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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM APRIL 2009

Die neue Geburt: Entscheidet man selbst?

Die neue Geburt: Entscheidet man selbst?

 Die neue Geburt: Entscheidet man selbst?

WER bewirkt die neue Geburt? Manche Geistliche fordern ihre Zuhörer auf, wiedergeborene Christen zu werden, indem sie Jesu Worte zitieren: „Ihr müsst wiedergeboren werden“ (Johannes 3:7). Sie machen aus diesen Worten ein Gebot oder eine Aufforderung und sagen eigentlich: „Werdet wiedergeboren!“ Dadurch vermitteln sie den Gedanken, es liege bei dem einzelnen Gläubigen, Jesus zu gehorchen und die nötigen Schritte für eine neue Geburt zu unternehmen. So gesehen wäre die neue Geburt der persönlichen Entscheidung überlassen. Stimmt diese Ansicht jedoch mit dem überein, was Jesus zu Nikodemus sagte?

Wer sich die Worte Jesu genauer ansieht, wird feststellen, dass er nicht davon sprach, die Entscheidung, wiedergeboren zu werden, liege bei einem selbst. Warum nicht? Der mit „wiedergeboren“ übersetzte griechische Ausdruck kann auch „von oben her geboren“ bedeuten. *  Somit wird, wie eine andere Lesart zeigt, die neue Geburt „von oben“ bewirkt, das heißt „vom Himmel her“ oder „vom Vater“ (Johannes 19:11, Fußnote; Jakobus 1:17). Sie wird also von Gott bewirkt (1. Johannes 3:9).

Mit dem Ausdruck „von oben“ im Sinn ist es ohne Weiteres zu verstehen, dass niemand die neue Geburt selbst bewirken kann. Denken wir einmal an unsere buchstäbliche Geburt. Konnten wir uns selbst dafür entscheiden, geboren zu werden? Natürlich nicht! Wir wurden von unserem leiblichen Vater gezeugt. Genauso kann jemand nur dann wiedergeboren werden, wenn Gott, der himmlische Vater, eine neue Geburt bewirkt (Johannes 1:13). Im Einklang damit schrieb der Apostel Petrus: „Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, denn nach seiner großen Barmherzigkeit hat er uns eine neue Geburt . . . gegeben“ (1. Petrus 1:3).

Handelt es sich um eine Aufforderung?

Mancher könnte sich jedoch fragen: Wenn es zutrifft, dass niemand selbst bestimmen kann, wiedergeboren zu werden, warum sagte Jesus dann: „Ihr müsst wiedergeboren werden“? Diese Frage ist berechtigt. Wären Jesu Worte tatsächlich eine Aufforderung, würde er eigentlich etwas von uns verlangen, worauf wir keinen Einfluss haben. Das wäre nicht einleuchtend. Doch wie sind seine Worte dann zu verstehen?

Sieht man sich diesen Satz in der Originalsprache an, stellt man fest, dass er nicht im Imperativ (Befehlsform) steht, also keine Aufforderung ist. Es handelt sich einfach um eine Feststellung. Als Jesus sagte: „Ihr müsst wiedergeboren werden“, äußerte er eine Tatsache und keine Aufforderung (Johannes 3:7). Wörtlich sagte er: „Es ist nötig, (dass) ihr geboren werdet von oben“ (E. Dietzfelbinger, Das Neue Testament: Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch).

Wie könnte man den Unterschied zwischen einer Aufforderung und einer Feststellung veranschaulichen? Stellen wir uns eine Stadt vor, in der es mehrere Schulen gibt. Eine davon ist für Schüler einer bestimmten Volksgruppe reserviert. Eines Tages bittet ein Junge, der nicht zu der betreffenden Volksgruppe gehört, darum, in diese Schule aufgenommen zu werden. Der Direktor sagt zu ihm: „Um aufgenommen zu werden, musst du zu unserer Volksgruppe gehören.“ Seine Worte stellen natürlich keine Aufforderung dar. Er verlangt von dem Jungen ja nicht: „Gehöre zu unserer Volksgruppe!“ Der Direktor erklärt lediglich, unter welcher Voraussetzung jemand die Schule besuchen kann. Wenn Jesus also sagte: „Ihr müsst wiedergeboren werden“, stellte er einfach klar, unter welcher Voraussetzung jemand „in das Königreich Gottes eingehen“ kann.

Das hier erwähnte Königreich Gottes hängt eng mit einem weiteren Aspekt der neuen Geburt zusammen, nämlich der Frage, wozu sie eigentlich dient. Nur wenn man den Zweck der neuen Geburt kennt, kann man wirklich verstehen, was es bedeutet, wiedergeboren zu sein.

[Fußnote]

^ Abs. 3 Verschiedene Bibelübersetzungen geben Johannes 3:3 in diesem Sinn wieder. Beispielsweise heißt es im Neuen Testament von Heinz Schumacher: „Wenn einer nicht von oben her gezeugt und geboren wird, kann er die Königsherrschaft Gottes nicht sehen.“

[Bild auf Seite 6]

Welche Parallele gibt es zwischen der neuen Geburt und einer buchstäblichen Geburt?