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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM MAI 2010

 Schlüssel zum Familienglück

Kinder zu verantwortungsvollen Menschen erziehen

Kinder zu verantwortungsvollen Menschen erziehen

Matthias *: „Es war jeden Abend das gleiche Spiel: Immer wenn ich unseren 4-jährigen Sohn Alexander vor dem Schlafengehen dazu bewegen wollte, sein ganzes Spielzeug aufzuräumen, gab es ein großes Gezeter und Geheule. Manchmal war ich so entnervt, dass ich ihn anschrie — mit dem Ergebnis, dass wir uns beide schlecht fühlten. Dabei sollte doch die Zu-Bett-geh-Zeit etwas Schönes sein. Und so gab ich nach einer Weile auf und räumte selbst alles weg.“

Anja: „Als Lisa 13 war, kam sie einmal völlig aufgelöst von der Schule nach Hause. Eine ganze Stunde lang hat sie nur geheult. Sie hatte nicht genau verstanden, wie sie ihre Hausaufgaben machen sollte. Ich sagte ihr, dass sie bei der Lehrerin bestimmt noch einmal nachfragen könnte. Aber Lisa war fest davon überzeugt, ihre Lehrerin sei gemein, und meinte, sie traue sich einfach nicht, mit ihr zu reden. Am liebsten wäre ich sofort zu der Lehrerin hinmarschiert und hätte ihr ordentlich die Meinung gesagt! Keiner hatte das Recht, meine Kleine so unglücklich zu machen!“

VERTRAUTE Szenen? Als Vater oder Mutter leidet man oft mit seinem Kind mit, wenn es unglücklich ist oder mit einer Sache nicht zurande kommt. Da ist es nur natürlich, dass man sein Kind schützen will. Doch eigentlich bieten gerade solche Situationen Eltern eine gute Gelegenheit, ihren Kindern etwas Wertvolles über Verantwortungsbewusstsein beizubringen — wobei das bei 4-Jährigen selbstverständlich anders aussieht als bei 13-Jährigen.

Eins ist klar: Eltern werden ihre Kinder nicht vor sämtlichen Problemen des Lebens abschirmen können. Irgendwann werden die Kinder auf eigenen Füßen stehen und in Sachen Verantwortung ihre „eigene Last tragen“ (Galater 6:5; 1. Mose 2:24). Um sie darauf vorzubereiten, müssen Eltern ihr Ziel fest im Auge behalten: Sie möchten ihre Kinder zu warmherzigen, sozialen, verantwortungsvollen Menschen erziehen. Eine Kunst für sich!

  Zum Glück können sich Eltern dabei am Beispiel Jesu orientieren — an der Art, wie er mit seinen Jüngern umging. Er selbst hatte zwar keine Kinder, verfolgte bei seinen Jüngern aber ein ähnliches Ziel wie Eltern, die ihre Kinder zu verantwortungsvollen Menschen erziehen möchten. Er gab ihnen alles mit auf den Weg, was sie brauchten, damit sie das, was er angefangen hatte, auch ohne ihn fortführen konnten (Matthäus 28:19, 20). Drei Beispiele sollen einmal zeigen, was sich Eltern von Jesus abschauen können.

Ein Beispiel geben:

Kurz vor seinem Tod sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit so, wie ich euch getan habe, auch ihr tun sollt“ (Johannes 13:15). Ebenso ist es auch Sache der Eltern, ihren Kindern zu erklären und vorzuleben, was Verantwortungsbewusstsein genau bedeutet.

Man könnte sich fragen: Hören mich meine Kinder wegen meiner Pflichten des Öfteren stöhnen oder auch darüber jammern, dass es andere scheinbar leichter haben? Oder hören sie von mir eher, dass ich meinen Pflichten gern nachkomme und es mich zufrieden macht, mich für andere zu verausgaben?

Natürlich macht keiner immer alles richtig. Wir sind alle mal überlastet. Doch das eigene Beispiel ist wahrscheinlich die effektivste Lehrmethode überhaupt, damit Kinder verstehen, wie wichtig und wertvoll verantwortliches Handeln ist.

VORSCHLAG: Sofern möglich, könnte man sein Kind ab und zu mit zu seinem Arbeitsplatz nehmen und ihm zeigen, was man so tut, damit die Familie genug zum Leben hat. Es wäre auch gut, sein Kind mit einzubeziehen, wenn man jemand, der Hilfe braucht, zur Hand geht — und hinterher darüber zu sprechen, wie viel einem das gibt (Apostelgeschichte 20:35).

Vernünftige Erwartungen haben:

Jesus war sich bewusst, dass es einige Zeit dauern würde, bis seine Jünger für die Aufgaben bereit wären, die er ihnen übertragen wollte. Er meinte einmal: „Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“ (Johannes 16:12). Jesus hat von seinen Jüngern nicht einfach etwas verlangt und sie dann damit alleingelassen. Im Gegenteil, er hat sich viel Zeit für Erklärungen genommen. Erst als er dachte, dass sie den Aufgaben gewachsen seien, übertrug er ihnen die Verantwortung dafür.

Nicht anders ist es bei der Kindererziehung. Es wäre unvernünftig, wenn Eltern von ihren Kindern etwas verlangen würden, dem sie noch gar nicht gewachsen sind. Eltern sollten allerdings immer wieder überlegen, welche Aufgaben sie ihren Kindern inzwischen schon zumuten können. Dazu gehört unter anderem, auf Sauberkeit zu achten, das Zimmer in Ordnung zu halten, pünktlich zu sein und mit Geld verantwortungsvoll umzugehen. Kommt ein Kind zur Schule, kann man von ihm durchaus erwarten, dass es sich für seine Hausaufgaben verantwortlich fühlt.

