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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  November 2016

 AUS UNSEREM ARCHIV

„Königreichsverkündiger in Großbritannien — wacht auf!!“

„Königreichsverkündiger in Großbritannien — wacht auf!!“

ES KLANG wie ein Fanfarenstoß: „Königreichsverkündiger in Großbritannien — wacht auf!!“ (englischer Informator *, Dezember 1937, Londoner Ausgabe). Der Untertitel fügte ernüchternd hinzu: „Keine auffallende Mehrung in zehn Jahren.“ Ein Predigtdienstbericht der Jahre 1928 bis 1937 auf der ersten Seite bestätigte das.

ZU VIELE PIONIERE?

Warum hatte der Predigtdienst in Großbritannien an Schwung verloren? Die Versammlungen waren offensichtlich „in einen Trott“ verfallen und machten einfach im gleichen Tempo weiter wie die Jahre zuvor. Außerdem hatte der Zweig festgelegt, das Gebiet sei nur für ungefähr 200 Pioniere ausgelegt. Sie waren in abgelegenen Gebieten tätig, statt mit Versammlungen zusammenzuarbeiten. Alle neuen Pioniere wurden von nun an vom Zweig gebeten, sich in anderen europäischen Ländern einzusetzen. Erfreulicherweise tat das ein stetiger Strom von Pionieren: Sie zogen von Großbritannien in andere Länder, zum Beispiel nach Frankreich, obwohl sie die Sprache kaum oder gar nicht beherrschten.

EIN AUFRUF ZUR TÄTIGKEIT

Der Artikel im Informator von 1937 steckte für 1938 ein herausforderndes Ziel: eine Million Stunden! Das konnte leicht erreicht werden, wenn Verkündiger 15 und Pioniere 110 Stunden im Monat einsetzen würden. Unter anderem wurde vorgeschlagen, für Predigtdienstgruppen 5-Stunden-Tage zu organisieren und sich besonders an den Abenden unter der Woche auf Rückbesuche zu konzentrieren.

Pioniere beteiligten sich begeistert am Predigtdienst

Den Schwerpunkt wieder mehr auf den Predigtdienst zu legen begeisterte viele. Hilda Padgett * erinnerte sich: „Diesen Aufruf vom Hauptbüro, mit anzupacken, hatten die meisten von uns herbeigesehnt, und er brachte schon bald wunderbare Ergebnisse.“ Schwester E. F. Wallis berichtete: „Der Vorschlag mit dem 5-Stunden-Tag war großartig. Was hätte mehr Freude bereitet, als den ganzen Tag für den Herrn tätig zu sein? . . . Wir kamen oft müde, aber glücklich zurück!“ Der junge Stephen Miller spürte die Dringlichkeit und reagierte auf den Aufruf; solange er Gelegenheit dazu hatte, wollte er sich einsetzen. Er erinnerte sich an Gruppen, die mit ihren Fahrrädern den ganzen Tag im Dienst unterwegs waren und an Sommerabenden Schallplattenvorträge abspielten. Sie beteiligten sich eifrig an Informationsmärschen mit Plakaten und boten im Straßendienst Zeitschriften an.

Der Informator ließ auch den begeisternden Appell ergehen: „Wir benötigen ein Heer von 1 000 Pionieren.“ Für die Gebietsbearbeitung gab es eine neue Verfahrensweise. Pioniere sollten nicht mehr getrennt von den Versammlungen, sondern gemeinsam mit ihnen tätig sein, um sie zu unterstützen und zu stärken. Joyce Ellis (geb. Barber) erinnert sich:  „Vielen Brüdern ist plötzlich bewusst geworden, dass sie Pionier werden mussten.“ „Obwohl ich zu dieser Zeit erst 13 war“, erzählt sie, „war es das, was ich wollte; ich wollte Pionier sein.“ Im Juli 1940 erreichte sie mit 15 ihr Ziel. Peter, der später Joyce heiratete, vernahm den „Weckruf“ und begann über den Pionierdienst nachzudenken. Im Juni 1940, im Alter von 17, radelte er 105 Kilometer nach Scarborough, um seine neue Pionierzuteilung anzutreten.

Cyril und Kitty Johnson waren beispielhaft für die hingebungsvollen neuen Pioniere. Um den Vollzeitdienst zu finanzieren, verkauften sie ihr Haus und anderen Besitz. Cyril kündigte seine Arbeit und innerhalb eines Monats konnten sie mit dem Pionierdienst beginnen. Er erinnerte sich: „Wir waren guter Dinge und taten es gern und freudig.“

PIONIERHEIME ERÖFFNET

Die Zahl der Pioniere nahm drastisch zu. Verantwortliche Brüder überlegten, wie man dieses wachsende Heer praktisch unterstützen könnte. Jim Carr, der 1938 als Zonendiener (heute Kreisaufseher genannt) tätig war, folgte der Empfehlung, in Städten Pionierheime einzurichten. Pioniere wurden ermuntert, als Gruppe zusammenzuwohnen und zu predigen, und so Kosten zu senken. Man mietete in Sheffield ein großes Haus und übertrug einem Bruder die Verantwortung dafür. Von der Ortsversammlung wurden Mittel und Möbel beigesteuert. Jim erinnerte sich: „Jeder trug zum Erfolg bei.“ Die zehn fleißigen Pioniere dort bewahrten sich gute geistige Gewohnheiten. „Am Frühstückstisch wurde immer der [Tages]text besprochen“ und „jeden Tag gingen die Pioniere in ihr Gebiet, das in verschiedenen Teilen der Stadt lag.“

In Großbritannien strömten neue Pioniere ins Gebiet

Verkündiger und Pioniere reagierten auf den Aufruf und erreichten 1938 das Ziel von einer Million Stunden. Laut Berichten gab es in Großbritannien in jedem Bereich des Dienstes Zunahmen. In nur fünf Jahren verdreifachte sich fast die Zahl der Verkündiger. Sich wieder auf das Königreichswerk zu konzentrieren stärkte Jehovas Volk für die bevorstehenden schwierigen Kriegsjahre.

Während Gottes Krieg von Harmagedon näher kommt, nimmt heute die Zahl der Pioniere in Großbritannien erneut zu. In den vergangenen zehn Jahren konnte man neue Höchstzahlen verzeichnen; im Oktober 2015 waren es 13 224 Pioniere. Diesen Pionieren ist völlig bewusst, dass der Vollzeitdienst eine der besten Möglichkeiten ist, sein Leben für Jehova einzusetzen.

^ Abs. 3 Später Unser Königreichsdienst genannt.

^ Abs. 8 Der Wachtturm vom 1. Oktober 1995, Seite 19—24 enthält den Lebensbericht von Schwester Padgett.