Einstellung der Bedienungshilfe

Search

Sprache auswählen

Zurück zum Untermenü

Zum Inhaltsverzeichnis springen

Zurück zum Inhalt

Jehovas Zeugen

Deutsch

DER WACHTTURM FEBRUAR 2010

Frauen, die „im Haus arbeiten“

Frauen, die „im Haus arbeiten“

 Die ersten Christen: Ihr Leben, ihre Zeit

Frauen, die „im Haus arbeiten“

„Als sie nun weitergingen, begab er sich in ein gewisses Dorf. Hier nahm ihn eine gewisse Frau namens Martha als Gast in das Haus auf. Diese Frau hatte auch eine Schwester, Maria genannt, die sich jedoch zu den Füßen des Herrn niedersetzte und unablässig seinem Wort lauschte. Martha dagegen ließ sich durch viele Dienstleistungen ablenken. So trat sie herzu und sagte: ‚Herr, machst du dir nichts daraus, dass meine Schwester die Bedienung mir allein überlassen hat? Sag ihr daher, dass sie mir Hilfe leiste.‘ Als Antwort sprach der Herr zu ihr: ‚Martha, Martha, du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge. Wenige Dinge jedoch sind nötig oder nur eins. Maria ihrerseits hat das gute Teil erwählt, und es wird nicht von ihr weggenommen werden‘ “ (LUKAS 10:38-42).

MARTHA war offensichtlich eine sehr fleißige Frau und wurde dafür hoch geachtet. Die jüdische Kultur des ersten Jahrhunderts maß den Wert einer Frau traditionell daran, wie eifrig sie sich ihren Aufgaben im Haushalt widmete und wie gut sie für die Bedürfnisse ihrer Familie sorgte.

Auch Christinnen, die im ersten Jahrhundert lebten, wurde nahegelegt, sie sollten „im Haus arbeiten“ (Titus 2:5). Für sie kam aber noch die ehrenvolle Aufgabe hinzu, andere im christlichen Glauben zu unterweisen (Matthäus 28:19, 20; Apostelgeschichte  2:18). Was gehörte denn alles zu den „vielen Dienstleistungen“, die eine jüdische Frau im ersten Jahrhundert zu erledigen hatte? Und was können wir aus Jesu Worten über Maria lernen?

„Viele Dienstleistungen“ Der Arbeitstag einer jüdischen Hausfrau könnte wie folgt ausgesehen haben: Er begann früh am Morgen, wahrscheinlich schon vor Sonnenaufgang (Sprüche 31:15). Nachdem sie einen einfachen Frühstücksbrei für die Familie zubereitet hatte, begleitete sie ihre Söhne zur Synagogenschule. Die Töchter blieben zu Hause und bekamen die Fähigkeiten beigebracht, die sie brauchten, um später einmal tüchtige Ehefrauen zu werden.

Gemeinsam machten sich Mutter und Töchter dann ans Werk und fingen mit den alltäglichen Arbeiten an: Das Öl in den Lampen auffüllen (1), den Boden fegen (2), die Familienziege melken (3). Dann musste das Brot für den Tag vorbereitet werden. Dazu siebten die Mädchen erst einmal das Getreide durch (4) und zerrieben es dann mit einer Handmühle aus Stein zu grobem Mehl (5). Die Mutter verarbeitete es anschließend mit Wasser und Sauerteig zu einer Masse, die sie kräftig durchknetete (6) und dann zum Aufgehen stehen ließ, während sie sich anderen Arbeiten zuwandte. In der Zwischenzeit waren die Mädchen damit beschäftigt, die frische Ziegenmilch weiterzuverarbeiten (7).

Im Lauf des Vormittags gingen Mutter und Töchter dann gewöhnlich zum Markt. Mit dem anregenden Duft der unterschiedlichsten Kräuter und Gewürze in der Nase und der Geräuschkulisse aus brüllendem Vieh und lautstark um den Preis feilschenden Käufern und Verkäufern im Ohr machten sie die nötigen Einkäufe für den Tag (8) — darunter typische Zutaten zum Speiseplan wie frisches Gemüse oder getrockneter Fisch. Den Besuch auf dem Markt nutzten Christinnen auch gern, um mit anderen über ihren Glauben zu reden (Apostelgeschichte 17:17).

