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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM DEZEMBER 2009

Chinesisches Neujahr: Etwas für Christen?

Chinesisches Neujahr: Etwas für Christen?

  Chinesisches Neujahr: Etwas für Christen?

IN Asien findet jedes Jahr im Januar oder Februar die größte Völkerwanderung der Welt statt. Mehrere hundert Millionen Asiaten kehren nach Hause zurück, um mit der ganzen Familie das Neujahrsfest zu feiern. *

Das Neujahrsfest ist das wichtigste Fest im asiatischen Kalender. „Es ist wie Neujahr, Unabhängigkeitstag, Thanksgiving und Weihnachten gleichzeitig“, so ein amerikanischer Soziologe. Die Feierlichkeiten beginnen am ersten Neumond des Jahres gemäß dem chinesischen Lunisolarkalender (nach dem gregorianischen Kalender zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar). Das Fest dauert wenige Tage bis zwei Wochen.

Der Grundgedanke dabei ist die Erneuerung: mit Vergangenem wird abgeschlossen und Neues wird willkommen geheißen. Wie bereiten sich die Menschen auf das Neujahrsfest vor? Sie machen Großputz und dekorieren ihre Wohnungen, sie kleiden sich neu ein und bereiten Speisen zu, die sich auf „Viel Glück“ oder „Wohlstand“ reimen; sie begleichen ihre Schulden und söhnen sich aus. Am Neujahrstag werden oft Geschenke ausgetauscht; man wünscht sich Reichtum und Wohlstand und verteilt rote Papiertütchen mit sogenanntem Glücksgeld. Während der Feiertage gibt es besondere Leckereien und es werden Knallkörper gezündet; viele sehen sich farbenfrohe Löwen- oder Drachentänze an oder genießen einfach die freien Tage im Familien- oder Freundeskreis.

Diese Bräuche haben oft eine tiefere Bedeutung. In einem Buch über chinesische Feiertage wird erklärt: „Der Familie, den Freunden und Verwandten geht es darum, sich das Glück zu sichern, die Götter und Geister zu ehren und einander ein erfolgreiches neues Jahr zu wünschen“ (Mooncakes and Hungry Ghosts: Festivals of China). Da das Ganze so stark von Tradition und religiösen Elementen geprägt ist, stellt sich die Frage: Was ist der christliche Standpunkt dazu? Können Christen dabei einfach mitmachen?

„Vergiss die Quelle nicht“

Ein bekanntes chinesisches Sprichwort lautet: „Wenn du Wasser trinkst, vergiss die Quelle nicht.“ Es unterstreicht, wie groß der Respekt ist, den viele Asiaten den Eltern und Vorfahren traditionell entgegenbringen. Da Kinder ihren Eltern das Leben verdanken, wird von ihnen ganz selbstverständlich erwartet, die Eltern zu ehren — ein wichtiger Aspekt der Neujahrsfeier.

Ein Höhepunkt für viele asiatische Familien ist zweifellos der Abend vor Neujahr. Dann kommen die meisten zu einem besonderen Festessen zusammen. Die Menschen in diesem Teil der Welt setzen alles daran, bei dieser Gelegenheit als Familie zusammen zu sein. In einigen  Regionen ist es Brauch, die Tafel nicht nur für die lebenden Angehörigen zu decken, sondern auch für verstorbene Ahnen, die dort ebenfalls Platz nehmen sollen. Bei diesem Mahl „findet echte Kommunikation zwischen den Ahnen und der Familie statt“, so ein Nachschlagewerk. „Wenn das Band zwischen den Lebenden und den Toten erneuert ist, werden die Ahnen die Familie das ganze Jahr hindurch beschützen“, heißt es in einem anderen Werk. Wie stehen Christen zu diesem Brauch?

