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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  Mai 2017

„Liebst du mich mehr als diese?“

„Liebst du mich mehr als diese?“

„Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ (JOH. 21:15)

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1, 2. Was erlebte Petrus, nachdem er eine ganze Nacht gefischt hatte?

SIEBEN Jünger Jesu hatten die ganze Nacht auf dem Galiläischen Meer gefischt, aber nichts gefangen. Der auferstandene Jesus beobachtete die Gruppe vom Ufer aus. Dann sagte er zu ihnen: „ ,Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet welche finden.‘ Da warfen sie es aus, konnten es aber wegen der Menge der Fische nicht mehr einziehen“ (Joh. 21:1-6).

2 Nachdem Jesus ihnen ein Frühstück bereitet hatte, wandte er sich Simon Petrus zu und fragte: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Was meinte Jesus damit? Petrus war mit Leib und Seele Fischer. Offensichtlich fragte ihn Jesus also, wofür sein Herz wirklich schlug. Hing Petrus mehr an Fischen und der Fischerei als an Jesus und den Dingen, die er lehrte? Petrus antwortete: „Herr, du weißt, dass ich Zuneigung zu dir habe“ (Joh. 21:15). Das hatte Petrus nicht nur so dahingesagt. Aus Liebe zu Christus setzte er sich von da an im Werk des Jüngermachens ein und wurde eine Stütze in  der Christenversammlung des 1. Jahrhunderts.

3. Welche Gefahren dürfen Christen nicht aus dem Auge verlieren?

3 Was können wir aus der Frage lernen, die Jesus Petrus stellte? Wir müssen aufpassen, dass unsere Liebe zu Christus nicht abkühlt und wir von Königreichsinteressen abgelenkt werden. Jesus war sich sehr wohl des Drucks bewusst, der durch die Sorgen des gegenwärtigen Systems der Dinge entstehen würde. Im Gleichnis vom Sämann sagte er, einige würden „das Wort vom Königreich“ annehmen und anfänglich Fortschritte machen, doch „die Sorgen dieses Systems der Dinge und die trügerische Macht des Reichtums“ würden das Wort „ersticken“ (Mat. 13:19-22; Mar. 4:19). Tatsächlich könnten uns Alltagssorgen dazu verleiten, theokratisch einen Gang zurückzuschalten. Daher warnte Jesus seine Jünger: „Gebt aber auf euch selbst acht, damit euer Herz niemals durch unmäßiges Essen und unmäßiges Trinken und Sorgen des Lebens beschwert wird“ (Luk. 21:34).

4. Woran können wir die Tiefe unserer Liebe zu Christus messen? (Siehe Anfangsbild.)

4 Nachdem Jesus Petrus erschienen war, räumte dieser aus Liebe zu Christus dem Predigtwerk den ersten Platz im Leben ein. Liebe zu Christus wird auch uns dazu motivieren. Was können wir tun, damit der Auftrag Jesu auch das Wichtigste bleibt? Es ist gut, sich von Zeit zu Zeit zu fragen: „Woran hängt mein Herz wirklich? Finde ich mehr Freude an weltlichen Dingen als am Dienst für Gott?“ Sehen wir uns dazu drei Bereiche an, durch die unsere Liebe zu Christus und zu geistigen Dingen geschwächt werden könnte, wenn wir ihnen einen unangemessenen Stellenwert beimessen würden: Berufstätigkeit, Freizeit und materielle Dinge.

DER BERUFSTÄTIGKEIT DEN RICHTIGEN PLATZ GEBEN

5. Welche Verantwortung haben Familienoberhäupter gemäß der Bibel?

5 Für Petrus war das Fischen mehr als nur ein Hobby — es war seine Existenzgrundlage. Familienhäupter sind sich ihrer biblischen Verantwortung bewusst, materiell für die Familie zu sorgen (1. Tim. 5:8). Das erfordert große Anstrengung. In den gegenwärtigen letzten Tagen ist die Arbeit jedoch oft ein Grund zur Sorge.

