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Jehovas Zeugen

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Der Wachtturm — Studienausgabe  |  April 2016

Warum wir zusammenkommen sollten

Warum wir zusammenkommen sollten

„Tag für Tag waren sie fortgesetzt einmütig im Tempel anwesend“ (APG. 2:46)

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1—3. (a) Wie haben Christen erkennen lassen, dass ihnen die Zusammenkünfte wichtig sind? (Siehe Anfangsbild.) (b) Worum geht es in dem vorliegenden Artikel?

CORINNA war gerade mal 17 Jahre alt, als ihre Mutter verhaftet und in ein sowjetisches Arbeitslager geschickt wurde. Später kam Corinna dann selbst ins Exil nach Sibirien, Tausende Kilometer von zu Hause entfernt. Manchmal wurde sie wie eine Sklavin behandelt und ohne vernünftige Kleidung zum Arbeiten in die Eiseskälte geschickt. Doch trotz äußerst schwieriger Bedingungen wollten Corinna und eine andere Schwester unbedingt eine Zusammenkunft besuchen.

2 Sie erzählt: „Wir machten uns am Abend auf und gingen zu Fuß zu einem 25 Kilometer entfernten Bahnhof. Der Zug fuhr um zwei Uhr morgens ab. Nach sechs Stunden Fahrt stiegen wir aus und liefen noch einmal 10 Kilometer zu dem Haus, wo wir uns alle treffen wollten.“ Hat sich der Aufwand gelohnt? Corinna sagt: „Wir haben gemeinsam den Wachtturm studiert und Königreichslieder gesungen. Das hat uns und unserem Glauben ungemein gutgetan!“ Obwohl sie erst nach drei Tagen wieder auf der Kolchose  ankamen, hatte der Kolchoseleiter ihre Abwesenheit nicht einmal bemerkt.

3 Für Jehovas Volk war es schon immer etwas ganz Besonderes zusammenzukommen. Gleich nachdem die Christenversammlung gegründet worden war, waren Jesu Nachfolger „fortgesetzt einmütig im Tempel anwesend“ (Apg. 2:46). Uns ist es wahrscheinlich genauso wichtig, regelmäßig bei den Zusammenkünften anwesend zu sein. Doch das ist für keinen von uns leicht. Der Beruf, ein vollgepackter Zeitplan oder Erschöpfung durch den Alltag können es uns schwer machen, die Zusammenkünfte zu besuchen. Was kann uns trotzdem motivieren, wenn irgend möglich, anwesend zu sein? [1] Wie können wir unseren Bibelschülern und anderen erkennen helfen, wie wichtig die Zusammenkünfte sind? Der vorliegende Artikel erklärt, warum unsere Anwesenheit bei den Zusammenkünften 1. gut für uns ist, 2. gut für andere ist und 3. Jehovas Herz erfreut. [2]

GUT FÜR UNS

4. Wie können wir Jehova durch die Zusammenkünfte besser kennenlernen?

4 Zusammenkünfte schulen uns. Bei jeder Zusammenkunft haben wir die Chance, unseren Gott, Jehova, besser kennenzulernen. Beispielsweise haben die meisten Versammlungen in einem Zeitraum von knapp zwei Jahren beim Versammlungsbibelstudium das Buch Komm Jehova doch näher betrachtet. Dabei haben wir uns mit Gottes Eigenschaften beschäftigt und jeder konnte sagen, wie er im Herzen empfindet. Hat das unsere Liebe zu unserem himmlischen Vater nicht wachsen lassen? Außerdem lernen wir Gottes Wort noch besser kennen, wenn wir bei Vorträgen, Darbietungen und Bibellesungen gut zuhören (Neh. 8:8). Denken wir nur an die Schätze, die wir jede Woche beim Bibellesen entdecken — sei es beim Vorbereiten oder wenn sie von anderen vorgestellt werden.

