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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM JANUAR 2009

Was man von Maria alles lernen kann

Was man von Maria alles lernen kann

 Was man von Maria alles lernen kann

Kennen Sie das Gefühl, einer unerwarteten Herausforderung oder einer Verantwortung kaum gewachsen zu sein? Fühlen Sie sich ausgelaugt, weil sie Tag für Tag gerade so über die Runden kommen? Oder gehören Sie vielleicht zu den Millionen, die aus ihrem Heimatland fliehen mussten und sich unsicher und hilflos fühlen? Und wer kennt nicht den tiefen Schmerz und die große Leere, die der Tod eines lieben Menschen hinterlässt.

HÄTTEN Sie gedacht, dass Maria, die Mutter Jesu, vor all diesen schwierigen Situationen stand und sie auch noch hervorragend meisterte? Was kann man alles von Maria lernen?

Auf der ganzen Welt ist Maria ein Begriff. Das überrascht nicht, denn ihre Rolle in Gottes Vorhaben ist einzigartig. Millionen Menschen verehren Maria sogar. Die katholische Kirche verehrt sie als geliebte Mutter und als ein Vorbild im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Und vielen wurde beigebracht, dass Maria Menschen zu Gott führt.

Wie denken Sie über Jesu Mutter? Und noch wichtiger: Wie denkt Gott über Maria?

Eine außergewöhnliche Aufgabe

Maria, die Tochter Helis, war eine Jüdin aus dem Stamm Juda. Zum ersten Mal wird sie in der Bibel erwähnt, als sich etwas nicht gerade Alltägliches ereignete: Sie erhielt Besuch von einem Engel. Er grüßte sie mit den Worten: „Guten Tag, du Hochbegünstigte, Jehova ist mit dir.“ Zuerst war Maria beunruhigt und „begann zu überlegen, was das für ein Gruß sei“. Der Engel erklärte ihr, dass sie auserwählt worden war, Gottes Sohn zu empfangen, um ihn zur Welt zu bringen und großzuziehen — eine überwältigend schöne, aber auch sehr ernst zu nehmende Aufgabe (Lukas 1:26-33).

Damit wurde eine riesengroße Verantwortung auf die Schultern dieser jungen, unverheirateten Frau gelegt! Wie reagierte Maria darauf? Bestimmt hat sie sich gefragt, wer ihr das alles wohl glauben würde. Würde sie womöglich die Liebe Josephs, ihres Verlobten, verlieren? Oder würde man wegen der Schwangerschaft mit dem Finger auf sie zeigen? (5. Mose 22:20-24). Dennoch zögerte sie nicht, diese verantwortungsvolle Aufgabe anzunehmen.

Maria war eine glaubensstarke Frau und konnte sich deshalb dem Willen ihres Gottes, Jehova, bereitwillig fügen. Sie wusste, dass er sie nicht im Stich lassen würde. Daher rief sie aus: „Siehe! Jehovas Sklavin! Mir geschehe nach deiner Erklärung.“ Maria war bereit, sich künftigen Schwierigkeiten zu stellen, denn sie schätzte diese besondere Gelegenheit, Gott zu ehren, wirklich hoch ein (Lukas 1:38).

Als Maria dann Joseph von ihrer Schwangerschaft berichtete, wollte er die Verlobung tatsächlich lösen. Darunter müssen beide sehr gelitten haben. Die Bibel sagt nicht, wie lange  diese belastende Situation andauerte, aber Maria und auch Joseph muss ein großer Stein vom Herzen gefallen sein, als ein Engel Jehovas Joseph erschien und ihm erklärte, wie es zu der außergewöhnlichen Schwangerschaft gekommen war. Der Bote Gottes forderte Joseph auf, Maria zur Frau zu nehmen (Matthäus 1:19-24).