6. Welchen Belastungen sind heute viele am Arbeitsplatz ausgesetzt?

6 Auf dem Arbeitsmarkt herrscht ein harter Wettbewerb. Viele Arbeitnehmer fühlen sich gezwungen, Überstunden zu machen; manchmal für weniger Lohn. Auch der ständige Leistungsdruck fordert einen hohen Tribut — körperlich, mental und emotional. Wer nicht zu solchen Opfern bereit ist, riskiert seinen Arbeitsplatz.

7, 8. (a) Wem gegenüber sind wir in erster Linie loyal? (b) Was wurde einem Bruder in Bezug auf seine Arbeit klar?

7 Als Christen sind wir in erster Linie Jehova gegenüber loyal und nicht unserem Arbeitgeber (Luk. 10:27). Die Arbeit ist für uns lediglich Mittel zum Zweck. Wir arbeiten, um den Lebensunterhalt zu verdienen und uns für Jehova einsetzen zu können. Doch wenn wir nicht aufpassen, könnte die Arbeit unserer Anbetung im Weg stehen. Ein Bruder in Thailand erzählt zum Beispiel: „Ich reparierte Computer, was sehr interessant war, aber auch viele Überstunden erforderte. Dadurch blieb so gut wie keine Zeit mehr für geistige Dinge. Irgendwann merkte ich, dass ich mir eine andere Arbeit suchen musste, wenn ich den Königreichsinteressen Vorrang einräumen wollte.“ Was tat er daraufhin?

 8 Er erklärt: „Nachdem ich die Sache ungefähr ein Jahr lang geplant hatte, entschied ich mich, als Straßenverkäufer Eis anzubieten. Anfangs geriet ich finanziell ganz schön unter Druck und war entmutigt. Wenn ich meine ehemaligen Arbeitskollegen traf, lachten sie über mich und fragten, warum ich lieber Eis verkaufe, statt in klimatisierten Räumen an Computern zu arbeiten. Ich bat Jehova, mir zu helfen, damit fertigzuwerden und mein Ziel zu erreichen, mehr Zeit für geistige Interessen zu haben. Schon bald ging es bergauf. Ich fand heraus, was meinen Kunden schmeckt, und wurde geübter darin, Eis herzustellen. Bald verkaufte ich jeden Tag das ganze Eis. Finanziell ging es mir besser als in der Computerbranche. Ich war zufriedener, weil ich nicht so viel Stress und so viele Sorgen wie bei der vorigen Arbeit hatte. Was noch wichtiger ist, ich fühle mich jetzt Jehova näher.“ (Lies Matthäus 5:3, 6.)

9. Wie können wir eine ausgeglichene Einstellung zur Arbeit bewahren?

9 Fleiß ist eine Eigenschaft, die Gott gefällt, und voller Einsatz bei der Arbeit wird belohnt (Spr. 12:14). Doch wie der oben erwähnte Bruder feststellte, darf die Arbeit keinen zu großen Stellenwert einnehmen. Jesus sagte: „So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge [grundlegende materielle Bedürfnisse] werden euch hinzugefügt werden“ (Mat. 6:33). Um herauszufinden, ob unsere beruflichen Verpflichtungen und unsere Verantwortung als Christ im richtigen Verhältnis stehen, sollten wir uns fragen: „Finde ich meinen Beruf interessant und aufregend, theokratische Tätigkeiten aber eintönig und monoton?“ Die Antwort zeigt, wofür unser Herz wirklich schlägt.

10. Welche wertvolle Lektion können wir aus Jesu Worten ableiten?

10 Jesus zeigte, wie wir das Gleichgewicht zwischen alltäglichen Dingen und geistigen Interessen halten können. Einmal besuchte Jesus Maria und ihre Schwester Martha. Während Martha hin- und herhastete, um das Essen vorzubereiten, saß Maria Jesus zu Füßen und lauschte ihm. Als sich Martha beschwerte, dass Maria ihr nicht half, sagte Jesus zu ihr: „Maria . . . hat das gute Teil erwählt, und es wird nicht von ihr weggenommen werden“ (Luk. 10:38-42). Jesus half Martha, etwas Wichtiges zu erkennen: Um die Liebe zu Christus zu beweisen und nicht von Alltäglichem abgelenkt zu werden, muss man weiter „das gute Teil“ erwählen, also geistigen Belangen den Vorrang geben.

