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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM FEBRUAR 2010

Muss man als Christ den Sabbat halten?

Muss man als Christ den Sabbat halten?

 Muss man als Christ den Sabbat halten?

ENDE der 1980er-Jahre belagerten kleine Gruppen von Methodisten Suva, die Hauptstadt von Fidschi. Männer, Frauen und Kinder — alle im besten Sonntagsstaat — blockierten die Straßen der Stadt. Busse und Taxis konnten nicht mehr fahren und der gesamte Flugverkehr war lahmgelegt. Was war Ziel dieser Aktion? Der Sabbat sollte im ganzen Land wieder streng eingehalten werden.

In Israel muss seit 2001 in neuen mehrstöckigen Gebäuden mindestens ein Aufzug eingebaut werden, der auf jedem Stockwerk automatisch anhält. Wieso das? Damit gläubige Juden am Sabbat (Freitagabend bis Samstagabend) keine Knöpfe zu drücken brauchen. Das wäre nämlich „Arbeit“ für sie.

In Tonga, einem Königreich im südlichen Pazifik, ist am Sonntag jede Arbeit verboten. Kein Flugzeug darf landen und kein Schiff anlegen. An diesem Tag unterzeichnete Verträge werden als ungültig betrachtet. Die Verfassung von Tonga legt fest, dass der Sonntag heiliggehalten werden soll, egal welcher Religion jemand angehört. Damit möchte man sicherstellen, dass im ganzen Land der Sabbat beachtet wird.

Wie diese Beispiele zeigen, glauben viele, Gott würde von ihnen verlangen, jede Woche Sabbat zu halten. Manche sind sogar der Meinung, dass unser ewiges Heil davon abhängt. Das  Sabbatgebot ist für viele das wichtigste Gebot, das Gott den Menschen gab. Aber was ist der Sabbat eigentlich? Müssen Christen ihn jede Woche halten? Was sagt die Bibel?

Was ist der Sabbat?

Das Wort „Sabbat“ kommt von einem hebräischen Wort, das „ruhen, aufhören, ablassen“ bedeutet. Jehova Gott hat am siebten Tag von seinen Schöpfungswerken geruht, so sagt es uns das 1. Buch Mose. Doch das Sabbatgebot — die Anweisung, einen 24-stündigen Ruhetag einzulegen — bekam Gottes Volk erst zur Zeit Mose (1. Mose 2:2). Nachdem die Israeliten 1513 v. u. Z. aus Ägypten weggezogen waren, versorgte Jehova sie in der Wildnis durch ein Wunder mit Manna. Für das Aufsammeln des Mannas galt: „Sechs Tage werdet ihr es auflesen, aber am siebten Tag ist ein Sabbat. Da wird sich keines bilden“ (2. Mose 16:26). Weiter heißt es: „Das Volk machte sich daran, den Sabbat am siebten Tag zu beobachten“; das war vom Sonnenuntergang am Freitagabend bis zum Sonnenuntergang am Samstagabend (2. Mose 16:30).

Kurz nach diesen Anweisungen stellte Jehova ein entsprechendes Gesetz auf (2. Mose 19:1). Im vierten der Zehn Gebote, die er durch Moses übermittelte, war festgelegt: „Des Sabbattages gedenkend, um ihn heiligzuhalten, sollst du sechs Tage Dienst leisten und all deine Arbeit tun. Aber der siebte Tag ist ein Sabbat für Jehova, deinen Gott“ (2. Mose 20:8-10). Der Sabbat hatte im Leben der Israeliten von da an einen festen Platz (5. Mose 5:12).

Hielt Jesus jede Woche Sabbat?

Ja. Die Bibel sagt über ihn: „Als aber die Grenze der Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, der aus einer Frau geboren wurde und unter Gesetz zu stehen kam“ (Galater 4:4). Als gebürtiger Israelit stand Jesus unter dem Gesetz Mose und somit auch unter dem Sabbatgesetz. Der Gesetzesbund wurde erst nach seinem Tod außer Kraft gesetzt (Kolosser 2:13, 14). Will man wissen, wie Gott über den Sabbat denkt, ist es wichtig, entsprechende Ereignisse zeitlich richtig einzuordnen. (Siehe Diagramm auf  Seite 15.)

  Es stimmt schon, dass Jesus sagte: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das GESETZ oder die PROPHETEN zu vernichten. Nicht um zu vernichten, bin ich gekommen, sondern um zu erfüllen“ (Matthäus 5:17). Aber was bedeutet „erfüllen“? Dazu ein Vergleich: Ein Bauunternehmer erfüllt einen Bauvertrag nicht dadurch, dass er den Vertrag zerreißt, sondern er stellt das Gebäude fertig. Sind alle Arbeiten abgeschlossen und ist der Bauherr zufrieden, ist der Vertrag jedoch erfüllt und der Unternehmer ist nicht mehr daran gebunden. Mit Jesus und dem Gesetz war es ähnlich: Er hat das Gesetz nicht gebrochen — oder den Vertrag zerrissen, um bei dem Vergleich zu bleiben —, sondern er hat es bis ins Kleinste eingehalten. Dadurch hat er das Gesetz erfüllt, und es war für Gottes Volk nicht mehr bindend.

