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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  Februar 2016

Was wir von loyalen Dienern Jehovas lernen

Was wir von loyalen Dienern Jehovas lernen

„Was fordert Jehova von dir zurück, als Recht zu üben, loyale Liebe zu üben und bescheiden zu wandeln mit deinem Gott?“ (MI. 6:8, Fn.)

LIEDER: 63, 43

1, 2. Woran zeigte sich, dass David loyal war? (Siehe Anfangsbild.)

DAVID und Abischai schleichen im Dunkeln der Nacht durch ein Lager von 3 000 Soldaten. Mittendrin entdecken sie König Saul, der wie alle anderen tief und fest schläft. Saul ist in die Wildnis von Judäa gekommen, um David aufzuspüren und ihn zu töten. Jetzt flüstert Abischai: „Lass mich ihn bitte mit dem Speer an die Erde spießen, nur einmal, und ich werde es ihm nicht zweimal tun.“ Doch erstaunlicherweise befiehlt David ihm, Saul nichts zu tun, weil niemand die Hand gegen den Auserwählten Jehovas erheben kann, ohne sich schuldig zu machen. Er fügt hinzu: „Es ist im Hinblick auf Jehovas Standpunkt für mich undenkbar, meine Hand gegen den Gesalbten Jehovas auszustrecken!“ (1. Sam. 26:8-12).

2 David wusste, was es heißt, loyal zu sein. Er hatte nicht vor, Saul etwas anzutun, weil dieser der von Gott gesalbte König über Israel war. Loyale Diener Jehovas respektieren diejenigen, die er einsetzt. Ja, Jehova erwartet von allen seinen Dienern, von Herzen loyal zu sein. (Lies Micha 6:8, Fn.)

3. Woran war Abischais Loyalität gegenüber David zu erkennen?

 3 Abischai respektierte David als den König, den Gott ernannt hatte. Zum Beispiel hatte David versucht, seinen Ehebruch mit Bathseba zu vertuschen. Er hatte Joab angewiesen Bathsebas Mann, Uria, in der Schlacht töten zu lassen (2. Sam. 11:2-4, 14, 15; 1. Chr. 2:16). Abischai könnte etwas von dieser Sache mitbekommen haben, da Joab sein Bruder war. Trotzdem respektierte er David weiterhin. Und obwohl er einer der Obersten im Heer war, versuchte er nie seine Macht zu missbrauchen, um den Thron an sich zu reißen. Vielmehr schützte er David vor Verrätern und anderen Feinden (2. Sam. 10:10; 20:6; 21:15-17).

4. (a) Warum können wir sagen, dass David loyal zu Gott stand? (b) Worum geht es nun?

4 Warum weigerte sich David, Saul etwas anzutun? Weil er Jehova gegenüber loyal war. Schon als Jugendlicher hatte sich David gegen den Philisterriesen Goliath gestellt, der es unverschämterweise gewagt hatte, „die Schlachtreihen des lebendigen Gottes“ herauszufordern und sich über sie lustig zu machen (1. Sam. 17:23, 26, 48-51). Als König beging er zwar Ehebruch und Mord und sündigte damit schwer. Dennoch nahm er die Zurechtweisung von Nathan an und bereute (2. Sam. 12:1-5, 13). Selbst im Alter blieb David loyal. Er unterstützte beispielsweise den Bau des Tempels großzügig (1. Chr. 29:1-5). David war also trotz seiner schweren Fehler Gott gegenüber immer loyal (Ps. 51:4, 10; 86:2). Nun geht es um weitere Berichte über David und seine Zeitgenossen. Es werden folgende Fragen beantwortet: Wem sollte unsere Loyalität in erster Linie gehören? Und welche Eigenschaften benötigen wir, um loyal sein zu können?

WELCHE LOYALITÄT HAT VORRANG?

