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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  April 2016

Welche Wege nimmt deine Fantasie?

Welche Wege nimmt deine Fantasie?

WAS wiegt nur etwa 1,4 Kilogramm und wurde doch bezeichnet als „das Komplizierteste, was wir bisher im Universum entdeckt haben“? Unser Gehirn. Es ist wirklich beeindruckend. Je besser wir es verstehen, desto mehr werden wir von all dem begeistert sein, was Jehova Wunderbares geschaffen hat (Ps. 139:14). Beschäftigen wir uns einmal mit einer der vielen Fähigkeiten unseres Gehirns: der Vorstellungskraft.

Was versteht man darunter? Ein Wörterbuch definiert Vorstellungskraft als „die Fähigkeit, im Geist Ideen oder Bilder von etwas Neuem oder Aufregendem entstehen zu lassen, oder sich in Situationen hineinzuversetzen, die man selbst nicht erlebt hat“. So gesehen setzt man seine Vorstellungskraft fast ständig ein. Wie ist das zum Beispiel, wenn du etwas von einem Ort liest oder hörst, an dem du noch nie warst? Gehst du dann nicht auch sofort gedanklich auf die Reise? Sobald wir also an etwas denken, was wir gerade nicht sehen, hören, riechen, schmecken oder berühren können, arbeitet unsere Fantasie.

Aus der Bibel wissen wir, dass der Mensch nach dem Bild Gottes erschaffen wurde (1. Mo. 1:26, 27). Legt das nicht nahe, dass Jehova in gewisser Weise auch Fantasie hat? Uns hat er bewusst mit dieser Fähigkeit ausgestattet. Darf er dann nicht auch erwarten, dass wir sie nutzen, um seinen Willen zu erfassen? (Pred. 3:11). Wie können wir unsere Vorstellungskraft also richtig einsetzen? Und wovor müssen wir uns hüten?

SO AM BESTEN NICHT

1. Tagträume von falschen Dingen oder zur falschen Zeit

Tagträume an sich sind nichts Schlechtes — sie sollen sogar ganz nützlich sein. Doch nicht immer ist dafür die richtige Zeit, denn aus Prediger 3:1 wissen wir: „Für alles gibt es eine bestimmte Zeit“. Angenommen wir sitzen in der Versammlung oder studieren gerade. Wenn wir jetzt die Gedanken schweifen lassen, wäre unsere Vorstellungskraft dann eine Hilfe oder eher ein Hindernis? Zudem warnte Jesus eindringlich davor, unserer Vorstellungskraft freien Lauf zu lassen und schädlichen Gedanken nachzuhängen, wie zum Beispiel unmoralischen Fantasien (Mat. 5:28). So mancher gedankliche Ausflug, den wir zulassen könnten, würde Jehova alles andere als gefallen. Mit schmutzigen Fantasien begibt man sich schnell auf den Weg zur eigentlichen Tat. Gib deiner Vorstellungskraft nie die Macht, dich von Jehova wegzuziehen!

2. In der Vorstellung leben, dass Besitz auf Dauer Sicherheit bieten kann

Geld und Besitz sind nützlich und auch nötig. Doch wenn wir glauben, dass sie uns echte Sicherheit und wahres Glück bringen, werden wir enttäuscht werden. Der weise König Salomo schrieb: „Die wertvollen Dinge des Reichen sind seine starke Stadt, und sie sind in seiner Einbildung wie eine Schutzmauer“ (Spr. 18:11). Ein Beispiel von den  Philippinen: Im September 2009 wurden etwa 80 Prozent der Hauptstadt Manila durch heftige Regenfälle überflutet. Blieben wohlhabende Menschen verschont? Ein vermögender Mann, der damals viel verloren hatte, sagte: „Die Überschwemmung machte keinen Unterschied zwischen Arm und Reich. Jedem brachte sie Schwierigkeiten und Leid.“ Man ist schnell dabei zu denken, dass Geld und Besitz echte Sicherheit bieten. Die Realität sieht allerdings anders aus.

3. Sich ausmalen, was alles Schlimmes passieren könnte

Jesus riet uns, dass wir uns nicht zu viele Sorgen machen sollten (Mat. 6:34). Ständig hinter allem Probleme oder Gefahren zu sehen fordert eine Menge Vorstellungskraft. Wenn man sich wegen Problemen Sorgen macht, die noch gar nicht aufgetreten sind und womöglich auch nie auftreten werden, verschwendet man eigentlich nur seine Energie. Wie die Bibel nahelegt, können solche Sorgen dazu führen, dass man in ein Loch fällt oder sogar depressiv wird (Spr. 12:25). Das umzusetzen, was Jesus uns riet, ist wirklich wichtig: Sich nicht übermäßig Sorgen machen und jeden Tag für sich angehen.

