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Jehovas Zeugen

Deutsch

DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) JANUAR 2017

Die Willensfreiheit — ein kostbares Geschenk!

Die Willensfreiheit — ein kostbares Geschenk!

„Wo der Geist Jehovas ist, da ist Freiheit“ (2. KOR. 3:17)

LIEDER: 62, 65

1, 2. (a) Wie denken einige über den freien Willen? (b) Was lehrt die Bibel über Willensfreiheit, und welche Fragen betrachten wir jetzt?

EINE Frau stand vor einer persönlichen Entscheidung und sagte zu einem Freund: „Ich will jetzt nicht darüber nachdenken. Sag mir einfach, was ich tun soll.“ Die Frau wollte lieber hören, was sie tun soll, statt ein wertvolles Geschenk ihres Schöpfers zu nutzen: den freien Willen. Triffst du gern Entscheidungen oder überlässt du das lieber anderen? Wie denkst du über das Thema Willensfreiheit?

2 Dieses Thema erregt die Gemüter seit Jahrhunderten. Manche behaupten, dass es so etwas wie einen freien Willen nicht gibt und unser Tun von Gott vorherbestimmt ist. Andere argumentieren, echte Willensfreiheit sei nur möglich, wenn man absolute Freiheit besitzt. Wie können wir in dieser Sache Klarheit gewinnen? Durch Gottes Wort, die Bibel. Sie zeigt, dass Jehova uns mit Willensfreiheit erschaffen hat — mit der Fähigkeit, Entscheidungen zu durchdenken und frei zu treffen. (Lies Josua 24:15.) Gottes Wort beantwortet auch folgende Fragen: Wie sollten wir unsere Entscheidungsfreiheit gebrauchen? Hat sie Grenzen? Was sagt der Gebrauch unserer Entscheidungsfreiheit über die  Tiefe unserer Liebe zu Jehova aus? Wie können wir die Entscheidungen anderer respektieren?

WAS KÖNNEN WIR VON JEHOVA UND JESUS LERNEN?

3. Welches Beispiel gibt uns Jehova darin, wie er seine Freiheit gebraucht?

3 Wir sind zwar nicht wie Jehova im absoluten Sinn frei, aber wir können von ihm lernen, unsere Freiheit richtig zu gebrauchen. Er entschied sich beispielsweise, die Nation Israel als sein Namensvolk, sein „besonderes Eigentum“, zu bestimmen (5. Mo. 7:6-8). Das war keine spontane Entscheidung. Jehova hielt sich damit an das, was er Jahrhunderte zuvor seinem Freund Abraham versprochen hatte (1. Mo. 22:15-18). Außerdem gebraucht Jehova seine Freiheit immer zusammen mit seiner Liebe und Gerechtigkeit. Das erkennt man daran, wie er die Israeliten in Zucht nahm, die sich immer wieder von der wahren Anbetung abwandten. Wenn sie aufrichtig bereuten, erwies Jehova ihnen bereitwillig Liebe und Barmherzigkeit. Er sagte: „Ich werde ihre Untreue heilen. Ich werde sie aus eigenem, freiem Willen lieben“ (Hos. 14:4). Ist das nicht ein gutes Beispiel dafür, seine Freiheit zum Nutzen anderer einzusetzen?

4, 5. (a) Wem schenkte Gott zuerst Willensfreiheit, und wie gebrauchte er sie? (b) Welche Frage muss sich jeder von uns stellen?

4 Als Jehova schöpferisch tätig wurde, entschied er sich aus Liebe, seinen vernunftbegabten Geschöpfen Willensfreiheit zu schenken. Der Erste, der dieses Geschenk erhielt, war sein erstgeborener Sohn, „das Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kol. 1:15). Noch bevor Jesus auf die Erde kam, fasste er den Entschluss, seinem Vater gegenüber loyal zu bleiben, statt sich Satans Rebellion anzuschließen. Als er später auf der Erde lebte, gebrauchte er seinen freien Willen, um die Versuchungen des großen Widersachers zurückzuweisen (Mat. 4:10). Und in der Nacht vor seinem Tod bekräftigte Jesus in einem innigen Gebet seine Entschlossenheit, den Willen Gottes zu tun. Er betete: „Vater, wenn du willst, entferne diesen Becher von mir. Doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe“ (Luk. 22:42). Ahmen wir Jesus nach und gebrauchen wir unsere Willensfreiheit, um Jehova zu ehren und seinen Willen zu tun. Ist das wirklich möglich?