Es reicht nicht nur, dem Kind zu sagen, wofür es verantwortlich ist. Man muss ihm auch beratend zur Seite stehen. Matthias kam zum Beispiel dahinter, dass einer der Gründe, warum sein Sohn beim Aufräumen so ein Theater machte, ein Gefühl der Überforderung war. „Statt ihn einfach anzuschreien, er solle seine Spielsachen zusammenräumen, ging ich dazu über, ihm ein System fürs Aufräumen beizubringen.“

Wie hat er das gemacht? „Als Erstes habe ich eine feste Zeit dafür eingeplant. Dann haben wir gemeinsam eine Ecke nach der anderen aufgeräumt. Wir haben daraus eine Art Wettspiel gemacht — wer zuerst fertig ist. Bald gehörte das Aufräumen mit zum allabendlichen Ritual. Ich versprach Alexander immer eine Extra-gute-Nacht-Geschichte, wenn er sich beeilen würde, sagte ihm aber auch, dass die Zeit, die er vertrödeln würde, dann vom Vorlesen abginge.“

VORSCHLAG: Man könnte sich fragen: Welchen Beitrag zur Hausarbeit kann ich von  jedem meiner Kinder vernünftigerweise erwarten? Mache ich noch manches für sie, was sie schon selbstständig erledigen könnten? In dem Fall kann man diese Arbeit eine Zeit lang mit ihnen gemeinsam machen, bis sie sie allein bewerkstelligen können. Sie sollten wissen, dass es Auswirkungen hat, ob sie ihrer Aufgabe verantwortungsvoll nachkommen oder nicht — gute oder auch schlechte. Als Vater oder Mutter muss man dann natürlich auch zu seinem Wort stehen.

Konkrete Anleitung geben:

Wie jeder gute Lehrer wusste Jesus: Am besten lernt man durch die Praxis. Als er beispielsweise dachte, dass seine Jünger nun so weit waren, „sandte [er] sie zu zweit vor sich her in jede Stadt und jeden Ort, wohin er selbst zu gehen im Begriff war“ (Lukas 10:1). Doch er schickte sie nicht unvorbereitet los, sondern gab ihnen zuvor konkrete Richtlinien an die Hand (Lukas 10:2-12). Als die Jünger ihm später von ihren Erfolgserlebnissen erzählten, lobte und bestärkte er sie (Lukas 10:17-24). Sie konnten spüren, dass er ihnen wirklich etwas zutraute und mit ihnen hochzufrieden war.

Wenn Kinder vor Problemen oder Situationen stehen, die ihnen Angst machen, soll man sich dann schützend vor sie stellen, damit sie bloß keine Enttäuschung erleben? Der erste Impuls ist vielleicht, sein Kind „retten“ zu wollen oder ihm die Sache abzunehmen.

Wäre das jedoch gut? Was signalisiert man seinem Kind, wenn man immer gleich „rettend“ eingreift? Zeigt man damit, dass man ihm vertraut und es für fähig hält, mit der Situation umzugehen? Oder sagt man ihm damit nicht eher, dass man es nach wie vor als Baby sieht, das ohne die Eltern hilflos ist?

Wie hat denn Anja ihrer Tochter bei ihrem Problem weitergeholfen? Statt sich einzuschalten, überlegte sie sich, dass ihre Tochter besser selbst mit der Lehrerin spricht. Gemeinsam haben sie ein paar Fragen aufgeschrieben, die Lisa ihrer Lehrerin stellen könnte, und besprochen, wann der beste Zeitpunkt dafür wäre. Sie haben sogar durchgespielt, wie das Gespräch ablaufen könnte. „Danach war Lisa mutig genug, die Lehrerin anzusprechen“, erzählt Anja. „Und ihre Lehrerin hat sie sogar dafür gelobt. Meine Tochter war richtig stolz auf sich — und ich erst!“

VORSCHLAG: Man könnte einmal aufschreiben, was dem eigenen Kind momentan besonders zu schaffen macht. Daneben notiert man sich ein paar Ideen, wie man ihm helfen kann, die Situation zu meistern, ohne „rettend“ einzugreifen. Dann geht man mit dem Kind die einzelnen Schritte durch, wie es die Sache anpacken kann, und probt das Ganze. Das Kind sollte unbedingt spüren, dass man ihm zutraut, mit dem Problem fertigzuwerden.

Wer sein Kind vor allen Schwierigkeiten abschirmen will, blockiert damit womöglich dessen Fähigkeit, später im Leben zurechtzukommen. Viel besser ist es, seinem Kind beizubringen, wie es Verantwortung übernehmen kann, und es so für das Leben zu rüsten. Das ist eins der wertvollsten Dinge, die man seinen Kindern mit auf den Weg geben kann.

^ Abs. 3 Die Namen wurden geändert.

ZUM NACHDENKEN . . .

  • Stelle ich an meine Kinder vernünftige Erwartungen?

  • Zeige ich ihnen Wege auf, wie sie bestimmte Situationen oder Aufgaben meistern können?

  • Wann habe ich mein Kind das letzte Mal gelobt oder sein Selbstvertrauen gestärkt?