Einstellung der Bedienungshilfe

Search

Sprache auswählen

Zurück zum Untermenü

Zum Inhaltsverzeichnis springen

Zurück zum Inhalt

Jehovas Zeugen

Deutsch

DER WACHTTURM (STUDIENAUSGABE) FEBRUAR 2016

 LEBENSBERICHT

Jehova hat mir in seinem Dienst Erfolg geschenkt

Jehova hat mir in seinem Dienst Erfolg geschenkt

Ich sagte dem Offizier, ich wäre schon einmal im Gefängnis gewesen, weil ich nicht bereit war zu kämpfen. Ich fragte ihn daher: „Soll ich das jetzt noch einmal durchmachen?“ Dieses Gespräch fand statt, als ich zum zweiten Mal in die US-Armee einberufen wurde.

ICH kam 1926 in Crooksville (Ohio, USA) zur Welt. Meine Eltern waren zwar nicht religiös, aber wir acht Kinder sollten in die Kirche gehen. Ich ging zu den Methodisten. Mit 14 überreichte mir der Pastor einen Preis, weil ich ein Jahr lang keinen Sonntagsgottesdienst verpasst hatte.

Margaret Walker (zweite Schwester von links) half mir die Wahrheit kennenzulernen

Etwa zur gleichen Zeit besuchte uns Margaret Walker. Sie war eine Zeugin Jehovas aus der Nachbarschaft und sie sprach mit meiner Mutter über die Bibel. Eines Tages setzte ich mich dazu. Mutter dachte, ich würde stören, und schickte mich raus. Doch ich versuchte trotzdem immer mitzuhören. Nach einigen weiteren Besuchen fragte mich Margaret: „Kennst du den Namen Gottes?“ Ich antwortete: „Den kennt doch jeder: Gott.“ Darauf sie: „Hol mal deine Bibel und schlag Psalm 83:18 auf.“ Das tat ich auch und so fand ich heraus, dass der Name Gottes Jehova ist. Ich rannte zu meinen Freunden und sagte ihnen: „Wenn ihr heute Abend nach Hause kommt, lest Psalm 83:18. Dort steht der Name Gottes.“ Man könnte sagen, ich fing sofort zu predigen an.

 Ich studierte die Bibel und ließ mich 1941 taufen. Bald darauf durfte ich ein Versammlungsbuchstudium leiten, wozu ich meine Mutter und meine Geschwister einlud. Sie nahmen die Einladung an. Mein Vater interessierte sich allerdings nicht dafür.

WIDERSTAND IN DER FAMILIE

In der Versammlung erhielt ich mehr Verantwortung. Außerdem legte ich mir eine theokratische Bibliothek an. Eines Tages zeigte mein Vater auf meine Bücher und sagte: „Siehst du den ganzen Kram da? Ich möchte, dass der aus dem Haus verschwindet. Und du gleich mit.“ Also zog ich aus und nahm mir ein Zimmer im nahe gelegenen Zanesville (Ohio). Trotzdem besuchte ich meine Familie immer wieder, um ihr Mut zu machen.

Vater versuchte Mutter davon abzuhalten, die Zusammenkünfte zu besuchen. Wenn sie sich aufgemacht hatte, rannte er ihr manchmal hinterher und zerrte sie ins Haus zurück. Aber sie lief einfach zur anderen Tür hinaus und ging in die Versammlung. Ich sagte ihr: „Mach dir keine Sorgen. Irgendwann hat er keine Lust mehr, dir hinterherzurennen.“ So kam es auch und sie konnte die Zusammenkünfte ohne Probleme besuchen.

1943 wurde in unserer Versammlung die Theokratische Predigtdienstschule eingeführt und ich begann Aufgaben zu halten. Der Rat, den ich in dieser Schule bekam, half mir meine Redefähigkeit zu verbessern.

IM KRIEG NEUTRAL

Damals tobte der Zweite Weltkrieg. 1944 wurde ich dann zum Militärdienst einberufen. Ich meldete mich im Fort Hayes in Columbus (Ohio). Dort wurde ich gemustert und sollte einige Papiere ausfüllen. Außerdem sagte ich den Verantwortlichen, ich würde kein Soldat werden. Daraufhin ließen sie mich gehen. Ein paar Tage später aber stand ein Polizist vor meiner Tür und sagte: „Corwin Robison, ich habe einen Haftbefehl für Sie.“

Zwei Wochen später sagte der Richter im Gericht zu mir: „Wenn es nach mir ginge, bekämen Sie lebenslänglich. Haben Sie noch etwas zu sagen?“ Ich erwiderte: „Herr Vorsitzender, eigentlich müsste ich als Geistlicher anerkannt werden. Jedermanns Türschwelle ist meine Kanzel und ich habe die gute Botschaft vom Reich Gottes vielen Menschen gepredigt.“ Der Richter wies die Geschworenen an: „Sie sind nicht hier, um zu entscheiden, ob dieser junge Mann ein Geistlicher ist. Sie sind hier, um darüber zu befinden, ob er den Einberufungsbefehl befolgt hat oder nicht.“ In weniger als einer halben Stunde kamen die Geschworenen mit einem Urteil zurück: schuldig. Der Richter verurteilte mich zu fünf Jahren in der Bundesstrafanstalt in Ashland (Kentucky).