Schwere Zeiten

Heute bereiten sich werdende Mütter oft schon Monate im Voraus auf ihr Kind vor. Das wird bei Maria kaum anders gewesen sein. Immerhin war es ihr erstes Kind! Doch dann durchkreuzte etwas Unerwartetes ihre Pläne. Kaiser Augustus gab einen Erlass heraus, der jeden dazu verpflichtete, sich in seinem Geburtsort einschreiben zu lassen. Joseph nahm also seine nun im neunten Monat schwangere Maria mit auf eine rund 150 Kilometer lange Reise — wahrscheinlich auf einem Esel. Bethlehem war überfüllt, und Maria benötigte dringend einen Ort, wohin sie sich für die Geburt zurückziehen konnte. Aber alles, was die beiden ausfindig machen konnten, war ein Stall. Es muss für Maria hart gewesen sein, ihr Kind in einem Stall zur Welt zu bringen. Das alles hat ihr sicher gar nicht behagt und auch Angst gemacht.

In diesen schwierigen Momenten schüttete Maria bestimmt Jehova ihr Herz aus und vertraute völlig darauf, dass er für sie und ihr Kind sorgen würde. Später kamen Hirten zum Stall, die darauf brannten, das Baby zu sehen. Sie berichteten, dass Engel dieses Kind als „Retter“ angekündigt hatten, „welcher Christus, der Herr, ist“. Weiter heißt es: „Maria begann alle diese Worte zu bewahren, indem sie Folgerungen zog in ihrem Herzen.“ Sie dachte lange und gründlich über alles nach und fühlte sich dadurch gestärkt (Lukas 2:11, 16-19).

Und wie sieht es mit uns aus? Um schmerzhafte Erlebnisse werden wir wohl genauso wenig herumkommen. Die Bibel zeigt, dass  „Zeit und unvorhergesehenes Geschehen“ jeden treffen kann, sodass man sich plötzlich allen möglichen Härten und Herausforderungen gegenübersieht (Prediger 9:11). Dann könnten wir verbittert Gott die Schuld geben. Aber wäre es nicht viel besser, es wie Maria zu halten und eine enge Verbindung zu Gott aufzubauen? Dazu müssen auch wir uns mit Gottes Wort, der Bibel, beschäftigen und ihren Inhalt auf uns wirken lassen. Das hilft uns ganz sicher, belastende Situationen durchzustehen.

Arm und auf der Flucht

Maria musste mit weiteren Härten zurechtkommen: Sie war nicht nur arm, sondern musste auch aus ihrem Heimatland fliehen. Heute ergeht es vielen nicht anders. Wie aus einem Bericht hervorgeht, hat „die Hälfte der Weltbevölkerung, beinahe drei Milliarden Menschen, weniger als zwei Dollar pro Tag zum Leben“. Und Millionen andere kommen kaum über die Runden, obwohl sie in sogenannten Wohlstandsländern leben. Vielleicht kennen ja auch Sie das Gefühl, dass einen die tägliche Tretmühle, für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgen zu müssen, nicht nur ermüdet, sondern manchmal schier erdrückt.

Warum kann man sagen, dass Maria und Joseph nicht viel besaßen? Die Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes verraten ja nicht allzu viel über Maria und Joseph als Paar, aber wir erfahren daraus, dass sie 40 Tage nach der Geburt Jesu im Tempel das vorgeschriebene Opfer darbrachten: „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben“ (Lukas 2:22-24). * Diese Tiere durften nur diejenigen opfern, die sich einen jungen Widder nicht leisten konnten. Somit war es wohl auch für Joseph und Maria alles andere als einfach, über die Runden zu kommen. Dennoch gelang es ihnen auf bewundernswerte Weise, eine liebevolle häusliche Atmosphäre zu schaffen. Sie konzentrierten sich zweifellos auf alles, was mit Gott und seiner Anbetung zu tun hatte (5. Mose 6:6, 7).

