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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  Juli 2016

Sucht das Königreich, nicht materielle Dinge

Sucht das Königreich, nicht materielle Dinge

Sucht beständig Gottes Königreich, und diese Dinge werden euch hinzugefügt werden (LUK. 12:31)

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1. Was ist der Unterschied zwischen Bedürfnissen und Wünschen?

EIN Mensch hat wenig Bedürfnisse, aber unendlich viele Wünsche, so sagt man. Viele sehen offenbar keinen Unterschied zwischen Bedürfnissen und Wünschen. Was ist der Unterschied? „Bedürfnisse“ sind etwas, was man unbedingt zum Leben braucht, wie zum Beispiel Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf. „Wünsche“ sind etwas, was man gern hätte, was aber entbehrlich ist.

2. Was wünschen sich viele?

2 Was sich jemand wünscht, kann sehr davon abhängen, wo er lebt. In Entwicklungsländern würden sich viele gern einfach ein Handy, ein Motorrad oder ein kleines Stück Land kaufen. In wohlhabenderen Ländern verspürt man vielleicht den Drang, extravagante Kleidung, ein größeres Haus oder ein besseres Auto haben zu müssen. In beiden Fällen besteht die Gefahr, in die Materialismusfalle zu tappen und immer mehr haben zu wollen, unabhängig davon, ob man es benötigt oder es sich leisten kann.

 MATERIALISMUS — EINE ECHTE GEFAHR

3. Was ist Materialismus?

3 Was ist Materialismus? Es ist eine Einstellung, die sich an materiellen Werten orientiert statt an geistigen. Materialismus wurzelt in jemandes Wünschen, Prioritäten und Lebenszielen und erzeugt in ihm das starke Verlangen, viel zu besitzen. Eine materialistische Person ist nicht automatisch daran zu erkennen, dass sie viel Geld hat oder sich teure Sachen anschafft. Sogar arme Menschen können dem Materialismus verfallen und es vernachlässigen, zuerst das Königreich zu suchen (Heb. 13:5).

4. Wie nutzt Satan „die Begierde der Augen“?

4 Durch das Wirtschafts- und Handelssystem dieser Welt will Satan uns glauben machen, materielle Dinge über die eigentlichen Bedürfnisse hinaus seien für die Lebensfreude unentbehrlich. Er versteht es wie kein anderer, „die Begierde der Augen“ zu wecken (1. Joh. 2:15-17; 1. Mo. 3:6; Spr. 27:20). Die Welt bietet eine Unmenge an Waren — von exklusiv bis verrückt. Und einiges davon ist sehr verlockend. Hast du schon einmal etwas gekauft, nur weil du es in der Werbung oder im Schaufenster gesehen hast? Ist dir später klar geworden, dass du den Rest deines Lebens auch ohne diese Anschaffung ausgekommen wärst? Solche überflüssigen Dinge verkomplizieren nur unser Leben und belasten uns. Sie können uns gefangen nehmen und uns von guten Gewohnheiten ablenken wie dem Bibelstudium, dem Zusammenkunftsbesuch und der Vorbereitung darauf sowie dem regelmäßigen Predigtdienst. Der Apostel Johannes sprach die Warnung aus: „Die Welt vergeht und ebenso ihre Begierde.“

5. Was kann geschehen, wenn man den Großteil seiner Kraft für Materielles einsetzt?

5 Satan möchte, dass wir für den Reichtum leben und nicht für Jehova (Mat. 6:24). Wer den Großteil seiner Kraft darauf verwendet, Materielles aufzuhäufen, führt am Ende bestenfalls ein oberflächliches Leben, weil es nur auf die eigene Erfüllung ausgerichtet ist. Schlimmstenfalls ist es geistig leer und voller Kummer und Enttäuschung (1. Tim. 6:9, 10; Offb. 3:17). Es ist so, wie Jesus es in seinem Gleichnis vom Sämann beschreibt. Wenn die Königreichsbotschaft „unter die Dornen gesät“ wird, dringen „die Begierden nach den übrigen Dingen . . . ein und ersticken das Wort, und es wird unfruchtbar“ (Mar. 4:14, 18, 19).