SO IST ES BESSER

1. Gefahren sehen und ihnen aus dem Weg gehen

In der Bibel wird uns geraten, klug zu sein und vorauszudenken (Spr. 22:3). Mit ein wenig Fantasie kann man herausfinden, welche Folgen eine bestimmte Entscheidung haben könnte. Ein Beispiel: Du bist eingeladen. Wie kann dir hier deine Vorstellungskraft helfen zu entscheiden, ob du hingehen solltest oder nicht? Erst einmal könntest du überlegen: „Wer ist noch eingeladen? Wie viele Leute kommen? Wann und wo findet das Ganze statt?“ Jetzt kannst du dir wahrscheinlich ungefähr vorstellen, wie es werden wird. Kannst du realistischerweise damit rechnen, dass es sich gut auswirken wird und dabei keine biblischen Grundsätze verletzt werden? Durch dieses Gedankenspiel entsteht in deinem Kopf schon vorab ein ungefähres Bild. Deine Fantasie kann dir also dabei helfen, richtig zu entscheiden — nämlich so, dass du nichts tust, was dich von Jehova wegziehen könnte.

2. Gedanklich durchspielen, wie man ein Problem löst

Zur Vorstellungskraft gehört auch die „Fähigkeit, sich einem Problem zu stellen und damit umzugehen“. Stell dir vor, du hattest mit jemand in der Versammlung eine Meinungsverschiedenheit. Wie könntest du dann auf deinen Bruder oder deine Schwester zugehen, um Frieden zu schließen? Dabei ist so manches  zu bedenken: Was für ein Kommunikationstyp ist er oder sie? Wann wäre der richtige Zeitpunkt, über die Sache zu sprechen? Was wird man am besten sagen und in welchem Ton? Spiel in Gedanken verschiedene Möglichkeiten durch. Wähle die Variante, die für den anderen wahrscheinlich am angenehmsten ist und am ehesten zum Ziel führt (Spr. 15:28). Mit einer schwierigen Situation überlegt umzugehen, trägt zum Frieden in der Versammlung bei. So eingesetzte Vorstellungskraft ist eine Kraft zum Guten.

3. Das Bibellesen und Studieren aufwerten

Jeden Tag in der Bibel zu lesen ist absolut unerlässlich. Allerdings geht es dabei um mehr, als nur darum, eine bestimmte Menge Stoff zu schaffen. Wir müssen den praktischen Wert von dem, was wir lesen, herausfiltern und uns vornehmen, es dann in unserem Leben umzusetzen. Durch das Bibellesen sollte für uns noch kostbarer werden, was Jehova getan hat und tut. Für beides brauchen wir wieder unsere Vorstellungskraft. Nehmen wir zum Beispiel das Buch Ahmt ihren Glauben nach. Darin zu lesen kann unsere Fantasie anregen, denn es hilft uns, die verschiedenen Personen quasi in ihrem Umfeld zu erleben — die Umgebung, die Geräusche, die Gerüche um sie herum. Wir können auch leichter ihre Gefühle nachempfinden. So entdecken wir in eigentlich bekannten Geschichten immer wieder etwas Neues, was uns weiterbringt und uns guttut. Wenn wir beim Bibellesen und Studieren unsere Fantasie spielen lassen, können wir dabei viel mehr für uns herausholen.

4. Lernen, sich in andere hineinzuversetzen und einfühlsam zu sein

Den Schmerz des anderen im eigenen Herzen spüren — so wurde die bemerkenswerte Fähigkeit, sich in andere einfühlen zu können, einmal beschrieben. Es ist nur gut, wenn wir diese Eigenschaft entwickeln, denn auch Jehova und Jesus sind einfühlsam (2. Mo. 3:7; Ps. 72:13). Wie kann man das schaffen? Mit am meisten hilft einem hier wohl die Vorstellungskraft. Was unser Bruder oder unsere Schwester gerade durchmacht, haben wir vielleicht selbst noch nie erlebt. Wir könnten uns aber fragen: „Wenn ich in ihrer Situation wäre, wie würde ich mich fühlen? Was würde ich brauchen?“ Uns so in sie hineinzuversetzen wird uns helfen, einfühlsamer zu sein. Einfühlungsvermögen kommt uns einfach in jedem Lebensbereich zugute, ob im Umgang mit unseren Brüdern und Schwestern oder auch in unserem Dienst.

5. Sich selbst in der neuen Welt sehen

In der Bibel findet man viele eindrucksvolle Beschreibungen von der neuen Welt, die Jehova uns versprochen hat (Jes. 35:5-7; 65:21-25; Offb. 21:3, 4). In unseren Veröffentlichungen werden diese Worte noch durch viele Illustrationen vervollständigt, denn Bilder regen unsere Fantasie an. Wir sehen das, was Jehova uns versprochen hat, als ob es schon wahr wäre — und uns mittendrin. Als Schöpfer der Fantasie weiß Jehova besser als sonst irgendjemand, wie viel Macht sie hat. Wenn wir unsere Fantasie nutzen, um über seine Versprechen nachzudenken, werden wir ihm treu bleiben und noch mehr vertrauen können — gerade in den heutigen schweren Zeiten.

Es ist wirklich liebevoll von Jehova, dass er uns die Vorstellungskraft geschenkt hat. Diese erstaunliche Fähigkeit kann uns helfen, ihm jeden Tag treu zu dienen. Dadurch, dass wir dieses wundervolle Geschenk weise gebrauchen, können wir Jehova Tag für Tag Danke dafür sagen.