommt manchem der Gedanke: „Aber das bekommt doch keiner mit!“ Das ist allerdings kein Argument, denn Jesus sagte unmissverständlich: „Alles daher, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun“ (Matthäus 7:12). Jeder von uns schätzt es, für geleistete Arbeit angemessen bezahlt zu werden, und wir erwarten, dass man unser Eigentum respektiert. Deshalb sollten wir uns anderen gegenüber genauso verhalten. Begehen wir also keinen versteckten Diebstahl, indem wir uns am geistigen Eigentum * anderer vergreifen (2. Mose 22:7-9).

[Fußnote]

^ Abs. 40 Unter geistigem Eigentum versteht man urheberrechtlich geschütztes Material wie zum Beispiel Computersoftware, Musik und Bücher — ob in gedruckter oder elektronischer Form. Warenzeichen, Patente, Betriebsgeheimnisse und Verwertungsrechte gehören ebenfalls dazu.