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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM DEZEMBER 2008

Nach Irrtümern gesucht, die Wahrheit gefunden

Nach Irrtümern gesucht, die Wahrheit gefunden

  Nach Irrtümern gesucht, die Wahrheit gefunden

Erzählt von R. Stuart Marshall

„Mit Zeugen Jehovas diskutieren wir nicht“, sagte der Jesuit. „Sie argumentieren mit der Bibel.“ Mit dieser Antwort hätte ich nicht gerechnet; schließlich hatte ich ihn gerade gebeten, meiner Frau zu zeigen, welche Ungereimtheiten die Lehre der Zeugen Jehovas enthält. Also bat ich die Zeugen, mit mir die Bibel zu studieren, um ihr das selbst zu beweisen.

DAMALS war ich 43 und fest entschlossen, einige Lehren von Jehovas Zeugen mithilfe meiner Logik- und Theologiekenntnisse zu widerlegen. Von der Grundschule bis zum College hatte ich ausschließlich katholische Einrichtungen besucht. Für meinen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften (1969) besuchte ich auch die Pflichtvorlesungen in Philosophie und Theologie; mit der Bibel musste ich mich während meiner ganzen katholisch geprägten Ausbildung allerdings nie näher befassen.

Nach dem College heiratete ich Patricia McGinn, die ebenfalls katholisch war. Später promovierten wir beide an der Stanford-Universität (Kalifornien). Nachdem 1977 unser Sohn Stuart zur Welt gekommen war, ließen wir uns in Sacramento nieder. In den nächsten 23 Jahren arbeitete ich im kalifornischen Amt für Haushaltsanalyse. Meine Aufgabe bestand darin, Bildungsbudgets zu analysieren und zu prüfen. Ich arbeitete viel und verdiente gut. Außerdem genoss ich meine Vaterrolle und freute mich, meinen Sohn heranwachsen zu sehen. Meine Frau gab mir alle Unterstützung, die ich mir nur wünschen konnte, und auch ich war immer für sie da.

Die 25-Cent-Antwort

Als unser Sohn 2 Jahre alt war, erhielt Patricia von Zeugen Jehovas eine Bibel und nahm das Angebot einer Bibelbetrachtung an. Drei Jahre später ließ sie sich als Zeugin Jehovas taufen. Obwohl mir die Ansichten der Zeugen zu Feiertagen und Bluttransfusionen engstirnig vorkamen, fand ich ihre Argumentation auf anderen Gebieten durchaus überzeugend. 1987 bezog ich zu meiner eigenen Überraschung sogar einmal Stellung für sie. Ich nahm an einer gemeinsamen Anhörung der Bildungsausschüsse beider Kammern des Parlaments teil und sollte dort meine zuvor gegebene Empfehlung erläutern.

Die Universität von Kalifornien hatte Geldmittel beantragt, um als Mitbewerber für ein Bundesprojekt auftreten zu können, das auf etwa sechs Milliarden Dollar veranschlagt war. Dabei ging es um den Bau eines supraleitenden Teilchenbeschleunigers zur Erforschung subatomarer Elementarteilchen. Ich hatte mich bereits gegen eine Unterstützung des Projekts ausgesprochen, da der wirtschaftliche Nutzen für Kalifornien langfristig eher gering wäre. Die Universität hielt dagegen und lud zwei Physik-Nobelpreisträger ein, die sich  vor dem Parlament dazu äußern sollten. Beide beschrieben, welche Erkenntnisse von diesem Projekt zu erwarten seien. Einer sagte, es könne dazu beitragen, Fragen über den Ursprung des Universums zu beantworten. Der andere meinte, es würde Licht auf den Anfang des Lebens auf unserem Planeten werfen.

Der Vorsitzende wandte sich an mich:

„Sie meinen also, die Antwort auf diese Fragen ist keine sechs Milliarden Dollar wert?“

„Natürlich sind das wichtige Fragen“, antwortete ich. „Doch wenn am Samstagvormittag die Zeugen Jehovas vor der Tür stehen, bieten sie mir für eine Spende von 25 Cent eine Zeitschrift an, die diese Fragen ebenfalls beantwortet. Und ich weiß nicht, ob ihre 25-Cent-Antwort nicht vielleicht sogar besser ist als die 6-Milliarden-Dollar-Antworten, die wir durch dieses Projekt erhalten sollen.“

Alle Anwesenden brachen in schallendes Gelächter aus, die beiden Nobelpreisträger eingeschlossen. Der Finanzierungsantrag für das Projekt wurde zwar genehmigt, doch niemand widersprach meiner Bemerkung.