Ein Gebot für Christen?

Sind Christen nun verpflichtet, einen wöchentlichen Sabbat einzuhalten, wo doch Christus das Gesetz erfüllt hat? Der Apostel Paulus schrieb unter der Leitung Gottes: „Daher möge euch niemand wegen Speise und Trank oder in Hinsicht auf ein Fest oder die Beobachtung des Neumonds oder eines Sabbats richten; denn diese Dinge sind ein Schatten der künftigen Dinge, aber die Wirklichkeit gehört dem Christus“ (Kolosser 2:16, 17).

Diese Worte lassen eine ziemliche Veränderung in Gottes Erwartungen an seine Diener erkennen. Warum der Wandel? Christen stehen unter einem neuen Gesetz, dem „Gesetz des Christus“ (Galater 6:2). Der Gesetzesbund, den Gott durch Moses mit Israel geschlossen hatte, wurde durch Jesu Tod erfüllt und schließlich aufgehoben (Römer 10:4; Epheser 2:15). Galt das auch für das Sabbatgebot? Ja. Als Paulus einmal sagte, Christen seien „von dem GESETZ entbunden“, führte er gleich anschließend eines der Zehn Gebote an (Römer 7:6, 7). Mit dem Gesetz Mose wurden demnach die Zehn Gebote einschließlich des  Sabbatgebots aufgehoben. Wer Gott dienen möchte, ist somit nicht mehr verpflichtet, einen wöchentlichen Sabbat zu beobachten.

Der Wechsel von der jüdischen zur christlichen Anbetungsform ist mit einer Verfassungsänderung vergleichbar. Wenn in einem Land eine neue Verfassung offiziell in Kraft tritt, muss die alte nicht mehr eingehalten werden. Manche Gesetze sind vielleicht eins zu eins aus der alten Verfassung übernommen worden, andere dagegen wurden geändert. Man müsste die neue Verfassung also gründlich studieren, damit man weiß, was jetzt von einem verlangt wird. Und als gesetzestreuer Bürger interessiert man sich natürlich auch dafür, ab wann die neue Verfassung gilt.

Ziehen wir jetzt die Parallele: Jehova Gott gab der Nation Israel über 600 Gesetze — darunter auch die Zehn Gebote. Sie deckten Bereiche ab wie Moral, Opfer, Gesundheit und auch den Sabbat. Wie Jesus sagte, würden seine gesalbten Nachfolger jedoch eine neue „Nation“ bilden (Matthäus 21:43). Seit 33 u. Z. hat diese Nation eine neue „Verfassung“, die auf zwei Säulen ruht: auf der Liebe zu Gott und der Liebe zu den Menschen (Matthäus 22:36-40). Das „Gesetz des Christus“ enthält viele Bestimmungen, die sich von denen für das Volk Israel gar nicht so sehr unterscheiden. Einige sind erwartungsgemäß völlig anders. Andere, wie zum Beispiel das Sabbatgesetz, gelten gar nicht mehr.

Hat Gott seine Maßstäbe geändert?

Bedeutet der Wechsel vom Gesetz Mose zum Gesetz des Christus, dass Gott seine Maßstäbe geändert hat? Nein. Wie ist das zum Beispiel, wenn Eltern für ihre Kinder Regeln aufstellen? Sie passen sie den Umständen und dem Alter ihrer Kinder an. Genauso hat Jehova auch die Gesetze für sein Volk angepasst. Der Apostel Paulus erklärt dazu: „Bevor . . . der Glaube gekommen war, wurden wir unter Gesetz verwahrt, indem wir zusammen in Gewahrsam gegeben wurden im Hinblick auf den Glauben, der geoffenbart werden sollte. Folglich ist das GESETZ unser Erzieher geworden, der zu Christus führt, damit wir zufolge des Glaubens gerechtgesprochen werden könnten. Jetzt aber, da der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Erzieher“ (Galater 3:23-25).

Wie lässt sich das auf den Sabbat übertragen? Hier ein Vergleich: Nehmen wir an, ein Schüler hat an einem bestimmten Tag in der Woche Werkunterricht und lernt dort, wie man Holz bearbeitet. Wird er später Schreiner, setzt er die Techniken, die er in der Schule gelernt hat, nicht nur einmal die Woche, sondern täglich ein. Die Anwendung: Die Israeliten mussten unter dem Gesetz einen Tag zum Ausruhen und für den Gottesdienst reservieren. Christen sind aber nicht nur an einem Tag, sondern täglich im Dienst für Gott.