5. Wie haben dir Zusammenkünfte geholfen, das anzuwenden, was du aus der Bibel gelernt hast, und dich im Dienst zu verbessern?

5 In den Zusammenkünften erfahren wir, wie wir biblische Grundsätze in allen Lebensbereichen anwenden können (1. Thes. 4:9, 10). Das Wachtturm-Studium beispielsweise ist auf die Bedürfnisse von Gottes Volk zugeschnitten. Hat es dich schon einmal veranlasst, deine Ziele zu überdenken, einem Bruder zu vergeben oder deine Gebete zu verbessern? Zusätzlich haben wir die Zusammenkunft unter der Woche, die uns für den Dienst schult. Wir lernen, wie wir die gute Botschaft predigen und die Wahrheit wirkungsvoll lehren können (Mat. 28:19, 20).

6. Wie bauen uns die Zusammenkünfte auf, und wie stärken sie uns?

6 Zusammenkünfte bauen uns auf. Das gegenwärtige System kann uns mental und emotional zusetzen sowie unseren Glauben schwächen. Zusammenkünfte dagegen machen uns Mut und stärken uns. (Lies Apostelgeschichte 15:30-32.) Bei vielen Zusammenkünften frischen wir auf, wie sich biblische Prophezeiungen erfüllt haben. Das macht uns noch sicherer, dass sich Jehovas Verheißungen für die Zukunft ebenfalls erfüllen werden. Und natürlich erbauen uns die Brüder nicht nur durch Aufgaben, sondern auch durch Kommentare und ihren herzlichen Gesang (1. Kor. 14:26). Wenn wir uns darüber hinaus vor und nach den Zusammenkünften miteinander unterhalten, fühlen wir uns geborgen und erfrischt (1. Kor. 16:17, 18).

7. Warum ist es so wichtig, die Zusammenkünfte zu besuchen?

7 In den Zusammenkünften wirkt der heilige Geist. Jesus Christus sagte: „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt“ (Offb. 2:7). Ja, Jesus leitet die Versammlung durch den heiligen Geist. Und wir brauchen den heiligen Geist, um Versuchungen zu widerstehen, mutig zu  predigen und gute Entscheidungen treffen zu können. Sollten wir daher nicht alles nutzen, wodurch wir den heiligen Geist bekommen können, also auch die Zusammenkünfte?

GUT FÜR ANDERE

8. Warum baut es unsere Brüder auf, wenn wir bei den Zusammenkünften anwesend sind, Kommentare geben und mitsingen? (Siehe auch den Kasten „Hinterher geht es ihm immer besser“.)

8 In den Zusammenkünften können wir unseren Brüdern zeigen, dass wir sie lieben. Ist uns bewusst, was manche aus unserer Versammlung durchmachen? Passenderweise schrieb der Apostel Paulus: „Lasst uns aufeinander achten.“ Wie können wir das schaffen? Paulus erklärte: „Indem wir unser Zusammenkommen nicht aufgeben“ (Heb. 10:24, 25). Wenn wir bei den Zusammenkünften anwesend sind, vermitteln wir unseren Brüdern, dass sie unser Interesse, unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit verdienen. Außerdem bauen wir unsere Brüder auf, wenn wir Kommentare geben und gern mitsingen (Kol. 3:16).

9, 10. (a) Wie geht aus Jesu Worten in Johannes 10:16 hervor, warum es so wichtig ist, uns mit unseren Brüdern zu versammeln? (b) Wie können wir denen helfen, die von ihrer Familie zurückgestoßen worden sind, wenn wir bei den Zusammenkünften regelmäßig anwesend sind?