5. Was können wir aus Abischais Fehler lernen?

5 Als Abischai in Sauls Lager schlich, hatte nicht die Loyalität gegenüber Jehova Vorrang — was aber richtig gewesen wäre. Er hielt in erster Linie loyal zu David, weshalb er König Saul töten wollte. Doch David hielt ihn davon ab. Er wusste, wie falsch es wäre, „gegen den Gesalbten Jehovas“ vorzugehen (1. Sam. 26:8-11). Daraus lernen wir etwas Wichtiges: Unsere Loyalität kann mehreren Personen gehören. Jedoch ist es nur mithilfe biblischer Grundsätze möglich, die richtige Reihenfolge herauszufinden.

6. Warum müssen wir vorsichtig sein, obwohl es ganz natürlich ist, loyal zu seiner Familie und seinen Freunden zu halten?

6 Loyalität kommt aus dem Herzen. Da unser Herz allerdings verräterisch ist, müssen wir vorsichtig sein (Jer. 17:9). Jemand, der Gott gegenüber loyal ist, könnte sich daher auch geneigt fühlen, loyal zu einem engen Freund oder Verwandten zu halten, selbst wenn dieser Schlechtes tut. Vor allem, wenn jemand, der uns nahesteht, die Wahrheit verlässt, dürfen wir nicht vergessen, dass keiner unsere Loyalität so sehr verdient wie Jehova. (Lies Matthäus 22:37.)

7. Wie blieb eine Schwester in einer schwierigen Situation Jehova gegenüber loyal?

7 Für einen Diener Jehovas kann ein Loyalitätskonflikt entstehen, wenn ein naher Verwandter ausgeschlossen wird. Anne [1] beispielsweise erhielt einen Anruf von ihrer ausgeschlossenen Mutter. Sie wollte Anne besuchen, weil sie darunter litt, von der Familie isoliert zu sein. Das wühlte Anne sehr auf und sie versprach ihr per Brief zu antworten. Bevor sie aber schrieb, dachte sie über biblische Leitlinien nach (1. Kor. 5:11; 2. Joh. 9-11). In ihrem Brief erinnerte sie ihre Mutter freundlich daran, dass diese sich selbst von der Familie  abgeschnitten hätte, weil sie ihr Fehlverhalten nicht bereute. Anne schrieb: „Es geht dir nur dann wieder besser, wenn du zu Jehova zurückkehrst“ (Jak. 4:8).

8. Welche Eigenschaften helfen uns, loyal zu Gott zu stehen?

8 Loyale Zeitgenossen Davids hatten Eigenschaften, die es auch uns erleichtern, loyal zu Gott zu stehen. Diese Eigenschaften sind Demut, Freundlichkeit und Mut. Sehen wir uns nun eine nach der anderen an.

LOYALITÄT ERFORDERT DEMUT

9. Warum versuchte Abner, David zu töten?

9 Als David mit König Saul sprach und dabei Goliaths abgetrennten Kopf in der Hand hielt, waren mindestens zwei weitere Männer anwesend. Der eine war Sauls Sohn Jonathan, der andere der Heeroberste Abner. Jonathan schloss mit David einen Freundschaftsbund (1. Sam. 17:57 bis 18:3). Abner dagegen unterstützte Saul, als dieser David später töten wollte. David schrieb: „Tyrannen trachten mir nach der Seele“ (Ps. 54:3; 1. Sam. 26:1-5). Sowohl Jonathan als auch Abner wussten, dass Gott David als nächsten König über Israel auserwählt hatte. Warum handelten sie jedoch so verschieden? Weil Jonathan im Gegensatz zu Abner demütig war. Wäre Abner nämlich demütig gewesen und Gott gegenüber loyal, hätte er nach Sauls Tod nicht dessen Sohn Isch-Boscheth, sondern David unterstützt. Weil er aber stolz war und wohl selbst König werden wollte, schlief er später sogar mit Sauls Nebenfrau (2. Sam. 2:8-10; 3:6-11).