JEHOVA BESCHÜTZT MICH IM GEFÄNGNIS

Die ersten zwei Wochen war ich in einem Gefängnis in Columbus (Ohio). Nach dem ersten Tag in meiner Zelle betete ich zu Jehova: „Ich kann keine fünf Jahre in einer Zelle bleiben. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll.“

Am nächsten Tag ließen mich die Wachen heraus. Ich ging zu einem großen, breitschultrigen Häftling, der an einem Fenster stand. Wir sahen eine Weile hinaus. Dann fragte er  mich: „Warum bist du hier, Kurzer?“ Ich antwortete: „Ich bin ein Zeuge Jehovas.“ Darauf er: „Wirklich? Warum bist du dann hier?“ Ich sagte: „Jehovas Zeugen ziehen weder in den Krieg noch töten sie Menschen.“ Wieder er: „Sie stecken dich ins Gefängnis, weil du keine Menschen tötest? Andere Leute werden eingesperrt, weil sie Menschen töten. Das ergibt doch keinen Sinn!“ Ich stimmte ihm zu.

Dann sagte er: „Ich war 15 Jahre lang in einem anderen Gefängnis. Dort las ich einige eurer Veröffentlichungen.“ Ich betete: „Jehova, hilf mir, diesen Mann auf meine Seite zu bekommen.“ Paul — so hieß er — sagte genau in diesem Moment: „Sollte einer dieser Jungs dir etwas antun, dann schrei. Ich kümmer mich um ihn.“ Letztendlich hatte ich mit keinem der 50 Insassen in diesem Trakt Probleme.

Ich gehörte zu den Zeugen, die wegen ihrer Neutralität in Ashland (Kentucky) inhaftiert waren

Ich wurde nach Ashland überstellt. Dort waren bereits einige reife Brüder. Ihre Gemeinschaft half mir und anderen, im Glauben stark zu bleiben. Sie teilten uns zu einem wöchentlichen Bibellesen ein und wir bereiteten Fragen und Antworten für Zusammenkünfte vor, die wir Bibelfragerunde nannten. Es gab auch einen Gebietsdiener. In unserem großen Schlafsaal waren die Betten an den Wänden entlang aufgestellt. Der Gebietsdiener sagte zu mir: „Robison, du bist für Bett soundso verantwortlich. Jeder, der diesem Bett zugeteilt wird, ist dein Gebiet. Gib ihm auf jeden Fall Zeugnis, bevor er entlassen wird.“ So predigten wir auf organisierte Weise.

MEIN LEBEN NACH DEM GEFÄNGNIS

Der Zweite Weltkrieg endete zwar 1945, aber trotzdem musste ich noch einige Zeit im Gefängnis bleiben. Ich machte mir um meine Familie Sorgen, denn Vater hatte zu mir gesagt: „Wenn ich dich los bin, schaff ich den Rest.“ Nach meiner Entlassung erlebte ich jedoch eine angenehme Überraschung. Trotz seines Widerstands besuchten sieben aus der Familie die Zusammenkünfte und eine meiner Schwestern war getauft.

Im Predigtdienst mit Demetrius Papageorge, einem Gesalbten, der Jehova seit 1913 diente

1950 brach dann der Koreakrieg aus. Nun musste ich zum zweiten Mal im Fort Hayes vorstellig werden. Nach einem Eignungstest sagte mir ein Offizier: „Sie haben mit die höchste Punktzahl in ihrer Gruppe.“ Ich erwiderte: „Schön. Trotzdem gehe ich nicht zur Armee.“ Ich zitierte 2. Timotheus 2:3 und sagte: „Ich bin bereits ein Soldat Christi.“ Nach einer langen Pause sagte er: „Sie können gehen.“

 Kurz danach besuchte ich bei einem Kongress in Cincinnati (Ohio) die Zusammenkunft für Bethelbewerber. Bruder Milton Henschel ließ uns wissen, dass die Organisation Brüder, die sich für das Königreich mehr einsetzen wollten, im Bethel gut gebrauchen kann. Also bewarb ich mich und wurde angenommen. Im August 1954 kam ich nach Brooklyn. Seitdem bin ich im Bethel.

