„Menschen, die der Schlechtigkeit ergeben sind, können das Recht nicht verstehen, die aber Jehova suchen, können alles verstehen“ (SPR. 28:5)

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1—3. (a) Wie können wir Gott in den letzten Tagen treu bleiben? (b) Was werden wir besprechen?

DIE letzten Tage nähern sich ihrem Ende und die Bösen sprießen wie Unkraut (Ps. 92:7). Es verwundert daher nicht, dass es mit den moralischen Werten immer weiter bergab geht. Wie können wir in diesem Umfeld „[Kinder] in Bezug auf Schlechtigkeit“ sein, aber „Erwachsene an Verständnisvermögen“? (1. Kor. 14:20).

2 Die Antwort finden wir in unserem Leittext: „Die . . . Jehova suchen, können alles verstehen“ — alles, was nötig ist, um ihm zu gefallen (Spr. 28:5). Einen ähnlichen Gedanken enthält Sprüche 2:7, 9, wo es heißt, dass Jehova „für die Rechtschaffenen . . . praktische Weisheit aufbewahren“ wird. So können sie „Gerechtigkeit und Recht und Geradheit verstehen“, also ein Leben führen, das Gott gefällt.

3 Noah, Daniel und Hiob erlangten diese Weisheit (Hes. 14:14). Das trifft auch auf Gottes Volk heute zu. Fragen wir uns doch einmal: Kann ich „alles verstehen“, was nötig ist, um  Jehova zu gefallen? Entscheidend dafür ist, ihn gut zu kennen. Gehen wir dazu auf folgende Fragen ein: 1. Wie lernten Noah, Daniel und Hiob Jehova kennen? 2. Wie bereicherte das, was sie über Gott wussten, ihr Leben? 3. Wie können wir den gleichen Glauben entwickeln wie sie?

NOAH HIELT IN EINER SCHLECHTEN WELT FEST ZU GOTT

4. Wie lernte Noah Gott kennen, und wozu führte das?

4 Wie Noah Gott kennenlernte. Schon immer haben Glaubensmänner und -frauen Gott auf drei Arten kennengelernt: Sie zogen Rückschlüsse aus der Schöpfung, sie lernten von anderen Anbetern Jehovas und sie erlebten, wie gut es sich auswirkt, nach Gottes gerechten Grundsätzen zu leben (Jes. 48:18). Wie war es wohl bei Noah? Alles, was er in der Schöpfung sah, sprach für einen Gott. Er konnte aber auch Gottes unsichtbare Eigenschaften wahrnehmen, zum Beispiel „seine ewigwährende Macht und Göttlichkeit“ (Röm. 1:20). Wozu führte das? Noah entwickelte einen festen Glauben an Gott.

5. Wie erfuhr Noah von Gottes Vorhaben mit der Menschheit?

5 Glaube „folgt . . . auf das Gehörte“ (Röm. 10:17). Wie hörte Noah von Jehova? Zweifellos lernte er viel von seinen Verwandten. Zu ihnen gehörte sein Vater Lamech; er war ein Mann des Glaubens und sein Leben überschnitt sich mit dem von Adam. (Siehe Anfangsbild.) Auch sein Großvater Methusalah und sein Ururgroßvater Jared gehörten dazu. Jared starb, als Noah 366 Jahre alt war (Luk. 3:36, 37). * Was lernte Noah möglicherweise von diesen Männern und ihren Frauen? Vielleicht erfuhr er, wie die Menschheit ihren Anfang nahm, dass Gott die Erde mit gerechten Menschen füllen wollte und dass es in Eden zu einer Rebellion kam, deren Folgen er am eigenen Leib verspürte (1. Mo. 1:28; 3:16-19, 24). Auf jeden Fall berührte Noah das, was er lernte, und er wollte Gott dienen (1. Mo. 6:9).

6, 7. Was stärkte Noahs Glauben?

6 Glaube wird durch Hoffnung gestärkt. Wie war das bei Noah? Sein Name bedeutet wahrscheinlich „Ruhe“ oder „Trost“. Bestimmt war es für ihn schön zu erfahren, dass in seinem Namen Hoffnung mitschwingt (1. Mo. 5:29, Fn.). Lamech sagte unter dem Einfluss von Gottes Geist über Noah: „Dieser wird uns Trost bringen . . . von unserer Hände Mühsal, die vom Erdboden herrührt, den Jehova verflucht hat.“ Noah hoffte auf Gott. Wie Abel und Henoch glaubte er an den „Nachkommen“, der der Schlange den Kopf zermalmen würde (1. Mo. 3:15, Fn.).