Ist es also verkehrt, sich an einem speziellen Tag in der Woche Zeit für die Gemeinschaft mit Gott zu nehmen und sich Ruhe zu gönnen? Nein, das ist jedem selbst überlassen. Die Bibel sagt: „Für manche Leute sind bestimmte Tage von besonderer Bedeutung. Für andere wieder sind alle Tage gleich. Jeder soll nach seiner Überzeugung leben“ (Römer 14:5, Hoffnung für alle). Auch wenn manche es für richtig halten, einen bestimmten Tag als heiliger anzusehen, zeigt doch die Bibel deutlich: Gott erwartet von Christen nicht, dass sie einen wöchentlichen Sabbat einhalten.

[Herausgestellter Text auf Seite 12]

„Sechs Tage werdet ihr es auflesen, aber am siebten Tag ist ein Sabbat. Da wird sich keines bilden“ (2. MOSE 16:26).

[Herausgestellter Text auf Seite 14]

„Folglich ist das GESETZ unser Erzieher geworden, der zu Christus führt, damit wir zufolge des Glaubens gerechtgesprochen werden könnten. Jetzt aber, da der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Erzieher“ (GALATER 3:24, 25).

[Kasten/Diagramm auf Seite 13]

Die internationale Datumsgrenze und der Sabbat

Wer der Überzeugung ist, dass der Sabbat überall am gleichen Wochentag gehalten werden muss, dürfte mit der internationalen Datumsgrenze ein Problem haben. Diese gedachte Linie verläuft größtenteils durch den Pazifik, etwa entlang des 180. Längengrads. Die Länder westlich dieser Grenze sind den Ländern im Osten einen Tag voraus.

Ein Beispiel: Wenn es in Fidschi und Tonga Sonntag ist, ist in Samoa und Niue erst Samstag. Feiern gläubige Fidschianer am Samstag Sabbat, arbeiten ihre Glaubensbrüder in Samoa (1 145 Kilometer entfernt), weil dort noch Freitag ist.

Die Siebenten-Tags-Adventisten in Tonga haben ihren Sabbat am Sonntag. Begründung: Er fällt damit auf dieselbe Zeit wie bei ihren Mitgläubigen in Samoa (etwas über 850 Kilometer entfernt). Bei den Siebenten-Tags-Adventisten in Fidschi dagegen (weniger als 800 Kilometer weit weg) ist zu der Zeit kein Ruhetag, weil dort zwar auch Sonntag ist, sie ihren Sabbat aber am Samstag halten.

[Diagramm]

(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

\

\

\

\ SAMOA

\

— ― ― ― ― ― ― ―

FIDSCHI \

Sonntag \ Samstag

\

\

TONGA \

\

\

\

 [Diagramm auf Seite 15]

 (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

Woran man beim Sabbat denken muss:

In manchen Bibelversen ist vom Halten des Sabbats die Rede. Bei solchen Texten muss man wissen, zu welcher Zeit sie geschrieben wurden.

4026 v. u. Z. DIE ZEIT VOR MOSES

ERSCHAFFUNG ADAMS In der Zeit vor Moses und den

Israeliten gab es noch kein

Gesetz über den Sabbat

(5. Mose 5:1-3, 12-14).

1513 v. u. Z. GOTTES GESETZ FÜR ISRAEL

ISRAEL ERHÄLT GESETZ Das Sabbatgesetz galt nur für die

Nation Israel (Psalm 147:19, 20).

Es war „ein Zeichen“ zwischen

Jehova und den Söhnen Israels

(2. Mose 31:16, 17).

Die Israeliten mussten außer dem

Wochensabbat noch viele andere

Sabbate halten (3. Mose 16:29-31;

23:4-8; 25:4, 11; 4. Mose 28:26).

33 u. Z. DAS GESETZ DES CHRISTUS

ENDE DES GESETZES FÜR ISRAEL Im Jahr 49 u. Z. hielten die Apostel

und die älteren Männer in Jerusalem

fest, was Gott von Christen erwartet.

Von einem Sabbat war dabei aber nicht

die Rede (Apostelgeschichte 15:28, 29).

Der Apostel Paulus machte sich Sorgen,

weil einige Christen großen Wert auf

die Einhaltung bestimmter Tage legten

(Galater 4:9-11).

2010 u. Z.

[Bild auf Seite 11]

Zeitungsberichte über Straßenblockaden in Fidschi. Methodisten fordern strenge Einhaltung des Sabbats im ganzen Land.

[Bildnachweis]

Courtesy of the Fiji Times