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DER WACHTTURM APRIL 2008

Das alte Königreich Lydien und seine Bedeutung für uns

Das alte Königreich Lydien und seine Bedeutung für uns

 Das alte Königreich Lydien und seine Bedeutung für uns

LYDIEN? Wer von diesem alten Königreich noch nie gehört hat, wird überrascht sein, zu erfahren, dass eine dortige Entdeckung Wirtschaft und Handel in aller Welt beeinflusst hat. Genauso überraschend dürfte es für so manchen Bibelleser sein, dass diese Entdeckung eine rätselhaft erscheinende Prophezeiung richtig verstehen hilft. Worum handelt es sich? Befassen wir uns zunächst etwas näher mit Geschichte und Kultur dieses fast vergessenen Reiches.

 Die Könige Lydiens residierten in Sardes, einer Stadt im Westen Kleinasiens (heute Türkei). Lydiens letzter König, Krösus, häufte sagenhafte Schätze auf, verlor sein Reich aber um 546 v. u. Z. an den Perserkönig Cyrus den Großen — genau den Cyrus, der wenige Jahre später das Babylonische Reich eroberte.

Lydiens erfinderische Geschäftsleute sollen zu den Ersten gehört haben, die Münzgeld verwendeten. Gold und Silber waren zwar schon lange vorher als Zahlungsmittel üblich, aber wegen der uneinheitlichen Größe der barren- oder ringförmigen Goldstücke musste das Geld bei jedem Geschäft erst umständlich abgewogen werden. Der israelitische Prophet Jeremia zum Beispiel schrieb über einen Grundstückskauf: „Ich begann ihm das Geld darzuwiegen, sieben Schekel und zehn Silberstücke“ (Jeremia 32:9).

Ungefähr zur gleichen Zeit setzte sich in Lydien eine Erfindung durch, die den Handel wesentlich erleichterte: gemünztes Geld, dessen einheitliches Gewicht durch eine amtliche Wappenprägung auf jeder Münze garantiert war. Die ersten Münzen bestanden aus Elektron, einer natürlich vorkommenden Gold-Silber-Legierung. Als Krösus König wurde, ersetzte er sie durch Münzen aus nahezu reinem Gold oder Silber. Die Lyder führten eine Bimetallwährung ein, bei der 12 Münzen mit geringerem Nennwert dem einer Münze aus edlerem Metall entsprachen. Allerdings gab es eine Bedrohung für die Stabilität dieses Währungssystems: Falschgeld aus Goldmünzen, die mit minderwertigen Metallen gestreckt waren. Händler brauchten eine einfache Methode, Goldmünzen auf ihre Echtheit zu prüfen.

Die Lyder entdeckten, dass sich ihr Problem mit dem Lydit lösen ließ, einem in ihrer Gegend vorkommenden feinkörnigen schwarzen Stein mit glatter Oberfläche. Reibt man eine Münze daran, hinterlässt das einen Strich. Dessen Farbe wird mit der Strichfarbe von sogenannten Probiernadeln verglichen, deren Goldgehalt bekannt ist. So lässt sich der Goldgehalt der Münze leicht ermitteln. Dieser Test mit dem Probier- oder Prüfstein war der Schlüssel zu einer zuverlässigen Währung. Doch wie hilft uns dieses Wissen, biblische Aussagen besser zu verstehen?

„Prüfsteine“ in der Bibel

Als der Prüfsteintest im Handel üblich wurde, nahm das dafür verwendete Wort allmählich auch die übertragene Bedeutung eines Prüfungs- oder Erprobungsmittels an. Irgendwann bezeichnete man in Griechisch, der Sprache, in der Teile der Bibel verfasst wurden, damit die Qual oder Tortur der Folter, der jemand zur Wahrheitsfindung unterworfen wurde.

