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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  Januar 2017

Warum Bescheidenheit heute noch wichtig ist

Warum Bescheidenheit heute noch wichtig ist

„Weisheit ist bei den Bescheidenen“ (SPR. 11:2)

LIEDER: 38, 69

1, 2. Warum wurde Saul von Gott verworfen? (Siehe Anfangsbild.)

KÖNIG SAUL war ein bescheidener und geachteter Mann, als er in Israel zu regieren begann (1. Sam. 9:1, 2, 21; 10:20-24). Doch schon kurze Zeit später ließ er sich zu vermessenen Taten hinreißen. Als Gottes Prophet Samuel nicht zur vereinbarten Zeit in Gilgal eintraf, wurde Saul ungeduldig. Während sich die Philister auf den Kampf vorbereiteten und die Israeliten Saul verließen, muss er gedacht haben: „Jetzt muss ich etwas tun — und zwar schnell.“ Dann brachte er Gott ein Opfer dar, wozu er nicht berechtigt war. Das missfiel Jehova (1. Sam. 13:5-9).

2 Als Samuel in Gilgal ankam, wies er Saul zurecht. Doch statt die Zurechtweisung anzunehmen, rechtfertigte sich Saul. Er versuchte, die Schuld von sich zu weisen, und spielte herunter, was er getan hatte (1. Sam. 13:10-14). Das löste eine Reihe von Ereignissen aus, die Saul schließlich den Thron kosteten. Aber was noch schlimmer war, er verlor Jehovas Gunst (1. Sam. 15:22, 23). Obwohl alles vielversprechend begann, endete Sauls Leben in einer Katastrophe (1. Sam. 31:1-6).

3. (a) Wie denken viele über Bescheidenheit? (b) Welche Fragen müssen geklärt werden?

 3 In der heutigen wettbewerbsorientierten Welt denken viele, sie müssten sich von der Masse abheben, um vorwärtszukommen. Dafür opfern sie möglicherweise jegliche Bescheidenheit. Ein berühmter Filmstar und Politiker sagte einmal: „Bescheidenheit ist ein Wort, das in keinster Weise auf mich zutrifft — ich hoffe, das wird auch niemals der Fall sein.“ Warum kommt es aber nach wie vor auf Bescheidenheit an? Was versteht man darunter, und was nicht? Wie können wir in schwierigen Situationen oder wenn Druck auf uns ausgeübt wird bescheiden bleiben? Im vorliegenden Artikel werden die ersten beiden Fragen beantwortet. Auf die dritte geht der Folgeartikel ein.

WARUM BESCHEIDENHEIT WICHTIG IST

4. Was ist unter vermessenen Taten zu verstehen?

4 Bescheidenheit wird in der Bibel Vermessenheit gegenübergestellt. (Lies Sprüche 11:2.) David bat Jehova darum, ihn von „vermessenen Taten“ zurückzuhalten (Ps. 19:13). Was sind „vermessene Taten“? Vermessen handelt, wer voreilig oder dreist etwas tut, wozu er nicht befugt ist. Da wir sündig sind, handeln wir alle manchmal vermessen. Doch wie das Beispiel König Sauls zeigt, bringt es uns früher oder später auf Kollisionskurs mit Gott, wenn es uns zur Gewohnheit wird, eigenmächtig zu handeln. Über Jehova wird in Psalm 119:21 gesagt, dass er die Vermessenen zurechtweist. Warum macht er das?

5. Warum ist anmaßendes Handeln so gravierend?

5 Vermessene oder anmaßende Taten sind gravierender als versehentliche Fehler. Weshalb kann man das sagen? 1. Wer anmaßend ist, versäumt es, Jehova als rechtmäßigen Souverän zu ehren. 2. Geht jemand über seine Befugnisse hinaus, führt das wahrscheinlich zu Spannungen mit anderen (Spr. 13:10). 3. Wird ein anmaßendes Verhalten offensichtlich, mag das dem Betreffenden peinlich sein oder er fühlt sich sogar gedemütigt (Luk. 14:8, 9). Vermessenes Handeln nimmt keinen guten Ausgang. Wie die Bibel zeigt, ist Bescheidenheit immer der richtige Weg.