Schon bald nachdem Maria Jesus zur Welt gebracht hatte, wurde ihr Leben erneut komplett auf den Kopf gestellt. Ein Engel sagte zu Joseph, er solle mit seiner Familie nach Ägypten fliehen (Matthäus 2:13-15). Damit wurde Maria zum zweiten Mal aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen; diesmal ging es sogar in ein ganz anderes Land. In Ägypten gab es zwar eine große jüdische Gemeinde, und es ist gut möglich, dass sich Maria und Joseph unter Landsleuten niederließen, doch das Leben in der Fremde kann einen schon ziemlich aus der Bahn werfen. Wer heute zu den Millionen von Flüchtlingen gehört, die ihre Heimat verlassen haben — vielleicht um den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen oder um sich in Sicherheit zu bringen —, der kann sich bestimmt gut in einige der Probleme hineinversetzen, denen Maria in Ägypten gegenüberstand.

Eine hingebungsvolle Ehefrau und Mutter

Von den Berichten über die Geburt und die Kindheit Jesu einmal abgesehen, wird in den Evangelien wenig über Maria gesagt. Dennoch weiß man, dass Maria und Joseph mindestens sechs weitere Kinder hatten. Das mag Sie jetzt vielleicht etwas überraschen. Aber sehen wir uns doch einmal an, was die Evangelien dazu sagen.

Joseph hatte große Achtung vor dem Privileg Marias, den Sohn Gottes zur Welt zu bringen. Daher verzichtete er vor der Geburt Jesu auf den Geschlechtsverkehr mit seiner Frau. Laut Matthäus 1:25 „hatte er keinen ehelichen Verkehr mit ihr, bis sie einen Sohn gebar“. Das Wort „bis“ lässt erkennen, dass Joseph und Maria nach der Geburt Jesu eine ganz normale Ehe führten — als Mann und Frau. Und wie die Evangelien berichten, stellte sich demzufolge auch Nachwuchs ein: vier   Söhne und mindestens zwei Töchter. Jesu Halbbrüder hießen Jakobus, Joseph, Simon und Judas (Matthäus 13:55, 56). Sie wurden auf ganz natürlichem Weg gezeugt. *

Maria lag sehr viel an ihrem guten Verhältnis zu Gott. Regelmäßig begleitete sie Joseph auf der jährlichen Reise nach Jerusalem zum Passahfest, obwohl das jüdische Gesetz das von Frauen gar nicht verlangte (Lukas 2:41). Hin und zurück waren sie immerhin jedes Mal rund 300 Kilometer unterwegs — und die Familie wurde nicht kleiner! Aber bestimmt hatten sie auf diesen Reisen eine wunderschöne Zeit zusammen.

Heute halten es viele Frauen und Mütter wie Maria: Sie arbeiten fleißig und selbstlos, um ihren christlichen Pflichten nachzukommen, und zeigen so große Hingabe. Dabei bringen sie oft viel Geduld und Durchhaltevermögen auf und stellen sich selbst eher in den Hintergrund. An Marias gute Einstellung zu denken hilft ihnen, den Wunsch, sich ein schönes und bequemes Leben zu machen, hinter ihren Glauben zurückzustellen. Solchen Frauen ist, wie sicher auch Maria, bewusst, dass es den Zusammenhalt in der Familie enorm stärkt, wenn man gemeinsam mit Mann und Kindern Gott anbetet.

Einmal merkten Maria und Joseph auf der Heimreise von einem Fest in Jerusalem, dass Jesus nicht bei seinen Geschwistern war. Jesus war damals zwölf Jahre alt. Wie aufgelöst Maria doch gewesen sein muss, als sie drei Tage lang verzweifelt nach ihrem Sohn suchte! Als sie und Joseph ihn schließlich im Tempel entdeckten, sagte Jesus: „Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“ Und wieder, so der Bibelbericht, bewahrte Maria „alle diese Worte sorgfältig  in ihrem Herzen“. Daran lässt sich erneut ablesen, was für eine tiefgläubige Frau Maria doch war. Lange und gründlich dachte sie über alles nach, was sich in Verbindung mit Jesus ereignete. Jahre später hat sie den Evangelienschreibern dann bestimmt lebhaft von diesem und anderen frühen Ereignissen aus Jesu Leben erzählt (Lukas 2:41-52).

