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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM SEPTEMBER 2009

Mittelamerikas größter See und seine Schätze

Mittelamerikas größter See und seine Schätze

  Mittelamerikas größter See und seine Schätze

DAS kleine Land Nicaragua kann sich rühmen, das größte Binnengewässer Mittelamerikas zu haben — den Nicaraguasee. Interessanterweise ist er wohl auch der einzige Süßwassersee mit Fischarten, die sonst nur im offenen Meer vorkommen, darunter Haie, Schwertfische und Tarpune. Nach Ansicht von Wissenschaftlern war der See ursprünglich eine zum Pazifik gehörende Bucht, die durch einen Vulkanausbruch vom Meer abgeschnitten wurde. Während der Salzgehalt des Wasser allmählich sank, passten sich die Fische an die neuen Verhältnisse an.

Der See liegt circa 30 Meter über dem Meeresspiegel, ist ungefähr 160 Kilometer lang und misst an seiner breitesten Stelle rund 70 Kilometer. Im Nicaraguasee gibt es mehr als 400 Inseln. Allein 300 davon säumen die Halbinsel Asese im Norden. Ganz in der Nähe liegt auch die Stadt Granada, nach der diese Inselgruppe benannt ist.

Etwa in der Mitte des Sees liegt Ometepe, die größte Insel. Sie ist gut 25 Kilometer lang, 13 Kilometer breit und besteht aus zwei Vulkanen, die über eine Landenge miteinander verbunden sind. Der auffällige symmetrische Kegel des höheren Vulkans, Concepción, erhebt sich 1 610 Meter über die Wasserfläche. Der aktive Vulkan dominiert den Nordteil der Insel. Maderas, der andere Vulkan, ist 1 394 Meter hoch und erloschen. Im Krater des mit dichter Vegetation bedeckten Maderas verbirgt sich ein meist mit Nebelschwaden bedeckter See.

Der Nicaraguasee ist ein Touristenmagnet. Die Besucher bewundern seine tropischen Naturschönheiten und besuchen die zahlreichen archäologischen Fundstätten vergangener Kulturen. Doch am Nicaraguasee gibt es noch mehr Schätze zu entdecken.

Eine Welt auf dem Wasser

Auf den Granada-Inseln gibt es eine reiche Vielfalt tropischer Pflanzen und Wildtiere. Exotische Blumen blühen in den dichten Wäldern, die die meisten dieser Inseln vulkanischen Ursprungs bedecken. Das Seeufer ist der Lebensraum prächtiger Wasservögel: Man sieht kleine Blaureiher, die größeren Silberreiher, Fischadler, Amerikanische Schlangenhalsvögel und Kormorane. Von den hohen Bäumen am Rand des Urwalds baumeln die Nester der großen kastanienfarbenen Montezumastirnvögel und schaukeln heftig im Wind, der vom See her weht.

 Manche Inseln sind bewohnt. Dort findet man nicht nur die Hütten und Häuser der einheimischen Fischer, sondern auch die Feriendomizile der Wohlhabenden. Auf den Inseln gibt es Schulen und einen Friedhof sowie diverse Restaurants und Bars. Der Archipel gleicht einem Dorf — einer eigenen Welt auf dem Wasser.

Jeden Morgen tuckert ein blau-weißes Boot von Insel zu Insel, um die Schulkinder einzusammeln. Ein schwimmender Laden auf einem Kanu bietet Obst und Gemüse feil. Und überall sieht man Männer, die ihre Fischernetze auswerfen, und Frauen, die im See ihre Wäsche waschen.

Jehovas Zeugen sind auf den Inseln ebenfalls aktiv. Sie kommen mit dem Boot, um mit den Inselbewohnern über die gute Botschaft von Gottes Königreich zu sprechen (Matthäus 24:14). Allerdings entstand durch die ungewöhnlichen geographischen Gegebenheiten für sie die Frage, wo man Zusammenkünfte für das gemeinsame Bibelstudium abhalten könnte. Da die Zeugen das biblische Gebot, ihr „Zusammenkommen nicht aufzugeben“, ernst nehmen, haben sie sich etwas Pfiffiges einfallen lassen: Nicaraguas ersten schwimmenden Königreichssaal (Hebräer 10:25).

Ein schwimmender Königreichssaal

Im November 2005 zogen zwei Vollzeitverkündiger der Zeugen Jehovas auf die Granada-Inseln. Einige Monate später lud dieses Ehepaar die einheimische Bevölkerung zur jährlichen Feier zum Gedenken an den Tod Christi ein. Die beiden waren angenehm überrascht, dass 76 Personen kamen. Das überzeugte sie von der Notwendigkeit, in dem Archipel regelmäßig christliche Zusammenkünfte abzuhalten. Da eine geeignete Örtlichkeit dafür nur schwer zu finden war, kam ihnen die Idee: Wie wäre es mit einem schwimmenden Königreichssaal, den man je nach Bedarf an verschiedene Orte schleppen kann?

