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Jehovas Zeugen

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DER WACHTTURM NOVEMBER 2008

Was hat Jesus über die Hölle gelehrt?

Was hat Jesus über die Hölle gelehrt?

 Was hat Jesus über die Hölle gelehrt?

Jesus sagte: „Wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“ (Markus 9:47, 48, Einheitsübersetzung).

Bei einer anderen Gelegenheit beschrieb Jesus, wie er über die Bösen Gericht hält: „Geht mir aus den Augen, Gott hat euch verflucht! Fort mit euch in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist!“ Jesus sprach in diesem Zusammenhang auch von einer „ewigen Strafe“ (Matthäus 25:41, 46, Gute Nachricht Bibel).

BEIM Lesen dieser Texte könnte man denken, Jesus würde die Lehre vom Höllenfeuer stützen. Allerdings wollte er bestimmt nicht der biblischen Aussage widersprechen: „Die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen nichts“ (Prediger 9:5, Lutherbibel).

Was meinte er dann mit den Worten, die Bösen würden „in die Hölle“ geworfen werden? Ist das „ewige Feuer“, von dem er sprach, symbolisch oder buchstäblich zu verstehen? Was ist mit der „ewigen Strafe“ für die Bösen gemeint? Gehen wir einmal näher auf diese Fragen ein.

Was meinte Jesus mit den Worten, die Bösen würden „in die Hölle“ geworfen werden? Das Wort „Hölle“ in Markus 9:47 ist eine Übersetzung des griechischen Wortes géenna. Es leitet sich von den hebräischen Wörtern und hinnóm ab, die „Tal Hinnom“ bedeuten. Dieses Tal befand sich gleich außerhalb Jerusalems. Zur Zeit der israelitischen Könige praktizierte man dort etwas Abscheuliches: Man opferte Kinder. Gott kündigte allen, die einen solchen Akt der falschen Anbetung verübten, die Vernichtung an. Das Hinnomtal sollte dann „Mordtal“ genannt werden. Dort würden „die Leichen dieses  Volkes“ ohne Begräbnis liegen bleiben (Jeremia 7:30-34, Gute Nachricht Bibel). Jehova hat damit vorhergesagt, dass das Hinnomtal einmal zu einem Massengrab werden würde — nicht zu einem Ort, an dem Menschen gequält werden.

Zur Zeit Jesu benutzten die Einwohner Jerusalems das Hinnomtal als Müllhalde. Außerdem warfen sie die Leichen einiger Schwerverbrecher dorthin. Man unterhielt dort ein ständig brennendes Feuer, um den Abfall und die Leichen zu beseitigen.

Als Jesus davon sprach, dass der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt, bezog er sich anscheinend auf Jesaja 66:24. Dort heißt es über die Leichname der Menschen, die Gott abtrünnig geworden waren: „Ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen“  (Lutherbibel). Jesus und seine Zuhörer wussten, dass sich diese Worte Jesajas auf Personen bezogen, die kein Begräbnis verdienten.

Daher gebrauchte Jesus das Hinnomtal oder die Gehenna als treffenden Vergleich für einen Tod, aus dem es keine Auferstehung gibt. Er bekräftigte diesen Gedanken noch, als er von Gott sagte, dass er „Seele und Leib in der Gehenna zu verderben vermag“ (Matthäus 10:28, Schumacher). Die Gehenna symbolisiert somit ewigen Tod — nicht ewige Qual.

Ist das „ewige Feuer“, von dem Jesus sprach, symbolisch oder buchstäblich zu verstehen? Das „ewige Feuer“, das Jesus in Matthäus 25:41 erwähnte, ist für „den Teufel und seine Engel vorbereitet“. Wäre es logisch zu glauben, buchstäbliches Feuer könne einem Geistwesen etwas ausmachen? Ist es nicht naheliegend, dass Jesus hier ein symbolisches Feuer meinte? Jesus sprach in diesem Zusammenhang übrigens auch von „Schafen“ und „Böcken“, die genauso wenig buchstäblich zu verstehen sein können. Sie stellen zwei Gruppen von Menschen dar (Matthäus 25:32, 33). Das „ewige Feuer“ verbrennt die Bösen somit auf sinnbildliche Weise.

Was ist mit der „ewigen Strafe“ für die Bösen gemeint? Viele Bibeln sprechen in Matthäus 25:46 von einer „Strafe“. Die Grundbedeutung des entsprechenden griechischen Wortes kólasin ist „Bäume beschneiden“, das heißt Überflüssiges abschneiden. Die Menschen, die Jesus mit Schafen vergleicht, erhalten ewiges Leben, während reuelose Sünder, die er mit Böcken vergleicht, als „ewige Strafe“ für immer vom Leben abgeschnitten werden.

 Zu welchem Schluss muss man kommen?

Jesus sagte mit keinem Wort, dass Menschen eine unsterbliche Seele haben. Er erwähnte aber oft die Auferstehung der Toten (Lukas 14:13, 14; Johannes 5:25-29; 11:25). Warum sollte Jesus von einer Auferstehung sprechen, wenn er der Überzeugung gewesen wäre, dass die Seelen gar nicht sterben?

Jesus lehrte nicht, dass Gott so grausam ist und die Bösen für immer quält. Er sagte vielmehr: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Johannes 3:16, Einheitsübersetzung). Jesus deutete hier an, dass alle, die nicht an ihn glauben, sterben werden. Würden sie für immer leben und gequält werden, hätte er sie dann nicht davor gewarnt?