6. Was lernen wir von Baruch?

6 Wie war es bei Baruch, dem Sekretär des Propheten Jeremia? Kurz vor der vorausgesagten Zerstörung Jerusalems begann er „ständig nach großen Dingen“ für sich zu suchen — nach Zielen, die keinen bleibenden Wert hatten. Doch eigentlich hätte er sich nur das erhoffen sollen, was Jehova ihm versprochen hatte: „Ich will dir deine Seele [oder: Leben] zur Beute geben“ (Jer. 45:1-5). Würde Gott jemandes Besitz in einer Stadt verschonen, die vernichtet werden sollte? Sicherlich nicht (Jer. 20:5). Da wir uns dem Ende des gegenwärtigen Systems nähern, ist jetzt nicht die Zeit, materielle Dinge zu horten. Wir sollten nicht erwarten, dass ein Teil unseres Besitzes, wie sehr wir auch daran hängen oder wie teuer er auch gewesen sein mag, mit uns die große Drangsal überstehen wird (Spr. 11:4; Mat. 24:21, 22; Luk. 12:15).

7. Was werden wir als Nächstes betrachten, und warum?

7 Jesus gab den besten Rat, wie man sich um das Lebensnotwendige kümmert, ohne dabei materialistisch zu werden, sich ablenken zu lassen oder sich unnötig Sorgen zu machen. Er erwähnte diesen Rat in der Bergpredigt (Mat. 6:19-21). Lesen und  analysieren wir doch einmal die Textpassage, die in Matthäus 6:25-34 aufgezeichnet ist. Das wird uns helfen zu erkennen, wie wichtig es ist, beständig das Königreich zu suchen und nicht materielle Dinge (Luk. 12:31).

JEHOVA SORGT FÜR DAS NÖTIGE

8, 9. (a) Warum sollten wir um unsere Grundbedürfnisse nicht allzu besorgt sein? (b) Was wusste Jesus über Menschen und ihre Bedürfnisse?

8 Lies Matthäus 6:25. Als Jesus seine Zuhörer aufforderte: „Hört auf, euch Sorgen zu machen um eure Seele [oder: Leben]“, sagte er mit anderen Worten: „Seid nicht mehr beunruhigt.“ Sie machten sich über etwas Sorgen, worüber sie sich gar keine Sorgen zu machen brauchten. Jesus sagte ihnen, dass sie damit aufhören sollten — und das aus gutem Grund. Übermäßig beunruhigt zu sein, selbst bei berechtigten Sorgen, kann jemand so zusetzen und ablenken, dass die wichtigeren geistigen Belange des Lebens verdrängt werden. Aus echter Sorge um seine Jünger warnte Jesus sie in seiner Bergpredigt vier weitere Male vor dieser gefährlichen Tendenz (Mat. 6:27, 28, 31, 34).

9 Warum forderte Jesus uns auf, uns keine Sorgen um Nahrung oder Kleidung zu machen? Gehören solche Dinge nicht zum Lebensnotwendigen? Sicherlich. Es ist normal, sich Sorgen zu machen, wenn einem die Mittel für diese Dinge fehlen. Das wusste Jesus. Er wusste genau, was Menschen jeden Tag brauchen. Er wusste auch, welche Schwierigkeiten Jahrhunderte später auf seine Nachfolger in den „letzten Tagen“ zukommen würden, nämlich „kritische Zeiten . . ., mit denen man schwer fertig wird“ (2. Tim. 3:1). Diese Zeiten wären gekennzeichnet von Arbeitslosigkeit, Inflation, Hungersnöten und bitterer Armut. Und trotzdem wusste Jesus, dass das Leben aus mehr besteht als nur aus Nahrung und Kleidung.

10. Wie lehrte Jesus durch das Mustergebet, was im Leben Vorrang haben sollte?

10 Jesus hatte seine Zuhörer zuvor in der Bergpredigt gelehrt, dass sie ihren Vater im Gebet um das Lebensnotwendige bitten können: „Gib uns heute unser Brot für diesen Tag“ (Mat. 6:11). Oder wie er es bei einer späteren Gelegenheit ausdrückte: „Gib uns unser Brot für den Tag, so wie der Tag es erfordert“ (Luk. 11:3). Doch das bedeutet nicht, dass sich unser ganzes Denken um das Stillen unserer physischen Bedürfnisse drehen sollte. Im Mustergebet gab Jesus der Bitte um das Kommen des Königreiches Gottes den Vorrang (Mat. 6:10; Luk. 11:2). Um seine Zuhörer zu beruhigen, betonte Jesus als Nächstes, wie großzügig Jehova für seine Schöpfung sorgt.

11, 12. Was lernen wir daraus, wie Jehova die Vögel des Himmels versorgt? (Siehe Anfangsbild.)