5 Ja, denn auch wir wurden im Bild Gottes erschaffen, sind Gott also ähnlich (1. Mo. 1:26). Allerdings haben wir Grenzen und sind nicht absolut frei wie Jehova. Gottes Wort erklärt, dass unsere Freiheit eingeschränkt ist und wir die Grenzen beachten müssen, die Jehova uns völlig zu Recht gesetzt hat. Zum Beispiel müssen sich Frauen ihren Männern unterordnen und Kinder ihren Eltern (Eph. 5:22; 6:1). Wie gehen wir angesichts dieser Grenzen mit unserer Willensfreiheit um? Die Antwort auf diese Frage kann über unsere ewige Zukunft entscheiden.

GEBRAUCH UND MISSBRAUCH DER WILLENSFREIHEIT

6. Veranschauliche, warum es gut ist, dass unsere Freiheit Grenzen hat.

6 Kann man bei Willensfreiheit mit Grenzen von echter Freiheit sprechen? Auf jeden Fall. Solche Grenzen können ein Schutz für uns sein. Angenommen, wir entscheiden uns, in eine entfernte Stadt zu fahren. Würden wir uns auf einer Autobahn sicher fühlen, auf der keine Verkehrsregeln gelten, wo jeder selbst entscheiden kann, wie schnell und auf welcher Fahrbahnseite er fährt? Bestimmt nicht. Grenzen sind nötig, um sich der Vorzüge wahrer Freiheit erfreuen zu können. Es ist nur klug, beim Gebrauch der Willensfreiheit innerhalb der von Jehova gesteckten Grenzen zu bleiben. Warum? Das verdeutlichen biblische Beispiele.

7. (a) Was unterschied Adam von den Tieren? (b) Wie gebrauchte Adam unter anderem seine Willensfreiheit?

 7 Als Jehova den ersten Menschen Adam erschuf, schenkte er ihm wie den vernunftbegabten Geschöpfen im Himmel den freien Willen. Das unterschied Adam von den Tieren, die instinktiv handeln. Sehen wir uns an, wie er guten Gebrauch von seiner Willensfreiheit machte. Obwohl die Tiere vor dem Menschen erschaffen wurden, überließ Jehova seinem ersten menschlichen Sohn die Freude, diesen Geschöpfen Namen zu geben. Gott „begann sie zu dem Menschen zu bringen, um zu sehen, wie er jedes nennen würde“. Nachdem Adam jedes Tier beobachtet und ihm einen passenden Namen gegeben hatte, änderte Jehova die Namen nicht wieder. Stattdessen wurde der Name jeder lebenden Seele so, wie immer Adam sie nannte (1. Mo. 2:19).

8. Wie missbrauchte Adam seine Willensfreiheit, und was hatte das zur Folge?

8 Gott beauftragte Adam: „Seid fruchtbar, und werdet viele, und füllt die Erde, und unterwerft sie euch, und haltet euch die Fische . . . und die fliegenden Geschöpfe . . . untertan und jedes lebende Geschöpf, das sich auf der Erde regt“ (1. Mo. 1:28). Leider war Adam mit der Aufgabe, das Paradies zu pflegen und sich darum zu kümmern, nicht zufrieden. Die großen Freiheiten, die Gott ihm dafür eingeräumt hatte, genügten ihm nicht. Stattdessen entschied er sich, die von Gott gesetzten Grenzen zu übertreten und die verbotene Frucht zu essen. Dieser grobe Missbrauch der Willensfreiheit brachte für Adams Nachkommen Jahrtausende lang Schmerz und Leid mit sich (Röm. 5:12). Wir kennen die Folgen von Adams Entscheidung. Sollten wir da mit unserer Freiheit nicht verantwortungsvoll umgehen und innerhalb der von Jehova gesetzten Grenzen bleiben?

9. Vor welche Wahl stellte Jehova die Israeliten, und wie entschieden sie sich?

9 Die Nachkommen von Adam und Eva erbten durch den Ungehorsam ihrer Ureltern Unvollkommenheit und Tod, verloren aber nicht das Recht, den freien Willen zu gebrauchen. Das wird daran deutlich, wie Gott mit der Nation Israel umging. Durch seinen Diener Moses stellte Jehova sie vor eine Wahl: Wollten sie die Ehre, sein besonderes Eigentum zu werden, annehmen oder nicht? (2. Mo. 19:3-6). Aus freien Stücken entschieden sie sich, die Erfordernisse zu erfüllen, Gottes Namensvolk zu werden. Einstimmig erklärten sie: „Alles, was Jehova geredet hat, wollen wir tun“ (2. Mo. 19:8). Leider missbrauchten die Israeliten mit der Zeit ihre Entscheidungsfreiheit und brachen das Versprechen. Beherzigen wir dieses warnende Beispiel und verlieren wir nie die Wertschätzung für das Geschenk des freien Willens. Das gelingt uns, wenn wir uns weiter eng an Jehova halten und seinen gerechten Erfordernissen entsprechen (1. Kor. 10:11).