7 Noah verstand wahrscheinlich nicht alle Einzelheiten der Edenverheißung aus 1. Mose 3:15. Doch bestimmt erkannte er, dass sie auf eine Befreiung hoffen ließ. Und sie passte zu der Botschaft von Henoch, der Gottes Strafgericht an den Bösen voraussagte (Jud. 14, 15). Diese Prophezeiung, die sich in Armageddon endgültig erfüllen wird, hat Noahs Glauben und Hoffnung sicher gestärkt.

8. Wieso war es für Noah ein Schutz, Gott gut zu kennen?

8 Wie wirkte es sich auf Noah aus, Jehova gut zu kennen? Er entwickelte Vertrauen zu Jehova und konnte weise handeln. Das war ein Schutz für ihn, vor allem in geistiger Hinsicht. Weil er sich eng an Gott hielt, suchte er nicht die Freundschaft gottloser Menschen. Er fiel auch nicht auf die Dämonen in Menschengestalt herein, die mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten  leichtgläubige, gottlose Menschen bestimmt beeindruckten. Vielleicht wurden sie sogar vergöttert (1. Mo. 6:1-4, 9). Noah wusste auch: Die Menschen sollten sich vermehren und die Erde füllen (1. Mo. 1:27, 28). Es muss ihm daher klar gewesen sein, dass sexuelle Beziehungen zwischen Frauen und materialisierten Engeln unnatürlich und falsch waren. Das wurde noch deutlicher, als daraus unnatürliche Nachkommen hervorgingen. Schließlich warnte Gott Noah vor einer weltweiten Flut. Aus Glauben baute Noah die Arche und rettete so seine Familie (Heb. 11:7).

9, 10. Wie können wir Noahs Glauben nachahmen?

9 Wie können wir einen so starken Glauben entwickeln wie Noah? Entscheidend ist, Gottes Wort gut zu studieren, sich das Gelernte zu Herzen zu nehmen und sich davon formen und leiten zu lassen (1. Pet. 1:13-15). Unser Glaube und die Weisheit aus Gottes Wort werden uns dann vor Satans durchtriebenen Taktiken und dem bösen Geist der Welt schützen (2. Kor. 2:11). Dieser Geist fördert eine Liebe zu Gewalt und Unmoral. Er treibt Menschen dazu, sich auf das Verlangen des sündigen Körpers zu konzentrieren (1. Joh. 2:15, 16). Durch diesen Geist könnte jemand, der im Glauben schwach ist, den Blick dafür verlieren, wie nahe Jehovas großer Tag ist. Als Jesus die Zeit Noahs mit unserer Zeit verglich, sprach er interessanterweise nicht von Gewalt und Unmoral, sondern von Gleichgültigkeit. (Lies Matthäus 24:36-39.)

10 Fragen wir uns: „Zeigt meine Lebensführung, dass ich Jehova gut kenne? Veranlasst mich mein Glaube, nach Jehovas Maßstäben zu leben und sie auch anderen zu empfehlen?“ Unsere Antworten lassen erkennen, wie treu wir unseren Weg mit Jehova gehen.

DANIEL HANDELTE WEISE IM HEIDNISCHEN BABYLON

11. (a) Was sagt Daniels Liebe zu Gott über seine Erziehung aus? (b) Worin möchtest du dir Daniel zum Vorbild nehmen?

11 Wie Daniel Gott kennenlernte. Daniels Eltern hatten ihm offensichtlich viel aus den Schriften beigebracht und ihm die Liebe zu Jehova und seinem Wort ins Herz gelegt. Daniel bewahrte sich diese Liebe ein Leben lang. Selbst im hohen Alter vertiefte er sich in die Schriften (Dan. 9:1, 2). Er war gut mit Gott vertraut, zum Beispiel damit, wie Gott mit Israel handelte. Das ist an seinem innigen und demütigen Gebet zu erkennen, das in Daniel 9:3-19 aufgezeichnet ist. Lesen wir es doch einmal und fragen wir uns, was es uns über Daniel verrät.