WAS BESCHEIDENHEIT EINSCHLIESST

6, 7. Was ist Demut, und was hat sie mit Bescheidenheit zu tun?

6 Bescheidenheit und Demut sind eng miteinander verknüpft. Gemäß der Bibel ist Demut das Fehlen von Stolz und Arroganz; sie wird als „Niedriggesinntheit“ beschrieben (Kol. 3:12, Fn.). Ein demütiger Mensch ist im Allgemeinen auch bescheiden. Er kann seine Fähigkeiten und Leistungen richtig einschätzen, seine Fehler zugeben und er ist offen für Vorschläge und Ideen. Demut gefällt Jehova sehr.

7 Bescheidenheit wird in der Bibel ähnlich beschrieben. Ein bescheidener Mensch schätzt sich selbst richtig ein und ist sich seiner Grenzen bewusst. Im griechischen Urtext liegt die Betonung offensichtlich darauf, wie sich dieses Bewusstsein auf unser Verhalten anderen gegenüber auswirkt.

8. Was sind erste Anzeichen für anmaßendes Denken oder Verhalten?

8 Was könnten erste Anzeichen für anmaßendes Denken oder Verhalten sein? Vielleicht nehmen wir uns oder unsere Aufgaben zu wichtig (Röm. 12:16). Oder wir lenken in unpassender Weise die Aufmerksamkeit auf uns (1. Tim. 2:9, 10). Möglicherweise vertreten wir auch eine Meinung sehr vehement, und das nur aufgrund  unserer Stellung, guter Beziehungen oder weil wir persönlich so denken (1. Kor. 4:6). Oft mag uns dabei gar nicht bewusst sein, dass wir die Grenze zwischen Bescheidenheit und Vermessenheit schon überschritten haben.

9. Was hat bei einigen dazu geführt, dass sie vermessen handelten? Nenne ein biblisches Beispiel.

9 Wer sich von fleischlichen Begierden kurzzeitig überwältigen lässt, steht in der Gefahr, anmaßend zu handeln. Aus selbstsüchtigem Ehrgeiz, Neid oder unkontrollierter Wut haben viele vermessen gehandelt. Biblische Personen wie Absalom, Usija und Nebukadnezar ließen sich zu solchen Werken des Fleisches hinreißen und wurden wegen ihrer Überheblichkeit von Jehova gedemütigt (2. Sam. 15:1-6; 18:9-17; 2. Chr. 26:16-21; Dan. 5:18-21).

10. Warum sollten wir uns kein Urteil über die Beweggründe anderer erlauben? Nenne ein biblisches Beispiel.

10 Es gibt aber noch andere Ursachen für vermessenes Handeln. Das zeigen zum Beispiel die Bibelberichte in 1. Mose 20:2-7 und Matthäus 26:31-35. Lag dem scheinbar anmaßenden Verhalten von Abimelech und Petrus ein schlechtes Motiv zugrunde? Oder kannten sie einfach nicht alle Hintergründe oder wurden sie von der Situation überrascht? Da wir in andere nicht hineinsehen können, ist es sowohl klug als auch liebevoll, nicht vorschnell über ihre Beweggründe zu urteilen. (Lies Jakobus 4:12.)

MIT UNSEREM PLATZ ZUFRIEDEN SEIN

11. Wie hilft uns Bescheidenheit, unseren Platz in Jehovas Organisation anzuerkennen?

11 Bescheidenheit beginnt damit, unseren Platz in Gottes Organisation anzuerkennen. Jehova ist ein Gott der Ordnung und gibt jedem von uns einen Platz oder Wirkungsbereich in seiner Organisation. Die Rolle jedes Einzelnen in der Versammlung ist einzigartig und alle werden gebraucht. In seiner unverdienten Güte hat uns Jehova bestimmte Gaben, Mittel, Fähigkeiten oder Talente geschenkt. Wir können sie einsetzen, um ihn zu verherrlichen und anderen Gutes zu tun (Röm. 12:4-8). Jehova hat uns ein Verwalteramt gegeben, das Ehre, Vertrauen und Verantwortung mit sich bringt. (Lies 1. Petrus 4:10.)