10. Welche Beispiele zeigen, dass unvollkommene Menschen ihren freien Willen zur Ehre Gottes nutzen können? (Siehe Anfangsbild.)

10 In Hebräer, Kapitel 11 werden 16 Diener Gottes namentlich erwähnt, die ihren freien Willen innerhalb der von Jehova gesetzten Grenzen gebrauchten. Dafür wurden sie sehr gesegnet und sie bekamen eine sichere Zukunftshoffnung. Noah zum Beispiel hatte großen Glauben und baute nach den Anweisungen Jehovas eine Arche, um seine Familie und zukünftige Generationen am Leben zu erhalten (Heb. 11:7). Abraham und Sara ließen sich bereitwillig von Gott in ein Land führen, das er ihnen verheißen hatte. Selbst nachdem sie zu dieser langen Reise aufgebrochen waren, „hätten sie Gelegenheit gehabt“, in die wohlhabende Stadt Ur zurückzukehren. Doch sie richteten ihr Glaubensauge auf „die Erfüllung der Verheißungen [Gottes]“;  „sie [strebten] nach einem besseren Ort“ (Heb. 11:8, 13, 15, 16). Moses kehrte den Schätzen Ägyptens den Rücken, „indem er es sich erwählte, eher mit dem Volk Gottes schlecht behandelt zu werden, als den zeitweiligen Genuss der Sünde zu haben“ (Heb. 11:24-26). Ahmen wir doch den Glauben dieser Diener Gottes aus alter Zeit nach. Schätzen wir das Geschenk der Willensfreiheit und gebrauchen wir es, um Gottes Willen zu tun.

11. (a) Was ist uns durch den Gebrauch des freien Willens möglich? (b) Was veranlasst dich, deinen freien Willen richtig zu gebrauchen?

11 Wir finden es vielleicht leichter, jemand anders für uns entscheiden zu lassen, statt unseren freien Willen zu gebrauchen. Dann würde uns aber etwas Einzigartiges entgehen. Was? Darauf geht 5. Mose 30:19, 20 (lies) ein. Gemäß Vers 19 stellte Jehova die Israeliten vor eine Wahl. Wie Vers 20 erklärt, gab er ihnen so die schöne Gelegenheit zu zeigen, was in ihrem Herzen war. Auch wir können uns entscheiden, Jehova zu dienen. Es gibt kein besseres Motiv, Gottes Geschenk der Willensfreiheit zu nutzen, als es aus Liebe und aus dem Wunsch zu tun, ihn zu ehren und zu preisen.

DEN FREIEN WILLEN NICHT MISSBRAUCHEN

12. Was dürfen wir mit unserem Geschenk des freien Willens nie tun?

12 Stell dir vor, du hast einem Freund etwas Wertvolles geschenkt. Wärst du nicht enttäuscht, wenn er das Geschenk wegwerfen oder damit sogar jemandem schaden würde? Wie muss sich Jehova erst fühlen, wenn er sieht, wie viele ihre Entscheidungsfreiheit missbrauchen oder damit sogar anderen schaden. Es ist genauso, wie die Bibel es voraussagte — in den „letzten Tagen“ würden die Menschen „undankbar“ sein (2. Tim. 3:1, 2). Missbrauchen wir Jehovas kostbares Geschenk nie und nehmen wir es auch nicht für selbstverständlich. Wie können wir aber verhindern, unseren freien Willen zu missbrauchen?

13. Wie zum Beispiel können wir verhindern, dass wir unsere christliche Freiheit missbrauchen?

13 Wir können alle selbst entscheiden, mit wem wir unsere Zeit verbringen, wie wir uns kleiden und zurechtmachen und wovon wir uns unterhalten lassen. Unsere Freiheit könnte allerdings ein „Deckmantel für Schlechtigkeit“ werden, wenn wir uns von fleischlichen Begierden versklaven lassen oder skandalöse Modeerscheinungen  und weltliche Trends mitmachen. (Lies 1. Petrus 2:16.) Gebrauchen wir unsere Freiheit nicht als einen Freibrief zur Befriedigung fleischlicher Wünsche. Treffen wir stattdessen Entscheidungen, die uns helfen, „alles zur Verherrlichung Gottes“ zu tun (Gal. 5:13; 1. Kor. 10:31).