Trotz schmerzlicher Verluste hielt sie durch

Was wurde aus Joseph, dem Adoptivvater von Jesus? Nach der kurzen Erwähnung in diesem einen Bericht aus Jesu Jugend taucht er in den Evangelien nicht mehr auf. Manche nehmen deshalb an, dass er starb, noch bevor sich Jesus seinem eigentlichen Auftrag widmete. * Jedenfalls scheint Maria zu der Zeit, als Jesu Auftrag auf der Erde zu Ende ging, Witwe gewesen zu sein. Kurz bevor Jesus starb, vertraute er seine Mutter nämlich dem Apostel Johannes an (Johannes 19:26, 27). Das hätte er bestimmt nicht getan, wenn Joseph noch am Leben gewesen wäre.

Maria und Joseph waren zusammen durch dick und dünn gegangen. Sie wurden von Engeln aufgesucht, entkamen der Hand eines Tyrannen, mussten mehrmals ihr gewohntes Zuhause aufgeben und sich zudem um eine große Familie kümmern. Wer weiß, wie viele Abende sie zusammengesessen und sich überlegt haben, was wohl alles auf Jesus zukommen würde, und sich miteinander beraten haben, ob sie ihn auch wirklich richtig erziehen und gut fürs Leben vorbereiten. Und dann war Maria plötzlich auf sich allein gestellt.

Vielleicht sind Sie ja auch verwitwet und verspüren ebenfalls die schmerzvolle Leere, die der Verlust des Ehepartners — selbst noch nach vielen Jahren — mit sich bringt. Maria fand zweifellos Trost in ihrem Glauben und in der Hoffnung auf eine Auferstehung (Johannes 5:28, 29). * Gelöst waren ihre Probleme dadurch allerdings nicht. Genau wie viele alleinerziehende Mütter heute stand Maria vor der Herausforderung, Kinder ohne die Unterstützung eines Ehemanns großzuziehen.

 Es ist anzunehmen, dass nach Josephs Tod die Rolle des Familienernährers vor allem Jesus zufiel, bis seine jüngeren Brüder mit der Zeit ebenfalls in ihre Familienpflichten hineinwuchsen. Als Jesus „ungefähr dreißig Jahre alt“ war, ging er dann aus dem Haus und widmete sich seinem eigentlichen Auftrag (Lukas 3:23). Die meisten Eltern haben eher gemischte Gefühle, wenn ein Kind flügge wird. Man hat so viel Zeit, Energie und Gefühl investiert, und wenn es dann fortgeht, scheint sich plötzlich eine große Leere aufzutun. Wer selbst erwachsene Kinder hat, die nun ihre eigenen Ziele im Leben verfolgen, weiß, wie das ist: Man ist auf der einen Seite stolz auf sie, wünscht sich aber doch manchmal, sie mehr bei sich zu haben. So könnte sich auch Maria gefühlt haben, als Jesus von zu Hause wegging.

Belastungen von unerwarteter Seite

Maria musste mit einer weiteren Belastung zurechtkommen — einer, mit der sie vielleicht nie gerechnet hätte. Viele Menschen, die Jesus predigen hörten, wurden seine Jünger. Seine eigenen Brüder dagegen nicht! Die Bibel sagt: „Seine Brüder übten tatsächlich keinen Glauben an ihn aus“ (Johannes 7:5). Mit Sicherheit erzählte Maria ihren Söhnen, was der Engel zu ihr gesagt hatte, nämlich dass Jesus „Gottes Sohn“ ist (Lukas 1:35). Doch für Jakobus, Joseph, Simon und Judas war Jesus einfach nur der ältere Bruder. Maria sah sich also der Situation gegenüber, dass ihre Familie in Glaubensfragen nicht einer Meinung war.