Die beiden hatten zwar noch nie versucht, etwas Schwimmfähiges zu konstruieren, doch sie machten sich mutig ans Werk. Zusammen mit 6 anderen investierten sie einen Monat in den Bau ihrer neuen Zusammenkunftsstätte, im Grunde ein einfaches Floß. Der Rahmen wurde aus Stahlrohren zusammengeschweißt, und für den nötigen Auftrieb sorgen ein Dutzend mit Druckluft gefüllte 150-Liter-Fässer. Der Boden ist aus Sperrholz und das Dach besteht aus Segeltuch. In der Bauphase beteten alle Beteiligten jeden Abend für das Projekt, weil sie nicht  wussten, ob die Konstruktion genügend Auftrieb haben würde. Und siehe da, sie schwimmt tatsächlich!

Die erste öffentliche Zusammenkunft im neuen Königreichssaal fand am 10. Juni 2006 statt. Tags darauf wurde die Plattform auf die andere Seite des Archipels geschleppt, damit die Menschen dort das gleiche Programm verfolgen konnten. Zu diesen beiden Zusammenkünften kamen insgesamt 48 Personen, von denen einige einen halbstündigen Fußmarsch durch den Urwald in Kauf nahmen. Alle haben sich sehr darüber gefreut, eine eigene Zusammenkunftsstätte zu haben.

Die Zusammenkünfte in diesem Königreichssaal haben zweifellos eine ganz spezielle Note. Während der Redner seinen Vortrag hält, hört man im Hintergrund das sanfte Plätschern des Wassers gegen die Felsen oder den gelegentlichen Schrei eines Affen in der Ferne. Der schwimmende Königreichssaal wurde für die Inselbewohner schnell zu einem vertrauten Anblick, und wenn sie sehen, wie er von einem Ort zum anderen geschleppt wird, winken sie. Jede Woche kommen mehr als 20 Personen in den schwimmenden Saal, um sich mit anderen Christen zu treffen und gemeinsam die Bibel zu studieren. Für diese Menschen ist er ein echter Schatz!

Auf Ometepe

Die Insel Ometepe liegt etwa 50 Kilometer südlich von Granada. Die schöne Natur und die fruchtbaren Böden lockten schon sehr früh Siedler an. Tatsächlich hat man hier die ältesten Hinweise auf Landwirtschaft in Nicaragua gefunden. Heute leben auf Ometepe ungefähr 42 000 Menschen, die vor allem Fischfang betreiben sowie Mais, Bananen, Kaffee und andere Nutzpflanzen anbauen. Auch hier gibt es eine faszinierende Tierwelt: Schwärme kreischender Papageien, große blau-weiß gefiederte Langschwanzhäher, die pfeilschnell zwischen den Bäumen umherjagen, und die bei vielen beliebten weißgesichtigen Kapuzineraffen.

Die Bewohner von Ometepe werden von den Verkündigern der guten Botschaft von Gottes Königreich regelmäßig besucht. Gab es im Jahr 1966 gerade einmal 8 getaufte Zeugen, ist die Zahl der Verkündiger mittlerweile auf 183 in 4 blühenden Versammlungen angestiegen. Jede Versammlung hat ihren eigenen zentral gelegenen Königreichssaal. Mittlerweile kommt auf der Insel ein Zeuge Jehovas auf 230 Bewohner.

Im Laufe der Jahre haben die Zeugen auf Ometepe auch schwere Zeiten durchgemacht. Beispielsweise in Mérida, wo Gegner 1980 ihren Königreichssaal niederbrannten. 1984 wurde ein anderer Saal gebaut und bis 2003 benutzt. In dem Jahr entstand zur Freude der 60 Verkündiger am Ort ein schöner neuer Saal.

In Moyogalpa baute man einen Königreichssaal, der bei Bedarf auch für größere Veranstaltungen Platz bietet. Zu diesem Zweck befindet sich auf der Gebäuderückseite eine überdachte Bühne. Vor der Bühne können unter einem Sonnendach bis an die Grundstücksgrenze noch viele weitere Stühle aufgestellt werden. Hier kommen die Zeugen Jehovas und ihre Freunde aus der ganzen Seeregion zusammen, um ihre Kongresse abzuhalten. Bei diesen Zusammenkünften bietet sich der Nicaraguasee geradezu an, um darin neue Jünger Jesu Christi zu taufen (Matthäus 28:19).

Werden die Schätze bewahrt bleiben?

Der Nicaraguasee ist ziemlich groß und galt vielleicht deshalb nie als ernsthaft gefährdet. Doch heute weiß man, dass er Schutz benötigt, da landwirtschaftliche und industrielle Abwässer den See verunreinigen. Außerdem werden aus abgeholzten Landflächen immer mehr Sedimente in den See gespült.

Ob es den Behörden und den Anwohnern gelingt, die Situation in den Griff zu bekommen, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Der Schöpfer der Erde wird dafür sorgen, dass deren Schätze — einschließlich ihrer funkelnden Seen und herrlichen Inseln sowie ihrer faszinierenden Tierwelt — für Menschen erhalten bleiben, die ihm gern gehorchen. Denn die Bibel verspricht: „Die Gerechten selbst werden die Erde besitzen und sie werden immerdar darauf wohnen“ (Ps. 37:29).

[Bild auf Seite 26]

Ein schwimmender Königreichssaal für das gemeinsame Studium der Bibel