11 Lies Matthäus 6:26. Hier werden wir ermuntert, „aufmerksam die Vögel des Himmels“ zu beobachten. So klein sie auch sind, verputzen sie doch eine Menge an Früchten, Samen, Insekten oder Würmern. Im Verhältnis zum Körpergewicht benötigen sie mehr Nahrung als Menschen. Sie müssen dafür jedoch nicht den Boden bearbeiten und Samen aussäen. Jehova sorgt für alles, was sie brauchen (Ps. 147:9). Natürlich steckt er ihnen das Futter nicht in den Schnabel. Sie müssen sich selbst auf Futtersuche machen, aber Nahrung ist in Fülle vorhanden.

12 Für Jesus war es undenkbar, dass sein Vater die Vögel ernährt, sich gleichzeitig aber nicht um Menschen kümmert (1. Pet. 5:6, 7). [1] Jehova wird zwar nicht für einen gedeckten Tisch sorgen, doch er kann unsere Bemühungen segnen, Nahrungsmittel anzubauen oder Geld zu verdienen, um den täglichen Bedarf zu decken. Kommen  wir in eine Notlage, mag er andere dazu veranlassen, mit uns zu teilen. Und obwohl Jesus nicht davon sprach, dass die Vögel des Himmels mit einem Unterschlupf versorgt werden, hat Jehova sie doch mit einem Instinkt, Fähigkeiten sowie dem nötigen Material ausgerüstet, damit sie sich selbst ein Nest bauen können. Auch uns kann Jehova helfen, für unsere Familie angemessenen Wohnraum zu finden.

13. Was beweist, dass wir mehr wert sind als die Vögel des Himmels?

13 Jesus fragte seine Zuhörer: „Seid ihr nicht mehr wert als . . . [die Vögel des Himmels]?“ Wahrscheinlich hatte er dabei im Sinn, dass er bald sein Leben für die Menschheit geben würde. (Vergleiche Lukas 12:6, 7.) Christi Loskaufsopfer wurde nicht für irgendwelche anderen lebenden Geschöpfe erbracht. Jesus starb nicht für die Vögel des Himmels, sondern für uns, um uns endloses Leben zu ermöglichen (Mat. 20:28).

14. Was erreicht man durch Sorgen nicht?

14 Lies Matthäus 6:27. Warum sagte Jesus, ein besorgter Mensch könne seinem Leben nicht eine Elle hinzufügen? Weil wir unser Leben nicht verlängern können, wenn wir uns über unsere täglichen Bedürfnisse unnötig Sorgen machen. Übertriebene Sorgen werden unsere Lebenserwartung eher verkürzen.

15, 16. (a) Was lernen wir daraus, wie Jehova für die Lilien des Feldes sorgt? (Siehe Anfangsbild.) (b) Was könnten wir uns fragen, und warum?

15 Lies Matthäus 6:28-30. Wer möchte nicht gut angezogen sein, besonders wenn er für Jehova unterwegs ist, zum Beispiel im Predigtdienst, in den Zusammenkünften  oder auf Kongressen? Aber sollten wir wegen unserer Kleidung besorgt sein? Jesus lenkt unsere Aufmerksamkeit erneut auf Jehovas Schöpfungswerke. In diesem Fall können wir viel vom Aussehen der „Lilien des Feldes“ lernen. Vielleicht hat Jesus an Liliengewächse gedacht wie Gladiolen, Hyazinthen, Schwertlilien oder Tulpen — alle auf ihre Art wunderschön. Diese Blumen müssen ihre „Kleidung“ weder spinnen noch weben noch nähen. Doch ihre Blüten sind ein herrlicher Anblick. „Nicht einmal Salomo [war] in all seiner Herrlichkeit wie eine von diesen bekleidet.“

16 Worauf Jesus also hinauswollte, ist: „Wenn nun Gott die Pflanzen des Feldes . . . kleidet, wird er nicht vielmehr euch kleiden, ihr Kleingläubigen?“ Ganz bestimmt! Trotzdem mangelte es Jesu Jüngern irgendwie an Glauben (Mat. 8:26; 14:31; 16:8; 17:20). Sie mussten ihr Vertrauen in Jehova und ihren Glauben stärken. Wie steht es mit uns? Wie sehr vertrauen wir darauf, dass Jehova für uns sorgen kann und möchte?