Hat Maria sich davon unterkriegen lassen? Ganz und gar nicht! Als Jesus einmal in Galiläa predigte, ging er zum Essen in ein bestimmtes Haus, wo sich eine Menge Leute versammelten, um ihm zuzuhören. Und wer war draußen und suchte nach ihm? Seine Mutter samt seinen Brüdern! Wenn sich Jesus also in der Nähe seiner Familie aufhielt, ging Maria offensichtlich zu ihm und nahm ihre anderen Kinder mit — vielleicht in der stillen Hoffnung, dass sich deren Einstellung dadurch ändern würde (Matthäus 12:46, 47).

Wer in einer ähnlich schwierigen Situation ist, nämlich dass er Jesus gern nachfolgen möchte, in der Familie aber auf wenig Resonanz stößt, darf sich davon nicht entmutigen lassen — und schon gar nicht aufgeben! Viele haben wie Maria jahrelang geduldig versucht, ihre Lieben zum christlichen Glauben hinzuführen, bevor sich wirklich etwas tat. Ein solches Durchhaltevermögen ist in Gottes Augen sehr wertvoll, ganz gleich ob andere letztlich darauf reagieren oder nicht (1. Petrus 3:1, 2).

Ihr größter Schmerz

Das Schlimmste, was Maria dem Bibelbericht nach durchmachte, war mit Sicherheit  auch das Herzzerreißendste, was man sich denken kann: Sie musste miterleben, wie ihr geliebter Sohn qualvoll starb, nachdem sein Volk ihn verstoßen hatte. Der Tod des eigenen Kindes, auch wenn es bereits erwachsen ist, gilt als der „schlimmste Verlust“ und als der „niederschmetterndste Todesfall“ überhaupt. Genau wie Jahrzehnte früher vorausgesagt fühlte sich Maria so, als würde ein Schwert sie durchbohren (Lukas 2:34, 35).

Ließ Maria zu, dass sie innerlich daran zerbrach oder dass durch diese letzte harte Probe ihr Glaube an Jehova erschüttert wurde? Nein, denn schon bei ihrer nächsten Erwähnung im Bibelbericht wird gesagt, dass sie und Jesu Jünger gemeinsam im Gebet „verharrten“. Auch Marias andere Söhne, die inzwischen an ihren älteren Bruder Jesus glaubten, waren nun bei ihr. Das muss für Maria ein unglaublicher Trost gewesen sein! (Apostelgeschichte 1:14). *

Maria war Gott ergeben und hatte ein wirklich ausgefülltes Leben: ob als Frau, als Ehefrau oder als Mutter. In Verbindung mit ihrem Glauben durfte sie viel Schönes erleben. Sie meisterte aber auch viele Schwierigkeiten und bestand so manche Bewährungsprobe. Wer heute vor unerwarteten Herausforderungen steht oder sich wegen familiärer Probleme große Sorgen macht, kann sich bestimmt an Marias Glauben und Durchhaltevermögen ein Beispiel nehmen (Hebräer 10:36).

Was lässt sich nun aber zu der religiösen Verehrung Marias sagen? Ist die einzigartige Rolle, die ihr in der Bibel zugeschrieben wird, ein Grund, sie zu verehren?

[Fußnoten]

^ Abs. 17 Eine der beiden Tauben wurde als ein Sündopfer dargeboten (3. Mose 12:6, 8). Maria erkannte damit an, dass sie, wie alle anderen unvollkommenen Menschen auch, die Folgen der Sünde Adams, des ersten Menschen, geerbt hatte (Römer 5:12).