12—14. (a) Woran ist Daniels Weisheit zu erkennen? (b) Wie wurde Daniel für seine Standhaftigkeit gesegnet?

12 Wie wirkte es sich auf Daniel aus, Jehova gut zu kennen? Als Jude in Babylon treu zu Jehova zu halten war alles andere als leicht. Ein Beispiel: Jehova forderte die Juden auf: „Sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch ins Exil habe gehen lassen“ (Jer. 29:7). Andererseits erwartete er von ihnen ausschließliche Ergebenheit (2. Mo. 34:14). Wie konnte Daniel beidem gerecht werden? Die Weisheit aus den Schriften half ihm, den Grundsatz der relativen Unterordnung unter menschliche Regierungen zu verstehen. Hunderte Jahre später lehrte Jesus denselben Grundsatz (Luk. 20:25).

13 Was tat Daniel, als es einmal durch einen königlichen Erlass 30 Tage lang verboten war, sich an irgendeinen Menschen oder Gott zu wenden, außer an den König? (Lies Daniel 6:7-10.) Daniel hätte denken können: „Es sind ja nur 30 Tage.“ Aber er ließ sich von einem Verbot des Königs nicht davon abhalten, das zu tun, was Gott  von ihm erwartete. Natürlich hätte er auch heimlich beten können. Doch seine Gewohnheit, täglich zu beten, war bekannt. Er wollte nicht einmal den Eindruck erwecken, Zugeständnisse zu machen. Damit setzte er sein Leben aufs Spiel.

14 Jehova segnete die gewissenhafte und mutige Entscheidung von Daniel und bewahrte ihn durch ein Wunder vor einem grausamen Tod. Der Bericht darüber gelangte bis in den letzten Winkel des Medo-Persischen Reiches und verherrlichte Jehova (Dan. 6:25-27).

15. Wie können wir einen so starken Glauben entwickeln wie Daniel?

15 Wie können wir einen so starken Glauben entwickeln wie Daniel? Bibellesen allein genügt nicht — wir müssen das Gelesene auch verstehen (Mat. 13:23). Wir wollen so denken und fühlen wie Jehova, was einschließt, biblische Grundsätze zu verstehen. Daher ist es wichtig, nicht nur über das, was wir lesen, nachzudenken, sondern auch regelmäßig und innig zu beten — vor allem bei Schwierigkeiten. Wenn wir uns vertrauensvoll an Jehova wenden und ihn um Weisheit und Kraft bitten, gibt er sie uns großzügig (Jak. 1:5).

HIOB HIELT AN GOTTES GRUNDSÄTZEN FEST

16, 17. Wie lernte Hiob Gott kennen?

16 Wie Hiob Gott kennenlernte. Hiob war zwar kein Israelit, aber ein entfernter Verwandter von Abraham, Isaak und Jakob. Jehova hatte ihnen einiges über sich und sein Vorhaben mit den Menschen mitgeteilt. Auf irgendeinem Weg erfuhr Hiob von diesen kostbaren Wahrheiten (Hiob 23:12). Er sagte: „Vom Hörensagen habe ich von dir gehört“ (Hiob 42:5). Und Jehova selbst bestätigte, dass das, was Hiob über ihn gesagt hatte, stimmte (Hiob 42:7, 8).

Es stärkt unseren Glauben, wenn wir in der Schöpfung auf Gottes unsichtbare Eigenschaften achten (Siehe Absatz 17)

17 Auch in der Schöpfung sah Hiob viele Hinweise auf Gottes unsichtbare Eigenschaften (Hiob 12:7-9, 13). Sowohl Elihu als auch Jehova nahmen auf die Schöpfung Bezug, um Hiob daran zu erinnern, wie unbedeutend der Mensch im Vergleich zu Gott ist (Hiob 37:14; 38:1-4). Jehovas Worte gingen Hiob nahe. Er sagte demütig zu Gott: „Ich habe erkannt, dass du alle Dinge zu tun vermagst, und es gibt keine Idee, die für dich unerreichbar ist. . . . ich bereue wirklich in Staub und Asche“ (Hiob 42:2, 6).

18, 19. Woran sieht man, dass Hiob Jehova gut kannte?