17. Was könnte unserem Verhältnis zu Jehova schaden?

17 Lies Matthäus 6:31, 32. Wir sollten nicht den Menschen der „Nationen“ gleichen. Ihnen fehlt das Vertrauen in einen liebevollen himmlischen Vater, der für jeden sorgt, der die Königreichsinteressen im Leben voranstellt. Würden wir versuchen, „all diese Dinge“ anzusammeln, wonach die Nationen begierig streben, würde das unserem Verhältnis zu Jehova schaden. Verlassen wir uns lieber auf die Zusage: Jehova wird uns nichts Gutes vorenthalten, wenn wir das tun, was von uns erwartet wird — wir also den Dienst für ihn über eigene Interessen stellen. Unsere  „Gottergebenheit“ sollte uns veranlassen, mit „Lebensunterhalt und Bedeckung“ zufrieden zu sein (1. Tim. 6:6-8).

KOMMT GOTTES KÖNIGREICH IN UNSEREM LEBEN AN ERSTER STELLE?

18. Was weiß Jehova von uns persönlich, und was wird er für uns tun?

18 Lies Matthäus 6:33. Als Christi Nachfolger sollten wir dem Königreich immer den ersten Platz im Leben einräumen. Was wäre die Folge? Wie Jesus versprach, werden uns dann „alle diese anderen Dinge . . . hinzugefügt“. Warum konnte er das sagen? Er erklärte im vorigen Vers: „Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all diese Dinge benötigt.“ Damit meinte er das, was man zum Leben braucht. Schon lange bevor uns bewusst wird, was wir persönlich an Nahrung, Kleidung und Obdach benötigen, hat Jehova das bereits registriert (Phil. 4:19). Er weiß, welche Schuhe als Nächstes abgetragen sind. Und er kennt unseren Bedarf an Nahrung und Wohnraum für unsere Familie. Jehova wird für das sorgen, was wir wirklich benötigen.

19. Warum sollten wir uns keine Sorgen darüber machen, was alles passieren könnte?

19 Lies Matthäus 6:34. Jesus erwähnt interessanterweise zum zweiten Mal, sich „niemals Sorgen“ zu machen. Er möchte, dass wir uns jeden Tag einzeln vornehmen und dabei völlig auf Jehovas Hilfe vertrauen. Wer sich übermäßig Sorgen darüber macht, was alles passieren könnte, verlässt sich vielleicht eher auf sich selbst als auf Jehova. Das kann das Verhältnis zu ihm sehr belasten (Spr. 3:5, 6; Phil. 4:6, 7).

SUCHE ZUERST DAS KÖNIGREICH, FÜR DAS ÜBRIGE SORGT JEHOVA

Kannst du dein Leben vereinfachen, um dich mehr auf das Königreich zu konzentrieren? (Siehe Absatz 20.)

20. (a) Welches Ziel könnte man sich stecken? (b) Was kann man tun, um sein Leben zu vereinfachen?

20 Es führt zu nichts, die Königreichsinteressen einem materialistischen Lebensstil zu opfern. Viel besser wäre es, geistige Ziele zu verfolgen. Kannst du vielleicht in eine Versammlung wechseln, in der ein größerer Bedarf an Verkündigern besteht? Wäre der Pionierdienst etwas für dich? Oder falls du Pionier bist: Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dich für die Schule für Königreichsverkündiger zu bewerben? Könntest du als Tagespendler im Bethel oder in einem Übersetzungsbüro mithelfen? Ist es dir möglich, dich für eine gewisse Zeit als Helfer beim Bau von Königreichssälen einzusetzen? Überlege, wie du deinen Lebensstil vereinfachen kannst, um dich mehr im Königreichswerk einzubringen. Denke unter Gebet über die Anregungen in dem Kasten „ 7 Schritte zu einem einfachen Leben“ nach und arbeite systematisch auf dein Ziel hin.

21. Was wird uns helfen, Jehova näherzukommen?

21 Aus gutem Grund hat uns Jesus gelehrt, das Königreich zu suchen, nicht materielle Dinge. Wenn wir uns daran halten, müssen wir uns nie Sorgen um das machen, was wir zum Leben brauchen. Wir kommen Jehova näher, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen und nicht versuchen, uns jeden Wunsch zu erfüllen oder alles, was uns angeboten wird, zu kaufen, selbst wenn wir es uns leisten können. Vereinfachen wir jetzt unser Leben, wird es leichter sein, das künftige „wirkliche Leben“ fest zu ergreifen (1. Tim. 6:19).

^ [1] (Absatz 12) Um zu verstehen, warum Jehova es manchmal zulässt, dass einer seiner Diener nicht genug zu essen hat, siehe „Fragen von Lesern“ im Wachtturm vom 15. September 2014, Seite 22.