^ Abs. 26 Ein Indiz dafür ist, dass Joseph während der Dienstzeit Jesu nicht mehr erwähnt wird, die anderen Familienangehörigen Jesu — seine Mutter, seine Brüder und Schwestern — dagegen schon. Beispielsweise wird beschrieben, dass Maria an dem Hochzeitsfest in Kana teilnahm und sogar recht initiativ wurde. Aber von Joseph fehlt jede Spur (Johannes 2:1-11). Bei einer anderen Gelegenheit wird Jesus von den Leuten seines Heimatorts nicht als der Sohn Josephs bezeichnet, sondern als „der Sohn der Maria“ (Markus 6:3).

^ Abs. 28 Mehr zum Thema Auferstehung finden Sie in dem von Jehovas Zeugen herausgegebenen Buch Was lehrt die Bibel wirklich? (Kapitel 7).

[Kasten/Bild auf Seite 6]

 Hatte Jesus Geschwister?

In den Evangelien finden sich mehrere Berichte, die das eindeutig bestätigen (Matthäus 12:46, 47; 13:54-56; Markus 6:3). Dennoch haben Theologen versucht, diese Tatsache wegzudiskutieren. Zu den Theorien, wonach Maria keine weiteren Kinder gehabt hat, lässt sich gemäß Bibelgelehrten allerdings zweierlei sagen: Man will damit eine Kirchenlehre aufrechterhalten, die erst viel später aufkam, nämlich die immerwährende Jungfräulichkeit Marias. Zum anderen halten die Theorien einer näheren Untersuchung einfach nicht stand.

Eine Theorie besagt zum Beispiel, die fraglichen „Brüder“ Jesu seien seine Stiefbrüder gewesen, Söhne aus einer früheren Ehe Josephs. Diese Annahme ist allerdings nicht haltbar, denn damit wäre Jesus das gesetzliche Recht verwehrt gewesen, als Erstgeborener das Königtum von David zu erben (2. Samuel 7:12, 13).

Eine andere Theorie lautet, die Brüder seien in Wirklichkeit Jesu Vettern gewesen, und das obwohl in der Bibel unterschiedliche griechische Wörter für „Bruder“, „Vetter“ und „Verwandter“ gebraucht werden. Der Gelehrte Frank E. Gaebelein hält diese theologischen Vorstellungen daher für „weit hergeholt“ und kommt zu dem Schluss, dass es „am naheliegendsten ist, das Wort ,Brüder‘ auf Söhne von Maria und Joseph zu beziehen und damit auf Brüder Jesu mütterlicherseits“.

[Kasten auf Seite 7]

 Sie hatte den Mut zur Veränderung

Maria kam in einer jüdischen Familie zur Welt und übte die jüdische Religion aus. In ihrem Heimatort ging sie zur Synagoge, wie der gottesdienstliche Versammlungsort der Juden genannt wird, und sie suchte den Tempel in Jerusalem auf. Als Maria dann aber immer mehr über den göttlichen Willen erfuhr, erkannte sie, dass Gott die Traditionen ihrer Vorfahren nicht mehr billigte. Geistliche Führer der Juden hatten ihren Sohn, den Messias, zu Tode bringen lassen. Bereits zuvor hatte Jesus ihnen eröffnet: „Seht! Euer Haus wird euch verödet überlassen“ (Matthäus 23:38). Das Religionssystem, in dem Maria aufgewachsen war, hatte nicht mehr den Segen Gottes (Galater 2:15, 16).

Als die Christenversammlung gegründet wurde, war Maria vielleicht so um die 50. Hielt sie sich für zu alt, ihre Religion zu wechseln? Oder war es für sie ein Argument, dass ja schon ihre Eltern und Großeltern den jüdischen Glauben hatten und dass sie daher den Traditionen treu bleiben wolle? Ganz und gar nicht. Maria verstand, dass Gottes Segen nun auf der Christenversammlung ruhte, und aus Glauben hatte sie den Mut zur Veränderung.

[Bild auf Seite 5]

Auf der Flucht nach Ägypten

[Bild auf Seite 8]

Das Schlimmste, was man sich für eine Mutter vorstellen kann