Was können wir von Jesus lernen, wenn uns eine neue Aufgabe übertragen wird? (Siehe Absatz 12—14)

12, 13. Warum sollte es uns nicht überraschen, wenn sich unsere Aufgaben hin und wieder ändern?

12 Unser Platz in Jehovas Organisation ist aber nicht in Stein gemeißelt. Er kann sich von Zeit zu Zeit ändern. So war es auch bei Jesus. Anfangs war er mit Jehova allein (Spr. 8:22). Dann half er mit, andere Geistwesen, das materielle Universum und schließlich den Menschen zu erschaffen (Kol. 1:16). Etwas später kam er auf die Erde, wurde als hilfloses Baby geboren und wuchs zum Erwachsenen heran (Phil. 2:7). Nach seinem Opfertod kehrte er wieder als Geistgeschöpf in den Himmel zurück und wurde im Jahr 1914 König von Gottes Königreich (Heb. 2:9). Und das wird nicht seine letzte Aufgabe gewesen sein. Nach der Tausendjahrherrschaft wird Jesus das Königreich Jehova übergeben, sodass „Gott allen alles sei“ (1. Kor. 15:28).

13 Auch unsere Aufgaben ändern sich hin und wieder — oft zufolge von Entscheidungen, die wir selbst treffen. Hast du dich zum Beispiel irgendwann entschieden zu heiraten? Wolltest du dann Kinder haben? Hast du später dein Leben vereinfacht, um mit dem Vollzeitdienst zu beginnen? Jede dieser Entscheidungen brachte bestimmte Freuden und Verpflichtungen mit sich. Verändern sich unsere  Umstände, verändern sich auch die Möglichkeiten, uns einzusetzen. Bist du jung oder schon älter? Hast du eine gute oder angeschlagene Gesundheit? Jehova berücksichtigt immer unsere Umstände und weiß, wie jeder seiner Diener bestmöglich eingesetzt werden kann. Er erwartet von uns nur das, was vernünftig ist, und schätzt alles, was wir tun (Heb. 6:10).

14. Wie kann uns Bescheidenheit helfen, in jeder Situation zufrieden zu sein und unsere Freude zu bewahren?

14 Jesus fand an jeder Aufgabe Freude, und wir können das auch (Spr. 8:30, 31). Ein bescheidener Mensch hat nicht das Gefühl, er könne sich mit den momentanen Aufgaben oder Verantwortlichkeiten in der Versammlung zu wenig entfalten. Er zerbricht sich nicht den Kopf über mögliche Vorrechte oder darüber, was andere erreichen. Stattdessen konzentriert er sich auf seine jetzige Aufgabe. Weil er sie als von Jehova kommend betrachtet, erkennt er ihren Zweck und erledigt sie freudig. Gleichzeitig respektiert er gern den Platz, den Jehova anderen gegeben hat. Sind wir bescheiden, macht es uns Freude, andere angemessen zu ehren und zu unterstützen (Röm. 12:10).

WAS BESCHEIDENHEIT NICHT BEDEUTET

15. Was können wir von Gideons Bescheidenheit lernen?

15 Gideon ist ein hervorragendes Beispiel für Bescheidenheit. Als ihm Jehovas Engel zum ersten Mal erschien, räumte Gideon ein, er komme aus einfachen Verhältnissen  und seine Fähigkeiten seien begrenzt (Ri. 6:15). Nachdem er die Aufgabe von Jehova angenommen hatte, vergewisserte er sich, ob er genau verstanden hatte, was von ihm erwartet wurde, und bat Jehova um Anleitung (Ri. 6:36-40). Gideon war mutig und unerschrocken, handelte aber dennoch umsichtig und klug (Ri. 6:11, 27). Die Aufgabe war für ihn keine Gelegenheit, sich hervorzutun. Ganz im Gegenteil. Als alles erledigt war, kehrte er an seinen vorherigen Platz zurück (Ri. 8:22, 23, 29).