14. Wie gebrauchen wir unsere Willensfreiheit, wenn wir auf Jehova vertrauen?

14 Unsere Willensfreiheit richtig zu gebrauchen bedeutet auch, auf Jehova zu vertrauen und uns in seinen schützenden Grenzen zu bewegen. Er ist derjenige, der uns zum Nutzen lehrt und uns auf den Weg treten lässt, auf dem wir wandeln sollten (Jes. 48:17). Wir müssen demütig anerkennen, wie wahr die biblischen Worte sind, „dass nicht beim Erdenmenschen sein Weg steht. Es steht nicht bei dem Mann, der da wandelt, auch nur seinen Schritt zu richten“ (Jer. 10:23). Fallen wir nie der Schlinge zum Opfer, uns wie Adam oder die rebellischen Israeliten auf unseren eigenen Verstand zu verlassen. Vertrauen wir stattdessen mit unserem „ganzen Herzen“ auf Jehova (Spr. 3:5).

DIE WILLENSFREIHEIT ANDERER RESPEKTIEREN

15. Was können wir aus dem Grundsatz in Galater 6:5 ableiten?

15 Unsere Freiheit hört auch da auf, wo das Recht anderer beginnt, eigene Entscheidungen zu treffen. Warum? Da wir alle Willensfreiheit besitzen, entscheiden zwei Christen nie genau gleich. Das trifft sogar auf Themen wie unser Verhalten und die Anbetung zu. Denken wir an den Grundsatz in Galater 6:5. (Lies.) Wenn uns bewusst ist, dass jeder Christ „seine eigene Last tragen“ muss, gestehen wir anderen das Recht auf Willensfreiheit zu.

Wir können für uns selbst entscheiden, ohne anderen unser Gewissen aufzudrängen (Siehe Absatz 15)

16, 17. (a) Welches Problem trat in Korinth auf? (b) Wie ging Paulus dieses Problem an, und was sagt uns das über die Rechte anderer?

16 Betrachten wir ein biblisches Beispiel dafür, warum wir das Recht unserer Brüder respektieren müssen, in Gewissensangelegenheiten selbst zu entscheiden. Es gab Christen in Korinth, die sich nicht einig waren, ob man Fleisch essen darf, das man Götzen geopfert und dann auf einem Fleischmarkt verkauft hatte. Einige überlegten: „Da Götzen keine Macht haben, kann man das Fleisch guten Gewissens essen.“ Doch für andere, die diese Götzen früher angebetet hatten, war das Essen des Fleisches eine Kulthandlung (1. Kor. 8:4, 7). Das war ein heikles Thema, das die Versammlung spalten konnte. Wie half Paulus den Korinthern, die Sache so zu sehen wie Jehova?

17 Zunächst erinnerte Paulus die beiden Parteien daran: Was wir essen, bringt uns Gott nicht näher (1. Kor. 8:8). Dann warnte er sie davor, ihre Entscheidungsfreiheit zu einer „Ursache zum Straucheln“ für die werden zu lassen, „die schwach sind“ (1. Kor. 8:9). Später wies er Personen mit einem schwächeren Gewissen an, niemand zu richten, der dieses Fleisch isst (1. Kor. 10:25, 29, 30). In dieser wichtigen Angelegenheit, die mit Anbetung zu tun hatte, musste also jeder Christ gemäß seinem Gewissen entscheiden. Sollten wir unseren Brüdern daher nicht auch in weniger wichtigen Angelegenheiten das Recht zugestehen, persönliche Entscheidungen zu treffen? (1. Kor. 10:32, 33).

18. Wie möchtest du deine Dankbarkeit für das Geschenk des freien Willens zeigen?

18 Jehova hat uns den freien Willen geschenkt und damit echte Freiheit (2. Kor. 3:17). Wir schätzen das sehr, denn so können wir Jehova durch unsere Entscheidungen zeigen, wie sehr wir ihn lieben. Seien wir weiter für dieses Geschenk dankbar und gebrauchen wir es so, dass wir Gott ehren und gleichzeitig die Entscheidungsfreiheit anderer respektieren.