9 Zusammenkünfte vereinen uns mit unseren Brüdern. (Lies Johannes 10:16.) Jesus verglich sich selbst mit einem Hirten und seine Nachfolger mit einer Schafherde. Aber kann man von einer Herde sprechen, wenn zwei Schafe auf einem Hügel sind, zwei andere im Tal und ein weiteres irgendwo anders grast? Normalerweise bleibt eine Schafherde zusammen und ihr Hirte kümmert sich um sie. Auch wir können unserem Hirten nur folgen, wenn wir uns nicht zurückziehen. Nur wenn wir mit unseren Brüdern und Schwestern zusammenkommen, können wir also „eine Herde“ unter „einem Hirten“ sein.

10 Wenn wir uns versammeln, tragen wir zur Einheit in der Bruderschaft bei (Ps. 133:1). Etliche unserer Brüder sind von ihren Eltern und Geschwistern zurückgestoßen worden. Doch Jesus hat versprochen, ihnen sozusagen eine Ersatzfamilie zu schenken, die sie liebt und für sie da ist (Mar. 10:29, 30). Wenn wir bei den Zusammenkünften regelmäßig anwesend sind, können wir für diese lieben Brüder wie ein Vater, eine Mutter, ein Bruder oder eine Schwester sein. Ist das nicht ein guter Grund, alles zu tun, um anwesend zu sein?

WIR ERFREUEN JEHOVAS HERZ

11. Wie können wir durch die Zusammenkünfte Jehova das schenken, was er verdient?

11 In den Zusammenkünften geben wir Jehova, was ihm zusteht. Als unser Schöpfer verdient  Jehova Lobpreis, Herrlichkeit, Dank und Ehre. (Lies Offenbarung 7:12.) Wenn wir zusammen beten, singen und über Jehova sprechen, schenken wir ihm das, was er ohne Frage verdient: unsere Anbetung. Was für ein kostbares Vorrecht wir doch haben, denjenigen zu ehren, dem wir so viel verdanken!

12. Wie berührt es Jehova, wenn wir auf ihn hören und die Zusammenkünfte besuchen?

12 Außerdem verdient Jehova unseren Gehorsam. Er hat uns ja geboten weiterhin zusammenzukommen — vor allem in der Zeit des Endes. Und Jehova freut sich, wenn wir auf ihn hören (1. Joh. 3:22). Ihm entgeht nicht, wie sehr wir uns bemühen, bei jeder Zusammenkunft anwesend zu sein. Das schätzt er überaus (Heb. 6:10).

13, 14. Wieso kommen wir Jehova und Jesus in den Zusammenkünften näher?

13 Unsere Anwesenheit zeigt Jehova, dass wir ihm und seinem Sohn näherkommen wollen. Bei den Zusammenkünften leitet uns unser Großer Unterweiser durch sein Wort, die Bibel (Jes. 30:20, 21). Sogar Besucher können zu dem Schluss kommen: „Gott ist wirklich unter euch“ (1. Kor. 14:23-25). Durch seinen Geist lenkt Jehova nicht nur die Zusammenkünfte, sondern auch das biblische Lehrprogramm. Sind wir also anwesend, können wir Jehova zuhören und verspüren, wie liebevoll er für uns sorgt. So kommen wir ihm näher.

14 Jesus sagte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mat. 18:20). Vom Grundsatz her trifft das auch auf unsere Zusammenkünfte zu. Als das Haupt der Versammlung ist Christus derjenige, „der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt“, also inmitten der Versammlungen von Gottes Volk (Offb. 1:20 bis 2:1). Jehova und Jesus sind demnach beide unmittelbar daran beteiligt, uns in den Zusammenkünften zu stärken. Erkennen wir, wie Jehova sich freuen muss, wenn er beobachtet, wie sehr wir ihm und seinem Sohn näherkommen wollen?