Gewissenhaft dürfte die Mutter Gelegenheiten wie den Weg zum und vom Markt genutzt haben, ihren Mädchen biblische Lebensregeln einzuprägen (5. Mose 6:6, 7). Und so manche Lektion in sparsamem Wirtschaften ergab sich beim Einkaufen bestimmt auch (Sprüche 31:14, 18).

Zu den alltäglichen Aufgaben der Frauen gehörte außerdem der Gang zum Brunnen (9), um den Wasservorrat der Familie aufzufüllen. Schnell kam man dabei mit den anderen Frauen ins Gespräch, die aus demselben Grund da waren. Wieder zu Hause machten sich Mutter und Töchter dann meist ans Brotbacken. Der Teig wurde zu flachen, runden Laiben geformt und in den vorgeheizten Backofen geschoben (10), der gewöhnlich irgendwo im Freien stand. Umhüllt vom Duft frisch gebackenen Brots hatte man Zeit für einen kleinen Plausch, während man das Brot im Ofen im Auge behielt.

Anschließend ging es zu einem Wasserlauf in der Nähe: Wäschewaschen stand auf dem Programm (11). Mit Natriumseife oder Kaliumkarbonatseife — hergestellt aus der Asche bestimmter  Pflanzen — wurden die Kleidungsstücke erst einmal gründlich gereinigt. Nach dem Spülen und Auswringen breiteten die Frauen sie auf nahe gelegenen Büschen und Felsen zum Trocknen aus.

Bevor sie die trockene, saubere Wäsche zu Hause wieder einräumten, gingen Mutter und Töchter dann zum Wäschestopfen (12) auf das Flachdach ihres Hauses. Anschließend bekamen die Mädchen noch Unterricht im Sticken und Weben (13). Und dann war es auch bald schon wieder Zeit für die Frauen, das Abendessen zu kochen (14). Gastfreundschaft wurde großgeschrieben, und so war es ganz selbstverständlich für die Familie, das einfache Mahl aus Brot, Gemüse, Quark, getrocknetem Fisch und erfrischendem Wasser mit Gästen zu teilen.

Waren die Kinder am Abend soweit, ins Bett zu gehen, wurde so manches aufgeschürfte Knie mit Öl eingerieben. Beim Licht einer flackernden Öllampe erzählten die Eltern dann eine Geschichte aus der Bibel und beteten mit den Kindern. Wenn in dem bescheidenen Heim langsam Ruhe einkehrte, hatte der Mann allen Grund, seine Frau mit dem berühmten Zitat zu loben: „Eine tüchtige Ehefrau, wer kann sie finden? Ihr Wert geht weit über den von Korallen“ (Sprüche 31:10).

Sich „das gute Teil“ erwählen Keine Frage: Eine Frau, die ihre Aufgaben ernst nahm, wurde im ersten Jahrhundert wirklich von „vielen Dienstleistungen“ auf Trab gehalten (Lukas 10:40). Und auch heute haben Frauen — vor allem Mütter — einen sehr ausgefüllten Zeitplan. Dank technischer Errungenschaften ist die Hausarbeit teilweise einfacher geworden. Allerdings müssen nicht wenige Mütter wegen der Lebensumstände mit der Doppelbelastung leben, zusätzlich auch noch berufstätig zu sein.

Obwohl es manchmal alles andere als einfach ist, halten sich viele Christinnen heute an das zu Anfang ebenfalls erwähnte Beispiel von Marthas Schwester Maria. Allem, was mit dem Glauben zu tun hat, messen sie große Bedeutung bei (Matthäus 5:3). Sie sorgen gut für ihre Familie, wozu sie Gottes Wort ja auffordert (Sprüche 31:11-31). Aber sie leben auch nach dem Grundsatz, den Jesus Martha mit auf den Weg gab. Ihr lag so viel an einem guten Verhältnis zu Gott, dass sie sich Jesu freundliche Ermahnung bestimmt zu Herzen nahm. Genauso lassen Christinnen heute nicht zu, dass sie sich wegen ihrer häuslichen Aufgaben Gelegenheiten entgehen lassen, etwas über Gott zu lernen (15) oder anderen von ihrem Glauben zu erzählen (Matthäus 24:14; Hebräer 10:24, 25). So erwählen sie sich „das gute Teil“ (Lukas 10:42). Und dafür genießen sie sowohl bei Gott und Christus als auch bei ihrer Familie große Wertschätzung (Sprüche 18:22).