Für Christen ist es wichtig, ihre Eltern zu lieben und zu respektieren. Sie befolgen das Gebot Gottes: „Höre auf deinen Vater, der deine Geburt verursacht hat, und verachte nicht deine Mutter, nur weil sie alt geworden ist“ (Sprüche 23:22). Außerdem gehorchen sie der biblischen Anweisung: „ ‚Ehre deinen Vater und deine Mutter‘, welches das erste Gebot mit einer Verheißung ist: ‚Damit es dir gut geht und du lange Zeit auf der Erde bleibst‘ “ (Epheser 6:2, 3). Ja, wahren Christen liegt es am Herzen, ihre Eltern zu lieben und sie zu ehren!

Die Bibel spricht gut von Familienfeiern, die den Zusammenhalt stärken (Hiob 1:4; Lukas 15:22-24). Allerdings gebietet Jehova: „Es soll bei dir keinen geben, der . . . Totengeister befragt, . . . keinen, der Verstorbene um Rat fragt“ (5. Mose 18:10, 11, Einheitsübersetzung). Warum dieses Verbot? Weil die Bibel den wahren Zustand der Toten offenbart, wenn sie sagt: „Die Lebenden sind sich bewusst, dass sie sterben werden; was aber die Toten betrifft, sie sind sich nicht des Geringsten bewusst.“ Da die Toten keinerlei Bewusstsein haben, können sie weder an den Aktivitäten der Lebenden teilnehmen noch ihnen irgendwie helfen oder schaden (Prediger 9:5, 6, 10). Jesus Christus, der Sohn Gottes, verglich den Tod mit einem tiefen Schlaf, aus dem die Toten eines Tages aufwachen werden — aber erst in der kommenden Auferstehung (Johannes 5:28, 29; 11:11, 14).

Zudem zeigt die Bibel deutlich, wer die „Totengeister“ in Wirklichkeit sind: böse Geistwesen, die sich als Verstorbene ausgeben. Was bezwecken sie damit? Sie wollen die Menschen irreführen und unter ihre Gewalt bringen (2. Thessalonicher 2:9, 10). Gottes Gebote schützen uns also vor ernster Gefahr. Christen lieben Jehova und möchten diesen Schutz nicht verspielen. Deshalb halten sie klugerweise Abstand zu allen Bräuchen, durch die „Geister“ der Ahnen verehrt oder um Schutz gebeten werden (Jesaja 8:19, 20; 1. Korinther 10:20-22).

Vor allem aber möchten Christen den Vater ehren, „dem jede Familie im Himmel und auf Erden ihren Namen verdankt“ (Epheser 3:14, 15). Wer ist dieser „Vater“? Der Schöpfer, der uns allen das Leben geschenkt hat: Jehova Gott (Apostelgeschichte 17:26). Wenn man über die erwähnten Neujahrsbräuche nachdenkt, drängt sich also die Frage auf: Wie denkt Jehova darüber? Kann er sie gutheißen? (1. Johannes 5:3).

Hausgötter

Zum chinesischen Neujahrsfest gehören etliche beliebte Rituale, durch die die vielen Hausgötter und andere Gottheiten geachtet und verehrt werden — wie etwa der Türgott, der Gott der Erde (ein Schutzgeist), der Gott des Reichtums oder Wohlstands und der Küchengott (Herdgott). Auf welche Weise wird zum Beispiel der Küchengott verehrt? * Wie es heißt, begibt sich dieser Gott einige Tage vor Neujahr in den Himmel, um dem Jadekaiser über die Familie Bericht zu erstatten. Damit er dem höchsten Wesen der chinesischen Götterwelt Gutes berichtet, verabschiedet die Familie den Küchengott mit einem besonderen Essen, mit Süßigkeiten und klebrigen Delikatessen. Um zu zeigen, dass sie ihm eine schnelle Reise wünschen, nehmen manche Familien sein Bild von der Wand, bestreichen seine Lippen mit den Süßigkeiten und verbrennen es dann vor dem Haus. Am Abend vor Neujahr platzieren sie ein neues Bild des Gottes über dem Herd und laden ihn damit für das kommende Jahr ein.