16, 17. Welche Überlegungen stellt ein bescheidener Mensch an, wenn er Fortschritte machen möchte?

16 Heißt das, ein bescheidener Mensch sollte sich im Dienst für Jehova nicht um mehr Verantwortung bemühen oder sie annehmen? Nein. Die Bibel ermuntert uns alle, Fortschritte zu machen (1. Tim. 4:13-15). Ist dazu aber immer eine neue Aufgabe nötig? Nicht unbedingt. Mit dem Segen Jehovas können wir Fortschritte machen, ganz gleich an welchem Platz wir Jehova gerade dienen. Wir können die Fähigkeiten, die Jehova uns geschenkt hat, weiter ausbauen und noch mehr Gutes tun.

17 Bevor ein bescheidener Mensch eine neue Aufgabe annimmt, möchte er herausfinden, was von ihm erwartet wird. Danach kann er seine Umstände ehrlich einschätzen. Ist er zum Beispiel in der Lage, mehr Arbeit oder Verantwortung zu übernehmen, ohne etwas Wichtiges zu vernachlässigen? Kann ein Teil seiner jetzigen Arbeit delegiert werden, um Platz für neue Aufgaben zu schaffen? Lautet die Antwort auf eine oder beide Fragen Nein, ist im Augenblick vielleicht jemand anders besser geeignet. Wenn wir die Sache unter Gebet realistisch durchdenken, werden wir unsere Fähigkeiten und Grenzen nicht überschätzen. Aus Bescheidenheit mögen wir die Aufgabe ablehnen.

18. (a) Wozu wird uns Bescheidenheit veranlassen, wenn wir eine neue Aufgabe übernehmen? (b) Wie lässt sich Römer 12:3 auf eine bescheidene Person anwenden?

18 Und was ist, wenn wir eine neue Aufgabe annehmen? Dann erinnert uns Gideons Beispiel daran, dass wir ohne Jehovas Anleitung und Segen nicht erfolgreich sein können. Deshalb lädt Jehova uns ein, bescheiden mit ihm zu wandeln (Mi. 6:8). Denken wir also bei jeder neuen Aufgabe unter Gebet darüber nach, was uns Jehova durch sein Wort und seine Organisation dazu sagt. Lernen wir, unsere unsicheren Schritte mit Jehovas sicherer Leitung in Übereinstimmung zu bringen. Vergessen wir nicht: Es ist Jehovas Demut, die uns „groß macht“, nicht unsere eigenen Fähigkeiten (Ps. 18:35). Wenn wir bescheiden mit Gott wandeln, denken wir weder zu hoch noch zu niedrig von uns. (Lies Römer 12:3.)

19. Aus welchen Gründen sollten wir uns in Bescheidenheit üben?

19 Wer bescheiden ist, gibt Jehova die gebührende Ehre, weil er unser Schöpfer und der universelle Souverän ist (Offb. 4:11). Bescheidenheit hilft uns, mit unseren Aufgaben in Gottes Organisation zufrieden zu sein und unser Bestes zu geben. Sie bewahrt uns davor, anderen gegenüber rücksichtslos zu sein, und fördert die Einheit in Gottes Volk. Sie veranlasst uns auch, zuerst an andere zu denken sowie umsichtig zu sein und schwerwiegende Fehler zu vermeiden. Macht das nicht deutlich, wie wichtig Bescheidenheit für jeden Diener Gottes ist? Jehova schätzt alle, die sich darin üben. Doch wie reagieren wir, wenn wir unter Druck geraten? Der nächste Artikel zeigt, wie wir unter Belastungen bescheiden bleiben können.