Angewandt wurde die Folter gewöhnlich von Gefängniswärtern, weshalb man sie schließlich ebenfalls mit einem von „Prüfstein“ abgeleiteten Wort bezeichnete. So enthält die Bibel ein Gleichnis Jesu, in dem ein undankbarer Sklave den „Gefängniswärtern“ oder „Gefängnisaufsehern“ — nach manchen Übersetzungen auch „Folterknechten“ oder „Peinigern“ — überliefert wurde (Matthäus 18:34, Neue-Welt-Übersetzung; Das jüdische Neue Testament; revidierte Elberfelder Bibel; Lutherbibel). Dazu heißt es in The International Standard Bible Encyclopaedia: „Wahrscheinlich wurde die Einkerkerung als ‚Qual‘ betrachtet (was sie zweifellos auch war), und die ‚Peiniger‘ wären dann nichts anderes als Gefängniswärter gewesen.“ Das erhellt die Bedeutung eines schwer verständlich erscheinenden Bibeltextes.

Lösung eines Rätsels

Personen, die sich ernsthaft mit der Bibel beschäftigen, haben seit jeher gerätselt, was später einmal aus Satan, dem Teufel, wird. Die Bibel sagt darüber: „Der Teufel . . . wurde in den Feuer-  und Schwefelsee geschleudert, wo schon sowohl das wilde Tier als auch der falsche Prophet waren; und sie werden Tag und Nacht gequält werden für immer und ewig“ (Offenbarung 20:10). Jemand zu einem ewigen Leben endloser Qual zu verdammen ließe sich überhaupt nicht mit Jehovas Eigenschaften der Liebe und Gerechtigkeit vereinbaren (Jeremia 7:31). Davon abgesehen wird ewiges Leben in der Bibel nicht als Strafe bezeichnet, sondern als ein Geschenk (Römer 6:23). Offenbarung 20:10 kann also nicht buchstäblich zu verstehen sein. Bei dem „wilden Tier“ und dem „Feuersee“ handelt es sich ja um Symbole (Offenbarung 13:2; 20:14). Ist möglicherweise auch die Qual ein Sinnbild? Was könnte damit gemeint sein?

Wie wir gesehen haben, kommt das griechische Wort für „Qual“ von dem Wort für „Prüfstein“ und kann sich auf die Qual beziehen, eingesperrt zu sein. Mit Satans ewiger „Qual“ kann demnach gemeint sein, dass er ewig in dem sichersten Gefängnis überhaupt weggesperrt werden wird — dem Tod.

Es gibt noch einen Aspekt des in Lydien erfundenen Prüfsteintests, der uns hilft, den scheinbaren Widerspruch zwischen Satans ewiger „Qual“ und Gottes Liebe aufzulösen. In manchen Sprachen versteht man unter einem Prüfstein auch einen Beurteilungsmaßstab. In Deutsch zum Beispiel wird das Wort definiert als „etwas, woran sich etwas oder jemand bewähren beziehungsweise woran sich etwas als richtig erweisen muss“. Mit der ewigen „Qual“ Satans wird somit angedeutet, dass das Gericht an ihm als ewiger Probier- oder Prüfstein dienen wird, sollte sich je wieder irgendjemand gegen Jehova auflehnen. Nie mehr muss eine Herausforderung seiner Herrschaft über längere Zeit geprüft werden, um sie zu widerlegen.

Weiß man, warum sich der in Lydien erfundene Test mit dem Prüfstein überall im Handel durchsetzte und welcher übertragene Wortgebrauch daraus entstand, kann man besser verstehen, was aus Satan wird. Sein Geschick wird für immer als Beurteilungsmaßstab dienen, sodass es für Gott nie wieder erforderlich werden wird, eine Rebellion zuzulassen (Römer 8:20).

[Herausgestellter Text auf Seite 23]

Mit der ewigen „Qual“ Satans wird angedeutet, dass das Gericht an ihm als ewiger Probier- oder Prüfstein dienen wird

[Karte auf Seite 21]

(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

Schwarzes Meer

LYDIEN

SARDES

Mittelmeer

[Bild auf Seite 21]

Ruinen beim alten Sardes

[Bild auf Seite 22]

In alter Zeit wurde Geld abgewogen

[Bildnachweis]

E. Strouhal/Werner Forman/Art Resource, NY

[Bilder auf Seite 22, 23]

Die Prüfsteinmethode hat bis heute überdauert

[Bildnachweis]

Münzen: Mit frdl. Gen. Classical Numismatic Group, Inc.; Prüfstein: Science Museum/Science & Society Picture Library

[Bildnachweis auf Seite 21]

Elektronmünze: Mit frdl. Gen. Classical Numismatic Group, Inc.