 Viele der Bräuche erscheinen vielleicht harmlos, doch wenn es um die Anbetung geht, halten sich Christen gewissenhaft an das, was Gottes Wort gebietet. Jesus sagte zu diesem Thema: „Jehova, deinen Gott, sollst du anbeten, und ihm allein sollst du heiligen Dienst darbringen“ (Matthäus 4:10). Gott möchte ganz offensichtlich, dass wir nur ihn anbeten. Warum? Aus gutem Grund: Jehova ist unser himmlischer Vater. Wie würde wohl ein Vater empfinden, wenn seine Kinder ihn ignorieren und sich einen anderen Vater suchen? Würde ihm das nicht unglaublich wehtun?

Für Jesus war sein himmlischer Vater der „allein wahre Gott“. Und Jehova selbst sagte klipp und klar, dass man „keine anderen Götter“ neben ihm haben sollte (Johannes 17:3; 2. Mose 20:3). Wahre Christen wollen Jehova gefallen und ihn niemals dadurch enttäuschen oder verletzen, dass sie sich anderen Göttern zuwenden (1. Korinther 8:4-6).

Aberglaube und Spiritismus

Das chinesische Neujahrsfest ist auch eng mit Astrologie verknüpft. Im Lunisolarkalender wird jedes Jahr nach einem der zwölf Tiere des chinesischen Tierkreises benannt — das Jahr des Drachen, das Jahr des Tigers, des Affen, des Hasen und so weiter. Das jeweilige Tier soll die Persönlichkeit und das Verhalten derjenigen prägen, die in diesem Jahr geboren werden, oder es zu einem günstigen Jahr für bestimmte Unternehmungen machen. Viele andere Traditionen, einschließlich der Verehrung des Gottes des Reichtums oder Wohlstands, dienen ausschließlich dazu, den persönlichen „Glücksbonus“ zu vergrößern. Was ist von diesen Aspekten des chinesischen Neujahrsfestes zu halten?

In seinem Wort, der Bibel, verurteilte Jehova deutlich „die Anbeter der Himmel, die Sternebeschauer, diejenigen, die an den Neumonden Kenntnis vermitteln von den Dingen, die über . . . [sie] kommen werden“. Außerdem missbilligte er diejenigen, die „den Gott des ‚Glücks‘ “ und „den Gott des ‚Schicksals‘ “ verehrten (Jesaja 47:13; 65:11, 12). Wer den wahren Gott anbeten möchte, darf sein Vertrauen nicht auf irgendwelche mysteriöse, unsichtbare Mächte setzen, die vermeintlich mit dem Reich der Geister oder mit den Sternen verbunden sind. Ihm wird vielmehr geraten: „Vertraue auf Jehova mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen eigenen Verstand. Beachte ihn auf all deinen Wegen, und er selbst wird deine Pfade gerademachen“ (Sprüche 3:5, 6). Kein Zweifel: Aberglaube versklavt die Menschen, doch die Wahrheit der Bibel befreit sie (Johannes 8:32).

Zeige Gott, dass du ihn liebst

Zu wissen, was es mit den Bräuchen des chinesischen Neujahrsfestes auf sich hat, ist e i n e Sache. Die Entscheidung, dabei mitzumachen oder nicht, ist etwas ganz anderes. Ganz gleich, ob du in einem Umfeld lebst, wo es Brauch ist, dieses Fest zu begehen, oder in einer traditionsbewussten Familie, die die entsprechenden Bräuche pflegt: Du stehst vor einer ernsten Entscheidung.

Ganz bestimmt braucht man Mut und Entschlossenheit, um unter Druck nicht einzuknicken. „Ich hatte eine Riesenangst, weil alle anderen Neujahr feierten, nur ich nicht“, erzählt eine Christin aus Asien. Was gab ihr die Kraft? „Ich konnte nur festbleiben, weil ich Jehova über alles lieb gewonnen habe“ (Matthäus 10:32-38).