UNSERE ANSICHT ZU FREIZEIT UND ENTSPANNUNG

11. Was erfahren wir aus der Bibel zum Thema Entspannung?

11 Da wir einen ausgefüllten Zeitplan haben, ist es immer wieder nötig, sich zu entspannen und neue Kraft zu tanken. In Gottes Wort lesen wir: „Für einen Menschen gibt es nichts Besseres, als dass er essen und trinken und seine Seele Gutes sehen lassen sollte wegen seiner harten Arbeit“ (Pred. 2:24). Jesus wusste, dass man sich gelegentlich erholen muss. Nach einer sehr anstrengenden Predigtreise sagte er zu seinen Jüngern: „Kommt für euch allein an einen einsamen Ort, und ruht ein wenig aus“ (Mar. 6:31, 32).

12. Was sollten wir bei Freizeit und Entspannung berücksichtigen? Nenne ein Beispiel.

12 Freizeit und Entspannung erfüllen einen wichtigen Zweck. Doch die Gefahr besteht, dass sich unser Leben nur noch darum dreht. Im 1. Jahrhundert lebten viele nach dem Motto: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen werden wir  sterben“ (1. Kor. 15:32). Diese Einstellung ist auch heute weit verbreitet. Vor einigen Jahren begann zum Beispiel ein junger Mann in Westeuropa, Zusammenkünfte zu besuchen. Doch er hörte wieder damit auf, weil er so in seiner Freizeitbeschäftigung aufging. Irgendwann merkte er, dass das nur zu Problemen und Enttäuschungen führte. Er nahm das Bibelstudium wieder auf und konnte schließlich ein Verkündiger werden. Nach seiner Taufe sagte er: „Ich bereue nur, dass ich so viel Zeit vergeudet habe, bevor mir klar wurde, wie viel glücklicher es macht, Jehova zu dienen, als die Freizeitaktivitäten dieser Welt zum Mittelpunkt zu machen.“

13. (a) Veranschauliche, wo bei der Entspannung und Freizeitgestaltung Gefahren liegen. (b) Wie können wir ausgeglichen bleiben?

13 Was wir in der Freizeit tun, soll uns erfrischen und uns neue Kraft geben. Wie viel Zeit erfordert das? Dazu ein Vergleich: Viele von uns essen gern mal einen Nachtisch. Aber wir wissen, dass es unserer Gesundheit schaden würde, ständig Kuchen und Süßigkeiten zu essen. Deshalb achten wir auf eine gesunde Ernährung. Genauso würde es unserer geistigen Gesundheit schaden, zu viel Zeit mit Entspannung und Freizeitaktivitäten zu verbringen. Das Gegenmittel? Setzen wir uns regelmäßig für das Königreich ein. Wie können wir feststellen, ob wir bei unserer Freizeitgestaltung ausgeglichen sind? Wir könnten eine Woche lang aufschreiben, wie viele Stunden wir mit theokratischen Tätigkeiten verbringen, wie Zusammenkünfte, Predigtdienst sowie persönliches und Familienstudium. Vergleichen wir sie dann mit den Stunden, die wir in derselben Woche mit Freizeit verbracht haben, wie Sport, Hobbys, Fernsehen oder Videospiele. Was verraten uns die Zahlen? Sollte unser „Nachtisch“ vielleicht etwas kleiner ausfallen? (Lies Epheser 5:15, 16.)

14. Wovon lassen wir uns bei der Wahl unserer Freizeitgestaltung leiten?

14 Jeder Einzelne kann entscheiden, wie er seine Freizeit verbringen möchte, und Familienoberhäupter können für ihre Familie entscheiden — natürlich unter Berücksichtigung biblischer Grundsätze, aus denen sich ableiten lässt, was Jehova für gut und richtig hält. * Wohltuende Entspannung ist eine „Gabe Gottes“ (Pred. 3:12, 13). Natürlich sind die Geschmäcker bei der Wahl der Freizeitbeschäftigung verschieden (Gal. 6:4, 5). Wofür wir uns auch entscheiden, wir wollen der Freizeit immer den richtigen Platz geben. Jesus sagte: „Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein“ (Mat. 6:21). Aus tiefer Liebe zu Jesus richten wir also unsere Gedanken, Worte und Taten vor allem auf das Königreichswerk statt auf alltägliche Dinge (Phil. 1:9, 10).