15. Wie zeigen wir durch unsere Anwesenheit bei den Zusammenkünften, dass wir auf Gott hören wollen?

15 Unsere Anwesenheit bei den Zusammenkünften lässt erkennen, dass wir Gottes Souveränität unterstützen. Jehova hat uns zwar das Gebot gegeben uns zu versammeln, doch er zwingt uns nicht dazu (Jes. 43:23). Das gibt uns die Gelegenheit, Jehova zu zeigen, wie sehr wir ihn lieben und seine Herrschaft unterstützen (Röm. 6:17). Womöglich erwartet aber unser Arbeitgeber von uns, so viel zu arbeiten, dass wir nicht regelmäßig in den Zusammenkünften sein können. Oder der Staat droht uns mit einer Geldstrafe, mit Gefängnis oder mit etwas Schlimmerem, wenn wir zur Anbetung zusammenkommen. Wir könnten aber auch versucht sein, eher Freizeit zu genießen, als uns zu versammeln. In jeder dieser Situationen stehen wir vor der Frage: Wem werde ich dienen? (Apg. 5:29). Wenn wir uns dafür entscheiden, Jehovas Souveränität zu unterstützen, lassen wir sein Herz vor Freude höherschlagen (Spr. 27:11).

WEITERHIN ZUSAMMENKOMMEN

16, 17. (a) Woher wissen wir, dass die Zusammenkünfte für die ersten Christen sehr wichtig waren? (b) Wie empfand Bruder George Gangas für die Zusammenkünfte?

16 Nach der bedeutsamen Zusammenkunft von Pfingsten 33 hörten die ersten Christen nicht auf, sich zu versammeln. Stattdessen „widmeten [sie] sich weiterhin der Lehre der Apostel“ und waren Tag für Tag „fortgesetzt einmütig im Tempel anwesend“ (Apg. 2:42, 46). Das griechische Wort, das mit „sich widmen“ übersetzt wurde, bedeutet auch, fortwährend oder beharrlich an etwas festzuhalten. Für die Christen im Römischen Reich war es nicht leicht zusammenzukommen, zumal es ihnen die jüdischen Geistlichen zusätzlich  schwer machten. Dennoch hielten sie beharrlich daran fest.

17 Heute schätzen Diener Jehovas die Zusammenkünfte ebenfalls. George Gangas, der über 22 Jahre ein Mitglied der leitenden Körperschaft war, sagte: „Für mich ist das Zusammenkommen mit den Brüdern etwas vom Schönsten, was mir das Leben bieten kann, und eine Quelle der Ermunterung. Ich bin gern einer der ersten im Königreichssaal und, wenn möglich, einer der letzten, die weggehen. Ich verspüre eine innere Freude, wenn ich mich mit denen, die zu Gottes Volk gehören, unterhalten kann. Unter ihnen fühle ich mich zu Hause und in ein geistiges Paradies versetzt.“ Er fügte noch hinzu: „So, wie der Kompass stets nach Norden zeigt, sind auch meine innersten Gedanken und Wünsche auf den Besuch der Zusammenkünfte gerichtet.“

18. Wie empfindest du für die Zusammenkünfte, und was hast du dir vorgenommen?

18 Empfindest du ähnlich, wenn es um die Zusammenkünfte geht? Wenn ja, dann sei entschlossen, dich fortwährend und beharrlich zu bemühen, regelmäßig zur Anbetung Jehovas zusammenzukommen. So lässt du die gleiche Einstellung erkennen wie König David, der sagte: „Jehova, ich habe geliebt die Wohnung deines Hauses“ (Ps. 26:8).

^ [1] (Absatz 3) Manche unserer Brüder sind nicht in der Lage, die Zusammenkünfte regelmäßig zu besuchen. Das liegt an Umständen, auf die sie keinen Einfluss haben, wie zum Beispiel eine schlimme Erkrankung. Sie können sich sicher sein, dass Jehova ihre Situation kennt und ihren von Herzen kommenden Dienst sehr schätzt. Was können Älteste hier tun? Sie können das Programm aufnehmen lassen oder eine Telefonzuschaltung ermöglichen, damit solche Brüder es nicht versäumen.

^ [2] (Absatz 3) Siehe den Kasten „Warum wir Zusammenkünfte besuchen“.