Ist deine Liebe zu Jehova genauso groß? Du hast allen Grund, ihn zu lieben. Wir alle verdanken unser Leben nicht irgendeinem geheimnisvollen „Geist“, sondern Jehova Gott. Über ihn heißt es in der Bibel: „Bei dir ist der Quell des Lebens; durch Licht von dir können wir das Licht sehen“ (Psalm 36:9). Es ist Jehova, der für uns sorgt und uns ein glückliches Leben ermöglicht, und nicht der Gott des Wohlstands oder der Küchengott (Apostelgeschichte 14:17; 17:28). Würdest du seine Liebe gern erwidern? Wenn du dich dafür entscheidest, wird er dich großzügig segnen — darauf kannst du dich verlassen (Markus 10:29, 30).

[Fußnoten]

^ Abs. 2 In Asien werden neben dem chinesischen Neujahrs- oder Frühlingsfest Chun Jie noch andere Neujahrsfeste nach dem Mondkalender gefeiert: beispielsweise Tet (Vietnam), Seollal (Korea), Losar (Tibet).

^ Abs. 14 Die in diesem Artikel beschriebenen Bräuche variieren in den verschiedenen Regionen Asiens, folgen aber demselben Muster. Weitere Informationen enthalten die Erwachet!-Ausgaben vom 22. Dezember 1986, Seite 20, 21 und vom 22. April 1970, Seite 9—11.

 [Kasten/Bild auf Seite 23]

Rücksicht nehmen auf Freunde und Familie

Für Freunde und Verwandte kann es wie ein Schock sein, wenn ein Mitglied der Familie bei Neujahrsfeierlichkeiten nicht mehr mitmacht. Sie fühlen sich möglicherweise gekränkt, tief verletzt oder sogar verraten. Doch man kann sehr viel tun, um untereinander ein gutes Verhältnis zu bewahren. Hier einige Äußerungen von Christen aus verschiedenen Regionen Asiens:

Jiang: „Ich habe meine Verwandten lange vor Neujahr besucht und ihnen taktvoll erklärt, warum ich bei bestimmten üblichen Bräuchen nicht mehr mitmachen möchte. Dabei habe ich besonders darauf geachtet, ihre Glaubensvorstellungen nicht herabzusetzen; ihre Fragen konnte ich respektvoll anhand der Bibel beantworten. Wir hatten einige sehr offene Gespräche über den Glauben.“

Li: „Noch vor Neujahr erklärte ich meinem Mann mit dem nötigen Takt und Respekt, dass ich nur dann wirklich glücklich sein kann, wenn ich auf mein Gewissen höre. Ich habe ihm auch versprochen, ihn auf keinen Fall in Verlegenheit zu bringen, wenn wir über die Feiertage seine Familie besuchen. Zu meiner Überraschung hat er mich dann an dem Tag, als seine Familie zusammenkam, um zu den Ahnen zu beten, ganz woanders zu einer christlichen Zusammenkunft gebracht.“

Xie: „Ich versicherte meiner Familie, dass ich sie sehr liebe und dass sich mein Glaube gut auf meine Persönlichkeit auswirken wird. Ich achtete ganz bewusst auf christliche Eigenschaften wie Sanftmut, Feingefühl und Liebe. Mit der Zeit begannen meine Angehörigen, meinen Glauben zu respektieren. Später studierte auch mein Mann die Bibel und wurde ein echter Christ.“

Min: „Ich habe mich ganz ruhig und respektvoll mit meinen Eltern unterhalten. Anstatt ihnen zu Neujahr ‚Viel Glück‘ zu wünschen, sagte ich ihnen, dass ich immer für sie bete und unseren Schöpfer, Jehova, bitte, sie zu segnen und ihnen Frieden und Glück zu schenken.“

Fuong: „Ich erklärte meinen Eltern, dass ich ja nicht bis Neujahr warten muss, um die Familie zu besuchen. Ich war oft bei ihnen. Darüber waren sie richtig froh und sie kritisierten mich nicht länger. Mein jüngerer Bruder wollte später ebenfalls wissen, was die Bibel lehrt.“

[Bildnachweis auf Seite 20]

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