UNSER KAMPF GEGEN MATERIALISMUS

15, 16. (a) Wie könnte der Materialismus einem Christen zur Schlinge werden? (b) Welchen Rat gab Jesus zu materiellen Dingen?

15 Heutzutage sind viele von der aktuellsten Mode, Technik und dergleichen regelrecht besessen. Jeder Christ sollte deshalb regelmäßig seine Wünsche überprüfen und sich zum Beispiel fragen: „Wie wichtig sind mir materielle Dinge geworden? Verbringe ich mehr Zeit damit, mich mit den neuesten Autos und der aktuellsten Mode zu befassen, als mich auf die Zusammenkünfte vorzubereiten? Bin ich mittlerweile so beschäftigt, dass immer weniger Zeit für das Gebet oder das Bibellesen bleibt?“ Stellen wir fest, dass unsere  Liebe zu materiellen Dingen die Liebe zu Christus verdrängt, sollten wir über die Worte Jesu nachdenken: „Hütet euch vor jeder Art von Habsucht“ (Luk. 12:15). Warum warnte Jesus so deutlich davor?

16 Er bemerkte: „Niemand kann ein Sklave zweier Herren sein. . . . Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Reichtums sein.“ Das ist so, weil beide „Herren“ ausschließliche Ergebenheit fordern. Entweder wird man „den einen hassen und den anderen lieben“ oder „zu dem einen halten und den anderen verachten“ (Mat. 6:24). Da wir unvollkommen sind, müssen wir alle weiter gegen die „Begierden unseres Fleisches“ ankämpfen, auch gegen den Materialismus (Eph. 2:3).

17. (a) Warum fällt es einem fleischlich gesinnten Menschen schwer, eine ausgeglichene Ansicht zu materiellen Dingen zu haben? (b) Wie können wir materialistische Wünsche bekämpfen?

17 Fleischlich gesinnten Menschen fällt es schwer, eine ausgeglichene Ansicht zu materiellen Dingen zu haben. Warum? Weil ihre geistige Wahrnehmung getrübt ist. (Lies 1. Korinther 2:14.) Ist ihr Urteilsvermögen erst einmal beeinträchtigt, fällt es ihnen immer schwerer, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden (Heb. 5:11-14). Bei einigen gerät der Wunsch nach materiellen Dingen außer Kontrolle; er wird unersättlich (Pred. 5:10). Doch es gibt ein Gegenmittel, um nicht von materialistischem Denken angesteckt zu werden: regelmäßig eine gesunde Dosis von Gottes Wort (1. Pet. 2:2). Jesus dachte über Aussprüche Gottes nach, was ihm half, Versuchungen zu widerstehen. Auch uns gelingt es eher, materialistischen Wünschen zu widerstehen, wenn wir biblische Grundsätze anwenden (Mat. 4:8-10). Daran kann Jesus erkennen, dass wir ihn mehr lieben als materielle Dinge.

Was hat in deinem Leben Priorität? (Siehe Absatz 18)

18. Wozu bist du entschlossen?

18 Jesus fragte Petrus: „Liebst du mich mehr als diese?“, und erinnerte ihn so daran, wie wichtig es ist, geistigen Dingen im Leben Priorität zu geben. Petrus, dessen Name „Felsstück“ bedeutet, wurde seinem Namen wirklich gerecht, denn er bewies felsenähnliche Eigenschaften (Apg. 4:5-20). Wir sind genauso felsenfest entschlossen, unsere Liebe zu Christus nicht abkühlen zu lassen und räumen der Arbeit, der Freizeit und materiellen Dingen den richtigen Platz ein. Zeigen wir durch unsere Entscheidungen, dass wir die Gefühle von Petrus teilen, der zu Jesus sagte: „Herr, du weißt, dass ich Zuneigung zu dir habe.“

^ Abs. 14 Siehe „Unsere Freizeitgestaltung — Wie wirkt sie sich aus?“ im Wachtturm vom 15. Oktober 2011, Seite 9—12, Absatz 6—15.