Die Höllenlehre ist unbiblisch. Es handelt sich dabei um eine heidnische Vorstellung, die als christliche Lehre hingestellt wird. (Siehe den Kasten „Ein Überblick über die Geschichte der Hölle“ auf Seite 6.) Gott käme es nie in den Sinn, jemanden in der Hölle zu quälen. Wie kann es sich auf das Verhältnis zu Gott auswirken, wenn man die Wahrheit über die Hölle kennt?

[Kasten auf Seite 6]

EIN ÜBERBLICK ÜBER DIE GESCHICHTE DER HÖLLE

HEIDNISCHER URSPRUNG: Die alten Ägypter glaubten an eine Feuerhölle. In dem Buch Am-Tuat (1375 v. u. Z.) heißt es: „Du sollst mit dem Kopf zuerst in die Feuergruben geschleudert werden. Du sollst nicht daraus entkommen, du sollst nicht imstande sein zu fliehen vor den Flammen“. Der griechische Philosoph Plutarch (um 46 bis 120 u. Z.) sagte von den Bewohnern der Unterwelt: „Sie waren schrecklichen Qualen und entehrenden, schmerzhaften Strafen unterworfen, jammerten . . . und weinten laut auf“.

JÜDISCHE SEKTEN BEEINFLUSST: Wie der Geschichtsschreiber Josephus (37 bis um 100 u. Z.) berichtet, glaubten die Essener, dass „die Seelen unsterblich seien für immer und ewig“. Weiter sagte er: „Mit den Söhnen Griechenlands stimmen sie in der Lehre überein . . . Auf die Schlechten harrt nach ihrer Meinung eine finstere, eiskalte Höhle, der Ort ewiger Strafe.“

VOM „CHRISTENTUM“ ÜBERNOMMEN: In dem apokryphen Buch Die Apokalypse Petri aus dem 2. Jahrhundert u. Z. wird über die Bösen gesagt: „Für sie wird ein Feuer angezündet, das nicht verlöscht.“ Dort heißt es auch: „Der Engel des Zorns, Esrael, bringt Männer und Frauen herbei, die bis zur Hälfte ihres Körpers brennen. Der Engel wirft sie an einen finsteren Ort, in die Hölle. Ein Engel des Zorns peinigt sie.“ Um die gleiche Zeit zitierte der Kirchenschriftsteller Theophilus von Antiochia die griechische Prophetin Sibylle. Sie sagte über die Bösen: „Deshalb wird euch die Glut des verzehrenden Feuers erfassen, und in lodernder Lohe in Ewigkeit werdet ihr brennen täglich.“ Diese Worte reihte Theophilus unter die Dinge ein, „die wahr, nützlich, gerecht und für alle Menschen gut gemeint sind“.

ZUR RECHTFERTIGUNG VON GEWALT IM MITTELALTER: Die englische Königin Maria I. (1553 bis 1558) ließ fast 300 Protestanten auf dem Scheiterhaufen verbrennen, was ihr den Namen „Bloody Mary“ einbrachte. Sie soll gesagt haben: „Da die Seelen von Häretikern im Jenseits ewig in der Hölle brennen werden, ist es nur richtig, dass ich den göttlichen Racheakt nachahme und sie schon auf der Erde verbrenne.“

EINE NEUERE ERKLÄRUNG: Einige Kirchen haben ihre Ansicht über die Hölle revidiert. Die Lehrkommission der Kirche von England erklärte 1995: „Mit der Hölle ist nicht ewige Qual gemeint, sondern die endgültige und unwiderrufliche Erwählung dessen, was so umfassend und absolut im Widerspruch zu Gott steht, dass völlige Nichtexistenz die einzige Folge ist.“

[Kasten/Bild auf Seite 7]

WAS IST DER „SEE VON BRENNENDEM SCHWEFEL“?

In Offenbarung 20:10 heißt es, der Teufel werde „in den See von brennendem Schwefel geworfen“ und „Tag und Nacht . . . gequält, in alle Ewigkeit“ (Einheitsübersetzung). Wäre das eine buchstäbliche Qual, müsste Gott den Teufel am Leben erhalten. In der Bibel heißt es aber, dass Jesus ihn „vernichten“ wird (Hebräer 2:14, Gute Nachricht Bibel). Der Feuersee symbolisiert „den zweiten Tod“ (Offenbarung 21:8). Dabei handelt es sich nicht um den durch Adam verursachten Tod, von dem man auferweckt werden kann (1. Korinther 15:21, 22). Die Bibel sagt nicht, dass man aus dem „See von brennendem Schwefel“ je wieder herauskommt. Aus dem „zweiten Tod“ gibt es demnach keine Auferstehung.

In welchem Sinn werden dann diejenigen, die sich im Feuersee befinden, ewig gequält? Mit „quälen“ ist manchmal auch gemeint, jemanden zu verbannen. Als Jesus einmal Dämonen begegnete, riefen sie: „Bist du hergekommen, um uns schon vor der Zeit zu quälen [„in den Abgrund verbannen“]?“ (Matthäus 8:29, Lukas 8:30, 31, Gute Nachricht Bibel). Wer sich in diesem See befindet, erleidet somit die Strafe ewiger Verbannung — den „zweiten Tod“.