Mir ist die Arbeit nie ausgegangen. Etliche Jahre lang kümmerte ich mich um die Heizkessel der Druckerei und des Bürogebäudes, arbeitete als Mechaniker und reparierte Schlösser. Auch in den Kongresssälen in New York war ich tätig.

Ich kümmere mich um die Heizkessel im Bürogebäude im Brooklyner Bethel

Ich habe das Programm im Bethel lieben gelernt. Dazu gehört das biblische Morgenprogramm und das Wachtturm-Studium der Bethelfamilie sowie der Predigtdienst in der Versammlung. Genau genommen können und sollten diese Dinge in jeder Familie von Zeugen Jehovas einen festen Platz haben. Wenn Eltern mit ihren Kindern den Tagestext besprechen, regelmäßig als Familie studieren und sich in den Zusammenkünften sowie am Predigen der guten Botschaft beteiligen, werden wohl alle in der Familie Jehova nahebleiben.

Im Bethel und in der Versammlung habe ich viele Freunde gefunden. Einige waren gesalbt und haben ihren Lohn im Himmel bereits erhalten. Andere waren nicht gesalbt. Doch alle Diener Jehovas — auch diejenigen im Bethel — sind unvollkommen. Wenn ich mit einem Bruder aneinandergerate, versuche ich immer Frieden zu schließen. Ich denke an Matthäus 5:23, 24 und wie wir mit Meinungsverschiedenheiten umgehen sollten. Sich zu entschuldigen ist zwar nicht leicht. Aber nur selten hielten die Probleme mit einem Freund an, nachdem ich mich entschuldigt hatte.

GUTE ERGEBNISSE IM DIENST

Aufgrund meines Alters fällt es mir schwer, von Haus zu Haus zu gehen. Aber ich gebe nicht auf. Ich habe ein bisschen Hochchinesisch gelernt und es macht mir Freude, Chinesen auf der Straße anzusprechen. An manchen Vormittagen gebe ich 30 bis 40 Zeitschriften ab.

Ich predige Chinesen in Brooklyn (New York)

 Ich habe sogar einen Rückbesuch in China gemacht! Eines Tages lächelte mich eine nette junge Frau an, als sie für einen Obststand Werbezettel verteilte. Ich lächelte zurück und bot ihr den Wachtturm und das Erwachet! in Chinesisch an. Sie nahm die Zeitschriften und sagte mir, dass sie Katie heißt. Wann immer sie mich danach sah, kam sie auf mich zu und wir unterhielten uns. Ich nannte ihr die Namen von Obst- und Gemüsesorten in Englisch und sie wiederholte sie. Außerdem erklärte ich ihr Bibeltexte und sie nahm das Bibel-lehrt-Buch an. Nach einigen Wochen war sie jedoch verschwunden.

Ein paar Monate später verteilte eine andere junge Frau Werbezettel und auch sie nahm Zeitschriften an. In der nächsten Woche drückte sie mir dann ihr Handy in die Hand und sagte: „Sprechen Sie mit China.“ Ich antwortete: „Ich kenne niemand in China.“ Doch sie blieb hartnäckig und so nahm ich das Telefon: „Robison, hallo?“ Die Stimme am anderen Ende sagte: „Robby, hier ist Katie. Ich bin wieder in China.“ „China?“, fragte ich. „Ja, Robby. Die Frau, die dir das Telefon gegeben hat, ist meine Schwester. Du hast mir viel Gutes beigebracht. Bitte bring ihr das doch auch bei.“ Ich erwiderte: „Ich werde mein Bestes geben, Katie. Danke, dass du mir Bescheid gegeben hast, wo du bist.“ Bald darauf sprach ich zum letzten Mal mit Katies Schwester. Ich hoffe, wo auch immer die beiden sind, dass sie mehr über Jehova lernen.

Ich habe Jehova 73 Jahre lang gedient. Er hat mir geholfen, im Gefängnis neutral und treu zu bleiben, worüber ich sehr glücklich bin. Wie meine Geschwister mir gesagt haben, hat es ihnen Mut gemacht, dass ich trotz des Widerstands unseres Vaters nicht aufgegeben habe. Neben meiner Mutter ließen sich schließlich sechs von ihnen taufen. Sogar Vater, der einst sehr gegnerisch war, besuchte vor seinem Tod einige Zusammenkünfte.

Wenn Gott will, werden meine Freunde und Familienmitglieder, die gestorben sind, in der neuen Welt wieder leben. Stellen wir uns nur vor, wie schön es sein wird, Jehova mit denen, die wir lieben, für immer anzubeten! *

^ Abs. 32 Corwin Robison verstarb, während dieser Artikel für die Veröffentlichung vorbereitet wurde. Er blieb Jehova bis zuletzt treu.