10. Warum war Absalom Gott gegenüber nicht loyal?

10 Auch Davids Sohn Absalom war nicht demütig und blieb Gott nicht loyal. Er wollte selbst König werden, weshalb er „daranging, sich einen Wagen anzuschaffen, mit Pferden und mit fünfzig Mann, die vor ihm herliefen“ (2. Sam. 15:1). Außerdem brachte Absalom die Menschen dazu, zu ihm zu halten. Wie Abner wollte er David töten, und das obwohl Jehova seinen Vater als König über Israel eingesetzt hatte (2. Sam. 15:13, 14; 17:1-4).

11. Warum sind die Berichte über Abner, Absalom und Baruch für uns wertvoll?

11 Wie an Abner und Absalom deutlich wird, kann Ehrgeiz leicht dazu führen, dass jemand Gott gegenüber nicht loyal bleibt. Natürlich möchte kein treuer Diener Jehovas so böse und selbstsüchtig sein wie diese Männer. Doch auch der Wunsch nach Reichtum oder einer angesehenen  Stellung in der Welt kann uns von Jehova entfernen. Baruch, der Sekretär des Propheten Jeremia, verlor aus unbekannten Gründen kurzzeitig seinen Blick für das Wesentliche. Jehova ließ ihn daher wissen: „Siehe! Was ich aufgebaut habe, reiße ich nieder, und was ich gepflanzt habe, reiße ich aus, ja das ganze Land selbst. Aber was dich betrifft, du suchst für dich ständig nach großen Dingen. Suche nicht weiter“ (Jer. 45:4, 5). Baruch ließ sich korrigieren. Diese Worte Gottes im Sinn zu behalten ist auch für uns nur weise, während wir auf das Ende der bösen Welt warten.

12. Warum ist es nicht möglich, Gott gegenüber loyal und gleichzeitig selbstsüchtig zu sein?

12 Daniel, ein Bruder in Mexiko, musste sich zwischen der Loyalität zu Gott und seinen eigenen selbstsüchtigen Interessen entscheiden. Er wollte eine Frau heiraten, die keine Zeugin war. Daniel erzählt: „Selbst nachdem ich Pionier geworden war, schrieb ich ihr. Doch irgendwann überwand ich mich und erzählte einem erfahrenen Ältesten von meinem Loyalitätskonflikt. Durch ihn verstand ich, dass ich aufhören musste ihr zu schreiben, wenn ich Gott gegenüber loyal sein wollte. Nach vielen Tränen und Gebeten tat ich das auch. Bald darauf hatte ich mehr Freude im Dienst.“ Später heiratete Daniel eine nette Schwester und heute ist er Kreisaufseher.

AUS LOYALITÄT FREUNDLICH

Wirst du loyal sein und deinen Freund bitten, bei den Ältesten Hilfe zu suchen, wenn du von seinem schweren Fehlverhalten erfährst? (Siehe Absatz 14)

13. Wie hielt Nathan sowohl loyal zu Gott als auch zu David, als dieser sündigte?

13 Loyalität gegenüber Jehova schließt es nicht aus, auch zu Menschen loyal zu sein. Der Prophet Nathan hielt sowohl loyal zu Gott als auch zu David. David hatte ja mit Bathseba Ehebruch begangen und dafür gesorgt, dass ihr Mann in der Schlacht umkam. Als Nathan davon erfuhr und von Jehova zu David gesandt wurde, um diesen zurechtzuweisen, gehorchte er mutig. Weil er David gegenüber loyal war, wollte er ihm verstehen helfen, wie ernst seine Sünden waren. Nathan ging dabei weise und freundlich vor. Er verwendete eine Veranschaulichung, in der ein reicher Mann einem armen Mann das einzige Lamm stiehlt. Als sich David über diese Ungerechtigkeit ärgerte, sagte Nathan: „Du selbst bist der Mann!“ David begriff es sofort (2. Sam. 12:1-7, 13).