Bei uns zu Hause entwickelten sich die Dinge unterdessen immer mehr in eine Richtung, die mir nicht gefiel. Ich musste unbedingt etwas unternehmen. Sechs Jahre hatte ich immer wieder mit Patricia über die Bibel und die Zeugen Jehovas debattiert. Jetzt eröffnete sie mir auch noch, dass sie gern mehr Zeit einsetzen würde, um mit anderen über die Bibel zu sprechen. Ich war entsetzt, denn dafür wollte sie sogar ihre Arbeit an der Universität einschränken. Mir wollte einfach nicht in den Kopf, wie ein normalerweise vernünftiger Mensch solch ein Ziel verfolgen konnte. Aber sie ließ sich nicht beirren, egal, was ich sagte oder tat.

Ich wandte mich an einen Experten, jemand, der die Bibel bestimmt besser kannte als ich und mit Leichtigkeit die Widersprüche zwischen den Lehren der Zeugen Jehovas und der Bibel aufdecken könnte. Wenn es gelänge, ihnen auch nur eine unbiblische Lehre nachzuweisen, wären die anderen gleichfalls infrage gestellt. Das müsste doch reichen, um an Patricias rationales Denken zu appellieren, dachte ich. Ich bat also den Priester unserer früheren Kirchengemeinde, einen Jesuiten, um Hilfe. Das Treffen endete wie eingangs beschrieben. Da der Geistliche sich weigerte, mit meiner Frau zu sprechen, blieb mir keine andere Wahl, als Patricia selbst die Ungereimtheiten zu zeigen, auch wenn das etwas länger dauern würde.

Vergebliche Suche nach Fehlern

Ich ließ mir also von den Zeugen die Bibel erklären — und war beeindruckt, vor allem von den biblischen Prophezeiungen. Im Buch Jesaja las ich Einzelheiten über die Eroberung Babylons, die er fast 200 Jahre im Voraus aufgeschrieben hatte. Jesaja hatte nicht nur den Namen des Eroberers,  Cyrus, vorausgesagt, sondern auch dessen Taktik, den Euphrat umzuleiten, um Babylon einnehmen zu können (Jesaja 44:27 bis 45:4). Jahre zuvor hatte ich mich in einer Vorlesung über Militärstrategie mit der Einnahme Babylons befasst. Wie ich weiter erfuhr, prophezeite auch Daniel mehr als 200 Jahre im Voraus erstaunliche Details über einen mächtigen griechischen Herrscher, dessen Königreich nach seinem Tod in vier weniger bedeutende Reiche zerfallen würde (Daniel 8:21, 22). Aus meinem Studium der alten Geschichte war mir bekannt, dass das exakt auf Alexander den Großen zutraf. Als ich der Sache auf den Grund ging und in einschlägigen Werken nachforschte, konnte ich mich davon überzeugen, dass diese Bibelbücher tatsächlich lange vor den darin prophezeiten Ereignissen geschrieben worden waren.

Je länger ich die Bibel studierte, desto mehr wuchs meine Überzeugung, dass sie Gottes Wort ist — etwas, was mir das jahrelange Studium der katholischen Theologie nicht vermittelt hat. Was würde ich mit diesem Wissen anfangen? Ich beschloss, mich Jehova hinzugeben und einer seiner Zeugen zu werden (Jesaja 43:10). 1991, gerade einmal zwei Jahre nach dem erwähnten Gespräch mit dem Priester, ließ ich mich taufen. Im Jahr darauf unternahm unser Sohn den gleichen Schritt.

Jetzt, wo unsere Familie neue Prioritäten hatte, überdachten wir auch unsere Ziele. Nach meiner Taufe arbeitete ich für meine Frau einen Plan aus, wie sie in den kommenden fünf Jahren ihre Lehrtätigkeit an der Universität reduzieren und mit 50 ganz aufhören konnte. Sie wollte Pionierin werden, was damals bedeutete, 1 000 Stunden im Jahr, also etwas mehr als 80 Stunden im Monat, einzusetzen, um anderen zu helfen, die biblische Wahrheit kennenzulernen. 1994 hatte sie ihre Arbeitszeit ausreichend reduziert und konnte mit dem Pionierdienst anfangen. Meine Ziele waren zunächst, ein guter Prediger zu werden und mich in unserer Gemeinde zu engagieren. Außerdem bot ich an, beim Bau von Königreichssälen in unserer Region die Buchführung zu übernehmen.