 18 Wie wirkte es sich auf Hiob aus, Jehova gut zu kennen? Hiob verstand Jehovas Grundsätze außergewöhnlich gut und lebte entsprechend. Ein Beispiel: Hiob wusste, dass er nicht behaupten konnte, Gott zu lieben, wenn er gleichzeitig mit seinem Nächsten unfreundlich umging (Hiob 6:14). Hiob war auch nicht überheblich. Er behandelte alle, ob arm oder reich, wie Geschwister. Er fragte: „Hat nicht der, der mich im Mutterleib machte, auch ihn gemacht?“ (Hiob 31:13-22). Hiob hatte also nicht zugelassen, dass sein früherer Einfluss und Reichtum sein Bild von sich oder von anderen verzerrte. Was für ein Gegensatz zu vielen Reichen und Mächtigen dieser Welt!

19 Hiob lehnte jede Form von Götzendienst ab. Er wollte nicht, dass sein Besitz oder etwas anderes wichtiger war als Jehova. Das hätte bedeutet, „den wahren Gott droben“ zu verleugnen. (Lies Hiob 31:24-28.) Außerdem betrachtete Hiob die Ehe als einen heiligen Bund zwischen einem Mann und einer Frau. Er schloss sogar einen Vertrag mit seinen Augen, keiner anderen Frau unangemessene Aufmerksamkeit zu schenken (Hiob 31:1). Das ist bemerkenswert, da Gott in dieser Zeit die Vielehe duldete. Hiob hätte sich also eine zweite Frau nehmen können. * Doch offensichtlich orientierte er sich an der Ehe, die Gott in Eden geschlossen hatte. Dieses Muster machte er sich zum Gesetz (1. Mo. 2:18, 24). An denselben Grundsatz in Bezug auf Ehe und Sexualmoral erinnerte Jesus rund 1 600 Jahre später (Mat. 5:28; 19:4, 5).

20. Wie nützt es uns, Jehova genau zu kennen?

20 Wie können wir einen so starken Glauben entwickeln wie Hiob? Wichtig ist zu verstehen, wie Jehova denkt und fühlt, und sich dann in jeder Lebenslage davon leiten zu lassen. Der Psalmist David sagte zum Beispiel über Jehova, dass er jeden hasst, der Gewalttat liebt. Und David warnte vor denen, die verheimlichen, wer sie wirklich sind. (Lies Psalm 11:5; 26:4.) Was sagt uns das über Jehovas Denkweise? Wie sollte sich das auf unsere Prioritäten, den Gebrauch des Internets, unseren Umgang und die Wahl unserer Unterhaltung auswirken? Unsere Antworten zeigen, wie gut wir Jehova kennen. Wie können wir verhindern, dass die heutige komplizierte und böse Welt auf uns abfärbt? Trainieren wir unser „Wahrnehmungsvermögen“. So können wir sowohl zwischen dem, was richtig und falsch ist, unterscheiden, als auch zwischen dem, was weise und unweise ist (Heb. 5:14; Eph. 5:15).

21. Wie können wir „alles verstehen“, was nötig ist, um unserem himmlischen Vater zu gefallen?

21 Noah, Daniel und Hiob suchten Jehova mit ganzem Herzen und er ließ sich von ihnen finden. Er ließ sie „alles verstehen“, was nötig war, um ihm zu gefallen. So wurden sie zu Beispielen für Gerechtigkeit und hatten wahren Erfolg im Leben (Ps. 1:1-3). Wir könnten uns fragen, ob wir Jehova so gut kennen, wie Noah, Daniel und Hiob ihn kannten. Tatsache ist: Durch das hellere geistige Licht heute können wir ihn sogar noch besser kennenlernen! (Spr. 4:18). Forschen wir also gründlich in Gottes Wort. Denken wir darüber nach und beten wir um heiligen Geist. Dann wird das Verhältnis zu unserem himmlischen Vater noch enger. Und wir werden in dieser gottlosen Welt weise handeln können (Spr. 2:4-7).

^ Abs. 5 Wie Noah hielt auch sein Urgroßvater Henoch fest zu Gott. Doch 69 Jahre vor Noahs Geburt nahm Gott Henoch hinweg (1. Mo. 5:23, 24).

^ Abs. 19 Dasselbe trifft auf Noah zu. Er hatte nur eine Frau, obwohl die Vielehe schon kurz nach der Rebellion in Eden aufgekommen war (1. Mo. 4:19).