14. Wie können wir sowohl loyal zu Jehova stehen als auch zu unseren Freunden oder Verwandten?

14 Freundlich zu sein und das Wohl anderer im Sinn zu haben kann uns in einem  Loyalitätskonflikt weiterhelfen. Ein Beispiel: Vielleicht weißt du genau, dass ein Bruder schwer gesündigt hat. Womöglich fühlst du dich verpflichtet, zu ihm zu halten, vor allem wenn er ein enger Freund oder Verwandter ist. Deckst du jedoch seine Missetat, bist du Gott gegenüber nicht loyal. Die Loyalität gegenüber Jehova sollte immer Vorrang haben. Nimm dir daher Nathan zum Vorbild und sei freundlich, aber bleib fest. Leg deinem Freund oder Verwandten nahe, sich an die Ältesten zu wenden. Wenn er das nicht innerhalb einer vernünftigen Zeit tut, solltest du selbst zu den Ältesten gehen. So beweist du nicht nur, dass du loyal zu Gott stehst, sondern auch das Beste für deinen Freund oder Verwandten möchtest. Und die Ältesten werden versuchen, ihn mit Milde wieder zurechtzubringen. (Lies 3. Mose 5:1; Galater 6:1.)

LOYALITÄT ERFORDERT MUT

15, 16. Warum brauchte Huschai Mut, um loyal zu Gott zu stehen?

15 Huschai brauchte Mut, um loyal zu Gott zu stehen. Er war ein treuer Freund von König David. Doch dann wurde seine Loyalität auf die Probe gestellt. Davids Sohn Absalom hatte viele auf seine Seite gebracht und nun wollte er Jerusalem einnehmen und den Thron an sich reißen (2. Sam. 15:13; 16:15). David flüchtete. Aber zu wem würde Huschai halten? Zu einem alten König, der um sein Leben floh, oder zu Absalom? Huschai stand loyal zu dem von Gott eingesetzten König und deshalb traf er sich mit David auf dem Ölberg (2. Sam. 15:30, 32).

16 David bat Huschai nach Jerusalem zurückzugehen. Er sollte so tun, als sei er Absaloms Freund, und Ahithophels Rat vereiteln. Huschai erfüllte Davids Bitte. Obwohl es ihn das Leben hätte kosten können, bewies er so seine Loyalität Gott gegenüber. Wie ging es aus? Durch den Rat des mutigen Huschai wurde Ahithophels Rat vereitelt und so Davids Gebet erhört (2. Sam. 15:31; 17:14).

17. Warum brauchen auch wir Mut, um loyal zu sein?

17 Um loyal zu Jehova zu stehen, brauchen auch wir Mut. Schließlich müssen viele von uns dem Druck standhalten, der von Familienmitgliedern, Arbeitskollegen oder vom Staat ausgeht. Taro zum Beispiel, der in Japan lebt, war seinen Eltern von klein auf immer gehorsam — und zwar nicht aus bloßem Pflichtgefühl, sondern weil er seine Eltern glücklich machen wollte. Dann studierte er jedoch mit Jehovas Zeugen die Bibel, was seinen Eltern überhaupt nicht gefiel. Daher war es besonders schwer für ihn, seinen Eltern zu sagen, dass er die Zusammenkünfte auf jeden Fall besuchen würde. Taro erzählt: „Sie waren so wütend, dass ich sie jahrelang nicht mehr besuchen durfte. Ich betete um Mut, zu meiner Entscheidung zu stehen. Mittlerweile hat sich unser Verhältnis gebessert und ich darf sie wieder regelmäßig besuchen.“ (Lies Sprüche 29:25.)

18. Wie empfindest du nach dieser Betrachtung?

18 Auch wir können wie David, Jonathan, Nathan und Huschai loyal zu Jehova stehen und dadurch tiefe Zufriedenheit verspüren. Außerdem sollte uns das Negativbeispiel von Abner und Absalom eine Warnung sein. Bestimmt wollen wir wie David fest zu Jehova halten. Da wir jedoch unvollkommen sind, können wir Fehler nicht vermeiden. Dennoch können wir beweisen, dass die Loyalität gegenüber Jehova für uns das Wichtigste ist.

^ [1] (Absatz 7) Einige Namen wurden geändert.