Gelegentlich konnte ich auch bei der Arbeit über die Bibel sprechen. Als einmal eine neue Budget-Analytikerin bei uns anfing, stellte sich heraus, dass sie eine Zeugin Jehovas war. Allerdings praktizierte sie ihren Glauben nicht mehr, weil sie Zweifel an der Bibel hatte. Ich bin froh, dass ich ihr helfen konnte, zum Glauben zurückzufinden. Als sie später in ihren Heimatstaat zurückkehrte, wurde sie ebenfalls Pionier.

1995 nahm ich an einer gemeinsamen Sondersitzung der Bildungsausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus teil. Der Vorsitzende fragte den Vertreter der Bundesregierung, was eigentlich aus dem supraleitenden Teilchenbeschleuniger geworden sei. Dieser erklärte, den Zuschlag zu dem Projekt habe Texas erhalten, aber aus drei Gründen sei es nie fertiggestellt worden. Erstens, seien die Kosten noch vor Baubeginn von sechs auf neun Milliarden Dollar gestiegen. Zweitens benötigte die Bundesregierung ihr Geld anderswo, nämlich für den Golfkrieg von 1991. Und drittens habe man erfahren, dass die Antworten auf die elementaren Fragen bei Jehovas Zeugen für nur 25 Cent zu haben sind. Offensichtlich hatte meine damalige Bemerkung ziemliche Kreise gezogen!

Alle lachten und einige Ausschussmitglieder schauten mich an. Ich nutzte die Gelegenheit, sie auf den neusten Stand zu bringen, und sagte: „Mittlerweile können Sie die Antworten sogar gratis erhalten. Sie müssen die Literatur nur lesen.“

Ein ausgefülltes und sinnvolles Leben

Nachdem meine Frau aus dem Arbeitsleben ausgeschieden war, stellten wir auch für mich einen 5-Jahres-Plan auf. Ich wollte mehr Zeit haben, um anderen zu zeigen, was die Bibel wirklich lehrt, und erkundigte mich diskret bei anderen Behörden nach der Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. Völlig unerwartet bot mir jedoch meine eigene Behörde an, die Arbeitszeit zu reduzieren. So konnte ich 1998 ebenfalls Pionier werden.

Eines Morgens wollten Patricia und ich gerade in den Predigtdienst aufbrechen, als wir einen Anruf von der amerikanischen Zweigstelle der Zeugen Jehovas in Brooklyn (New York) erhielten. Bei einer früheren Gelegenheit hatte ich meine Dienste angeboten und jetzt wurde ich gefragt, ob  ich bereit wäre, an einem Projekt in Brooklyn mitzuarbeiten. Ich sagte sofort zu. So kam es, dass wir insgesamt 18 Monate in der Weltzentrale mithalfen. Um das Projekt beenden zu können, ließ ich mich schließlich vom Staat Kalifornien vorzeitig pensionieren. Danach gingen wir zum Bau des Kongresssaals in Fairfield (Kalifornien). Wir verkauften unser Haus in Sacramento und zogen in eine kleine Wohnung in Palo Alto. Durch meine vorzeitige Pensionierung boten sich uns weitere schöne Möglichkeiten, uns einzusetzen. Seitdem konnten wir bei Projekten in mehreren Zweigstellen mitwirken: in Nigeria, Südafrika, Kanada, Großbritannien und Deutschland.

Genauso gern wie die Glaubensbrüder, die uns damals geholfen haben, vermitteln meine Frau und ich heute anderen die biblische Wahrheit. Ich bin ehrlich überzeugt, dass mir die Schulung von Jehova mehr gibt als alles andere, was ich außerdem gelernt habe. Sie ist vielseitiger und umfassender als jedes andere Bildungsprogramm. Jehova sorgt dafür, dass seine Zeugen die biblische Wahrheit auf eine Weise weitergeben können, die sowohl den Verstand als auch das Herz anspricht. Diese Schulung motiviert mich, immer weiter zu lernen. Meine Frau und ich sind dankbar für das sinnvolle Leben, das wir heute führen; unsere Bildung setzen wir sehr gern ein, um Jehova Gott, dem Souverän des Universums, zu dienen.

[Herausgestellter Text auf Seite 27]

Bei meinen Gesprächen mit den Zeugen beeindruckten mich vor allem die biblischen Prophezeiungen

[Bild auf Seite 27]

Patricia und ich bei unserer Hochzeit

[Bild auf Seite 29]

Es macht uns Freude, anderen die biblische Wahrheit zu vermitteln